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Autor: hera

Bettina Belitz: Splitterherz

Bettina Belitz: Splitterherz

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Kaulenfeld ist ein kleines Dorf im Westerwald. Hierher ist die Familie aus Köln gezogen. Elisabeth gefällt es in der Einöde nicht, auch wenn ihre Eltern da ganz anderer Meinung sind. Elisabeth wird von unerklärbaren Träumen und Angstgefühlen geplagt. Selbst tagsüber hat sie keine Ruhe. Den seltsamen geisterhaften Reiter, dem sie im Wald begegnet, hält sie für eine Erscheinung, bis sie ihn kennen lernt. Elisabeth beobachtet ihn heimlich in der Turnhalle beim Training und erkennt ihn an seinen Bewegungen wieder. Von Colin Blackburn geht eine seltsame Faszination aus, die ihr unerklärlich ist. Der junge Mann zeigt sich unnahbar. Eigentlich müsste Elisabeth auf Abstand gehen, doch sie lässt nicht locker, ihm näher zu kommen. Bald muss sie erkennen, dass zwischen ihm und ihrem Vater eine unheilvolle Verbindung besteht. Ihre Liebe zu Colin stürzt ihre Familie in Verzweiflung, denn bisher Verschwiegenes, wird offenbar. Trotzdem gibt sich Elisabeths Vater weiter rätselhaft. Er verbietet seiner Tochter den Umgang mit Colin. Weil Elisabeth nicht auf ihn hören will und kann, entwickelt sich eine schicksalhafte Beziehung zwischen ihr und dem jungen Mann, deren Fortbestehen in einer Katastrophe zu enden droht.

Die Geschichte ist sehr romantisch. Gefühle spielen also eine Hauptrolle im Buch. Elisabeth verliebt sich Hals über Kopf in einen jungen Mann, zu dem sie besser Abstand halten sollte. Aber jegliche Vernunft kommt ihr abhanden, weil sie ihre Gefühle nicht mehr im Zaum halten kann. Von Anfang an ist es eine unheilvolle Verbindung. Gruselige und unwirkliche Szenen verursachen beim Leser Gänsehaut. Nur nach und nach offenbart die Autorin Geheimnisse.
Colin ist eine sehr mysteriöse Person. Man kann ihn schlecht einschätzen. So muss man auch annehmen, dass Elisabeth seine Gefährlichkeit unterschätzt. Sie schlägt alle Warnungen in den Wind. Colin als Vampir zu bezeichnen, wäre falsch. Er hat es nicht auf das Blut seiner Opfer abgesehen. Und trotzdem raubt er etwas, das auch lebenswichtig ist.

Dass die Eltern ihrer Tochter vieles verschwiegen haben, macht das Buch noch einmal spannender. Man weiß nie so recht, woran man ist und kann so gut nachvollziehen, wie Elisabeths handelt. Die Faszination, die Elisabeth für Colin empfindet, auf den Leser zu übertragen, gelingt der Autorin ganz gut. Es kommt eben darauf an, inwieweit man bereit ist zu glauben und sich auf die Geschichte einzulassen.
Das Buch ist in sich abgeschlossen. Es ist aber der Auftakt zu einer Trilogie. Man darf also darauf hoffen, dass sich Elisabeth und Colin wieder begegnen.

Rezension von Heike Rau

Bettina Belitz
Splitterherz
632 Seiten, gebunden
ab 13 Jahren
script 5 im Loewe Verlag
ISBN-10: 3839001056
ISBN-13: 978-3839001059

Hildegard Möller: Solo für Genießer

Hildegard Möller: Solo für Genießer

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Als Single ist das mit dem Kochen so eine Sache. Das fängt schon beim Einkauf an, denn meist sind die Packungen zu groß. Dann hat man viel zu viel übrig und muss zwei Tage hintereinander das Gleiche essen. Mancher scheut auch den Aufwand, weil kochen für eine Person nicht lohnt. Dies Sorgen muss man sich aber nicht machen, wie die Kochbuchautorin Hildegard Möller mit ihrem „Solo für Genießer“ beweist.

Sie hilft der Kreativität auf die Sprünge. Man muss natürlich sehr gut den Einkauf planen und auch Vorräte anlegen. Hat man die Zeit, kauft man Frisches dazu. Kommt man erst Abends spät nach Hause, hat man noch eine gute Auswahl unter den Vorräten.
Jetzt muss man sich nur noch aufraffen und etwas zubereiten. Klar ist es einfacher, eine Tiefkühlpizza in die Mikrowelle zu schieben. Aber die braucht bis zu 20 Minuten und diese Zeit kann man auch gut nutzen, um etwas viel Leckeres und vor allem Gesünderes auf den Tisch zu bringen. Die Autorin hat Rezepte zusammengestellt, die wenig Vorbereitungszeit haben. Sie arbeitet zudem mit Lebensmitteln schnell gegart sind. Von mancher Zutat wird gleich die doppelte Menge gekocht, die dann am nächsten Tag in einem ganz anderen Rezept Verwendung findet. Der Aufwand hält sich dank guter Planung also in Grenzen.

Es gibt eine interessante Kapiteleinteilung mit verschiedenen Rezepten. Unter „Schnelle After-Work-Küche“ findet man zum Beispiel „Geschmortes Sommergemüse mit Ricotta-Basilikum-Crostini“ und unter „Pasta“ leckere „Spaghetti mit Zitronen-Thunfisch-Sauce und Kapern“.
Dieses Rezept habe ich ausprobiert. Alle Zutaten gibt der Vorrat her. Man kann dieses Gericht auch zubereiten, wenn keine Zeit für einen Einkauf war. Gerade mal 10 Minuten braucht man dafür. Während die Nudeln kochen, bereitet man die Soße zu. Einfach und lecker! Hat man Thunfisch, Kapern und Zitronensaft übrig, schlägt die Autorin vor, dies zu einer leckeren Thunfisch-Creme für den nächsten Tag zu verwenden.
Weiter geht mit „Grünzeug mit Genuss“. Hier findet man unter anderem „Blattsalat mit gebratenem Ingwer-Zitronen-Lachs“. Bei den „Snacks“ kann man zum Beispiel „Ofen-Baguette mit Chorizo und Schafskäse“ wählen. Und unter „Fernwehküche für Solo-Esser“ die „Zitrusfrüchte mit Scampi“. Für das Wochenende, wenn mal etwas mehr Zeit ist, kann man sich mit der „Gourmetküche für eine Person“ verwöhnen und unter anderem das „Lachssteak mit Orangen-Salsa“ genießen. „Die Lunch-Ideen fürs Büro“ überzeugen mit „Mediterranem Kartoffelsalat“. Und was ist, wenn Gäste kommen? Dann hält man sich an „Kochen für 4+“. Ohne viel Aufwand lässt sich ein Menü kreieren, dass beeindrucken wird.

Das Kochbuch ist sehr gut durchdacht. Es überzeugt zudem durch die Kreativität der Autorin. Es ist erstaunlich zu sehen, was sich in kürzester Zeit und auch ohne großen Aufwand zubereiten lässt. Besonders dann, wenn man ein wenig Erfahrung im Kochen hat. Sicher werden Anfänger eine Anlaufzeit brauchen, aber eben keine die verzweifeln lässt. Die Auswahl an Rezepten ist groß und an verschiedene Bedürfnisse angepasst. Es macht Spaß, im Buch zu blättern und sich inspirieren zu lassen. Zu jedem Rezept gibt es ein paar Zeilen Text mit einer Einstimmung auf den zu erwartenden Genuss. Auch die Fotos tragen ihren Teil dazu bei. Es sind sehr schöne Arrangements mit perfekter farblicher Abstimmung. So macht man sich dann motiviert und Appetit verspürend an die Arbeit. Die Anleitungen sind ausführlich gehalten und damit auch gut nachvollziehbar. Na dann, guten Appetit!

Rezension von Heike Rau

Hildegard Möller
Solo für Genießer
Kreativ kochen für einen Teller
140 Seiten, gebunden
Franckh Kosmos Verlag
ISBN-10: 3440121283
ISBN-13: 978-3440121283

Berit Brockhausen: Du hast Recht und ich meine Ruhe?

Berit Brockhausen: Du hast Recht und ich meine Ruhe?

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So manche Beziehung verursacht Ärger und Unmut, besonders dann, wenn der Alltag Paare eingeholt hat. Doch die schlechte Stimmung muss nicht sein. Mit bestimmten Strategien kann man die Harmonie wieder herstellen.
Berit Brockhausen arbeitet seit 25 Jahren als Paartherapeutin. Ihre Strategien zur Rettung einer Partnerschaft haben sich also bewährt. Sie hat viele Fallbeispiele parat, die zeigen, was dahinter steckt, wenn Paare meinen, dass die Harmonie auf der Strecke geblieben ist. Sie arbeitet die Verhaltensweisen heraus, die Ursache dafür sind. Die kleinen Geschichten sind so allgemein gehalten und doch so überraschend treffen, dass man sie gut auf sich beziehen kann. Immer wird das Problem von zwei Seiten betrachtet. Schließlich gehören zu einem Paar zwei und die sind nun mal oft nicht einer Meinung. Versuche den anderen zu ändern, sind zum Scheitern verurteilt, wenn man nicht bereit ist, auch an sich selbst zu arbeiten, das stellt die Autorin klar.
Ohne Kritik zu üben, geht sie auf Probleme ein. Sie zeigt, was Harmonie ist und wie man diese Zufriedenheit in einer Partnerschaft erreicht. Sie steigert die Eigenwahrnehmung und erklärt, wie man erkennt, was im anderen vorgeht. Es gibt im täglichen Miteinander Dinge, die man gut auf sich beruhen lassen kann, aber auch Konflikte, die man austragen muss, dann aber richtig. So wird gezeigt, wie man ein Konfliktgespräch führen kann, wie man dabei seinen eigenen Ärger im Zaum hält, seine Interessen versuchen kann durchzusetzen, ohne den Blick auf die Bedürfnisse und Ziele des anderen zu übergehen, um eine gemeinsame für beide akzeptable Lösung zu finden.

Eine durch und durch verfahrene Situation kann man mit Hilfe des Buches sicher nicht retten. Man erhält aber viele Ratschläge zur Bewältigung alltäglicher Probleme, die in einer Partnerschaft auftreten und die Harmonie bedrohen können. Man kann das Zusammenleben erträglicher machen und ein liebevolles Miteinander aktiv gestalten, vorrausgesetzt man ist bereit, sich zu ändern, statt dies nur vom Partner zu erwarten. Die Schuld beim anderen zu suchen, ist kein Weg aus der Krise. Die Autorin dröselt typische Reaktionsmuster auf, die man erkennen lernen muss, um etwas zu verändern. Man lernt also zu verstehen, was zu Verstimmungen führt und erhält Wege zur Vermeidung aufgezeigt. Man kann nur staunen, wie das nach dem immergleichen Muster in Partnerschaften abläuft. Insgesamt gibt es im Buch um dreißig alltagstaugliche Harmoniestrategien, wobei von der Autorin auch nicht verschwiegen wird, dass Risiken und Nebenwirkungen nicht auszuschließen sind. Aber es ist sicher einen Versuch wert, die ein oder andere Strategie auszuprobieren. Am Besten wäre es natürlich, wenn beide Partner das Buch lesen.

Rezension von Heike Rau

Berit Brockhausen
Du hast Recht und ich meine Ruhe?
Effektive Beziehungsstrategien für Konfliktscheue
192 Seiten, Klappenbroschur
Südwest Verlag
ISBN-10: 3517085294
ISBN-13: 978-3517085296

Nina Blazon: Totenbraut

Nina Blazon: Totenbraut

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Eigentlich sollte Jasna nicht vor ihrem 16. Lebensjahr verheiratet werden. Doch der Fremde Jovan Vuković sucht eine Frau für seinen Sohn. Der Gutsherr hat Geld und Jasnas Vater ist bereit, eine seiner sieben Töchter zu verkaufen. Die beiden älteren kommen nicht infrage und so muss Jasna gehen. Noch am Tag ihrer Ankunft wird sie mit Danilo verheiratet. Sie weiß, dass sie ihn nie lieben wird. Schon in der Hochzeitsnacht versucht sie zu fliehen, doch der alte Simeon redet es ihr aus. Jasna fühlt sich auf dem Gut nicht wohl. Es herrscht ein Unfriede, den sie sich nicht erklären kann. Auch im Dorf hält man nichts von ihrer neuen Familie und so wird Jasna mit ausgegrenzt. Doch sie findet Menschen, die mit ihr sprechen. DuÅ¡an, ein fahrender Holzfäller, und auch Frauen, die ebenfalls keinen guten Stand in der Gemeinschaft haben. Jasna hört, dass Danilo gar nicht Jovans Sohn sein soll, sondern Gorans. Danilos Mutter hat ihn am Grab geheiratet, so wie es gegen ihren Willen bestimmt wurde. Marja war eine Totenbraut. Damit begann das Unheil. Goran kehrte wieder.

Die Männer aus dem Gut sind verflucht und von der Kirche ausgeschlossen. Es ist eine unheimliche Gegend. Die tote Marja ist auf eine furchterregende Weise allgegenwärtig. Nema, die stumme Alte, zu der Jasna am Anfang noch etwas Vertrauen hatte, wendet sich bald ab. Danilo ist nicht bereit, so wie sein Vater es wünscht, Nachkommen mit Jasna zu zeugen. Das Gespinst aus Lügen, Geheimnissen und Rätseln wird immer dichter. Doch Jasna will dem Aberglaube keine neue Nahrung geben. Sie will herausfinden, was wirklich auf dem Gut und im Dorf vorgeht.

Es gibt sie, die Bücher, die man nicht einfach nur liest, sondern verschlingt. „Die Totenbraut“ ist eines davon. Die Geschichte beginnt im Jahre 1731 im heutigen Serbien. Im Anhang kann man lesen, was an historisch Belegtem der Geschichte zu Grunde liegt.
Mit Fantasie ausgefüllt, ist daraus ein spannendes Buch geworden, getragen vom Aberglaube jener Zeit, romantisch und gruselig zugleich.
Die Stimmung im Buch wird vor allem vom Schreibstil der Autorin getragen. Sie versteht es, die richtigen Worte zu finden. Diese perfekte Ausformulierung lässt die Geschichte fließen. Man lebt diese förmlich mit, fühlt sich nah an Jasnas Seite, die wahrhaft Albtraumhaftes erlebt. Sie ist eine zarte Persönlichkeit, so dass ihre Stärke überrascht. DuÅ¡an nennt sie „Distel“. Das passt sehr gut.
Auch wenn Jasna ihren Mann nicht liebt, so ist das Buch doch auch eine Liebesgeschichte. DuÅ¡an, der fahrende Holzfäller, wird zum Mann ihrer Träume. Man sieht ihn als Retter bis er sich als Schlitzohr entpuppt.
Das Vampir-Thema wurde auf eine interessante Art und Weise aufgegriffen. Keine Klischees, sonder wirklicher Volksglaube liegt der Geschichte zugrunde.

Rezension von Heike Rau

Nina Blazon
Totenbraut
429 Seiten, gebunden
ab 13 Jahren
Ravensburger Buchverlag
ISBN-10: 3473353043
ISBN-13: 978-3473353040

Bernhard Wolff: Denken hilft

Bernhard Wolff: Denken hilft

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Gedächtniskünstler wie Bernhard Wolff kann man nur bewundern. Besonders dann, wenn man selbst mal wieder eine Gedächtnislücke hat und einfach nicht auf den Namen eines alten Bekannten kommt, den man lange nicht gesehen hat. Auch in der Entscheidungsfindung tut man sich oft schwer. Manchmal fehlt es einfach an guten Ideen, um im Beruf bestehen zu können. Immer wieder treten solche Situationen auf, wo uns das Gedächtnis im Stich lässt. Doch Kreativität und Wortschatz kann man trainieren.

Wie das geht, beschreibt der Autor in seinem Buch ganz genau. Es heißt nicht umsonst im Untertitel „Frische Ideen für Gedächtnis und Kreativität“. Man erfährt wie man sein Gedächtnis trainieren und das Talent für das Improvisieren fördern kann, wie man sein Vorstellungsvermögen anregen und seine Kreativität weiterentwickeln kann. Da gibt es zahlreiche Tipps und Tricks, die aufzugreifen sich lohnt. Es wird aber nicht nur Theorie vermittelt, es wird gleich trainiert. Damit ist das Buch nicht nur sehr interessant, sonder auch sehr unterhaltsam.

Der Autor denkt über dies und jenes nach. Folgt man seinen Gedankengängen kann man nachvollziehen, was Kreativität im Leben bewirken kann und wie erfrischend es sein kann, eingefahrene Verhaltensmuster zu ändern. Es lohnt sich, die Dinge einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten oder aus gewohnten Bahnen auszubrechen. Nicht nur privat, auch beruflich kann das lohnen.

Es dauert also, bis man das Buch gelesen hat. Es macht Spaß, sich auf die Aufgaben zum Gedächtnistraining einzulassen und sich, was die Kreativität betrifft, inspirieren zu lassen. Sofortiger Erfolg ist garantiert. Außerdem gibt es viel Stoff zum Nachdenken. Da wird man auch mal mit einem kleinen Schock zur Erkenntnis gebracht. Es ist Zeit zum Umdenken, das wissen wir. Was bleibt vom Buch, ist vor allem die Einsicht, kein Frosch sein zu wollen …

Rezension von Heike Rau

Bernhard Wolff
Denken hilft
Frische Ideen für Gedächtnis und Kreativität
224 Seiten, gebunden
Wilhelm Heyne Verlag
ISBN-10: 345316542X
ISBN-13: 978-3453165427

Dan Simmons: Drood

Dan Simmons: Drood

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Am 9. Juni 1865 geschieht das Zugunglück. Charles Dickens und seine Reisegefährtinnen überleben, während viele andere sterben. Fortan hat Dickens bei jeder Zugfahrt Probleme, seine Angst im Zaum zu halten. Und noch etwas setzt ihm zu: Die seltsame Gestalt im schwarzen Umhang, der er an der Unfallstelle begegnet ist. Man könnte den Mann für den Tod selbst halten, auch wenn Dickens ihn lieber für einen Leichenbestatter hält.
Willkie Collins erlebt Dickens nach dem Unglück vom Staplehurst erschreckend gealtert. Dickens hat sogar die Stimme eines anderen. Damit erzählt er ihm von dem merkwürdigen Mann, genannt Drood. Dickens will Drood aufspüren und seine Geschichte erfahren. Der Schriftsteller glaubt, hier den Stoff für eine Geschichte zu finden. Er spannt den ehemaligen Inspector Field für seine Zwecke ein, der ihm Detective Hatchery zur Verfügung stellt. Beide sind in Rente, bzw. beurlaubt von der Polizeiarbeit und arbeiten als Privatermittler.
Drood muss als blinder Passagier unterwegs gewesen sein. Alles deutet darauf hin, dass er in einem Sarg mit dem Zug gereist ist. Die Spuren führen in die Unterstadt. Und so steigen Dickens, Collins und Hatchery hinab in die Katakomben. Collins, dem die Zustände im unterirdischen London ungemein zusetzen, bleibt schließlich zurück, während Dickens seine Spurensuche fortsetzt. Er kommt tatsächlich mit einer Geschichte zurück, die er weiterverfolgen und später niederschreiben, aber nie vollenden wird und die auch Collins Leben fortan beschäftigen soll.

Collins erzählt die Geschichte aus seiner Sicht. Er hält sich für einen brillanten Autor, auch wenn er sicher nicht an Dickens heranreicht, der sein Freund und Mentor ist. Und doch sind die beiden auch Konkurrenten, was im Verlauf der Geschichte immer mehr zum Tragen kommt. Collins kommt im Grunde mit dem normalen Leben schon nicht klar. Er meistert den Alltag nur mit Laudanum, von dem er immer größere Mengen braucht. Es beflügelt auch seine Fantasie. Die Geschichte Droods setzt ihm immer mehr zu, er ist besessen davon. Und Dickens fördert dies noch, statt seinen Freund hier zu bremsen.

Das Buch ist über mehrere hundert Seiten ausgesprochen spannend. Es ist das Mysteriöse, was fesselt. Die Handlung erscheint perfekt geführt. Doch später weiß man nicht mehr, woran man ist. Wahrheit und Fantasie, aus dem Laudanum-Rausch heraus entstanden, vermischen sich immer mehr. Collins wird zu einem Erzähler, den man nicht mehr ernst nehmen kann. So ist es Dan Simmons auch nicht gelungen, für ein zufriedenstellendes Ende des Buches zu sorgen, auch wenn das Geheimnis um Edwin Drodd gelüftet scheint. Ob in Charles Dickens Sinne, sei dahingestellt.

Der Schreibstil des Autors gefällt gut. Er ist vom Bemühen um ausgesuchte Höflichkeit, selbst in haltlosen Situationen zu wahren, geprägt. Unter Gentlemen dieser Zeit war das so üblich und kommt besonders in den Dialogen zur Geltung. Allerdings bremsen lange Schachtelsätze, der sehr ausschweifend erzählten Geschichte, den Lesefluss ein wenig.
Das Handlung begeistert also schon. Und wenn die Geschichte im letzten Drittel des Buches einen anderen Verlauf genommen hätte, könnte man es uneingeschränkt weiterempfehlen. So aber, wird es nicht jedermanns Sache sein.

Rezension von Heike Rau

Dan Simmons
Drood
Übersetzt von Friedrich Mader
976 Seiten, gebunden
Wilhelm Heyne Verlag
ISBN-10: 345326598X
ISBN-13: 978-3453265981

Heiko Bellmann: Der große Kosmos Pflanzenführer

Heiko Bellmann: Der große Kosmos Pflanzenführer

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Unsere heimische Pflanzenwelt ist von Vielfalt geprägt. Über 1200 Arten findet man im Pflanzenführer versammelt. Dieser ähnelt vom Format her einem Atlas. Pflanzen, Flechten und Pilze werden hier sehr übersichtlich in neun Kapiteln dargestellt. Die erste Gruppe bilden die „Bäume und Sträucher“. Es folgen „Liliengewächse und Verwandte“, „Korbblütler und Verwandte“, „Rachenblütler und Verwandte“, Enziangewächse und Verwandte“, „Rosengewächse und Verwandte“, Kreuzblütler und Verwandte“, „Farne, Moose und Algen“, „Flechten“ und die „Pilze“.

Zu jedem Kapitel gibt es eine sehr spannende Einführung auf eine Doppelseite. Sehr anschaulich und mit Leidenschaft für alles was wächst, wird hier die jeweilige Pflanzengruppe erklärt. Dann geht es auch schon zu den Pflanzenporträts. „Kleines Immergrün“, „Europäische Lärche“, „Wald-Gelbstern“, „Rainfarn“, „Gewöhnliches Leinkraut“, „Drüsiges Springkraut“, „Wechselblättriges Milzkraut“, „Große Sternmiere“, „Gewöhnlicher Wurmfarn“, „Wand-Gelbflechte“ und „Maronenröhrling“ und andere werden in Wort und Bild beschrieben. Neben den Pflanzenmerkmalen findet man noch eine Rubrik mit Wissenswertem. Geschütze Arten erkennt man an einem Symbol. Zum Pflanzenschutz findet man auch noch mal etwas in der Einführung am Anfang des Buches.

Durch das große Format können bis zu zwölf Pflanzen auf einer Doppelseite gezeigt werden. Das ist ausgesprochen praktisch, weil man ähnliche Pflanzen sehr gut vergleichen kann. Die Bestimmung wird so, gerade auch für Laien, sehr vereinfacht. Neben dem Registern mit deutschen und botanischen Namen gibt es noch ein Glossar und auf einer Doppelseite die Erklärungen zu den verwendeten botanischen Grundbegriffen.

Besonders wichtig für so ein Buch sind natürlich die Fotos, geben diese doch erste Orientierung. Sie sind gut ausgewählt und auch die Qualität stimmt. Meist ist es gelungen, die Pflanzen so darzustellen, dass eine Bestimmung zweifelsfrei gelingen sollte. Die kurze, aber sehr prägnante Beschreibung hilft hier auch noch einmal gut weiter. Zudem gibt es viele detaillierte Zeichnungen in den Einführungen zu den Pflanzengruppen. Für Naturfreunde ist das Buch sehr zu empfehlen! Es macht Spaß, damit zu arbeiten.

Rezension von Heike Rau

Heiko Bellmann
Der große Kosmos Pflanzenführer
1200 Arten Mitteleuropas
205 Seiten, 1300 Abbildungen, Sonderausgabe
Franckh Kosmos Verlag
ISBN-10: 3440100944
ISBN-13: 978-3440100943

Jörg Zittlau: Jetzt helfe ich mir selbst

Jörg Zittlau: Jetzt helfe ich mir selbst

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Es gibt Tage, da geht es einem nicht so gut. Mit manchen Befindlichkeitsstörungen muss man aber nicht gleich zum Arzt. Linderung kann man sich, wenn es nichts Ernstes ist, trotzdem verschaffen. Viele Hausmittel haben sich bewährt. Darüber Bescheid zu wissen, kann also von Vorteil für die Gesundheit sein.

Der Autor versucht zu erklären, was man selbst behandeln kann. Aber man muss schon einschätzen können, ob ein Arztbesuch nicht vielleicht doch sinnvoller ist. Kann man das, ist das Buch eine große Hilfe bei leichten Beschwerden aller Art. Was kann man machen, wenn die Augen nach einem arbeitsreichen Tag vor dem Computer müde sind? Was tut man, wenn man Halsschmerzen hat oder ein Sonnenbrand quält? Was hilft gegen übermäßiger Schweißbildung, eingewachsene Zehennagel oder niedrigem Blutdruck? Was tut man bei Durchfall, Kopfschmerzen oder einer Zahnfleischendzündung? Nicht immer müssen hier schwere Geschütze aufgefahren werden, damit Besserung eintritt.

Im Buch werden die Beschwerden genau geschildert und dann wird eine Behandlung empfohlen. Naturmedizin und Homöopathie stehen im Vordergrund. Es gibt aber auch Ernährungstipps oder Anwendungen nach Kneipp. Die Möglichkeiten, der Gesundheit auf die Sprünge zu helfen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren sind zahlreich. Manchmal hilft es ja schon, sich einfach etwas Gutes zu tun. Hierzu gibt es viele Tipps im Buch. Die Wärmflasche auf dem Cover ist ein Symbol dafür. Dass man dann doch Krankheiten wie zum Beispiel die Masern im Buch findet, verwundert, zumal hier bei normalem Verlauf eine ärztliche Unterstützung für Kinder nicht für notwendig befunden wird.
Die Texte hat der Autor sehr gut verständlich gehalten. Man kann seinen Ausführungen problemlos folgen. Die inhaltliche Untergliederung nach Beschwerdebildern ist übersichtlich. Es gibt aber auch ein Register, so dass man das Buch gut als Nachschlagewerk benutzen kann.

Rezension von Heike Rau

Dr. Jörg Zittlau
Jetzt helfe ich mir selbst
Die besten Hausmittel für alle Fälle
224 Seiten, gebunden
Südwest-Verlag
ISBN-10: 3517085553
ISBN-13: 978-3517085555

Kevin Brooks: Black Rabbit Summer

Kevin Brooks: Black Rabbit Summer

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Der Sommer ist herrlich langweilig bis Pete von Nicole angerufen wird. Sie lädt ihn ein, mit auf die Kirmes zu kommen. Vorher könnte man sich treffen und mit der alten Clique ein Hüttenfest feiern, so wie früher. Auch wenn es diesmal eine Abschiedsfete werden würde. Denn Pete, Nicole, Erik und Pauly würden nun nach der Schulzeit auseinandergehen.
Pete möchte auch Raymond mit dabei haben. Er zählt den eigenwilligen Jungen, der bei den anderen wenig beliebt ist, zu seinen Freunden und überredet ihn, mit zur Hütte zu kommen.
Auf dem Weg dahin begegnen die beiden Wes Campbell und seinen Kumpanen. Es entsteht eine bedrohlich wirkende Situation. Diesen Unruhestiftern begegnet man nicht gern.
In der Hütte dann ist die Stimmung recht locker. Alkohol und auch ein Joint werden herumgereicht. Man redet über Zukunftspläne. Eric, Pauly und Raymond gehen dann schon vor zur Kirmes, weil Nicole noch mit Pete alleine sein möchte. Die beiden waren früher schon einmal zusammengewesen. Doch eine vertraute Stimmung will sich diesmal nicht einstellen. Nicole verlässt Pete schwer enttäuscht.
Als Pete auf die Kirmes kommt, sieht er Raymond zusammen mit Stella Ross. Sie ist mittlerweile eine Berühmtheit geworden, wenn auch mit sehr zweifelhaften Ruf. Weil Pete weiß, dass Stella nur mit Raymond spielt, holt er ihn von ihr weg. Die beiden besuchen eine Wahrsagerin, die ausgesprochen angstmachende Andeutungen über Raymonds Zukunft macht.
Und dann auf einmal, nach dem Pete auf dem Klo war, ist Raymond verschwunden. Pete muss ihn suchen, doch es geht ihm nicht gut. Wirklichkeit und seltsame Vorstellungen verschwimmen. Am nächsten Tag ist die Katastrophe perfekt. Raymond ist nicht wieder aufgetaucht. Und noch jemand wird vermisst.

Das Buch beginnt harmlos. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Die Geschichte wird von Seite zu Seite unheilvoller. Wobei der Autor das Grauen mit ungeheurer Intensität beschreibt. Man ist als Leser so unglaublich dicht am Geschehen dran, dass es kaum zu glauben ist. Man ist praktisch mit der Hauptperson Pete auf Augenhöhe. Es gibt kein Entkommen. Aber man kann sich ohnehin nicht mehr von der Geschichte lösen, hat man erst einmal angefangen zu lesen.
Sie ist gut ausgedacht und hat Tiefgang. Sie ist aus der Ich-Perspektive Petes geschrieben. Der Blick auf das Geschehen ist also eingeschränkt. Man hat als Leser Informationen nur von einer Seite. Das erhöht die Spannung ungemein. Nichts wird vorweggenommen. Nur was Pete herausfindet ist von Belang. Pete ist ein intelligenter Junge. Man ist beeindruckt von dem, was er tut, um herauszufinden, was geschehen ist. Er will sich nicht aufhalten lassen. Weder von seinen Eltern, noch von seinen Widersachern und auch nicht von Freunden, die in Wahrheit keine sind und nie welche waren. Im Grunde wird Petes bisheriges Weltbild über den Haufen geworfen. Und auch als Leser hat man ordentlich zu knabbern am Verlauf der Geschichte. Man sehnt sich nach einem positivem Ausgang und ahnt doch, dass es den nicht geben kann. Das Buch macht sehr, sehr nachdenklich. Aber man gewinnt durch die Lektüre, weil man dazulernt … Es ist nicht einfach nur irgendeine Geschichte, sondern viel mehr.

Rezension von Heike Rau

Kevin Brooks
Black Rabbit Summer
Aus dem Englischen von Michael Gutzschhahn
528 Seiten, Klappenbroschur
ab 14 Jahren
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423247754
ISBN-13: 978-3423247757

Gesa Glück und Gerhard Glück: Ich mag keine Suppe!

Gesa Glück und Gerhard Glück: Ich mag keine Suppe!

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Freitags gibt es immer Suppe. Die mag Kaspar nicht. Diese Woche ist es Kartoffel-Lauch-Suppe. Während sein Papa mit Appetit löffelt, sitzt Kaspar vor seinem Teller und zieht ein Gesicht. Aber er wird wohl essen müssen, wenn er den leckeren Schokoladenpudding als Nachtisch haben möchte. Kaspar blickt auf seinen Teller und sieht etwas, das da nicht hingehört. Es ist kein Stückchen Lauch, denn es bewegt sich. Kaspar beginnt zu löffeln. Die Suppe muss weg, damit er sehen kann, was es ist. Längst ist der Papa wieder im Arbeitszimmer, als Kasper das kleine, grünmetallisch glänzendes U-Boot entdeckt. Wie er vom Kapitän hört, stammt das Boot von einem kleinen Inselstaat im Pazifik. Dass die Expedition es bis in die Wasserversorgungsanlagen einer Stadt bringen würde und dann sogar bis in eine Suppe, hatte er nicht geahnt. Er und sein Besatzung haben schon Heimweh. Das Boot muss zurück ins Meer, damit die Heimreise angetreten werden kann. Selbstverständlich erklärt Kaspar sich bereit, zu helfen. In seinem Zimmer werden Karten studiert. Doch dann passiert etwas Schreckliches. Das U-Boot rutsch vom Tisch und geht kaputt. Nun ist guter Rat teuer. Da holt Kaspar das Flaschenschiff seines Großonkels vom Regal. Vielleicht kann der Kapitän damit in See stechen.

Man sieht es dem Cover, auf dem ein böse dreinblickender Junge vor einem Teller Suppe sitzt, nicht an, das sich im Inneren des Buches eine so traumhaft schöne und fantasievolle Geschichte befindet. Gerade für kleine Suppenkasper ist das Buch sehr ansprechend. Die ungeliebte Suppe wird zur Grundlage für spannendes Geschichtenerfinden.
Über das, was der kleine Kaspar da erlebt, kann man wirklich nur staunen. Die Geschichte ist in ihrem Verlauf für Kinder eine Überraschung. Da macht das Vorlesen auch den Erwachsenen Spaß. Die Bilder sind recht dunkel gehalten, aber dennoch betrachtet man sie gern.
Und am Ende steht die Erkenntnis, das Suppe vielleicht doch nicht so schlecht ist, wie geglaubt. Nur interessant gemacht, muss sie schon sein! Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Rezension von Heike Rau

Gesa Glück / Gerhard Glück
Ich mag keine Suppe!
40 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert
ab 5 Jahren
Lappan Verlag
ISBN-10: 3830311451
ISBN-13: 978-3830311454