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Autor: hera

Wunderbare Valerie

Wunderbare Valerie

Lisa ist Drehbuchautorin. Bevormundet wird sie vor allem von Beatrice Lombardi, der eingebildeten und mit ausgeprägten Starallüren versehenen Hauptdarstellerin der Serie. So wird aus Lisas ursprünglich erdachter Person Olga eine ganz andere, nämlich die „Wunderbare Valerie“. Doch das rächt sich. Olga materialisiert sich und verlangt ihren ursprünglichen Charakter zurück.
Keine leichte Aufgabe, bei dem Chaos, welches sich hinter und auch vor den Kulissen abspielt.

Lisa, die Icherzählerin steht, urteilt man nach ihrer großen Klappe, mit beiden Beinen fest im Leben. Doch sie ist in Wirklichkeit total inkonsequent, egal ob es um ihre Arbeit oder ihr lebhaftes Liebesleben geht. Sie braucht einen kräftigen Tritt, um zu Bewusstsein zu kommen, und den bekommt sie von der geisterhaften Olga, die mit ihren Aufritten gehörig nervt und Lisa anregt, endlich Ordnung in ihr Leben zu bringen.

„Wunderbare Valerie“ ist ein spritzig und flüssig geschriebener Roman, gefüllt bis zur letzten Seite mit bissigem ironischem Humor und sagenhaften Wortspielen. Die Dialoge sind unschlagbar. Lisa hat immer das letzte Wort, auch wenn ihr schon längst keiner mehr zuhört.

Über die Autorin:
Elfriede Hammerl studierte Germanistik und Theaterwissenschaft an der Uni Wien. Sie ist Kolumnistin beispielsweise bei „Vogue“ und „Kurier“. Die Autorin hat bereits zahlreiche Veröffentlichung. Sie erhielt 1999 den Publizistikpreis der Stadt Wien. Elfriede Hammerl lebt mit ihrer Tochter in der Nähe von Wien.

Rezension von Heike Rau

Elfriede Hammerl
Wunderbare Valerie
287 Seiten, gebunden
Franz Deuticke Verlag
ISBN: 3-216-30674-7
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Zwölf Spaziergänge durch Venedig

Zwölf Spaziergänge durch Venedig

Sie ist allein in Venedig. Ihr Geliebter hat Angst vor zu viel Nähe. So unternimmt sie ganz für sich Spaziergänge, besinnt sich, erinnert sich und versucht Klarheit in ihre Gedanken zu bringen.

Der Leser wird zum Begleiter durch Venedig, streift mit durch die engen Gassen, kehrt ein in beschauliche Cafés, fährt mit dem Boot auf dem Canal Grande, betrachtet die vielen Sehenswürdigkeiten und die reich verzierten Paläste oder besucht Kirchen.

Die Autorin schreibt in einem sehr leisen, sehnsüchtigen und wehmütigen Ton vor dem Hintergrund dieser in Briefen und Erinnerungen angedeuteten Liebesbeziehung. Dabei erzählt sie sehr bildhaft und anschaulich, so, als hätte sie alle Zeit der Welt. Die Autorin beweist ihren Blick für Details und sieht auch hinter die Fassaden, begeistert den Leser für Kunst und Kultur. Ihre Liebe zu Venedig wird so deutlich.

Geschmückt ist das Buch mit drei Zeichnungen der Autorin, die ganz unterschiedliche Stimmungen durch das Spiel mit Licht und Farben zum Ausdruck bringen. Und auch das Cover ziert eine Pastellzeichnung der Autorin. Zu sehen ist die Santa Maria dei Miracoli. So ist auch der äußere Gesamteindruck des Buches bemerkenswert.

Über die Autorin:
Ulrike Rauh ist Schriftstellerin und Malerin. Sie studierte Germanistik, Anglistik und Theaterwissenschaften. Nach dem Staatsexamen übte sie eine Lehrtätigkeit aus. Sie belegte zahlreiche Kurse und Seminare auf dem Gebiet der Malerei. Seit 1993 sind ihre Bilder in Ausstellungen zu sehen. Ulrike Rauh veröffentlichte zwei Erzählbände und schreibt Beiträge für Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien.

Rezension von Heike Rau

Ulrike Rauh
Zwölf Spaziergänge durch Venedig
Mit Zeichnungen der Autorin
112 Seiten, gebunden
Wiesenburg Verlag, Schweinfurt
ISBN: 3-932497-96-1
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Die Glückliche

Die Glückliche

Nora heiratet bereits mit 17 Jahren. Ihre Eltern sind strikt gegen diese Verbindung. Das hat seinen Grund. Martin ist doppelt so alt wir Nora und ein Schürzenjäger dazu. Trotzdem hält die Ehe viele Jahre. Bis Nora eines Tages Daniel kennen lernt. Mit ihm geht sie weg, in ein gefährliches Land, erkennt fast zu spät, dass Daniel ein gewalttätiger Alkoholiker ist.
Sie kehrt zurück nach Holland, will ihren Sohn sehen. Zu Martin zurück will sie eigentlich nicht, doch er kann erstaunlich überzeugend sein.

Glück, Unglück, die Grenzen verschwimmen in diesem Buch. Nora beginnt nachzudenken. Wann geriet ihr Leben aus den Bahnen. Hatte das Unglück vielleicht schon in ihrer bewegten Kindheit den Ursprung. Oder ist sie hineingelaufen ins Verderben? Ist Glück nur eine Illusion?

Mensje van Keulen beschreibt sehr eindringlich, ehrlich und vor allem schonungslos den Lebensweg von Nora. So kann der Leser sich ein Bild davon machen, was passieren kann, wenn man sich selbst belügt, nach Ausreden für nicht gerechtfertigte Verhalten sucht, Dinge einfach nicht zur Kenntnis nimmt und bequem wird. Die Autorin beschreibt Noras Gefühle, die oft sehr extrem und wenn man es schafft mit Vernunft heranzugehen, kaum nachvollziehbar sind. Nora quält sich und lässt sich quälen. Doch irgendwann muss Schluss sein.

Über die Autorin:
Mensje van Keulen ist Jahrgang 1946. Sie schrieb zahlreiche Romane, Erzählbände und Kinderbücher. Die Autorin lebt in Amsterdam und hat einen Sohn.

Rezension von Heike Rau

Mensje van Keulen
Die Glückliche
Aus dem Niederländischen von Marianne Holberg
304 Seiten, gebunden
Arche Verlag, Zürich-Hamburg
ISBN: 3-7160-2318-3

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Der Goldmacher

Der Goldmacher

1701. Die Zeitungen melden, dass es dem Apothekergesellen Johann Friedrich Böttger in der Berliner Marktapotheke vor vier angesehenen Zeugen gelungen ist, künstliches Gold herzustellen.
Als Böttger daraufhin zu einer Audienz mit Seiner Königlichen Majestät Friedrich I. befohlen wird, beschließt er zu fliehen. Die Wahrheit ist, dass Böttger einen Trick angewendet hat, um seine Transmutation gelingen zu lassen.
Böttger glaubt zunächst, Glück auf seiner Flucht zu haben, doch bald wird er aufgegriffen. Er wird nach Dresden gebracht und unter dem Schutz Seiner Königlichen Majestät August II. von Polen und Kurfürst von Sachsen gestellt. Als Gefangener August des Starken verbringt Böttger viele Jahre in verschiedenen Kerkern. Gold herzustellen gelingt ihm jedoch nicht. Seine Experimente bringen trotzdem ein erstaunliches Ergebnis: das sächsische Porzellan.

„Der Goldmacher“ ist ein faszinierender historischer Abenteuerroman. Es ist überaus spannend den Lebensweg Johann Friedrich Böttgers zu verfolgen, einem Menschen, der mit Ausdauer, ungeheurem Mut und Besessenheit sein Ziel, Gold zu machen, nie aufgab. Nur so hat er wohl überhaupt die langen Jahre als Gefangener überstehen können. Sehr romantisch wird seine heimliche Liebe zu Charlotte von Schönberg geschildert. Angeregt hat den Autor zu dieser Figur Anna Constanze von Brockdorf, Gräfin Cosel.
Herauszustreichen sind auch die bekannten historischen Schauplätze wie die Festung Königstein, die Albrechtsburg, die Moritzburg oder die Dresdner Kasematten, die sehr anschaulich beschrieben werden.
Geschrieben ist der Roman in einer sehr bildhaften, lebendigen Sprache. Sehr zu empfehlen!

Rezension von Heike Rau

Berndt List
Der Goldmacher
478 Seiten, Taschenbuch
Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN: 3-7466-1970-X
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Mäusejagd

Mäusejagd

Ceska ist eine Katze. Sie verbringt ihre Zeit gerne damit, Kriminalfälle zu lösen. Das tut sie mit ihrer Freundin Andrea. Doch diesmal ist es Andrea selbst, die in Schwierigkeiten gerät. Immer wieder findet sie in ihren Sachen Geld, welches ihr nicht gehört. Bald denken die Kinder ihrer Klasse, sie sei eine Diebin. Zusammen mit dem großen zotteligen Hund Albert macht Ceska sich auf die Suche nach dem wahren Täter. Doch immer wieder lassen sich die beiden auf eine falsche Fährte bringen, das führt zu allerlei Verwicklungen.

„Ein Fall für die Katz“ ist ein spannend geschriebener Kinderkrimi. Besonders lustig ist, dass die Katze selbst aus ihrer Sicht erzählt. Katze und Hund sind tierisch gut dargestellt. Bei den phantasievollen Zeichnungen verweilt der Leser sicher gerne etwas länger. Sie sind kindgerecht und einfach ein Hingucker.

Über die Autorin:
Antonia Michaelis ist Jahrgang 1979. Sie schreibt seit ihrer Kindheit. Die Autorin lebt im Nordosten Deutschlands und studiert Medizin.

Über den Zeichner:
Silvio Neuendorf ist Jahrgang 1967. Er studierte Design in Achen und illustriert seit 1995 Bücher für Kinder und Erwachsene. Der Autor lebt mit Frau und Sohn auf einem Bauernhof bei Aachen.

Rezension von Heike Rau

Antonia Michaelis
Ein Fall für die Katz – Mäusejagd
Illustriert von Silvio Neuendorf
124 Seiten, gebunden
für Kinder ab 8 Jahren
Loewe Verlag, Bindlach
ISBN: 3-7855-4800-1
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Joanna Hershon: Mondschwimmen

Joanna Hershon: Mondschwimmen

Als Lila acht war, passierte ein schrecklicher Unfall, bei dem ihr Bruder Jack starb. Lila wurde von ihren Eltern eine Geschichte aufgetischt, die sie jedoch nicht akzeptieren konnte.
Lila wird erwachsen, sie beginnt ein Studium. Die Ungewissheit nimmt ihr immer mehr die Luft zum Atem. Sie muss sich endlich Gewissheit verschaffen. Es gibt Zeugen für den angeblichen Unfall. Ihr Bruder Aaron, doch der ist von Zuhause weggegangen. Keiner weiß, wo er ist. Aarons damalige Freundin Suzanne, die das Wochenende mit der Familie verbrachte, ist ebenfalls verschwunden. Lila beginnt eine akribische Suche nach Hinweisen.
Durch einen Zufall begegnet sie Suzanne tatsächlich. Diese ist mittlerweile verheiratet und an der Aufklärung der alten Geschichte nicht interessiert. Sie erzählt eine weitere Version, doch Lila glaubt auch ihr nicht recht. Doch sie erhält einen entscheidenden Hinweis, nimmt Kontakt zu Pria auf. Pria hatte an diesem schicksalhaften Abend, als Jack starb, eine Party gegeben. Auch sie nimmt eine Schlüsselposition ein. Endlich kommt Lila der Wahrheit näher. Sie setzt Susanne damit massiv unter Druck und endlich gesteht diese, Briefe von Aaron erhalten zu haben. Lila weiß nun, wo sie Aaron suchen kann. Sie muss ihn finden, muss auch seine Version der Ereignisse hören, muss wissen, ob er Jack tatsächlich umgebracht hat, wie sie vermutet, damit sie endlich damit aufhören kann, in der Vergangenheit zu leben.

Der vorliegende Roman ist in drei Teile gegliedert. „1987 – Aaron und Suzanne“, „1997 – Lila“ und Lila und Aaron“.
Im ersten Teil erfährt der Leser, wie es zu dem schrecklichen Unfall kommen konnte und kennt somit die Wahrheit. Lila kennt diese jedoch nicht. Sie muss sich damit zufrieden geben, was ihr die Eltern erzählen. Doch sie glaubt ihnen nicht, wird nicht damit fertig, dass ihr Bruder Jack tot und ihr Bruder Aaron verschwunden ist. Die Spurensuche gestaltet sich jedoch schwierig, nimmt Lilas ganze Kraft in Anspruch. Sie bricht ihr Studium ab. Auch auf die Liebe zu ihrem Freund Ben, kann sie sich nicht recht einlassen. Zu vieles aus ihrer Vergangenheit ist nicht aufgearbeitet.
Suzanne und Pria stellen ihre Version des Geschehens sehr unterschiedlich dar, versuchen sich zu rechtfertigen und selbst zu schützen. Lila glaubt, dass nur Aaron, weil er ihr Bruder ist, die Wahrheit sagen wird.
Die Autorin zeichnet die einzelnen Charaktere dabei sehr glaubhaft. Es sind Menschen mit Fehlern, Schwächen und inneren Widersprüchen. Sie geht sehr genau auf die Gefühle der Akteure ein und ihre Beziehungen zueinander. Besonders Lilas innere Zerrissenheit und ihre Verzweiflung werden sehr deutlich.

Rezension von Heike Rau

Joanna Hershon
Mondschwimmen
Aus dem Amerikanischen von Jörn Ingwersen
301 Seiten, Taschenbuch
Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN: 3-7466-1348-5
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Wie erschieße ich meinen Mann?

Wie erschieße ich meinen Mann?

Plötzlich ist da dieser Fremde in ihrem Bett. Pixie nimmt die Pistole aus ihrem Nachtschrank, die schon jahrelang dort liegt, tritt ein paar Schritte zurück, schließt die Augen und schießt. Die Kinder kommen ins Zimmer gerannt und
plötzlich ist Pixie wieder im normalen Leben. Pixie erkennt, dass der Fremde kein Fremder ist, sondern ihr Ehemann. Alles passiert wirklich, es ist nicht irgendein Film. Trotzdem ist Pixie erleichtert, denn endlich ist in ihrer Welt alles so verkehrt, wie es sich immer angefühlt hat.

Nach dieser erschreckenden und vor allem überraschenden Tat muss Pixie in ein psychiatrisches Krankenhaus und Ezra zu seinem schwulen Vater. Während Pixie endlich ihre Vergangenheit aufarbeitet, ihr Leben rekonstruiert und Licht in das Dunkel der Irrungen, Verwirrungen und Irrtümer bringt, hat Ezra genug mit der Gegenwart zu tun. Ezra macht Angst, was mit seinem Leben geschieht. Ihm wird bewusst, dass er auf den Schuss gewartet hat. Er bekommt Wut auf seine Mutter. Mit ihrer Tat muss er sich auseinandersetzen und mit der Tatsache, dass ihm niemand gesagt hat, dass sein richtiger Vater schwul ist. Zumindest erklärt es einiges.

„Wie erschieße ich meinen Mann?“ ist kein Krimi, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern eine Familientragödie. Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Pixie und ihrem 16jährigen Sohn Ezra. Dem Leser wird ein langer Blick hinter die Fassade einer chaotischen Familie gewährt, mit all ihren Geheimnissen, verdrängten Erlebnissen und Peinlichkeiten. Die Geschichte ist ergreifend, aufwühlend und psychologisch ausgefeilt. Die Charaktere sind stimmig gezeichnet. Die Autorin beweist ein gutes Gespür für Stimmungen und vor allem Situationen, die aus der Ferne betrachtet oft komisch wirken, in dem Moment, als sie passieren aber alles andere als komisch sind.

Über die Autorin:
Julianne Baggott ist Jahrgang 1969. Sie studierte Literatur in North Carolina. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Newark, Delaware.

Julianna Baggott
Wie erschieße ich meinen Mann?
Aus dem amerikanischen Englisch von Miriam Mandelkow
300 Seiten, gebunden
Nagel & Kimche
ISBN: 3-312-00323-7

Rezension von Heike Rau
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Hexenkräuter – Der Almanach

Hexenkräuter – Der Almanach

Maria May vermittelt in ihrem Buch unentbehrliches Wissen über Kräuter, die man im alltäglichen Leben gegen vielerlei Beschwerden anwenden kann. Sie stellt bekannte Heilpflanzen wie Kamille, Johanniskraut, Gänseblümchen, aber auch weniger bekannte wie Habichtskraut, Wegrauke oder Barbarakraut vor. Die Autorin informiert sehr genau über die Kräuter, ihre Eigenschaften, die Anwendung und natürlich auch über mögliche Gefahren.

Die moderne Hexe macht sich heute wohl eher selten auf den Weg in die Natur, was z.B. auch in der Großstadt gar nicht möglich ist. Maria May erzählt, wo Pflanzen zu kaufen sind und wie man sie im Garten oder im Blumentopf heranzieht. Daneben gibt es Tipps, wie Pflanzen getrocknet und aufbewahrt werden.

Die einzelnen Heilkräuter anzuwenden, ist übrigens gar nicht so schwer. Maria May versetzt den Leser in die Lage, Mittel zur ersten Hilfe oder zur Vorbeugung leicht herzustellen. Kräuter sind gegen vielerlei Beschwerden gewachsen. Hilfreich ist beispielsweise ein Arnika-Umschlag bei Verstauchungen, eine Baldriantee zur Beruhigung oder Holundersaft bei Erkältungen.

Beeindruckend ist auch das Vorwort mit dem Hintergrundwissen über das Mittelalter und die Hexen als frühe Heilpraktikerinnen oder die ersten Kräuterbücher. Zudem schreibt die Autorin in einem sehr herzlichen und leicht verständlichem Stil. Und selbstverständlich gibt es zu jeder Pflanze auch eine kleine Zeichnung.

Rezension von Heike Rau

Maria May
Hexenkräuter – Der Almanach
140 Seiten, broschiert
Egmont vgs Verlagsgesellschaft, Köln
ISBN: 3-8025-3278-3

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Tod im Tempel

Tod im Tempel

Judith kann nicht verstehen, dass ihre eigentlich sehr selbstbewusste Freundin Sarah dem charismatischen Guru Vishnudasa in den Tempel der „Glückseligen“ gefolgt ist. Zumal dort erst kürzlich eine Frau unter sehr mysteriösen Umständen Selbstmord begangen haben soll. Judith hält die Ungewissheit nicht aus. Sie sucht Hilfe und wendet sich an eine Beratungsstelle. Dabei lernt sie Roman kennen, der sich in den Tempel einschleusen lässt, um Licht in diese dunkle Angelegenheit zu bringen. Doch der Guru hat viel zu viel Macht und lässt sich nicht so leicht in die Karten sehen. Roman ist bald selbst im Tempel gefangen.

Hugo Stamm hat bereits sechs Sachbücher zum Thema Sekten veröffentlicht. Mit dem Buch „Tod im Tempel“ will er Menschen erreichen, für die anspruchsvolle Sachbücher zu anstrengend sind. So verpackt er seine Aufklärungsarbeit in einen Krimi, packt die Beweggründe der Sektenmitglieder mit ihrer Sehnsucht nach dem Spirituellen, die scheinbar zum Zusehen verdammten Angehörigen und den schwierigen Kampf der Beratungsstellen in ein Buch. Er enttarnt die wirklichen Beweggründe der Sektengurus und ihr Machtgefüge, vermittelt dem Leser seine Erfahrungen und Warnungen.
Stilistisch hat das Buch sicher einige Mängel. Aber Hugo Stamm hat, so der Verlag, nicht den Anspruch, ein schriftstellerisches Meisterstück zu liefern. Dennoch ist das Buch beeindruckend, lässt es den Leser doch einmal hinter die Fassade von radikalen Sekten schauen und beantwortet viele Fragen. Beleuchtet wird die Weltanschauung, die in diesen Sekten vermittelt wird, was Menschen dorthin treibt und warum Angehörige so wenig tun können. Und natürlich wird auch der wichtigen Arbeit der Beratungsstelen große Beachtung geschenkt.
Trotzdem macht sich schon nach einigen Seiten das Gefühl breit, und so lehrt es uns wohl auch die Erfahrung, dass diese Geschichte kaum gut ausgehen kann. Und so gibt es am Ende des Buches eine unfassbare Überraschung.

Über den Autor:
Hugo Stamm ist Jahrgang 1949. Er studierte Philosophie an der Universität Zürich. 1975 begann er als Redakteur beim Tagesanzeiger.

Rezension von Heike Rau

Hugo Stamm
Tod im Tempel
352 Seiten, gebunden
Pendo Verlag Zürich
ISBN: 3-85842-566-4

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Eulenmond

Eulenmond

Josie ist allein im Tal. Ihr Vater und ihre Brüder sind auf die Jagd gegangen. Sie bereitet das Abendessen vor und wartet. Vergeblich. Auch am nächsten Morgen ist sie noch allein. Eine Suche bleibt ohne Erfolg. Josie weiß, was ihr bevorsteht. Sie wird den Winter zusammen mit ihrem Hund allein im Tal verbringen müssen. Die Lage ist fast hoffnungslos. Doch Josie beschließt nicht aufzugeben. Sie hat Vorräte, Waffen und Werkzeuge. Außerdem ist sie in der Lage sich einen Unterschlupf zu bauen.

Bald ist Josie in ihrer selbsterrichteten Hütte eingeschneit. Die Zeit vergeht nur langsam. Zum Glück hat sie den Hund. Ihm kann sie ihre Erinnerungen erzählen und von dem beschwerlichen Weg mit dem Planwagen durchs Indianerland.
Und so allein wie vermutet ist sie auch nicht. Indianaer haben in der Nähe ihr Winterlager. Auch sie kämpfen ums Überleben.

Hilde Kähler-Timm verdankt die Idee zu dieser Geschichte einer Episode aus William Fowlers Buch „Woman on the American Frontier“, erschienen 1879. Es geht um ein Mädchen, das ganz allein in der Wildnis der Rocky Mountains überwintern musste. Viel ist allerdings nicht zu erfahren, schon gar keine Einzelheiten. Die Autorin hat die Lücken gefüllt und so ist ein ausgesprochen spannendes und ergreifendes Buch entstanden. Selbst, als es fast keine Handlung gibt, als Josie praktisch Winterschlaf hält, hängt die Geschichte keine Sekunde durch. Josies Mut, ihr Durchhaltevermögen, ihr Glaube, ihre Führsorge für den kleinen Hund ist bewundernswert. Sie schafft es, ihre Angst auszuhalten, sich am Leben zu erhalten unter wirklich kaum auszuhaltenden Umständen.
Zudem wird dem Leser ein Stück Geschichte näher gebracht. Tausende Siedlerfamilien reisten im Laufe des 19. Jahrhunderts mit ihren Planwagen auf dem berühmten Oregon-Trail westwärts durch das Indianerland, um unerschlossenes Land zu besiedeln. Die Autorin beschreibt in einem Nachwort die Hintergründe.

Über die Autorin:
Hilde Kähler-Timm ist Jahrgang 1947. Nach einer Ausbildung zur Diplom-Bibliothekarin studierte sie Germanistik und Kunstgeschichte. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Bad Schwartau bei Lübeck.

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Rezension von Heike Rau

Hilde Kähler-Timm
Eulenmond
288 Seiten, gebunden
Thienemann Verlag, Stuttgart / Wien
ISBN: 3-522-17615-4

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