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Autor: hera

Richard Ford: Kanada

Richard Ford: Kanada

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Als Bev Parsons die Air Force verlässt, ist nicht mehr genug Geld für den Lebensunterhalt der Familie da, die in Great Falls/Montana lebt. Merken sollen das weder seine Frau, noch die Zwillinge Berner und Dell.
Doch Dell ist mit seinen fünfzehn Jahren ein guter Beobachter. Er merkt, dass etwas geschieht, dass die Stimmung sich wandelt und sein Vater sich verändert.
Dass der Vater einen Banküberfall plant und die Mutter da mit hineinzieht, ahnt er nicht. Selbst als es dann geschehen ist, ist die Sache immer noch unglaublich und nicht nachvollziehbar.

Dell Parsons nähert sich im Rückblick den Geschehnissen an. Fünfzig Jahre sind vergangen und die Erinnerung ist immer noch wach. Einen anderen Blickwinkel bietet die Chronik seiner Mutter, die diese kurz vor ihrem Selbstmord im Gefängnis verfasst und die ihm seine Schwester Berner erst sehr spät ausgehändigt hat.

Mit fünfzehn stehen die beiden Jugendlichen völlig allein da. Berner reißt aus, um dem Zugriff des Jugendamtes zu entgehen, während Dell von einer Freundin der Mutter nach Kanada gebracht wird. Der Bruder dieser Freundin, Arthur Remlinger, betreibt ein einsam gelegenes Hotel in Fort Royal/Saskatchewan. Und hier gerät Dell in das nächste Verbrechen. Diesmal ist es Mord.

Dell ist als Figur unglaublich gut herausgearbeitet. Der Autor lässt ihn aus der Ich-Perspektive die Geschichte erzählen. Die gute Beobachtungsgabe, über die Dell verfügt, verleiht dem Roman eine ungeheure Tiefe. Die Geschehnisse werden von ihm schonungslos und ehrlich wirkend rekonstruiert und analysiert. Das ist sehr beeindruckend.

Das ausgesprochen gut geschriebene Buch endet in der Gegenwart. Der Leser erfährt also zum Schluss, wie sich Dells weiterer Lebensweg gestaltet hat. Dennoch, es liegt Wehmut über der Geschichte. Sich zu erinnern, ist ein Prozess, der auch alte Wunden wieder aufreißen lässt.

Rezension von Heike Rau

Richard Ford
Kanada
Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert
464 Seiten, gebunden
Hanser Berlin
ISBN-10: 3446240268
ISBN-13: 978-3446240261
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Unser bayerisches Backbuch: Neu interpretierte Klassiker und süße Ideen der beliebtesten Konditoren

Unser bayerisches Backbuch: Neu interpretierte Klassiker und süße Ideen der beliebtesten Konditoren

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Das “Wir in Bayern”-Konditorenteam, bestehend aus Martina Harrecker, Friedrich Huber, Martin Rößler, Josef Schalber und Joachim Battke, stellt in diesem Buch eine Sammlung an schönen bayerischen Backrezepten vor. Das heißt aber nicht, dass man, um diese Rezepte nachbacken zu können, selbst eine Ausbildung als Konditor benötigt. Es sind auch ganz einfache Backideen im Buch. Dazu gehören unter anderem der „Blitzkuchen mit Apfel“, der „Eierlikörkuchen“ und der „Amarettitraum“.

Für viele Rezepte braucht man aber schon Zeit und Muße und natürlich auch etwas Erfahrung. Die Zubereitungsanleitungen sind aber sehr ausführlich gehalten. Jeder Schritt wird verständlich erklärt. Außerdem gibt es vorn im Buch noch die „Tipps aus der Backsprechstunde“, die wirklich hilfreich sind, weil Wichtiges bis ins Detail erklärt wird und Hinweise gegeben werden, die Fehler vermeiden.

Und so sollten dann auch Kreationen wie die „Blütentorte“ aus dem Kapitel „Frühlingssüße zum Kaffee“, die „Mandelbaiserschnitte mit Himbeeren“ aus den „Süßen Sommerträumen“, der „Zebrakuchen“ aus „Herbstgenuss mit Zuckerkuss“ und die „Weihnachtseistorte“ aus dem Kapitel „Winterzauber in der Backstube“ gelingen. Hier findet man auch das „Honigkuchen-Hexenhaus“, das besonders Kindern sehr gut gefallen wird.
Jedes dieser sehr fantasievoll benannten Kapitel beginnt mit einem Vorwort, das einstimmt auf das Backen der verschiedenen saisonalen Köstlichkeiten.

Die Rezepte in diesem Buch gefallen sehr gut. Schon beim Durchblättern und Lesen der Backanleitungen bekommt man Lust das eine oder andere sofort auszuprobieren. Man wird keine Probleme mehr haben, etwas Besonderes für die Kaffeetafel am Sonntag oder für einen festlichen Anlass zu backen. Vieles sieht ausgesprochen formvollendet in der Präsentation auf den Fotos aus und ist dabei überraschenderweise gar nicht schwer in der Herstellung.

Rezension von Heike Rau

Unser bayerisches Backbuch
Neu interpretierte Klassiker und süße Ideen der beliebtesten Konditoren
144 Seiten, gebunden
Südwest Verlag
ISBN-10: 3517088048
ISBN-13: 978-3517088044
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Rainer M. Schröder: Liberty 9 – Sicherheitszone

Rainer M. Schröder: Liberty 9 – Sicherheitszone

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Eigentlich wäre es Kendiras Pflicht gewesen, ihn zu verraten. Der Servant hatte hier nichts zu suchen. Stattdessen lässt sie sich auf ein Gespräch mit Dante ein. Dabei übt er Kritik an den Vorgängen in der Sicherheitszone. Kendira hat ihr Leben als Elector nie infrage gestellt. Doch Dante gelingt es, sie zum Nachdenken zu bringen. Auf seine Bitte hin will sie sich mit ihm sogar ein zweites Mal treffen.

Als Kendira ein Gespräch zwischen Dante und Jaydan, der auch ein Servant ist, im Heizungskeller belauscht, wächst ihr Misstrauen. Dante offenbart ihr später seine Fluchtpläne. Nie hatte Kendira Liberty 9 als Gefängnis empfunden. Doch es stimmt, wollte sie gehen, könnte sie es nicht.

Ein Angriff der Nightrider auf die Sicherheitszone sorgt für weitere Unruhen. Ihre Flugblätter gelten als Seelengift. Es kommt nicht infrage, diese zu lesen.
Wie sich herausstellt, hat ausgerechnet Master Seyward es gewagt, dieses Seelengift zu lesen. Er wird als Handlanger der Nightrider enttarnt. Die Bücher und Schriften, die man bei ihm findet hat, werden verbrannt. Master Seyward muss das schrecklich unmenschliche Cleansing, das einer Auslöschung gleichkommt, durchlaufen. Doch in der Gefängniszelle hat er zuvor eine Botschaft hinterlassen, die Dante entdeckt und Kendira zeigt. Offenbar sind die Electoren in Lebensgefahr.

Es ist der erste Teil einer Trilogie. Die Geschichte beginnt äußerst spannend. Man hat hier eine in sich abgeschlossenen Teil, der dennoch zum Ende hin offen gehalten ist. Liberty 9 ist eine Sicherheitszone. Die Schüler hier dienen einer höheren Macht. Was genau ihre Aufgabe ist, gleicht aber einem Mysterium. Der Autor entwickelt diese Welt vor den Augen des Lesers sehr schnell. Man muss sich einlesen.

Keiner der Schüler weiß also über seine Zukunft etwas Genaueres. Niemand hat bisher die Geschehnisse hinterfragt, bis Dante, der kein privilegiertes Leben führt, sondern ein Diener ist, bei Kendira Misstrauen schürt. Das macht die Spannung im Buch aus. Auch der Leser erfährt nicht, wie die Zukunft der Schüler aussehen wird, sondern wird im Unklaren gelassen. Man bekommt keinen Hinweis, weiß nur, dass es etwas komplett Unerwartetes sein wird. Interessante Vorkommnisse und Wendungen werten das Geschehen zusätzlich auf.

Die Charaktere sind gut beschrieben. Obwohl es viele Personen sind, die neben Kendira und Dante die Handlung bestimmen, verliert man nicht den Überblick. Kendira und Dante sind glaubwürdig dargestellt. Man folgt den beiden gerne.

Die Geschichte ist also spannend gemacht, inhaltlich überzeugend, gut vorstellbar und flüssig geschrieben. Es macht Spaß, dieses Buch zu lesen. Ich bin gespannt, wie es mit dem zweiten Band weitergehen wird.

Rezension von Heike Rau

Rainer M. Schröder
Liberty 9 – Sicherheitszone
496 Seiten, gebunden
cbj, München
ISBN-10: 3570154645
ISBN-13: 978-3570154649
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Regina Schneider: Hofladenküche: Regional – saisonal – köstlich

Regina Schneider: Hofladenküche: Regional – saisonal – köstlich

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Direkt vom Erzeuger und damit erntefrisch kommen Obst und Gemüse in den Verkauf eines Hofladens. Das Fleisch, die Eier und die Milch stammen von artgerecht gehaltenen Tieren. Das Angebot ist übersichtlich, dafür sind die angebotenen Waren regional, saisonal und von sehr guter Qualität. Wer auf dem Bauernhof einkauft, wird mit gutem Geschmack belohnt.

Das Kochbuch ist dementsprechend nach Jahreszeiten unterteilt. Gekocht wird, wie zu erwarten ist, mit sehr viel frischem Gemüse, Kräutern und Obst.
Im Frühjahr gibt es „Radieschensuppe“, „Teigtaschen mit Kerbelquark“, „Mairübchen mit rohem Schinken“ und „Zickleinkeule mit Knoblauchbaguette“.
Für den Sommer stehen Couscoussalat mit Sommergemüse“, „Bunte Zucchinitarte“ und „Bunter Lammspieß“ vom Grill und für den Herbst „Kürbissuppe“, „Süßkartoffelpuffer mit Rosmarin-Speck-Butter“ und „Krustenbraten mit Schwarzwurzeln“.
Im Winter hat man beispielsweise die Wahl unter „Sauerkrautkuchen vom Blech“, „Forelle im Wirsingblatt“ und „Gefüllten Bratäpfeln“.

Vorgestellt werden im Buch einige Bauernhöfe mit Hofladen in interessanten Texten und mit viel Bildmaterial.
Im letzten Teil des Buches findet man eine kleine Resteküche. So kann auch übrig Gebliebenes noch verwertet werden. Außerdem gibt es einen Saisonkalender.

Das Buch lässt sich gut verwenden, wenn man im Hofladen einkauft oder auf dem Markt, wenn man eine Bio-Kiste bezieht oder auch selbst Obst und Gemüse anbaut.
Die Rezepte sind interessant. Es wird sehr viel an Gemüse verarbeitet, auch Mairübchen, Mangold, Teltower Rübchen, Schwarzwurzel und Pastinaken. Mit im Buch sind auch drei Brotrezepte. Man hat also ein breites Betätigungsfeld. Die Rezeptanleitungen sind dabei relativ übersichtlich gehalten und gut nachvollziehbar, da die Anweisungen sehr genau sind. Oft erhält man zusätzliche Tipps. Es sind ja nicht nur Rezepte zu Gerichten im Buch, sondern auch zu Soßen oder Dips.
Auf jeder Seite gibt es auch Bildmaterial. Die Gerichte wurden stimmungsvoll und mit schönen Küchenutensilien in Szene gesetzt.
Ein empfehlenswertes Kochbuch!

Rezension von Heike Rau

Regina Schneider
Hofladenküche: Regional – saisonal – köstlich
Fotografie: Julia Bengeser
192 Seiten, gebunden
Dorling Kindersley Verlag
ISBN-10: 3831021937
ISBN-13: 978-3831021932
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Suzanne Joinson: Kashgar oder Mit dem Fahrrad durch die Wüste

Suzanne Joinson: Kashgar oder Mit dem Fahrrad durch die Wüste

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Der Name sagt Frieda Blakeman nichts. Sie hat keine Ahnung wer Irene Guy ist. Aber offenbar ist Frieda deren nächste Angehörige, der nun nach dem Tod der alten Frau die Aufgabe zukommt, die Wohnung aufzulösen. Da Frieda nicht in London sondern auf Reisen war, konnte sie nicht einmal an der Beerdigung teilnehmen.

Die Wohnung von Irene Guy ist vollgestellt, aber doch auch gemütlich. Frieda sucht nach einem Hinweis, der ihr verrät, wer Irene war. Sie findet jedoch keine Antwort, aber eine Eule, die sie mit nach Hause nimmt. Leider entwischt das Tier bei erster Gelegenheit aus seinem Käfig und fliegt hinaus in den Treppenflur.

Der Araber Tayeb, der letzte Nacht wie ein Obdachloser im Hausflur übernachtet hat, ist wieder da, weil er etwas verloren hat. Er hilft ihr, die Eule wieder einzufangen. Nach dem beide sich ein wenig kennengelernt haben, bietet Frieda ihm an, erst mal in der Wohnung Irenes unterzukommen und dafür bei der Räumung zu helfen. Fünf Tage hat sie dafür noch Zeit.
Die beiden finden eine Kamera aus den 20er Jahren und eine kleine tragbare Druckerpresse. Irene Guy muss eine Forschungsreisende gewesen sein.
Als ein Foto von Friedas Mutter gefunden wird, wird klar, dass doch ein familiärer Zusammenhang bestehen muss. Und tatsächlich findet sich auch noch ein Tagebuch. Evangeline English berichtet hier von einer Reise nach Kashgar. Zurück kam sie nach England mit einem Baby, der kleinen Irene.

Vergangenheit und Gegenwart werden in diesem Buch miteinander verknüpft. Denn parallel zur Geschichte Frieda Blakemans kann man das Tagebuch von Evangeline English lesen, das einmal ein Reiseführer werden sollte. Während Evangeline nur vorgibt, eine Missionarin zu sein, um London entfliehen zu können, folgen ihre Schwester Elisabeth und deren Freundin Millicent dieser Berufung mit Nachdruck. Als sie einem jungen Mädchen bei der Geburt ihres Babys helfen, bringt dass die Frauen in ungeahnte Schwierigkeiten.

Das Buch ist ausgesprochen spannend zu lesen. Die Autorin erweist sich als gute Erzählerin, dies es versteht, den Leser in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen. Zunächst steht man vor einem Rätsel. Was haben Frieda und Irene miteinander zu tun? Doch nach und nach wird zwischen der Vergangenheit in Kashgar und der Gegenwart in London ein Bogen gespannt. Das führt Frieda bis zu ihren Wurzeln zurück und lässt sie ein Stück weit erkennen, wer sie ist.

Es ist ein schönes Buch, das sich leicht liest. Obwohl die Autorin sehr wortreich, ausdrucksstark, bildreich und manchmal sogar sehr ausschweifend, was hier gut passt, erzählt, hat man den Eindruck, nicht genug zu bekommen von dieser Lektüre. Es ist interessant zu lesen, welchen weitreichenden Einfluss Begegnungen und Entscheidungen auf die Zukunft haben.

Rezension von Heike Rau

Suzanne Joinson
Kashgar oder Mit dem Fahrrad durch die Wüste
Aus dem Englischen von Ulrike Thiesmeyer
272 Seiten, gebunden
Bloomsbury Verlag, Berlin
ISBN-10: 3827010888
ISBN-13: 978-3827010889
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Andy Puddicombe: Mach mal Platz im Kopf – Meditation bringt’s!

Andy Puddicombe: Mach mal Platz im Kopf – Meditation bringt’s!

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Wir sind immer beschäftigt. Die Zeit rennt dahin und wir mit. Wer Familie hat und im Berufsleben steht, ist kaum frei von Stress und Sorgen. Es fällt unendlich schwer, zur Ruhe zu kommen. Besonders im Kopf toben die Gedanken einfach weiter. Andy Puddicombe, ehemaliger buddhistischer Mönch, hat sich mit diesem Phänomen, das nicht selten ernsthafte gesundheitliche Probleme nach sich zieht, beschäftigt. Meditation, in den Alltag einbezogen, ist eine Möglichkeit, den Kopf wieder frei zu bekommen.

Der Autor bringt in seinen Texten seine Lebenserfahrung und seine Ansichten mit ein. Es geht also nicht allein um Meditation, wenn man so will, sondern zum Großteil auch um Psychologie. Die Zeit lässt sich nicht anhalten, Anforderungen müssen erfüllt und Probleme geregelt werden. Es ist die Art, wie wir das tun, die uns zu schaffen macht. Und da setzt der Autor an. Wir denken viel zu viel über Unwichtiges nach, über Dinge, die wir nicht ändern können. Wir verstricken uns in einem Strudel aus unnützen Gedanken und finden keinen Weg heraus.

Achtsamkeit ist das Zauberwort. Denn im Grunde bestimmen wir, was wir denken, auch wenn es den Anschein hat, dass sich unsere Gedanken irgendwie verselbstständigt haben. Meditation bringt zumindest zehn Minuten Ruhe in den Alltag. Denn um mehr als zehn Minuten täglich bittet uns der Autor nicht. Zu lernen, für diese Zeit, ruhig zu sein und sich auf sich selbst zu besinnen, ist ein guter Anfang, der den Kopf frei macht für mehr.
Es ist ein Prozess, der in Gang gesetzt wird. Man lernt wieder, achtsamer zu sein, sich auf Wesentliches konzentrieren zu können und nicht mehr so streng mit sich selbst zu sein.

Der Autor gibt sich lebenserfahren und einfühlsam. Daraus resultiert seine Überzeugungskraft. Was er deutlich machen möchte, packt er in Bilder und Geschichten, so dass alles, was er sagt, sehr gut verständlich und nachvollziehbar wird.

Rezensionen von Heike Rau

Andy Puddicombe
Mach mal Platz im Kopf – Meditation bringt’s!
Aus dem Englischen von Ursula Richard
288 Seiten, Klappenbroschur
Knaur MensSana
ISBN-10: 3426657066
ISBN-13: 978-3426657065
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John Harvey: Schrei aus der Ferne

John Harvey: Schrei aus der Ferne

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Ruth lebt, nach dem sie sich von Simon getrennt hat, mit Andrew zusammen. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter. Beatrice ist zehn Jahre alt. Um ihre Tochter Heather trauert Ruth immer noch. Sie verschwand während eines Campingausfluges, den sie mit ihrer Freundin und deren Familie unternommen hatte. Heather wurde später tot in einem alten Minenschacht gefunden, während die Freundin von einem in der Nähe lebenden Einsiedler gerettet werden konnte. Was genau passiert war, konnte nie zweifelsfrei nachvollzogen werden. Ihre Ehe mit Simon ist daran zerbrochen.

Dennoch ist Ruth glücklich in ihrer zweiten Beziehung, soweit man das sagen kann. Sie versucht ihr Leben zu leben, auch wenn die Gespenster der Vergangenheit ihr auch nach fünfzehn Jahren oft bedenklich naherücken.

Als Beatrice nach ihrem Flötenunterricht verschwindet, beginnt der Albtraum neu. Die Kleine sollte von ihrem Vater abgeholt werden, stand aber nicht wie erwartet vor dem Haus des Lehrers. Da Andrew sich verspätet hatte, ist es möglich, dass Beatrice sich alleine auf den Weg gemacht hat. Doch sie taucht nicht wieder auf.

Detective Inspector Will Grayson und seine Kollegin Helen Walker werden mit dem Fall betraut. Dass zwei Mädchen einer Mutter, wenn auch mit großem zeitlichem Abstand verschwinden, kann kein Zufall sein. Also wird auch Trevor Gordon, der Ermittler von damals, hinzugezogen.

Für Will Grayson sind noch andere Entführungsfälle von Mädchen relevant. Er hat einen ganz bestimmten Verdacht. Ohne Beweise kann er allerdings nichts tun. Er hält die Augen offen und übt Druck auf die betreffende Person aus. Damit handelt er sich aber im Gegenzug eine Bedrohung seiner Familie gegenüber ein. Nach und nach verschärft sich die Lage bis sich dann die Ereignisse überschlagen.

Der Krimi überzeugt durch einen guten Aufbau. Vergangenheit und Gegenwart werden parallel beleuchtet. Ob ein Zusammenhang zwischen dem damaligen und dem heutigen Fall besteht, wird dem Leser aber nicht offenbart. Man kann, wie zunächst auch die Ermittler, nur Vermutungen anstellen. Das macht die Sache spannend. Mit der Zeit kommen Puzzleteile zusammen. Manche erweisen sich als hilfreich, andere Hinweise enden in einer Sackgasse. Einiges ist nicht greifbar, obwohl augenscheinlich.

An Dramatik ist der Krimi kaum zu überbieten. Fesselnd und routiniert schreibt der der Autor die Geschehnisse fort. Den handelnden Personen kommt dabei sehr viel Aufmerksamkeit zu. Das Privatleben der beiden Ermittler spielt eine große Rolle. Besonders Will hat es irgendwann nicht mehr in der Hand, seine Familie herauszuhalten. So bleibt das Buch bis zum Schluss ausgesprochen spannend.

Rezension von Heike Rau

John Harvey
Schrei aus der Ferne
Deutsch von Sophie Kreutzfeldt
544 Seiten, broschiert
Dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423213922
ISBN-13: 978-3423213929
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Robin LaFevers: Grave Mercy – Die Novizin des Todes

Robin LaFevers: Grave Mercy – Die Novizin des Todes

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Als Ismaes frisch angetrauter Ehemann hinter ihr Geheimnis kommt, scheint ihr Schicksal besiegelt. Doch eine alte Kräuterfrau verhilft ihr zur Flucht. Im Kloster St. Mortain findet Ismae Sicherheit. Ihr wird offenbart, eine Tochter des Todes zu sein, ausgestattet mit beachtlichen Gaben. Ihr ist bestimmt, dem Gott des Todes zu dienen und für ihn zu töten. Drei Jahre wird Ismae im Kloster ausgebildet, dann wird ihr der erste Auftrag zugeteilt. Sie meistert ihn mit Bravour. Auch der zweite Auftrag wird ausgeführt. Doch beide Male kreuzt sie die Wege von Gavriel Duval, dem Ratgeber der Herzogin der Bretagne, und vereitelt seine Pläne. Um eine bessere Zusammenarbeit zu gewährleisten, oder vielmehr um ihn auszuspionieren und seine wahren Motive in Erfahrung zu bringen, beschließen die Äbtissin und Kanzler Crunard, ihm Ismae als seine Mätresse zur Seite zu stellen. Duval ist alles andere als begeistert.

Ismae gerät mitten hinein in Intrigen, politische Machenschaften und Ränkespiele bei Hofe. Dementsprechend spannend ist das Buch. Lange Zeit lässt sie sich von den Befehlen des Klosters leiten und spielt ihre Rolle zuverlässig. Was den Leser an ihr zweifeln lassen könnte, ist ihre Kaltblütigkeit auf der einen Seite und ihre Naivität auf der anderen. Diese Naivität gibt sie aber später auf, als sie beginnt, die Mordaufträge nicht mehr unbedacht auszuführen, sondern die Geschehnisse zu hinterfragen.

Es geht im Buch vor allem darum, einen gut getarnten und sehr schlauen Verräter zu finden und diesen aus dem Weg zu räumen. Dabei läuft einiges schief, weil man im Kloster mit falschen Informationen versorgt wird, aber daraus das weitere Vorgehen plant. Es kommt zu sehr vielen spannenden und auch sehr gefährlichen Szenen.

Wie zu erwarten spielt auch die Liebe eine Rolle in dieser Geschichte. Ismae verliebt sich in Duval. Sie wehrt sich heftig gegen ihn, könnte doch auch er ein Verräter sein. Doch nach und nach verliert sich ihr Misstrauen und man kann beobachten, wie beide aufhören, sich an die Kehle zu gehen und sich langsam annähern. Die Autorin wählt oft sehr schöne Worte, um diese romantisch aufgeladene Atmosphäre zu beschreiben.

Überhaupt gefällt der Schreibstil ausgesprochen gut. Es ist leicht zu lesen, die Worte und Sätze fließen und man wird gut von diesem historischen Fantasy-Roman unterhalten.

Rezension von Heike Rau

Robin LaFevers
Grave Mercy – Die Novizin des Todes
Aus dem Englischen von Michaela Link
544 Seiten, broschiert
cbj, München
ISBN-10: 3570401561
ISBN-13: 978-3570401569
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Sonja Riker: Mehr Suppenglück

Sonja Riker: Mehr Suppenglück

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Nach “Suppenglück” geht es nun mit „Mehr Suppenglück“ weiter. Sonja Rikers Suppen sind alle etwas Besonderes und auch im neuen Buch kann man so manche geschmackliche Überraschung entdecken.

Die Rezepte im Buch sind in interessante Rubriken untergliedert. Es gibt „Wochenendbegleiter“ wie Kartoffel-Steinpilz-Topf, „Partykracher“ wie Wiesnbiersüppchen mit Marktgemüse und gerösteten Weißwurstradln. Dann „Luxuslöffler“ wie Reiscremesuppe mit Safran und geröstetem Parmaschinken und „Nestwärmer“ wie Linseneintopf in Rote-Bete-Sud. Unter „Weltenbummler“ findet man Griechische Reissuppe mit Zitronenhühnchen und unter „Küchenreformer“ sogar süße Suppen wie Schokoladencremesuppe mit Himbeerspiegel und Granatapfel.

Die Suppen sind raffiniert. Manchmal ist es auch die besondere Würze, die eine Suppe zum Geschmackserlebnis macht. Gekocht wird ja nicht mit Brühpulver, das womöglich noch Geschmacksverstärker enthält. Vielmehr sind selbstgemachte Brühen die Basis für die Suppen. Auch diese Rezepte sind mit im Buch, ebenso einen kleine Warenkunde zu verschiedenen Gewürzen. In den Rezepten verwendete Gewürzmischungen sind ebenfalls verzeichnet.

Dass Sonja Riker Suppen liebt, spiegelt sich in den Rezepten wieder. Aber auch die Wertschätzung gegenüber Selbstgekochtem wird von ihr vermittelt. Ihre Suppen sind gesunder Genuss und damit eben auch ein Stück Lebensfreude.

Viele Suppen sind ganz einfach nachzukochen. Zunächst erscheinen die Zutatenlisten sehr lang. Das liegt aber vor allen an den verwendeten Grundzutaten und Gewürzen. Man kann hier leicht nach und nach seinen Vorrat erweitern. Auch Brühe oder Fond können immer gleich reichlich gekocht und eingefroren werden.
Die Rezeptanleitungen sind einfach nachzuvollziehen. Und die wirklich schönen Fotos zeigen schon einmal, auf was man sich freuen kann.

Rezension von Heike Rau

Sonja Riker
Mehr Suppenglück
Fotos von Patrick Wittmann
176 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann
ISBN-10: 3888977908
ISBN-13: 978-3888977909
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Gabriele Goettle: Der Augenblick – Reisen durch den unbekannten Alltag

Gabriele Goettle: Der Augenblick – Reisen durch den unbekannten Alltag

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Im Buch sind verschiedene Gespräche dargestellt, die Gabriele Goettle mit ganz unterschiedlichen Frauen zwischen den Jahren 2007 und 2009 geführt hat und die bereits nach und nach in der TAZ erschienen sind.
Insgesamt sechsundzwanzig lebenserfahrene Frauen ganz unterschiedlichen Alters erzählen aus ihrem Leben, aus dem privaten und dem beruflichen, darunter eine Buchhändlerin, eine Arbeitslose, eine Medizinhistorikerin, eine Altenpflegerin, eine Bestatterin, eine Kioskfrau, eine Schulleiterin, eine Bienenforscherin und eine Bio-Bäuerin.
Es sind keine ausgefeilten Texte, aber gut und flüssig lesbare. Die Frauen erzählen einfach, sanft motiviert von der Journalistin. Alles ganz ohne jede Wertung und Kritik.
Beim Lesen des Buches wird man zum Zuhörer und lernt sein Gegenüber kennen. Dieser Eindruck entsteht tatsächlich beim Lesen.
Es wird beschrieben, in welchem Umfeld die Gespräche stattfanden, welche Ausstrahlung die Gesprächspartnerin vermittelt, so dass man ein Bild vor Augen hat.
Man kann nachvollziehen, welche ganz unterschiedlichen Wege diese Frauen gegangen sind und wie vielfältig das Leben sein kann. Es ist spannend zu lesen, was Menschen antreibt und was sie bewegt. Wo ihre Interessengebiete liegen, wie sie zu ihren Überzeugungen gelangt sind und welche Ziele sie durchgesetzt oder es zumindest versucht haben durchzusetzen. Auch wie die Frauen rückblickend ihr Leben einschätzen, kommt zur Sprache.
Das Buch fasziniert und fesselt auf ganz besondere und ungewöhnliche Art und Weise.
Was man liest, es erweitert den Horizont und trägt zur eigenen Meinungsbildung bei. Jeder könnte über sich selbst eine solche Reportage schreiben. Jeder hat etwas zu erzählen, denn es gibt ihn nicht, den geradlinigen Weg. Das Leben ist vielmehr bestimmt von Höhen und Tiefen und daraus entstehen dann spannende Geschichten.

Rezension von Heike Rau

Gabriele Goettle
Der Augenblick – Reisen durch den unbekannten Alltag
Reportagen
400 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann
ISBN-10: 3888977819
ISBN-13: 978-3888977817
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