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Kategorie: Belletristik

Peter Stamm: Weit über das Land

Peter Stamm: Weit über das Land

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Auf der Suche nach dem wahren Leben…

Was mag in einem Menschen vorgehen, der ohne jeden Anlass, ohne sichtbare Zeichen von seelischer oder körperlicher Krankheit, ohne vorhergehenden Streit oder Unzufriedenheit stillschweigend sein Zuhause verlässt und verschwindet?

So etwas passiert in dem neuen Roman von Peter Stamm.

Ein Familienvater verlässt eines Abends seine Familie. Er saß doch gerade noch im Garten nach der Heimkehr vom Familienurlaub mit Frau und zwei Kindern. Seine Frau ging schon mal ins Haus und räumt ein wenig auf. Dann legt sie sich schlafen. Am Morgen ist ihr Mann nicht da. Zuerst denkt sie sich nichts dabei, doch nach zwei Tagen wird sie unruhig und meldet ihren Mann bei der Polizei als vermisst.

Inzwischen befindet sich Thomas, ihr Mann, auf einem Weg weit weg von seinen Lieben.

Man erfährt keine Motive sondern erlebt nur, wie er die Landschaft und Dörfer ins Nirgendwo durchwandert.

Mit seinen poetischen Landschaftsbeschreibungen und stiller Einkehr lässt uns Peter Stamm an einem Geschehen teilnehmen, das ganz und gar unerklärlich bleibt. Allerdings gesellen sich zu den äußeren Naturbetrachtungen gelegentlich Gedanken unseres Protagonisten, die darauf schließen lassen, dass ihn das tägliche Einerlei des Lebens, die immer gleichen Verrichtungen und das unsinnige unseres Tuns im Allgemeinen nachdenklich gemacht haben.

Er geht seiner Wege und schert sich um nichts.

Peter Stamm umgibt seine Gestalten gerne mit unerklärlichen Geheimnissen. Das tiefste Innere eines Menschen bleibt bei ihm unerkannt. Der Gedanke ist naheliegend, dass es ihm um den Sinn des Lebens geht. Das Nachdenken darüber macht unsicher und ratlos. Da mag der eine oder andere beschließen, sich ein anderes und neues Leben zu suchen. Wie aber ergeht es unserem Helden? Und was bedeutet es für die Familie und die Umwelt, wenn einer auf Nimmerwiedersehen verschwindet?

Peter Stamm geht diesen Fragen in seinem neuen Roman nach. Er tut das wie immer akribisch und mit Details, die man sich normalerweise nicht auszudenken wagt.

Das Fazit: Die Figuren bleiben in ihrer Haltung stoisch und unnahbar. Das Leben geht weiter und ein Ende der Ungewissheit ist nicht in Sicht.

Veränderungen machen Angst und sind häufig nicht zu verstehen.

Das Leben ist rätselhaft und bleibt in den letzten Abgründen unerklärlich. Mit diesem Fazit bleibt der Leser zurück, den Fragen nach dem Sinn und Unsinn des Lebens gelegentlich ebenfalls umtreiben mögen.

Peter Stamm ist ein anerkannter Dichter, der in der Schweiz lebt.

Peter Stamm
Weit über das Land
224 Seiten, gebunden
S. Fischer
ISBN-10: 3100022270
ISBN-13: 978-3100022271
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Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

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Um es gleich vorweg zu sagen: ich hatte von diesem Autor noch nichts gehört und gelesen. Umso freudiger war meine Überraschung, ihn mit diesem Roman kennenzulernen.

Es handelt sich um die Geschichte dreier Geschwister, die ihre Eltern bei einem Autounfall verloren haben und nun elternlos aufwachsen.

Die Erzählung beginnt schnell, schnörkellos und temporeich und ohne jegliche Sentimentalität. Der Kummer des jüngsten Sohnes Jules über den plötzlichen Verlust der Eltern ist dennoch hautnah nachzuempfinden. Die drei Geschwister wachsen in einem staatlichen Internat nach Jahrgängen getrennt auf. In der Vorgeschichte ist die Familie harmonisch und nett miteinander. Über allem steht eine Mutter, die ein gutes und freundliches Klima geschaffen hat. Die kurzen Urlaube in Frankreich bei der Mutter des Vaters, der Franzose ist, sind malerisch und naturverbunden, die Großmutter aber unbeliebt bei allen Familienmitgliedern. Zurück in München sind sie eine glückliche Familie.

Jules, der Jüngste der drei, ist der Icherzähler, der in langen Passagen das Geschehen bestimmt. Aus seinen Augen betrachtet passieren allerdings ab und zu seltsame Dinge, die er wahrnimmt, ohne sie zu verstehen.

In der Folge des Autounfalls nehmen die Geschwister sehr unterschiedliche Entwicklungen, verlieren sich über lange Zeit ganz aus den Augen, um im fortgeschrittenen Alter nach zahlreichen gelungenen und misslungenen Lebenserfahrungen wieder zusammenzufinden.

Zahlreiche Fragen nach dem Glück werden aufgeworfen. Die Antwort kann nicht anders sein, als sie hier gefunden wird: der Bruder Marty ist erfolgreich, zuverlässig und in seinem Glücksanspruch bescheiden. Zufriedenheit wiegt mehr als das überschäumende Glück. Die Schwester ist exzentrisch und findet nur langsam auf eine ruhige Spur. Jules aber ist der Melancholische, Zögerliche und Ängstliche, der erst nach vielen Umwegen zu sich und seiner großen Liebe findet.

Voller Poesie und malerischen Beschreibungen gerät man ganz in den Sog einer Familiengeschichte, die vielleicht exemplarisch für ähnliche Familienschicksale herhalten könnte.

Benedict Wells weiß seine Geschichte mit unerhörter Spannung zu steigern, so dass keine Minute Leerlauf oder Langeweile aufkommen kann. Reflektiert wird Gegenwart und Vergangenheit herangezogen, um von den Lebenswegen der Geschwister zu berichten. Diese sind voller Liebe, Schmerz und Abschiedskummer, nachdenklich, häufig tragisch und dann wieder von Glücksmomenten durchzogen. Die Phasen von Jugend, Pubertät und Erwachsenwerden unterliegen eigenen Gesetzen, die fürsorglicher Begleitung bedürfen. Hier ist sie nicht gegeben.

Poetisch, weise und klug vermittelt uns der Autor einen Eindruck davon, was Einsamkeit, Trauer und Glück für uns Menschen bedeuten. Die Palette der Erfahrungen ist breit gefächert. Sie bietet eine Ahnung davon, wie das Leben so spielt, welche Anteile wir oder unsere Ahnen an der Entwicklung haben, was vom Schicksal oder dem Zufall mit bestimmt sein könnte, und was unser Werden und Gedeihen prägt.

Alles in Allem ist das ein mitreißender Roman, den man sich nicht entgehen lassen sollte!

Benedict Wells

Vom Ende der Einsamkeit
368 Seiten, gebunden
Diogenes, Februar 2016
ISBN-10: 3257069588
ISBN-13: 978-3257069587
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Irmgard Keun: Kind aller Länder

Irmgard Keun: Kind aller Länder

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Eine abenteuerliche Reise…

Dieser wieder aufgelegte Roman von Irmgard Keun aus dem Jahr 1938 ist eine Neuentdeckung für alle jene, die das Nazireich nicht miterlebt haben.

Spontan beginnt die Geschichte der kleinen zehnjährigen Kully, als sie sich zu ihrem Leben in Hotels äußert. Dorthin nämlich verschlägt es sie in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts immer wieder: nach Brüssel, dann nach Ostende, Nizza, bis Amerika, nach Holland und wo nicht noch überall hin.

Sie lebt mit ihrer Mutter ständig in Geldnot, während ihr Vater, ein Schriftsteller, von Land zu Land reist, um bei diversen Verlegern Geld aufzutreiben. Er trinkt, er prasst und er vertröstet alle: seine Frau, seine Tochter und die zahlreichen Schuldner, die ihm immer auf den Fersen bleiben. Geflohen ist die Familie aus Deutschland, als Hitler sein Zerstörungswerk an den Juden und progressiven Denkern begann und zu immer neuen Auswüchsen trieb. Das Leben auf der Flucht von Ort zu Ort, heimatlos und verloren, fasst Irmgard Keun in die naiven Sätze und Worte der kleinen Kully. Diese spricht kindlich, denkt nach und lässt uns an ihren unvergorenen Vorstellungen über die Welt und die Welt der Erwachsenen in einfachen Worten teilhaben.

Wie sollte ein Kind damit fertig werden, das sich ständig von Verfolgern umringt sah, und das in einfachen Worten die Scham beschreibt, die es ergriffen hat, wenn Kellner und Hoteliers sie loswerden wollten? Die Geldnot zwang zu Hunger und ständiger Lügerei mit der stillen Hoffnung auf Versprechungen des Vaters, dass er sie schon bald mit einer großen Summe freikaufen würde.

Gerade die naive Sprechweise und der unschuldige Blick des Kindes öffnen den Blick auf die Grausamkeit von Vertreibung und Not, von Kälte und Armut ohne Perspektive für das Weiterkommen. Da muss die Kleine in einem Kaffee ausharren, weil der Vater sie erst des Abends wieder abholt. Sie weiß nicht, ob er denn wirklich kommen wird. Sein Verhalten ist so unzuverlässig und vage, dass das Kind sich oft verlassen und vergessen vorkommen muss. Die Mutter weint viel und bedarf häufig selber des Trostes. Auch reisen sie sehr plötzlich immer wieder von irgendwo ab, ohne dass das Ziel oder Warum ersichtlich wird. Der Vater organisiert die Reisen, aber man weiß zuweilen nicht, wo er selber denn nun steckt.

Die kurzen Sätze mit dem naiven Unterton kindlichen Denkens und den Folgerungen, die das Kind aus seinen Beobachtungen zieht, sind sehr anrührend.

Nichts klingt larmoyant oder altklug.

Das Sprichwort „Kindermund tut Wahrheit kund“ scheint sich hier zu bestätigen. Wie soll man das Verhalten Erwachsener verstehen, wenn man noch klein ist, und die Welt voller Geheimnisse steckt? Das Leben für Kully war ein Herumzigeunern mit unbekanntem Ziel und Sinn. Die Autorin hat sich die Sichtweise eines herumgestoßenen Kindes zueigen gemacht. Da darf man vieles sagen, was die Erwachsenen nicht äußern, auch weil sie dem ständigen Überleben selber ausgesetzt sind und dem Kind nichts erklären wollen. Das Kind bleibt mit seinen Träumen und Ängsten sich selbst überlassen.

Irmgard Keun gehörte selber zu den Flüchtlingen aus Hitler Deutschland, in dem für Juden und Andersdenkende keines Bleibens mehr war. In Ostende hatte Irmgard Keun eine Affäre mit Joseph Roth. In diesem Buch mag man sich an das Paar erinnern, das, immer auf der Suche nach Unterkunft und Nahrung, heimatlos geworden waren.

Irmgard Keun
Kind aller Länder
224 Seiten, gebunden
Kiepenheuer&Witsch, Februar 2016
ISBN-10: 346204897X
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Isabel Bogdan: Der Pfau

Isabel Bogdan: Der Pfau

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Skurrile Abenteuer und Erfahrungsberichte.

In die schottischen Highlands haben sich Lord McIntosch und seine Frau zurückgezogen. Auf einer ehemaligen Farm haben sie alle möglichen Gebäude in kleine Ferienhäuschen umgebaut – zum Entzücken vieler freundlicher Feriengäste. Doch auch einige Federviecher und zwei Hunde gehören zu dem netten Anwesen. Unter anderem gibt es fünf Pfauen, wovon der eine ungute Leidenschaften entwickelt hat: gegen alles, was blau ist und glänzt, geht er mit aggressivem Hacken bösartig vor.

Nun geraten eines Tages einige Manager zwecks Selbsterfahrung in die abgelegene Idylle. Die feinen Stadtmenschen müssen sich erst noch an die zuweilen recht schlicht anmutenden Unterkünfte gewöhnen. Der bösartige Pfau attackiert das schön glänzende und blau lackierte Auto der Topfrau. Später wird der Pfau von einem der vielen Hunde tot im Walde aufgespürt.

Eine skurrile Geschichte entspinnt sich um diese Szenerie. Mit gelegentlichem Witz und einer gewissen Komik kann Isabel Bogdan uns in das Leben auf dem Lande einweihen. Ein wenig langatmig ist die Geschichte allerdings schon. Doch weiß uns Isabel Bogdan gut zu unterhalten, wenn man den entsprechenden Humor für absurde Lebenssituationen aufbringt. Entfalten sich doch unter ungewöhnlichen Lebensbedingungen erst die wahren Charaktere des Menschen, und hier kann man dann viel erfahren über eben diese Mentalitätsunterschiede.

Der Erzählstrang bleibt der Pfau. Doch um ihn herum erleben wir die Banker mit allen ihren Eigenarten. Ein Kurzschluss legt das Stromnetz lahm. Die Chefin der Gruppe erkrankt an Grippe, und unermüdlicher Schneefall behindert die glückliche Heimfahrt. Der erschossene Pfau aber bereitet dem einen oder anderen mit seinem Verschwinden ernsthafte Sorgen. Hier fühlt sich mehr als einer schuldig am Tod dieses grässlichen Viechs.

Kurz und bündig bleibt die Geschichte etwas hängen im Alltagsgeschehen auf der abgelegenen Erholungsfarm.

Isabel Bogdan hat sich neben ihrer Schriftstellerei als hervorragende Übersetzerin bewiesen. Sie arbeitet und lebt in Hamburg.

Isabel Bogdan
Der Pfau
256 Seiten, gebunden
Kiepenheuer&Witsch, Februar 2016
ISBN-10: 3462048007
ISBN-13: 978-3462048001
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Shida Bazyar: Nachts ist es leise in Teheran

Shida Bazyar: Nachts ist es leise in Teheran

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Verlassene Heimat.

1979 wurde der Schah von Persien aus Teheran vertrieben, und durch eine Revolution, die vom Volke aus ging, gelangten die Mullahs an die Macht. Doch alle Hoffnungen auf Freiheit zerschlugen sich im Terror unter der neuen Herrschaft. Viele Freiheitskämpfer sahen sich zur Flucht aus dem Land gezwungen. Hier setzt der Roman von Shida Bazyar ein: ihr Held Behsad, dem Kommunismus verbunden, flieht und mit ihm seine geliebte Frau Nahid. In Deutschland leben sie und verfolgen von hier aus die Entwicklung in ihrem Orientgeknechteten Land. Behsad ist nach eigenem Bekunden Atheist. Menschen mit dieser Denkungsart können in einem Gottesstaat nicht leben, da sie sich damit der Verfolgung und dem Tod aussetzen.

1989 erleben wir Behsad mit seiner Frau und mehreren Kindern in Deutschland wieder. Hier ist man frei, hier darf man Brecht und andere linke Autoren lesen.

Über die Kinderbücher von Erich Kästner lernt man Deutsch und erfährt etwas über das Land, das ein Nazireich hervorgebracht hat.

Geheimnisvoll und in Andeutungen verläuft die Erzählung, die zu Beginn den Zauber des Orients atmet. In Deutschland erwarten die Flüchtlinge andere Sitten und eine andere Kultur. Sie trennt die Familie von den Gebräuchen ihrer Heimat. Behsad und Nahid gehören zu den ersten Emigranten, die ihr Land, das sie lieben, verlassen und in Deutschland ihr Heil suchen. Zurück ließen sie ihren guten Freund Peyman, von dem sie hinfort nur gelegentlich Nachrichten aus der Heimat erhalten.

Die Erzählung verläuft durch geringe Absätze und wenige direkte Reden in einer fast monotonen Weise. Vielleicht aber löst gerade diese Erzählweise Neugierde aus, denn sie unterstreicht die unterschiedliche Denkweise in Religion und Lebensweise der Völker des Orients von denen des Okzidents.

Behsad schaut genau hin und meint, etwas über den Kapitalismus zu lernen. Doch hier gibt es arm und reich, ohne dass die Rechte des Einzelnen eingeschränkt werden.

In Zehnjahresabschnitte wird aus den Augen der Kinder von Behsad und Nahid ein Bild aus dem Leben der Emigration gezeichnet. Die Kinder sind nach und nach assimilierte Deutsche geworden. Die Bindung an die Heimat ist zuletzt nur noch Erinnerung mit einer stillen Sehnsucht nach dem Land ihrer Väter.

Das Buch liest sich nicht leicht, weil die Zeitebenen zuweilen wechseln. Allerdings bekommt man einen Eindruck vom Leben in der Fremde. Kulturen wachsen in ihren eigenen Lebensräumen, und sie zu wechseln bedeutet Verlust, Sehnsucht und Heimweh. Politische Verhältnisse erfordern Anpassungen, die häufig gegen das eigene Gewissen stehen.

Shida Bazyar hat sicher persische Wurzeln, lebt aber schon lange in Deutschland, wo sie auch geboren wurde.

Ihr Buch bietet gerade unter den gegenwärtigen politischen Verwerfungen in Nahost und West einen emotional gewichtigen Beitrag zum Verständnis kultureller, politischer und religiöser Völkerdifferenzen.

Es ist ein eindrucksvolles Buch, das doch eine gewisse Fremdheit im Aufbau und Ausdruck vermittelt.

Shida Bazyar
Nachts ist es leise in Teheran
288 Seiten, gebunden
Kiepenheuer&Witsch, Februar 2016
ISBN-10: 3462048910
ISBN-13: 978-3462048919
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SOS – Liebe kann schwimmen (Buchvorstellung)

SOS – Liebe kann schwimmen (Buchvorstellung)

Im Rahmen des FeuerWerke Verlags erscheinen ausgewählte Romane aus Leselupe-Kreisen als Taschenbuch und eBook. Den sechsten Roman möchten wir Ihnen hier vorstellen:

Den neue Garantiert-Gute-Laune-Liebesroman der Top 10 Bestseller-Autorin Emma Lots
Mia hat von den Kuppelversuchen ihrer Freundinnen die Nase gestrichen voll. In einer Nacht- und Nebelaktion bucht sie eine Single-Kreuzfahrt durchs Mittelmeer, um die Sache selbst in die Hand zu nehmen.
Ohne sich vorab groß über diese Art von Reisen zu informieren, tritt sie die Kreuzfahrt an und erfährt vor Ort, dass sie sich die Kabine mit einer weiteren Teilnehmerin teilen muss. Nina, Ihre Zimmergenossin, erfüllt komplett das Klischee – Frisöse, blond, einfältig und anstrengend. Zudem macht es den Anschein, als sei das Ganze mehr eine wilde Party-Veranstaltung als ein seriöser Singletreff. Noch bevor die Reise richtig begonnen hat, würde sich Mia am liebsten über die Reling stürzen und zurückschwimmen. Doch die Reise ist bezahlt, Mia auf dem Schiff und so fügt sie sich ihrem Schicksal und versucht das Beste daraus zu machen.
Um die Annäherung zwischen den Singles zu erleichtern, hat sich der Veranstalter etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Jeder Teilnehmer erhält eine Anstecknummer sowie einen Pager, mit dem er Nachrichten an die Nummer des oder der Auserwählten senden kann. Mia ist weder von dieser Durchnummerierung, noch von den sexistischen Spielen des Veranstalters begeistert – auch kann sie das Verhalten von Nina, ihrer Zimmergenossin, nicht nachvollziehen. Die feiert nämlich begeistert mit, knutscht und kann ihrerseits die missmutige Mia nicht verstehen.
Auch ein Kamerateam befindet sich an Board, welches eine Dokumentation über die Single-Kreuzfahrt dreht. Als mehr oder weniger unfreiwillige Darstellerin, bekommt Mia sogar die Möglichkeit, bei dieser Doku mitzuwirken – allerdings entpuppt sich der Regisseur als Vollidiot und Mias Karriere als aufgehender Stern scheint damit auch schon wieder im Meer versunken.
Nina – mit der sich Mia von Tag zu Tag mehr anfreundet – beschließt, Mia endlich den Spaß an der Reise zu vermitteln, und die beiden gehen abends zusammen auf eine Bord-Party. Und endlich beginnt auch Mia etwas aufzutauen…
Am nächsten Tag erhält Mia Nachrichten, von einer ihr unbekannten Nummer. Erst interessieren sie die kleinen Botschaften nicht, da sie diese einem unangenehmen Passagier zuordnet, doch dem gehört die Nummer nicht. Aber wem dann? Der Unbekannte schreibt Mia immer wieder an, ohne jedoch um ein Treffen zu bitten. Mias Neugier wird geweckt, da ihr seine Art und Weise zu schreiben immer besser gefällt. Der Kontakt wird immer intensiver, ohne aber konkreter zu werden. Bis Nina – genervt von dem Getue – sich Mias Pager schnappt und dem Unbekannten eine Ansage schickt. Das Ergebnis ist ein anderes, als erhofft. Wird Mia ihren Traumprinzen finden…?

Titel: “SOS – Liebe kann schwimmen”
Autor: Emma Lots
Genre: Humorvoller Liebesroman
Verlag: FeuerWerke Verlag
Jahr: 2016
ISBN eBook: 978-3-945362-16-7
ISBN Taschenbuch: 978-3-945362-17-4
Leseprobe: PDF
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David Grossman: Kommt ein Pferd in die Bar

David Grossman: Kommt ein Pferd in die Bar

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Außergewöhnliche Schicksalsverarbeitung…

Der Titel zu diesem sehr anspruchsvollen Roman ist einem jüdischen Witz entnommen. Auf ihn soll hier nicht näher eingegangen werden.

Auf die Bühne eines Theaters in der kleinen Stadt Netanja in Israel kommt koboldhaft ein kleiner Mann gesprungen: Dovele Grinstein. Wie alt mag er sein? Er beginnt sofort einen Dialog mit dem Publikum. Da seine Einlassungen sehr unvermittelt kommen, ist der Leser zunächst frappiert und ratlos, was uns der Schriftsteller mit seinem Text sagen will.

Zu den Zuschauern hat Dovele einen alten Freund aus Kindertagen eingeladen: einen pensionierten hohen Richter, dessen Urteile ihn immer wieder fasziniert hatten. In den irrwitzigen Vorführungen des kleinen Komödianten erkennt der Richter das eine oder andere Mal seinen alten Freund wieder. Doch worum geht es bei diesem Wiedersehen?

Der Kobold bittet ihn, ihn zu „erkennen“ oder auch das zu sehen, was man nicht aussprechen kann. Ist das nicht eine fast biblische Metapher? Sich „erkennen“ bedeutet hier, den wahren Kern des anderen zu sehen.

In irrwitziger Weise reißt der Komödiant das Publikum mit. Seine Ausbrüche in Gestalt von Witzen und langen Reden gemahnen in ihrer Form an eine Art Katharsis. Zwischen Komik und Trauer, zwischen Verzweiflung und Aufruhr erfährt man mehr über die israelische Gesellschaft und Doveles eigenes Schicksal, als man erwartet hat. Kein lustiger Comedy – Abend wird dem Zuschauer geboten, sondern ein Abend über tiefe Wunden, die durch die Shoah verursacht wurden.

Durch die Erzählung hindurch schwingt der Versuch mit, auf komödienhafte Weise dem täglichen Ernst des eigenen Schicksals zu entkommen. Der Roman stimmt traurig und melancholisch. Nichts ist wirklich komisch, denn es handelt sich hier um das Schicksal von Dovele und von dem der Juden nach dem letzten Weltkrieg.

In zahlreichen Episoden erfährt man von Dovele, wie sein Leben verlaufen ist; was ihn erschüttert hat und was ihm unerklärlich geblieben ist, und wo er vermeintlich Schuld auf sich geladen hat.

Die Form eines pausenlosen Monologs und Dialogs ohne besonderen Handelsstrang macht die Lektüre zu einer nicht leicht zu bewältigenden Hürde. Man muss sich dem Gesang des Augenblicks überlassen, um das ganze Geschehen zu erfassen.

David Gossmann ist ein außergewöhnlicher Schriftsteller, dessen sensible und feinfühlige emotionale Wahrnehmung menschlichen Seins schon in seinem Buch „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ ergreifend war. Hier gelingt ihm das wieder auf besondere Art und Weise.

David Grossman
Kommt ein Pferd in die Bar
256 Seiten, gebunden
Carl Hanser Verlag, Februar 2016
ISBN-10: 3446250506
ISBN-13: 978-3446250505
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Val McDermid: Northanger Abbey

Val McDermid: Northanger Abbey

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Die schottische Thrillerautorin Val McDermid hat sich auf ein ganz besonderes Experiment eingelassen und einen Liebesroman geschrieben. Das Genre ist schon ungewöhnlich genug, aber noch ungewöhnlicher ist die Tatsache, dass sie einen bestehenden Roman der großen Schriftstellerin Jane Austen in die heute Zeit transformiert hat. Sie hat sich Northanger Abbey vorgenommen und neu geschrieben. Dabei aber das 19. Jh. gegen das 21. Jh. ausgetauscht. Herausgekommen ist ein sehr frisch wirkender jugendlicher Liebesroman, der immer noch genügend Auskunft über das gesellschaftliche Gebaren der britischen Bevölkerungsschichten gibt. Das Projekt ließe sich auch als „Val McDermid feat. Jane Austen“ nicht besser beschreiben, um es mit heutigen Worten zu sagen.

Catherine Morland, genannt Cat, 17 Jahre, Tochter ens Pfarrers in Dorset, jüngere Schwester von James, lebt in ihrer kleinen, liebevollen Familie. Sie ist das, was heute als Bücherjunkie bezeichnet wird. Sie verschlingt Bücher und lebt auch in ihren Tagträumen in den Geschichten, die sie liest. Vorrangig sind das momentan Vampirromane. Ihre Tagträume lassen die reale Welt mit der virtuellen Welt verschmelzen. Eines Tages wird sie von den Nachbarn, einem freundlichen kinderlosen Ehepaar namens Allen, zu einem Buchfestival nach Edinburgh eingeladen. Mr Allen fährt seit vielen Jahren jedes Jahr teils geschäftlich dort hin. Dieses Jahr fährt seine Gattin mit und denkt mit der Nachbarstochter Cat an eine nette Begleitung. Cat nimmt die Einladung natürlich an, schließlich kann das nur ein großes Abenteuer werden. Etwas anderes als ein Abenteuer erwartet sie eh nicht vom Leben. Genauso wie in den Geschichten. Cat gewinnt in Edinburgh neue Freunde, lernt neue Menschen kennen und besonders die Familie Tilney, denen das Anwesen Northanger Abbey gehört, welches etwas außerhalb Edinburghs liegt. Die Tilneys laden Cat dann ihrerseits nach Northanger Abbey ein. Dort muss sie in den alten Gemäuern mit verschlossenen Türen, Gängen und Treppen feststellen, dass irgendetwas mit dieser Familie nicht zu stimmen scheint. Der Tod deren Mutter vor wenigen Jahren erscheint ihr besonders mysteriös.

Val McDermid hat den Stoff von Jane Austen hervorragend umgesetzt und auch die deutsche Übersetzung hat das gängige moderne Vokabular, um der Geschichte einen frischen Anstrich zu geben. SMS, Facebook, Twitter gehören genauso dazu wie aktuelle Buch- und Musiktitel. Die weiblichen Figuren stehen voll im heutigen Leben und lassen nichts vom generösen Staub des 19. Jh., wie es zwangsläufig im Original erscheint, spüren. Gerne bin ich Cat gefolgt, wie sie ihren Weg ins Leben findet und zu dem Schluss gelangt, dass das reale Leben nicht das ihrer Romanhelden ist.

Eine hinreißende, moderne Liebesgeschichte nicht nur für Jugendliche.

McDermid, Val
Northanger Abbey
Aus dem Englischen von Doris Styron
HarperCollins, Berlin
ISBN 9783959670180

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

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Verschwunden

Verschwunden

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Ein stiller Ort am Meer in Irland: Galway an der Atlantik Küste.

Eine Mutter verbringt hier ihren ersten Weihnachtsurlaub alleine mit dem Sohn Tomas. Der Vater hat sie verlassen.

In sehr stimmungsvollen Bildern wird uns die Ruhe, der Geruch des Meeres, Sturm und das Tosen der Brandung nähergebracht.

Tomas bekommt einen Neoprenanzug zu Weihnachten. Er liebt es, im Meer zu sein. Mit seinen 13 Jahren ist er schon kräftig. Aber er ist auch unfügsam und ungebärdig. Außerdem ist er gehörlos.

Man erfährt noch, dass er ein russisches Kind war, das Rebecca und ihr Mann eines Tages adoptiert haben.

Am Morgen nach dem Fest ist Tomas verschwunden.

In dieser wilden, herben Landschaft ist man den Gezeiten ausgesetzt wie nirgendwo.

Colum McCann kann sehr aufwühlend und sensibel von dem Beisammensein von Mutter und Kind berichten.

Konnte Rebecca keine eigenen Kinder haben? Warum hat sie sich ausgerechnet dieses damals sechsjährige Kind in Russland ausgesucht?

Man weiß es nicht. Nur so viel: sie liebt diesen angenommenen Sohn sehr und ist fassungslos, als er nun plötzlich nicht mehr auffindbar ist.

Die poetisch und fein beschriebenen Vorgänge lassen einen gar nicht los. Sie erzeugen unter der ruhigen Oberfläche eine unterschwellig wahrnehmbare Spannung, die einen ganz in Bann zieht. Vor allem meint man immer wieder den aufgerissenen Himmel und die raue Luft zu spüren, die mit den tragischen Ereignissen um Mutter und Sohn korrespondieren.

Diese kurze aber feine Erzählung liest sich leicht und schnell und eindrucksvoll. Sie eignet sich bestens auch als kleines Geschenk für diverse Gelegenheiten.

Nikolaus Hansen, der Herausgeber dieser kleinen netten Reihe Edition Kattegat im Dörlemann Verlag fügt der Erzählung noch einige Eindrücke im Zusammensein mit Colum McCann an. Sie erhellen den Blick auf einen außergewöhnlichen Autor.
Er fügt wunderbar feinfühlig Realismus mit Fiktion zusammen.

Colum McCann wurde in Dublin geboren und lebt heute mit Frau und Kindern in New York.

Colum McCann
Verschwunden
112 Seiten, gebunden
Dörlemann, Januar 2016
ISBN-10: 3038200301
ISBN-13: 978-3038200307
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Lynne Schwartz: Für immer ist ganz schön lang

Lynne Schwartz: Für immer ist ganz schön lang

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Über das Auf und Ab in der Liebe…

Oh ja, eine Ehe kann einem ganz schön zu schaffen machen!

Lynne Schwartz, ich muss bekennen, dass ich die Autorin noch nicht kannte, hat einen wunderbaren Roman über ein Paar geschrieben, das es sich nicht leicht gemacht hat mit dem Zusammenleben.

Ivan und Caroline sind Akademiker, leben und arbeiten an einer Universität in Boston und konnten sich nur schwer auf eine feste Bindung einlassen. Ihre Berufe erfüllen sie beide sehr. Sie ist Mathematikerin, und er ist Kunstsachverständiger. Ein Kinderwunsch stellte sich erst nach Jahren und dann sehr heftig bei Caroline ein. Es war zunächst schwer, zur Erfüllung dieses Wunsches zu gelangen.

Kinder verändern das Leben. Das kann man bei diesen beiden charaktervollen Menschen sehr deutlich erfahren. Die beiden bekommen in langen Jahren Abstand zwei Töchter. Erst jetzt beginnt die wahre Herausforderung für ihre Liebe. Sie müssen Beruf, Familie und Interessen unter einen Hut bringen.

Lynne Schwartz zeichnet zwei Liebende, die immer wieder Zeiten der inneren Trennung durchleben. Zwischen Zuneigung und Entfremdung vergehen die Jahre. Nach zwanzig Jahren ist dann ein Tiefpunkt erreicht, aus dem fast kein Entrinnen möglich scheint.

Wie dieses Paar das Leben zu zweit meistert, wie sehr sie sich lieben und doch auch in Gegnerschaft aneinander geraten, das ist grandios beobachtet und fesselnd beschrieben. Man liest das Buch mit wachsender Spannung und erlebt eine Biographie, die der Wirklichkeit abgeschaut zu sein scheint. Als das Paar später in New York lebt, bietet sich genug Anschauungsmaterial, um sich ein Bild von ihrem Alltag zu machen. Im Zentrum der Erzählung stehen immer wieder die Liebe, die Zweifel an der Dauer einer Liebe, das Durchhalten in belastenden Situationen, der gemeinsame Kampf um den Erhalt ihrer Zusammengehörigkeit und das Älterwerden.

Das Buch ist ein gelungenes Meisterwerk, das alle Wünsche nach anspruchsvoller Unterhaltung erfüllt. Empfehlungen von Raymond Carver und Joyce Carol Oates bürgen für literarische Glanzleistungen.

Der Roman von Lynne Schwartz ist bereits 1980 in Amerika publiziert worden und liegt jetzt in einer Neuübersetzung in Deutsch von Ursula Maria Mössner in Verlag Kein & Aber vor.

Lynne Schwartz
Für immer ist ganz schön lang
256 Seiten, gebunden
Kein & Aber, September 2015
ISBN-10: 3036957251
ISBN-13: 978-3036957258
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