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Kategorie: Belletristik

Jennifer Niven: All die verdammt perfekten Tage

Jennifer Niven: All die verdammt perfekten Tage

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Finch steht auf dem Glockenturm seiner Schule und überlegt, ob es wohl einen besten Tag zum Sterben gibt. Er hat die Diagnose erhalten, dass er unaufhaltbar sterben wird. Warum dann nicht jetzt? Vielleicht ist heute doch der beste Tag dazu, denkt er. Warum sollte er dem Tod die Auswahl des Zeitpunktes überlassen? Doch dann erblickt er auf dem Mauersimms des Turms Violet. Sie schaut ihm in die Augen und scheint ihn anzuflehen, nicht zu springen… Aber Finch ist sich gar nicht so sicher, ob sie nicht vielleicht selbst springen würde. Die Situation ist mehr als verfahren. Zudem scheint Violet Angst vor einem Sturz zu haben. Indem Finch Violet for einem Absturz schützt, schützt sie ihn vor seinem Selbstmord.
Im zweiten Kapitel erfährt der Leser etwas mehr über Violet, die vor einigen Monaten ihre Schwester bei einem Unfall verloren hat, an dem sie sich selbst die Schuld gibt. Außerdem war ihre Schwester zugleich ihre beste Freundin, was den Schmerz besonders tief macht. Violet ist deshalb in Therapie.
In abwechselnden Kapiteln, die jeweils aus der Sicht von Finch oder Violet erzählt werden, erlebt der Leser, wie sich beide behutsam näherkommen und welche Möglichkeiten sie erfahren, ihre Schicksale nicht ihr alltägliches Leben bestimmen zu lassen. Es steuert alles auf eine anrührende Liebe zu. Als beide für den Leser längst sichtbar ineinander verliebt sind, sprechen sie selbst nur von Freundschaft. Als sie von ihrer Liebe ahnen, sprechen sie in Gegenwart ihrer Klassenkameraden und Eltern von Freundschaft.

Jennifer Niven hat die Geschichte aufgebaut wie ein großes Puzzle. Viele Kapitel (deren Überschriften wie eine Tagebuchnotiz wirken), besonders die kleineren, erscheinen wie detaillierte Beobachtungen des ganz normalen Alltags von Jugendlichen. Gespräche über den ersten Kuss, die gestrige Party. Diese kleinen Details wirken banal. Sie sind es aber angesichts des tragischen Hintergrundes der Schicksale der beiden Protagonisten mitnichten. Sie zeigen, dass das normale Leben weitergeht. Dass es selbst vor der Liebe kein Entrinnen gibt, selbst, wenn ein großes Unheil droht. Die Komposition all dieser Einzelheiten zu einem komplexen Bild einer herzlichen Beziehung zweier junger Menschen macht dieses Buch zu einem wahren Stück Literatur. Doch leider nicht bis zum Ende des Buches. Das ist sehr schade. Die Auflösung der Geschichte erfolgt viel zu früh. Alles, was danach kommt, ist nicht mehr spannend und liegt an der Grenze zum Sachbuch. Auch anschließende Adressen zu Selbsthilfegruppen von selbstmordgefährdeten Jugendlichen verstärkt diesen Eindruck. Das wertet den Roman leider ab, der ohne diesen Schluss ein sehr, sehr starker Roman hätte sein können. Doch den erhobenen Zeigefinger ignorierend darf sich der Leser auf eine wunderschöne und unterhaltsame Geschichte freuen.

Niven, Jennifer
All die verdammt perfekten Tage
aus dem Amerikanischen von Alexandra Ernst
Limes Verlag, München
ISBN: 9783809026570

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016
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Truman Capote: Wo die Welt anfängt

Truman Capote: Wo die Welt anfängt

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Erzählungen können niemals eine ganze Lebensgeschichte enthüllen. Immer geht es nur um Episoden aus dem Leben einzelner.

Diese spät entdeckten Erzählungen aus jugendlichen Jahren von Truman Capote erfüllen alle Kriterien von gut erzählten kurzen Lebensabrissen. Es ist ein kurzes aber inhaltsreiches Bändchen nur.

Mit kraftvoller Sprache und großer Intensität erzählt Capote die skurrilsten und drolligsten Geschichten. Einmal makaber, dann wieder tragisch und geheimnisvoll begegnet man zwei alten Damen, die über den Freitod eines Mannes sprechen. Dann wieder malen sie sich aus, wie man gekonnt und unauffällig jemanden um die Ecke bringen könnte, der einem im Wege ist. Auch ein Mord passiert, vor dem einen graust. Die Geschichten zeigen Fantasien, die von tiefen Gedanken des Abseits getragen sind.

Der kleine Junge, der sich einen Hund wünscht, der ungewöhnliche Tod eines anderen, seltsame Kindheitsfantasien und traurige Lebenserfahrungen: alle zusammen ergeben Blitzlichter aus dem gewöhnlichen Leben, die uns erschauern lassen. Sie sind von poetischer Sprachgewandtheit, lebendig, vielfarbig und originell.

Die Erzählungen schreiten munter fort und bieten leicht überzogen ein buntes Kaleidoskop menschlicher Begebenheiten.

Eine jede Erzählung bietet einen anderen Grundton, doch bleibt die Erzählkunst Truman Capotes unverwechselbar in jeder seiner Geschichten spürbar. Er weiß Stimmungen und Landschaftsbilder gekonnt einzufangen, so dass man sich hautnah am Geschehen fühlt.

Die Geschichten stimmen einen nachdenklich und lassen darauf schließen, dass Capote frühzeitig eine intensive Beobachtungsgabe entwickelt und eigene sehnsuchtsvolle Lebenserfahrungen gemacht hat, die ihn zu einem Ausnahmeschriftsteller werden ließen.

Truman Capote
Wo die Welt anfängt
160 Seiten, gebunden
Kein & Aber, 2. Auflage, November 2015
ISBN-10: 3036957316
ISBN-13: 978-3036957319
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Petra Durst-Benning: Kräuter der Provinz

Petra Durst-Benning: Kräuter der Provinz

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Petra Durst-Benning hat mit dem vorliegenden Roman ihren ersten Gegenwartsroman veröffentlicht. Nach überragenden Erfolgen mit historischen Romanen hat sie sich in ein anderes Genre gewagt. Auch dies erfolgreich, wie ich finde. Denn auch in dieser Geschichte geht es um Frauen, Frauen, die ihr Leben auf den Kopf stellen wollen oder müssen, Frauen, die sich durchsetzen, und am Ende ihr Glück finden … oder auch nicht.

Therese hat in ihrem Heimatdorf Maierhofen im Allgäu einen Landgasthof zum Erfolg gebracht. Als Bürgermeisterin möchte sie solch einen Erfolg auch für das Dorf schaffen. Es gibt nur ein Hindernis: Eine Diagnose „Krebs“ liegt ihr im Nacken und lässt sie immer häufiger den Optimismus verlieren. Durch Zufall wird sie an ihre Cousine Greta erinnert, die sie seit ihrer Kindheit nie wieder getroffen hatte und die eine erfolgreiche Werbefachfrau geworden ist. Das bringt sie auf die Idee, Greta in das beschauliche Maierhofen zu holen und auf fachfrauliche Hilfe bezüglich des Dorfes zu hoffen. Greta, der gerade in der Agentur, in der sie arbeitet, eine viel jüngere neue Werbefrau an die Seite gestellt wurde, verliert die Lust an der Arbeit für diese Agentur. Aber ebenso wenig kann sie sich zunächst eine Kampagne für ein Dorf vorstellen. Sie ist ausgebrannt. Doch sie greift die Idee einer Auszeit und eines kleinen Checkups in dem Allgäu-Dorf ihrer Kindheit auf. Als ihre Ideen für eine Kampagne Gestalt annehmen, wird sie zusätzlich von Thereses Freundin Christine, der Frau des örtlichen Autohändlers und von Beruf Hausfrau, unterstützt.

Petra Durst-Benning zeigt mit diesem spannenden Roman Wege auf, um sich von persönlichen Tiefschlägen nicht in die Knie zwingen zu lassen. Sie will Mut machen und plädiert dafür, den Kopf nie in den Sand zu stecken, immer nach vorne zu schauen und gegebenenfalls neue Wege zu beschreiten. Das Buch trägt selbst in den Wintermonaten, in denn die Handlung teilweise spielt, so viel Sonne in sich, dass man glaubt, stets von dieser beim Lesen begleitet zu werden. Die Figuren, nicht nur die weiblichen, bringt uns die Schriftstellerin über ihr Handeln und Denken sehr nah. Es ist alles nachvollziehbar und plausibel. Es braucht nicht lange, um sie als Freunde ins Herz zu schließen.
Geschmückt wird der Aufbruch des Dorfes mit vielen Rezepten, die Leserin oder Leser gleich ausprobieren kann. Selbst Edy vegane Bratwurst ist dabei. Und wer beim Lesen Appetit auf ein dickes Butterbrot, bestreut mit Kräutersalzen, bekommt, muss sich keinen Zwang antun. Drei kleine Gläschen mit Kräutersalzen gehören ebenfalls zum Buch. Eine wunderschöne Idee für ein wunderschönes Buch, welches Lust auf die Zukunft macht.

Durst-Benning, Petra
Kräuter der Provinz
Blanvalet, München
ISBN 9783734100116

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015
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Anne Gesthuysen: Sei mir ein Vater

Anne Gesthuysen: Sei mir ein Vater

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Fantasie und Wirklichkeit…

Die bekannte Fernsehmoderatorin Anne Gesthuysen hat nach dem Roman über drei Tanten „Wir sind doch Schwestern“ einen neuen Roman geschrieben. Die Geschichte ist angelehnt an die authentische Malerin Georgette Agutte und ihres Mannes Marcel Sembat.

Wie hat alles angefangen?

Zwei Austauschschülerinnen aus den achtziger Jahren haben enge Freundschaft geschlossen. Besonders Lilie Agutte aus Frankreich hat in dem Vater von Hanna am Niederrhein einen „Gastvater“ gefunden, dem sie sich eng verbunden fühlt. Ihre eigenen Eltern und besonders der Vater waren nie so richtig für sie da. Sie fährt 2007 nach Veen an den Niederrhein, um den Gastvater zu besuchen, der an Krebs erkrankt ist. Mit im Gepäck hat sie ein Bild, das lange in ihrer Wohnung in Paris herum hing ohne rechte Würdigung zu erfahren. Man hatte es ihr bei einem Einbruchsversuch zu entwenden versucht. Ist es denn etwas wert, und wer ist der/ die MalerIn? Hermann, der Gastvater, wird neugierig und beginnt, sich intensiv mit der Entstehungsgeschichte zu befassen. Dabei erleben er und seine zwei „Töchter“ Neuigkeiten ganz eigener Art. Die Entstehungsgeschichte des Bildes datiert etwa um das Ende des 19. Jahrhunderts.

In wechselnden Szenen sind wir einmal in Deutschland um 2007, um uns dann wieder in die Darstellung des Bildes und seines möglichen Ursprungs zu vertiefen. Lilie, Hanna und ihr Vater machen sich auf eine abenteuerliche Reise, um der Geschichte des Bildes und damit der Ahnen von Lilie auf die Spur zu kommen.

Wir werden zurückversetzt in die Zeit der Belle Epoque mit allen ihren damaligen Kunstrichtungen und den bekannten Malern und Künstlern des Impressionismus. Die drei erfahren bei ihrer Suche, dass Lilies Ururgroßtante Georgette Agutte eine talentierte Malerin war. Zu ihrem Freundeskreis gehörten Maler wie Matisse, Pissarro und viele andere Künstler. Sie war in zweiter Ehe glücklich verheiratet mit dem sozialistischen Politiker Marcel Sembat.

Anne Gesthuysen weiß leicht und unkompliziert zu erzählen, wenn ihr die Anfänge der Geschichte auch ein wenig breit und ausufernd geraten sind. Ihre Familiengeschichten sind warmherzig und liebevoll angelegt. Hier hat sie das Wagnis unternommen, eine wahre Geschichte mit einem fiktiven Roman zu verbinden. Das hat ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Man merkt, dass sie Lust am „Schreiben“ hat. In langen Passagen schildert sie Mensch und Natur, lässt ihre Figuren Dialoge führen und befasst sich mit Kunstgeschichte und Geschichte, die bis zum Beginn und Ende des Ersten Weltkriegs reicht. Wie den Faden eines Wollknäuels verwirrt und entwirrt sie ihre Geschichte mit immer neuen möglichen Lösungen. Nicht zuletzt dreht sich die Erzählung um Familienbeziehungen, gute wie weniger gelungene, und um die „Zeit“ als Rahmen für Beginn und Abschied.

Man darf mit Fug und Recht sagen: es ist eine leicht zu lesende Lektüre!

Anne Gesthuysen
Sei mir ein Vater
432 Seiten, gebunden
Kiepenheuer&Witsch, November 2015
ISBN-10: 3462048325
ISBN-13: 978-3462048322
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Dorothy Baker: Zwei Schwestern

Dorothy Baker: Zwei Schwestern

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Blick in die Abgründe der menschlichen Seele…

Der wörtlich übersetzte englische Titel „ Cassandra auf der Hochzeit“ wäre wohl der bessere Titel gewesen, denn es geht hier um Zwillinge, von denen der eine sich zur Heirat entschlossen hat, der andere aber in symbiotischer Beziehung zum Gegenüber hängen geblieben ist.

Von Beginn an geht es um diese geplante Hochzeit, von der die Schwester Cassandra einfach nichts wissen will. Sie ist Dozentin in Berkley und macht sich unwillig auf die Reise zu ihrer elterlichen Ranch, wo die Hochzeit ihrer Schwester Judith mit einem jungen Arzt stattfinden soll. Gleich zu Beginn spürt man Cassandras Sarkasmus und ihre Ungläubigkeit, dass ihre Schwester Judith sie verlassen wird. Judith ist gelassen und ruhig. Sie hat ihr Leben selber in die Hand genommen, weil sie ein eigenständiges Leben liebt. Cassandra ist innerlich wütend und hektisch. Die Erzählung ist so gehalten, dass man deutlich spürt, wie sie rebelliert und gegen den Vorsatz der Schwester anzugehen versucht. Die Schwestern waren sich so innig verbunden, dass sie sogar die gleichen Kleider zur Hochzeit unabhängig voneinander ausgesucht haben! Judith wird Zeugin eines Dramas, in dem sie die Hauptrolle als ungetreue Schwester spielt. Schaut Cassandra in den Spiegel, sieht sie zugleich mit dem eigenen Spiegelbild das Gesicht der Schwester. Ohne es zu bemerken, hat sich Judith von Cassandra entfernt. Diese ist darüber zutiefst schockiert und aufgebracht.

Der Kampf zweier äußerlich gleicher aber charakterlich und mental ungleicher Schwestern bestimmt das gesamte Geschehen in dem Roman. Die Begegnungen finden auf der elterlichen Ranch statt. Dort lebt neben dem Vater, einem pensionierten Philosophen, nur noch die etwas exzentrische Großmutter.

Die Autorin spielt auf der Klaviatur der Gefühle, in der sich die vier Menschen verhakt haben. Die Zwillingsschwestern erzählen abwechselnd in der Ichform, so dass man meint, es habe sich alles genauso zugetragen.

Mit feinem Gespür für die Seele des Menschen analysiert Dorothy Baker eine Beziehung, die durch Geburt als Zwillinge in einer ausweglosen Symbiose zu ersticken droht. Bei der äußerlichen und durch die Heirat von Judith auch innerlichen Trennung geht Cassandra existenziell fast zugrunde.

Die Geschichte wird packend erzählt und schlägt den Leser durch feine Nuancierungen in der Wahrnehmung der Gefühle Cassandras in Bann. Man kann sich gut in ihr inneres Erleben einfühlen. Dorothy Baker ist eine ausgezeichnete Beobachterin und Erzählerin. Ihr Roman fesselt u.a. durch die Tragik im Erleben ihrer Hauptfigur.

Gelegentliche Längen tun der Lektüre keinen Abbruch.

Dorothy Baker (1907 -1968) ist ähnlich wie John Williams mit seinem Roman „Stoner“ eine Wiederentdeckung aus dem letzten Jahrhundert. 1965 erschien ihr Roman in der Übersetzung von Günther Huster zum ersten Mal auf Deutsch. Jetzt ist er in der guten Übersetzung von Kathrin Razum bei dtv neu aufgelegt worden.

Man kann ihn sehr empfehlen!

Dorothy Baker
Zwei Schwestern
280 Seiten, gebunden
dtv Verlagsgesellschaft, September 2015
ISBN-10: 342328059X
ISBN-13: 978-3423280594
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Der Himmel über München (Buchvorstellung)

Der Himmel über München (Buchvorstellung)

Im Rahmen des FeuerWerke Verlags erscheinen ausgewählte Romane aus Leselupe-Kreisen als Taschenbuch und eBook. Den sechsten Roman möchten wir Ihnen hier vorstellen:

Ein himmlischer Liebesroman mit einem herrlichen Mix aus Romantik, Humor und Philosophie.

Als sich der 22-jährige Simon und die 18-jährige Theresa kennen lernen, ahnen sie nicht, dass diese Begegnung von ihren persönlichen Schutzengeln Xerxes und Spekulatius eingefädelt wurde. Diese beiden sind nämlich der Meinung, dass Simon und Theresa ein wunderbares Paar abgeben würden, und verfolgen gespannt, wie sich eine zarte Liebe zwischen ihnen entwickelt. Dabei sorgen die Engel immer wieder dafür, dass nicht alles zu glatt läuft. Schließlich haben sie ja alle Zeit der Welt und es macht ihnen Spaß, ein bisschen Spannung in die Angelegenheit zu bringen.
Doch gerade als sich abzuzeichnen beginnt, dass die Bemühungen der Schutzengel Früchte tragen könnten, wird der himmlische Chef hellhörig und erinnert Xerxes und Spekulatius daran, dass im „Großen Plan“ etwas ganz anderes steht: Simon und Theresa sind nach diesem keinesfalls füreinander bestimmt, und die Engel kriegen gewaltig eins auf den Deckel für ihr eigenmächtiges Handeln.
Kleinlaut haben sie nun dafür zu sorgen, dass das Liebesleben der Erdenkinder wieder in die planmäßigen Bahnen gelenkt wird – gar nicht so einfach, denn die Eingriffsmöglichkeiten sind begrenzt und Simon und Theresa haben Feuer füreinander gefangen. Während im Himmel heiß diskutiert wird, werden auch die Menschenkinder hin und her gebeutelt zwischen Nähe und Abstand und wissen manchmal selbst nicht, wie ihnen geschieht. Schaffen die beiden Schutzengel am Ende doch noch, ihr Traumpaar zusammen zu führen?

Titel: “Der Himmel über München”
Autor: Katharina Lankers
Genre: Liebesroman
Verlag: FeuerWerke Verlag
Jahr: 2015
ISBN eBook: 978-3-945362-14-3
ISBN Taschenbuch: 978-3-945362-15-0
Leseprobe: PDF
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Margarita Kinstner: Die Schmetterlingsfängerin

Margarita Kinstner: Die Schmetterlingsfängerin

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Katja ist schwanger. Ausgerechnet jetzt, wo sie ihrem Freund Danijel nach Sarajevo folgen will. Ihre Entscheidung ändern, will sie deswegen nicht. Aber nachdenklich wird sie. Ihr Urgroßvater war einst von Bosnien nach Österreich ausgewandert. Katja nimmt sich also Zeit zurückzublicken und die Familiengeschichte zu ergründen. Ihre Kindheit hat Katja zum Teil bei ihrer Großmutter verbracht. Was sieht man, wenn mal als Erwachsene zurückkehrt an diesen Ort? Ist es tatsächlich das, was man Heimat nennt?

Mit viel Gefühl wird die Geschichte erzählt, sodass man nachempfinden kann, wie es Katja geht, die frei sein will in ihrer Entscheidung die Zukunft betreffend. Die sich nicht von anderen beeinflussen will, die ihr abraten.
Katja genießt die Zeit im Lusniztal, dem Ort ihrer Kindheit, den es so, wie er damals war, natürlich nicht mehr gibt. Die Bodenhaftung verliert Katja deswegen nicht. Ihre Freundin kommt sie besuchen und auch Danijel begleitet seine Katja ein paar Tage. Das Zusammensein und die Gespräche helfen. Während anfangs noch Unklarheit herrscht, alles durcheinander geht und die Gedanken Purzelbäume schlagen, sortiert Katja sich immer mehr, bis sie weiß, was sie selbst wirklich will. Dazu gehört, Einflüsse von außen abzuschirmen. Ein Neuanfang bedeutet schließlich, die Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Nur trägt diese Vergangenheit noch ein Geheimnis in sich, das es zu verarbeiten gilt.

Die Autorin schreibt auf eine sehr ruhige Art und Weise und vor allem ohne Wertung. Als Leser folgt man Katja mit Interesse und Wohlwollen in die Vergangenheit. Das Abschied nehmen ist von einer Sehnsucht geprägt und doch auch voller Hoffnung in die die Zukunft und das Leben als kleine Familie, wo immer das auch sein wird. Man hört zu wie eine Freundin und wartet ab. Selten hat ein Buch diese Wirkung.

Rezension von Heike Rau

Margarita Kinstner
Die Schmetterlingsfängerin
288 Seiten, gebunden
Deuticke Verlag
ISBN-10: 3552062947
ISBN-13: 978-3552062948
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Anne Enright: Rosaleens Fest

Anne Enright: Rosaleens Fest

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Psychodrama um Familie, Liebe und Abschied.

Eigentlich handelt es sich in dieser Geschichte nicht um Rosaleens Fest. Eher ist das die Geschichte einer Mutterschaft mit unguten Bindungen an ihre vier Kinder.

Diese Mutter ist eine empfindsame, leicht hysterische Seele, die ständige Aufmerksamkeit und Fürsorge fordert.

Jedes Kapitel erzählt die Geschichte eines ihrer vier Kinder aus deren Sichtweise. Die jüngste, Hanna, macht den Anfang im Jahr 1980. Sie sorgt für die Mutter, kocht ihr Tee bei Bedarf und besorgt geheimnisvolle Medikamente bei ihrem Onkel Bart, der eine Apotheke besitzt.

Kapitel für Kapitel stellt uns Anne Enright die Kinder der Familie Madigan vor: außer Hanna sind das noch Dan und Emmet und Constanze mit ihrer Familie.

Dan ist auf einem ganz eigenen Weg zwischen Priesterschaft und Homosexualität. Emmet versucht sich als Entwicklungshelfer, Constanze kämpft zwischen Kindern, Küche und Krebserkrankung um einen eigenen Weg, und Hanna bleibt in ihrem Traum von einer Schauspielerinnenkarriere hängen.

Mit fortschreitenden Jahreszahlen werden die Kinder älter und Rosaleen tritt in den Hintergrund. Jetzt aber will sie es noch einmal wissen: sie lädt die Kinder zu einem letzten Weihnachtsfest ein, denn dann will sie ihr Haus in Ardeveen/Irland verkaufen.

Jede Geschichte erscheint wie ein eigener kleiner Roman, denn die Kinder sind sehr verschieden. Rosaleen zeigt lediglich im Hintergrund ihr Gesicht und ihr Missfallen an den Kindern. Vor dem Abschied von dem Haus sollen nach ihrem Willen alle noch einmal zusammenkommen. Hier also begegnen sich die Geschwister, nachdem sie Jahre ihrer eigenen Wege gegangen sind.

Keiner hat ein zufriedenes Leben gefunden. In verworrener Weise blieben sie an der eigensüchtigen Mutter hängen.

Anne Enright ist eine erfolgreiche Erzählerin, deren Themen aber für immer die Familienbande sind, – im guten wie im schlechten Sinn. Hier ist es ihr m.E. nicht so gut gelungen, die krankhaften Verbandelungen einer Familie zu entwirren.

Zu vereinzelt werden die Geschwisterschicksale aufgeschlüsselt. Der Zusammenhalt der Familie scheint nie gegeben gewesen zu sein.

Dennoch liest man das Buch gerne, weil Anne Enright eine kluge Familienbeobachterin ist, die psychologisches Feingefühl besitzt.

Anne Enright

Rosaleens Fest
384 Seiten, gebunden
Deutsche Verlags-Anstalt, November 2015
ISBN-10: 3421047006
ISBN-13: 978-3421047007
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Kate Atkinson: Glorreiche Zeiten

Kate Atkinson: Glorreiche Zeiten

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Familiensaga mit charaktervollen Einzelschicksalen

Versehen mit wechselnden Jahreszahlen wird in diesem neuen Roman von Kate Atkinson über das 20. Jahrhundert hinweg von einer besonderen Familiensaga berichtet.

Angefangen mit Hugh und Silvie 1927 über ihren Sohn Teddy mit seiner Frau Nancy 1939-47 bis zu deren Tochter Viola und ihren Kindern in den sechziger Jahren erleben wir verschiedene Episoden, die als markante Eckpunkte in der Familiengeschichte angesehen werden können.

Wir befinden uns in England, wo die Familien ihrem Tageslauf nachgehen.

Die zwanziger Jahre bieten das Bild in Politik und Gesellschaft zu ihrer Zeit, die Kriegsjahre 1939 -1945 die andere Seite der Geschichte.

Die sechziger Jahre schließlich mit der unsteten Viola, Teddys und Nancys Tochter, zeigen die Auflösung alter Familienstrukturen mit ihren fest gefügten Normen und Regeln.

Im Zentrum der Geschichte steht Teddy, an dessen Lebenslauf in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sich die Erzählung orientiert.

Er hat seine Sandkastenliebe Nancy geheiratet, die mit Geschick ihrer beider Leben durch die Stürme des Lebens leitet. Am Lebensstil ihrer sehr verspätet geborenen Tochter wird man in die Umbruchjahre der 68 ziger Generation erinnert.

Liebe, Vergehen, Elternschaft, Geburt und Tod sind die Eckpfeiler des Lebens. Hier werden sie dokumentarisch am Beispiel einer Familie festgemacht.

Teddy ist ein Träumer und Fantast, der die Langeweile des Lebens schon lange satt hat. Doch wie ein Leben aufgeben, das Sicherheit, Stabilität und Geborgenheit bietet?

Der opulente Familienroman bietet zur Unterhaltung alles, was das Herz begehrt. Es gibt die gut geratenen und die weniger gut geratenen Kinder, die, die geliebt wurden und die, die es weniger gut hatten in ihrer Kindheit. Der jeweiligen Zeit gemäß sind die Verhaltenweisen und Umgangsformen untereinander. Der zweite Weltkrieg bietet einen Umbruch, der zur Prüfung für die damals Jungen wurde. Dieser Teil der Geschichte nimmt breiten Raum ein.

Doch auch Geschwisterliebe, Neid oder Eifersucht bleiben in der Erzählung nicht ausgespart. Man taucht ein in die Welt der Familien und hört erst auf zu lesen, wenn mit dem Tod Teds alle Zusammengehörigkeit ein Ende gefunden hat. Jeder ist seinen eigenen Weg mehr oder weniger erfolgreich gegangen. Die Schicksale und Charaktere sind vielfältig. Das Jahrhundert bekommt am Beispiel dieser einen Familie Konturen, die den Leser noch einmal tief in die Vergangenheit eintauchen lassen.

Was am Ende bleibt: eine gute Unterhaltung!

Kate Atkinson
Glorreiche Zeiten
512 Seiten, gebunden
Droemer HC, November 2015
ISBN-10: 3426281295
ISBN-13: 978-3426281291
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Jonathan Franzen: Unschuld

Jonathan Franzen: Unschuld

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Purity, genannt Pip, hadert mit sich und der Welt. Sie ist ohne Vater aufgewachsen. Ihre Mutter weigert sich, ihrer Tochter auch nur den kleinsten Hinweis zu geben. Das führte seit Pips Kindheit zu einem Kleinkrieg mit der Mutter, der sich in einem ständigen Hin und Her zwischen Hass und Liebe zeigt.

Pip arbeitet im Direktmarketing bei einer Firma, die „Lösungen“ anbietet. Schwerpunkte sind Klimawandel, Energieressourcen und andere ökologische Themen. Doch schon bald merkt sie, dass sie mit ihrer telefonischen Akquise die Menschen in Verträge drückt. Das entspricht so gar nicht ihrer eigenen Lebensauffassung. Da lernt sie die Deutsche, Annagret, kennen. Die vermittelt Pip einen Job bei dem als Hacker und Whistleblower bekannten Andreas Wolf. Bevor Pip nach Bolivien, dem geheimen Unterschlupf von Wolfs Unternehmen, reist, startet sie einen letzten Versuch bei ihrer Mutter, etwas über ihren Vater zu erfahren und droht ihr, zu Andreas Wolf zu gehen, der ihr bei der Suche nach dem Vater helfen wird.

So weit der erste Teil des Romans „Unschuld“ vom sehr gut deutsch sprechenden Jonathan Franzen. Der zweite Teil liest sich wie ein eigenständiger Roman. Der Leser lernt Andreas Wolf kennen, der in der DDR aufgewachsen ist. Sein Nachname lässt erkennen, dass er zum großen Familienclan der „Wolfs“ gehört. Friedrich Wolf war ein überaus bekannter Schriftsteller, Konrad Wolf ein sehr guter Filmregisseur und dessen Bruder Markus Wolf war Chef der Auslandsspionage bei der Staatssicherheit der DDR. Vor diesem Hinterghrund erhielt die Figur des Whistleblowers und Dissidenten einen Vater, der Mitglied des Zentralkomitees der SED war. In diesem Teil erfährt der Leser auch von der Liebesbeziehung zwischen Annagret und Andreas Wolf, ohne jedoch allzusehr in das Romantische zu verfallen.

Im dritten Teil wird von Leila berichtet, die investigativ recherchiert und Pip bei sich aufgenommen hat. Pip arbeitet inzwischen bei der Organisation Andreas Wolfs, spielt in diesem Teil eine eher untergordnete Rolle. Viel spannender sind Leilas Recherchen und die Machenschaften der kriminellen und/ oder politischen Elemente.
Obwohl Franzen auch diesen Roman wieder wortgewaltig und unterhaltsam (subtile Ironie lässt er selten vermissen) schreibt, übertrifft er in meinen Augen nicht seinen Roman „Die Korrekturen“. Auch, wenn es erneut um eine Familiensaga geht. Immer wieder stößt man auf langwierige Passagen, die der Lust am Lesen entgegenstehen. Hätte ich nicht schon andere Romane des Schriftstellers und diesen Klappentext, der mir bereits verrät, wohin die Geschichte gehen soll, gelesen, hätte ich wahrscheinlich nach spätestens fünfzig Seiten abgbrochen und mir das darauffolgende Lesevergnügen versagt. Indem ich das nicht tat, wurde ich belohnt mit eines faszinierenden Lebensgeschichte verschiedener Figuren. Denn hier gibt es nicht nur einen Protagonisten, jede der Figuren ist facettenreich und höchst interessant.

Erstaunlich fand ich den Abschnitt um Andreas Wolf in der Zeit von den 1960er Jahren bis zur Wendezeit 1989/1990. Sehr gut recherchiert kommt Franzen dem tatsächlichen Geschehen verdammt nahe, was nicht zuletzt an der Unterstützung von Thomas Brussig gelegen haben mag, der ja bekanntlich sehr erfolgreiche „DDR-Romane“ schreibt.
Trotz zwischenzeitlicher Überlängen hat mich dieser Roman gefesselt. Wie auch bei seinen anderen Romanen werden die Protagonisten in separaten Teilen vorgestellt. In komplexen Situationen gibt er den Figuren Raum, um sich den Lesern zu präsentieren. Nur selten erfolgen unmittelbare Rückgriffe auf die anderen Teile, was alleine schon wegen der nicht chronologisch verlaufenden Teile schwierig sein dürfte. Erst im Großen und Ganzen werden die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Figuren aufgelöst und sichtbar. Mit jeder Seite, die man liest, fügt sich ein Rädchen ins andere, und man kommt in den Rhythmus der Gesamthandlung. Diese außergewöhnliche Komposition der einzelnen Teile, die jeder in einer anderen Zeit zu spielen scheinen, hat mich stark beeindruckt.

Weiterhin beeindruckt hat mich die Genauigkeit, mit der Franzen die Stimmung und Verhältnisse in der DDR wiedergibt. Von der oberflächlichen Arbeitsweise der Amerikaner keine Spur. Außerdem hat mir die leise Ironie gefallen, mit der der Autor beispielsweise die Naivität der Jugend in ihrem Drang nach „etwas bewegen wollen“, oder auch den Aufstieg eines DDR-Bürgers zum Whistleblower, oder das schwierige Verhältnis zweier sich Liebender, beschreibt. Schließlich setzte ich mich am Ende des Romans in meinem Sessel zurück, atmete durch und dachte: Was für eine Geschichte.

Franzen, Jonathan
Unschuld
Aus dem Amerikanischen von Bettina Abarbanell und Eike Schönfeld
Rowohlt Verlag
ISBN 9783498021375

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015
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