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Kategorie: Belletristik

Daniel Glattauer: Geschenkt

Daniel Glattauer: Geschenkt

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Gerold Plassek arbeitet für die Werbezeitung einer Supermarktkette. Er lebt in den Tag hinein und hat Mühe damit, nach außen hin so zu tun, als hätte er kein Alkoholproblem. Zu dieser Zeit erfährt er, dass er einen Sohn hat, denn seine Mutter, die aus beruflichen Gründen ins Ausland muss, bringt ihn bei einer Freundin unter und auch bei ihm soll der Junge ein paar Stunden täglich bleiben.

Der 14-jährige Manuel weiß allerdings nicht, dass Gerold sein Vater ist. Er hält ihn für einen Freund seiner Mutter. So antriebslos weitermachen wie bisher, kann Gerold nun nicht. Aber es steht ohnehin eine Wende in seinem Leben an. Ein Artikelüber von ihm über eine Obdachlosenschlafstätte in der Gratiszeitung hat eine anonyme Spende zur Folge. Im Umschlag mit dem Geld befindet sich auch Gerolds Artikel. Ein Zusammenhang ist also offensichtlich.

Es bleibt nicht bei dieser einen Spende. Gerold und Manuel schreiben zusammen weitere Sozialreportagen. Der anonyme Spender lässt sich nicht lumpen und reagiert auf die folgenden Artikel wieder mit Spenden. Keiner weiß, wer der Wohltäter ist. Doch bald hat man die Vermutung, dass zumindest Gerold es wissen muss. Was dieser natürlich abstreitet.

Ein Krimi läuft immer nach demselben Schema ab. Es gibt einen Täter, ein Opfer oder eine Straftat, ein Motiv, Ermittlungsarbeiten usw. Und hier haben wir es nun mit einem Wohltäter zu tun, der anonym agiert. Der Gutes tut und dennoch nicht will, dass man ihm auf die Spur kommt. Es eröffnet sich also ein ganz anderer Blickwinkel, der aber ebenso spannend ist, als handle es sich bei dem Buch um einen Krimi.

Mitten drin im Geschehen ist der erfolglose und von Alkoholproblemen gezeichnete Gerold Plassek, dessen Leben sich durch die Wohltat, das plötzliche Auftauchen seines Sohnes und die Instandsetzung seiner maroden Zähne durch die hübsche Zahnärztin Manuels grundlegend ändert.

Die Geschichte geht auf eine wahre Begebenheit zurück, eine ebenfalls anonyme Spende. Der Autor hat das Thema aufgegriffen und seine eigene Vorstellung vom Verlauf entwickelt. Er sieht auf die Menschen und die Hintergründe. Er zeigt, was die Spende bewirkt, aber nicht da, wo sie abgegeben wurde, sondern an der Quelle. Denn Auslöser sind ja die Sozialreportagen.
Von Anfang an ist man als Leser gespannt darauf, zu erfahren, wer der anonyme Spender ist und natürlich auch darauf, ob Gerald Plassek die Kurve bekommt.

Rezension von Heike Rau

Daniel Glattauer
Geschenkt
336 Seiten, gebunden
Deuticke Verlag
ISBN-10: 3552062572
ISBN-13: 978-3552062573
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Johan Bargum: Septembernovelle

Johan Bargum: Septembernovelle

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Harald und Olof waren beide nacheinander mit der gleichen Frau zusammen. Zuerst Harald dann Olof bis zu Elins Tod. Beide Männer hatten kaum Kontakt miteinander, haben aber kürzlich eine Segeltour zusammen unternommen. Nach Haralds Verschwinden sieht sich Olof nun mit den Fragen der Polizei konfrontiert. Wer hat den anderen zur Segeltour überredet und wieso? Ging es um Rache? Wenn man es genau nimmt, hatten sicher beide ein Motiv, sich am anderen zu rächen. Doch warum hätte Olof Harald etwas antun sollen, der bereits von seiner Krebserkrankung gekennzeichnet war. Und was Harald selbst geplant hatte, der schließlich eine Waffe mit an Bord brachte, ist ebenfalls unklar. Vielleicht hat er an Selbstmord gedacht und gar nicht den anderen im Visier gehabt?

Olof erzählt der Polizei seine Geschichte. Er erzählt, was er über Harald weiß, und warum Harald ihn angerufen hat, um eine letzte Segeltour zu unternehmen. Er berichtet von seiner Beziehung zu Elin und ihrem plötzlichen Unfalltod, der auch mit Absicht herbeigeführt worden sein könnte. Sagt er die Wahrheit? Vielleicht. Vielleicht auch nicht, denn es gibt noch eine andere Wahrheit, die von Harald, der einen Brief hinterlassen hat, mit dem er einen doch etwas anderen Blick auf die Dinge möglich macht.

Dem Leser werden also beide Sichtweisen der Männer offenbart. Im ersten Buchteil wird die Vernehmung Olofs bei der Polizei dargestellt. Im zweiten Teil darf der Leser Harald über die Schulter schauen, wie er den Brief schreibt. Glück und Unglück sind nah beieinander. Wahrheit und Lüge ebenfalls. Schlüsselfigur ist Elin, eine geheimnisvolle, aber auch sehr sensible Frau.

Die Geschichte wird auf eine sehr raffinierte Weise dargestellt. Beide Männer sind glaubwürdig. Doch die Fassade beginnt zu wackeln, allein deswegen, weil nur eine Geschichte wahr sein kann oder eben Teile davon. Die Vergangenheit spielt immer in die Gegenwart hinein und vermischt sich mit ihr. Das wird sehr gut gezeigt. Das macht nachdenklich. Der Autor überlässt das Spekulieren dem Leser und davon ist nach der Lektüre des Buches lange nicht loszukommen.

Rezension von Heike Rau

Johan Bargum
Septembernovelle
Aus dem Schwedischen von Karl-Ludwig Wetzig
112 Seiten, gebunden
Mareverlag
ISBN-10: 3866481934
ISBN-13: 978-3866481930
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Dave Eggers: Der Circle

Dave Eggers: Der Circle

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Schreckliche Neue Welt!

Die zahlreichen Besprechungen zu dem neuen Roman von Dave Eggers wecken allerlei Fantasien: man meint Szenen von der schönen neuen Welt bei Huxley über George Orwell darin wieder zu erkennen. So habe ich lange mit mir gerungen, ob ich das Buch nun lesen soll oder nicht. Wider Erwarten zeigt Eggers erneut sein Talent, reale Gegenwartsbefindlichkeiten zu einer entsprechenden Geschichte zu verarbeiten. Wir alle kennen Amazon, Microsoft, Google und andere Netzentwickler, um uns vorstellen zu können, was uns in der Zukunft blüht. Auch die neuen Krankenkassenkarten lassen alles erkennen, was über die Gesundheit des einzelnen wissenswert ist.

Amazon berechnet mit schwer zu durchschauenden Algorithmen, welche Bücher aufgrund der bisher gelesenen für uns auch noch in Frage kämen. Man fordert die Rezensenten durch ebenfalls schwer zu durchschauende Methoden zu einem Kampf um das beste Ranking heraus. Bei Google muss man sehr darum kämpfen, auffindbare Details aus dem eigenen Leben löschen zu lassen. Und die NSA tut ihr Übriges, uns den Glauben an die Wahrung von Individualität und Geheimnis zu nehmen.

Alles das erlebt Mae Holland, die Hauptprotagonistin in diesem Thriller, in ihrer neuen Stelle bei dem „Circle“, einer Firma mit Werbeeffekten und Rankingstrukturen. Man bringt Leistungen, die unentwegt nach ihrem „Ranking“ bewertet werden. Das eigene Leben wird transparent, bis rein gar nichts mehr verborgen bleibt. Das lässt sich an Hand weitverbreiteter Kleinstkameras, elektronischer Fingerabdrücke, der unentwegten Überwachung jeder Bewegung und Regung und Ähnlichem erforschen.

Mae ist von naiver Gläubigkeit diesen neuen Technologien gegenüber. Das macht sie verletzlich und angreifbar.
In einer überwältigenden Szene erlebt Mae den Kontrast zu ihrem neuen Leben, als sie eine Kajakfahrt unternimmt und die Schönheiten des Meeres und der Natur um sich herum wahrnimmt. Ihr kommen Zweifel, ob sie wirklich jetzt das richtige Leben lebt. Doch unverdrossen gerät sie in die perfiden Fänge dieser sektenähnlichen Organisation mit Namen „Circle“. Alle Details ihres Lebens müssen zu jeder Stunde und jeder Minute offengelegt werden – und das zahlreicher anderer Menschen dazu! Rundum versorgt doch total den Verpflichtungen dieses „Circle“ unterworfen, gieren die eingeweihten Mitglieder nach Anerkennung und Zustimmung im Internet, dem Medium, dem sich keiner mehr entziehen kann. Da gibt es keine Geheimnisse in den entsprechenden Institutionen mehr und wirtschaftliche Vorhaben so wie militärische Planungen können weitestgehend voraus gesagt werden.

Denkt man beim Lesen zunächst noch an science fiction wird doch bald schon klar, dass wir mitten drin leben in diesen Kontrollmechanismen von allgegenwärtiger körperlicher und geistiger Durchschaubarkeit.

Voller Spannung und mit Gruseln folgt man diesem Bild einer vollkommenen Durchdringung unseres Lebens durch Medien, Behörden, Datenräubern und anderer Erfolgs -und Verkaufstrebern. Wahrlich: man könnte paranoid werden!

Insofern lohnt es sich, mit Mae Holland den Weg zur Erkenntnis zu durchschreiten und möglicherweise Vorkehrungen für sich selber zu treffen, um diesem Zirkus zu entgehen!

Ich war zuletzt gebannt wie selten und bereue nicht, den Roman gelesen zu haben!

Dave Eggers kann schreiben! Und er bleibt wie in allen seinen Büchern immer nahe an der Realität.

Dave Eggers
Der Circle
560 Seiten, gebunden
Kiepenheuer & Witsch, August 2014
ISBN-10: 3462046756
ISBN-13: 978-3462046755
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Hila Blum: Der Besuch

Hila Blum: Der Besuch

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Familiengeschichten…

Geschichten israelischer Autoren gehören zu den sensibelsten und geheimnisvollsten, die wir kennen. Hila Blum ist neu im israelischen Literaturgeschehen. Der hier vorliegende Debütroman dürfte für zahlreiche Leser eine willkommene Neuentdeckung sein.

Jerusalem in einem sehr heißen Sommer.

Ein Junge wird vermisst, und Nati und Nili streiten sich über ihre unterschiedlichen Auffassungen, wie und ob man ihn finden wird. Nati ist nüchtern und arrogant, Nili betont optimistisch.

Es sind eingefleischte Verhaltensmuster, mit denen sich die beiden schon lange auf die Nerven gehen. Ihre Töchter sind für eine Woche verreist, und sie sind ganz auf sich selbst bezogen.

Frei assoziiert erlebt man die beiden in ihrem Alltag.

Nati und Nili wohnen schön und scheinen zufrieden. Doch stimmt das so?

Eines späten Abends meldet sich Duclos bei ihnen. Sie haben den französischer Millionäre vor vielen Jahren in Paris bei einer delikaten Begegnung kennengelernt. Überraschende Einblicke in seine Persönlichkeit geben der Geschichte Feuer und Spannung.

Durch den Roman ziehen sich Impressionen und Szenen aus dem Leben der Protagonisten, die sie in verschiedenen Facetten erscheinen lassen, ganz so wie im richtigen Leben. Niemals verlaufen Leben ohne Hochs und Tiefs und ohne Verstimmungen und Erfahrungen, die den einen oder anderen in unterschiedlichem Licht zeigen. Vergangenes vermischt sich mit der Gegenwart.

Frühere Beziehungen und zwei Töchter geben der Familiengeschichte Vielfarbigkeit.

Die Sprache ist feinsinnig, poetisch und Hila Blum beschreibt Situationen treffsicher. Vieles bleibt vage und unausgesprochen.

Man muss hinter die Worte schauen, um zu begreifen, was im Inneren der Protagonisten vor sich geht.

Wir werden zu Betrachtern von Ereignissen, die voller überraschender Wendungen, Geheimnisse, Missverstehen und erneuten Annäherungen sind.

„Ein großer Familienroman aus Israel, eine Autorin, deren Stilgefühl und klarer, kluger Blick verblüffen“ steht im Klappentext. Und in der Tat: es lohnt sich sehr, diese Autorin kennen zu lernen. Sie zeigt das Talent so großartiger israelischer Autoren wie Amos Oz, David Grossman und vieler anderer mehr.

Die erfolgreiche Übersetzerin Mirjam Pressler tut ein Übriges, um den Roman zu einem ausgewiesenen Lesevergnügen zu machen.

Hila Blum
Der Besuch
416 Seiten, gebunden
Berlin Verlag, August 2014
ISBN-10: 3827011949
ISBN-13: 978-3827011947
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Stefanie Kremser: Der Tag, an dem ich fliegen lernte

Stefanie Kremser: Der Tag, an dem ich fliegen lernte

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Hin und her …

Nach der ungewöhnlichen Geburt von Luisa macht sich ihre Mutter Aza davon und überlässt das weitere Gedeihen ihrer Tochter anderen. Ferguson, ein Engländer, rettet dieser auf ungewöhnliche Weise das Leben. Er zieht mit ihr zu Luisas Vater Paul in eine Münchner WG. Das Aufwachsen unter diesen Bedingungen verläuft für Luisa lustig bis chaotisch. Sie bekommt ihre Mahlzeiten und ihre Fürsorge von allen gleichzeitig. Doch auch in der WG geschehen merkwürdige Dinge. Irene dreht durch, Max geht nach England, und Paul findet eine Spur zu Luisas Mutter. Zusammen mit Luisa macht er sich auf nach Brasilien, wo er Aza zu finden hofft.

Man kann sich das Leben der WG lebhaft vorstellen und harrt der Dinge, die da kommen mögen! Der leicht lakonische Ton, die Charakterisierung der einzelnen WG Bewohner und ihr Gemeinschaftsleben bieten mannigfachen Anlass, sich das gemütlich-ungemütliche Leben dort auszumalen.

Nachdem die WG sich aufgelöst hat, ist Paul mit Luisa auf dem Weg nach Brasilien, und damit fangen die großen Abenteuer erst an. Sie reisen zuvor in das Dorf Hinterdingen in Bayern. Dort erfahren sie die seltsame Geschichte der Aus- und Rückwanderung der Dorfbewohner vor hundert Jahren nach Brasilien und zurück. Weit verzweigte Verwandtschaftsbeziehungen tun sich auf, und Paul und Luisa sind beflügelt, Luisas Mutter in Brasilien zu suchen und zu finden.

Fazit der Geschichte: Luisa entdeckt die Freiheit ihres Lebens, die sie in keine verwandtschaftlichen Zwänge, Vererbungstheorien oder dergleichen einbindet. Sie ist ein glückliches Kind, das zahlreiche Bindungen und Verbindungen pflegt und sich zuletzt aufmacht, ihr eigenes Leben nach selbst bestimmten Regeln zu leben. Die abenteuerliche Reise nach Brasilien bescherte Ferguson, der sich ihnen angeschlossen hatte, Paul und Luisa eine Vielzahl von beeindruckenden Abenteuern und Erlebnissen.

Stefanie Kremser ist eine muntere Erzählerin, deren skurriler Humor so manches Mal zum Schmunzeln einlädt.
Sie hat einen leichten, beschwingten und fantasiereichen Roman geschrieben, in dem es sich schön schmökern lässt. Keine Erdenschwere mit belastenden Erinnerungen zeichnet den Weg der Icherzählerin. Hier findet sich die Leichtigkeit des Seins mit glücklichen Fügungen und bereitet dem Leser einfach nur Vergnügen.

Stefanie Kremser
Der Tag, an dem ich fliegen lernte
304 Seiten, gebunden
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, August 2014
ISBN-10: 3462047051
ISBN-13: 978-3462047059
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Jonathan Crown: Sirius

Jonathan Crown: Sirius

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Heimweh, Abenteuer und Neubeginn.

Das macht so schnell niemand diesem Autor nach: eine Geschichte zu erzählen mit dem ernsten Hintergrund der Vertreibung der Juden aus Nazideutschland gekoppelt an die komische Geschichte eines Foxterriers mit Namen Sirius!

Zuerst heißt dieser Hund noch Levi, und er gehört dem Professor Liliencron, einem jüdischen Wissenschaftler. Letzteren interessiert die große Politik nicht gar so sehr. Jeden Morgen zieht er seine Runden mit dem Hund durch die Berliner Straßen und ist froh.

Spätestens 1938, als in Berlin die Läden und Synagogen geschändet werden, ändert sich das. Polternde SS Schergen erobern jede Wohnung und verscheuchen die jüdischen Bewohner. In Haus der Liliencrons halten sie ein: der Hund kann seine Pfote zum Hitlergruß erheben! Das ist komisch und tragisch zugleich. Man hat damit die „Hitlerei“ im Hause der Liliencrons zu passender Gelegenheit veralbert!

Levi wird nach dem Sternbild des Sirius in „Sirius“ umbenannt und die ganze Familie mit Hund sucht einen Weg, aus dem Land zu kommen. Dabei zeigt sich, dass die Familie weitreichende Kontakte hat, die ihnen die Flucht nach Kalifornien ermöglichen. In Kalifornien geraten Carl und Rahel durch ihren Retter Peter Lorre, einer früheren Flamme von Rahel, in Schauspielerkreise und Sirius gleich mit ihnen.

Carl Liliencron bekommt einen Job als Chauffeur bei einem bekannten Filmschauspieler, und bald darauf wird Sirius als Akteur entdeckt. So ändern sich die Zeiten!

In einem rasanten Szenenwechsel rast die Erzählung durch die Weltgeschichte während des Zweiten Weltkriegs. Sirius denkt und handelt wie ein Mensch und kann daher auch die Geschichte beeinflussen! Ein Wunder!

Der Autor Jonathan Crown besteht darauf, dass er nur die Geschichte des Hundes Sirius protokolliert habe. Er sei gar nicht der Autor, sondern gäbe nur wieder, was ihm ein Nachfahre von Sirius erzählt habe.

Gekonnt aber fängt er die Atmosphäre im Hollywood der vierziger Jahre ein; die ausufernden Partys, Begegnung mit Schauspielern, die große Namen hatten und das ganze eitle Treiben der Filmschaffenden.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge liest man, wie schwer es die Menschen hatten, wenn sie aus allen bisherigen Bezügen, Profession und Heimat vertrieben wurden und zu einem kompletten Neubeginn gezwungen waren. Wer immer sich unter dem Namen Jonathan Crown verbergen mag: es ist ihm gelungen, den Ernst mit dem Scherz oder die Schwere und mit der Leichtigkeit des Seins zu verbinden.

Jonathan Crown
Sirius
288 Seiten, gebunden
Kiepenheuer & Witsch, August 2014
ISBN-10: 3462046780
ISBN-13: 978-346204678
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Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen

Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen

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Werner und Marie-Laure sind zwei junge Menschen, die in unterschiedlichen Sphären und Gegenden aufwachsen. Der Hauptteil der Erzählung umfasst zehn Jahre ihres jungen Lebens und umschließt in großen Teilen den Zweiten Weltkrieg.

Einige Jahre vor diesem Krieg lebt Werner als Waisenjunge in einem Heim bei Essen in Deutschland. Er interessiert sich für Radiotechnik und kann früh schon ferne Nachrichten empfangen. Wie sich zeigen wird ist er mit dieser Neigung ein willkommenes Mitglied der Deutschen Wehrmacht im zweiten Weltkrieg.

Marie-Laure ist blind und wird von ihrem liebevollen Vater geprägt. Er verwaltet die Schlüssel zu verschiedenen Abteilungen eines naturkundlichen Museums in Paris. Anhand eines Miniaturbaus ihres Viertels in Paris lernt Laure tastend sich in den heimatlichen Strassen zurechtzufinden. Nach der Flucht vor den Nazis nach Saint-Malo in der Bretagne hört Marie-Laure von einem seltenen Schatz, einem besonderen Diamanten, der Glück und Unglück zu bringen vermag. Ihr Vater hält ihn versteckt.

Dann beginnt der Zweite Weltkrieg.

In wild wuchernden und mäandernden Bildern folgt man den Spuren der beiden Protagonisten.

Werners Weg führt ihn über eine Napola, einer Eliteschule für den Führer Adolf Hitler, zum Militär und bis nach Saint-Malo in Frankreich, wo er die kleine Marie-Laure kennen lernt. Man wartet auf eine längere Beziehung zwischen den beiden. Jedoch bleibt es bei einer kurzen aber inhaltsreichen Begegnung.

Der Zweite Weltkrieg mit allen seinen Schrecken bietet den äußeren Rahmen für eine Handlung, die geheimnisvoll und unerklärlich ist. Französisches Flair, deutsche Gründlichkeit und auch die kriegerischen Grausamkeiten setzen Marksteine, die man nicht vergisst.

Mut, Tapferkeit und das Geschick, sich irgendwie durchzuschlagen, spielen keine geringe Rolle in der Handlung.

Kunstvoll webt A. Doerr eine Geschichte, in der an zahlreichen Orten mit verwirrenden Begegnungen aufgewartet wird. Er findet den Ton und die rechte Spielart, das breit angelegte Drama abzuhandeln. Man bleibt der Erzählung mit ihren Figuren immer auf der Spur und hofft, dass sich das Leben unter den kriegerischen Bedingungen doch zum Guten wenden möge. Weit verzweigt spielt die Handlung in verschiedenen Zeitebenen und Gegenden. Frankreich bietet allerdings den örtlichen Schwerpunkt. Gebannt liest man, wie einzelne Figuren sich durch schwere Prüfungen bewähren müssen. Der Krieg markiert seine Spuren mit aller Grausamkeit.

Der Roman zeigt poetische und geheimnisvolle Seiten. Zuweilen haben die Geschichten etwas Träumerisches.

Ein gelungenes Epos ist dem amerikanischen Autor Anthony Doerr mit diesem Roman gelungen. Er ist für sein Werk vielfach ausgezeichnet worden.

Anthony Doerr
Alles Licht, das wir nicht sehen
519 Seiten, gebunden
C.H.Beck, Juli 2014
ISBN-10: 3406667511
ISBN-13: 978-3406667510
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Ulla-Lena Lundberg: Eis

Ulla-Lena Lundberg: Eis

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Mitte der 1940er Jahre kommt der Pfarrer Petter Kummel mit seiner Frau Mona und der kleinen Tochter Sanna auf die Örar-Inseln zwischen Finnland und Schweden. Das Ehepaar ist begeistert von der kargen Landschaft, ihrem neuen Zuhause auf der Kirchinsel und den Bewohnern, die ihnen durchweg freundlich gegenübertreten. Die Fischer und die Bauern auf ihren Höfen sind sofort fasziniert von dem junger charismatischen Pfarrer, der noch nichts weiß von den Konflikten zwischen den östlich und den westlich gelegenen Dörfern. Er begegnet allen Bewohnern unvoreingenommen und versucht so, die Gemeinschaft wieder zu stärken.

Petter und Mona wachsen in ihrem neuen Umfeld weiter zusammen. Dennoch wird ihre Ehe einer harten Prüfung unterzogen, denn der Pfarrer ist viel unterwegs und hat kaum Zeit für Gemeinsamkeiten. Die gesamte Haushaltsführung obliegt Mona. Jede Minute, die frei ist, genießt die kleine Familie deshalb doppelt. Ein weiteres Kind wird geboren. Traditionen und Kirchliches sorgen für Gemeinschaft zwischen den Höfen und bilden ein Rhythmus, nach dem gelebt wird. Die Pfarrersfamilie ist trotz der harten Arbeit glücklich. Aber mit dem Glück ist das so eine Sache. Man soll sich nie zu sicher fühlen. In der Abgeschiedenheit der wenig besiedelten Inseln mit ihren unwägbaren Wetterphänomenen, mit Stürmen, Eis und Schnee ist stets Vorsicht geboten. Doch lässt das der Pfarrer außer Acht.

Erzählt wird eine alltägliche Geschichte von Liebe, Glück und Leid. Das Leben der Familie Kummel wird beschrieben, mit allen Höhen und Tiefen, die der schwierige Alltag so mit sich bringt. Die Autorin stellt das auf eine sehr sensible Art und Weise dar, aber ohne zu beschönigen.
Es ist ein schwieriges entbehrungsreiches Leben und es ist ein Kampf ums Vorwärtskommen. Aber es ist auch voller glücklicher Momente, Hoffnungen und Pläne, die sich erfüllen, und deshalb hält die kleine Familie daran fest.
Als Leser wir man in die Lage versetzt, sich in das Geschehen hineinzuversetzen, mitzufühlen, ganz nah dran zu sein. Was ist wichtig im Leben? Was macht überhaupt ein Leben aus? Auch mit diesen Fragen setzt sich der Roman auseinander und auch damit wie zerbrechlich das Glück und wie verletzlich ein Mensch ist.

Rezension von Heike Rau

Ulla-Lena Lundberg
Eis
Übersetzt von Karl-Ludwig Wetzig
528 Seiten, gebunden
Mareverlag
ISBN-10: 386648206X
ISBN-13: 978-3866482067
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Elizabeth Strout: Bleib bei mir

Elizabeth Strout: Bleib bei mir

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Elizabeth Strout ist eine Meisterin von Sozialstudien über das Miteinander im Kleinstadtleben. In ihrem neuen Buch „Bleib bei mir“ beweist sie ihre Kunst grandios aufs Neue.

Pastor Tyler Caskey lebt mit seinen zwei kleinen Kindern in West Annett, einer kleinen Stadt in Maine hoch im Norden Amerikas. Seine Frau ist kürzlich verstorben.

Der Pastor kam zunächst gut an in seiner Gemeinde. Doch wo jeder jeden beobachtet, bleibt auch nicht die geringste Regung verborgen.

Als er mit seiner jungen Frau in die Stadt kam, war man des Lobes voll über ihn. Seine Frau wurde eher argwöhnisch beäugt. Sie war modebewusst und wirkte leicht überheblich. Sie blieb unter den Kleinbürgern der Stadt eine Außenseiterin.

Mißtrauisch beäugten die Gemeindemitglieder den Pastor nach dem Tod seiner Frau: den so bescheidenen wie liebenswerten Mann folgten nun die Blicke auf der Suche nach möglichem Fehlverhalten.

Wie geht er mit der kleinen, schwierigen Katherine um, wie begegnet er den Menschen, die Rat bei ihm suchen, und wie kommen seine Predigten an?

Er ist körperlich ein großer, starker Mann mit einer Neigung zur Melancholie.

Wie passte seine Frau überhaupt zu diesem zurückhaltenden und nachdenklichen Mann?

E. Strout bietet mit ihren gewohnt scharfen Blicken eine Studie, in der die menschlichen Unzulänglichkeiten der Gemeinde- und Familienmitglieder den gütigen Blicken des Pastors gegenüber stehen. Er ringt um seinen Glauben, in dem ihm Dietrich Bonhoeffer Stil und Richtung vorgibt.

Klatsch und Tratsch machen die Runde und bringen den ernsthaften Pastor um seine Reputation.

Ergreifend kann E. Strout die Entwicklung des Pastors zum Ausdruck bringen. Kein menschliches Gefühl ist ihm fremd. Er muss seinen Weg der Ehrlichkeit und seine Gläubigkeit in harten Prüfungen bestehen. Die Erzählung rührt an die Gefühle des Lesers. Sie vermittelt mit vielfarbigen Charakteren einen Eindruck von der menschlichen Niedertracht, der Reue, aber auch der Freundlichkeit und Güte bei der Suche nach dem rechten Weg. Die Bürger der Stadt haben alle mit ihren eigenen Unzulänglichkeiten zu kämpfen. Dass das Leben als eine ständige Suche nach Wahrhaftigkeit auf dem Umweg über Irrwege verlaufen kann, wird glaubhaft dargestellt. Elizabeth Strout kann mit ihren Geschichten fesseln und überzeugen. Ihre Charaktere sind nur allzu menschlich, so dass man tief mit ihnen mitempfindet. Das Versöhnliche Element ist anrührend und gibt der Geschichte ihren besonderen Reiz.

E. Strout ist eine der großen amerikanischen Erzähltalente, was erneut aufs schönste mit diesem Roman bewiesen wird.

Elizabeth Strout
Bleib bei mir
336 Seiten, gebunden
Luchterhand Literaturverlag, Juli 2014
ISBN-10: 3630874452
ISBN-13: 978-3630874456
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Keine Angst, es ist nur Liebe. (Buchvorstellung)

Keine Angst, es ist nur Liebe. (Buchvorstellung)

Im Rahmen des FeuerWerke Verlags erscheinen ausgewählte Romane aus Leselupe-Kreisen als Taschenbuch und eBook. Den zweiten Roman möchten wir Ihnen hier vorstellen:

Anna hat Angst vor so ziemlich allem, besonders vor der Liebe. Dieser hat sie eigentlich bereits abgeschworen – sie hält nichts mehr von rosaroten Brillen, Bauchkribbeln oder schmachtenden Blicken. Bloß nicht! Doch plötzlich ist da Matts. Er vertraut auf sein Gefühl und bittet Anna, sieben erstaunliche Angstbewältigungsaufgaben zu lösen. Denn er vermutet, dass es nur die Angst ist, die ihr im Wege steht. Überraschenderweise ist Anna einverstanden und begibt sich mit kleinen Schritten, die von ganz alleine immer größer werden, auf die befreiende Suche nach sich selbst – und damit auch auf die Suche nach der Liebe ihres Lebens…

Begleiten Sie die tollpatschige & sarkastische, aber gerade deshalb irrsinnig liebenswerte & lustige Anna auf ihrer aufregenden Entdeckungsreise zurück zu sich selbst und hin zur Liebe. Die perfekte Sommerlektüre 2014 für heimliche Angsthasen und einfühlsame Superhelden jetzt bei Amazon.

„Warum muss ich, Anna Maria Elisabeth Rogner, nur immer so unglaublich oberangsthasenmäßig sein? Ich habe nämlich Angst vor so ziemlich allem – besonders vor der Liebe. Aber nun ist da Matts, der mein Leben ziemlich durcheinander wirbelt. Sieben erstaunliche Angstbewältigungsaufgaben hat er mir gestellt, mit denen ich mich auf die Suche nach mir selbst begebe – und letztendlich auch auf die Suche nach dem Mann, den ich liebe…“

Titel: “Keine Angst, es ist nur Liebe.”
Autor: Marlies Zebinger
Genre: Roman/Liebe/Humor
Verlag: FeuerWerke Verlag
Jahr: 2014
ISBN eBook: 978-3-945362-03-7
ISBN Taschenbuch: 978-3-945362-04-4
Leseprobe: PDF
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