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Kategorie: Krimi und Thriller

Reinhard Rohn: Leise, stirb leise

Reinhard Rohn: Leise, stirb leise

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Niemand weiß, dass er ein Mörder ist. 26 Jahre vergehen, bis ein ähnliches Verbrechen geschieht. Opfer ist wieder eine Prostituierte. Dass ein Zusammenhang besteht, ist ihm sofort klar. Er erkennt das Muster. Es deutet alles auf ihn hin, nur steht er nicht unter Verdacht. Dass er den zweiten Mord nicht begangen hat, heißt aber nicht, dass er nun keine Probleme hat. Zwar ist ihm die Polizei nicht auf der Spur, aber er wird mit einer Erpressung konfrontieret. Jemand ist hinter sein Geheimnis gekommen und droht nun, seine Familie zu zerstören. Er ist verheiratet und hat erwachsene Kinder, denen nun Unheil droht.

Kommissarin Lena Archer und ihr Kollege Henning Mahn gehen die Ermittlungsarbeiten an die Substanz. Beide sind mit privaten Problemen überladen. Sie arbeiten auf eine unkonventionelle Art, versuchen sich irgendwie durchzuschlagen. Archer ist sofort klar, dass es einen Zusammenhang zwischen den beiden Mordfällen geben muss, auch wenn es 26 Jahre sind, die dazwischen liegen. Larchers Vater, heute im Ruhestand, hat in dem ersten Mord ermittel und immer noch damit zu kämpfen, dass er den Täter nicht überführen konnte.

Im Vordergrund stehen die Ermittlungsarbeiten. Es ist spannend zu sehen, wie Erkenntnisse zusammengetragen werden und wie alles voran geht. Dabei erfährt der Leser in parallelen Handlungssträngen schon sehr viel mehr über den Mörder, während der Erpresser unerkannt bleibt. Ein bisschen verwirrend sind die vielen Personen, die eine scheinbar eher untergeordnete Rolle spielen. Hier muss man sehr aufpassen, den Faden nicht zu verlieren.
Der Autor beschreibt sehr ausführlich. Dabei wird eine gewisse Spannung immer gehalten. Der Krimi ist also aufwändig konstruiert und damit auch sehr glaubwürdig. Am Ende gibt es dann eine unverhoffte Überraschung, was die Auflösung des Falles betrifft.

Rezension von Heike Rau

Reinhard Rohn
Leise, stirb leise
320 Seiten, gebunden
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 342321600X
ISBN-13: 978-3423216005
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Ralf Kramp: Totholz

Ralf Kramp: Totholz

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Bei diesem Krimi handelt es sich um einen hausgemachten Eifel-Krimi. Der Autor Ralf Kramp stammt aus der Eifel, lebt in der Eifel, arbeitet in der Eifel und schreibt Eifelkrimis. Der Leser wird dezent in die Eigenheiten und die Schönheiten der Eifel und ihre Einwohner eingeführt. Ohne jeglichen Klamauk, dafür aber mit Charme und einer Portion Liebe, werden die Figuren beschrieben. Die Beschreibung der Eifel ist aber nicht der Kern des Romans, sondern der ist und bleibt ein Kriminalroman. Darum geht es:

Die ersten Kapitel führen scheinbar auf unterschiedliche Handlungsstränge ein, zwischen denen der Leser kaum einen Zusammenhang herstellen kann. Da ist zunächst der ominöse Deal, bei welchen Briefe und Urkunden aus dem Dritten Reich mit Unterschrift von Adolf Hitler und seinen engsten Mitarbeitern den Besitzer wechseln. Dann ist da die Sache mit den beiden Jungs aus dem Dorf, die den Hof ihrer Familie in die Medien bringen wollen, damit die Touristen kommen. Sie chauffieren eine angeblich verschwundene Kuh in geheimer Mission in die unglaublichsten Ecken der Eifel, wo sie dann zufällig von jemandem gesehen und fotografiert wird. Schließlich ist da die Amerikanerin, die einen Mühlenhof erworben hat, weil sie den Wurzeln ihrer Herkunft nach spüren wollte. Verlassen von ihrer Lebensgefährtin zergeht sie in tiefer Trauer.

Doch nun dauert es nicht mehr lange, bis die erste Leiche auftaucht, und Dr. Jo Frings der Meinung ist, ermitteln zu müssen. Von nun an lernt der Leser viele Eifelaner mit den unterschiedlichsten Eigenschaften kennen. Da wären einerseits die schlitzohigen Eifelaner, andererseits die dödeligen, aber auch die cleveren, die korrekten und gesetzestreuen, genau so wie die schrulligen, welche nicht in der heutigen Zeit zu leben scheinen. Es wird eifeler Platt gesprochen genauso wie Hochdeutsch. Humorvolle Dialoge geben Auskunft über das Miteinander der Figuren. Sie ziehen den Leser genauso in den Bann wie die Spannung und die Verwirrungen um den Täter. Anders, als in vielen seiner Kurzgeschichten schafft der Autor einen Roman ohne viel Klamauk und Komödie. Immer wieder bestechend sind die detaillierten Beschreibungen der Natur, die nur von jemandem stammen können, der sich viel auf Wiesen und Feldern und in Wäldern aufhält. Das Leben mit und in der Natur schafft die besten Möglichkeiten solch bildreiche Beschreibungen hiervon zu liefern.

Ein wunderbarer Kriminalroman nicht nur für Eifelaner, der sich in einem Stück gut weglesen lässt, weil er mit seinen bildreichen Naturbeschreibungen und zahlreichen Verwirrungen um den Tod einer Künstlerin den Leser in den Bann zieht.

Kramp, Ralf
Totholz
KBV-Verlag, Hillesheim
ISBN 9783942446440

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015
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Rebecca Michéle: Schatten über Allerby

Rebecca Michéle: Schatten über Allerby

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Miss Mabel Clarence hat in diesem Roman bereits den dritten Fall zu klären. Das macht sie in gewohnter Weise mit ihrem Bekannten, dem Tierarzt Victor Daniels, dem sie ansonsten den Haushalt führt. Mabel wird gerne sowohl von den Lesern als auch von ihren Nachbarn in Cornwall als eine Miss Marple gesehen. Sie wehrt sich zwar dagegen, aber ein Stückchen Wahrheit ist da schon dran. Mabel gehört zwar das Landhaus Higher Barton, aber sie ist immer bodenständig geblieben und wohnt selbst in einem Häuschen in Lower Barton. Das Landhaus lässt sie von einem Ehepaar bewirtschaften. So kommt es nicht selten vor, dass auf Higher Barton Feiern veranstaltet werden. In diesem Zusammenhang wird sie von Lady Carter-Jones angesprochen, eine Feierlichkeit auszurichten. Die Carter-Jones wohnen in Allerby House. Sie gehören dem kornischen Landadel an. Mabel ist nicht wenig überrascht, als sie bei einem Treffen zur Absprache der Feierlichkeit, die sie von Allergie trifft, feststellen muss, dass es sich um eine junge Dame handelt. Sie hatte die Besitzer für ein älteres Paar gehalten. Denn ihr wurde zuvor mitgeteilt, dass es sich um eine Geburtstagsfeier anlässlich des 60. Geburtstag von Lord Carter-Jones handelt. Tatsächlich muss sie nun feststellen, das sie und Lord Carter-Jones über 30 Jahre Altersunterschied aufweisen. Da der Lord, der nach einem Unfall in einem Rollstuhl sitzt, nicht viel von Partys hält, möchte seine junge Gattin, dass er nichts von der Vorbereitung dieses Überraschungsfeier erfährt. Das ist für Mabel kein Problem. Zusammen mit ihren Wirtschaftern auf Higher Barton, geht Mabel die Organisation dieser recht großen Geburtstagsfeier an. Es wird die größte Feier die sie bislang auf Higher Barton ausgerichtet hat. Doch dann erfährt sie von dem plötzlichen Tod der Lady. Noch dazu soll es sich um einen Selbstmord handeln. Das mag Mabel Clarence nicht glauben. Diese junge, fröhliche Frau kann nie solch eine depressive Stimmung gehabt haben, dass sie an Selbstmord gedacht hat. Mabel nimmt die Spur auf. Obwohl sie beim Tierarzt und Freund als Haushälterin arbeitet, nutzt sie die Gelegenheit, sich auf Allerby House als Krankenpflegerin für den Lord anstellen zu lassen. Schließlich hat dieser seine Gattin verloren, die sich sehr um ihn bemüht hatte. Eine Pflegerin für ihn ist dringend notwendig. Beste Gelegenheit für Mabel Clarence, hautnah in Allerby ermitteln zu können.

Rebecca Michéle ist eine langjährige Kennerin von Cornwall, reist mehrmals im Jahr in diese englischen Gefilde und versteht es hervorragend, den Reiz und die Legenden dieses bezaubernden Landstriches in ihren Romanen einzubringen. Die Geschichten um Mabel Clarence sind typische Südengland-Geschichten mit einem eigenständigen Flair, wie ihn nur Rebecca Michéle einbringen kann. Viele lokale Anekdoten, Begebenheiten, Sagen und Sehenswürdigkeiten finden Zugang in ihre Geschichten, die das Buch so reizvoll anreichern mit englischem Dunst. Denjenigen, die sich englische Atmosphäre nicht vorstellen können, möglicherweise weil sie noch nie die Gelegenheit hatten, dort selbst hinzureisen, sei gesagt, dass es sich bei den Romanen um Mabel Clarence um eine Mischung von Miss-Marple-, Inspektor-Barnaby- und Rosamunde-Pilcher-Romanen handelt. Dies ist jetzt eine ganz abgekürzte Beschreibung meinerseits, trifft zwar das äußere, sagt aber sehr wenig über den eigenen Stil der Schriftstellerin aus. Die Beschreibungen der Menschen und Orte und Landschaften Südenglands ist die ganz besondere Art, weshalb gerade Liebhaber dieses Landstriches ein besonderes Augenmerk auf diese Bücher richten sollten. Die Kriminalfälle sind dabei schmückendes und spannendes Beiwerk, die natürlich den Jagdinstinkt der Leser herausfordern. Schließlich sind diese Romane immer für eine Wendung gut.

Michéle, Rebecca
Schatten über Allerby
Goldfinch Verlag, Frankfurt/ M.
ISBN 9783940258236

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015
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Robert B. Parker: Der Killer kehrt zurück

Robert B. Parker: Der Killer kehrt zurück

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Eine Kleinstadt in Aufruhr. Eine Schule für lateinamerikanische Einwanderer Kinder soll in einem Nobelviertel der Stadt in Betrieb genommen werden. Die Anwohner fürchten eine Zunahme der Kriminalität durch die Latinos. Polizeichef Jesse Stone hat alle Hände voll zu tun, um die erhitzten Gemüter zu beschwichtigen.
Besonders schön ist, dass Parker eine eigene kleine Welt geschaffen hat. Eine Kleinstadt in Massachusetts. Immer wieder hat man es in den Romanen mit denselben Leuten zu tun. Sie werden nie vergessen. Sie laufen einem beim Lesen immer wieder über den Weg. Und bei dem vorliegenden Roman „Der Killer kehrt zurück“ wird dieser Tatsache hinsichtlich einer Gangsterfigur aus dem Roman „Terror auf Stiles Island“ Rechnung getragen. Der Apatsche Cromartie, Crow genannt, ist nach zehn Jahren zurückgekehrt. Jesse Stone hat kein gutes Gefühl dabei. Doch er kann Crow nichts nachweisen. Bewundernswert ist die Übereinstimmung der Charaktere beider Typen. Den Crow zeigt sich als ein Killer mit ritterliche Ehre im Leib, denn er behauptet von sich, keine Frauen umzubringen. Tatsächlich ist nicht alles schlecht, was er in Paradise anstellt. Jesse Stone weiß nur nicht, wie er damit umgehen soll. So wie er seinen Weg als Cop geht, so geht Crow seinen Weg als „sauberer“ Killer.

Immer wieder amüsiert knisternde Spannung und die humorvollen Gespräche zwischen Jesse und seinen Mitarbeitern. Manchen von ihnen lernt der Leser auch ganz neu kennen. Manche fallen in ihre alten Muster zurück. Was damit begann, dass einige Bürger die neu eingerichtete Schule für Latino-Amerikaner verbieten wollen, endet offenbar in einem Desaster größten Ausmaßes. Immer neue Wendungen sorgen für Spannung. Zusammen mit dem leicht-flockigen Sprüchen der Figuren ergibt das einen außergewöhnlichen Lesegenuss.

(Die Jesse-Stone-Romane von Parker wurden mit Tom Selleck in der Rolle des Jesse Stone verfilmt. Der Besetzung des ersten Films hatte der Schriftsteller erfreut zugestimmt. Die darauffolgenden Romane scheint er auf diesen Schauspieler maßgeschneidert geschrieben zu haben.)

Parker, Robert B.
Der Killer kehrt zurück
Ein Fall für Jesse Stone
Aus dem Amerikanischen von Bernd Gockel
Pendragon, Bielefeld
ISBN 9783865324481
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Richard Crompton: Hell’s Gate – Mord in Kenia

Richard Crompton: Hell’s Gate – Mord in Kenia

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Massai-Ermittler Mollel wirkt sehr eigensinnig auf andere. Vielleicht ist er auch deshalb von Nairobi in die Provinz versetzt worden. Der kleine Ort nahe des Lake Naivasha im Nationalpark Hell’s Gate wirkt eher beschaulich. Touristen kommen jedoch gerne her, um auf Großwildsafari zu gehen. Es gibt eine Blumenfarm in der Nähe. Man baut Rosen an, die exportiert werden. Mollel wird hier mit einem Diebstahl konfrontiert, den eine Blumenpflückerin begangen haben soll. Sie wird entlassen. Mollel weiß von ihr, dass sie die Gegend verlassen will. Doch dazu kommt es nicht. Kurz darauf wird sie tot aufgefunden. Mollel hat keinen Zweifel daran, dass sie ermordet wurde. Er geht den Ereignissen akribisch nach. Und bald wird er den eigenen Kollegen gegenüber misstrauisch. Er hat ohnehin keinen guten Stand hier. Seine Anwesenheit wird nur mit großer Skepsis geduldet. Bald muss Mollel sehr ungewöhnliche Maßnahmen treffen, um sein Leben zu schützen.

Es handelt sich hier um einen eher ruhigeren Krimi. Die Handlung ist dennoch packend, denn der Fall ist vielschichtiger als zunächst gedacht. Und auch Mollels Rolle ist sehr geheimnisvoll. Der etwas schräg wirkende Ermittel ist schlecht einschätzbar. Und das Ergebnis seiner Ermittlungen nicht vorhersehbar. Mollel gibt sich immer unnahbar und schreckt nicht davor zurück, auch mal gehörig anzuecken, was ihm aber immer schnell zum Verhängnis wird. Jemand, der zu viel in Erfahrung gebracht hat, lebt gefährlich und läuft Gefahr von der Bildfläche zu verschwinden. Mollel muss in seinen Ermittlungen immer abwägen, wie weit er gehen kann. Denn allein um Gerechtigkeit geht es nicht. Korruption und Machtmissbrauch stehen auf der Tagesordnung. Es gibt also einige sehr überraschende Wendungen in diesem schließlich doch sehr komplex aufgebauten Krimi. Und das vor einer sehr spannenden Kulisse.

Rezension von Heike Rau

Richard Crompton
Hell’s Gate – Mord in Kenia
Kriminalroman
304 Seiten, broschiert
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423260629
ISBN-13: 978-3423260626
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James Carol: Watch me – Ich werde es wieder tun

James Carol: Watch me – Ich werde es wieder tun

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Jefferson Winter ist ein gefragter Profiler. Er kann sich vor Anfragen kaum retten. Der Mord an Sam Galloway, einem Anwalt, weckt sein Interesse. Die Tat, bei der Galloway bei lebendigem Leib verbrannt wird, wurde mit einer Videokamera gefilmt, der nächste Mord gleich mit angekündigt. Die Zeit läuft. Dreizehneinhalb Stunden sind es, bis der Täter wieder zuschlagen wird.

Winter gibt sich optimistisch. Die kleine Stadt in Louisiana ist übersichtlich, auch wenn es sehr heiß ist und jeder mit der überwältigenden Hitze zu kämpfen hat. Die Polizeibeamten sagen jede nur erdenkliche Hilfe zu und Winter sucht sich einen Kollegen direkt aus, der ihm zur Seite stehen soll. Taylor ist jung und noch nicht lange im Polizeidienst, aber Winter hält ihn für ausgesprochen intelligent. Mit ihm glaubt er, sich gut austauschen zu können.

Jefferson Winter, dessen Vater selbst ein Serienkiller war, versetzt sich in den Mörder hinein und erstellt ein Profil, das mehr als fraglich scheint. Unbeirrbar folgt er seiner Nase, kommt jedoch nicht so recht voran. Der Täter gibt seine eigenen Pläne auf und stellt die Polizei vor ein Rätsel. Vielleicht ist man doch näher an ihm dran, als gedacht. Das Motiv bleibt allerdings im Dunkeln.

Ich kenne Jefferson Winter bereits aus „Broken Dolls – Er tötet ihre Seelen“. Der nun vorliegende Krimi ist etwas bedächtiger geschrieben. Es geht nicht so recht voran. Eine Auflösung des Falls zeichnet sich lange nicht ab. Spannend ist das Buch trotzdem, weil es sehr interessant ist, Winters detaillierten Gedankengängen zu folgen, die diesmal doch einige Irrtümer zu enthalten scheinen, was er allerdings nicht wahrhaben will. Winter gibt sich diesmal also nicht so unfehlbar. Das Ende ist dann auch eine Überraschung und kommt nur heraus, weil Winter zur Perfektion in einem Katz- und Mausspiel aufläuft, das sich sehen lassen kann.

Rezension von Heike Rau

James Carol
Watch me – Ich werde es wieder tun
Ein Fall für Jeffersen Winter
384 Seiten, broschiert
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 342321595X
ISBN-13: 978-3423215954
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Stephanie Fay: Die Zerrissenen

Stephanie Fay: Die Zerrissenen

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Mit diesem Roman präsentiert die Münchner Autorin Stephanie Fey den dritten Band einer Trilogie um die Rote Armee Fraktion. Protagonistin ist Carina Kyreleis, Rechtsmedizinerin und Gesichtsrekonstrukteurin. Durch den Fund einer Leiche auf dem Waldfriedhof kommt die Rechtsmedizinerin einem Unbekannten auf die Spur, der Frauenleichen ausgräbt und misshandelt. Doch bevor sie diesen Unbekannten aufspürt, obduziert sie einen auf Abwege geratenen Ex-Kollegen ihres Vaters, Kriminalhauptkommissar Matte Kyreleis, der erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden wurde. Ihr Vater glaubt fest daran, dass dieser Tote ermordet worden ist, und er sieht Parallelen zu den Terroristen der RAF, deren angebliche Selbstmorde ähnliche Ungereimtheiten aufweisen. Vom ersten Moment an wird in diesem Roman bei regnerischem Wetter ermittelt. Das lässt miese Stimmung aufkommen und manchmal wird die Protagonistin von Panikattacken überwältigt. Sie fühlt sich verfolgt, ohne den Grund zu wissen. Ihre Befürchtungen scheinen sich zu bestätigen, irgendjemand will verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Die Autorin hat diesen Thriller in zwei Handlungsstränge untergliedert, zum einen den des Leichenschänders, und zum anderen den um die Ermittlungen zur RAF und dem Toten im Gefängnis. Dabei ist der erste Handlungsstrang noch mit einer weiteren Ebene versehen, nämlich der Ebene aus der Perspektive des Leichenschänders. Hier erlebt der Leser mit, was diesen Menschen dazu geführt hat, dass er weibliche Leichen ausbuddelt und sie dann missbraucht. Es bleibt dem Leser nichts verborgen und er erfährt zumindest auch den Vornamen des Täters. Während jedoch die Ermittlungen laufen und sich Ermittler, Polizisten und Zeugen unterhalten, fällt in der gesamten Zeit nicht ein einziges Mal der Name dieses Schänders. Zwar ahnt man als Leser, dass der Täter nicht weit weg sein kann von den handelnden Figuren, aber einen definitiven Hinweis gibt es lange Zeit nicht. Der Täter führt ein Doppelleben, womit wiederum der Leser leben muss.

Der Handlungsstrang mit dem in der Gefängniszelle Erhängten ist eng verzahnt mit dem Leben der Protagonistin und ihres Vaters. Wie die Rechtsmedizinerin erfährt, war ihre Mutter eine Killerin im Auftrag des Bundesnachrichtendienstes, und arbeitete gegen die RAF-Terroristen. Sie ist bereits ums Leben gekommen, als Carina Kyreleis noch ein kleines Mädchen war. Auch ihr Vater ist jahrelang davon ausgegangen. Erst die Ermittlungen um seinen Ex-Kollegen lassen andere Vermutungen zu.

Die Autorin hat für diesen Roman sehr viel Rechercheaufwand betrieben, was die RAF-Szene angeht als auch die Vorgehensweisen von Leichenschändung. Stets bemüht, dem Leser umfassende Informationen zu den Vorgängen mit auf den Weg zu geben, versteht sie es, diese Informationen in eine packende Handlung einzubetten. Viele Details vom Ende der RAF 1993 in Bad Kleinen werden auf unterhaltsame Weise verarbeitet und damit wieder ins Gedächtnis der Leser geholt. Die psychologischen Abläufe über das Leben eines Leichenschänders und die detaillierte Arbeit einer Rechtsmedizinerin wird mit viel Akribie von Fey für den Leser aufbereitet.
Ein spannender Thriller, der einem kaum Zeit zum Atmen lässt.

Fey, Stephanie
Die Zerrissenen
Heyne Verlag, München
ISBN 9783453417601

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015
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Steve Hockensmith: Weiße Magie – mordsgünstig

Steve Hockensmith: Weiße Magie – mordsgünstig

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Alanis McLachlan kommt nach Arizona, um ihr Erbe anzutreten. Ihre Mutter hatte im kleinen Örtchen Berdache einen Laden. Sie legte hier den Leuten die Karten, übte sich in Wahrsagerei und zog ihnen mit weiteren kleinen Tricks das Geld aus der Tasche. Ob sie deswegen ermordet worden ist, ist allerdings unklar. Alanis hat seit fast 20 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter gehabt, aber scheinbar hat diese sich während der vergangenen Zeit in ihrem Wesen nicht geändert. Weiterhin war sie als Trickbetrügerin unterwegs gewesen und Alanis ist froh, sich aus dem Staub gemacht zu haben, als sie die Gelegenheit hatte.

Athena Passalis war nicht besonders beliebt gewesen. Das bekommt Alanis nun zu spüren. Sie sollte nicht bleiben, aber wie das so ist, will sie natürlich wissen, wer ihre Mutter ermordet hat. Dafür gibt sie vor, den Laden weiterführen zu wollen. Es wäre doch gelacht, wenn Alanis das mit dem Kartenlegen nicht auch hinkriegen würde. Und sie muss Josh Logen von der Kriminalabteilung der Polizei von Berdache um den Finger wickeln, um Informationen von ihm zu erhalten. Da er ein sehr attraktiver Mann ist, sollte auch das kein Problem sein.

Alanis ist eine mutige und sehr freche Frau. Mit Witz und Humor beginnt sie ihre Ermittlungsarbeiten und spioniert den Ort und die Einwohner aus. Sie lernt schnell und spielt ihre Rolle gut. Das Kartenlegen ist für sie bald kein Geheimnis mehr. Der Autor hat hier einen sehr witzigen Charakter entwickelt. Es macht sehr viel Spaß, Alanis bei ihren Ermittlungsarbeiten zu folgen. Ihr Sarkasmus ist unschlagbar. Die Dialoge werden nicht selten zum bissigen Schlagabtausch. Von Morddrohungen lässt sie sich nicht unterkriegen. Sie redet und redet, bis der Gegner kaum noch weiß, was er eigentlich wollte.
Der Krimi ist also spannend, überraschend im Verlauf und ungemein unterhaltsam. Eine leichte Lektüre, bei der man sehr viel Spaß hat.

Rezension von Heike Rau

Steve Hockensmith
Weiße Magie – mordsgünstig
Deutsch von Britta Mümmler
352 Seiten, gebunden
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423215917
ISBN-13: 978-3423215916
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Benjamin Cors: Strandgut

Benjamin Cors: Strandgut

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Nicolas Guerlain ist seinen Job als Personenschützer los. Nach einem peinlichen Fehler darf er nicht mehr in die Nähe von François Faure, einem Minister der französischen Regierung. Aber wenigstens wird er nicht entlassen, sondern nach Deauville, einem Badeort in der Normandie, versetzt. Ein internationaler Gipfel steht kurz bevor und Nicolas Guerlain soll der Polizei beratend zur Seite stehen. Die neuen Kollegen meinen allerdings, gut ohne ihn klarzukommen.
Die beschauliche Ruhe im Ort wird jedoch bald gestört, als eine abgetrennte Hand an den Strand gespült wird. Bald bekommt die Polizei noch mehr Arbeit. Nicolas Guerlain setzt die Puzzleteile zusammen und er sieht Gefahr für den kommenden Gipfel, insbesondere für den Minister François Faure. Das allerdings will niemand ernst nehmen. Die Sache ist nicht greifbar. Es gibt keine erstzunehmenden Hinweise auf einen drohenden Anschlag. Nicolas Guerlain ist auf sich gestellt.

Der Krimi beginnt etwas schleppend. Ich hatte Mühe, mir die vielen Namen zu merken und die Personen auseinanderzuhalten. Man muss sich an Nicolas Guerlain, der ganz gut als roter Faden fungiert, halten. Dennoch muss man sehr aufpassen, nichts zu verpassen. Der Autor schreibt sehr ausschweifend und man läuft Gefahr, wirklich Wichtiges zu überlesen.
Das Buch hat also, das lässt sich nicht leugnen, einige Längen. Aber zwischendurch wird es ordentlich spannend. Es gibt Handlungsstränge, die den Krimi dann doch wieder lesenswert machen. Denn das, was da hinter den Kulissen läuft, ist durchaus interessant aufgebaut. Und als der Groschen bei Nicolas Guerlain endlich fällt, gibt es tatsächlich auch noch eine rasant ablaufende Szene, die sehr gelungen ist.
Insgesamt ist zu sagen, dass der Krimi einfach zu lang ist. Eine straffere Handlung hätte dem Buch sehr gut getan.

Rezension von Heike Rau

Benjamin Cors
Strandgut
Kriminalroman
432 Seiten, Klappenbroschur
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423260599
ISBN-13: 978-3423260596
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Stefan Keller: Kölner Kreuzigung

Stefan Keller: Kölner Kreuzigung

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Der Prolog dieses Romans beginnt mit einem tiefen Rückblick in die Vergangenheit Kölns. Es wird der Auftrag vergeben, ein Bildnis zu malen. Doch gleich darauf in den nächsten Kapiteln erfolgt der Sprung in die Gegenwart. In einer Kölner Wohnung wird ein Schauspielerpärchen tot aufgefunden. Am Abend zuvor hat es hier eine große Party gegeben, und die Kommissare Paula Wagner und Hannes Bergkamp stürzen sich in die Ermittlungen. Doch so richtig scheint es nicht voranzugehen. Während dieser Ermittlungen stoßen die Kommissare auf den Privatdetektiv Marius Sandmann. Sandmann hatte während seines Studiums als Kaufhausdetektiv gejobbt und später als freiberuflicher Mitarbeiter für den Privatdetektiv Gunter Brock gearbeitet. Im Laufe der Jahre hat er sein Studium einschlafen lassen und ist immer weiter in das Ermittlertum der Detektei verfangen. Gerade hatten Sandmann und sein Chef an der Auffindung eines Gemäldes von Stefan Lochner mit dem Titel „Kreuzigung“ gearbeitet. Sie hatten den Auftrag von einem Kölner Kunstmuseum. Das Gemälde welches in den 1920er Jahren in den Besitz des Kunstmuseums gelangte, war 1943 auf ominöse Weise aus dem Museum verschwunden. Der jetzige Museumsdirektor hatte Hinweise erlangt, dass sich das Gemälde in der Nähe befinden sollte und beauftragte deswegen unter Ausschluss seiner Vorgesetzten die Privatdetektei von Gunter Brock mit der Suche. Die Kommissare finden den Privatdetektiv Marius Sandmann unsympathisch, genauso wie auch er die Kommissare unsympathisch findet. Als er ihnen vom Auftrag erzählt, glauben Sie ihm nicht. Um dessen Aussagen zu überprüfen, begeben Sie sich zum Museumsdirektor, der strikt verneint, dass er einen Auftrag zur Suche eines Gemäldes vergeben hat. Damit gerät Marius Sandmann ins Visier der Polizei, allerdings fehlt den Kommissaren noch ein detailliertes oder auch nur vages Motiv für die Tat.

Stefan Keller hat die parallelen Handlungen in kurze Kapitel unterteilt, die immer wieder mit spannenden Cliffhangern versehen wurden. Der Leser erlebt so das Geschehen aus drei verschiedenen Sichtweisen: aus der Sicht der Polizei die Ermittlungstätigkeit um den Tod des Schauspielerpärchens, aus der Sicht von Marius Sandmann bei der Suche nach dem Gemälde und schließlich als dritter Sicht in einer Rückblende auf das Jahr 1943 mit den Umständen, wie das Gemälde aus dem Kunstmuseum entwendet wird. Neben den spannenden Kapitelenden stiftet der Autor jede Menge Verwirrung und sorgt für ausreichend Überraschungen in der Handlung. Der Autor erfährt über die Verstrickungen einer reichen Kölner Familie mit deren Machenschaften während des Zweiten Weltkrieges. Die Handlung bietet jede Menge Rätselstoff für den Leser, der auf diese Weise sehr schnell durch die Handlung durchgeführt wird, und kaum in der Lage ist, das Buch aus der Hand zu legen. Die Hauptfiguren des Romans sind sehr ambivalent dargestellt. So sind beispielsweise die beiden Kommissare anfänglich nicht gerade Sympathieträger, können aber es aber im Laufe der Handlung werden. Auch der Detektiv Marius Sandmann ist nicht von vorneherein ein Sympathiebolzen, wenn er mit seiner täglichen Dosis Sport daherkommt. Auch ihm muss sich der Leser auf langsame Weise nähern.

Wer eine packende Lektüre für den Abend sucht, ist mit diesem Krimi bestens bedient.

Stefan Keller
Kölner Kreuzigung
Gmeiner Verlag, Meßkirch
ISBN 9783839210789

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