Das Haus

Das Haus

Mark Z. Danielewski Das Haus House of Leaves
Von Zampano mit einer Einleitung und Anmerkungen von Johnny Truant
Klett-Cotta ISBN 3608937773

Was bezweckte Will Navidson, als er eines Tages ein Haus auf dem Land in Virginia kaufte?
Hatte er genug vom Stadtleben?

Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Karen Green und den beiden Kindern bezieht er fröhlich ein Haus in der Ash Tree Lane.
Sie haben das Haus gekauft, um einem geruhsameren Leben mit ihren beiden kleinen Kindern Chad und Daisy zu frönen.

Will ist Fotograf und macht aus dem Einzug in das Haus ein filmisches Happening. Er will alles dokumentieren. Überall sind Kameras installiert, die jede Regung und Bewegung im Bild festhalten.
Was mit der Familiengeschichte leichtfüßig beginnt, entpuppt sich zusehends als Horrorszenario.

Zwischen den Zeilen ist die heile Familie gar nicht so heil. Vielleicht wollte Will Navidson mit dem Umzug nur seine Beziehung zu seiner Lebensgefährtin Karen Green kitten?
Will war beruflich so viel unterwegs, dass es Karen zu viel wurde, und sie seine Gegenwart angemahnt hat.

Was Will nicht wusste: in dem Haus geht es nicht mit rechten Dingen zu.
Er entdeckt ein Paradox: das Haus ist außen kleiner als innen. Unvermutet und unheimlich tut sich ein langer Flur auf.

Herbeigerufene Besucher, die Navidson bei der Aufklärung der unheimlich sich auftuenden Räume helfen sollen, finden schließlich immer neue riesige Höhlen und beängstigende Geräusche und Labyrinthe. Die Entwicklung wird stetig gruseliger, weil die Räume mit gelegentlich auftauchenden schauerlichen Gestalten ins unendliche Nichts zu führen scheinen.

In einem weiteren Erzählstrang stellt sich heraus, dass Zampano, ein blinder, alter Mann nach seinem Tod ein Manuskript mit dem Titel Der Navidson Record hinterlassen hat. Truant, der in einem Tattooladen arbeitet, hat das Manuskript erhalten, zusammengesetzt und kommentiert. Sein eigenes Leben spielt in langen Passagen und Kommentaren in die oben beschriebene Geschichte mit hinein.
Es entstehen Parallelwelten, die in Verbindung zu einander stehen.

Der Leser wird von verschiedenen Inhalten überschwemmt, die zuweilen die Orientierung erschweren. Wahn und Wirklichkeit verwischen das Bild, so dass man gezwungen wird, zwischen irrealen und realen Wahrnehmungen zu einer eigenen Anschauung zu finden.
Poetische und sehr realistische Schilderungen wechseln mit solchen, bei denen sich der Inhalt nur schwer erschließt.

Die Seiten dieses Romans sind durch ein seltsames Layout gar nicht ganz leicht zu lesen.
Aufmachung, Design und Umfang des Buches ist ungewöhnlich.

Faszinierend ist die Horrorgeschichte um dieses Haus allemal.
Wer Gruselthriller liebt, der wird an diesem Buch seine Freude haben!

In Amerika ist das Buch schon bald nach Erscheinen zu einem Kultbuch avanciert. Verbindet es doch das Zeitalter der Medien mit den Phantasien einer verwirrenden Welt des Grauens, wie sie alle Tage einen jeden von uns überfallen könnten.

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Christine Keil und Bernhardt Link: Kochen ist (k)eine Zauberei

Christine Keil und Bernhardt Link: Kochen ist (k)eine Zauberei

Kinder haben oft, was das Essen betrifft, ihre Eigenarten. Die einen mögen kein Obst oder Gemüse, die anderen lehnen Milchprodukte ab. Dass eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung wichtig ist, ist aber kein Geheimnis. Eine gute Möglichkeit Kinder an bestimmte Nahrungsmittel heranzuführen, ist es, sie selbst kochen zu lassen.

Die Kochrezepte im Buch sind für Kinder konzipiert. Die leckeren Milchshakes, die Gemüsesticks, die selbstgemachten Frühstücksbrötchen, die echten italienischen Spagetti, der Reissalat mit buntem Gemüse, das fruchtige Erdbeereis und die Muffins mit Schokoglasur machen Appetit.

Gekocht wird mit frischen Zutaten, verarbeitete Lebensmittel bekommen hier soweit es geht eine Abfuhr. Die Arbeitsanleitungen sind leicht nachzuvollziehen, so dass Eltern zwar anwesend sein müssen, aber im Hintergrund bleiben können.

Die Rezepte sind für vier Personen gedacht. Das scheint etwas viel, da zum Beispiel das Kartoffelnschälen oder Gemüseputzen für vier Personen schon eine Herausforderung für Kinder ist. Aber man kann die Zutatenlisten natürlich auch halbieren.

Die Rezeptanleitungen kommen in ausführlicher Textform daher. Die Kinder werden direkt angesprochen. Die Anleitungen sind aussagekräftig und leicht zu lesen. Das Buch wird für Kinder ab sieben Jahren empfohlen. Hier müssen dann die Eltern natürlich Hilfestellung leisten und die Texte vorlesen. Gute Orientierung bieten auch die Fotos. Hier kochen Kinder selbst und zeigen Schritt für Schritt, was getan werden muss.

Das Kochen keine Zauberei ist, lässt sich leicht nachvollziehen, durch die erklärenden Versuche, die es zu vielen Rezepten gibt. Wer sich fragt, warum heißes Fett spritzt, wieso Zitronensaft verhindert, dass angeschnittene Äpfel braun werden oder warum sich auf dem Pudding eine Haut bildet, bekommt hier Antwort.

„Kochen ist (k)eine Zauberei“ ist eine tolles Kochbuch für Kinder ab sieben Jahren, die gerne rühren, mixen, schnippeln und kneten. Damit es auch gleich losgehen kann, wird mit dem Buch ein kleiner Kochlöffel mitgeliefert.

Rezension von Heike Rau

Christine Keil / Bernhardt Link
Kochen ist (k)eine Zauberei
Mit Experimenten von Eva Bölter
44 Seiten, gebunden
Loewe Verlag 2007
ISBN: 978-3785559918
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Der neue Ravensburger Bastelspaß

Der neue Ravensburger Bastelspaß

Wer gerne mit Kindern bastelt, ist immer auf der Suche nach neuen Ideen. Fantasievolle Anregungen findet man im diesem Buch reichlich. Gebastelt wird mit verschiedenen Materialien wie Papier, Wolle, Holz, Knete und Ton unter Ausführung verschiedener Techniken.

Viele Sachen sind dabei, die das Kinderherz höher schlagen lassen. So kann man zum Beispiel mit dem Hasen aus einer Eierschachtel prima den Frühstückstisch schmücken. Kinder, die einen Einkaufsladen zu Hause haben, werden sich über das Obst, Gemüse und die Blumen freuen, die aus Seidenpapier gefertigt werden. Und für den Kindergeburtstag ist das kleine Glücksrad sicher eine Bereicherung.

Lernen kann man auch das Filzen. Dazu braucht man ein bisschen Übung, aber wenn man mit den kleinen bunten Bällen anfängt, ist es gar nicht so schwer. Nach und nach entstehen dann kleine Schneemänner, die man an den Weihnachtsbaum hängen kann, Eierwärmer, die wie Hühner aussehen, eine Decke für die Puppe oder eine Zaubertasche.

Die Holzarbeiten sind ebenfalls sehr vielseitig. Die Arche Noah mit den vielen Tieren ist sicher eine Herausforderung. Den Kantenhocker Pipo Holzkopf muss man unbedingt haben und mit den flotten Flitzern kann man ein Autorennen veranstalten. Es ist schön, wenn die Dinge, die man bastelt nicht nur Dekoration sind, sonder direkt zum Spielen genommen werden können.

Auch mit Knete und Ton lassen sich die tollsten Sachen basteln. Fingerpuppen für das eigene kleine Theater zum Beispiel oder der Zwerg für den Garten. Wer gerne mit Puppen spielt, kann ihnen ein Menü „kochen“. Die Kartoffelpuffer sehen wirklich lecker aus! Gut gefällt auch die Schneekönigin im Glas, die, wenn man das Glas schüttelt von Schnee eingehüllt wird. Das ist eine prima Geschenkidee.

Die große Vielfalt an Bastelvorschlägen ist beeindruckend. Es gibt einfache, auch schon von kleineren Kinder mit etwas Hilfe gut nachzumachende Ideen, aber auch Bastelvorschläge die eine Herausforderung sind. Die Anleitungen sind sehr gut für Kinder verständlich. Erwachsene, die beim Basteln helfen und die Texte den Kleineren vorlesen müssen, brauchen nicht umzuformulieren.
Schritt für Schritt kommt man schließlich bis zum fertigen Ergebnis. Alle Schritte sind gut erklärt und mit Zeichnungen versehen, so dass man gut folgen kann. Das Endergebnis sieht man auf einem großen Foto. Der Text darunter regt die Fantasie an.
Geeignet ist das Buch vor allem für Kindergarten- und Grundschulkinder. Man kann Zuhause basteln, es sind aber auch viele Ideen für Gruppenarbeiten geeignet.

Rezension von Heike Rau

Ute und Tilman Michalski
Der neue Ravensburger Bastelspaß
Tolle Ideen für Kinder
140 Seiten, gebunden
ab 4 Jahren
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 978-3473556335
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Hotel Mama

Hotel Mama

Das Buch enthält Dialoge zwischen Müttern und ihren halbwüchsigen Töchtern, Eltern und ihren erwachsenen Söhnen, Großmüttern und ihren Töchtern. Briefe zwischen Freundinnen, in denen es um die Familie geht. Briefwechsel und SMS-Kontakte zwecks neuer Partnerschaftsfindung, die von den Kindern sabotiert werden. Eine Beschreibung der häufigsten Neurosen, den Dialog einer Therapiesitzung und Telefongespräche.

Es geht um Eltern erwachsener Töchter und Söhne, die noch Zuhause wohnen, längst ausgezogen sind und sich trotzdem einmischen und um rücksichtslose Rückkehrer. In den Dialogen, Briefen und Telefongesprächen kommt so einiges zur Sprache. Thematisiert wird das schwierige Familienleben, es geht um Sorgen, Nöte, Regelverstöße, Liebe, Ordnung, Unterordnung und die vielen kleinen Ärgernisse, die es in Familien so gibt.

Die Autorin wirft mit den gängigen Klischees nur so um sich, spart nicht mit Ironie. Jede Mutter, jeder Vater, die Töchter und die Söhne finden sich irgendwo in den Texten wieder. Es gibt viel zu Schmunzeln. Das Buch ist ganz unterhaltsam, aber der große Wurf ist es nicht. Dazu wirkt es zu verallgemeinernd. Besonders weit wagt sich die Autorin auch nicht vor. Aber der Blick ins besagtes Hotel Mama ist amüsant. Ohne Frage wird man gut unterhalten.

Rezension von Heike Rau

Elfriede Hammerl
Hotel Mama
Nesthocker, Nervensägen und Neurosen
160 Seiten, gebunden
Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, Wien
ISBN: 978-3552060661

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Tiere des Gartenteichs

Tiere des Gartenteichs

Es ist sehr faszinierend zu beobachten wie ein Gartenteich sich entwickelt. Neben den von eigener Hand eingesetzten Tieren nehmen oft auch andere Arten das Biotop gerne an und man kann Amphibien, Insekten und Schnecken beobachten. Dass man dann gerne wissen möchte, um welche Tierarten es sich hier handelt, ist klar. Mit dem Taschenatlas „Tiere des Gartenteiches“ lassen sie sich bestimmen.

Die Porträts sind nach Tierarten, also Fische, Lurche, Kriechtiere, Schnecken, Muscheln, Insekten, Spinnen und Krebse geordnet und hier meist innerhalb der Klassen von A – Z nach ihrem Populärnamen. Erwähnung finden Tiere die man im Handel erwerben kann und die, die ohne eigenes Zutun zugewanderten sind. Anhand kleiner Piktogramme kann man sofort die Größe, den Bereich in und am Gartenteich, wo sich die Tier vorzugsweise aufhalten, ihre Hauptvermehrungszeit und den Naturschutzstatus ablesen.

Im Porträt findet man dann Text-Informationen zur Familie, zur Verbreitung und dem Lebensraum, zur Nahrung, Vermehrung und zur Lebensweise. Natürlich gehört auch zu jedem Porträt ein Foto.

Das kleine Büchlein ist sehr übersichtlich gestaltet. Man findet schnell, was man sucht. Auch wer gerade erst einen Gartenteich geschaffen hat, kann sich informieren, welche Tiere er erwerben und einsetzten kann. Man sieht auch mich welchen Tieren man in und am Gartenteich rechnen kann, lässt man der Natur ihren Lauf oder schafft bestimmte Vorraussetzungen für Tiere, die sich ansiedeln sollen. So ist es natürlich sehr interessant, viel über die Lebensweise der Tiere nachlesen zu können. Die Texte sind kurz, auf das Wesentliche beschränkt, aber dennoch überaus informativ.

Rezension von Heike Rau

Axel Gutjahr:
Taschenatlas
Tiere des Gartenteichs
127 Seiten, 117 Farbfotos
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 978-3-8001-5176-9
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Der Sohn

Der Sohn

Giacomo Cacciatore
Der Sohn
rowohlt
ISBN 3498009362

Geheimnisvoll und unüberschaubar ist die Welt, in die Giovanni Vetro hineingeboren wurde.
Die Familie lebt in Palermo. Der Vater ist Polizist.
Kann man sich anderes vorstellen, als dass zu Sizilien und Palermo die Mafia gehört?

So ist es: Giovanni hört und sieht Dinge, die ihm unheimlich sind. Die Mutter bekommt anonyme Anrufe und schreit hysterisch herum. Sie muß ständig Tropfen einnehmen, um dem Leben gewachsen zu sein. Der Vater, den der Junge als einzigen Halt betrachtet, ist auf unheimliche Weise bedroht.
Er bedeutet ihm, zu schweigen und wegzuhören, denn, * was man nicht sieht, das gibt es auch nicht*.

Giovanni hört und sieht aber mehr, als er möchte. Mit niemandem kann er darüber reden. Seine Ängste um das Leben des Vaters sind unübersehbar. Ist der Vater mit der Mafia insgeheim verbunden? Bei Gelegenheiten geschehen Dinge, die das zu beweisen scheinen. Z.B. bekommt Giovanni seinen ersehnten Farbfernseher,–obwohl das Geld des Vaters dazu nicht reicht!

Da immer nur Andeutungen fallen und Morde passieren, die für den Jungen nicht verstehbar sind, bekommt die Geschichte einen geheimnisvollen und bedrohlichen Unterton.
Er möchte seinem Vater helfen, ihn warnen und schützen. Zugleich wächst ein Misstrauen, auch dem Vater nicht immer trauen zu können.

Die Geschichte ist in einem Ton gehalten, der aus vielen Andeutungen besteht.
Man kann sich vorstellen, dass in Sizilien vorgeblich brave Kaufleute und Bürger kriminell sein können, und dass es staatliche Stellen gibt, die sich nicht immer so schützend vor ihre Bürger stellen, wie man es von ihnen erwartet. Die Übergänge zwischen den offiziellen und inoffiziellen Bezügen sind fließend.

In der Erzählung verwischen die Spuren; Giovanni versucht, hinter die Geheimnisse seines Vaters zu kommen. Dabei findet er zu erstaunlichen Erkenntnissen.
Er muß aus seinen Beobachtungen zu eigenen Schlüssen finden, die ihn in unvorhersehbare Ratlosigkeit stürzen.

Sich in dem Dschungel unklarer Verhältnisse zurechtzufinden, ist ein Thema in diesem Buch. Daneben besteht eine Vater- Sohnbeziehung, auf die kein Verlass ist. Und dennoch: Giovanni wächst heran wird auch unter diesen Umständen erwachsen!

Giacomo Cacciatore hat eine literarische Form gefunden, in der die ehrenwerte Gesellschaft, wie die Mafia auch bezeichnet wird, in Erscheinung tritt, ohne dass klare Konturen erkennbar werden. Die feinen Skizzen, mit denen er seine Andeutungen über Begünstigungen, Bedrohungen und Befehdungen zeichnet, sind fein nachempfunden. Es ist ein Leben im Schweigen, was viele Bürger dort führen. Italien aus dieser Sicht zu betrachten, gibt einen Eindruck wieder, den man als Reisender der schönen Renaissancestädte des Nordens kaum glauben mag.
Giacomo Cacciatore hat ein mutiges Buch über die Mafia geschrieben. Er gilt als ein großes Talent der italienischen Gegenwartsliteratur.

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Erbin des verlorenen Landes

Erbin des verlorenen Landes

Kiran Desai Erbin des verlorenen Landes

Berlin Verlag ISBN 382700683X

In einer wunderbar filigranen Erzählweise eröffnet uns Kiran Desai den Blick auf ihre Heimat Indien.

Die Zeit der englischen Kolonialherrschaft ist vorbei.
Ein pensionierter indischer Richter hat sich nach Kalimpong an den Hängen des Himalaja zurückgezogen. Dort lebt er in einem verkommenen Haus mit seinem Hund Mutt, einem Koch und seiner Enkelin, die er mehr aus Notwendigkeit als aus Zuneigung zu sich genommen hat. Der Richter ist ein verbitterter Mann. Seine Tochter war mit einem ihm nicht genehmen Mann verheiratet, der sich in Russland als Astronaut hat ausbilden lassen. Unglücklicherweise sind die Eltern der kleinen Sai in Moskau bei einem Autounfall ums Leben gekommen.
Wie lebt es sich in dieser abgelegenen Welt?
Zwei Damen in der Nachbarschaft unterrichten Sai, bis ihre Kenntnisse nicht mehr ausreichen und ein Hauslehrer ins Haus kommt: Gyan! Natürlich verliebt sich Sai in dieser verlorenen Gegend in ihn, der die einzige Abwechslung zu bieten vermag in einem ansonsten trostlosen Ambiente.
Und dann gibt es auch noch den Koch, der immer dann lebendig zu erzählen weiß, wenn es um seinen in Amerika lebenden Sohn Biju geht.

In Rückblenden erfährt man die ganze Geschichte dieser vier Personen.
Der Richter hatte in England studiert und unter der Verachtung der Engländer gelitten. Bei seiner Rückkehr hat er seine Frau, die er vor seinem Studienaufenthalt geheiratet hatte, zu ihrer Familie zurück geschickt, weil er sie nicht ertragen konnte. Er hat die englische Lebensart angenommen und zugleich abgelehnt. Er ist sich selbst ein Fremder geworden.
Der Aufstand der Ghurkas Mitte der achtziger Jahre in dem Gebiet Kalimpong verändert das Leben aller Protagonisten. Gyan schließt sich den Rebellen an und verlässt wütend Sai, die seinen Wandel nicht versteht.

Im Zusammenspiel der beteiligten Personen wird ein lebendiges und zerrissenes Indien gezeigt, das mit den Folgen der Kolonisation noch lange nicht fertig ist.
Arm und reich bilden einen unüberbrückbaren Gegensatz. Die Moderne ist noch nicht angekommen, und die Charaktere zeigen, dass es die Starken sind, die dem Land zum Auftrieb
verhelfen könnten.
Biju kehrt zu seinem Vater zurück, Sai verlässt das Dorf, und der unsympathische Richter bleibt alleine zurück.
Es ist eine Buch, das eine aufgewühlte Welt zeigt, die noch viele Jahre der Konsolidierung brauchen wird, um zu einer ruhigen, friedlichen und ausgewogenen, auch zu einem von sozialer Gerechtigkeit getragenen Gesellschaft zu werden.
Kiran Desai schreibt leidenschaftlich und engagiert. Man merkt ihr an, dass in dem Buch das Thema verhandelt wird, das ihr am meisten am Herzen liegt.
Wer sich für Indien, seine Widersprüche und Unausgeglichenheit interessiert, der wird mit dieser Lektüre auf seine Kosten kommen.
Es ist ein wild, lebendig und ausufernd beschriebenes Szenario einer uns noch sehr fremden Welt!
Im Dezember wird das Buch als TB erscheinen.

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Galileos Tochter

Galileos Tochter

Dava Sobel Galileos Tochter btv Verlag
ISBN : 3442722969

Im Zeitalter der Raumfahrt und immer tieferer Durchdringung des Universums bleiben die ersten Erfahrungen durch Kopernikus und Galilei Galileo mit ihren Erkenntnissen über den Weltraum von unverminderter Aktualität.
Stellten sie doch mit ihrer Erkenntnis, dass sich die Erde um die Sonne dreht, und wir in einem Planetensystem leben
s. Zt. das gesamte religiöse, weltanschauliche und philosophische Weltbild auf den Kopf.

Galileo Galilei war ein frommer Mann, der mit seinen Erkenntnissen keinesfalls die religiösen Dogmen aushebeln wollte. Dieser Konflikt war jedoch nicht lösbar.
Wissenschaft und religiöse Dogmen blieben unvereinbar.
Bis heute blieb und bleibt die Unvereinbarkeit der Schöpfung in ihrer religiösen Entstehungsgeschichte mit der Darwinschen Theorie der evolutionären biologischen Menschheitsgeschichte in zwei unvereinbaren Lagern ebenso bestehen, wie zu Beginn der Neuzeit die Erkenntnisse Galileis, die den Klerus und die Wissenschaften in zwei Lager spalteten.

Dava Sobel kommt das Verdienst zu, in leicht verständlicher und gut zu lesender Weise eine Geschichte des Galileo Galilei geschrieben zu haben. Dass dabei die Töchter eher im Hintergrund bleiben, ist verzeihlich. Geht es doch um die Zeit im Mittelalter, als in Italien die Wissenschaften erblühten. Physiker, Mathematiker und Philosophen befruchteten sich gegenseitig mit ihren Ideen und kamen zu immer neuen Einsichten. Bischöfe und Päpste blieben einbezogen. Ihnen kam die Rolle zu, die religiösen Vorstellungen gegenüber dem Neuen zu bewahren. Das gelang je nach deren persönlicher Haltung mehr oder weniger gut.
Dava Sobel beschreibt ausführlich und detailliert, wie die Schriften der Gelehrten über die Erkenntnisse von der Beschaffenheit der Sterne, Planeten und Fixsterne mit den einschlägigen Aussagen in der Bibel in Übereinstimmung zu bringen waren.
Galilei war seit seinen Erkenntnissen in Fortsetzung der Forschungen von Kopernikus von der Inquisition bedroht, und er war stets bemühte, sich die Bischöfe und Päpste gewogen zu halten.
Dass am Ende eine Überzahl von Gegnern ihn vor die
Inquisition zwangen, und er seinen Lehren abschwören musste hat seine Bedeutung bei der Erforschung des Universums nicht schmälern können.

Breiten Raum nehmen in diesem Buch die Schilderungen der Krankheiten des Galileo Galilei ein. Zur Zeit des ausgehenden Mittelalters gab es die großen Krankheiten wie Pest und Cholera, die viele Menschen dahinrafften. Er selber litt an einer Art Gicht, die ihn immer wieder wochenlang auf das Krankenlager warfen.
Galilei hatte seine beiden Töchter in das Kloster der Klarissinnen San Matteo gegeben, die in der Nachfolge des Franz von Assisi lebten. Die Autorin zeichnet dabei ein anschauliches Bild des Lebens in den Klöstern.

Galileis Tochter Maria Celeste, zu der Galileo G. eine besonders innige Beziehung pflegte, starb schon im Alter von 34 Jahren. Von ihr sind 124 Briefe an ihren Vater erhalten, die bei der Recherche für dieses Buch eine wichtige Informationsquelle bildeten.

Dava Sobel beschreibt in einem einfachen und eingängigen Stil die komplexen Vorgänge um die Erforschung des Weltraums. Für den Laien wird die Dramatik um die kontroversen Positionen Kirche und Weltlichkeit praktisch vorstellbar.

Dava Sobel ist eine mit mehreren Preisen ausgezeichnete Wissenschaftsredakteurin der New York Times.
Das Buch hat eine schöne bibliophile Aufmachung, wird aber auch im Januar in einer Neuauflage als Taschenbuch erscheinen.

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Cool, jetzt werden wir Unternehmer

Cool, jetzt werden wir Unternehmer

Stella kann es kaum glauben. Die Jury von „Next Game Industries“ hat sie für ein Praktikum ausgewählt. Ihre Ideen sind super angekommen. Die Vierzehnjährige reist also von Wien nach Berlin. Die Computerspiel-Firma gehört ihrem Onkel Carl. Er ist Daniels Vater. Mit ihrem Cousin hat Stella begonnen, ein Handyspiel zu entwickeln, das bei dieser Gelegenheit fertiggestellt werden soll. Die Heldin ihrer Geschichte ist die Manga-Prinzessin „You Star“.
Als das Spiel fertig ist, bekommt sie sogar eine eigene Internetseite.
Das Handygame wird zunächst zum Gratis-Download bereitgestellt, um zu sehen, wie die Zielgruppe es annimmt und auch um zu sehen, ob es sich lohnt, das Spiel weiterzuentwickeln, denn noch steht es nicht für alle Handytypen zur Verfügung.
Als Stella, wieder Zuhause angekommen, erfährt, dass das Spiel in einer Woche mehr als tausend Mal heruntergeladen worden ist, kann sie das kaum glauben.
Stella und Daniel wollen nun eine Firma gründen. Doch Jugendlichen in diesem Alter ist das nicht erlaubt.

Beschrieben wird im Buch eine wirklich sensationelle Erfolgsstory, die fast zu schön ist, um wahr zu sein. Für Stella und Daniel entwickelt sich alles wirklich ganz wunderbar. Die beiden müssen zwar einen kleinen Rückschlag hinnehmen, aber der wird nur auf ein paar Seiten abgehandelt. Es wird also, könnte man sagen, der bestmögliche Verlauf angenommen.
Vermittelt werden soll aber in erster Linie Wirtschaftswissen und das mit einer Geschichte zu tun, ist eine wirklich gute Idee. Es wird am direkten Beispiel erklärt, wie man sich eine Firmengründung vorstellen muss. Dabei wird ersichtlich, welche Dinge man beachten muss, um erfolgreich ins Wirtschaftsleben starten zu können. Grundsätzliche Informationen werden direkt in der Geschichte durch Dialoge vermittelt.
Stella und Daniel sind sehr kommunikativ und neugierig und verstehen es, sich Auskünfte zu beschaffen.
Alle im Text verwendeten Fachausdrücke sind im Fettdruck dargestellt. Ihre Bedeutung ergibt sich zwar aus dem Text, kann aber auch noch einmal in aller Ausführlichkeit im Wirtschaftslexikon hinten im Buch nachgelesen werden.

Fazit: Ein tolles Buch, das sehr anschaulich erklärt, wie Wirtschaft funktioniert.

Rezension von Heike Rau

Miriam Özalp
Cool, jetzt werden wir Unternehmer
Wie Wirtschaft funktioniert
Mit Illustrationen von Hans-Jürgen Feldhaus
175 Seiten, gebunden
Verlag Carl Ueberreuter, Wien
ISBN: 978-3800016075
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Das bin doch ich

Das bin doch ich

„Die Arbeit der Nacht“ ist beendet und liegt den Verlagen vor. Nun muss Glavinic warten, die Zeit totschlagen. Ablenkung bringt nicht mal seine Frau Else oder der kleine Sohn Stanislaus. Dabei hasst Glavinic das Nichtstun. Ob das Buch erfolgreich wird? So wie Daniels „Die Vermessung der Welt“?
Glavinic kann nicht abschalten, egal was er tut. Die eingebildeten Krankheiten verlangen nach Aufmerksamkeit. Er trifft sich mit einer Ärztin, ganz privat. Sich hier Kontakte aufzubauen, soll helfen gegen Hypochondrie. Das Treffen verläuft anders als erwartet, daher nimmt Glavinic ab sofort wieder mit seinen Künstlerkollegen vorlieb. Und spricht dem Wein zu. Das entspannt. Unterdessen steigen die Verkaufszahlen von Daniels Buch auf unfassbare Weise. Aber das Leben geht weiter. Es dümpelt vor sich hin, bis die Agentin anruft. „Die Arbeit der Nacht“ wird im Hanser Verlag erscheinen. Aber ein Grund zum Aufatmen ist das nicht. Wer weiß, ob das Buch erfolgreich wird?

Glavinic wird als ein Mann dargestellt, der sein Leben überdeutlich mit jeder Faser seines Körpers wahrnimmt. Dabei ist keine Leichtigkeit zu spüren. Unwirkliche Ängste bestimmen das Leben, das wird auch für den Leser spürbar.
Der Blick auf das Alltägliche ist keinen Moment langweilig. Es ist interessant zu sehen, wie der Autor beim Warten auf die Reaktion des Verlages aus dem Gleichgewicht gerät und nur mit Mühe und Not und viel Alkohol in der Spur bleibt. Alles um ihn verblasst. Sogar Frau und Kind rücken in den Hintergrund. Eine Beteiligung am Familienleben ist gar nicht möglich.
Ein Psychoanalytiker hätte viel Freude an diesem Buch. Aber auch ein interessierter Leser ohne entsprechende Ausbildung wird gut unterhalten. Der Roman entbehrt zwar einer gewissen Ernsthaftigkeit nicht, dennoch sind Witz und Ironie Eigenschaften, die den Roman auszeichnen.
Warum wohl hat der Autor diesen Roman geschrieben? Nach der Lektüre kommt nur eine Antwort in Frage: um die Zeit totzuschlagen. Und das kann auch der Leser mit diesem Buch.

Rezension von Heike Rau

Thomas Glavinic
Das bin doch ich
238 Seiten, gebunden
Carl Hanser Verlag
ISBN: 978-3446209121
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