Die Frau im Mond

Die Frau im Mond


Mit dem zweiten Roman der Autorin des Romans “ So lange der Haifisch schläft“ hat Milena Aus erneut eine kleine und feine Erzählung vorgelegt.

Die Geschichte spielt in Sardinien. Aus ruhigen und zarten Anfängen wird außergewöhnliches kleines Werk.

In einer Hommage an ihre Großmutter erzählt die Enkelin als Erzählerin ihre Geschichte.

Auf Sardinien scheinen die Uhren stehen geblieben zu sein.

Das junge Mädchen, das die Großmutter einst war, hat Pech in der Liebe. Alle möglichen Kandidaten laufen immer wieder davon. Ob es daran liegen mag, dass sie ihnen Liebesbriefe und erfundene Geschichten schreibt?
Von ihrer Familie wird sie als leicht verrückt eingeschätzt und auch so behandelt.
1943 kommt ein Witwer auf der Flucht vor dem Krieg auf die Insel und als Untermieter zu den Eltern.
Sehr schnell macht er der jungen Frau, die schon nicht mehr ganz jung ist, einen Heiratsantrag. Aber sie liebt ihn nicht!
Als sich heraus stellt, dass auch er sie nicht liebt, lassen sich beide auf eine Ehe ein, die mehr brüderlich-schwesterlich angelegt ist als etwa auf die große Liebe. Er erledigt seine Bedürfnisse in einem Bordell.
Als sie ihn eines Tages beim Rauchen einer Pfeife beobachtet, macht sie ihm den Vorschlag, das Geld für das Bordell zu sparen, denn sie könne für seine Bedürfnisse statt der Huren deren Aufgaben übernehmen.
So entwickelt sich ein sonderbares Verhältnis, das auf rationaler Ebene alle wichtigen Funktionen erfüllt. Nur die Liebe bleibt auf der Strecke!
Unsere liebenswerte Heldin sucht in ihren Träumen weiterhin nach der einzigen und wahren Liebe!

Sie sollte ihr 1950 bei einem Kuraufenthalt begegnen.

Der Reduce, wie sie ihn nennt, ist ein versehrter Kriegsheld.
Als sie ihn sieht, ist es um sie geschehen. Er und kein anderer vermag ihre Liebe zu wecken!

Neun Monate nach dieser Begegnung kommt der Vater der Erzählerin zur Welt und entwickelt sich zu einem angesehenen Pianisten.
Nach einem Sprung in die Zukunft ist die Erzählerin, Tochter des Pianisten und einer Flötistin, ihrer Großmutter in inniger Liebe verbunden. Sie beobachtet und erzählt, wie sich alles weitere zugetragen hat.

So Geschichte wirkt mit ihren simplen Sätzen naiv und einfach. Sie ist mit ungewöhnlichen Gedanken und Einfallsreichtum ausgestattet.
Wie die Ehe auf einer Ebene fremd und scheu, auf der anderen handfest und sexuell praktisch vollzogen wird, das ist schon bemerkenswert!
Die Großmutter schreibt verschämt Gedichte. Niemand als der Liebaber und die Enkelin dürfen davon Kenntnis nehmen.
Wie sich aber die Liebe zwischen dem Reduce und ihr abspielt, das ist ein Zauberwerk. Die Musik, die sie durch ihn kennen und lieben gelernt hat, bleibt ihr Geheimnis. Sie erreicht aber, dass sie im Sohn ihren Widerklang findet.

Das italienische Leben, die knorrigen und fest gefügten Formen sardischen Familienlebens werden in liebevollen und poetischen Worten erzählt.
Die große Liebe, der die Hauptfigur anhängt, und die in der Figur des Reduce verkörpert wird, ist von einer solchen Innigkeit und Sehnsucht, dass man ganz mitfühlt und sehr gut versteht, wie im alltäglichen Leben alle Träume zerplatzen.

Das Leben spielt verrückt, und verrückt sind zuweilen auch die fantasiebegabten Menschen. Skurril, phantastisch und eigenwillig ist die Konstruktion des kleinen Romans.
Hinter dem schmalen Band vermutet man zunächst keine so amüsante und gut angelegte Lebensgeschichte.

Man lasse sich überraschen von dem Reiz der Erzählung und von dem sehr überraschenden Ende!

Mit dem letzten Satz der Geschichte möchte man Milena Agus zurufen: schreiben Sie weiter!

Milena Agus
Die Frau im Mond
Eine sardische Familinegeschichte
ISBN:3455400779
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Ich räum nicht auf!, sagt der kleine Fuchs

Ich räum nicht auf!, sagt der kleine Fuchs

Eigentlich wollte der kleine Fuchs mit Zottel und Daxi im Baumhaus spielen. Aber draußen regnet es. Also geht der Kleine in seine Spielecke, um zu malen. Die Farbstifte kann er jedoch nicht finden. Mama Fuchs weiß auch nicht, wo sie sind und rät, danach zu suchen. Aber das macht der kleine Fuchs gar nicht gerne. Mama Fuchs findet die Farbstifte unter dem Bett. Damit sie das nächste Mal nicht wieder unauffindbar sind, rät sie ihrem Kind, diese nach Gebrauch aufzuräumen. Der kleine Fuchs scheint das nicht gehört zu haben. Nach dem Malen spielt er mit der Eisenbahn, belädt sie und lädt wieder ab. Bald liegt überall etwas herum. Als Mama Fuchs versehentlich auf ein Spielzeug tritt, ist seine Empörung groß. Dabei hat der kleine Fuchs doch selbst alles liegen lassen.
Erst nach Aufforderung durch die Eltern und deren Mithilfe räumt der kleine Fuchs auf. Und das auch nur, weil er mit Zottel und Daxi nun, nachdem es aufgehört hat zu regnen, zum Baumhaus will. Das Einweihungsfest muss vorbereitet werden. Die Feier wird ein voller Erfolg. Nur hinterher will wieder keiner aufräumen.

Das Unordnung im Leben eher hinderlich ist, wird im Buch auf eine sehr anschauliche Art und Weise gezeigt. Dabei muss man aus dem Aufräumen gar keine große Sache machen. In die kleine Geschichte sind Tipps eingebaut, die Kindern das Aufräumen erleichtern. Gut geht es, wenn man große Kisten für oft verwendetes Spielzeug bereitlegt und die Eltern helfen. Gemeinsam, ob nun mit den Eltern oder den Spielfreunden, geht es zudem schneller und macht sogar Spaß. Zudem erspart es zeitaufwändiges Suchen. Was beim kleinen Fuchs klappt, sollte auch bei Kindergartenkindern klappen. Die kleine Geschichte verhilft schnell zu mehr Einsicht.
Kleine Kinder werden das Buch mögen. Es ist ganz wunderbar illustriert und mit dem kleinen Fuchs können sie sich identifizieren.
Die kleine Geschichte ist von angenehmer Länge und lässt sich gut vorlesen. Da die Bilder sehr aussagekräftig sind, können Kinder das Buch aber auch gut alleine ansehen. Es macht Spaß, die Geschichte zu verfolgen und die vielen Details zu entdecken.

Rezension von Heike Rau

Christine Georg / Manfred Mai
Ich räum nicht auf!, sagt der kleine Fuchs
30 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 978-3473323654
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Die Magd und die Königin

Die Magd und die Königin

Rose gerät nach einer Vergewaltigung in Verruf. Das Leben wird für sie zur Qual. Ihre Herrin Elain weiß ebenfalls nicht mehr ein noch aus, soll sie doch mit einem Mann verheiratet werden, dem sie mit Abscheu begegnet. Hals über Kopf fliehen die beiden. Erst unterwegs kristallisiert sich ihr Ziel heraus. Sie wollen zum Hafen, dorthin wo die Pilger nach dem Heiligen Land sich versammeln, um sich einzuschiffen zu lassen. Nach Marseille soll es gehen und dann mit der Flotte des Königs direkt nach Palästina.
Die Vorkommnisse auf ihrem Weg führen dazu, dass die beiden jungen Frauen in jämmerlichen Zustand in Hull ankommen. Doch sie geben nicht auf und schaffen es bis nach Messina. Kurz nach ihrer Ankunft stürmt Richard Löwenherz die Stadt wegen seiner Schwester Johanna, die hier nach der Ermordung ihres Gatten gegen ihren Willen festgehalten wird.
Doch Johanna hat in ihrer Verzweiflung bereits die Initiative ergriffen und ist geflohen. Sie irrt auf der Suche nach einem Versteck auf einem verlassenen Friedhof umher. Ausgerechnet hier trifft sie auf Rose und Alain, die sich ebenfalls hier vor den Soldaten und Plünderern verborgen halten.

Vor einer imposant gezeichneten Kulisse spielt die Geschichte dreier ganz unterschiedlicher Frau, die doch eins gemeinsam haben. Sie kämpfen um ihre Freiheit und sind bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen.
Man wird sofort hineingezogen, in diese sehr bildhaft gezeichnete und aufwändig recherchierte Geschichte. Auch der Schreibstil der Autorin ist ein Grund dafür. Die Sätze, eingebettet in die historischen Hintergründe, fließen nur so ineinander und man kann ganz wunderbar abschalten.
Die Charaktere, insbesondere Rose, Elain und Johanna, sind sehr tiefgehend, besonders in ihren Gefühlen, beschrieben. Beim Lesen lebt man förmlich mit ihnen als in allen Belangen eingeweihter Zuschauer. Wobei die Charaktere in den Nebenrollen der Geschichte aber nicht weniger gut beschrieben sind.
„Die Magd und die Königin“ ist ein wunderbar erzählter, fesselnder Schicksals-Roman. Unbedingt lesen!

Rezension von Heike Rau

Tessa Korber
Die Magd und die Königin
478 Seiten, gebunden
Eichborn Verlag
ISBN: 978-3821857862
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Ein Gebet für die Verdammten

Ein Gebet für die Verdammten

Irland, im Jahre 668. Auf der Burg in Cashel herrscht Trubel. Die Hochzeit der Schwester des Königs steht kurz bevor. Abgesandte aller fünf Königreiche werden erwartet.
Überschattet wird das Ereignis dann jedoch von einem Einspruch, den Abt Ultán von Cill Ria, gegen die Trauung erhebt. Er ist der Meinung, dass Brüder und Schwestern, die dem Neuen Glauben dienen, nicht heiraten dürfen. Der Einspruch Erhebende hält sich für einen großen Reformator.
Dass er zeitgleich mit den Angelsachsen, Landsleuten von Eadulf ankommt, scheint auch kein Zufall zu sein.
Besorgniserregend scheint auch die Tatsache, dass der Wahrsager Fidelma und Eadulf nahe legt, vorsichtig zu sein.
Brehon Baithen, Ratgeber in Gesetzeskunde und Verfahrensfragen wird vorgeschickt, um mit Abt Ultán zu sprechen. Doch der Abgesandte der Abtei Ard Macha ist tot. Gerade noch hat der Richter jemanden weglaufen sehen. Der Mörder ist Muirchertach Nár von Uí Fiacharcha, der König von Connacht.
Dass die Dinge nie so einfach laufen, weiß Schwester Fidelma nur zu genau. Deswegen nimmt sie den Fall auch sehr ernst. Der Beschuldigte nimmt nämlich sein Recht war, sich einen Anwalt auszusuchen und wählt Fidelma, die mit Eadulf zusammen ermittelt.

Keine Frage, der Fall ist spannend, aber eben auch sehr verzwickt. Und doch ist es eine Freude, zu verfolgen, wie Fidelma und Eadulf ermitteln. Fidelma versteht es mit Worten zu schießen. Gekonnt manövriert sie Verdächtige mit Fangfragen ins Abseits. Eadulf geht es da viel gemächlicher an. Er hält sich im Hintergrund, denkt anders als Fidelma, bringt den Fall aber gerade dadurch immer mal wieder entscheidend voran. So sind es besonders die ausgefeilten Dialoge, die an diesem Fall faszinieren.
Wieder wundert man sich über das Paar Fidelma und Eadulf, die ja heiraten wollen. Das Liebe sie verbindet, ist nicht erkennbar. Nur eine tiefe Freundschaft ist spürbar und das, wo die beiden doch bereits einen gemeinsamen Sohn haben.
Der Spannungsbogen ist in Ordnung. Besonders im letzen Drittel des Buches kann man kaum mehr aufhören mit lesen. Zu viele Mutmaßungen hinsichtlich des Täters stehen im Raum. Allerdings ist viel Konzentration erforderlich, da es Mühe macht, die vielen Personen mit ihren schwierigen irisch/keltischen Namen auseinander zu halten. Immer wieder muss man vor zur Liste blättern, um nachzuschlagen.
Aber es lohnt sich. Das Ende ist wirklich eine Überraschung!

Rezension von Heike Rau

Peter Tremayne
Ein Gebet für die Verdammten
Historischer Kriminalroman
Aus dem Englischen von Irmhild und Ott Brandstädter
Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3746623320
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Matthias Sodtke: Übung macht den Meister

Matthias Sodtke: Übung macht den Meister

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Als Nulli, der Hase, in die Vorratskammer schaut, findet er nur noch eine einzige Möhre in der Holzkiste vor. Dieses gibt es dann zum Frühstück, während Priesemut, der Frosch, sich auf sechs Fliegen freuen darf. Er bietet Nulli einen seiner Brummer an, doch der lehnt ab. Lieber will er heute zum Rübenacker gehen. Das ist interessant für Priesemut. Er bietet sich als Erntehelfer an. Die Karotten sind gut gewachsen und erntereif.

Priesemut packt einen Büschel Möhrengrün und zerrt. Da macht es Knack und der Frosch landet mit dem Grün auf seinem Allerwertesten. Die Möhre ist in der Erde geblieben. Nulli stemmt die Pfoten in die Seiten. Ein Möhre muss man mit Gefühl ziehen, erklärt er Priesemut. Doch als Nulli zeigen will, wie das geht, passiert ihm vor lauter Anstrengung etwas unglaublich Peinliches. Und das, wo Priesemut direkt hinter ihm steht. Der bricht vor Schreck wieder sein Rübenbüschel ab. Nulli, statt sich zu entschuldigen, schimpft mit Priesmut und macht ihn mit seiner Besserwisserei ordentlich zur Schnecke. Beleidigt zieht der Frosch ab.

In der kleinen Geschichte geraten Nulli und Priesemut wieder mal aneinander. Ursache sind die Möhren, die sich nicht so leicht ernten lassen, wie gedacht. Da hilft nur geduldiges Üben, doch das müssen Hase und Frosch erst erkennen. Diese Situation lässt sich natürlich auch auf viele andere beziehen. Damit ist die Geschichte lehrreich, aber ohne belehrend zu wirken. Das liegt daran, dass sie mit sehr viel Humor erzählt wird. Und auch die witzigen Bilder sehen Kinder sicher gerne an. Klar, dass auch Erwachsene ihre Freude an dem Buch haben, selbst bei mehrmaligem Ansehen.

Rezension von Heike Rau

Matthias Sodtke
Nulli & Priesemut
Band 14: Übung macht den Meister
27 Seiten, gebunden
ab 3 Jahren
ISBN: 978-3830311232
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Schöne Ferien!

Schöne Ferien!

„Schöne Ferien!“ richtet sich an Jugendleiter ab 16 Jahren, aber auch an Gruppenleiter und Lehrer die Klassenfahrten begleiten wollen. Das vorliegende Buch ist eine Neubearbeitung der ersten Ausgabe, die vor zehn Jahren erschienen ist.
Das Buch erzählt aber nicht einfach die Geschichte einer erlebnisreichen Gruppenreise mit den möglichen Hürden, sondern fordert vom Leser Aktivität. Im Verlauf der Reise muss man als Begleiter immer wieder Entscheidungen treffen. Es ist wie ein Spiel, entscheidet man richtig, verläuft die Reise gut bis zum Schluss. Entscheidet man falsch, können die Ferien auch mal ganz schnell zu Ende sein.

Im Verlauf dieses Rollenspiels kann man sehen, ob man im Falle eines Falles richtig entscheiden würde. Was ist zu tun, wenn ein Schüler zur angegebenen Zeit nicht am Abfahrtsort erscheint? Welche Regeln sind den Kindern und Jugendlichen abzuverlangen? Darf in der Ferienfreizeit geraucht werden? Ist Alkohol erlaubt. Oder was ist zu tun, wenn ein Handy verschwunden ist und was, wenn jemanden das Heimweh plagt. Dürfen Pärchen ein gemeinsames Zimmer beziehen?

Diese Fragen und noch viele weitere werden im Buch beantwortet. Und das sehr anschaulich. Wo immer es nötig ist, wird auf geltende Gesetzestexte hingewiesen. Wert wird natürlich auch auf ein gutes Gruppenklima gelegt und auch die Zusammenarbeit mit den anderen Betreuern wird beleuchtet.
Da alle Informationen als Spiel vermittelt werden, macht es natürlich sehr viel Spaß, sich hier als Reisebegleiter für Ferienreisen weiterzubilden. Die Texte sind einfach geschrieben und damit sehr gut verständlich. Weitere Erkundigungen kann man unter www.juleiqua.de einholen.

Rezension von Heike Rau

Gerit Kopietz / Jörg Sommer
Schöne Ferien!
Mit Illustrationen von Waltraud Haarlammert
Institut für Jugendleiter und Qualifikation e.V.
Neuauflage 2007
ISBN: 9783000216176
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Das Mysterium

Das Mysterium

München, im Sommer 1356. Der Fremde, der Mathilde im Warenhaus nach ihrem Vater fragt, löst bei ihr Unbehagen aus. Kaum ist der Mann weg, läuft sie los, um ihren Vater, der am Ufer der Isar in Geschäften unterwegs ist, aufzusuchen. Als er erfährt, dass der Fremde nach Nemo gefragt hat, handelt er sofort. Er schickt die Tochter nach Hause, damit sie sich mit ihrer Mutter im Haus verbarrikadieren kann. Mathilde macht sich auf den Weg, sieht aber noch, wie Berittene ihrem Vater nachsetzen, als dieser über die Kiesbänke an der Isar flieht. Er hat keine Chance.

Zur Überraschung Mathildes hat ihre Mutter die Gefangennahme des Vaters durch die Inquisition erwartet. Eilig verlässt sie die Stadt, um nicht als Zeugin aussagen zu müssen. Sie lässt Mathilde zurück, die retten soll, was zu retten ist. Mathilde hat viel von ihrem Vater, der Kaufmann ist, über Handelsgesellschaften gelernt. Sie verschenkt wohldurchdacht den Familienbesitz bevor das Vermögen eingezogen wird.

Mit viel Spannung verfolgt Mathilde den Prozess und muss feststellen, dass ihr Vater nicht der ist, für den sie ihn gehalten hat. Er wird schuldig gesprochen wegen mehrfacher Beihilfe zum Mord und weil er die Inquisition belogen hat. Doch der rückfällige Häretiker, der ein zweites Mal der Ketzerei überführt worden ist, soll dem Scheiterhaufen entgehen und erhält stattdessen strenge Haft in Ketten.

Mathilde besucht ihren Vater im Kerker. Zunächst glaubt sie, dass ihr Vater den Tod verdient hat. Doch nach dem sie die ganze Geschichte gehört hat, will sie sein Leben retten und ihm zur Flucht verhelfen.

Erzählt wird vorwiegend in Rückblenden. Der Vater erzählt der Tochter seine Geschichte um seine Rolle als Hüter des Mysteriums und seinem Kampf um das Vermächtnis der Katharer.
„Das Mysterium“ ist ein opulenter und sehr bildgewaltiger historischer Roman. Aber er stellt auch einige Ansprüche an den Leser. Man liest das Buch nicht eben mal so weg. Ein hohes Maß an Konzentration ist nötig. Und trotzdem ist es schwer, sich in die Geschichte hineinzudenken, zu kompliziert sind die historischen Hintergründe aufgearbeitet, die auch noch im Vordergrund der Geschichte stehen und diese bestimmen. Dadurch verliert sich hin und wieder der Blick für die eigentliche Geschichte und Orientierungslosigkeit macht sich breit.
Im letzten Drittel des Buches verliert sich dieses Gefühl aber wieder. Die Geschichte gewinnt an Fahrt und wird viel besser verständlich.
Keine Frage, das Buch ist interessant, die Geschichte spannend, aber flüssig erzählt, ist sie leider nicht.

Rezension von Heike Rau

Titus Müller
Das Mysterium
470 Seiten, gebunden, 19,95 Euro
Erscheint Ende August 2007
Rütten & Loening
ISBN: 978-3352007484
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Taschenatlas Giftpflanzen

Taschenatlas Giftpflanzen

Giftige Pflanzen schnell und sicher zu erkennen, ist ausgesprochen wichtig. 170 von ihnen werden im vorliegenden Taschenatlas in Wort und Bild vorgestellt. Vom Maiglöckchen über die Engelstrompete und dem Goldregen bis hin zur Lupine. Also Pflanzen, die in jedem Hausgarten vorkommen. Erwähnung finden aber auch Gefahr bringende Zimmerpflanzen wie Kolbenfaden oder die Kleine Flamingoblume und Pflanzen, die man in der Natur antrifft, darunter Busch-Windröschen und gewöhnlicher Wurmfarn. Es gilt die Gefahr, die von den Pflanzen ausgeht, richtig einzuschätzen.

In den Porträts werden Herkunft, Standort und Vorkommen aufgezeigt. Beschrieben wird die Pflanze kurz nach ihren botanischen Merkmalen wie Blatt, Blüte und Frucht. Auch der Wuchs wird beschrieben. Der Leser erfährt, welche Pflanzenteile giftig sind und welche Vergiftungserscheinungen auftreten können. Leider werden hier nicht immer die giftigen Inhaltstoffe genannt oder auch in welchen zeitlichen Rahmen die Vergiftungserscheinungen sich abspielen, wird kaum beschrieben. Warnhinweise vervollständigen aber das Porträt. In einem gelben Kästchen erfährt man noch geschichtliche Details, etwa zur Verwendung der Pflanze im Mittelalter. Dabei wird ein Bogen bis in unsere heutige Zeit gespannt.
Auf einen Blick kann man die jeweilige Pflanze auch anhand der Symbole einschätzen.
Zu jeder Pflanze gibt es ein Bild. Leider kann man die Pflanzen hier nicht zweifelsfrei erkennen. Dazu wären sicherlich mehrere Fotos oder detaillierte Zeichnungen notwendig gewesen.

Einen ersten Überblick verschaffen, kann man sich mit dem Buch aber gut, gerade wenn man plant, neu Pflanzen für Haus und Garten anzuschaffen. Zudem findet man Adressen von Vergiftungszentralen mit wichtigen Telefonnummern.

Rezension von Heike Rau

Burkhard Bohne, Peter Dietze
Taschenatlas Giftpflanzen
170 Wild- und Zierpflanzen im Porträt
128 Seiten, 170 Farbfotos
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN 978-3-8001-5372-5
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Am Strand

Am Strand

Ian McEwan Am Strand Diogenes
ISBN 3257066074

Ein Szenario, wie man es sich romantischer nicht vorstellen kann: Edward und Florence auf der Hochzeitsreise in einem erstklassigen Hotel in Dorset an der Küste von Chesil Beach.
Scheinbar unbeschwert und überglücklich essen sie zu Abend auf ihrem Zimmer mit Blick auf die an den Garten angrenzende Küste.
Aber der Schein trügt!
In ihnen brodelt es vor unausgesprochenen Gefühlen: Ängste vor der Hochzeitsnacht bestürmen Florence und Vorfreude auf die lange ersehnte Vereinigung erfüllt ihn.
Stilsicher und genau protokolliert McEwan die erste geschlechtliche Begegnung des jung vermählten Paares. Jedes Detail ihrer Gedanken und Äußerungen, ihrer Zweifel und der Unsicherheiten findet den richtigen Ausdruck.
Diese Nacht wird ihr gemeinsames Leben verändern!

Was aber ist geschehen?

Bei einer Aktion der Studentenbewegung gegen Atomkraft hatten sie sich 1961 kennen gelernt.
Er kam aus einem kleinen Dorf, sie aus einer besseren Gegend Oxfords. Beide studierten in London und warteten nach dem Examen auf die Abschlussnote. Er hatte Geschichte studiert und sie Musik. Sie schwelgt in der Kammermusik aller bekannten Künstler der Vergangenheit bis zu Benjamin Britten und spielt selber Geige in einem Quartett, er liebt Rock ‘n’ Roll und Blues.
Die Emanzipationsbewegung der Jungen von den Eltern und die sexuelle Revolution befanden sich 1962 in ihren Anfängen. Kein Wunder, dass sich Florence und Edward in den Fallstricken vergangener Lebensgewohnheiten und in deren Ritualen verfangen. Sie können ihre eigenen Gefühle nicht einordnen und die des anderen ebenso wenig. Sexualität vor der Hochzeit fand so gut wie nicht statt.
In ihrer Hochzeitsnacht, die so glücklich begann, passiert Unerwartetes.
Florence ist geschockt und Edward ist ratlos und wütend.
Die ersehnte Freiheit, die sie sich nach der Hochzeit und befreit von der elterlichen Bevormundung erhofften, zerrinnt ihnen unter den Händen.

McEwan beobachtet genau und registriert auch die kleinste Regung, so dass man alle Szenen fast wie in einem Film miterlebt.
Die tastende Unsicherheit der Annäherung, die vertrackten Täuschungen, denen sie aufsitzen; ihre ersten Begegnungen in den Elternhäusern, die unterschiedlicher nicht sein können: McEwan hat alles im Blick!

Er zeichnet das Porträt einer Zweierbeziehung atmosphärisch eindringlich. Ihm steht ein unermüdlich vielseitiger und poetischer Sprachschatz zur Verfügung, mit dem er mitreißend Stimmungen des Augenblicks einfängt.
Man sieht die Landschaft, hört die Geräusche des Wassers und der Nacht und kann sich dem tragischen Missverstehen eines jungen, verliebten und zugleich enttäuschten Paares nicht entziehen. Das Gespräch in der Hochzeitsnacht am Strand ist von ungewöhnlich tiefenpsychologischer Klarheit.

Wie er die Geschichte einbettet in die Zeit politischen Wandels, die eine veränderte Sexualmoral und den kalten Krieg mit sich bringt, das zeigt ihn als Meister der unterhaltsamen und fesselnden Poesie.

Auch in diesem Roman stehen menschlichen Beziehungen wie in seinen vorherigen Büchern im Focus seines Berichts. Er weiß, dass sie glücken oder misslingen können, denn vieles hängt vom richtigen Handeln zum rechten Augenblick ab.

Zuletzt gewährt die Weisheit des Alters einen genaueren Blickwinkel!

McEwan wird wie bei seinen vorherigen Büchern “ Abbitte“ und “ Saturday“ ein begeistertes Publikum finden!

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Dem Stalker auf der Spur

Dem Stalker auf der Spur

Dem Stalker auf der Spur (Das Eifel-Mosel-Duo in Aktion)

Weil ihr Freund während des Zusammenlebens Züge und Verhaltensmuster an den Tag legte, die Martina, eine junge Mutter mit einem Kind, vorher nicht von ihm kannte, blieb eine Trennung unausweichlich. Ihr Freund jedoch sieht das ganz anders und beginnt, Martina permanent zu belästigen. Doch diese Bedrohung wird so massiv, dass sich Martina hilfesuchend an ihren Vater Franz wendet. Er tut sein Bestes, um seiner Tochter zu helfen, jedoch scheint auch er in manchen Momenten recht hilflos. Bis er dann rein zufällig auf Lena trifft, eine rüstige und resolute Rentnerin, die jahrelang die Haushälterin eines Pfarrers war. Ob Franz will oder nicht, Lena will ihm und seiner Tochter helfen. Da kann Franz auch nicht mehr viel ausrichten, denn was sich Lena in den Kopf gesetzt hat, das ist schon beinahe Gesetz. Trotz ihrer Hilfe ist Martina plötzlich verschwunden. Nun beginnt eine spannende Suche nach Martina und die Jagd nach dem Entführer.

Das Buch ist spannend, amüsant und interessant. Obwohl das Detektivpärchen keine alleinige Erfindung der Autorin Rosi Nieder ist, eine ähnliche Konstellation gab es schon bei Agatha Christie, sind beide doch ganz neue Charaktere. Die Autorin hat ihnen Eigenschaften verpasst, die sie liebenswert erscheinen lassen. Sowohl das Granteln des einen als auch die unaufhörliche Wissbegierde der anderen lassen eine Athmosphäre aufkommen, die jedem bekannt vorkommt. Neben den Personen, mit denen sich viele Leser identifizieren können, abgesehen vielleicht vom Stalker, liest sich die Story flüssig und lässt einen nicht zur Ruhe kommen bis man schließlich das Ende kennt und weiß, wie die Geschichte ausgeht. Denn davon könnte sich der Leser im Laufe der Geschichte durchaus verschiedene Varianten vorstellen. Ich empfehle das Buch gerne und finde, dass es noch spannender und gelungener als „Silvesterknaller“ derselben Autorin ist. Und dass es sich um ein Buch handelt, welches sich auf einen Leserkreis in der Eifel-Mosel-Region konzentriert, ist meines Erachtens tiefgestapelt. Natürlich wird der Trierer einige Schauplätze wiedererkennen, was ein Hamburger vielleicht nicht behaupten kann (zumindest wenn er noch nicht in Trier war). Aber so was tut einem Krimi doch keinen Abbruch.

# Broschiert: 222 Seiten
# Verlag: Rhein-Mosel-Verlag; Auflage: 1 (Januar 2007)
# Sprache: Deutsch
# ISBN-10: 3898010341
# ISBN-13: 978-3898010344
# Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 13,4 x 1,6 cm Bestellen