Pascale Robert-Diard: Verrat – Das dunkle Geheimnis der Familie Agnelet

Pascale Robert-Diard: Verrat – Das dunkle Geheimnis der Familie Agnelet

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Agnès Le Roux stammt aus einer äußerst wohlhabenden Familie. Der verheiratete Anwalt Maurice Agnelet ist elegant und charismatisch. Er wird ihr Liebhaber und spannt sie zunächst unbemerkt für seine Ziele ein. Im Jahr 1977 verschwindet Agnès Le Roux auf mysteriöse Weise an der Côte d’Azur in Frankreich. Es wird keine Leiche gefunden, dennoch geht man bald davon aus, dass sie Opfer eines Verbrechens geworden sein muss. Agnès‘ Mutter glaubt, dass ihre Tochter ermordet wurde. Maurice Agnelet muss wissen, was passiert ist. Sie stellt Anzeige und sorgt dafür, dass er angeklagt und vor ein Gericht gestellt wird. Verurteilt wird er nicht, denn es gibt keine Leiche und keinen Tatort und damit auch keinen Beweis, dass er Agnès umgebracht hat.

Dennoch werfen bestimmte Vorkommnisse und Geldgeschäfte kein gutes Licht auf ihn. Seine Familie, seine Ex-Frau und die Söhne stehen hinter ihm. Alle schweigen, während Guillaume ihn sogar verteidigt. Dabei hat sein arroganter Vater ihm in einem unbedachten Moment den Mord gestanden. Die Jahre vergehen. Das Geständnis und die Art, wie sein Vater in seltenen Momenten von Agnès spricht, lassen ihm keine Ruhe. Und Maurice lässt ihm keine Möglichkeit zu verdrängen oder zu vergessen. Er beherrscht das Leben seines Sohnes. Irgendwann ist Guillaume an einem Punkt, nicht länger schweigen zu können.

Pascale Robert-Diard ist Gerichtsreporterin. Sie hat den Fall verfolgt und auf dieser Grundlage dieses Buch verfasst, das ein spannender und beeindruckender Roman geworden ist. Sie zeigt auf, wie ein Familienvater seine eigene und die Familie von Agnès Le Roux zerstört. Und wie Madame Le Roux immer weiter für ihre Tochter kämpft. Über Jahrzehnte. Es ist ein sehr bewegender Fall. Nicht zu übertreffen in seiner Ungeheuerlichkeit, so mein Eindruck. Dabei lässt die Autorin vor allem Fakten sprechen und schmückt wenig aus. Das Urteil fällt schließlich das Gericht!
Gezeigt wird also auch, wie das Justizsystem funktioniert. Und wie ein Mann, der vor Gericht seine Unschuld beteuert und den ansonsten nichts berührt, für einen Mord ohne direkten Beweis verurteilt werden kann. Ein Motiv und die Möglichkeit könnten ausreichen.

Rezension von Heike Rau

Pascale Robert-Diard
Verrat – Das dunkle Geheimnis der Familie Agnelet
Aus dem Französischen von Ina Kronenberger
160 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag
ISBN-10: 3552058575
ISBN-13: 978-3552058576
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George Pelecanos: Hard Revolution

George Pelecanos: Hard Revolution

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Beinahe möchte man diesen Roman schon als historischen Roman einordnen. Dabei liegt die Zeit der Handlung, 1959 und 1968, gar nicht so lange zurück. Dennoch nimmt er historische Ereignisse auf, beleuchtet sie auf interessante Weise aus verschiedenen Blickwinkeln. Thema ist der Rassismus gegen die farbige Bevölkerung in den USA.

Während der ersten Handlungszeit 1959 werden mehrere Figuren vorgestellt, als sie noch Kinder waren. Es bilden sich Freundschaften, es gibt erste Rangeleien. Die Freundschaften verlaufen über Familien unterschiedlichster Herkunft. In Washington gibt es Viertel für Farbige, für Griechen, für Juden, für Italiener. Jede Gruppe bleibt eigentlich unter sich, doch in der Schule mischt sich einiges und die Freundschaften erstrecken sich über diese Gruppen hinweg.

Zehn Jahre später sind aus den Kindern junge Erwachsene geworden. Einige von ihnen haben einen „vernünftigen“ Job, andere einen Aushilfsjob nur zum Geldverdienen. Einige waren bereits in Vietnam, haben dort Gehorsam und Töten gelernt, andere sind aus Vietnam nicht zurückgekehrt. 1968 ist ein Jahr der großen Unruhen in den USA. Die Afroamerikaner jubeln dem Menschenrechtler Dr. Martin Luther King zu. So wie im ganzen Land toben die immensen Unruhen in Washington.

Pelecanos beschreibt den brodelnden Kessel in all seinen Details und hauptsächlich über die Figuren und ihre Beziehung zueinander. Dreck, Schmutz, Freundschaft, Ehre und Gangs spürt der Leser unmittelbar. Drogen und vor allem Musik des Labels Motown liegen stets in der Luft. Mit sehr vielen alltäglichen Ereignissen, wie die Musiktitel, die Sänger, aber auch Fernsehserien, versucht der Autor den Leser mit Erinnerungsstücken in die damalige Zeit zu versetzen. Viele Stränge sorgen für Spannung, stets ist man gefordert, um zu erfahren, welche Gang, welche Leute gerade etwas aushecken wollen.

Besonders Interesse gewann ich an dem Verhältnis der beiden Polizisten Derek Strange (farbig) und Troy Peters (weiß). Über alle Seiten des zweiten Teils hinweg Ihre Annäherung zu lesen, macht allein schon den Roman lesenswert.

Gar nicht gefallen hat mir im Gegenteil im ersten Teil des Romans die Anzahl der eingeführten Figuren, die alle mit Namen und einer Biographie versehen wurden, selbst kleinste Nebenfiguren. Im zweiten Teil ist dann die Fluktuation geringer und man weiß, wer zu wem gehört, um wen es sich handelt und in welchem Stang jeder mitspielt. Heutige TV-Serien und Nachrichten aus den USA zeigen leider immer noch, dass es in der amerikanischen Gesellschaft kaum einen Unterschied zu der damaligen gibt.

George Pelecanos
Hard Revolution
Aus dem Amerikanischen von Gottfried Röckelein
Ars Vivendi Verlag, Cadolzburg
ISBN 9783869137667

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017
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Patrick Deville: Pest & Cholera

Patrick Deville: Pest & Cholera

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Im Buch wird die Lebensgeschichte Alexandre Yersins nachgezeichnet. Ein Roman soll es sein, so steht es unter dem Buchtitel, aber ich verstehe das Buch eher als Biographie, da keine Geschichte erzählt wird. Die Lebensdaten werden aneinandergereiht und mit unzähligen historischen Fakten ausgefüllt. Über Yersin als Mensch erfährt man nicht viel. Was wirklich in ihm vorging und was er dachte, bleibt dunkel.

Wer war dieser Alexandre Yersin? Er war wohl in erster Linie ein Forscher. Er war nach seinen Studienjahren ein angesehener Mitarbeiter Louis Pasteurs. Seine unstillbare Neugier trieb ihn voran und in die Welt hinaus. So war Alexandre Yersin auch Arzt, Seefahrer, Geograf und Landwirt. Ein wissenschaftliches Abenteuer löst das nächste ab. Ruhe und Untätigkeit konnte er nicht aushalten. Zu schnell war er gelangweilt. So war er bis an sein Lebensende immer am Lernen, Beobachten und Forschen. Viele Erkenntnisse hat er als Autodidakt gewonnen. Berühmtheit erlangte er durch die Identifizierung des Pestbazillus, Yersinia pestis, als Ursache für die Pest. Später arbeitete er mit an der Entwicklung eines Impfstoffes.

Alexandre Yersin wird im Buch als außergewöhnliche Persönlichkeit beschrieben. Er hat nicht nur den medizinischen Fortschritt vorangetrieben. Seine Forschungsreisen, Expeditionen und Experimente sind spannend. So geht es hin und her im Buch. Der Autor springt von einer Zeit in die nächste und wieder zurück. Er zeigt auf, was wir Yersin in unserer Gegenwart zu verdanken haben.

Unglaublich viele Informationen sind oftmals in nur einem Satz verpackt. An diesen doch etwas schwierigen Schreibstil muss man sich gewöhnen. Das Buch fordert sehr viel Aufmerksamkeit ein. Aber es lohnt sich, es zu lesen und den Ausflug in die Geschichte und das Leben von Alexandre Yersin zu unternehmen.

Rezension von Heike Rau

Patrick Deville
Pest & Cholera
Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller
240 Seiten, broschiert
Unionsverlag
ISBN-10: 3293207758
ISBN-13: 978-3293207752
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Eva Muszynski: Wo ist die Maus?

Eva Muszynski: Wo ist die Maus?

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Der Elefant sitzt auf der Wiese und wartet auf die Maus. Er wartet und wartet und wartet. Doch Mathilda lässt sich nicht blicken. Also fragt Erwin den Fuchs, ob er Mathilda gesehen hat. Doch da unten, wo Fred hinschaut, ist sie nicht. Als nächstes fragt der Elefant die Giraffe. Gabi hat aus ihrer Höhe einen schönen Rundumblick. Doch auch da oben ist Mathilda nicht. Der Elefant ist geduldig. Aber Mathilda scheint nicht mehr zu kommen, was er sehr schade findet. Er steht auf und geht. Auf der nächsten Seite wird ersichtlich, wo die Maus steckt.

Zunächst fällt natürlich auf, dass es sich bei dem Buch um ein Öko-Pappbuch aus Recyclingpapier handelt, das mit Ökofarben bedruckt ist. Das ist eine gute Sache, auch wenn das Buch recht dunkel wirkt und die Farben nicht strahlen. Dass können Eltern zum Anlass nehmen, schon mit kleinen Kindern, soweit sie es verstehen, über Umweltschutz zu sprechen.
Das Buch hat schöne dicke Pappseiten, die gut für Kinderhände geeignet sind. Gedacht ist das Buch für Kinder von 2 bis 4 Jahren.

Erzählt wird eine spannende Episode aus dem Leben von Elefant Erwin und Maus Mathilda. Für Kinder ist es ein spannendes Buch mit einer gelungenen Überraschung am Ende.
Eine lange Beschäftigung mit dem Buch ist möglich. Die Kinder lernen verschiedene Tiere kennen. Und bald werden sie sich sicher auch die Namen gemerkt haben. Interessant ist es, festzustellen, dass Fuchs und Giraffe unterschiedliche Blickwinkel haben. Daraus entstehen natürlich einige Fragen, wo die Maus denn tatsächlich sein könnte.
Es ist erstaunlich, wie geduldig Erwin ist, auch wenn seine Beharrlichkeit im Moment nicht belohnt wird.
Die Bilder sind einfach gehalten und nicht mit Details überfrachtet. Kinder können sich so gut auf das Wesentliche konzentrieren. Die Tiere sind sehr schön gezeichnet und ihre Mimik aussagekräftig.
Das Pappbilderbuch sorgt also für viel Gesprächsstoff zwischen Vorleser und Kind.

Rezension von Heike Rau

Eva Muszynski
Wo ist die Maus?
Vierfarbiges Öko-Pappbilderbuch mit Ökofarben
2 – 4 Jahre
Beltz & Gelberg
ISBN-10: 3407823037
ISBN-13: 978-3407823038
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Kristina Ohlsson: Bruderlüge

Kristina Ohlsson: Bruderlüge

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Dieser Roman ist ein zweiter Teil zu dem vor wenigen Monaten erschienenen Teil „Schwesterherz“. Aber keine Bange! Gute Nachricht für so manchen Leser: Man muss nicht zwangsläufig den ersten Teil gelesen haben. Alle zum Verständnis notwendigen Informationen gibt es in komprimierter Form auch in diesem Thriller.

Die Struktur für die Übersichtlichkeit des Lesens entspricht der von „Schwesterherz“. Zu Beginn jedes Kapitels gibt es ein Interview des Protagonisten Martin Benner mit einer Journalistin. Hiermit wird kurz, aber präzis die Spannung für das folgende Kapitel aufgebaut. Ein Stil, den ich bereits in meiner Besprechung zum Vorgänger positiv hervorhob.

Ähnlich wie in anderen Serien (Roman und oder TV) wird der erste Teil zwar mit einer Auflösung abgeschlossen. Doch es gibt da noch einen winzigen Punkt, vielleicht ist er auch nur nebensächlich, der nicht aufgelöst wurde. Diese „winzige Nebensächlichkeit“ ist der Ausgangspunkt für „Bruderlüge“. Somit beginnt eine weitere Jagd. Den Auftrag dazu hat Martin Benner vom großen Unbekannten mit dem Spitznamen Lucifer. Zum Teufel aber auch, dass Martins Freundin Lucy heißt. Martin ist sich sicher: Den Auftrag Lucifer’s kann er nur lösen, wenn er weiß, wer Lucifer ist. Ihm rennt aber offenbar die Zeit davon, während ein Unterstützer von ihm nach dem anderen umgebracht wird und er selbst immer wieder als Tatverdächtiger in den Fokus der Polizei gerät.

Kristina Ohlsson hat auch in diesem zweiten Teil von Martin Benner auf Spannung gesetzt. Immer wieder zwingt sie den Leser zu einer gedanklichen Kehrtwende. Immer wieder scheinen die Spuren ins Nirgendwo zu führen. Das macht riesigen Spaß beim Lesen. Wer den ersten Roman nicht kennt, muss nicht unbedingt davor zurückschrecken, mit dem zweiten zu beginnen. Wer aber die Gelegenheit hat, beide Romane in der richtigen Reihenfolge nacheinander zu lesen, sollte auf dieses spannende Lesevergnügen nicht verzichten.

Kristina Ohlsson
Bruderlüge
Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
Limes Verlag, München
ISBN 9783809026679

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017
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Eva Gesine Baur: Einsame Klasse – Das Leben der Marlene Dietrich

Eva Gesine Baur: Einsame Klasse – Das Leben der Marlene Dietrich

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Die opulente Biographie über den Weltstar Marlene Dietrich umspannt fast das gesamte 20.Jahrhundert.

1901 in Berlin geboren starb sie nach einem langen nicht immer glücklichen und doch erfüllten Leben 1991 in Paris.

Beginnend mit einer unruhigen Kindheit, in der schon früh ihr Talent und ihr eiserner Wille zutage trat, spannt sich der Bogen des Schicksals von Marlene Dietrich über die Jahre als Schauspielerin, Sängerin und Bühnentalent.

Die Autorin Gesine Baur begibt sich ganz in die Tiefen des Lebens, um auszuloten, wo die Stärken, die Größe oder die Niederlagen von M.Dietrich zu finden sind.

Sie zeichnet das Bild einer exzentrischen, von ihren eigenen Gefühlen häufig überforderten Frau, die mit ungeheurer Selbstdisziplin und Strenge ihr Leben meistert. Sie ist schlagfertig, hat Humor und geht häufig durch seelische Tiefen.

Unvergessene Filme und Lieder machten Marlene unsterblich.

Unabhängig von ihrer Karriere umfasst die Biographie das unruhige politische Zeitalter der zwei Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts und der rauschhaften Nachkriegszeiten.

Ende der zwanziger Jahre führte sie ihr Weg nach Hollywood. Dort fanden sich kurze Zeit später die Exilanten ein, die dem Naziregime entkommen konnten. Bekannte Schriftsteller, Musiker und Schauspieler sind darunter. Man kennt sie aus vielen Erzählungen, Berichten und Romanen.

Marlene eilt von Erfolg zu Erfolg. Ihre Einnahmen sind immens und ihre Ausgaben auch! Sie unterstützt viele ihrer Freunde, natürlich ihren Mann und seine Geliebte, ihre Tochter Maria, Mutter und Schwester.

Ihr Leben ist kräftezehrend. Gesine Baur kann durchaus vermitteln, wie großartig und elegant sie war, und wie entzückt die Menschen von ihrer Ausstrahlung waren. Marlene faszinierte durch ihr Kühle, ihren Glamour, ihre Tatkraft und Schönheit. Sie war klar, direkt und ehrlich in ihren Aussagen, wozu auch die frühe Abneigung gegen das Naziregime gehörte.

Als sie älter wurde, klagte sie über Einsamkeit und gierte nach Bewunderung, denn Selbstzweifel quälten sie ihr Leben lang. Liebesaffären gab es zuhauf, Schmerz über Trennungen schließlich auch.

Je älter sie wurde, umso verbissener bastelte sie an ihrem Ruhm und ihrer Karriere. Eine stete Überforderung macht ihr in späteren Jahren körperlich und seelisch zu schaffen.

Die Vielzahl der Verehrer, Liebhaber und Bewunderer sind  am Ende nicht mehr zu fassen. Zahlreiche berühmte Namen tauchen auf. Im Krieg konnte sie die alliierten Soldaten ermuntern, und jeder, der von ihr sprach, bewunderte ihre Detailbesessenheit, mit der sie ihre Bühnenshows akkurat plante. Je älter sie wurde, desto härter arbeitete sie an ihrem Image und überwand schier unüberwindlich Schwierigkeiten.

Selbst die Jahre des Vergessens weiß die Diva zu inszenieren; ein passenderes Ende als „mittellose Diva in Einsamkeit“ hätte nicht erfunden werden können. Und doch schwärmten zu allen Zeiten ihre Gönner und Bewunderer bis in ihr hohes Alter von ihrem Charme. Zuletzt allerdings wurde sie wohl sehr, sehr unberechenbar und launisch.

G.Baur geht minutiös dem Leben dieses Ausnahmetalents nach, so dass man sich überhaupt nicht langweilt. Im Anhang sind Ergänzungen zu den einzelnen Kapiteln aufgeführt.

Eine ehrenwerte hommage an Marlene Dietrich ist Gesine Baur mit diesem Werk gelungen. Sie ist eine anerkannte Kulturhistorikerin.

Eva Gesine Baur
Einsame Klasse – Das Leben der Marlene Dietrich
576 Seiten, gebunden
C.H.Beck, Mai 2017
ISBN-10: 3406705693
ISBN-13: 978-3406705694
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Andrea Boscagli: Semplice! – Meine einfache italienische Küche

Andrea Boscagli: Semplice! – Meine einfache italienische Küche

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Andrea Boscaglis Vini e Panini ist bekannt in München. Hier kann man gut essen und einige typisch italienische Lebensmittel, wie selbst gemachte Nudeln oder Soßen, kaufen. Angefangen hat er mit seiner Geschäftsidee in den Achtzigerjahren. Gewohnte Zutaten zum Kochen haben ihm gefehlt. Also hat er das gutes Olivenöl und anderes aus Italien mitgebracht. Und weil auch die Freunde mitversorgt werden wollten, musste ein Lieferwagen angeschafft werden. Darauf folgte ein kleiner Laden. Hier wurden schließlich erste Gerichte gekocht. Nach einiger Zeit konnte vergrößert wurde. Es ist eine schöne Erfolgsgeschichte, die sich hier nach und nach entwickelt hat.

Wenn die Seiten mit den Rezepten beginnen, kennt man den Koch und seine Geschichte also ein bisschen. Das macht neugierig, auf das, was nun kommt. Es gilt, selbst gemachten Nudelteig zu kneten und daraus Lasagneblätter, Tagliatelle, oder Ravioli zu machen. Eigentlich wird nun nur noch eine Soße gebraucht. Das kann eine Butter-Salbei-Emulsion oder eine klassische Tomatensoße sein. Diese leckeren Soßen passen nicht nur zu Nudeln. Wer einfache Gerichte aus guten Zutaten mag, findet im Buch viele davon. Meist ist es ja nur die Idee, die fehlt, wenn es um die Frage geht, was es alltäglich zum Essen geben soll.

Im Buch sind leckere Vorspeisen, Suppen, Pastagerichte, Risotti, Gnocchi, Gemüse-, Fisch, Fleischgerichte, Desserts und mehr. Meine Favoriten sind, Brotsalat, gefüllte Zucchini, toskanische Gemüsesuppe mit Bohnen, Lasagne mit Ricotta und Spinat, Risotto nach Bäuerinnenart und halbgefrorene Crema Catalana mit Obst.

Es ist ein Buch, das Sympathie für Koch und Gerichte weckt. Es wird nicht einfach nur im Regal stehen, wie so viele Kochbücher, sondern benutzt werden. Einfach deshalb, weil die Rezepte funktionieren. Diese einfache und echte Art zu kochen, spiegelt sich auch in den Fotos wieder, die authentisch wirken. So ist dieses Kochbuch jedem zu empfehlen, der die italienische Küche mag oder kennenlernen möchte.

Rezension von Heike Rau

Andrea Boscagli
mit Mercedes Lauenstein
Semplice! – Meine einfache italienische Küche
Fotos: Juri Gottschall
224 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann
ISBN-10: 395614208X
ISBN-13: 978-3956142086
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Alice Adams: Als wir unbesiegbar waren

Alice Adams: Als wir unbesiegbar waren

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In Alice Adams Roman geht es um vier junge Leute, die am Beginn ihres Erwachsenenlebens stehen. Sie sind Studenten und lieben das Leben. Am Ende des Studiums peilt Eva eine Karriere als Finanzexpertin an, und Benedict widmet sich der Wissenschaft. Lucien ist ein wenig aus der Art geschlagen und träumt von einem freien Leben. Er verdingt sich als DJ und hat es gerne wild und ungebärdig. Seine Schwester Sylvie scheint ebenfalls aus der Spur zu laufen, denn ihre Karriere als Künstlerin macht keine rechten Fortschritte. Die vier Freunde leben, feiern, freuen sich und sind voller Zukunftspläne. Eva liebt Lucien, in dessen wildem Leben sie aber keinen Platz hat. Benedikt ist schüchtern und still in Eva verliebt. Er kann sich nicht mitteilen, so dass seine Liebe scheinbar unerwidert bleibt.

Im Sommer 1995 sind sie in Bristol zusammen. Der 9/11 in New York ist noch nicht in Sicht.

Ihr Sinn ist auf die Zukunft gerichtet. Das Leben erscheint so leicht!

Alice Adams fängt die Gespräche und Erlebnisse einer jungen Generation ein, die sich ein fröhliches, unbeschwertes und freies Leben aufbauen wollen. Erste kleine Enttäuschungen machen sich insgeheim bemerkbar. Erziehung und Herkunft aller Beteiligten bieten jedoch unterschiedliche Voraussetzung zur Bewältigung und Gestaltung des Lebens.

Die Zeiten ändern sich und bald ist man im Alltag und inzwischen auch im Jahr 2001 angekommen.

Dann schlägt es wie eine Bombe ein: Benedikt wird heiraten! Das hatte keiner von ihnen erwartet.

Über die Jahre folgen die Aufstiege und Abstiege in Beruf und Liebesbeziehungen der vier Jugendfreunde. Mit den Jahren wird klar, dass es eine Menge Hürden zu nehmen gilt, dass man vom wirtschaftlichen Auf- oder Abstieg getroffen werden kann, und dass auch Liebesbeziehungen nicht immer halten, was sie versprechen.

Man verfolgt ihr Leben über zwanzig Jahre hinweg von 1995 bis 20015.

Kurzzeitig verlieren sich die Freunde bei all ihrem Alltagsstress aus den Augen, um am Ende nach Lebenserfahrungen, existenziellen Erschütterungen und einem schwierigen Reifeprozess wieder zusammenzufinden.

Differenziert und lebensnah sind die Berichte von Alice Adams. Wie sie erste zerbröckelnde Träume erfasst und verpasste Chancen aufzeigt ist gekonnt. Warum z.B. hat es mit Eva und Benedikt nicht geklappt?

Adams beobachtet, seziert und fühlt mit und der Leser mit ihr. Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass nichts immer so läuft, wie man es sich wünscht. Das Leben bietet Reibungen und Prüfungen zuhauf, an denen Menschen reifen oder zerbrechen können.

In ihrem Debütroman scheint vieles der Realität abgeschaut, wie u.a. Hürden und Zufälle das Leben mitbestimmen. Im Bewältigen oder Versagen zeigt sich nicht zuletzt, wie einer sein Leben meistert und die Tiefschläge überwindet. Verlust von Job und Status, missglückte Ehen und sonstige Schicksalsschläge geben dem Roman die Würze, die ihn zu einem packenden Leseabenteuer macht.

Mit weitblickenden und klugen Augen zeigt uns Alice Adams, wie das Leben so spielt und was die Jugend bewegt.

Eine anrührende Liebegeschichte, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht, gibt dem Roman den richtigen Kick und lässt die Hoffnung keimen, dass Dinge sich auch einmal zum Guten wenden können. Ihr Roman bietet einen ermutigenden Ausblick auf Freundschaften, die zuweilen Familie ersetzen und dem Leben Sinn und Tiefe geben können.

Ich würde den Roman in die Kategorie: guter Schmöker einordnen.

Alice Adams lebt und arbeitet in London.

Alice Adams
Als wir unbesiegbar waren
336 Seiten, gebunden
DuMont Buchverlag, Juni 2017
ISBN-10: 3832198415
ISBN-13: 978-3832198411
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Gerd Meyer-Anaya: Mann + Frau = Problem

Gerd Meyer-Anaya: Mann + Frau = Problem

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Ein Buch über Irren und Täuschen, über Eigenheiten von Mann und Frau und Missverstehen aller Art.

Gerd Meyer-Anaya ist der Autor der vorliegenden Satiren.

Der Ansatz der Geschichten liegt auf satirischen Betrachtungen der Beziehungen zwischen Mann und Frau  und gleichgeschlechtlichen Partnern.

Das fängt bei Adam und Eva an und zeigt uns gleich einmal, dass uns die Geschichten aus fernen Zeiten gar nicht so fremd sein müssen. Alles hat sich über die Jahrtausende fortgesetzt, wenn man nur den rechten Blick darauf nimmt.

Auch Eva war schon eitel und gierig, und wollte, dass es ihr besser oder mindestens genauso gut geht wie den Nachbarn. Sie stichelt und nörgelt, um an eine bessere Höhle zu kommen. Und Adam schickt sich! Was bleibt ihm anderes übrig?

Es geht weiter so: warum heiraten, warum Bindungen scheuen oder eingehen? Und wenn ja wie? Und was wird aus den Beziehungen vom Anfang bis zu ihrem Ende?

Der Autor besitzt eine profunde Bildung, mit der er Zitate bekannter Autoren wie Lichtenberg oder Benn heranzieht, um Beziehungsstrukturen zu beleuchten. Widersprüche werden allenthalben aufgezeigt und neue Ideen fabriziert. Z.B. sollte es den „Püv“ geben —nicht etwa „Puff“, sondern ausdrücklich „ Püv“,den Partnerschaftsüberwachungsverein!

Es gibt zahlreiche Beispiele und Absurditäten dieser Art.

Altbekannte Weisheiten wie “drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob er nicht was Bessres findet“ wechseln ab mit statistischen Zahlen über eine niedrige Geburtenrate, die man durch verwaltungstechnische Maßnahmen zu erhöhen trachtet.

Ein langes Kapitel gleich zu Beginn des Werks widmet sich den Kosenamen, die der Autor tiefenpsychologisch angeht. Für Männer nennt er „Adörchen“, der aber nicht mit „Adörnchen“ verwechselt werden darf! Der Hinweis auf die intellektuelle, Soziologie studierende Freundin läge hier zu nahe. Auch sonst mögen Kosenamen zu allerlei Fehlinterpretationen führen!

Der Autor trifft mit seinen Beobachtungen den Nagel auf den Kopf. Gesellschaftskritik ist subtil mit hineingepackt in seine Geschichten.

Die Texte sind schmissig und flott geschrieben. Eine Episode oder witzige Persiflage reiht sich an die andere, so als schwappten die Gedanken geradezu über von Einfällen, mit denen sich GMA über die Zustände der Zweisamkeit zwischen Mann und Frau und Frau und Mann auslässt.

Munter geht es weiter durch die Spielwarenindustrie, die Kommunikationsmittel, tägliche Gewohnheiten und ihre Abarten. Kinder, Kochen, Sex und Spiele, Trennung und Versöhnung: Gerd Meyer-Anaya hat ein reiches Repertoire an Wissen und Fantasie, dazu einen ausgedehnten Sprachschatz, um über die Schwierigkeiten des Zusammenlebens zu referieren und seine Satiren zu bestücken.

Man muss beim Lesen die ganze Zeit schmunzeln, denn das Lachen kann einem angesichts der Aktualität seiner Analysen gelegentlich im Hals stecken bleiben.

Die Karikaturen auf dem Cover sind leider irreführend. Das Buch befindet sich auf höherem Niveau.

Für Menschen mit Hang zu Komik und Humor ist das Buch sehr zu empfehlen!

Gerd Meyer-Anaya ist psycho- paar- und sexualtherapeutisch tätig und lebt in Düsseldorf.

Gerd Meyer-Anaya
Mann + Frau = Problem
248 Seiten, broschiert
IATROS, März 2017
ISBN-10: 3869638273
ISBN-13: 978-3869638270
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Klaus -Peter Wolf: Totenstille im Watt

Klaus -Peter Wolf: Totenstille im Watt

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Ein ungewöhnlicher Krimi liegt hier von dem bekannten Autor Klaus-Peter Wolf vor.

Gleich zu Beginn befindet man sich im Leben von Dr. Bernhard Sommerfeldt.

So heißt der Mann zwar erst nach einer Verwandlung, denn zuvor war er ein unglücklicher Zeitgenosse. Ungeliebt von der Mutter und verachtet von seiner Frau hat er die väterliche Firma heruntergewirtschaftet, bis nur noch der Bankrott drohte.

Er entschließt sich zur Flucht aus seinem bisherigen Leben. Was könnte da wirkungsvoller sein als ein anderer Name und ein neuer Beruf?

Ganz schmissig und spritzig folgt man seiner zielstrebigen Verwandlung in eine andere Person mit erfundener Identität.

Es zieht unseren Helden gen Norden nach Ostfriesland. Hier findet er Ruhe, einen angesehenen Beruf als Hausarzt und die Anerkennung, die ihm so wichtig ist. Der Arzt ist beliebt bei seinen Patienten. Er kann gut zuhören, beruhigen und tut seinen Patienten in jeder Hinsicht gut. Eine liebevolle Gefährtin komplettiert sein Glück.

Bei diesem Krimi ist man sofort dabei. Es geht von Beginn an nicht um die Aufklärung eines Verbrechens. Nein, man fühlt mit dem Mann mit, der sein Schicksal aus der Trostlosigkeit der Gegenwart, zugegebenermaßen reichlich illegal, zu seinen Gunsten zu drehen vermag.

Erst ganz allmählich wird man zum Beobachter einer Entwicklung, die sehr skurrile Wege nimmt und das Bild eines schwerstpathologisch gestörten Menschen bietet.

Diese Form des Krimis ist ungewöhnlich, weil man sich zunächst ganz auf die Charaktere der Protagonisten konzentriert. Jeder ist auf seine Weise interessant, weist aber, wie im wirklichen Leben auch, Brüche auf.  Die liebebedürftige Frau, deren Vergangenheit eine wichtige Rolle zu spielen beginnt, und der anhänglich–liebevolle Mann wirken zuerst ganz normal. Dass der Arzt nur ein Scheindoktor ist, spielt erst mal keine so wichtige Rolle. Man merkt allerdings, dass hier die Geschichte suspekt zu werden beginnt.

Nun, wie in jedem guten Krimi folgen wie erwartet die Morde, die einem geheimen Plan entstammen. Psychologisch gekonnt zeigt uns Klaus-Peter Wolf die Schattenseiten des Lebens, wenn man einmal aus der Bahn geworfen wurde. In der Ichform geschrieben fühlt man zu Beginn mit dem Hauptschuldigen mit und begibt sich nur zögernd auf die Seite der Strafbehörden. Die Opfer sind teilweise sehr böse und überheblich. Den Täter aber erfüllt kalte Wut, die ihn zu grausamen Morden treibt. Irgendwie sind alle schuldig, und die Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen wird zur eigentlichen moralischen Instanz. Sie gehört zum Dezernat „Serienkiller“ und macht einen guten Job. Auch sie aber braucht geraume Zeit, um der Schweinwelt des Dr. Sommerfeldt auf die Spur zu kommen.

Ein hoch spannendes Abenteuer verspricht dieser Krimi! Das sagt eine Leserin, die sich bisher nur selten mit Krimis anfreunden konnte. Also: gutes Lesevergnügen allen Interessierten!

Klaus-Peter Wolf
Totenstille im Watt
416 Seiten, broschiert
FISCHER Taschenbuch, Juni 2017
ISBN-10: 3596297648
ISBN-13: 978-3596297641
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