Dora Heldt: Wir sind die Guten

Dora Heldt: Wir sind die Guten

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Karl Sönnigsen, man kennt ihn aus „Böse Leute“ schafft es schon kein bisschen besser, seinen Ruhestand zu genießen. Schon wittert er einen neuen Fall. Es geht um Schwarzarbeit, die sich offenbar klammheimlich immer weiter verbreitet. Da muss er doch mal genauer hinsehen. Abgelenkt wird er dann jedoch von einem Fall, der ihm zugetragen wird. Eine Frau wird vermisst. Doch da sie schwarz zur Miete in einer Kellerwohnung hauste, kann die Polizei nicht eingeschaltet werden. Das alte Ermittlerteam wird aktiviert und so folgen Helga, Onno, Inge und Charlotte mit Karl den Spuren, die ausgesprochen dünn sind.

Maren Thiele, Tochter von Onno, arbeitet bei der Polizei von Westerland. Sie hat es mit einem Toten zu tun, der von den roten Klippen gestürzt ist. Es deutet alles darauf hin, dass es ein Unfall war. Es dauert ewig, bis seine Identität geklärt werden kann. Auch wenn keiner weiß, was der Mann auf Sylt zu suchen hatte oder wie er überhaupt hergekommen ist, bleibt die These mit dem Unfall. Doch Maren hat ein komisches Gefühl. Sie weiht schließlich Karl ein, dem sie eigentlich verboten hatte, sich einzumischen. Doch zu ihrem Erstaunen zeigt er absolut kein Interesse. Er meint, es müsse tatsächlich einfach nur Unglück gewesen sein.

Das Buch ist also in zwei Erzählsträngen aufgebaut. Beide sind sehr spannend aufgebaut. Während Maren mit großer Ernsthaftigkeit ermittelt, folgen Karl und sein Team den Spuren einfach so, wie es sich ergibt, und ohne sich an die Regeln, die Polizeiarbeit eigentlich vorschreibt, zu halten. Hobbydetektive müssen das nicht. So ist auch das ein oder andere Eierlikörchen erlaubt! Beide Fälle, das ahnt man als Leser natürlich, hängen zusammen. Nur wie, ist völlig unklar. Es wird ja nicht mit offenen Karten gespielt. Erst als es von Karl nicht mehr zu vermeiden ist, mit der Wahrheit herauszurücken, geht es ordentlich vorwärts und die Hintergründe werden klar. Insgesamt ist der Krimi gut gemacht und am Ende dann auch eine wirklich runde Sache.

Rezension von Heike Rau

Dora Heldt
Wir sind die Guten
Kriminalroman
512 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423261498
ISBN-13: 978-3423261494
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Carla Berling: Mordkapelle

Carla Berling: Mordkapelle

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Im Ostwestfälischen wird die verbrannte Leiche eines Apothekers in der Kirche gefunden. Wer sich hinter der Leiche verbirgt, wird schnell anhand des Rollstuhls klar. In einer Kleinstadt ist bekannt, wer im Rollstuhl fährt. Ludwig war ein angesehener Bürger und Förderer der Stadt, überall beliebt und Feinde konnte sich keiner für ihn vorstellen. Aber es war offensichtlich, dass es sich nicht nur um einen Unfall handelte.

Ira, eine Journalistin der ortsansässigen Tageszeitung, beginnt zu ermitteln. Nicht, um den Fall aufzuklären, denn dafür liegt die Zuständigkeit bei der Kripo. Aber um fundierte Artikel für Ihren Arbeitgeber abzuliefern. Sie musste und wollte einen Schmierenschreiber von einem Online-Magazin Paroli bieten. Der veröffentlichte nur reißerische Sätze, die jeder mit einem Fragezeichen endeten, basierend auf wenigen Informationen aus einer dubiosen Quelle.

Berling hat ein unterhaltsames Ensemble an Figuren für diese Roman zusammengestellt. Neben der Protagonistin Ira gehört deren Freund Andy dazu, ihre beiden Tantchen, die statt eines Kaffees lieber ein Likörchen trinken, ihre Freundin Coco, eine Taxifahrerin, die ebenso rasant Informationen beschaffen kann wie sie Taxi fährt, ihr Chef, ein Kommissar und ein Hund. Mit etwas Dialekt der Tantchen werden die Dialoge westfälisch aufgepeppt. Das macht Spaß und lässt den Leser auf den nächsten Auftritt diese Figuren hoffen.

Das besonders Schöne an dem Roman ist der sehr vertrackte, ausgeklügelte Plot. Über weite Strecken wird der Leser auf angenehme Weise in die Irre geführt. Nur sehr schwer kann ein Faden losgelassen werden. Die Leser können denen der Figuren gut folgen, führen aber zu keinem Ergebnis. Zumindest nicht bis zum großen Showdown. Da wendet sich plötzlich alles. Wie aus dem Nichts, aber dennoch sehr plausibel, tauchen neue Figuren und Theorien auf, um die Klärung des Kriminalfall zum Abschluss zu bringen. Einfach klasse!

Spannender Krimi mit sehr vielen Fäden, die zum Ende alle gelöst werden, den ich sehr gern empfehle.

Carla Berling
Mordkapelle
Heyne Verlag, München
ISBN 9783453419964

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017
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Wallace Stroby: Geld ist nicht genug

Wallace Stroby: Geld ist nicht genug

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Krimi einmal anders oder vielleicht doch kein Krimi? Der vorliegende Roman ist ein Ganovenroman.

Er beginnt damit, dass die Protagonistin Chrissa Stone zusammen mit schweren Jungs und mit ebenso schweren Baufahrzeugen den Geldautomaten einer Bank knackt. Das ist ihr Hauptberuf. Sie raubt Geld. Doch immer darauf bedacht, es nicht „den Guten“ zu nehmen, sondern „den Bösen“. Eine moderne Robin Hood, die allerdings nicht alles an die Armen verteilt.

Parallel zum Geldraub wird der seit 25 Jahren über ein Zeugenschutzprogramm untergetauchte Benny von damaligen „Kumpels“ aufgesucht. Er gehörte den Mafiagangs von Brooklyn an und hatte beim größten Geldraub in der US-Geschichte (dem Lufthansa-Raub am 11. Dezember 1978) mitgemacht. Das Geld war damals aber nie gefunden worden. Deshalb hat sich Danny, der auch heute noch Gangsterboss ist, vorgenommen, Benny aus dessen verbrechensfreien Dornröschenschlaf zu holen, um sich mit ihm auf die Suche nach den Millionen zu machen.

Doch im Verlauf der Handlung treten sich alle gegenseitig auf die Füße und dabei geht es nicht ohne Blut ab. Action in Form von Schlägereien, Folter und Schießereien stehen an der Tagesordnung.

Vor dem Hintergrund des tatsächlichen Geldraubs an einer Lufthansa-Maschine hat Wallace Stroby einen spannenden Roman entwickelt. Dabei geht es um die Jagd nach dem Geld, bei dem sich die Gangster gegenseitig verfolgen. Deshalb kommt der Roman komplett ohne Polizei und Ermittler aus. Die in eigener Sache ermittelnden Ganoven einmal ausgenommen. Chrissa Stone, die ihren ersten Auftritt in dem Roman „Kalter Schuss ins Herz“ (in deutscher Übersetzung ebenfalls bei Pendragon erschienen) hatte, wird als Frau dargestellt, die mit allen Wassern gewaschen ist. Immer die richtigen Beziehungen an der Hand, schafft sie es, sich die notwendigen Informationen und Materialien zu beschaffen, um an Ihr Ziel zu gelangen. Zartbesaitet geht sie dabei nicht immer vor, obwohl sie im vorliegenden Roman gerade deshalb in Schwierigkeiten kommt, weil sie ihre Gegner zu oft verschont.

Sehr angenehm sind auch die Nachbbemerkungen, die über den Hintergrund bzw die Basis dieses True Crime Romans bilden. Sehr empfehlenswerter Roman.

Wallace Stroby
Geld ist nicht genug
Aus dem Amerikanischen von Alf Mayer.
Pendragon Verlag, Bielefeld
ISBN 9783865325778

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017
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Anne Fulda: Emmanuel Macron – Die Biographie

Anne Fulda: Emmanuel Macron – Die Biographie

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Macron, das Phänomen eines außerordentlich Begabten.

Als ferner Betrachter hat man sich gewundert und war erstaunt, wie ein junger Mann von 39 Jahren aus dem Stadt innerhalb eines Jahres zum französischen Präsidenten aufsteigen konnte. Dass er ein Phänomen sondergleichen ist, konnte man den zahlreichen Berichterstattungen in den Medien und in Videoaufnahmen entnehmen.

Anne Fulda hat eine sehr gründliche Recherche über das Leben und Werden Emmanuel Macrons verfasst.

Die Biographie liest sich spannend wie ein Roman.

Jeder weiß, dass der gut aussehende Mann mit seiner 24 Jahre älteren Frau eine Ausnahmeerscheinung ist.

Er war das älteste von drei Kindern nach einer ersten Fehlgeburt seiner Mutter. Es ist verständlich, dass die Mutter sehr an ihrem ältesten Kind hing. Früh schon zeigte sich Intelligenz und Begabung bei dem Jungen.

Ausschlaggebende für seine Entwicklung war seine zwar strenge aber mit unerschütterlicher Liebe an dem Kind hängende Großmutter mütterlicherseits. Sie war eine von ihm hoch verehrte und geliebte Bezugsperson. Wenn man es denn so auslegen will, war sie die Urgestalt für alle weiteren Bindungen in seinem Leben.

Nach glänzenden Bildungsabschlüssen verstand er beizeiten, Beziehungen aufzubauen. Seine Gabe, Menschen für sich einzunehmen, wird allenthalben hervorgehoben. So gelangte er an vorwiegend ältere einflussreiche Persönlichkeiten, die ihn schützend und stützend begleiteten. Von vielen seiner Mentoren wird sein Charme, seine Freundlichkeit und sein Interesse am Gegenüber immer wieder gewürdigt.

Seine durchaus auch vorhandene Distanz ist gekoppelt an die bemerkenswerte Intensität, mit der er sich mit Menschen abgab. Es wird gesagt, dass sich ein Gegenüber „als der einzig wichtige Mensch“ im Moment des Gesprächs fühlt.

Anne Fulda berichtet über seine Ausdauer und sein Durhaltevermögen beim Anpeilen seiner Ziele. In dieser Form ist das wohl einmalig. Auch sein perfektes Klavierspiel zeugt von seiner außergewöhnlichen Begabung.

Eine besondere Rolle spiele die Bindung an seine Frau Brigitte. Sie sei ihm Ratgeberin,  Stütze,  Geliebte, Mutter und Großmutter in Einem. Darüber spricht er selber immer wieder sehr offen. Er hat lange Jahre des Kampfes hinter sich, bis er sich in dieser Beziehung auch nach außen behaupten konnte.

Die Biographie ist profunde, detailreich und spart nichts aus.

Alles in allem kann man sagen, dass Anne Fulda sowohl privat als auch beruflich den Weg Macrons intensiv erforscht hat. Dazu gehören Einschübe darüber, dass er seinen Förderern nicht immer treu blieb, sondern sein Werdegang immer im Zentrum seiner Bemühungen stand. Man darf gespannt sein, wie dieser Hoffnungsträger die französische Gesellschaft verändern und der Nation zu neuem Selbstbewusstsein verhelfen wird.

Anne Fulda
Emmanuel Macron: Die Biographie
224 Seiten, gebunden
Aufbau Verlag, Juni 2017
ISBN-10: 3351036981
ISBN-13: 978-3351036980
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Bruno P. Kremer: 88 verblüffende Pflanzen – Die erstaunlichen Kniffe unserer Blumen und Pflanzen

Bruno P. Kremer: 88 verblüffende Pflanzen – Die erstaunlichen Kniffe unserer Blumen und Pflanzen

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Der Autor stellt in seinem Buch Pflanzen vor, die zum Teil sehr bekannt sind. Man sieht sie beim Spaziergang, beim Wandern, auf dem Weg zur Arbeit oder bei einem Blick über den Gartenzaun. Sie sind auffällig oder unscheinbar. Und doch haben alle ihre Geheimnisse. Bruno P. Kremer hat die nötigen Kenntnisse und den Blick dafür. Den Anfang macht die kleine Blütenpflanze Augentrost. Sie ist hübsch anzusehen und bisher habe ich sie für harmlos gehalten. Doch nun weiß ich, dass sie zu Untergrundaktivitäten neigt. Ein Buch über Pflanzen, wer hätte das gedacht, kann wie ein Krimi sein.

Das Buch ist in verschiedene Kapitel untergliedert. Der Autor schaut auf Wurzeln, Stängel, Blätter, Blüten, Früchte und Samen und streicht hier die Besonderheiten heraus. Bei den Wurzeln fällt der Blick beispielsweise auf Sommerwurz und Weizen, bei den Stängeln auf Birke und Hopfen, bei den Blättern auf Brennnessel und Efeu, bei den Blüten auf Aronstab und Berberitze und bei den Früchten und Samen auf Klette und Rosskastanie. Über manche Pflanzen gibt es so viel zu erzählen, dass sie in mehreren Rubriken auftauchen.

Es gibt also viel Spannendes zu erfahren. Dabei schreibt der Autor sehr unterhaltsam. Dieser bildhafte und witzige Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. So kann man sein Wissen mit viel Spaß erweitern. Und jeder, der das Buch liest, wird sich beim nächsten Spaziergang sehr aufmerksam umsehen. Wer Probleme hat, einzelne Pflanzen zu identifizieren, kann sich an den vielen guten Fotos orientieren. Es ist ohnehin keine schlechte Idee, das Buch mitzunehmen, wenn man auf Entdeckungstour geht. Was mir außerdem gut gefallen hat, sind die Vorschläge zu verschiedenen Experimenten und gezielten Beobachtungen. So wird der nächste Spaziergang, vielleicht auch mit den Kindern, zum spannenden und lehrreichen Naturerlebnis.

Rezension von Heike Rau

Bruno P. Kremer
88 verblüffende Pflanzen – Die erstaunlichen Kniffe unserer Blumen und Pflanzen
192 Seiten, gebunden
Verlag Eugen Ulmer
ISBN-10: 3800108992
ISBN-13: 978-3800108992
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Rebecca Gablé: Die fremde Königin

Rebecca Gablé: Die fremde Königin

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Dieser Roman ist der Folgetitel von „Das Haupt der Welt“, der im Mittelalter Deutschlands spielt und nichts mit den Waringham-Romanen zu tun hat. Die Autorin beweist wieder einmal ihren Einfallsreichtum bei der Ausschmückung der historischen Fakten mit einer fiktiven, sehr unterhaltsamen Handlung.

Es geht um König Otto im 10. Jahrhundert. Insofern schließt der Roman an seinem Vorgänger an. Die italienische Königin Adelheid, die nach dem Tod ihres Mannes zusammen mit ihrer Tochter festgesetzt worden war, um die Herrschaft über ihr Reich zu ergaunern, wird von einem Mann König Ottos befreit. Der zuverlässige Panzerreiter Gaidemar wurde von Ottos Sohn Wilhelm für diese Aufgabe vorgeschlagen. Das ist Otto recht, denn sollte der Plan schief gehen, dann verliert er nur einen unbedeutenden Neffen. Sollte die Befreiung aber glücken, dann kann er seine eigenen Pläne umsetzen und durch die Hochzeit mit Adelheid die Macht über das Königreich Italien erlangen. Dieser Plan geht dank Gaidemar auf. Da er aber ein ungeliebter Bastard ist, wird ihm seitens Otto kein großes Lob zuteil. Doch es wächst eine Freundschaft zwischen Adelheid und Gaidemar als auch zwischen ihm und Wilhelm heran.

Mit viel Detailtreue versieht Gablé die einzelnen Szenen in der über mehrere Jahre laufenden Handlung. Ihre bildreiche Sprache, die passenden Vergleiche und Metaphern lassen ein tiefes Eintauchen in die Zeit am Hofe König Ottos zu. Besonders hervorheben möchte ich das Kapitel mit der Schlacht gegen die Ungarn im Lechfeld. Dies wird von ihr Freud und Leid ganz nah aneinander erzählt und seitenlang überzog eine Gänsehaut meine Arme.

Dieser Roman erhält die volle Punktzahl und sollte spätestens zu Weihnachten in jedem Bücherregal stehen. Schließlich bietet er deutsche Historie mit einer spannenden Story.

Rebecca Gablé
Die fremde Königin
Bastei Lübbe, Köln
ISBN 9783431039771

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017
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DaWanda: Lieblingsstücke für Kinder

DaWanda: Lieblingsstücke für Kinder

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Für Kinder zu nähen, macht sehr viel Spaß! Wer hier ein bisschen Erfahrung hat, ist immer auf der Suche nach neuen kreativen Ideen, nach Inspiration und natürlich auch nach gut gemachten Anleitungen, die sich ohne große Schwierigkeiten umsetzen lassen.
Im Buch werden einige DaWanda-Designerinnen vorgestellt, die durch ihre Projekte auffallen. Sie zeigen ihre schönsten Ideen und erklären genau, was man braucht und wie vorzugehen ist, um ein Vorhaben verwirklichen zu können. Es geht hier um Spielzeug, Kleidung und Alltagshelfer. Insgesamt gibt es zwanzig einzigartige Nähprojekte, in die natürlich auch immer eigene Vorstellungen mit einfließen können.

Sehr gut gefällt die Spielzeugtasche, die rundherum geöffnet, auch gleich als Spielmatte zu benutzen ist. Zum Kuscheln und Schlafen kann das Meister-Langohr-Kissen verwendet werden. Nie genug haben kann man von den Lätzchen, die hier ganz schick mit Fliege für kleine Jungs gestaltet worden sind.
Eine bequeme Latzhose, eine praktische Schürze, eine bunte Wimpelkette und ein hübsches Bett-Utensilo sind weitere Projekte. Aber nicht immer muss die Nähmaschine herausgeholt werden. Der Stoff für den neuen Lampenschirm im Kinderzimmer wird geklebt.

Zunächst ist in übersichtlichen Listen zu erfahren, welchen Materialien und Werkzeuge benötigt werden. Die Projekte werden dann in Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Fotos beschrieben, denen gut zu folgen ist. Das erleichtert die Arbeit natürlich sehr. Auch der Schnittmusterbogen in Originalgröße ist von Vorteil. Vom Schwierigkeitsgrad her sind die Projekte unterschiedlich. Sie sind teilweise für Anfänger geeignet, manchmal aber auch etwas schwieriger und vom Zeitaufwand größer. Die Auswahl ist gelungen! Und natürlich ist das Buch auch eine gute Werbung für die Designerinnen und DaWanda.

Rezension von Heike Rau

DaWanda
Lieblingsstücke für Kinder
112 Seiten, gebunden
mit Schnittmusterbogen
Landwirtschaftserlag Münster
ISBN-10: 3784354890
ISBN-13: 978-3784354897
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Graham Swift: Ein Festtag

Graham Swift: Ein Festtag

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Wie wir leben und Höhepunkte des Lebens feiern.

An einem schönen Maitag im Jahr 1924 bestellt Paul seine Geliebte, das Dienstmädchen einer befreundeten Familie, in sein Elternhaus. Die beiden verleben einen lustvollen Morgen, während die gut situierte Familie von Paul einer Einladung zum Muttertag gefolgt ist. Paul und Jane genießen die Zweisamkeit einer stillen Stunde. Dann muss Paul fort, denn er wird in 14 Tagen heiraten. Er hat sich mit der Braut zum Mittagessen verabredet.

Jane darf sich noch eine Weile in dem Herrenhaus vergnügen.

Graham Swift lässt sie beschaulich durch das Haus schlendern, wo sie besonders an der Bibliothek hängen bleibt. Denn Jane liest für ihr Leben gerne!

Graham Swift benutzt knappe Sätze, mit denen er die Szenen der sexuellen Vereinigung beschreibt. Sie sind eingebettet in ganz eigene Betrachtungen über das Leben und das Sein.

Der Handlungsstrang ist kurz und übersichtlich. Jane lässt ihrer Fantasie freien Lauf und versucht sich das Treffen von Paul und seiner Braut vorzustellen. Der erste Teil der Erzählung ist ganz auf die sinnliche Begegnung der beiden Hauptprotagonisten ausgerichtet. Die Atmosphäre wirkt lebensnah und wird nahezu perfekt eingefangen. Die Schilderung von Herrschaft und Personal in den zwanziger Jahren in England ist eingebettet in die Begegnung von Paul und Jane.

Man ahnt, wie Familien sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs fühlen, in dem zwei Söhne einer der befreundeten Ehepaare ihr Leben verloren. Die Nachkriegsschmerzen sind nicht überwunden.

Das akute Geschehen ist in zwei kurze Tage gepresst. Es ist der Muttertag im Mai, an dem Personal und Arbeitgeber sich zu Ausflügen aufgemacht haben. Die linde Luft und das sommerliche Klima finden sich in poetischen Aussagen wieder. Sätze wie diese: „Primeln schossen aus dem Boden, Kaninchen hoppelten über das Feld“ (S.125) versinnbildlichen in wenigen Worten, wie der Tag sich zeigt.

Mit steter Steigerung beginnt eine subversive Geschichte, deren tragische Auswirkungen alle Beteiligten schwer trifft.

Erst im letzten Drittel des schmalen Bändchens wird Jane als anerkannte Dichterin gefeiert.

Mit klarer Sprache und flüchtigen Beschreibungen präsentiert uns G. Swift die andere Jane, die mit einem klugen Mann verheiratet war.

Allmählich verwischt die Struktur, und es erscheinen Erzählstränge, von denen man nicht weiß, sind sie schon Ausdruck von Janes schriftstellerischer Arbeit oder betreffen sie ihre Biographie. Über der ganzen Erzählung hängt ein Schatten von Melancholie und eine Stimmung des Abschieds. Einzig Jane übersteht alle Unbilden und entwickelt sich zu einer außerordentlichen Persönlichkeit voller Witz und Humor. Von J. Conrads Romanen ist sie hingerissen. Er mag ihr Vorbild für ihre Wandlung zu Schriftstellerin sein.

Graham Swift weiß seine Geschichte hinreißend und stringent zu erzählen. Wenngleich nur 140 Seiten lang ist die Erzählung voller intensiver Gedankenspiele und tief schürfender Eindrücke, so dass man bis zur letzten Seite gebannt bleibt. Es gilt „der Tatsache treu zu sein, dass viele Dinge im Leben nie erklärt werden können.“

Eine rare und lesenswerte Lektüre erwartet den anspruchsvollen Leser.

Graham Swift
Ein Festtag
144 Seiten, gebunden
dtv Verlagsgesellschaft, Mai 2017)
ISBN-10: 3423281103
ISBN-13: 978-3423281102
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Pauliina Susi: Das Fenster

Pauliina Susi: Das Fenster

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Leia Laine ist jung und ambitioniert. Wenn alles klappt, wird sie bald eine Beratungsstelle für sexsüchtige Männer leiten. An die Öffentlichkeit kommt dieses Vorhaben im Zuge eines Talkshowauftrittes, der zwar gar nicht mal schlecht verläuft, aber für Meinungsmache sorgt. Die Kommentare sind wenig objektiv, sondern vielmehr völlig verständnislos bis hasserfüllt. Dieser Hass dringt bis in Leias Privatleben vor. Zunächst per SMS. Leia ist froh, dass ihre Tochter nicht zu Hause ist, sondern an einer Klassenfahrt teilnimmt. So ist sie zunächst aus der Schusslinie, könnte man meinen.

Land-0 sitzt den ganzen Tag vor den Computer-Bildschirm. Er ist ein Hacker, der alles, was nichts mit seinem Job zu tun hat, gründlich vernachlässigt. Ein neuer Auftrag verspricht einen guten Verdienst. Er soll ein Video auftreiben, bevor es im Internet hochgeladen wird. Es ist ein brisantes Filmchen. Hauptdarsteller ist der neue Justizminister in einer peinlichen Situation. Land-0 folgt einer Spur zu Leia Laine. Vielleicht soll das Video ja dazu benutzt werden, den Justizminister zu bewegen, ihr berufliches Projekt zu befürworten. Also beginnt er virtuell zu wühlen und ihr Privatleben auseinandernehmen.

Es ist ein wirklich spannendes Thema, das diesem Thriller zugrunde liegt. Aber ich bin leider anfangs nicht gut mitgekommen. Die Autorin packt viel zu viel aufs Papier. Sie bleibt nicht bei der Sache und schweift immer wieder ab. Das Lesen macht also Mühe. Dennoch wollte ich natürlich wissen, wie der brisante Fall weitergeht und ausgeht, der zwischendurch sehr spannend ist. Mit der Zeit, wenn die Hintergründe langsam klar werden, liest sich das Buch besser. Die Fähigkeiten, die dieser Hacker hat, sind kaum zu glauben. Die Unvorsichtigkeit der Menschen, die er ausspioniert, aber auch nicht. (Wie soll man auch drauf kommen, dass das brennende Licht am Laptop signalisiert, dass die Kamera an ist??). Naja, vielleicht animiert der Krimi die Leser, etwas vorsichtiger zu sein. Das Ende ist das Beste am Buch. Die Autorin treibt die Handlung endlich voran und kommt zu einer schlüssigen Auflösung.

Rezension von Heike Rau

Pauliina Susi
Das Fenster
Thriller
Aus dem Finnischen von Stefan Moster
528 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423261447
ISBN-13: 978-3423261449
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Jonathan Evison: Eine fast perfekte Ehefrau

Jonathan Evison: Eine fast perfekte Ehefrau

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Harriet ist 78, als sie sich auf eine Kreuzfahrt nach Alaska begibt. Ihr Ehemann Bernhard ist tot, und ihre Freundin Mildred hat leider abgesagt. So begibt sie sich mit Hilfe ihrer Tochter auf das riesige Schiff, das ihr zunächst Angst macht.

Ein unbekannter Erzähler beginnt, sie mit einzelnen Stationen ihres Lebens zu konfrontieren.

Eigentlich war es ein gutes Leben. Leider kommen nach und nach Details ans Licht, die lebenslange Lügen überdeckt hatten.

Der gute Ehemann Bernhard entpuppt sich in der Rückschau als ganz untreuer Gefährte, der sie Jahre lang mit ihrer besten Freundin betrogen hat. Er gab vor, berufliche Dinge zu erledigen und nahm sich kaum Zeit zur Pflege ihrer ehelichen Beziehung. Die Kinder, ein Sohn und eine Tochter, hat sie praktisch alleine großgezogen. Zum besseren Verständnis ihrer Lage muss man wissen, dass ihr Vater ein erfolgreicher Anwalt war, während Bernhard nur so eine Art aufgestiegener Hausmeister ist.

In zahlreichen kleinen Episoden wird Harriets ganzes Leben transparent. Der Erzähler, den man auch als eine Art innerer Instanz betrachten kann, konfrontiert sie mit Tatsachen, die sie lange verdrängt hatte. Ob es ihr eigener Kindergeburtstag mit sechs Jahren war oder der ihrer Tochter, ob Bernhard Hochzeitstage ausfallen ließ und sich unter vorgeblicher Arbeit anderweitig verlustierte, ob Sex oder Gespräch, und dass sie ihr eigenes erstrebtes Jurastudium nie vollbrachte: es war alles in Allem ziemlich dürftig, was am Ende übrig blieb!

In einer wunderbaren Szene wird an die Belastung mit dem an Alzheimer erkrankten Bernhard erinnert: Schreckliches hat sie mit ihm da erlebt! Unverhohlen beschreibt die innere Instanz ihren Hass auf diesen Mann, der nicht mehr ihr Bernhard ist, ganz abgesehen davon, dass seine geheime Liebe sich mit derlei Nöten nicht herumschlagen muss.

Mit diesem subtilen Roman, in dem eine Lebensbilanz erstellt wird, ist Jonathan Evison eine hervorragende Sozialstudie gelungen. Er kann unterhaltend und ironisch, auftrumpfend und bissig von einer alten Dame erzählen, die die letzten Jahre alleine zubringen muss. Die Fülle des Lebens findet Raum in den zahlreichen Szenen aus unterschiedlichen Lebensabschnitten.

Der Kunsttrick besteht darin, einen Erzähler als Gegenüber zu wählen, der Harriet mit all’ den Ungereimtheiten in ihrem eigenen und dem Leben ihres Mannes und ihrer Kinder konfrontiert. In jedem Leben mag es Vergangenes und Verdrängtes geben, das tief verborgen in uns allen schlummert und zuletzt ans Licht drängt. Hier findet diese Form der Unterhaltung ihre Krönung, indem der Spannungsbogen weit über die Jahre von der Kindheit bis zur Bahre ausgebreitet wird. Jeder Lebensabschnitt hat seine Glücksmomente und seine in den Tiefen der Seele versteckten traurigen und unglücklichen Momente. Die Offenheit und die Wahrheit machen ein Leben erst komplett.

Jonathan Evison wurde für seinen ersten Roman „ Alles über Lulu“ ausgezeichnet und lebt mit seiner Familie in Bainbridge Island im Bundesstaat Washington.

Jonathan Evison
Eine fast perfekte Ehefrau
288 Seiten, gebunden
Kiepenheuer&Witsch, März 2017
ISBN-10: 3462048252
ISBN-13: 978-3462048254
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