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Schlagwort: Lebensentwürfe

Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt

Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt

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Dieser Roman der Autorin Olga Grjasnowa schlägt einen sofort in Bann.

Die Hauptprotagonistin Mascha Kogan beherrscht von Beginn an die Szene. Sie ist Jüdin und gebürtig aus Baku/Aserbeidschan. Ihre Freunde gehören zu einer Gruppe von Studenten, die z.T. russische Einwanderer sind. Auch Araber und Palästinenser gehören dazu. Zuweilen weiß man nicht, wer zu welcher Nationalität gehört.

Mascha lebt mit ihrem Freund in einer herunter gekommenen Wohnung in Frankfurt/M. Sie liebt ihn sehr! Er wird krank und stirbt. Sie ist untröstlich.

Sie hat Sprachen studiert und besucht Seminare, macht schließlich eine Dolmetscherprüfung. Am Ende spricht sie fünf Sprachen und bewirbt sich bei der Uno.

Die Erzählung springt zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her. So ist man einmal noch in Studienzeiten, dann wieder auf Reisen und immer wieder in der Gegenwart.

Mascha ist viel herumgekommen und hat mit Elias lange Reisen unternommen. Einmal sind sie vier Monate durch zahlreiche Länder gereist, unabhängig und frei.

Das Milieu zeigt, wie junge Leute heute leben. Man ist weltoffen, vorurteilsfrei und neugierig auf die Welt. Das Äußere spielt keine große Rolle. Die Schönheit ist da, weil sie jung sind und ohne große Pläne leben. Bedürfnislos und frei sind sie!

Im Laufe der Jahre erlebt Mascha Menschen, Männer, Länder und Abenteuer.

In Israel, wo sie als Dolmetscherin arbeitet, lernt sie Palästinenser und Araber kennen und achten. Sie erlebt die Kontrollen, die Siedler und das Elend der Palästinenser.

Der Leser ist absolut dabei. Durch die Erzählung der Autorin bekommt man einen lebhaften Eindruck vom Umgang und Lebensform junger Menschen heute. Man ist zärtlich, freundlich, fürsorglich und ehrlich im Umgang miteinander. Zuweilen ironisch gibt es dennoch besorgte Gefühle für den einen oder anderen. Mehrheitlich herrschen Sympathie und Freundschaft. Doch auch Schweigen und Kontaktabbrüche führen zu Irritationen und Verletzbarkeiten.

Was bleibt am Ende?

Ein tiefer Einblick in das Leben junger intellektueller Menschen heute. Äußerlichkeiten zählen wenig, die Liebe, Zuneigung und Gemeinschaft dagegen viel.

Eine schöne, abgerundete und sympathische Lektüre.

Olga Grjasnowa
Der Russe ist einer, der Birken liebt
Carl Hanser Verlag
288 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3446238549
ISBN-13: 978-3446238541
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Martina Behm: Hier draußen

Martina Behm: Hier draußen

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Lara und Ingo haben sich einen Traum erfüllt, haben die Großstadt verlassen und sind mit den Kindern aufs Land gezogen. In Fehrdorf ist das Leben noch ruhig und beschaulich. Für Ingo bedeutet es aber auch, dass er pendeln muss. Und im Berufsverkehr braucht er für die Strecke doch länger als gedacht. Lara, die im Homeoffice arbeitet, ist mit den Kindern oft allein. Und mit den anderen Dorfbewohnern in Kontakt zu kommen, ist gar nicht so einfach.

Das Haus bietet viel Platz, so wie gewünscht, aber es hat Mängel, die dann doch mit der Zeit immer mehr ins Gewicht fallen. Es ist schlecht zu heizen. Dann passiert Ingo auch noch ein Unfall mit einer weißen Hirschkuh. Das gab es schon mal, ist lange her. Aber der Aberglaube, dass so etwas Unglück bringt und vielleicht sogar den Tod innerhalb eines Jahres, hält sich hartnäckig. Immerhin ist der Dorfjäger mit im Boot.

Im Buch geht es aber nicht nur um Lara, Ingo und ihre Kinder. Der Blick fällt auch auf andere Bewohner des Dorfes. Was bringt die Einheimischen dazu, zu bleiben? Und was hat die Zugezogenen dazu bewegt, aufs Land zu ziehen? Haben sie sich integrieren können? Wie auch immer, die Sache mit der weißen Hirschkuh bringt die Landidylle aus dem Gleichgewicht. Wer weiß schon, in welche Weise sich die Prophezeiung erfüllen wird.

Ich fühlte mich mittendrin beim Lesen. Die Autorin hat viel hineingepackt, beschreibt das Landleben vielschichtig durch den Wechsel der Perspektiven. Dabei schlägt sie einen eher gleichmütigen Ton an, setzt dabei aber auch ironische, traurige oder hoffnungsvolle Akzente. So vielfältig wie das Leben eben ist. Hier fließt so viel an Gedanken, Stimmungen, Empfindungen und Ansichten der Dorfbewohner ein. Einerseits ist da die Liebe zur Heimat zu spüren, andererseits zeigt sich, dass das Landleben alles andere als einfach ist. Lebensträume erfüllen sich selten und mancher Lebensentwurf wirkt festgefahren.

Es mag der Tod der Hirschkuh sein, der einen Wandel bewirkt. Der Aberglaube ist tief verwurzelt und kann Unheil für das Dorf bedeuten. Das schärft die Sinne und die Aufmerksamkeit. Vorkommnisse werden anders bewertet. Und einige fragen sich, wie es wäre, aus dem Trott auszubrechen oder mit Familientraditionen zu brechen, schließlich ist das Leben endlich. Und so bekommt die Handlung eine ganz eigene Dynamik.

Rezension von Heike Rau

Martina Behm
Hier draußen
469 Seiten, gebunden
dtv Verlagsgesellschaft, März 2025
ISBN-10: 3423284781
ISBN-13:‎ 978-3423284783
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