Emma Hamberg: Im Dorf der Biber und Bücher
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Simona, Besitzerin eines Sägewerkes, ist auch nach Jahren noch empört darüber, dass ihr Mann sie verlassen hat. Die ganze Zeit über hat sie seine Kontaktversuche zu ihrem gemeinsamen Sohn Albin sabotiert. Doch der schließt nun die Schule ab und wird langsam erwachsen.
Simonas Nachbarin, eine pensionierte Bibliothekarin, lebt zurückgezogen und einsam. Gertrud vertreibt sich die Zeit lieber mit ihrem geliebten Kastanienbaum Alice als mit anderen Menschen.
Antiquar Jean Paul, JP genannt, sitzt auf 30.000 Büchern und ist damit nach Lilla Bävan gezogen. Denn hier gibt es neben Bibern auch ein Bücherschloss ohne Bücher, das mit seinem Vater in Verbindung steht. Gertrud hat das Schloss für die Erbengemeinschaft im Blick und vermietet ihm ein Häuschen auf dem Grundstück, auf dem er zunächst auch seine Bücher aufstapeln muss.
Eigentlich könnte nun jeder für sich so weiterleben wie bisher. Doch es geschieht etwas Unglaubliches. Über Nacht verschwindet der Kastanienbaum. An seiner Stelle bleibt eine unheimlich wirkende leere Grube zurück. Gertrud ist untröstlich. Jetzt muss man sich um sie kümmern. Doch dazu müssen alle, ob sie wollen oder nicht, näher zusammenrücken.
Ich habe den Roman sehr gerne gelesen. Drei Personen kommen hier zusammen, die in ihrem Leben stecken geblieben sind bzw. in ihren alten Mustern gefangen. Sich zu öffnen und Veränderungen zuzulassen, fällt keinem von ihnen leicht.
Besonders schön fand ich, wie die Liebe zur Literatur, Gertrud und JP verbindet und sie auch Simona und ihren Sohn damit anstecken. Man kann beobachten, wie das Lesen inspiriert und neue Perspektiven eröffnet. Plötzlich gibt es Themen, über die man sich austauschen kann. Besonders Albin profitiert davon, der bisher nicht wusste, was er nach dem Schulabschluss anfangen soll.
Die Autorin schenkt jeder Figur viel Aufmerksamkeit, sodass die persönliche Entwicklung gut nachvollziehbar wird. Im Verlauf der Handlung verändern sie sich spürbar, reflektieren ihre Gedanken jeweils für sich und finden als Nachbarn zueinander. So entsteht ein einfühlsames Bild der Veränderungen. Es werden eher ruhige Töne angeschlagen, auch wenn es zwischendurch sehr emotional wird. Das Buch ist voll mit bedeutungsvollen Momenten, die mich beim Lesen berührt haben.
Rezension von Heike Rau
Emma Hamberg
Im Dorf der Biber und Bücher
Aus dem Schwedischen von Wiebke Kuhn
480 Seiten, broschiert
dtv Verlagsgesellschaft, Oktober 2026
ISBN-10: 3423264829
ISBN-13: 978-3423264822
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