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Kategorie: Belletristik

Fatma Aydemir: Dschinns

Fatma Aydemir: Dschinns

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In diesem Familienroman wird eine Gastarbeiterfamilie aus der Türkei zum Thema der Auseinandersetzung genommen, die zwischen eigener Identität und aufgezwungener Fremdheit besteht.

Die Familie von Hüseyin versammelt sich in einer Wohnung in Istanbul nach dem Tod von Hüseyin, der voller Glück seine mühsam ersparte neue Wohnung für den Ruhestand beziehen wollte. Infolge eines Herzinfarktes ist er gestorben.

Nach der Hochzeit ist Hüseyin nach Deutschland gegangen, um gutes Geld zu verdienen. Sie hatten damals schon drei Kinder: Sevda, Hakan und Perihan.
Nach acht langen Jahren holt Hüseyin seine Frau und zwei seiner Kinder nach Deutschland. Sevda muss noch einige Zeit bei der Großmutter bleiben. Erst als sie 15 ist, wird sie vom Vater nachgeholt.

Die Erzählung befasst sich mit den Auswirkungen der Umsiedlung nach Deutschland, die für Familienkonstellationen eigene Probleme mit sich bringt: fremd in einem fernen Land halten sich die Eltern an die Sitten und Gebräuche ihrer Herkunft, während die Kinder sich an die Normen des Gastarbeiterlandes anzupassen versuchen.

In einzelnen Kapiteln widmet sich die Autorin intensiv jedem Familienmitglied.
Sevda muss jung heiraten und darf ihrem Wunsch, eine Schule zu besuchen, nicht nachkommen.
Sie zeigt früh Freiheitbestrebungen. Mit Groll erinnert sie sich ihres erzwungenen Ehelebens.
Hakan ist ein Verlierer, der abseits von Erfolg und Ehrgeiz dubiosen Geschäfte nachgeht.
Peri darf nach erfolgreichem Schulabschluss studieren. Der Nachzügler ist schwul, was er nur der Schwester anvertraut.

Die Zerrissenheit der Familie liegt auf der Hand. Hüseyin plagt sich redlich in der Fabrik. Sein Leben pendelt zwischen Arbeit und Schlafen. Emine geht nie aus und bleibt für Haus und Küche da. Die Kinder dieser Gastarbeiterfamilie sind sich selber überlassen. Sie wandeln auf unterschiedlichen Pfaden. Und wie unterschiedlich fallen diese aus!

In einem gut konstruierten Rahmen zeigt uns die Autorin, wohin die Wege des Menschen führen, wenn keine geschlossene Gemeinschaft mehr besteht. Eine Orientierung ist unter diesen Bedingungen nur schwer zu finden.

Die Eltern tragen ein ganz besonders bedrückendes Geheimnis mit sich. Es zeigt einmal mehr die Abhängigkeiten der Frauen vom Familienverband. Frauen gelten nicht als Individuen.

Sevda wird sich dem Zwang irgendwann entziehen und zusammen mit ihren Kindern ihre eigenen Wünsche realisieren. Sevda ist auch diejenige, die die klarsten und schmerzlichsten Worte findet, um ihrer Mutter Fehlentscheidungen und die mangelnde Selbstständigkeit vorzuhalten.
Missverständnisse und Schweigen zeichnen die Beziehungen zwischen Hüseyin und Emine aus.
Vieles bleibt tabuisiert! Da kann nur eine desillusionierte Sevda dazwischen gehen.
Das Treffen in Istanbul anlässlich des Todes von Hüseyin endet dramatisch.

Fatma Aydemir hat einen großartigen Familienroman verfasst. Hier prallen Orient und Oxident aufeinander. Die Fliehkräfte unterschiedlicher Lebensformen bringen den Zusammenhalt der Familie auseinander. Keiner wird mit seiner Lebensgestaltung wirklich glücklich. Nicht viele Menschen des Gastlandes können sich in die Lage ihrer Gastarbeiter hineinversetzen. Auch diese bleiben unter sich und leben schlecht und recht mit ihrer Isolation und Einsamkeit in einem fremden Land.

Die Autorin Fatma Aydemir schreibt voller Empathie, feiner Beobachtung und sensibler Wahrnehmung, was in dieser Familie mit den einzelnen Mitgliedern passiert.

Der Leser*in bleibt nicht unberührt vom Geschehen und schaut mit anderen Augen auf Menschen, die als Arbeiter unser Land unterstützen und sich selber fast verlieren in der Hilflosigkeit.
Es ist ein wirklicher Verdienst der Autorin, einmal den Fokus auf diese Problematik zu lenken.

Fatma Aydemir
Dschinns
Carl Hanser Verlag, 6. Auflage, Februar 2022
368 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3446269142
ISBN-13: 978-3446269149
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Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter

Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter

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Mutter ist zu dick!
Wie ein Mantra zieht sich diese Feststellung durch den ganzen Roman.

Dieses Buch über eine Familie im Hunsrück zu Beginn der 80ziger Jahre löst Mitgefühl, Empörung und Zorn aus. Zorn darüber, wie ein Mann seine Frau tyrannisiert, und wie diese Frau über Jahre mit dieser Tyrannei leben konnte.

Sie leben in einem kleinen Dorf im Hunsrück: Vater, Mutter und die Tochter Ela.
Von Beginn an merkt man, dass ein unerträgliches Klima des Zanks und des Streits in der Familie zu spüren ist.
Der Vater moniert ständig, dass seine Frau zu dick sei. Das Töchterchen Ela beobachtet und fühlt die Spannung, die fast zu jede Minute des Zusammenseins in der Luft liegt. Sie berichtet aus der Perspektive einer Sechs-bis Zehnjährigen über die Jahre zwischen 1986 bis 1990.

Ist die Mutter zu dick? Man glaubt es kaum, denn anlässlich eines Badeurlaubs in Italien denkt Ela, dass die Mutter schön ist. Im Laufe der Jahre sieht sie die Mutter aber mehr und mehr mit den Augen des Vaters.

Die hilfsbereite und soziale Mutter und der ambitionierte Vater bilden die Pole, zwischen denen das Befinden des Kindes schwankt.

Eine unausgesprochene Wut seitens der Mutter und die ständigen Nörgeleien des Vaters, der ihre Figur zur Ursache für seine eigenen Misserfolge erklärt, prägen das Geschehen. Hin und her gerissen zwischen der Liebe zur Mutter und dem Vater muss sich Ela einen eigenen Weg suchen. Sie ist ein fröhliches Kind, der „Sonnenschein“ der Familie.

Ela ist unschwer als das Alter Ego der Autorin zu erkennen. Sie beschreibt das Leben ihrer Mutter als einer Abhängigen, die sich der ständigen Kritik des Vaters nicht entziehen kann. Der Vater hat seine bäuerliche Herkunft verlassen und ist technischer Zeichner geworden. Er möchte Karriere machen. Seine Klagen über den Berufsalltag und die empfundene Ungerechtigkeit bei Beförderungen bestimmen sein Denken und die Gespräche bei Tisch.
Es ist ein schrecklich verklemmtes Spießerleben, voller Vorurteile und Klischees!

Zwischen den einzelnen Kapiteln des Romans reflektiert die erwachsene Tochter Ela das Verhalten der Eltern und stellt Fragen, ob wirklich alles so war, wie sie es sieht.

Während sich die Mutter mit Diäten quält, tänzelt der Vater mit immer neuen Ideen durchs Leben, braun gebrannt und dem Erfolg hinterher. Ein neues Auto, ein neues Haus: nichts scheint unmöglich, um Prestige zu gewinnen.

Auch die Großelternpaare streiten untereinander.
Das Motto in beiden Häusern war: “ Opa hat entschieden, Oma ist gelaufen. Er war der Kopf, sie die Beine“.

Die achtziger Jahre mit ihren gesellschaftlichen und familiären Zwängen werden ausgezeichnet wiedergegeben. Die Grünen ziehen in den Bundestag ein, und Kohl wird Bundeskanzler. Männerherrschaft in allen Bereichen wird überzeugend beschrieben. Mit der Emanzipation hat es in dem abgelegenen Dorf, und vielleicht nicht nur dort, noch nicht geklappt.

Das Buch liest sich flüssig. Es sind bedrückende Jahre ihrer Kindheit, die von der erwachsenen Ela/ Dröscher zu einem aufschlussreichen Familienporträt verarbeitet wurden. Man kann sich den Sog der Erzählung nicht entziehen.

Daniela Dröscher war mit dieser Arbeit auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.

Daniela Dröscher
Lügen über meine Mutter
Kiepenheuer & Witsch, 3. Auflage, August 2022
448 Seiten, gebunden
ISBN-10: 346200199X
ISBN-13: 978-3462001990
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Ian McEwan: Lektionen

Ian McEwan: Lektionen

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Roland Baines ist der Held einer Geschichte, in der es um die Geschicke eines langen Lebens geht. Wie der Autor ist er 1948 geboren.
Wir begegnen ihm als jungen Vater mit seinem Baby Lawrence, allein, denn seine Frau hat ihn kürzlich verlassen. Wir schreiben das Jahr 1986.

Seine Gedanken wandern zurück zu seiner Jugend und Vergangenheit.
In Lybien verbrachte er eine sorglose Kindheit. Sein Vater war Offizier des englischen Militärs in Tiflis.
Mit 11 Jahre schickte der Vater ihn nach England in ein Internat. Abgesehen von den strengen und rigiden Erziehungsformen begegnet er der Klavierlehrerin Cornell. Durch sie erfährt sein Leben eine Wende, die schicksalhaft für sein weiteres Leben sein wird.

Sein hoffnungsvoller Start als möglicher Starpianist zerschellte an der Wirklichkeit seines Lebens.
Er kommt fortan nie zu einem zufriedenstellenden Berufswerdegang. Mit Gelegenheitsarbeiten schlägt er sich durch und wird zuletzt Barpianist. Die Anzahl unsteter Frauenbeziehungen ist legendär.

Jahre nach der Trennung von Alissa, seiner Frau, findet er eine neue Partnerin. Auch Daphnes Ehe ist gescheitert. Leider hält auch diese Beziehung den Forderungen des Alltags nicht stand, weil Roland entschlusslos vor sich hinlebt. Einzig sein Sohn Lawrence bietet eine ruhige Konstante. Die beiden leben in Frieden zusammen. Warum ihn seine Frau verlassen hat, wird er erst viel später erfahren.

Die Erzählung MacEwans bewegt sich stets ganz nah am Schicksal seines Helden. Man spürt die innere Verbundenheit mit ihm.
Es gelingt ihm vorbildlich, seinen Protagonisten durch lange Jahre des Lebens zu begleiten. Er zeigt Empathie und bestimmt den Fortgang der Geschichte durch die Entzerrung der verworrenen Geschehnisse, die Roland Baines auf seinen so unbefriedigenden Lebensweg geführt haben.
Es gibt in der Geschichte Familientragödien, lustlose Ehen und abgebrochene Karrieren.

Die politische Geschichte bietet einen weiteren Rahmen zur Erzählung: Kubakrise, Mauerbau, Fall der Mauer, 9/11 und Wandel in den politischen Geschicken der einzelnen Länder bis hin zur Pandemie der Jahre ab 2020 weiten unseren Blick auf das Zeitgeschehen.

McEwan erzählt mit langem Atem und verliert sich zuweilen in Seitensträngen. Die Figur von Roland Baines und sein Leben bieten die Basis für Erkenntnisse um Leben, Liebe, Tod und Leidenschaft.
Ihm ist es gelungen, die Strömungen und Einflüsse eines halben Jahrhunderts transparent zu machen. Jugendlicher Leichtsinn, Verführung, Versagen und Genügsamkeit prägten Roland Baines Leben. Altersweisheit führt zuletzt zu einem versöhnlichen Ende.

Die Geschichte begeistert, denn selten werden so wunderbar Höhen und Tiefen eines Lebens ausgelotet wie von Ian MacEwan.

Ian McEwan
Lektionen
Diogenes, September 2022
720 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3257072139
ISBN-13: 978-3257072136
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Ferdinand von Schirach: Nachmittage

Ferdinand von Schirach: Nachmittage

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Den vorliegenden wunderbaren Erzählband möchte man nicht aus der Hand legen! Wie Perlen reihen sich Erzählungen mit den seltsamsten Begegnungen und Erlebnissen aneinander.

Ein namenloser Schriftsteller und Icherzähler, womöglich das alter ego des Autors, ist häufig auf Lesereisen. Diese führen ihn in ferne Städte und Länder in aller Welt.

Zwischen den Lesungen, Veranstaltungen und Reisen sucht der Erzähler Ruhe. Bei diesen Gelegenheiten gesellen sich zuweilen Personen zu ihm, die eine Episode aus ihrem Leben erzählen möchten. Die Anonymität der Begegnungen, die fast immer vorübergehend sind, macht sehr persönliche Beichten möglich. Und so hören wir von Schicksalen, die in ihrer Einzigartigkeit beeindrucken und uns einen Einblick in die Vielfalt menschlicher Erfahrungen gewähren. Wie verworren können Bindungen zwischen Menschen sein, und welchen Irrtümern in der Wahrnehmung sitzen sie gelegentlich auf! Ob spät entdeckte vermeintliche Untreue oder verpasste Gelegenheiten, ob Rache oder Wut: der Erzähler beschreibt u.a. Menschen, die von ihren wohl geordneten Wegen abgekommen sind. Kriminelle Handlungen gehören ebenso dazu wie zarte Bande der Liebe oder geheime sexuelle Vorlieben. Fast in jeder der 27 verfassten Geschichten lauern ungewöhnliche Handlungen.

Ferdinand von Schirach hat eine bedächtige Art zu erzählen. Seine Berichte strahlen eine große Ruhe aus, die sich dem Leser*In mitteilt. Die Sätze sind kurz und prägnant. Mit keinem Wort zu viel und Zitaten zu passenden Gelegenheiten ergötzen uns die schönen und auch traurigen Geschichten aus dem Leben. Notizen über Kunst, Kultur und Literatur ergänzen den Band von Erzählungen.
Diskrete Reflexionen über eigenes Befinden des Dichters sind ausnehmend fein und sensibel in der Darstellung.

Eine der letzten Geschichten handelt von dem Künstler Giacometti. Der Erzähler schätzt ihn und besucht seine Werke in einem Museum. Die Erinnerungen an seine erste Begegnung mit dessen Kunstwerken überwältigen ihn fast. Danach kommt es zur Aufzählung all’ jener Dichter und Denker, die er im Leben geschätzt hat. Es ist ein schöner Schluss für diese einmaligen Erzählungen.

Von Schirach ist ein herausragender Schriftsteller. Seine Nüchternheit und Nachdenklichkeit ist bemerkenswert. Dieses schmale Bändchen mit Erinnerungsgeschichten übertrifft alles, was ich bisher von ihm gelesen habe.

Ferdinand von Schirach
Nachmittage
Luchterhand Literaturverlag, August 2022
176 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3630877230
ISBN-13: 978-3630877235
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Georgi Gospodinov: Zeitzuflucht

Georgi Gospodinov: Zeitzuflucht

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Es ist eine schöne Illusion, sich vorzustellen, man könne sich aussuchen, in welchem Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts man gerne leben würde. Diese Utopie hat sich Georgi Gospodinov zum Thema seines vorliegenden Romans genommen.

Beginnend mit Gedanken an den Anfang der Menschheit setzt ein Satz dem Suchen danach ein Ende: „Am 1. September 1939 früh am Morgen kam das Ende der menschlichen Zeit“(S.18)
Jeder weiß, was mit diesem Datum gemeint ist!
Nach dieser Einführung beginnt ein Roman, der seinesgleichen sucht.

Ein ungenannter Schriftsteller in Sofia/Bulgarien berichtet von zahlreichen kleinen Beobachtungen und Entdeckungen, die darin gipfeln, dass er einen alten Freund sucht. Es handelt sich um Dr. Gaustin, einem exzentrischen Flaneur und Arzt, den er überraschend in Zürich wiederfindet. Gaustin will eine seltene Form von Geriatrie für Demenzkranke gründen. Der Erzähler soll ihm dabei behilflich sein. Es soll das „Haus der Vergangenheit“ heißen. In diesem Haus wird es verschiedene Zeitebenen von den vierziger bis in die neunziger Jahre geben. In einzelnen Zimmern sind Interieur und Aufmachung den Zeitebenen entsprechend eingerichtet. Hier kann man sich aussuchen, in welcher Zeit man leben will. Nicht nur die Vergesslichen des Alters finden ihren Raum, zunehmend wollen auch Gesunde gerne einkehren.

Zu den Zeitebenen passt die Erwähnung politischer Personen oder Ereignisse: Musik, Schlager, Rebellion der 68sechziger, Gerüche, Reagan, Kohl und Gorbatschow, Zitate von Thomas Mann bis Einstein und so fort.
Auf die Frage des Erzählers nach den 40ziger Jahren und dem Krieg antwortet Gaustin zum ersten Mal: “ich weiß es wirklich nicht“S.101)

Eingeflochten in die Geschichte findet man wunderbare poetische Beobachtungen von Landschaften, Städten und nicht zuletzt Passagen der Biographie des Erzählers. Sie bieten den Bezug zur Realität.

In einem zweiten Teil des Romans erzählt Gospodinov von einem Referendum, bei dem in den europäischen Ländern über die Möglichkeit eines Lebens in längst vergangenen Jahrzehnten abgestimmt werden soll. Wir sind im Heute angekommen mit allen Möglichkeiten der Technik beim Aushorchen und der Manipulation.
Wozu diese Utopien führen können, zeigt uns prophetisch Moskau mit seinem „Zurück zu den alten Grenzen der Sowjetunion“.

Georgi Gospodinov ist ein begnadeter Erzähler. Ihm purzeln die Ideen nur so aus der Feder.
Sie sind teils witzig, teils skurril und teilweise ernst. Sie reichen von der griechischen Mythologie zu einzelnen Geschichtsereignissen und sehr realen Gedanken über das Heute. Sie wechseln von Einzelschicksalen ins Globale und irrlichtern zwischen den Zeiten hin und her. Gelegentlich sind sie irritierend bis irrwitzig, weil am Ende niemand mehr weiß, ist der Autor real oder ist es eher die von ihm erfundene Figur Gaustin. Auf jeden Fall werden in dem Roman hintergründig philosophisch und reflektierend die vergangenen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts unter die Lupe genommen. Es ist ein überwältigendes Werk in der Übersetzung von Alexander Sitzmann.

Georgi Gospodinov ist in Bulgarien geboren. Er hat für seine Romane zahlreiche Preise gewonnen.

Georgi Gospodinov
Zeitzuflucht
Aufbau, 3. Auflage, März 2022
342 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3351038895
ISBN-13: ‎978-3351038892
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Susanne Abel: Was ich nie gesagt habe

Susanne Abel: Was ich nie gesagt habe

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In dem vorliegenden Roman von Susanne Abel geht es um die Familie Monderath. Sie ist durch vielfältige Verstrickungen eine wahre Schicksalsfamilie!

Das Paar Gretchen und Konrad sind die Hauptakteure.
Gretchen war mit Konrad Monderath verheiratet. Im Jahr 2016 ist er schon lange tot, und sie ist alt und dement. Tom, der gemeinsame Sohn, ist 47 Jahre alt. Er lebt und liebt in Köln, wo er eines Tages Besuch von einem Halbbruder erhält. Er wusste nicht, dass es ihn gibt, hat das aber durch Recherchen herausgefunden. Henk van Dong ist Holländer. Er sieht ihm ähnlich wie ein Zwilling, was zu allerlei Vermutungen im näheren Bekanntenkreis von Tom führt.

Die Autorin lässt die Brüder auf Spurensuche nach dem Vater der beiden gehen.
Nun beginnt in zwei Zeitabschnitten einmal die Geschichte von Tom 2016, und die Geschichte Konrads vom Kind bis zum Soldaten im Zweiten Weltkrieg von 1933-1943.

In dem Roman wird Vergangenheits-und Gegenwartsgeschichte verarbeitet.
1933 beginnt Hitlers Herrschaft mit all’ den Folgen, die jene Jahre prägten: Naziideologie, Judenhass und Verfolgung, Ermordung und Eliminierung Behinderter. Nicht zuletzt folgt der Zweite Weltkrieg. Die Schwester von Konrad, ein mongoloides Mädchen, fällt dem Vernichtungswahn zum Opfer, und Franz, der ältere Bruder von Konrad, fällt 1942 im Krieg.
Konrad wird nach Militärzeit und Gefangenschaft Arzt und findet in Gretchen seine große Liebe. Letztere hat ein verborgenes Geheimnis, dass ihr Leben begleitet und beschwert.

Charaktere unterschiedlicher Mentalität und Geisteshaltung finden sich in den Figuren der Protagonisten wieder.
Vom Nazi bis zum aufgeklärten Nachkriegskind werden alle Seiten vergangener und gegenwärtiger Zeiten berührt.

Die Spannung steigt nach der Hälfte des Romans, als Kinderwunsch und Unfruchtbarkeit an der Realität zu zerbrechen drohen. Die Ärzte Konrad und ein Onkel verstricken sich in Gesetz und Ärzteordnung.

Worum also geht es in diesem Roman?
Ein wenig schleicht sich der Eindruck ein, dass hier die großen Fragen der Menschheitsgeschichte in einen Roman gepackt wurden: Liebe, Betrug, Trauer, Kinderwunsch und Verleugnung, politische Gegensätze und Krieg. Es wird gut erzählt und viel gesprochen. Man kann der Autorin eine fantasiereiche Fabulierkunst nicht absprechen. Die zahlreichen Erzählstränge lassen den Leser*in nicht los, so dass man gebannt dem Suchen nach der Wahrheit folgt.

Der Schreibstil ist schlicht und mit zahlreichen Kraftausdrücken bestückt.
Alles in Allem kann man von einem unterhaltsamen und im Aufbau durchaus spannenden Familienepos sprechen, das sicher viele Liebhaber der leichten Literatur erfreuen wird.

Susanne Abel
Was ich nie gesagt habe
dtv Verlagsgesellschaft, Juni 2022
560 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3423290234
ISBN-13: 978-3423290234
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Jessica Durlacher: Die Stimme

Jessica Durlacher: Die Stimme

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Zelda und Bor heiraten in einem Augenblick höchster Gefahr. Sie werden von einem Rabbi in New York getraut, nachdem sie schon zehn Jahre lang mit nach und nach drei Kindern eine Familie gegründet hatten.
Just im Moment der Heirat passiert in den Twin Towers in New York das schreckliche Attentat vom 9. September.
Der apokalyptische Vorfall in NY ist der Auftakt zu einer dramatischen Beziehungsgeschichte zwischen einer jüdischen Familie und dem Islam.
Bor und Zelda flüchten aus der Nähe der brennenden Türme und retten sich und die Kinder.
Dann sind sie zurück in den Niederlanden. Hier arbeitet Zelda als Psychoanalytikerin; Bor ist ein angesehener Anwalt.

Jessica Durlacher führt uns langsam in das Leben ihrer Protagonisten ein.
Die Ehe von Bor und Zelda ist glücklich. Auch die Kinder nehmen ihren besonderen Platz in der Geschichte ein. Es ist eine gebildete, begüterte Familie, die im Fokus des Romans steht.

Zelda, die Icherzählerin, hatte schon einen ersten geliebten Ehemann, mit dem sie den Sohn Philip hat. Nach dessen frühem Tod hat Bor sie still und selbstverständlich umsorgt, bis sie schon bald zusammengezogen sind.

Nach einiger Zeit kamen Sam und Pol auf die Welt. Das Au Pair- Mädchen Ania verlässt die Familie, und Zelda sucht dringend eine neue Hilfe. Sie lernt eine Somalierin kennen, die, malerisch nach islamischer Sitte gekleidet, schön und exotisch anzusehen ist. Sie ist aus einer strengen Familie und vor einem prügelnden Ehemann als Flüchtling in die Niederlande gekommen. Zelda nimmt sie als Kindermädchen in ihre Familie auf.
Schon bald zeigt sich, dass sie eine sehr schöne Stimme hat.

Zelda ist mit der Erziehung ihrer Kinder sehr beschäftigt. Besonders Phil mit seinen heftigen Wutanfällen bringt sie in Unruhe. Wie soll sie damit umgehen? Wie macht sie alles richtig?
Der Beruf als Psychoanalytikerin lässt sie manches wahrnehmen, was andere vielleicht noch nicht sehen.
Wir erleben ein Geschehen, das voller innerer Spannungen und tiefgründigen Reflexionen steckt.

Neben der alltäglichen Familienroutine beginnt eine spannende Entwicklung. Amal wird zur Teilnahme eines Gesangswettbewerbs angenommen.
Sie wird eine berühmte Sängerin und zugleich Verfechterin für Freiheit und Gleichberechtigung der Frauen im Islam. Ihre Aktivitäten, ja fast Provokationen, führen zu Verfolgung und Feindschaft seitens islamischer Fanatiker. Damit bringt sie auch ihre Gastfamilie in große Gefahr.

Jessica Durlacher schreibt zügig und integer. Sie steigert ihre Erzählung zu immer neuen dramatischen Ereignissen, die den Leser total in Bann schlagen. In beispielloser Weise bringt sie die Verflechtungen der jeweiligen Ereignisse in einen Zusammenhang. Spannungen werden aufgebaut und Lösungen angedeutet. Zeldas Reflexionen zeugen vom tiefenpsychologischen Wissen der Autorin.

In den Roman ist viel hineingepackt: Islam und Judentum, Verlässlichkeit, Liebe, Engagement, Geheimdienste, Verfolgung und nicht zuletzt Mord und Betrug.
Die hier beschriebene zerrissene Welt ist glaubwürdig und die Dichte des Romans mitreißend.

Jessica Durlacher lebt mit ihrem Mann Leon de Winter und ihren Kindern in den Niederlanden.

Jessica Durlacher
Die Stimme
Diogenes, Mai 2022
544 Seiten, gebunden
ISBN-10: 325707185X
ISBN-13: 978-3257071856
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Tania Blixen: Babettes Gastmahl

Tania Blixen: Babettes Gastmahl

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In einer wunderschönen kurzen Erzählung werden wir in das Leben zweier Schwestern hoch im Norden Norwegens eingeweiht.
Sie sind die Töchter eines Probstes, der seine Anhänger streng um sich schart.
Die Geschichte spielt in den Jahren 1871-1885.

Die beiden Töchter des Probstes sind hübsch, fromm und liebenswert. Zweimal fanden sich sehnsuchtsvolle Bewerber aus fernen Ländern, die aber nicht ankamen bei den beiden schönen Damen.
Wie es zu dem Hausmädchen Babette kam, und wie es zu einem Gastmahl kam, das wird uns in zauberhaften Worten erzählt.

Es geht um die Einsamkeit der Natur, um die Abgeschiedenheit von allem urbanen Leben; es geht auch um den Kontrast pietistischer Lebensformen gegenüber der bunten Adelswelt in Paris und Schweden.

Babette ist eine herausragende Köchin, die in Paris ein Edelrestaurant zu Ehren und Ruhm gebracht hat. Ihr Mann und Sohn kamen bei Aufständen in Frankreich 1871 ums Leben. Sie selber wurde als Aufrührerin verfolgt und floh mit einer Empfehlung des verflossenen Heiratsanwärters eines der Mädchen in das abgeschiedene Fleckchen Erde Norwegens. Dort hat sie jahrelang die karge Kost der Bewohnerinnen zubereitet. Dann ergab sich eine Gelegenheit, ihre Kochkünste einmal vorzuführen. Denn sie bezeichnet sich als Künstlerin und beklagt den Zustand, wenn ein Künstler nicht sein Bestes geben kann.

Mit dem Aufschrei „Gebt mir die Erlaubnis, gebt mir die Gelegenheit, mein Allerbestes zu liefern“ endet diese bezaubernde Erzählung. Philippa, eine der Schwestern, ist tief berührt.

Die kurzen und präzisen Sätze treffen immer den Kern einer Sache. Es werden nur die wichtigsten Daten genannt; mehr Aufmerksamkeit gilt der Natur in ihrer einmaligen Schönheit. Die klare Luft und die Stille sind einprägsame Momente. Handelnde Personen werden in ebenso kurzen Sätzen ohne viel schmückendes Beiwerk beschrieben und gewinnen doch einen hervorragenden Platz in der Erzählung.

In einem langen Nachtrag gibt Erik Fosnes Hansen eine Interpretation, die dem Leser*in dieses literarische Kleinod noch tiefer verstehen lässt.
Man lasse sich erbauen von dem kleinen Meisterwerk.
Eine sorgfältige Liste mit Anmerkungen gibt dem Werk zusätzlich die seriöse Note, die es verdient.
Auch der Einband ist ein künstlerisches Gebilde. In der Übersetzung von Ulrich Sonnenberg ist das Büchlein im Manesse Verlag 2022 zum ersten Mal auf Deutsch erschienen.
Es eignet sich hervorragend als kleines Geschenk zu besonderem Anlass.Die Dänin Tania Blixen lebte von 1885 bis 1962.

Tania Blixen
Babettes Gastmahl
Manesse Verlag, Februar 2022
120 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3717560018
ISBN-13: 978-3717560012
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Jane Gardam: Mädchen auf dem Felsen

Jane Gardam: Mädchen auf dem Felsen

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Wir befinden uns in einem flirrend heißen Sommer an der britischen Küste. Es ist die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.
Wieder wie in vorhergehenden Romanen beschäftigt sich Jane Gardam mit den Tücken des Familienlebens, mit Freigeistern und mit Predigern.

Margaret lebt in einer Familie von bigotter Selbstherrlichkeit und sturen Regeln des Umgangs.
Sie ist 8 Jahre alt und langweilt sich tödlich. Ein Baby, der gerade erst geborene Bruder des Mädchens, nervt mit seinem Geschrei, seiner Hässlichkeit und den üblichen Ausdünstungen eines Neugeborenen. Vater hält biblische Reden und ist vollkommen desinteressiert am allgemeinen Familienleben.

Jane Gardam in ihrem bekannten Erzählstil vermittelt einen unmittelbaren Eindruck von der bigotten und weltfremden Welt ihrer Figuren.

Wäre da nicht Lydia, das neue Hausmädchen, Margaret wüsste nicht, wie sie sich die Zeit vertreiben sollte. Lydia ist deftig, drall und geradeaus. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und scheint die einzige vernünftige Person in diesem Reigen menschlicher Unzulänglichkeiten und Plattheiten. Margaret liebt die Ausflüge mit ihr, bei denen sie sich endlich frei fühlt! Sie kann rumtollen, auf Bäume klettern und jeglicher Neugier frönen.

In einer langen Folge von Episoden vermittelt Jane Gardam die skurrilen Formen menschlichen Lebens mit engem Horizont und spießigen Lebensansichten. Aber man täusche sich nicht! Unter der nach außen gezeigten Wohlanständigkeit schlummern heftiges Begehren, „unzüchtige“ Gedanken und schließlich auch Handlungen.
Der Vater von Margaret, ein bigotter Prediger für Moral und Anstand, kann seinen eigenen Gelüsten nicht wiederstehen.
So spitzt sich die Geschichte zu einem Drama zu. Das Gebäude wankt, denn auch Margarets Mutter wird von ihren „verbotenen“ Sehnsüchten eingeholt.

Mit feiner Beobachtungsgabe beschreibt Jane Gardam die Geschichte einer kleinen und befangenen Gruppe von Menschen, die sich in ihrer eigenen Gedankenwelt bewegen und sich in verborgenen Fantasien verfangen.

Viele Jahre vergehen bis zum Ende der Geschichte, bei dem herauskommt, wie das Leben für alle weiterging. Zuweilen sind die Figuren in ihren Beziehungen untereinander und die Zeitsprünge etwas verwirrend, in denen sich die die Handlung bewegt. Alles in Allem ist der Roman eine anregende Lektüre.

Die begabte und erst spät zu Ruhm gelangte Schriftstellerin Jane Gardam ist mit ihrer Trilogie von „Old Filth“ zu Weltruhm gelangt. Ihre nachgereichten früheren Romane kommen an diese ausnehmenden Werke nicht heran.

Jane Gardam
Hanser Berlin, April 2022
224 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3446272283
ISBN-13: 978-3446272286
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Christa Hein: Die Frau am Strand

Christa Hein: Die Frau am Strand

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Christa Hein hat ein gewaltiges Familienopus geschrieben.

Liz, ihre Heldin, bekommt eines Tages Besuch von ihrer Nichte, die lange verschollen war. Sie sieht ziemlich verwildert aus und ist froh, bei der Tante einen Unterschlupf zu finden. Eine Weile nistet sie sich bei der Tante ein, und Liz kommt mit der Zeit ins Erzählen. Inese interessiert sich sehr für die Familiengeschichte.

Bei dieser Gelegenheit fallen Liz eine Reihe von Gegenstände aus dem Familienbesitz ein, die alle eine Geschichte haben. Auch hat sie sorgfältig Notizen ihrer Großmutter aufgehoben, aus denen man die Familiengeschichte rekonstruieren kann.

Liz ist Schriftstellerin und setzt sich hin, um alles aufzuschreiben. Beim Schreiben vertieft sie sich ganz in die alten Geschichten. Auf diese Weise entsteht ein Familienporträt von ungeheurer Weite. Beginnend Ende des 19. Jahrhunderts umfassen die Erinnerungen Städte und ferne Kontinente ebenso wie fantastische Landeroberungen und abenteuerliches Leben. Liz geht einzelne Episoden an und fängt bei Urahnen und Ahnen an. Dadurch bleibt man ganz bei den einzelnen Lebensphasen der diversen Urgroßeltern und Großeltern.

Die Urgroßeltern gingen nach Amerika und machten Land urbar. Sie starben früh und ließen ihre beiden Kinder Annie und Fred als Waisen zurück. Die beiden schlagen sich wacker durch, werden aber durch die Geschicke getrennt. Während Annie, die Großmutter von Liz, in Europa ihr Glück findet, zieht es Fred zur Seefahrt, und die Geschwister verlieren sich aus den Augen.

Christa Hein hat die Zeiten mit ihren wechselnden Landschaften und Lebensumständen wunderbar getroffen. Annie liebt die Kunst und malt selber gerne. Sie wird bei einer entfernten Verwandten zu einem geordneten Leben erzogen und macht eine erstaunliche Karriere. Schließlich findet sie einen netten Mann und beginnt ein eigenes Leben.

In der Erzählung geht es von Sylt nach Amerika und dann zurück nach Fehmarn, weiter nach Hamburg, Berlin, Gibraltar, Portugal und so fort. Der Erste Weltkrieg zwingt dem Großelternpaar ganz neue Wege auf.
Das Meer mit seinen besonderen Reizen spielt keine geringe Rolle in dem ganzen Geschehen. Auch die Malerei hat einen herausragenden Stellenwert.

Insgesamt umfasst die Geschichte fast ein Jahrhundert. Christa Heim hat jedem Zeitalter den ganz eigenen Charakter zuerkannt: Farmerleben in Amerika, in Deutschland der Erste Weltkrieg, Inflation und zwanziger Jahre bis hin zu Nazideutschland und die Zeit danach.

Zwischen Fabulierkunst und fast autobiographisch anmutenden Zeilen entwickelt die Autorin ihr Zeitgemälde. Fiktion und Wahrheit scheinen dicht beieinander zu liegen.
Zuletzt sind die Verbindungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern fast nicht mehr überschaubar.

Der Roman ist kein literarisches Meisterwerk.
Ich würde diesen Schmöker für lange Urlaube oder regenreiche Sonntage empfehlen.

Christa Hein
Die Frau am Strand
Frankfurter Verlagsanstalt, März 2022
576 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3627002954
ISBN-13: 978-3627002954
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