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Autor: Claudine Borries

Emmanuel Bove: Schuld

Emmanuel Bove: Schuld

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Schuld und Sühne in der Literatur.

Schuld und Sühne sind uns geläufig. In der Literaturgeschichte werden die Themen in unterschiedlicher Form abgehandelt. Am bekanntest ist der Roman „Schuld und Sühne“ von Dostojewski, der in einer Neuübersetzung mit dem Titel „Verbrechen und Strafe“ ausgewiesen ist.

Emmanuel Bove hat sich des Themas mit dem schlichten Titel „Schuld“ angenommen.

Einer Allegorie gleich zeigt E. Bove in einem düsteren Szenario den arbeitlosen und unglücklichen Pierre Changarnier, der in einem elenden Hotelzimmer haust. Seine Freundin Violette taucht auf, und er macht sie mit Worten nieder, die seine eigene Kläglichkeit überdecken sollen.

Beide gehen schließlich die Strassen im Schneetreiben entlang. Ihr innerer Zustand scheint dem äußeren zu gleichen.

Ohne, dass sich viel ereignet, werden sie von einem kleinen Mann verfolgt, der ihnen lästig ist. Seine Geschichte handelt von einer Schuld und der lebenslangen Reue, die er darüber empfindet, denn er hat seine Frau umgebracht.

Changarnier erlebt im Verlauf der Geschichte seine eigenen Unbilden. Er leidet halluzinatorisch ebenfalls an Reue und Schuld, ohne dass diese weiter benannt werden.

Wie Bove seine Figuren agieren lässt und sie als Getriebene und Verfolgte beschreibt, zeigt Meisterschaft. Er fängt die ganze Tristesse von verlorenen Menschenleben ein, die an sich und der Umwelt zugrunde gehen. In ichbezogener  und selbstzerstörender Manier neigen die Protagonisten zur Verdammnis ihres Selbst. Fragen nach der moralischen Verantwortung sind Maßstab für ein Dasein, das den Ansprüchen einer gerechten Welt nicht genügt. Da gibt es nur das eigene Leid und die Suche nach einem Erlöser. So und nie anders werden Mitmenschen zu Zuhörern, die durch ihr Mitleid Befreiung bieten könnten. Doch am Ende siegt der Fluch der Verdammnis. Keiner entkommt, der sich einmal in die Fänge von Schuld und Sühne begeben hat.

Als Abkömmling jüdischer Eltern blieb das Weltbild E. Boves nicht unbeeinflusst von den Verfolgungen, die er ebenso wie andere erdulden musste. Seine Intention galt der verlogenen bürgerlichen Moral, die er in seinen Werken entlarven wollte.

Emmanuel Bove hat von 1898 – 1945 gelebt und wird heute zu den Vertretern der klassischen Moderne in Frankreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts gezählt.

Mit einem Nachwort und in der Übersetzung von Thomas Laux ist das Buch in einer feinen bibliophilen Aufmachung im Lilienfeld Verlag erschienen, der sich verdienstvoll fast vergessener und hervorragender Autoren aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts annimmt.

Emmanuel Bove
Schuld
120 Seiten, gebunden
Lilienfeld Verlag; Auflage, Juni 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3940357162
ISBN-13: 978-3940357168

John Irving: Letzte Nacht in Twistet River

John Irving: Letzte Nacht in Twistet River

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Der große alte Mann der amerikanischen Erzählkunst hat mit diesem Roman erneut seine ausufernde Fabulierkunst unter Beweis gestellt.

Er breitet seine Geschichten gerne langsam und mit vielen Vorläufen vor uns aus.

So trifft man den Koch Dominic und seinen Sohn Danny hoch oben am Twistet River zwischen Holzfällern und groben Kerlen an. Woher Dominic stammt, wie es zu einer Verkrüppelung seines Beines kam, und wie er zum Koch wurde, das wird in der Erzählung erst später aufgeschlüsselt, denn zuerst geht es einmal um die Atmosphäre im Holzfällermilieu.

Danny ist zwölf, und er ist neugierig. Er lebt bei seinem Vater, denn seine Mutter ist tot. Ihr Tod bleibt vorläufig ein Geheimnis. Langsam, beschaulich und wenig spektakulär verläuft das Leben von Vater und Sohn, in dem allenfalls der frühe Unfalltod des jungen Kanadiers Angel im Fluss für Aufregung sorgt.

Mit sich steigernder Intensität nähert sich John Irving dem eigentlichen Plot: in dem wilden Milieu der Holzfäller kommt es immer wieder zu Sauf- und Sexexzessen. Zu karg und schwer ist das Leben, als dass das Wochenende nicht zu ausufernder Triebbefriedigung herhalten muss. Anlässlich eines solchen Abends geschieht ein Unglück bei Dominik im Haus: sein Sohn Danny verwechselt Indianer Jane beim Beischlaf mit seinem Vater mit einem Bären und erschlägt sie mit einer Bratpfanne! Zu allem Unglück ist sie die Geliebte des Dorfpolizisten, und seine Rache ist ihnen gewiss!

So beginnt ein Leben auf der Flucht für Vater und Sohn, das sie weit herumkommen lässt von Boston nach Vermont, Iowa und zuletzt nach Kanada. In großen Zeitabständen nehmen wir an der jahrelangen Flucht der beiden teil.

Danny will Schriftsteller werden; ist das als symbolische Annäherung an den Autor zu verstehen?

Die geschilderten Typen im Holzfällerlager sind von markiger Herzlichkeit zugleich grob und rau, feinfühlig und  burschikos: die Palette ist breit, mit denen Irving seine Figuren agieren lässt. Die Abenteuer von Vater und Sohn auf der Flucht füllen Seite um Seite.

Am Ende zeigt John Irving wieder einmal seine großartige Fähigkeit, stimmungsvolle Schilderungen über Land und Leute zu entwerfen, mit denen ihn die Komik des Augenblicks, die Liebe, der Humor und das Leben mit seinem ganzen Facettenreichtum verbindet. Teilweise melancholisch, weise und klug unterhält uns John Irving in alt bekannter Weise. Danny und Sixpack erinnern sich zuletzt an den alten Freund Ketchup mit den Worten: „Wir versuchen, uns unsere Helden am Leben zu erhalten; deshalb erinnern wir uns an sie“. Dieses Motto könnte vielen Werken von John Irving vorangestellt sein.

Etwas breit angelegt und Geduld fordernd ist die ausufernde Schilderung. Irving-Liebhaber werden auf ihre Kosten kommen, wenn der Autor auch schon bessere Romane verfasst hat.

John Irving
Letzte Nacht in Twistet River
736 Seiten, gebunden
Diogenes, Mai 2010
ISBN-10: 325706747X
ISBN-13: 978-3257067477

Martin Page: Die besten Wochen meines Lebens

Martin Page: Die besten Wochen meines Lebens

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Ein liebestoller kluger Tor auf der Suche nach dem Glück!

Voller Selbstzweifel, Furcht und eingebildeter Krankheiten zieht der dreißigjährige Virgile durch Paris, immer auf der Suche nach dem Liebesglück. Seine Psychoanalytikerin versucht ihr Bestes, er aber bleibt verfolgt von seinen Zwängen und wartet auf Erlösung von seinen Ängsten.

Als er eines Tages auf dem Anrufbeantworter eine Frau mit Namen Clara hört, die mit ihm Schluss machen will, ist es ganz um ihn geschehen, denn er kennt überhaupt keine Clara, von einer Beziehung ganz zu schweigen. Er macht sich auf die Suche, diese ominöse Frau zu finden.

In seiner Werbeagentur ist er fleißig und zuverlässig. Dort erlebt er den Tag in einem fest gelegten Zeitrahmen, so dass er sich sicher und geborgen fühlt. Als ihm eines schönen Tages ein Aufstieg mit einer Gehaltserhöhung in der Agentur angekündigt wird, lehnt er das Angebot ab. Er hält es mit Marc Aurel: „Man muss im Leben gleichermaßen danach trachten, nicht zu verlieren und nicht zu gewinnen.“ Das ist ein schwieriges Unterfangen, das von Gegensätzen bestimmt wird.

Wir erleben einen Virgile, der gescheit, witzig und mit Selbstironie ausgestattet seinen Weg im Leben sucht immer bedroht von seiner Hypochondrie.

Mit Witz und Humor erzählt Martin Page von einem Helden, der einem Woody Allen gleich durchs Leben marschiert. Geistreich und überbordend kreiert der Autor immer neue Einfälle, mit denen er den Leser begeistert. Die Analytikerin trägt den symbolträchtigen Namen Zetkin, der an die bekannte sozialistische deutsche Frauenrechtlerin und ihr Wirken zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnert. Dass der Held seine Kindheit ausgerechnet in einem Wanderzirkus verbracht hat, gibt der Geschichte eine besondere Note.

In Bezug auf die merkwürdige Liebe zu Clara sagt Virgile den denkwürdigen Spruch: “Wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, diejenigen zu verlieren, die wir lieben könnten, gibt es nur ein einziges Mittel: Wir dürfen sie nicht in unser Leben hineinlassen“. Fantasie und Wirklichkeit vermischen sich bei ihm zu irrwitzigen Vorausahnungen.

Man darf sich amüsieren und erfreuen an einem Helden, der sich auf die Suche nach der vermeintlich nicht existierende Clara begibt. Paris mit einer Mischung aus Freiheit, Kunst und gutem Leben wird hautnah spürbar.

Teils als Hypochonder und teils als verliebt – ängstlichen jedoch klugen Toren sieht man den Helden der Geschichte auf der Suche nach dem Glück! Das Ende wird überraschen!

Martin Page ist ein erfolgreicher französischer Autor, der bereits mit zahlreichen Romanen von sich reden machte. Seinem ersten Roman „Antoine oder Idiotie“ war gleich ein großer internationaler Erfolg beschieden. Dieses Buch reicht an seinen ersten Erfolg nicht ganz heran glänzt jedoch auch mit Witz und Einfallsreichtum.

Martin Page
Die besten Wochen meines Lebens
208 Seiten, gebunden
Thiele Verlag, Februar 2010
ISBN-10: 3851791207
ISBN-13: 978-3851791204

Yasmina Khadra: Die Sirenen von Bagdad

Yasmina Khadra: Die Sirenen von Bagdad

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Leben und Sterben in einem ausweglosen Krieg.

Einmal mehr geht es in diesem Roman um den Irakkrieg, der ganze Familien auseinander gerissen und ein Volk in Trauer und Verzweiflung gestürzt hat. Am Einzelschicksal erkennt man die Tragweite eines Krieges, der vor keinem Übel und keiner moralischen Verwerfung halt macht.

Fernab vom Kriegsgeschehen in Bagdad leben die Dorfbewohner in Kafr Karam abgeschottet und zufrieden ihr Leben. Der Icherzähler ist Student und konnte sein Studium seit dem Ausbruch des Irakkrieges nicht mehr fortsetzen. Die meisten Dorfbewohner sind weitläufig verwandt. Jeder gehört auf irgendeine Weise zum gleichen Stamm. Als Suleiman, der geistig behinderte Sohn des Schmieds, sich eine schwere Verletzung zuzieht, hält auch in diesem abgeschiedenen Ort das Unheil Einzug. Auf der Fahrt zur nächsten Krankenstation geraten der Schmied mit seinem Sohn und der Icherzähler in eine amerikanische Militärkontrolle. Die Ereignisse danach zeigen die ganze Härte und Grausamkeit des Krieges. Suleiman verliert sein Leben und das Dorf seine Unschuld. Fortan regieren auch hier Furcht und Misstrauen. Symbolträchtig, apokalyptisch und dramatisch wächst später mit einem Überfall auf das Dorf ein unbändiger Hass bei den Bewohnern. Als Folge seiner traumatischen Erfahrungen flieht der Student nach Bagdad, um sich Terroristen anzuschließen. Er will die Ehre seiner Familie retten und gegen die Unterdrückung seines Landes kämpfen. Der perfide Auftrag, zu dem er auserkoren wird, könnte am Ende die ganze Menschheit zerstören.

Yasmina Khadra kennt die Worte und weiß um die Gefühle seiner Protagonisten, die ihre eigenen Riten haben und Traditionen folgen, die niemand verletzen und herabsetzen darf.

Wortmächtig und mit poetischer Kraft begabt bezeugt Y. Khadra wie aus einfachsten Anfängen Hass entsteht, der die Verständigung zwischen Orient und Okzident zerstört. Tief steigt man in die mythologische Geistesgeschichte des Orients ein. Khadra zeigt uns die Unterschiede zwischen den Kulturen, die eine Annäherung unmöglich machen. Da gibt es keine Übereinstimmung und keine Verständigung, denn hier begegnen sich Welten, die nichts mit einander gemein haben. Keine Überzeugungsarbeit und keine Kriege können aus Beduinen westlich orientierte Demokraten machen. Zu tief verankert sind sie in ihren hierarchischen und familiären Strukturen, nach denen sich im Orient die Menschen richten.

Ein aufrüttelndes und aufklärendes Buch ist dem Autor gelungen, das nachhaltig beeindruckt.

Der unter dem Pseudonym Yasmina Khadra schreibende Schriftsteller stammt aus Algerien und lebt heute in Frankreich. Er war einst hoher Offizier in der algerischen Armee, bevor er nach Frankreich ins Exil ging. Er begann schon früh zeitkritische und anspruchsvolle Kriminalromane zu schreiben, die mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet wurden.

Yasmina Khadra
Die Sirenen von Bagdad
320 Seiten, broschiert
Deutscher Taschenbuch Verlag, April 2010
ISBN-10: 3423138653
ISBN-13: 978-3423138659

Eine kurze Geschichte der Unendlichkeit

Eine kurze Geschichte der Unendlichkeit

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Fragen nach der Unendlichkeit und unseres Seins …

Wer kennt nicht das Faszinosum, das mit den Fragen nach der Unendlichkeit verbunden ist? Stellen doch schon kleine Kinder Fragen danach, wie hoch der Himmel ist und wie weit die Sterne sind, und ob man nach ihnen greifen könne.

Hier aber geht es um eine Definition der Grenzen und der Unendlichkeit. Anhand zahlreicher Zitate aus der Philosophiegeschichte versucht Paolo Zellini eine Antwort zu geben, die naturgemäß nicht möglich ist, denn bis heute kann kein Wissenschaftler diese Fragen endgültig beantworten. Ist doch mit der Vertreibung aus dem Paradies auch die Endlichkeit verloren gegangen, als damit das Böse, die Moral und die Ethik Einzug in die Welt hielten.

Die Frage nach der Unendlichkeit hat mit der Zeit, dem Kosmos, mit Mythologie und Materie zu tun, die von Philosophen, Mathematikern und Physikern detailreich und berechenbar erforscht werden.

„In seinem Philebos vertritt Platon die Auffassung, wonach die Gegenüberstellung von Endlichem und Unendlichem ein ureigenes, niemals endendes oder schwindendes Kennzeichen unserer Denk- und Redeweise sei. Jedes Ding, so sagt er, trage von Geburt an die Grenze und das Unbegrenzte oder, um gleichwertige Ausdrücke zu gebrauchen, das Eine und das Vielfältige in sich.“ Besser lässt sich in knapper Form nicht  ausdrücken, dass jedes Ding zwei Seiten hat, und dass wir weder die eine noch die andere in unserer Vorstellung realisieren können.

Anfang und Ende sind für unseren Geist nicht fassbar. Dennoch hat es über die Jahrhunderte Forscher aller beschriebenen Fachrichtungen gegeben, die mit nimmer enden wollender Energie den Ursprüngen und dem Ende unseres Seins nachforschen. Seine Vertreter findet man in der Antike, bei den alten Griechen und fortlaufend über die Jahrhunderte bei christlichen und nichtchristlichen Dichtern und Denkern bis in die heutige Zeit.

Ein Kapitel widmet sich dem Unendlichen bei Thomas von Aquin, ein anderes Descartes und ein weiteres Leibniz. Selbst Musils „Mann ohne Eigenschaften“ wird im Kapitel „Die Identität Ununterscheidbarer: Die Klassen“ zu Erklärungen herangezogen. Theodor W. Adorno und Max Horkheimer haben mit ihrer Dialektik der Aufklärung ebenfalls einen Beitrag zur Widersprüchlichkeit in der Welt aufgezeigt.

Mit den abschließenden Worten  des Mathematikers John von Neumann begreift man die Bedeutung der Mathematik bei der Erforschung des Unendlichen: “Ich spüre, dass einer der wichtigsten Beiträge der Mathematik zu unserem Denken in der Tatsache liegt, dass diese eine gewaltige Flexibilität bei der Bildung von Begriffen gezeigt hat, einen Grad an Flexibilität, an den eine nichtmathematische Methodik nur sehr schwer heranreicht.“

Unzählige Belege für Überlegungen, Berechnungen und formulierte Vorstellungen über Grenzen und die Unendlichkeit hat Paolo Zellini hier zusammengestellt. Das Buch genügt höchsten Ansprüchen bedarf aber ausreichender mathematischer, physikalischer und philosophischer Vorkenntnisse, um den gedanklichen Ausführungen folgen zu können. Wer diese besitzt, erhält eine gute Übersicht zur Geschichte der Unendlichkeit.

Paolo Zellini
Eine kurze Geschichte der Unendlichkeit
250 Seiten, gebunden
C.H. Beck, Januar 2010
ISBN-10: 3406590926
ISBN-13: 978-3406590924

Claudia Szczesny-Friedmann: Wie Du Mir

Claudia Szczesny-Friedmann: Wie Du Mir

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Ein evolutionspsychologischer Ratgeber mit konkreten und fundierten Hinweisen auf Entwicklung und Gegenwart zwischenmenschlichen Verhaltens.

Mit diesem evolutionspsychologischem Ratgeber über das Ich und Du füllt die Autorin Claudia Szczesny-Friedmann eine Lücke in den Erklärungen darüber, nach welchen Mustern zwischenmenschliche  Beziehungen ablaufen.

In ihrem Vorwort zitiert sie Sigmund Freud, der in seinem Buch „Unbehagen in der Kultur“ bereits 1930 bedauert, dass junge Menschen ohne den Hinweis auf die Aggressionen, die allenthalben lauern, ins Leben entlassen werden.

Als eine der Grundthesen von Claudia Szczesny-Friedmann gilt, dass soziale Beziehungen für unser Wohl und Gedeihen von enormer Bedeutung sind.

In ihren Ausführungen bezieht sich die Autorin auf Freud und Darwin, denn beide haben mit ihren Forschungen an der Spezies Mensch und Darwin auch am Tier wichtige Erkenntnisse über das zwischenmenschliche Verhalten gesammelt und der Forschung zugänglich gemacht.

C.S.F. hat mit  einem Satz über Konkurrenz, Streben und Vormachtstellung auf der einen Seite, und Kooperation auf der anderen Seite ihre Weichenstellung gesetzt für das weitere Vorgehen ihrer Definitionen über zwischenmenschliches Verhalten. Veranlagung und Erziehung zusammen bilden nach ihren Aussagen erst den Kern, aus dem sich beim Menschen die „Tauben“ und die „Falken“ herausschälen. Die einen treten eher zaudernd auf, sind zuverlässig, vertrauenerweckend, auf Frieden und Konsens bedacht, die Falken hingegen geben sich siegesgewiss, fordernd  und erfolgsbewusst.

Wie diese Verhaltensmuster entstanden sind, das hängt von der jeweiligen inneren evolutionsbiologischen Konstellation ab. Hier ein Äquivalent zwischen den Tauben und Falken herzustellen, ist der Ansatz, mit dem sich Claudia Szczesny-Friedmann beschäftigt.

In ihren gescheit und folgerichtig aufgebauten Kapiteln zeigt die Autorin Details im Verhalten der beiden Charakterkomponenten.

Geben und Nehmen ist danach ein Gesetzt der Ökonomie, das sich im Verhalten ausgleichen muss. Nimmt der eine nur oder gibt der andere nur, entsteht das Ungleichgewicht der Ausbeutung. Dieses Nehmen und Geben bezieht sich auf soziale Zuwendung, Hilfsbereitschaft, gegenseitige Akzeptanz und Anerkennung. Kommt es hier zu einem  Ungleichgewichtig im Verhalten der Populationen (Gruppierungen), ist mit Spannungen und im schlimmsten Fall mit seelischer Ausbeutung bis hin zu Krankheitssymptomen zu rechnen. In diesem Zusammenhang muss allerdings angemerkt werden, dass wir es hier mit einer rationalen Auflistung und Gegenüberstellung verschiedener Charaktereigenschaften zu tun haben wie z.B. Bescheidenheit, Understatement, Unterwürfigkeit und übertriebener Hilfsbereitschaft oder überhöhtem Selbstbewusstsein. Hier fehlen m. M. nach die Hinweise auf die aus der Psychoanalyse bekannten Merkmale der Verdrängung, der Verkehrung ins Gegenteil (Bescheidenheit kontra Gier), der Selbstüberschätzung und der Realitätseinbuße, die bei allen bekannten menschlichen Konflikten mit zu bedenken sind.

Emotionen und Gehirn bilden nach C.S.F. zusammen aus, was wir wünschen und wollen. Dabei überschätzt die Autorin m. E. die Fähigkeit, Gefühle richtig einzuordnen. Erst in langjähriger Erfahrung und Praxis erlernt man das, was in der Psychoanalyse herkömmlich als „Gegenübertragung“ definiert wird. Immerhin gibt es aber Menschen, die ihrem „natürlichen“ Gefühl trauen können. Diese sind nach meinem Dafürhalten in der Minderzahl.

Eine Vielzahl von wohl begründeten Thesen der Autorin bieten anregende und durchaus hilfreiche Tipps, sich im Dschungel des täglichen Lebens und der mitmenschlichen Konfliktpotentiale zu bewegen.

Am Ende steht und bleibt die Frage nach dem Glück.

„Angst und Aggression sind die treibenden Kräfte in unserem Leben“, und „wir sind darauf programmiert, das Glück zu suchen, aber nie dauerhaft zu finden.“ So bleibt für uns die Suche nach der Sicherheit und dem Erfolg. Wer nicht gerade von Angst und Ehrgeiz getrieben ist, dem verspricht die Autorin einen Zustand, der dem Glück nahekommt. Nehmen wir diesen Hinweis, mit dem wir das Buch gerne als hilfreiche Lebenslektüre empfehlen möchten!

Mit ihren Ausführungen ist der Autorin Claudia Szczesny-Friedmann fast eine Sozialverhaltensgeschichte gelungen. Ein ausführliches Literaturverzeichnis komplettiert ihr Werk, das in seiner Komplexität höchst empfehlenswert ist.

Claudia Szczesny-Friedmann
Wie Du Mir: Zu Risiken und Nebenwirkungen im Umgang mit Menschen
Gebundene Ausgabe: 268 Seiten
Scoventa Verlag, November 2009
ISBN-10: 3942073013
ISBN-13: 978-3942073011

Robert Harrison: Gärten

Robert Harrison: Gärten

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Natur und Mensch – eine Studie über Zusammengehörigkeit.

Wer meint, in diesem Buch ginge es dem Titel nach um die idyllische Darstellung von Gärten und ihrer Bedeutung für den Menschen, der muss sich eines Besseren belehren lassen.

Zwar geht es um den Garten in seiner Bedeutung für den Menschen, doch handelt es sich um eine hoch philosophische Abhandlung, die das Verhältnis zwischen Mensch und Natur zum Inhalt hat.

Der Autor bezieht sich auf Homer, Odysseus und Adam und Eva, um zu erläutern, in welchem Zusammenhang die Schönheit der Natur den Menschen mit der Vertreibung aus dem Paradies erst zu dem gemacht hat, der er heute ist.

D.h. nicht die ewige Schönheit und Unvergänglichkeit bedeutet des Menschen Glück, sondern erst das Bewusstsein für Geburt, Sterben und Tod lehrt uns die wahre Bedeutung der Schönheit des Augenblicks.

In einer bestrickenden Sprache mit tiefschürfenden Überlegungen zur Mythologie vergangener Epochen bringt uns der Autor Robert Harrison zum Grundgedanken seines  Themas: Welche Bedeutung hat die Natur für das Befinden des Menschen? Er jongliert bei seinen Thesen zwischen so epochalen Werken wie der Bibel, den Gartengeschichten Boccaccios oder Voltaires „Candide“ bis hin zu Karel Capeks „Das Jahr des Gärtners“.

In Kapiteln mit Überschriften wie „Eva“, „Sorge“ oder „Der menschliche Gärtner“ handelt der Autor Beziehungen zwischen Mensch und Natur ab, wobei er sich poetischer Gedichte und Kurzgeschichten mit dem Bezug zu Gärten bedient.

In abwechslungsreichen Kapiteln werden unterschiedliche Aspekte der menschlichen Natur aufgezeigt. Blicke und Stimmungen in Gärten unterliegen dem Wandel des Tages- und Nachtlichts, der Jahreszeiten mit ihren Stürmen, Regentagen und ruhigen Augenblicken der Beschaulichkeit.

Dino Campanas Gedicht „Herbstgarten“ bietet einen  surrealistischen Einblick in die Verbindung von Natur, Einbildung und himmlischer Stimmung. Zit.: “Und aus dem Hintergrund steigt Stille wie ein zarter und großartiger Chor…“ und … “In herben schwachen Lorbeerduft, inmitten der unsterblichen Statuen im Sonnenuntergang, erscheint sie mir, gegenwärtig“. Es handelt sich um einen Garten, der vermutlich am Fluss Arno zu finden ist.

Fürstliche, republikanische und klösterliche Gärten werden in ihrer jeweiligen Bestimmung erklärt. Der Autor führt uns mit berückendem Wissen und reichhaltigen Kenntnissen durch das Land der Poesie und der Lyrik, der Dichter und Denker. Er öffnet den Blick auf eine Weise, mit der man erst begreifen lernt, wie wunderbar Gärten mit ihren Strukturen und Charaktermerkmalen den Menschen in seiner jeweiligen Zeit und am bestimmten Ort widerspiegeln.

Robert Harrison hat ein Werk der Kunst- und Kulturgeschichte erschaffen, in dem die Philosophie, die Malerei und die erzählten Geschichten als Quell unserer Kultur ausgemacht werden. In einem Nachtrag erläutert der Autor mit wissenschaftlichen Anmerkungen die Begründungen zur Entstehungsgeschichte seines Buches. Ein Literaturverzeichnis ermöglicht weiterführende Studien.

In Ergänzung zu diesem Buch darf an die Ausstellung „Gärten – Ordnung – Inspiration – Glück“ erinnert werden, die 2006 im Städel Museum in Frankfurt / M. gezeigt wurde. Der Katalog zur Ausstellung ist im Buchhandel erhältlich.

Robert Harrison
Gärten
336 Seiten, gebunden
Hanser Belletristik (8. März 2010)
ISBN-10: 3446232966
ISBN-13: 978-3446232969

Donna Milner: River

Donna Milner: River

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Glückliches Familienleben und unglücklicher Zerfall der heilen Welt…

Mit stiller Aufmerksamkeit und gebannt liest man von einer Familiengeschichte, die im Westen Kanadas angesiedelt ist und voller geheimnisvoller Andeutungen auf eine Tragödie hinausläuft.

Über das fröhliche, glückliche und zufriedene Familienleben war eines Tages ein trauriges Schicksal hereingebrochen.

Heiter und geruhsam lebte das Ehepaar Ward mit seinen vier heranwachsenden Kindern auf einer Milchfarm in Atwood, einem kleinen Kaff in Kanada unweit von Vancouver.

Carl und Morgan, Natalie und der älteste Bruder Boyer helfen bei der Arbeit auf der Farm, denn jede Hand wird gebraucht.

Boyer ist schon 22 Jahre alt und Nathalie liebt und bewundert ihren großen Bruder sehr! Wie hatte die Mutter gehofft, dass er die Universität besuchen würde! Doch Boyer bleibt wie seine Geschwister auf der Farm.

Heute im Jahre 2003 ist Natalie 52 Jahren alt und arbeitet als Journalistin weit entfernt von ihrem ursprünglichen Zuhause. Als sie eines Tages vom Bruder zur sterbenden Mutter gerufen wird, überkommen sie mit innerer Bewegung noch einmal Erinnerungen daran, wie alles einmal war, was dann so traurig endete.

Donna Milner berichtet aus verschiedenen Perspektiven, wie es zum Zerfall der Familie kommen konnte. Niemand ahnte in dem ruhigen heißen Sommer von 1966, dass die heile Welt der Jugend und Kindheit dramatisch zerbrechen könnte.

Eines schönen Tages taucht in der ruhigen Idylle des Farmlebens Richard Jordan auf, genannt „River“. Er ist ein Hippie, der friedlich und unaufgeregt in das heile Familienleben eindringt. Hippie, das bedeutete damals „make love, not war“, und das bedeutete Rebellion gegen die amerikanische Regierung, die sich in Vietnam einmischt und einen grausamen Krieg mit verursacht. River ist ein sanfter und ausgeglichener Mensch, der nach Kanada desertiert ist, um sich dem Kriegsdienst zu entziehen. Als fleißiger Helfer und anregender Geist ist er in der Familie sehr willkommen.

Die Landschaft und das gemütliche Gemeinschaftsleben erfahren ausführlich Würdigung in Milners Erzählung. Küchendüfte, Heuernte und der liebevolle Umgang der Menschen untereinander deuten auf ein friedliches Landleben hin. Doch regen sich Zweifel, leise Hoffnungen und Liebesgefühle bei einzelnen Protagonisten, die auf mögliche Unruhe in der harmonischen Idylle hindeuten. Dass sich am Ende eine verwickelte, äußerst spannende und sehr anregende Familiensaga aus den Anfängen der Erzählung entwickelt, in der unglaubliche Ereignisse stattfinden, macht die Lektüre zu einem spannenden Schmöker, den man begeistert bis zum Ende liest.

Donna Milner
River
397 Seiten, broschiert
Piper (April 2010)
ISBN-10: 3492258743
ISBN-13: 978-3492258746

David Grann: Die Versunkene Stadt

David Grann: Die Versunkene Stadt

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Forschungsreise mit wissenschaftlichem Anspruch und Abenteuerlust im Begleittext.

David Grann versucht in diesem Abenteuerroman dem Forscher  Percy Fawcett auf die Spur zu kommen, der im Jahr 1925 auf der Suche  nach einer versunkenen Stadt im Amazonasgebiet umgekommen ist. Über sein Ende weiß man nichts. Er war einfach irgendwann für immer verschwunden.

Fawcett gehörte noch zur Generation der wagemutigen Forscher, die bei ihren Unternehmungen neben dem Reiz des Abenteuers auch immer Erkenntnisse über noch nicht erforschte Gebiete verfolgten. Zu diesem Vorhaben bedurfte es einer Vielzahl an Fertigkeiten wie Kenntnissen in der Kartographie, Geographie, Sternenkunde, Meteorologie, Anthropologie und nicht zuletzt Ethnologie.

Lange Zeit hat sich Fawcett als Landvermesser für die Royal Geographical Society im Amazonasgebiet betätigt. Im Dschungel der grünen Hölle des Amazonas fanden sich eine Vielzahl von Eingeborenenstämme, deren Lebensformen wenig bekannt waren, und die ihr Leben fremdartig und ganz von der Zivilisation abgeschottet führten. Grann entdeckte neben aufschlussreichen Dokumenten auch Zeugnisse unbeschreiblicher Grausamkeit, mit denen die Stämme von zivilisierten Eindringlingen versklavt und zum Teil ausgerottet wurden. Bei seinen Expeditionen erkundete Fawcett interessiert die Fauna und das Tierleben im Dschungel. Dieser ist von exotischen und gefährlichen Tierarten bevölkert, die schwere bis unheilbare Krankheiten mit unwägbaren Folgen auszulösen vermögen.

In einer Mischung aus Forschungsbericht und Abenteuerroman ist ein fast kriminalistischer Roman entstanden, der dem Leser Aufregung und Spannung verspricht. Detailreich und belegt mit Zitaten aus Forschungsberichten jener damaligen Expeditionen erzählt Grann über das Leben und die Arbeit des Abenteurers Percy Fawcett, der ihn mit seiner legendären charismatischen Persönlichkeit ganz in seinen Bann gezogen hat. In der Stadt Z., die Fawcett mit seinem Sohn und dessen Freund auf seiner letzten Expedition suchte, gab es nach dessen Meinung eine Form der Hochkultur, die sagenumwoben geblieben war. Niemand wagte wirklich an die These zu glauben, dass es diese Stadt gegeben hat, denn die Gefahren und Lebensbedingungen im Amazonasgebiet schienen unüberwindbar.

David Grann versucht mit seinem Roman, Licht in das Dunkel und das geheimnisvolle Verschwinden des Abenteurers Fawcett zu bringen. Herausgekommen ist eine  Mischung aus Krimi und Forscherbiographie, die jeden Leser faszinieren wird und voller unglaublicher Einzelheiten steckt. Gut, dass man beim Lesen die Gefahren von Schlangen, Naturerlebnissen und Wetterunbilden nicht ertragen muss!

Lehrreich und reizvoll eröffnet die Lektüre allemal Einblicke in eine ferne Weltgegend, die zu bereisen auch heute noch höchst gefährlich ist.

Einer Vielzahl von Helfern ist David Grann zu Dank verpflichtet. Anmerkungen und ein Register ergänzen den Band, der ein differenziertes und ausführliches Zeugnis über die Gefahren bei der Erkundung der Amazonasgebiete, ihrer Einbegorenen, deren Kulturen und Lebensweisen bieten.

David Grann         
Die versunkene Stadt
392 Seiten, gebunden
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN-10: 3462041991
ISBN-13: 978-3462041996

Todd Hasak-Lowy: Schlecht beraten durch Rabbi Brenner

Todd Hasak-Lowy: Schlecht beraten durch Rabbi Brenner

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Überdruss und Komik  im Leben eines versierten Drehbuchschreibers.

Der Drehbuchautor Daniel Bloom verzweifelt an der Welt: an der großen Zahl von Managern, die sich an ihren Kunden bereichern und Politikern, die korrupt und ehrgeizig nur den eigenen Vorteil im Auge haben.

Schnell und witzig entführt uns Todd Hasak-Lowy nach Los Angeles zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Daniel ist Jude, vermögend, verheiratet und sucht eine neue Herausforderung für sein Schreiben. Dabei fällt ihm nur eines ein: Er will ein Drehbuch schreiben, das in seiner Handlung genau diese beschriebene abgewrackte alte und neue Welt zum Thema haben soll. Gedrängt von seinem Agenten Max macht er sich an die Arbeit.

Nebenbei geht Zack, sein Sohn, auf seine Bar – Mizwa zu, womit er zum anerkannten Mann in der jüdischen Gemeinde werden soll. Die Eltern Daniel und Caroline sind nicht besonders fromm und betrachten den Thoraunterricht skeptisch. Sie gehören zu den assimilierten Juden, die es weder mit der Religion noch mit den Synagogenbesuchen so genau nehmen.

Einen tieferen Einblick in die Gewohnheiten agnostisch ausgerichteter Juden bietet Hasak-Lowy mit den Familiengeschichten der beiden.

Erkennbar befindet sich der Hauptprotagonist Daniel in einer Sinn- und Lebenskrise. Dem neuen Rabbi Ethan Brenner in der jüdischen Gemeinde vertraut er seine Zweifel und Gedanken und seine inneren Nöte an. Dieser, selber ein unorthodoxer und verdrehter Mensch, vermittelt ihm schließlich eine Reise nach Israel.

In einer an Ideen überschießenden Geschichte voller Phantasiereichtum erzählt Todd Hasak-Lowy, wie es einem im jüdischen Künstlermilieu Hollywoods als erfolgreicher Drehbuchschreiber geht. Daniel unternimmt seine „Bildungsreise“ nach Israel, die ihm reiche Erfahrungen in dem Krisen geplagten Land beschert. Er nimmt Drogen, besieht sich das Leben dort und in Amerika und beschließt zuletzt einen totalen Neuanfang. Dass es bis dahin komische bis verrückte Erlebnisse aller Beteiligten gibt, dass Daniel in Ethan Brenner einen noch verrückteren Typen findet, als er sie selber schon erfindet: das Geschehen ist unterhaltsam und erinnert gelegentlich an Slapsticks. Rabbi Ethan Brenner führt die Religion mit seinem unüblichen Gebaren ad absurdum, und Daniel wandert als derjenige durch die Erzählung, der den Finger auf die Wunden der amerikanischen Gesellschaft legt. Er ist ein naiver, liebenswerter und verwunderter Held, der nicht immer alles versteht, was er erlebt. Lakonisch nimmt er hin, dass sein Leben aus den Fugen zu geraten scheint. Da kann einem schon die Orientierung verloren gehen! Für den Leser hält der Autor Dialoge von Witz und Komik bereit, die einem die Lektüre zu einem unterhaltsamen Abenteuer werden lässt. Längen muss man dafür in Kauf nehmen!

Todd Hasak – Lowy reiht sich mit seinem ersten Roman in die  Riege amerikanischen Autoren jüdischer Herkunft von einigem Format ein. Mit Markus Ingendaay wurde ein Übersetzer gefunden, der das Werk gekonnt ins Deutsche übertragen hat.

Todd Hasak-Lowy 
Schlecht beraten durch Rabbi Brenner
480 Seiten, gebunden
Kiepenheuer & Witsch
ISBN-10: 3462041940
ISBN-13: 978-3462041941