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Autor: Claudine Borries

Mein Vater, die Göttin und ich

Mein Vater, die Göttin und ich

Ignacio Martínez de Pisón Mein Vater, die Göttin und ich

Hoffmann und Campe ISBN: 3455047122

Dieses ist ein humorvoller, witziger und einfühlsam geschriebener Roman, der von einem Vater und seinem Sohn handelt.
Felipe , etwa 13 -14 Jahre alt, berichtet dem Leser über sein Leben mit seinem Vater, indem er den Leser direkt anspricht. Das schafft eine sehr persönliche Atmosphäre der Darstellung.

Felipe reist mit seinem Vater in einem Citroen DS 19 im Spanien der siebziger Jahre herum. Sie wohnen zumeist in Wohnungen, die außerhalb der Tourismussaison billig zu haben sind. Der Vater hat wechselnde Freundinnen, die Felipe nicht immer gefallen und ebenfalls dubiose, wechselnde Jobs. Einerseits sind die beiden Kumpels, andererseits ist Felipe nicht immer einverstanden mit dem, was sein Vater so treibt.
Die lakonisch-witzige Darstellung dieses gemeinsamen Alltags schlägt einen in Bann.
Eines Tages wird der Vater verhaftet. Er ist bei einem Bestechungsversuch gegenüber einem Polizisten hereingelegt worden. So nach und nach erzählt Felipe, dass sein Vater ursprünglich Gerichtmediziner war, und wie es zu dem Vagabundenleben gekommen ist. Das ist eine hintergründig -traurige und verwickelte Geschichte, in der der frühe Tod von Felipes Mutter eine Rolle spielte.
Zuletzt gelangen die beiden in die Heimat von Felipes Vater und zu seinen Verwandten. Der Kontrast zwischen der gutbürgerlichen Familie und dem Vagabundenleben wird von Felipe gut reflektiert wiedergegeben.
Das Verhältnis von Vater und Sohn wechselt zwischen eng, zärtlich und kumpelhaft- locker.
Das Ende der Geschichte ist rührend und tragisch zugleich.
Der Roman ist von einem besonderen Genre und hebt sich durch die besondere Art der Darstellung ab von anderen Familienromanen der heutigen Zeit. Ich mochte die Geschichte sehr.
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Von der Schönheit

Von der Schönheit

Zadie Smith Von der Schönheit Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 3462037161

Dieser hinreißende Roman von Zadie Smith wird jung und alt bewegen.

Es handelt sich um einen großen Familienroman, der an der Ostküste Amerikas angesiedelt ist.

Howard Belsey ist Professor für Kunstgeschichte an einer Universität in der Nähe von Boston. Er ist weiß und lebt mit seiner farbigen Frau Kiki und seinen drei herangewachsenen Kindern Zora, Jerome und Levi in der Universitätsstadt Wellington, einem friedlichen und überschaubaren Ort.

Sein Sohn Jerome verliebt sich bei einem Besuch in England in die Tochter seines Erzfeindes Monty Kipps. Dieser ist farbig, ebenfalls Professor für Kunstgeschichte und hat mit einem Buch über Rembrandt Howard den wissenschaftlichen Rang abgelaufen. Zu allem Übel bekommt er auch noch einen Ruf an die gleiche Universität in Wellington,–und Kiki befreundet sich
mit dessen Frau.
Beide Professoren vertreten unterschiedliche gesellschaftspolitische Richtungen: Monty ist erzkonservativ, Howard liberal. Dass gerade der farbige Professor so strenge Maßstäbe bei der Vergabe von Studienplätzen setzt, wird ihm als Selbsthass der Schwarzen ausgelegt.

Um die Ehe von Howard und Kiki ist es nicht gut bestellt.

Howard, der aus einfachsten Verhältnissen in England stammt und es so weit gebracht hat, liebt seine Frau. Sie kann ihm einen Seitensprung nicht verzeihen. Er ist ein schwacher Charakter, der den starken Halt gerade dieser Frau sehr braucht!
In einer besonders gelungenen Szene verführt Victoria, die wunderschöne farbige Tochter von Monty Kipps, ausgerechnet am Beerdigungstag ihrer Mutter im allgemeinen Durcheinander der Trauerfeierlichkeiten Howard, der nicht weiß , wie ihm geschieht, da sie es ganz auf ihn abgesehen hat,–und er widerstrebend auch auf sie! Als auch dieser Seitensprung in einem dramatischen Finale Kiki zur Kenntnis gelangt, ist die Ehe am Ende.

In dem Roman entwickelt sich von Beginn an eine unterhaltsame, teils komische, aber auch ernste und traurige Geschichte um diese beiden Familien.
Die Geselligkeiten, Konkurrenzen, Liebeleien und die Entwicklungen der verschiedenen Personen gewinnen Konturen und lassen den Leser am lebendigen Leben und Treiben auf und um den Campus teilhaben. Die charaktervollste und echteste aller Figuren ist Kiki, die Dank ihrer Persönlichkeit alle anderen in den Schatten stellt. Sie ist liebenswert, selbstbewusst, hilfsbereit, stolz, mitfühlend,–alles in einem!

Es geht in diesem Roman auch um Schwarz und Weiß, um die Rechte der Farbigen in Amerika, um Liebe, Kampf und Gleichberechtigung, um den Wissenschaftsbetrieb an einer Universität und politische Diskussionen aller Couleur.

Das Ende der Ehe zwischen Kiki und Howard bleibt am Ende
versöhnlich und hoffnungsfroh offen.

Dass das Buch so lebendig und unterhaltsam ist, kann man sicher der amüsanten und bei allem Ernst doch auch komischen Diktion von Z. Schmith’s Erzählweise verdanken.
Sie ist weise und klug in der Art, wie sie Charaktere der verschiedensten Alterstufen darstellt.
Der Roman ist ein reifes Werk für eine noch junge Autorin, von der man sicher weiterhin viel erwarten darf.

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Die Verführung

Die Verführung

Arthur Japin erzählt in diesem biographischen Roman die Geschichte der Lucia von Pasiano.
Sie beginnt in der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Lucia war eine einfache Frau, die als Kind von zwei Bediensteten der Gräfin Montereale in adeligem Hause auswuchs. Das Landgut der gräflichen Familie befand sich in Pasiano, nicht weit entfernt von der großen Stadt Venedig. Die Gräfin hatte Lucia als zu ihrem Liebling erkoren und sie quasi als Ersatztochter angenommen.
Bis Lucia begriff, dass nicht sie zu den Besitzern der Ländereien in der Umgebung gehörte, verging einige Zeit. Sie genießt ihr Kinderleben in Freiheit und tiefer Naturverbundenheit.

Mit vierzehn Jahren lernte sie Casanova kennen, von dem damals noch niemand wusste, dass er der Casanova, eine Berühmtheit seiner Zeit, werden würde. Beide fühlen sich tief verbunden in einer leidenschaftlichen Liebe, die mit einer Hochzeit gekrönt werden soll.
Wie die Geschicke es aber damals so wollten: Lucia erkrankt an den Blattern, die sie so entstellen, dass sie beschließt, ihrer Jugendliebe zu entsagen und aus dem gräflichen Hause zu fliehen.
Nun beginnt für Lucia ein trauriges und abenteuerliches Leben, das sie in tiefste Tiefen, in Armut und zuletzt zu bescheidenem Wohlstand führen soll,–als Edelprostituierte.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt beschließt sie, fortan verschleiert zu leben, was ihre Anziehung auf die Männer ihrer Zeit nur erhöht. Nach Stationen in Venedig und Bologna lässt sie sich zuletzt in Amsterdam nieder.
Bei einer erneuten Begegnung mit Casanova, der sie nicht erkennt, lernt sie einiges über die Liebe und zieht ihre Schlüsse daraus.

Das Buch ist in der Ichform geschrieben, und man ist sofort fasziniert von dieser nachdenklichen und reflektiert denkenden
Person, die auf ihrem Lebensweg viel erlebt hat und gute und schlechte Erfahrungen in gleichem Maße gemacht hat.

Die Vorstellung, es handelte sich hier um einen Liebesroman im gängigen Sinn, ist ganz und gar irrig. Viel mehr geht es um eine Erkenntnisgeschichte auf hohem Niveau. Abgesehen von dem Zeitkolorit dieser Erzählung, sind die Einsichten in das menschliche Handeln und die Erfahrung darüber, was die wahre Liebe ausmacht, von philosophischer Dimension. Sie machen das Buch zu einem reinen Lesevergnügen. Ich kann es nur jedem empfehlen.

Arthur Japin
Die Verführung
Casanova und seine Zeit
ISBN:38956414114
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Der Teppichhändler

Der Teppichhändler

Diese wundersame Geschichte von dem Teppichhändler aus Tabris im Iran, den es nach New York verschlagen hat, ist von einem besonderen Zauber geprägt.
Uschman, der Held der Geschichte, ist umweht von dem geheimnisvollen Gebaren, das wir uns unter der Mentalität des Orients vorstellen mögen. Leicht naiv, sehr zurückhaltend,
zuweilen eher schüchtern, etwas ratlos über das westlich – freizügige Leben, gelegentlich jedoch durchaus schon mit diesem Leben auch vertraut, nimmt er in unseren Augen nach und nach Gestalt an.

Seine Frau Tarak hat ihn nach New York geschickt, um dort mit dem Verkauf der feinen Teppiche, die sie für ihn aussucht und nach New York schickt, zu Geld zu kommen. Ob sie ihn nur deshalb weggeschickt hat? Oder wollte sie ihn einfach loswerden?
So nach und nach erfährt der Leser seine ganze Geschichte.
Uschman sehnt sich nach seiner Frau und hofft, dass Tarak bald zu ihm kommen wird.
Leider lässt sie ihn eines Tages wissen, dass sie inzwischen einen anderen liebt, von ihm ein Kind erwartet und nach Istanbul ziehen wird.
Sie hat die Scheidung von ihm erreicht.
So bleibt er traurig und verloren alleine. Dass er diese Scheidung widerstandslos geschehen lässt, weist ihn als einen feinen und liberalen Charakter aus.
Eine reiche aber schon recht alte Käuferin versucht, sich ihm zu nähern. Sie ist von den Teppichen des Orients ganz entzückt und sieht ihn, Uschman, fälschlich als Teil ihres Erwerbs an.

Zur gleichen Zeit erfährt er eine unerwartete und ihn zutiefst anrührende Begegnung mit einer jungen, schönen amerikanischen Studentin, aus der eine feine, zarte und sensibel beschriebene Liebesgeschichte wird.
Stella, die junge Frau, die seine Geliebte wird, muss wohl auch dem Reiz des Fremden und Einzigartigen im Charakter von Uschman erlegen sein,–so wie er der feinen, selbstbewussten und unverdorbenen Offenheit in ihr.

In welcher Weise Meg Mullins sich dem Thema nähert, ja, wie sie es fertig bringt, die zwei gegensätzlichen Charaktere des Westens und des Ostens zu beschreiben, das hat mich erstaunt. Setzt es doch eine genaue Kenntnis vom Leben im Iran und den dortigen Geflogenheiten voraus. Es ist ihr wunderbar gelungen, die Gegensätze und die Vereinbarkeiten aufzuzeigen.
Eine vergleichbar zarte und sensibel geschriebene Liebesgeschichte, frei von Klischees oder dem Einschlag von Kitsch, habe ich lange nicht gelesen.
Es war ein großes Vergnügen für mich, das Buch zu lesen.

Meg Mullins
Der Teppichhändler
Eine Liebesgeschichte zwischen zwei Welten
ISBN:382700621
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Der Teppichhändler

Der Teppichhändler

Diese wundersame Geschichte von dem Teppichhändler aus Tabris im Iran, den es nach New York verschlagen hat, ist von einem besonderen Zauber geprägt.
Uschman, der Held der Geschichte, ist umweht von dem geheimnisvollen Gebaren, das wir uns unter der Mentalität des Orients vorstellen mögen. Leicht naiv, sehr zurückhaltend,
zuweilen eher schüchtern, etwas ratlos über das westlich – freizügige Leben, gelegentlich jedoch durchaus schon mit diesem Leben auch vertraut, nimmt er in unseren Augen nach und nach Gestalt an.

Seine Frau Tarak hat ihn nach New York geschickt, um dort mit dem Verkauf der feinen Teppiche, die sie für ihn aussucht und nach New York schickt, zu Geld zu kommen. Ob sie ihn nur deshalb weggeschickt hat? Oder wollte sie ihn einfach loswerden?
So nach und nach erfährt der Leser seine ganze Geschichte.
Uschman sehnt sich nach seiner Frau und hofft, dass Tarak bald zu ihm kommen wird.
Leider lässt sie ihn eines Tages wissen, dass sie inzwischen einen anderen liebt, von ihm ein Kind erwartet und nach Istanbul ziehen wird.
Sie hat die Scheidung von ihm erreicht.
So bleibt er traurig und verloren alleine. Dass er diese Scheidung widerstandslos geschehen lässt, weist ihn als einen feinen und liberalen Charakter aus.
Eine reiche aber schon recht alte Käuferin versucht, sich ihm zu nähern. Sie ist von den Teppichen des Orients ganz entzückt und sieht ihn fälschlich als Teil ihres Erwerbs an.

Zur gleichen Zeit erfährt er eine unerwartete und ihn zutiefst anrührende Begegnung mit einer jungen, schönen amerikanischen Studentin, aus der eine feine, zarte und sensibel beschriebene Liebesgeschichte wird.
Stella, die junge Frau, die seine Geliebte wird, muss wohl auch dem Reiz des Fremden und Einzigartigen im Charakter von Uschman erlegen sein,–so wie er der feinen, selbstbewussten und unverdorbenen Offenheit in ihr.

In welcher Weise Meg Mullins sich dem Thema nähert, ja, wie sie es fertig bringt, die zwei gegensätzlichen Charaktere des Westens und des Ostens zu beschreiben, das hat mich erstaunt. Setzt es doch eine genaue Kenntnis vom Leben im Iran und den dortigen Geflogenheiten voraus. Es ist ihr wunderbar gelungen, die Gegensätze und die Vereinbarkeiten aufzuzeigen.
Eine vergleichbar zarte und sensibel geschriebene Liebesgeschichte, frei von Klischees oder dem Einschlag von Kitsch, habe ich lange nicht gelesen.
Es war ein großes Vergnügen für mich, das Buch zu lesen.

Meg Mullins
Der Teppichhändler
Eine wunderbare Liebesgeschichte
ISBN:382700621X
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Du musst hier nicht leben

Du musst hier nicht leben

Die Autorin wurde in Belgrad geboren und kam mit zwanzig Jahren nach New York.

Sie schildert eine Jugend zwischen jugoslawischer Großfamilie, Aufbruch in ein kommunistisches Kuba, ein Leben in den Bergen Jugoslawiens, in der Großstadt, im Kommunismus, zwischen verschiedenen Religionen und bewegt von vielen Ortswechseln.
Sascha ist die Hauptprotagonistin. Ihre Heimat ist Jugoslawien, wo sie ein unstetes Leben als aufmüpfige Tochter einer kranken, zarten Mutter und eines Vaters, der sich schon längst davon gemacht hat, lebt.
Ihre Schwester Lumen lebt in einer Heilanstalt für geistig Behinderte; sie äußerte der Schwester Sascha gegenüber “ Du musst hier nicht leben“.
Mit fünfzehn Jahren läuft Sascha von zu Hause weg, wird aufgegriffen und zur Großmutter in die Berge geschickt. Auch dort bleibt sie nicht lange, man schickt sie zu einem Onkel nach Kuba.
Hier beginnt sie ein Leben mit Alkohol, Drogen und früher sexueller Liebe. Sie sprengt alle Grenzen der Religion, der Tugend und familiärer Angepasstheit.
Niemand vermag sie zu bändigen. Als die Mutter, zu der sie zwischenzeitlich zurückgekehrt ist, schwer an Krebs erkrankt, kommt sie zu ihrem Vater nach Athen. Dort lebt sie ein vollkommen ungezügeltes Leben, für eine Muslimin unsagbar!
Sie lernt amerikanische GIs kennen, lebt mit diesem oder jenem zusammen. Hier und da findet sie sogar eine Liebe, die ihr heimatliche Geborgenheit vermittelt. Drogenkonsum und Alkoholverzehr sind ständige Begleiter. Es kommt zu Exzessen, sie klaut und schlussendlich setzt ihr Vater sie vor die Tür.
Das Leben geht weiter. Zur Beerdigung der Mutter kehrt sie noch einmal nach Hause zurück.
Am Ende erschleicht sie sich mit falschen Zeugnissen die Einwanderung nach USA. Dort lebt sie ihr einmal begonnenes Leben im sozialen Abseits weiter.
Sie ist hellwach und beobachtet ihre Umwelt, was das Buch zu einem bewegenden Zeugnis einer Aussteigerin macht.
Zwischendrin gibt es zarte Szenen, in denen sie sich nach Liebe sehnt und sie vermeintlich auch ab und zu findet.

Dieses ungebärdige Mädchen ist begabt und intelligent. Nur gelegentlich findet sich ein Gönner, der ihr wirklich wohl will und sie nicht nur auszubeuten gedenkt.

Insgesamt ist die Geschichte traurig und anrührend: wie ein Mensch in eine Welt zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen, zwischen Kriege und zerrissene Familienbande gerät und ganz alleine einen schwierigen, einsamen und abseitigen Weg sucht.
Es ist ein Sozialdrama, lebendig und anrührend geschrieben, fein beobachtet und unserer Zeit mit ihren Religions- und Rassenkonflikten durchaus angemessen.

Cl.B.

Natasha Radojcic
Du musst hier nicht leben
Familiengeschichte im zerrissenen Zeitalter der Kriege
ISBN:3827006317
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Sommerdiebe

Sommerdiebe

Dieses kleine Buch war das Erstlingswerk von Truman Capote. Es ist erst 2004 gefunden und verlegt worden.
Er schrieb dieses Buch mit 23 Jahren. Es läßt bereits ahnen, welche Fähigkeiten in ihm steckten. Er selber befand es der Veröffentlichung nicht für würdig und ließ es unbeachtet, vielleicht sogar im Glauben, dass es vernichtet, liegen.

Es handelt sich um eine merkwürdige kleine Geschichte, und sie spielt kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs.
Die siebzehnjährige Grady McNeil entstammt einer reichen Südstaatenfamilie, die sich auf der Upper East Side in New York angesiedelt hat. Die Mutter bereitet alles vor, ihre junge Tochter in die Gesellschaft einzuführen, die ältere Schwester Apple ist bereits ganz angepasste junge Familienmutter und der Vater ein Finanzmagnat. In diese heile vorgegebene Welt will sich Grady nicht einfinden.
Die Eltern schiffen sich zu einer großen Europareise für den Sommer in Europa ein.
Grady hat es vorgezogen, zu Hause zu bleiben. Voller Neugier auf ein unbekanntes Leben verliebt sie sich in den jüdischen Parkplatzwächter Clyde und verbringt mit ihm den Sommer im heißen und schwülen New York. Clyde gehört nicht zu der Klasse, die sich ihre Familie für sie gedacht hat.
Die Tage vergehen im Fluge und sie taucht ohne Hemmungen in diese ihr fremde Welt ein.
Die Schwester Apple kommt schließlich hinter ihr unglaubliches Leben, will sie heraus holen und ihr behilflich sein, in ihrer aller Leben zurückzukehren.
Die Geschichte endet jedoch tragisch, wie könnte es anders sein!
Ein wunderbar geschriebenes kleines Büchlein, voller Infragestellungen , was das Leben in der Upperclass bedeuten kann : die Leere und Öde eines vorprogrammierten Lebens in eingefahrenen Gleisen. Nur : das andere Leben birgt auch kein Glück. Im Gegenteil.
Cl.B.

Truman Capote
Sommerdiebe
New York nach dem Krieg, Upper Class- Geschichte
ISBN:ISBN3036951571
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Emoticon

Emoticon

Emoticons, das sind die kleinen Zeichen, mit denen man sich beim Schreiben im Internet Stimmungen vermittelt: lächeln, seufzen, weinen, grinsen, Küsse usw. Sie sind zum Titel des Buches geworden, denn es geht hier u. a. auch um eine Liebesbegegnung, die über das Internet entstanden ist.

Die Politik Israels und Palästinas, das Leben als Jude heute in Israel und anderswo, all’ das zusammen wird in der Erzählung zu einem spannenden Roman ausgesponnen.

Zwei Frauen, Lola und Esther, Holländerinnen und Halbjüdinnen beide, gehen als junge Frauen aus Idealismus für eine Zeit lang nach Israel, um in einem Kibbuz zu arbeiten. Neben der schweren Arbeit tun sich einige Liebeleien auf. Beide werden schwanger, eine nur, Lola, bekommt das Kind, einen Sohn, Daniel. Er wird zum zentralen Mittelpunkt des Romans. Der Vater bleibt ungenannt und unbekannt für das Kind. Seine Person aber sorgt für schwere Konflikte zwischen den beiden Freundinnen.
Es geht im Verlauf der Geschichte auch um die Freundschaft und die Liebe und die Verschiedenartigkeit und Eifersucht zwischen den beiden Frauen.
Sie leben in Holland, wo Daniel heranwächst, geliebt von beiden.
Daniel erfährt sehr viel später von seinem israelischen Vater. Seine Sehnsucht, ihn zu suchen und kennen zu lernen, treiben ihn im Alter von 17 Jahren zu einer abenteuerlichen Reise nach Israel, um sich beim israelischen Militär zu verdingen. Esther, die Freundin seiner Mutter, begleitet ihn.

Neben dieser Handlung gibt es einen zweiten Strang: Aischa, eine Palästinenserin, wild, aufmüpfig und kämpferisch, will für ihr Land alles tun, vor allem aber in der Art einer Märtyrerin ein Zeichen setzen: sie gewinnt über das Internet Kontakt zu dem unerfahrenen und noch sehr jungen Daniel, der sich nach Liebe sehnt und nicht ahnt, welche Gefahren ihm durch diese anonymen Begegnungen im Internet drohen. Das Schicksal nimmt mit all’ seiner Tragik seinen Lauf!
Die Frauen werden auf der einen und auf der anderen Seite in ihren Leidenschaften, zwischen Liebe und Verzweiflung, hin und her gerissen. Krieg und Frieden, Liebe und Freundschaft: Jessica Durlacher hat beide Themen zu einem gelungenen Werk zusammen geführt.

Ihr ist mit diesem Roman ein äußerst spannender Politkrimi gelungen. Es bleibt aber nicht beim Krimi alleine, sondern Liebe, Erwachsenwerden, Freundschaft, die Politik Israels und Palästinas bieten einen sehr realistischen Hintergrund für die Erzählung, die dadurch eine spezielle Brisanz und Realitätsnähe gewinnt.

Es ist ein aufwühlendes, spannendes und sehr politisches Buch.
Cl.B.

Jessica Durlacher
Emoticon
Spannender, literarisch ambitionierter Politkrimi
ISBN:ISBN3257065159
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Große Reise ins Feuer

Große Reise ins Feuer

Seyran Ates hat in diesem Buch ihren eigenen Lebensweg von der Türkei nach Deutschland als Migrantin beschrieben.
Ihre Eltern hatten sich ihre Heirat durch Flucht ertrotzt und waren in steter Liebe einander verbunden.
Sie zogen, um Arbeit zu finden, aus einem Dorf nach Istanbul.
Seyran hat zwei ältere Brüder, eine jüngere Schwester und einen jüngeren Bruder.
Als Seyran fünf Jahre alt war, ist ihre Mutter, an der sie sehr hing, verschwunden. Später ist auch der Vater weg. Sie bleibt bei Verwandten und versteht erst später, dass die Eltern als Gastarbeiter nach Deutschland gegangen sind.
Die Kinder werden etwas später erst nach Deutschland geholt.

Seyran empfindet ihr Leben sehr bald schon als Zumutung: sie muß ständig dienen und bedienen und heimst viele Schläge ein, mal vom Vater und mal vom älteren Bruder, auch von der Mutter.
Sie besucht die Grundschule und wird mit einem der besten Zeugnisse für das Gymnasium empfohlen.
So wechselt sie auf eine weiter führende Schule und kommt mehr und mehr mit ihrem häuslichen und außerhäuslichen Leben in Konflikte.
Die Freiheiten der deutschen Schülerinnen sind ihr nicht gegeben. Sie muß zu Hause die unterwürfige Tochter und Schwester sein, in der Schule aber lernt sie die Freiheit der Selbstbestimmung kennen.
Je länger sie in der Schule ist, zunächst noch abgelehnt, allmählich dank ihrer Leistungen anerkannt, desto schwerer fällt ihr der klimatische Wechsel.

Mit ca 17 Jahren beschließt sie, von zu Hause abzuhauen.
Es beginnt eine zermürbende Zeit, hin und her gerissen zwischen den Banden der Großfamilie, die sie liebt, und ihrem Freiheitsdrang.

Daneben macht sie eine ausgezeichnete Schülerinnenkarriere, wird Schulsprecherin, nimmt an Demonstrationen teil und benimmt sich in jeder Hinsicht sehr aufmüpfig.
Alles in allem ist Seyran Ates von ausgeprägter Charakterstärke und einem eisernen Willen beseelt, der sie viele Hürden überwinden lässt.
Am Ende studiert sie Jura.
Inzwischen schafft sie es, sich mit den Eltern, die sie lieben und die sie liebt, zu versöhnen, wenn auch von massiven Ängsten bei ihren diversen Besuchen begleitet.
Sie ist politisch aktiv, lebt in Wohngemeinschaften, lebt sieben Jahre mit einem guten Freund zusammen,–alles geduldet und am Ende auch respektiert von ihrer Familie.
Ein Attentat in einem Frauenberatungszentrum überlebt sie schwer verletzt und kann erst nach langer Zeit ihr Studium wieder aufnehmen und beenden.
Heute lebt sie als Anwältin in Berlin.
Viele Menschen haben ihr geholfen und zur Seite gestanden, was sie mit warmer Dankbarkeit erwähnt.

Ihr Leben ist ungewöhnlich und sicher nicht exemplarisch für allzu viele Migrantinnen aus der Türkei.
Im ersten Teil verdeutlicht sie sehr anschaulich die Konflikte, die das Leben zwischen zwei Kulturen heraufbeschwört. Einerseits die wichtige Funktion der Verwandten und das Geborgenheitsgefühl in der traditionellen Großfamilie, andererseits die Freiheit und Selbstbestimmung in einer westlich geprägten Kultur. Ihre Verzweiflung, diese beiden Welten nicht miteinander vereinbaren zu können, wirkt sehr authentisch.

Der letzte Teil des Buches ist voller idealistischer Vorstellungen, dass diese zwei Leben zu vereinigen doch möglich sein sollte. Hier befindet sich Seyran Ates nach meinem Gefühl noch auf einem Weg, der vielleicht eines Tages wünschenswert wäre, von dem wir aber nicht wirklich wissen, ob er in unserer Welt realisierbar ist.
Es ist ein interessantes, aufschlussreiches und sehr lesenswertes Buch, da Seyran Ates mit aufgeklärtem Geist aus ihrer so anderen Welt ín unsere gewechselt ist und weiterhin die Verbindung zu ihrer alten Welt pflegt und aufrechterhält.
Sie hat großartige Eltern, die sich über alle kulturellen Grenzen hinweg bemüht haben, ihr Kind anzunehmen und gelten zu lassen Das ist auch unter heutigen Bedingungen in türkischen Familien nicht unbedingt selbstverständlich.

Seyran Ates
Große Reise ins Feuer
Leben zwischen zwei Welten
ISBN:3871344524
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Zu weit draußen

Zu weit draußen

Dieses Buch ist als Roman deklariert. Unschwer aber ist zu erkennen, dass hier jemand aus tiefster eigener Erfahrung berichtet.

J. Groschupf ist das Erlebnis in diesem Roman selber widerfahren.

Er machte als Reisejournalist eine wunderbare Reise in die Wüste der Sahara im Süden Algeriens. Nach der Besichtigung uralter Höhlenmalereien soll es im Hubschrauber zurück zum Ausgangspunkt der Oase Djanet gehen.
Der Hubschrauber, in dem Groschupf saß, stürzte kurz nach dem Start ab. Er ist der einzige, der lebend herauskommt mit zu 80% verbrannter Haut.

Von Beginn der Erzählung an ist man in Bann geschlagen.
Erinnerungsfetzen an die eigenen kleinen Kinder sind die ersten Beziehungspersonen, die das ganze Buch hindurch immer wieder erwähnt werden und als ganz wichtiges Band zum Leben bestehen bleiben.
Die gescheiterte Beziehung zur Mutter der Kinder, eine hässliche Arbeitswohnung in Berlin, Erinnerungen an die Kindheit und an die gestrengen und unverständigen Eltern,–abwechselnd mit diesen Erinnerungen erblühen herrliche Bilder über den Mond und die unerbittliche Sonne in der Wüste, über die Sterne und immer wieder die faszinierende Stille an diesem entlegenen Ort.
Ganz besonders anrührend wird die stumme, ein Jahr dauernde schmerzhafte Behandlung der Wunden zu einem einmaligen poetisch – realistischen Erfahrungsbericht in diesem Buch.
Der tiefe soziale Fall zum Sozialhilfeempfänger mit allen damit verbundenen Erniedrigungen, der Kälte und Trostlosigkeit eines aus allen Bezügen des Lebens heraus Gefallenen kommt ebenso zur Sprache, wie das Unvermögen zum Verstehen derer, die die Verwandlung eines so zu einem Neuanfang Verdammten nicht nachvollziehen können.
Insgesamt wird das körperliche und seelische Leiden in einer so reflektierten, hochsensiblen und poetischen Sprache beschrieben, dass es den Leser tief berührt.
J.G. ist ein ungewöhnlicher Mann, der seinen Erfahrungen einen ganz eigenen, teilweise nur beobachtenden und teilweise gefühlsmäßig sehr scharf wahrgenommenem Stil Ausdruck gibt.
Ein höchst anrührenden Buch!
Cl.B.

Johaanes Groschupf
Zu weit draußen
Ein ungewöhnlichs und dramatiches Erlebnis
ISBN:3821857544
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