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Autor: hera

Axel Brauns: Kraniche und Klopfer

Axel Brauns: Kraniche und Klopfer

Im ganzen Haus stehen sie, die Kisten mit „Das kann man doch nicht wegwerfen, „Wie schön das ist“, Das will ich mir noch ankucken“, „O ist das wichtig“. In diesem Chaos leben Adina und der jüngere Bruder mit ihrer Mutter. Die Kinder werden von der Welt draußen abgeschottet. Fremde Menschen, von der Mutter Klopfer genannt, machen ihnen Angst. So hat Adina dann auch große Schwierigkeiten, als sie in die Schule kommt. Die Mutter müllt unterdessen das Haus immer mehr zu. Um in ihr Zimmer zu kommen, müssen die Kinder über einen Kistenberg klettern. Hohe Kistentürme sind gefährlich und so passiert eines Tages der unfassbare Unfall, bei dem der kleine Bruder ums Leben kommt. Adina bleibt für einige Zeit im Krankenhaus. Als sie wieder nach Hause kommt, türmen sich die Kisten höher als zuvor auf. Die Mutter kümmert sich nicht weiter um Adina. Das Mädchen ist sich selbst überlassen.

Trotz aller Warnungen der Mutter schließt Adina Freundschaft mit einer Klopfer-Frau. Erla Meier nimmt Adina mit in den Duvenstedter Brook. Es ist ein Naturschutzgebiet, wo Kraniche brüten. Adina gefällt es hier. Einmal im Monat darf sie nun mit Erla Meier gehen. Und hinterher gibt es ein Bad, saubere Sachen und Apfelpfannkuchen. Alles Dinge, die es zu Hause nicht gibt. Wenn es doch bei ihrer Mutter genauso schön wäre. In Adina keimt Hoffnung auf, als die Mutter mit ihr in den Urlaub fährt. Das ist ein guter Anlass für einen Neuanfang. Die Mutter verspricht nach den Ferien endlich mit dem Aufräumen anzufangen. Aber Adina wird wieder enttäuscht. Die Mutter sammelt weiter, bis der Müll die Herrschaft vollständig übernimmt.

Die Mutter scheint nach dem Tod ihres Mannes, nicht mehr mit ihrem Leben klar zu kommen. Aber die Dinge, die sie im Klopfer-Land einsammelt und nach Hause bringt, machen sie glücklich, helfen ihr über ihren Schmerz hinweg. So sammelt sie nach dem Tod ihres Sohnes noch versessener. Nach außen hin wird weiter der Schein gewahrt. Niemand darf ins Haus. Der Autor konzentriert sich jedoch auf die Gefühlswelt Adinas, versetzt sich ganz und gar in das kleine Mädchen, beschreibt, wie sie empfindet. Lange Zeit glaubt Adina ihrer Mutter, die immer wieder vor der Klopfer-Welt mit ihren Gefahren warnt. Und diese Welt fängt vor der Haustür an. So hält Adina Abstand zu ihren Mitschülern, nimmt es sogar hin, dass sie immer wieder verprügelt wird. Dennoch ist die Geschichte sehr warmherzig geschrieben, nicht tadelnd oder vorwurfsvoll. Das Buch geht auch so unter die Haut. Adelinas Schicksal berührt tief. Der Autor schockiert nicht, er löst mit seiner Aufrichtigkeit, seiner Unaufdringlichkeit und seiner Sensibilität Betroffenheit aus und weckt Mitgefühl. Diesem Buch kann man sich einfach nicht entziehen.

Über den Autor:
Axel Brauns, 1963 in Hamburg geboren, brach 1984 sein Jurastudium ab, um ein Buch über seine autistische Kindheit zu schreiben. Das Buch heißt „Buntschatten und Fledermäuse“. „Kraniche und Klopfer“ ist sein zweites Buch.

Rezension von Heike Rau

Axel Brauns
Kraniche und Klopfer
304 Seiten, gebunden
Hoffmann und Campe, Hamburg
ISBN: 3-455-00585-3
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Astrid Rösel: Mein erstes Becherlupen-Buch

Astrid Rösel: Mein erstes Becherlupen-Buch

Die Hauptdarsteller in diesem Buch sind: der Regenwurm Richard, der Marienkäfer Martin, der Tausendfüßler Timo, die Raupe Roberta, die Schnecke Svenja, die Spinne Stella und die Kellerassel Klara. Jedem Tier ist ein Kapitel gewidmet.

Sehen wir uns ein Kapitel näher an: „Richard, der Regenwurm“
Zunächst wird als Einführung eine kleine Geschichte erzählt. Dann wird zusammengefasst, wie ein Regenwurm lebt. Besonders beleuchtet werden dann noch mal, wo der Regenwurm lebt, was er frisst, welche Gefahren lauern und wie das mit der Fortpflanzung funktioniert. Auch einige Gerüchte über den Regenwurm werden ausgeräumt. So wird er beispielsweise nicht Regenwurm genannt, weil er bei Regen an die Erdoberfläche kommt. Vorhanden ist auch ein farbiges Bild mit Bezeichnungen der Körperteile.
Auf der nächsten Seite kommt die Becherlupe zum Einsatz. Vorsichtig wird ein Regenwurm eingefangen und für kurze Zeit in den Becher gesetzt. Kinder können nun unter der Lupe ganz deutlich sehen, wie der Regenwurm aussieht. Kinder die länger beobachten wollen, füllen die Becherlupe etwa zur Hälfte mit Erde und können nun beispielsweise sehen, wie der Regenwurm Teile eines Laubblattes frisst. Es werden noch weitere interessante Experimente vorgeschlagen. Gezeigt wird auch, wie ein Regenwurmbeobachtungskasten gebaut wird.

Für kleine Forscher ist das Buch ideal. Mit den kleinen Geschichten wird das Interesse an den Tieren geweckt. Danach wird Wissenswertes in kurzen kindgerechten Sätzen erklärt und dabei auch Erstaunliches mit zur Sprache gebracht. Die kleinen Experimente mit und ohne Becherlupe sind sehr spannend und aufschlussreich. Dabei wird den Kindern auch ganz selbstverständlich vermittelt, dass sie sehr vorsichtig und behutsam mit den Tieren umgehen müssen, denn Tiere sind kein Spielzeug.
Weiterhin gibt es eine Seite mit erstaunlichen Rekorden der Becherlupentiere. Bei einem spannenden Quiz können Kinder ihr Wissen testen. Mit im Buch ist das Becherlupen-Lied „Heut gehen wir raus“, das man auch von der Website des Verlages runterladen kann.
Tolle Illustrationen ergänzen die Texte. Teilweise sind sie sehr lustig, wie der Regenwurm mit Sonnenbrille, der im Liegestuhl unter einem Sonnenschirm liegt und seinen Wurmende in einem Wassereimer kühlt. Alle Bilder sind sehr farbenfroh und ansprechend.

Rezension von Heike Rau

Astrid Rösel
Heidemarie Brosche
Mein erstes Becherlupen-Buch
Geschichten, Wissenswertes und Experimente rund um die kleinen Krabbeltiere
Illustrationen von Constanze Schargan
48 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert
ab 4 Jahren
moses. Verlag
ISBN: 3-89777-226-4
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Weiße Sklaven

Weiße Sklaven

Am 2. Mai 1815 läuft die Brigg Commerce unter Kapitän James Riley in Connecticut zu einer Handelsreise aus. Die Commerce ist ein stabil gebautes neues Schiff. An Bord sind neben dem Kapitän elf Besatzungsmitglieder. Die Fahrt steht unter keinem guten Stern. Bei schlechtem Wetter und in dichtem Nebel kommt die Commerce vom Kurs ab und läuft vor der Westküste Afrikas bei Cap Boujdour auf ein Riff auf. Die Lage ist sehr ernst. Dennoch schafft es die Mannschaft, sich an Land zu retten. Um einer Gefangennahme durch die Einheimischen zu entgehen, wagen die Männer sich mit dem Beiboot wieder hinaus aufs Meer. Doch es gibt kein Entkommen. Bis Kap Barbas schaffen es die Männer, landen an der Steilküste an. Es ist unvorstellbar mühsam für die entkräfteten Männer, einen Weg nach oben zu finden. Was sie dann schließlich sehen ist eine tot scheinende Landschaft – die Wüste. Die Männer fühlen sich am Ende ihrer Möglichkeiten. Panik macht sich breit. Doch zum Sterben hinlegen, wollen sie sich nicht. Sie brechen ins Landesinnere auf. Schließlich entdecken sie in der Nacht ein Lagerfeuer und beschließen, die Menschen dort um Hilfe zu bitten. Doch die Hilfe wird ihnen verwehrt. Stattdessen verlieren sie ihre Freiheit und werden versklavt.

1995, wie der Autor im Vorwort schreibt, fiel ihm James Rileys Buch „Sufferings in Africa“ in die Hände. Und auch die Aufzeichnungen eines zweiten Überlebenden des Schiffbruchs, Archibald Robbins, fanden sich. Beide Berichte kommen nun im vorliegenden Buch zusammen. Zudem reiste der Autor selbst in die Sahara.
Entstanden ist ein beeindruckendes, aber auch sehr erschütterndes Werk.. Die Besatzung der Commerce gelangte in eine schier ausweglose Situation. Und trotzdem kämpften die Männer um ihr Überleben. Auch das letzte bisschen menschliche Würde wurde ihnen genommen. Sie hungerten und waren ständig am verdursten. Die Hitze war nicht zu ertragen. Die Situation war so unglaublich entmutigend. Der Autor nimmt sich sehr viel Platz für Gefühlsbeschreibungen und Gedanken, die verdeutlichen, wie es den Männern ging. Das berührt beim Lesen tief.

„Weiße Sklaven“ ist zudem sehr interessant geschrieben. Der Autor stellt auch Ungereimtheiten gegenüber, die auftauchen, wenn man Rileys Bericht mit dem von Robbins vergleicht. Er versucht zu erklären, was wirklich passiert sein könnte. Auch aktuelle Forschungsergebnisse, wie etwa zur Dehydratation fließen in den Text mit ein. Historische Hintergrundinformationen sind vorhanden und Karten, so dass der Leser die Routen genau verfolgen kann.

Über den Autor:
Dean King, geboren 1962, lebt mit seiner Familie in Richmond, Virginia. Der Journalist und Autor von neun Büchern gab die „Heart of Oak Sea Classics“-Reihe heraus und schreibt beispielsweise für „National Geographic Adventure“ und die „New York Times“.

Über die Übersetzerin:
Heike Steffen ist Jahrgang 1968. Sie studierte Literaturübersetzung in Düsseldorf und Spanien. Für den marebuchverlag hat sie beispielsweise den Roman „Der Unmensch“ von Arabella Edge ins Deutsche übersetzt. Heike Steffen lebt in Hamburg.

Rezension von Heike Rau

Dean King
Weiße Sklaven
Die wahre Geschichte von einem Schiffbruch in der Sahara
Übersetzt von Heike Steffen
440 Seiten, gebunden, mit s/w-Abbildungen
marebuchverlag, Hamburg
ISBN: 3-936384-43-6
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Tim Parks: Weißes Wasser

Tim Parks: Weißes Wasser

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
Mehrere Leute, Jugendliche und Erwachsene, treffen sich in den italienischen Alpen. Die Kajakfahrer wollen unter Anleitung von Clive und seiner Freundin Michaela, die gerade zurück sind von einer Antiglobalisierungs-Demo in Mailand, neue Erfahrungen sammeln und aufregende Abenteuer erleben. Doch jeder der Teilnehmer schleppt auch seine persönlichen Probleme mit an den Fluss. Zum Beispiel Vince, Bankdirektor, dessen Leben nach dem Tod seiner Frau durcheinander geraten ist. Er ist im Moment eigentlich gar nicht gemeinschaftstauglich. Doch mit der zu erwartenden körperlichen Anstrengung will er Kummer und Schmerz vertreiben. Auftretende Probleme zwingen ihn, sich mit den anderen Kajakfahrern auseinanderzusetzen.
Clive hat es sich zur Aufgabe gemacht, seinen Kursteilnehmern, Respekt vor der Natur zu vermitteln. Doch was wirklich in seinem Kopf vorgeht, was er vorhat, und vor allem, wie weit er für seine Überzeugung gehen würde, durchschaut niemand.

Sechs Erwachsene und neun Jugendliche, die muss man erst mal auseinanderhalten. Doch kristallisieren sich als Hauptpersonen bald Clive, Vince und Michaela heraus. Zusammenhalt ist ein Muss bei diesem Sport. Jeder ist vom anderen anhängig, ob er will oder nicht. Kajakfahren ist gefährlich. Eine Woche Wildwasserfahren scheint gut geeignet, um durch Konzentration aufs Wesentliche, Probleme zu vergessen. Tatsächlich werden aber unter der Oberfläche ruhende Sorgen mit aller Macht hoch getrieben. Und durch den Gruppenzwang werden zusätzlich Konflikte provoziert. Das wirkt beängstigend. Zumal besonders von Clive, dem charismatischen Leiter der Gruppe, eine nicht abzuschätzende Gefahr ausgeht. Es lässt sich schlecht einschätzen, was wirklich in seinem Kopf vorgeht.
Der Autor schreibt sehr rastlos. Lässt sich keine Zeit für Zeichensetzung bei wörtlicher Rede oder bessere Strukturierung durch Absätze. Das Gelesene beunruhigt unterschwellig. Immer hat man das Gefühl, es passiert gleich etwas, gleich kommt es zur Katastrophe.
Das Ende lässt den Leser dann ratlos und nachdenklich, aber mit einer nicht ganz neuen Lebensweisheit zurück. Das Leben ist wie ein Wildwasserfluss – gefährlich und voller Tücken.

Über den Autor:
Tim Parks wurde 1954 in Manchester geboren. Er studierte in Cambridge und Harvard. Der mit seiner Familie in Verona lebende Autor gewann zahlreiche Literaturpreise.

Rezension von Heike Rau

Tim Parks
Weißes Wasser
Aus dem Englischen von Ulrike Becker
271 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann, München
ISBN: 3-88897-382-1

Total schaurig!

Total schaurig!

1. Zeit des Unheils
Ryan besucht seine Verwandten in einem kleinen Dorf in den Bergen. Ein Schneesturm wütet, macht die Atmosphäre im Haus unheimlich. So hat Ryan gleich in der ersten Nacht einen Albtraum. Und dann übermittelt ihm der kaputte Computer auch noch eine seltsame Botschaft. „Unheil“. Das kann wohl kaum am Wetter liegen.
Ryan stapft durch den Schnee, er will einer alten Frau ein eiliges Paket bringen. Im Haus dieser Frau entdeckt er ein Bild, dass eine Szene aus seinem Albtraum zeigt. So erfährt er von der „Turmuhr des Unheils“ und der Legende. Ryan ist dazu bestimmt, das Rätsel um die Turmuhr zu lösen und einen Fluch zu bannen.

Eine spannende Geschichte mit einem sehr schaurigen Einstieg. Allerdings spielt die beängstigende Szene mit dem Hund nur eine untergeordnete Rolle. Es geht vielmehr um die Turmuhr, die erschaffen wurde, die Zeit zu beherrschen. Albtraum und Wirklichkeit verschmelzen und niemand kann ahnen, wo das hinführen wird. Sehr aufregend, aber noch in einem gut verträglichen Maß!

2. Briefe aus dem Grab
Kate ist neu in der Klasse. Mary hat es auf sie abgesehen. Doch immer wenn Mary auf Kate losgeht, passieren merkwürdige Dinge. Hier scheint eine unbekannte Macht am Werk zu sein. Und das kann nur eins bedeuten: Kate ist eine Hexe.

Hinter dieser Geschichte steckt etwas ganz anderes, als man zunächst glauben mag. Das sorgt für unglaubliche Spannung. Immer weiter wird man hineingezogen in diese seltsame Geschichte, in der auch ein Geist eine Hauptrolle spielt. Beängstigende und vor allem zunächst unerklärbare Situationen entstehen, immer mehr spürt man eine unterschwellige Bedrohung. Kaum vermag man, eine Gänsehaut zu unterdrücken. Der Gruselfaktor ist im Vergleich zur ersten Geschichte um einiges angestiegen.

3. Das Phantom am Fenster
Stan und Floella haben mit ihrem Vater ein neues Haus bezogen. Direkt gegenüber, in einiger Entfernung, steht ein weiteres, aber verlassenes Haus. Um den ehemaligen Besitzer, einen Hirnforscher, ranken sich beängstigende Gerüchte. Und eines Tages glaubt Stan in einem der Fenster das Gesicht eines Jungen gesehen zu haben. Sicher ist das nur ein seltsames Phänomen oder eine optische Täuschung. Doch wenig später erfährt Stan, dass dieser Junge vermisst wird. Scheinbar hat er sich die seltsame Erscheinung doch nicht eingebildet. Aber was macht der Junge in diesem verlassenen Haus.

Jetzt geht es richtig zur Sache. Diese Geschichte ist wirklich nichts für schwache Nerven. Stan wird in eine unglaubliche Geschichte hineingezogen, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Es sieht so aus, als könnte er sich gegen bestimmte Einflüsse nicht wehren. Besonders grausige Szenen spielen sich dann in dem angeblich verlassenen Haus ab. Da bleibt einem wirklich fast das Herz stehen.

Fazit: Für Gruselfans ist das Buch ein Muss. Der Gruselfaktor steigt mit jeder Geschichte. Und der Preis kann sich sehen lassen! 6,00 Euro.

Rezension von Heike Rau

Paul Stewart/Felicity Everett/Emma Fischel
Total schaurig!
352 Seiten, gebunden
ab 11 Jahren
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 3-473-34639-X
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Die Staubfee

Die Staubfee

Es ist unglaublich, was die Zwillinge Ben, Lisa und ihre Mutter da im Lampenschirm entdecken. Man könnte es schlicht für Dreck halten. Sieht man jedoch ganz genau hin, so wie die Kinder, kann man ein kleines zartes Wesen erkennen. Vor dem Putzlappen hat es große Angst. Blitzschnell kommt es aus der Lampe geflogen. Die kleinen Staubkörnchen folgen und bilden auf dem Boden Wörter. Jetzt wissen die drei, wen sie vor sich haben: Die Staubarmee und ihre Staubfee. Doch dann läutet das Telefon und verschreckt das Wesen, das mit seinem Gefolge aus Staubkörnchen das Weite sucht. Ben und Lisa haben aber noch viele Fragen. Sie wollen wissen, wer die Staubfee ist und woher sie kommt. Bald machen sie sich wieder auf die Suche und ein spannendes Abenteuer beginnt.

Eine sehr fantasievolle Geschichte. Ben und Lisa erleben ein zauberhaftes Abenteuer, und das direkt bei ihnen zu Hause. Sie lernen ein unbekanntes Wesen kennen und hören von seiner Vergangenheit. Die Geschichte eignet sich sehr gut für Leseanfänger. Einfache Wortwahl und große Schrift erleichtern das Lesen. Auch zum Vorlesen ist „Die Staubfee“ zu empfehlen, gern auch als Gute-Nacht-Geschichte. Zum Träumen lädt sie geradezu ein. Die Geschichte beeindruckt außerdem durch ihre Schlichtheit. Die Autorin erzählt mit Ruhe, kommt ganz ohne übertrieben dramatische Szenen aus. Leider wirken die Geschichte an einigen Stellen nicht perfekt ausformuliert. Trotzdem sind sie sehr spannen, machen neugierig und regen die Fantasie an. Staubflusen sieht man nach der Lektüre sicher mit anderen Augen. Dazu tragen auch die fantasievollen Illustrationen von Anette Kannenberg bei.

Über die Autorin:
Nicole Rensmann, Jahrgang 1970, wurde in Remscheid geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann und den zwei Kindern lebt. Sie arbeitet seit 2000 als freie Autorin und stieg 2002 beim Print-Magazin „phantastisch!“ ein.
www.nicole-rensmann.de

Rezension von Heike Rau

Nicole Rensmann
Die Staubfee
101 Seiten, broschiert
ab 6 Jahre
Verlag Eifelkrone Musik und Buch
ISBN: 3-937640-07-X
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Lisas Zoogeschichten

Lisas Zoogeschichten

Lisas Vater ist Zoodirektor. Da versteht es sich von selbst, dass Lisa ihre freie Zeit oft im Zoo verbringt. Doch sie hat eine ganz besondere Fähigkeit, sie kann die Tiere verstehen und sogar mit ihnen sprechen.
Als Lisa die Tiere vor einem Feuer rettet, wird sie zur Ehrendirektorin ernannt. Ab sofort setzt sie sich noch viel mehr für den Zoo ein. Sie sorgt dafür, dass Kängurus angeschafft werden, kümmert sich um die kranken Eisbären und erlebt eine Giraffengeburt Sie hilft, den flüchtigen Tiger wieder einzufangen, führt eine Schulklasse durch den Zoo und vieles mehr.

Lisa erlebt im Zoo eine ganze Reihe von spannenden Abenteuern. Den Wunsch, mit Tieren sprechen zu können, hat bestimmt jedes Kind schon einmal verspürt. Lisa gelingt es so, die Tiere mit ihren Sorgen besser zu verstehen. Das hilft ihr, sich für die Tiere gezielt einzusetzen. Dabei geht Lisa sehr unbeschwert mit den Tieren um, sie kennt keine Berührungsängste. Die Texte sind gut zum Vorlesen geeignet. Grundschulkinder können natürlich selber lesen. Die Schrift ist schön groß und die einzelnen Geschichten haben genau die richtige Länge, um Leseanfänger nicht zu überfordern. Mit im Buch sind eine Reihe fantasievoller Illustrationen, die kindgerecht sind und sehr gut gefallen.

Über den Autor:
Markus Salomon wurde 1967 geboren. Der Dipl. Kfm (FH) arbeitet als Flugdienstberater und lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Köln.

Rezension von Heike Rau

Markus Salomon
Lisas Zoogeschichten
123 Seiten, broschiert
ab 6 Jahren
Verlag Eifelkrone Musik und Buch
ISBN: 3-937640-04-5
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Überleben!

Überleben!

Februar 1945. Niederschlesien. Die Russen rücken näher. Der Evakuierungsbefehl ist da. Die Großmutter, die schwangere Mutter und die Kinder, die 15jährige Gisel, der 12jährige Erwin, der 6jährige Harald und der noch nicht mal 2 Jahre alte Wolfi müssen zum Bahnhof. Alles was ihnen lieb und teuer ist, müssen sie zurücklassen. Nur was sie schleppen können und was für das Überleben wichtig ist, darf mit. Unterwegs bekommt die Mutter Wehen. Sie muss raus aus dem Zug und in ein Krankenhaus. Die Großmutter verspricht, die Kinder nach Dresden zu bringen und dann zurückzukehren.
Bei einem Zwischenstopp auf einem Bahnhof verlieren die Kinder ihre Großmutter, aus den Augen. Irgendwo steht sie am Schalter an. Dann schrillt die Sirene. Fliegeralarm! Gisel versucht die Kleinen zu beruhigen. Sie muss mit ihnen in einen Luftschutzkeller. Gepäck bleibt zurück und dann verliert sie im Chaos auch noch Harald. In der Damentoilette des Luftschutzbunkers finden die Kinder sich wieder. Doch dann schlagen die Bomben ein. Das Licht geht aus. Die Kinder sind allein. Die Tür lässt sich nicht öffnen. Wenigstens hat Harald den Rucksack mit dem Proviant gerettet. Bald stellen die Kinder fest, dass nebenan jemand sein muss. In der Herrentoilette ist ein Soldat. Er ist schwer verletzt. Durch ein Rohr hindurch können die Kinder sich mit ihm verständigen. Der Mann vermittelt den Kindern, was jetzt wichtig ist, da es dauern kann, bis sie gefunden werden. Die Zeit schleicht dahin.

Das Buch ist ein Geburtstagsgeschenk. Geschrieben von einer Großmutter für ihre Enkelin. Gisela, genannt Gisel, erzählt, was sie um ihren 16. Geburtstag auf der Flucht erlebte. Ganz auf sich allein gestellt, saß sie mit ihren Geschwistern und einem nicht zur Familie gehörenden Mädchen in der Damentoilette des Luftschutzbunkers fest. Es war ein Kampf ums Überleben. Gisel orientierte sich an dem Verhalten, das ihre Mutter, wäre sie da gewesen, an den Tag gelegt hätte. Sie griff die Ratschläge des schwer verwundeten Soldaten von nebenan auf. Die Geschichte ist dramatisch und sehr packend. Sie zeigt jungen Leuten von heute, wie Kinder und Jugendliche den Krieg erlebten, wie ausgeliefert sie den Geschehnissen waren und wie verzweifelt, welches Schicksal sie und ihre Verwandten traf. Dabei wird ihre Sehnsucht nach Frieden und ihr Überlebenswille deutlich gemacht. Gisel wird nicht als Heldin dargestellt. Sie ist ein Mensch mit Fehlern und Schwächen. Doch sie gibt ihr Bestes, entwickelt Stärke und das macht die tragische und unglaubliche tiefgründige Geschichte so glaubwürdig, eine Geschichte, die unter die Haut geht und sehr berührt.

Über die Autorin:
Gudrun Pausewang musste als 16jährige das Elend von Flucht und Vertreibung am eigenen Leib erfahren. Mit ihren Büchern über den Krieg kämpft sie gegen das Vergessen.

Rezension von Heike Rau

Gudrun Pausewang
Überleben!
Ravensburger Buchverlag
220 Seiten, gebunden
für junge Erwachsene
ISBN: 3-473-35254-3
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Martin Waddell: Gute Nacht, kleiner Bär!

Martin Waddell: Gute Nacht, kleiner Bär!

Der große Bär putzt die Bärenhöhle. Der kleine Bär geht nach draußen zum Spielen. Hinter der Bärenhöhle, ein kleines Stück die Felsen hinauf, entdeckt er einen Platz, der für eine eigene kleine Bärenhöhle wie geschaffen ist.
Der große Bär vermisst bald den kleinen Bär und macht sich auf die Suche. Er klettert die Felsen hinauf und staunt über die kleine Bärenhöhle. Sogar ein Bett ist vorhanden. Nur Spielsachen fehlen dem kleinen Bär noch. Die holen die beiden Bären gemeinsam. Der kleine Bär fühlt sich wohl in der neuen kleinen Höhle, so dass er darin ganz allein übernachten will. Wie er da so in seinem Bettchen in der kleinen Höhle liegt, fragt er sich aber dann doch, ob der große Bär ihn nicht vermisst. Und eine Gute-Nacht-Geschichte hat er auch noch nicht vorgelesen bekommen…

Kinder bauen sich gerne ein eigenes Reich, ob nun mit Decken unter dem Tisch oder in einer Ecke des Zimmers. Dem kleinen Bär geht es da nicht anders. Er stattet sein kleines Reich nach seinen Bedürfnissen aus und findet lieb gemeinte Unterstützung und viel Verständnis beim großen Bär. Damit ist die kleine Geschichte für Kinder sehr gut nachvollziehbar. Und sicher kennen sie auch die Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit, die kommt, wenn man sich in der Nacht in der ungewohnten Umgebung so allein fühlt und alles ringsherum ganz still ist. Erzählt wird die spannende Geschichte in einfachen und kurzen Sätzen.
Die Illustrationen sind liebevoll gemacht und sehr kindgerecht. Sie sind in zarten Pastellfarben gehalten und wirken sehr ansprechend und stimmungsvoll.

Rezension von Heike Rau

Martin Waddell (Text)/Barbara Firth (Bilder)
Gute Nacht, kleiner Bär!
Großer und kleiner Bär Band 5
32 Seiten, lam. Pappband
ab 3 Jahren, durchgehend vierfarbig illustriert
Annette Betz Verlag, Wien
ISBN: 3-219-11196-3
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Butchers Hill

Butchers Hill

Tess Monaghan, Privatdetektivin in Baltimore, sitzt in ihrem nagelneuen Büro und wartet sehnsüchtig auf ihren ersten Klienten. Es ist ausgerechnet Luther Beale, bekannt als der Schlachter von Butchers Hill. Er hat vor Jahren einen Jungen erschossen und will nun die andern Kindern, die Zeugen waren, ausfindig machen, um Wiedergutmachung zu leisten. Er behauptet sogar, damals gar nicht geschossen zu haben. Tess Monaghan, immer zu gutmütig, nimmt ihm seine Geschichte ab, obwohl ein Freund sie warnt. Vielleicht hätte sie die Warnung besser ernst nehmen sollen. Denn bald ist der nächste Junge tot und verdächtigt wird Luther Beale.

Mary Browne ist die nächste Klientin. Sie braucht Hilfe, um ihre Schwester ausfindig machen zu können, die sie aus den Augen verloren hat. Doch Tess stößt auf Ungereimtheiten. Die Geschichte von der Schwester wird immer unglaubhafter. Tess liegt überraschenderweise richtig. Der Fall entwickelt sich anders als zunächst vermutet und hat, es ist kaum zu fassen, mit ihrer eigenen Familie zu tun.

Beide Fälle laufen nebeneinander. Für Tess ist es ein Balanceakt, für zwei Klienten zu arbeiten. Aber sie hat sich nun mal gerade entgültig als Privatdetektivin (mit verschlafenem und verfressenem Windhund Esskay) niedergelassen, wenn sie auch zugeben muss, nicht in der besten Gegend. Die Finanzen stehen schlecht, Tess ist pleite und hat kaum eine Wahl. Die beiden Fälle beginnen recht unspektakulär, so ist auch der Anfang des Buches nur mäßig spannend. Davon sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen. Beide Fälle haben es in sich und es dauert seine Zeit, bis die wahren Motive der Klienten ans Tageslicht kommen. Doch dann überstürzen sich teilweise die Ereignisse und es kommen einige Skandale ans Tageslicht. Tess agiert wieder auf ihre gewohnt lässige Art und Weise, immer eine Anspielung auf den Lippen. Bei Klientin Mary Browne kann sie damit allerdings nicht landen. Sie versteht diese Art Humor nicht, was zu interessanten Dialogen führt. Doch ergänzen die beiden sich bei den Ermittlungsarbeiten hervorragend und nicht nur ihr sagenhafter Appetit verbindet die beiden Frauen. Tess setzt sich für beide Klienten voll und ganz ein. Dabei ermittelt sie auch schon mal recht unkonventionell und lebt ihren Hang, zu dreisten Notlügen zu greifen, voll aus.
Vom Stil her lässt sich der Story sehr gut folgen, auch wenn sich manchmal der Eindruck einschleicht, es fehlt hin und wieder an Schwung. Das wird jedoch durch wirklich gute und sehr dramatische Szenen wieder ausgeglichen.

Über die Autorin:
Laura Lippman ist Jahrgang 1959. Sie war Journalistin bei der „Baltimore Sun“ Für ihre Krimis um die Ermittlerin Tess Monaghan erhielt sie alle großen amerikanischen Krimi-Preise. Laura Lippman lebt als freie Schriftstellerin in Baltimore.

Rezension von Heike Rau

Laura Lippman
Butchers Hill
Aus dem Amerikanischen von Ulrich Hoffmann
322 Seiten, gebunden
Rotbuch / EVA Europäische Verlagsanstalt, Hamburg
ISBN: 3-434-53118-1
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