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Kategorie: Belletristik

Helen Brown: Glück mit kleinen Fehlern

Helen Brown: Glück mit kleinen Fehlern

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Am Tag ihres fünfzigsten Geburtstages erfährt Lisa Katz vor versammelter Familie, dass ihr Mann nicht treu ist. Der riesige und ausgesprochen teure Blumenstrauß ist nicht für sie bestimmt, sonder sollte an die Geliebte ihres Mannes geschickt werden. Jake gibt sich geschlagen und verlässt die Wohnung. Lisa, die vom Bücherschreiben lebt, fängt sich schnell. Sie beschließt, nicht in New York zu bleiben. Sie wagt einen Neuanfang und kehrt nach Australien zurück. Hier lebt eines ihrer erwachsenen Kinder, ihr Sohn Ted, und auch ihre Schwester Maxine, bei der sie unterkommt, bevor sie Tumperton Manor, das herrschaftliche Haus ihrer Vorfahren, kauft.

Das Anwesen ist heruntergekommen und seltsame Geschichten werden darüber erzählt. Es muss sehr viel getan werden, um das Haus bewohnbar zu machen und es wieder in seinem alten Glanz erstrahlen zu lassen. Um die nötigen finanziellen Mittel zur Hand haben zu können, schreibt sie weiter an ihrer Romantrilogie, von der sich das erste, bereits erschienene Buch gut verkauft. Sie bekommt außerdem Hilfe von Scott, der ein Landschaftsgärtner ist und der weitere Unterstützung durch die Grey Army veranlasst. Die Handwerker im Ruhestand legen sich mächtig ins Zeug bei den Renovierungsarbeiten.

Das Buch unterhält sehr gut. Die Geschichte ist leicht zu lesen und so kann man Lisa Katz auf ihrem Weg ins Glück gut folgen. Probleme werden ohnehin immer als Chance gesehen. Und Stolpersteine auf ihrem Lebensweg lösen sich allezeit schnell in Wohlgefallen auf. Immer ist ein Retter in brenzligen Situationen zur Verfügung oder ein entgegenkommender Helfer und wenn das Geld nicht reicht, stirbt eine reiche Tante und dann gibt es eben eine Erbschaft. Die Liebe kommt natürlich auch nicht zu kurz. Das Buch erfüllt also alle Anforderung an gute Unterhaltungsliteratur.

Rezension von Heike Rau

Helen Brown
Glück mit kleinen Fehlern
Aus dem Englischen von
Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck
384 Seiten, gebunden
Deuticke Verlag
ISBN-10: 3552062777
ISBN-13: 978-3552062771
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Anne von Canal: Der Grund

Anne von Canal: Der Grund

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Wie das Leben so spielt…

Dieser besondere Roman beschreibt das Leben von Laurits Simonsen. Beginnend mit den sechziger Jahren führt der Roman in verschiedenen Zeitebenen bis in das Jahr 2005.
Rückblendend erfahren wir von seiner Kinder- und Schulzeit und von den musikalischen Ambitionen des Helden, denn er ist ein ausgezeichneter Klavierspieler. Erzählt wird auch von seiner ersten großen Liebe und seinem Kind Liis.
Neugierig folgt man ihm auf seinem Lebensweg.
In einem wohlhabenden Elternhaus in Stockholm aufgewachsen muss er sich in allen wichtigen Entscheidungen dem autoritären Vater beugen, einem Chirurgen von untadeligem Ruf.
Erst spät wird man über den inneren Zustand der elterlichen Ehe aufgeklärt. Hier finden sich die Ursachen für den unsicheren und zweifelnden Charakter des Helden.
Er wird Arzt, wie es der Vater gewünscht hat. Mit seiner Frau Silja verbindet ihn eine innige Liebe, und seine Bahn ist vorgezeichnet. Doch dann erfolgt ein Einbruch, der alle bisherigen Bezüge ins Wanken bringt.

Abenteuerlich ist sein weiterer Weg. Er birgt eine Menge Geheimnisse, die sich dem Leser erst allmählich erschließen.
Zuerst bleibt man als Leser ein wenig ratlos, denn immer wieder beginnt die Geschichte in einem neuen Umfeld und zu einer anderen Zeit. Einmal befindet man sich in dem großbürgerlichen und kalten Elternhaus des Helden. Dann erleben wir den erwachsenen Arzt und liebenden Familienvater. Zuletzt ist er Klavierspieler auf einem Kreuzfahrtschiff. Auf diese Weise steigert die Autorin die Spannung, mit der sich die einzelnen Schilderungen zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügen. Zuletzt sind die Wege des Menschen doch nicht so unergründlich, wie es zunächst erscheint. Es gibt Ursachen und Wirkungen für Entwicklungen, die ganz eigenen Regeln zu folgen scheinen. Und dann gibt es immer einen GRUND, warum dieses oder jenes Ereignis erfolgt.

Ein lesenswerter Roman mit zahlreichen freudigen aber auch sehr erschütternden Begebenheiten.

Anne von Canal
Der Grund
272 Seiten, gebunden
Mare Verlag, Juli 2014
ISBN-10: 3866481969
ISBN-13: 978-3866481961
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Ian McEwan: Kindeswohl

Ian McEwan: Kindeswohl

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Recht, Gesetz und die Liebe…

In diesem neuesten Roman von McEwan erfährt man einiges über Richtersprüche, Gesetzt, Moral und Schuld.
Fiona ist eine erfolgreiche Richterin am High Court in London, die sich mit schwierigen Rechtsfällen befasst. Sie trachtet danach, nur nach rechtlichen Grundsätzen zu urteilen und allgemeine moralische Wertungen außer Acht zu lassen. Das ist besonders schwer, wenn in Streitfällen weltanschauliche und religiöse Begründungen vorgetragen werden. Da geht es um die Zeugen Jehovas, die keine Bluttransfusionen akzeptieren; oder kann im Falle von siamesischen Zwillingen bei einer operativen Trennung der Kinder der Tod des einen Zwillings in Kauf genommen werden? Auch die Frage jüdischer Erziehung in säkularen Schulen kann zwischen Paaren zu Rechtsstreitigkeiten führen.

Mit zahlreichen schwierigen Fällen befasst ist es Fiona ganz entgangen, dass sich ihr Mann Jack inzwischen nach anderen Frauen umsieht. Schockiert wird sie mit der Tatsache konfrontiert, dass er mit ihrer Zustimmung eine Affäre beginnen will. Er stellt sich nur eine Sexpartnerschaft vor, denn in dieser Beziehung ist bei den beiden Endfünfzigern nicht mehr allzu viel los. Jack schwört seiner Frau zugleich, wie sehr er sie liebt. Auch Fiona geht nicht unangefochten aus den vielfältigen Begegnungen, die ihr Berufsleben mit sich bringt, hervor.

McEwan hat sein Thema weit gefasst. Die zu bearbeitenden Rechtsfälle sind gekoppelt an die persönlichen Schwierigkeiten seiner Hauptprotagonisten. Mit feiner und sorgfältiger psychologischer Tiefenschärfe werden die über Jahre entstandenen ehelichen Konflikte abgehandelt. McEwan versteht sein Handwerk und kann mit ausgewiesen fachlichen Analysen aufwarten. Der Leser ist fasziniert und fühlt eigene Betroffenheit, wenn er sich in die Lage der Figuren hineindenkt. Selbstverständlich sucht jeder seine eigene Position zu den aufgeworfenen Fragen.

Der Roman erfüllt in überzeugender Weise die Kriterien, die einen guten Roman auszeichnen, in dem er Spannung erregt und zum Nachdenken ermuntert. Hervorragend sind die Abhandlungen über Recht und Moral, die sich durch die gesamte Lektüre ziehen. Daneben aber beweist McEwan wieder einmal sein psychologisches Feingefühl, mit dem er eine langjährige Ehe mit ihrer Tristesse, dem Verlust der Leidenschaft und der Verführung durch mögliche äußere Versuchungen beschreibt. Er wäre nicht Ian McEwan, wenn seine Geschichte nicht einen tiefen Einschnitt für alle Beteiligten bereithielte. Der Bogen zieht sich über ein langes Leben, und dem Autor gelingt eine Abhandlung, die fast aus dem wahren Leben zu stammen scheint.

Das gelungene Werk wird seine Leser wie immer begeistern!

Ian McEwan

Kindeswohl
224 Seiten, gebunden
Diogenes, Januar 2015
ISBN-10: 3257069162
ISBN-13: 978-3257069167
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Bruno Hollnagel: Das LESEBUCH (Buchvorstellung)

Bruno Hollnagel: Das LESEBUCH (Buchvorstellung)

Im Rahmen der Edition Leselupe bieten wir Autoren die Möglichkeit, ihre Bücher als Taschenbuch und Hardcover zu veröffentlichen. Die aktuellen Veröffentlichungen stellen wir Ihnen natürlich auch auf dem Blog der Leselupe vor.

In diesem Buch befinden sich Erzählungen zum Schmunzeln wie zum Nachdenken.
Zum Beispiel die Geschichte von einer Welt, die dreieckig ist. Oben auf der Spitze, sitzt ein König. Weil es so unangenehm ist, auf einer Spitze sitzen zu müssen, will niemand König sein. Der Rat entscheidet deshalb, dass der reichste Bürger König wird. So kommt es, dass niemand reich sein will. Das ist ein Problem, denn Geld zu verschenken wird mit einem Batzen Geld bestraft. … Es geht eben verrückt zu, auf der Welt, die dreieckig ist, so verrückt, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt.
Eine andere Geschichte handelt von einer Welt, die rund ist und sich dreht und dreht, dass einem schlecht dabei wird. Durch das Gedrehe sind auch die Gehirnwindungen durcheinandergekommen. Da ist es kein Wunder, wenn alles aus dem Ruder läuft. Wie das wohl enden wird?
Doch finden sich in dem Buch noch weit mehr Geschichten. Die vom Cornelius Hagemann etwa. Er war ein Sängerknabe mit herausragenden Talenten. Doch mit dem Stimmbruch änderte sich alles. Wie er dann doch noch zu seinem großen Auftritt kommt und sein Schicksal gestaltet, steht im Buch.
Und was ist bloß mit dem vergessenen Kuss geschehen? Wie hieß das verlorengegangene Wort, deren Fehlen so traurig macht? Was hat das Glück mit einem schäbigen Papierkorb zu tun, der so gänzlich unbeachtet neben dem edlen Schreibtisch steht? Was geschieht wohl mit dem Gerücht, dass sich aus einem achtlos dahingeworfenen Halbsatz entwickelt? Warum misslang die großartig angekündigte Rede des Herrn Ministers völlig?
Was soll ich dazu sagen? Es steht ja alles und noch viiiiiel mehr in dem Buch. Es eignet sich zum Vorlesen und ist als Reise- sowie Bettlektüre bestens geeignet.

Bruno Hollnagel: Das LESEBUCH
Als Taschenbuch & Hardcover erhältlich
Gebundene Ausgabe: 300 Seiten
Verlag: Edition Leselupe (2. Dezember 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3732309754

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Rachel Joyce: Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry

Rachel Joyce: Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry

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Liebesgeschichte aus besonderer Perspektive…

Der vorliegende Roman lässt keine Wünsche offen, was Unterhaltung und stilvolles Ambiente zu bieten hat. Worum geht es? Queenie Hennessy ist krank, so krank, dass sie bald sterben wird.

Sie begibt sich in ein Hospiz, wo sie ihre letzten Tage verbringen will. Da erreicht sie ein Brief von ihrem ehemaligen Kollegen Harold Fry, in dem er sie dringend auffordert, auf ihn zu warten! Doch er tritt seine Reise in den äußersten Norden Englands vom Süden her zu Fuss an. Wer weiß, ob er noch rechtzeitig bei Queenie eintreffen wird? Und warum will er sie unbedingt noch lebend sehen?

Queenie macht sich inzwischen an die Arbeit. Sie schreibt ihrer geheimen Liebe Harold einen langen Brief, in dem sie ihm verborgene Wahrheiten über sich selbst erzählen wird.

Queenie und Harold haben gemeinsam in einer Brauerei gearbeitet. Dabei sind sie sich näher gekommen. Doch Queenie ist die treibende Kraft der Liebe, die sie ihm nie offenbart hat. Harold ist verheiratet und hat einen Sohn, der keine ganz unbedeutende Rolle in dieser Geschichte spielt. Wie nicht anders zu erwarten breitet Queenie in ihrem Brief ihre Gedanken und Gefühle weit vor uns aus.

Begleitet von melancholischen und gelegentlich witzigen Beobachtungen berichtet sie über ihren Hospizalltag und über die Menschen, die dort, wie sie selbst, auf ihren Tod warten. Schließlich folgen in zahlreichen Einschüben Erinnerungen an das Verhältnis zwischen ihr und Harold. In ihren Aufzeichnungen holt sie alles hervor, was so lange in ihr geschlummert hat. Da ist von Schuld und Sühne ebenso die Rede wie von der gemeinsam verbrachten Arbeitszeit und ihrer stillen Zuneigung zu Harold.

Entstanden ist auf diese Weise ein Liebesroman ganz eigener Prägung. Unerwiderte Liebe, geheime Beobachtung des anderen und Zeiten des Glücks allein durch das Beisammensein machen den Roman zu einer stillen und zarten Liebesgeschichte. Rachel Joyce versteht es vorbildlich, Atmosphäre und Stimmungen auf leichte und poetische Weise einzufangen. Die Liebesgeschichte nimmt einen in ihrer rührenden Selbstlosigkeit und Verhaltenheit gefangen.

Rachel Joyce bietet keine harten Schnitte. Sie behält einen ruhigen und gemäßigten Gesprächsfluss bei. Der anheimelnde und gemütlich zu lesende Roman bietet Gelegenheit, sich bei der Lektüre entspannt zurückzulehnen und sich ganz den Bildern aus Natur, Träumerei und stiller Hoffnung und nicht zuletzt des Abschieds hinzugeben.

Rachel Joyce
Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry
400 Seiten, gebunden
FISCHER Krüger, Oktober 2014
ISBN-10: 3810521981
ISBN-13: 978-3810521989
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Walter Bauer: Die Stimme

Walter Bauer: Die Stimme

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Die Geschichte „Die Stimme“ ist eine, die von Abschied, Heimatlosigkeit, Neubeginn und vielem mehr handelt.

Die Stimme aus dem off klingt einsam, melancholisch und betrüblich. Sie handelt von Vergänglichkeit und wirkt ein wenig hoffnungslos, so als sei alle Mühe auf Erden vergeblich, das Glück zu finden.

Ein Professor aus Toronto erzählt einem imaginären Gegenüber hier seine eigene Geschichte. Aufgewachsen ist er in Deutschland. Gezeichnet vom Zweiten Weltkrieg und der Gefangenschaft in Russland kehrt er 1952 Deutschland den Rücken und wandert nach Kanada aus. Seine erste Station ist Toronto.

Seine zweite Ehe ist gerade gescheitert. Die Eltern sind tot, so dass es keine tiefen Bindungen mehr zum Land der eigenen Herkunft gibt.

Das Gefühl des „Fremdseins“ ist unüberhörbar. Der Erzähler verdingt sich zunächst als Packer und Lagerarbeiter. Er wohnt in einer kargen Gegend in einem einzelnen Zimmer. Jeder Anflug von Geborgenheit erstickt hier in seinen Anfängen im fremden Land mit fremder Sprache. Und doch ist die Geschichte, wie sie hier erzählt wird, von eigenartigem Reiz und poetischer Schönheit. Wie wohl alles ein wenig trostlos wirken könnte, spürt man doch die Wärme des Erzählers, mit der er das, was fehlt im Leben, als stille Hoffnung in sich trägt.

In einer Kaskade schönster, tiefsinnigster und poetischer Sprachgewandtheit erzählt Walter Bauer in Gestalt des Icherzählers von der Landschaft, von seinen Stimmungen, Erinnerungen und Erfahrungen des Augenblicks. Das Herbstlaub im Indian Summer wirkt so präsent wie die Schilderung der Lebensumstände und die fast resignierend beschworene Suche nach dem Glück. Dieses Glück begegnet dem Icherzähler in Gestalt der Schauspielerin Diana. Durch ihre Stimme, die sie für Lesungen zur Verfügung stellt, findet Richard einen Weg zur neuen, fremden Sprache im freiwillig gewähltem Exil.

Fortan wird in der Erzählung die Begegnung der beiden Menschen in einer Art zarter Annäherung beschrieben. Werden sie das Glück bei einander finden?

Der Lilienfeld Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, kleine literarische Kostbarkeiten aus dem Beginn und Verlauf des 20. Jahrhunderts aufzufinden und neu herauszugeben. Man arbeitet sorgfältig in dem Verlag, in dem man in einem Nachwort von Jürgen Jankofsky sowohl über den Lebensweg von Walter Bauer berichtet als auch in einer Tabelle die wichtigsten Lebensdaten aufführt.

Walter Bauer lebte von 1904 bis 1976. Seine Erzählung trägt durchaus biographische Züge. In der Aufmachung ist das Buch „Die Stimme“ ein kleines bibliophiles Meisterwerk, das sich bestens für Mußestunden oder als kleines Geschenk eignet.

Walter Bauer

Die Stimme
128 Seiten, gebunden
Lilienfeld Verlag, Oktober 2014
ISBN-10: 394035743X
ISBN-13: 978-3940357434
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James Salter: Jäger

James Salter: Jäger

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Krieg und Frieden…

Der Autor James Salter hat 12 Jahre lang in der amerikanischen Armee als Kampflieger gedient. 1957 beendete er seine Karriere beim Militär und legte seinen ersten Roman vor. „Jäger“ ist der Abgesang auf ein Leben, dass ihn in unterschiedlichen Formationen zu seinen Flügen im Koreakrieg (1950-1958) gezwungen hatte.

Nord und Südkorea waren in einen verlustreichen Stellungskrieg verstrickt. Chinesen halfen dem Norden, Amerika dem Süden bei der kriegerischen Auseinandersetzung um die Grenzfestlegung. Bis heute gibt es die strengen Grenzen, die Korea in zwei unterschiedliche Staaten in Nord und Süd aufteilt.

James Salter hat seine Erlebnisse in diesem Krieg zu seinem ersten Roman verarbeitet. Es ist ein Kriegsroman, in dem es vorwiegend um die Gemeinschaft, den Sieg und die Niederlage im Luftkrieg geht.

Kameradschaft, Kampfgeist und die Abschussrate bieten die eine Seite seiner Erfahrungen. Das Nachdenken und die Einsamkeit der Krieger die andere.

Man startet in Gruppenflügen, um den Gegner zur Strecke zu bringen. Zu Helden werden jene, die am häufigsten gegnerische
Kampflieger abschießen. Man bangt mit den gemeinsamen Kameraden, denn natürlich gab es zahlreiche Verluste in der Mannschaft zu beklagen.

Wer James Salter aus anderen Büchern bereits kennt, ist nicht erstaunt darüber, wie detailliert er hier über den Krieg, die Kampfeinsätze, den Ehrgeiz, das Lob und die Abneigung unter einander berichtet. Es müssen einschneidende Erfahrungen gewesen sein, denen die Flieger bei ihren Einsätzen ausgeliefert waren.

Angst und Mut, Treue und Entsetzen: von allem findet man hier etwas. Gelegentlich bieten einzelne Kämpfer mit ihren Sorgen und Nöten den Erzählstoff. Das Leben im Krieg und im Kampf an vorderster Front ist entbehrungsreich und zuweilen sehr einsam. Die Pflicht, sich um den Kameraden zu kümmern und daneben zahlreiche Abschüsse zu erreichen, kann den einzelnen zermürben.

Einfühlsam wie immer berichtet James Salter über die Empfindungen, die jeden nach seiner Art ereilen. Traurig ist jeder Verlust unter den Freunden. Man wächst zusammen unter den dramatischen Bedingungen, die der Krieg mit sich bringt. Die Trauer und gelegentliche Melancholie neben den Draufgängern und Abenteurern machen den Roman zu einem besonderen. Charaktere verändern sich und fast jeder sehnt zuletzt das Ende der Dienstzeit herbei. Krieg ist kein lustvolles Erleben. Das wird so manchem schon nach den ersten Einsätzen klar. Der Sieg wird schal im Angesicht so vieler Verluste von liebenswerten Menschen und Kriegsteilnehmern. James Salter hat in sensibler und eindringlicher Form über den Krieg geschrieben.

Nicht für jeden mag die Lektüre geeignet sein. Krieg ist nie gut. Aber Menschen in Extremsituationen reagieren überall unterschiedlich. Dafür ist Salter der beste Zeuge.

James Salter

Jäger
304 Seiten, gebunden
Berlin Verlag, Oktober 2014
ISBN-10: 382701235X
ISBN-13: 978-3827012357
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Hugo Hamilton: Jede einzelne Minute

Hugo Hamilton: Jede einzelne Minute

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Reise in die Vergangenheit…

Eine alternde und kranke irische Schriftstellerin begibt sich mit ihrem viel jüngeren Freund auf eine Abschiedsreise. Sie möchte nach Berlin, um die ihr lieben Orte noch einmal zu sehen und sich von guten Freunden zu verabschieden. Zu den Orten gehört der Botanische Garten, das Pergamonmuseum, die Staatsoper Berlin, Café Einstein, die Paris Bar, alles bekannte und dem Berlinbesucher vertraute Plätze.

Sie wohnt mit ihrem Freund im Adlon unter den Linden. Mehr noch als die Besichtigungen liebt sie die Gespräche mit ihrem Freund, hier Liam genannt. Alte Erinnerungen heraufzubeschwören genießt sie fast ebenso wie die Stadt Berlin, in der sie gute und schöne Augenblicke erlebt hat.

Unter dem Pseudonym Úna verbirgt sich die irische Schriftstellerin Nuala O’Faolein und Liam ist Hugo Hamilton persönlich!

Wie geht es einem, wenn man vor dem kurz bevorstehenden Tod noch einmal eine Reise in die Vergangenheit unternimmt?

Da fließen gute und schlechte Erinnerungen ein, doch überwiegend ist es eine Art Lebensbilanz, die man hier vorfindet.

Über Kindheit, das Menschsein, über Geben und Nehmen, über Geheimnisse und Gewalt in Familien, über Selbstverwirklichung in der Rolle als Frau oder Mutter reflektiert Úna unermüdlich, ja, ihre Überlegungen gipfeln in dem Gedanken, dass Menschsein Geschichten an sich bedeuten. Über nichts als das, was das eigene Erleben an Erkenntnissen schafft, kann man erzählen, egal, in welcher Verkleidung man seine Impressionen und Erfahrungen des Lebens wieder gibt.

Der große Altersunterschied zwischen den Protagonisten lässt an eine Mutter-Kind-Beziehung denken; doch eigene Kinder waren der Autorin versagt. So bleibt die Erzählung in sporadischen Erinnerungsaugenblicken stecken. Das ganze Leben ist eine Geschichte; so wird es von Úna empfunden, und so gibt es Hugo Hamilton weiter.

Zitat aus einer Schrift von Nuala O’Faolain aus dem Nachwort von Elke Heidenreich: „Das Beste, das ich von meiner Kindheit mitbekam, ist das Lesen“ und “Wenn es auch sonst nichts gäbe — für das Lesen lohnte sich das Leben schon“. Ein schöneres Plädoyer für die Literatur lässt sich nicht denken!

Dieses Buch ist beschaulich und bei aller Endzeitstimmung eine ruhige und freundliche Rekapitulation eines langen Lebens. Ein wenig Nostalgie und Melancholie verleihen der Geschichte Glanz und Farbe.

Man liest den Roman mit Anteilnahme und lässt sich auf die sporadischen Erinnerungsgeschichten gerne ein.

Hugo Hamilton
Jede einzelne Minute
352 Seiten, gebunden
Luchterhand Literaturverlag, September 2014
ISBN-10: 3630874258
ISBN-13: 978-3630874258
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Thomas Hettche: Pfaueninsel

Thomas Hettche: Pfaueninsel

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Ausflug in die Geschichte einer längst vergangenen Welt…

Wer dieses Buch zur Hand nimmt, wird entzückt sein von der feinen Aufmachung und dem auf edlem Papier geschriebenen Roman. Schon bei den ersten Seiten überkommen einen Erinnerungen an Fontane mit seinen herrlichen Beschreibungen der Mark Brandenburg. Die Pfaueninsel liegt inmitten einer naturnahen Havellandschaft umgeben vom Wasser der Havel. Fauna und Flora nehmen breiten Raum in der Schilderung ein, denn es raschelt vom Schilf, das tief in den See hineinzuwachsen scheint, vom Gezwitscher der Vögel, dem Rauschen der Blätter und dem Wechsel der Jahreszeiten.

Man ahnt die Pracht und Herrlichkeit einer zu Beginn des 19.Jahrhunderts noch wundersamen Beschaulichkeit.

In diesem Gelände blühen neben den realen geschichtlichen Ereignissen mythische Figuren und Erlebnisse.

Preußenkönige haben sich hier einen Landsitz geschaffen, zu dem entsprechendes Personal gehört. Gärtner haben das Gelände urbanisiert und pflegen und hegen die königlichen Gebäude und Gärten. Marie und ihr Bruder Christian sind die hervorgehobenen Figuren, die sich in dieser Landschaft mit ihren bäuerlichen Gewohnheiten wohlfühlen. Beide sind zwergwüchsig und in ihrer Anomalie anziehend für die Leute des Personals und schockierend für die Königin Louise, die Marie als Monster bezeichnet. Gustav verliebt sich in das Schlossfräulein Marie, und sie schaut scheu auf ihn, den groß gewachsenen Gärtnersohn. Sie beherrscht mit ihrem Charme, ihrer besonderen Beobachtungsgabe und teils heiterer und teils melancholischer Gelassenheit das weitere Geschehen.

Die Insel entwickelte sich zu einem Zoo exzotischer Tiere und Planzen, zu denen die kleinwüchsiger Menschen oder Riesen ihren Beitrag leisteten

Mit den Figuren umspielt Th. Hettche seinen Roman über die Geschichte der Pfaueninsel, die uns weit in den Beginn des 19.Jahrhunderts zurückführt. Zwischen Befreiungskriegen und damit einhergehend politischen Umbrüchen aller Art, Gartenkunst und Schlossherrlichkeit erfährt man allerlei Wissenswertes über die Geschichte der Insel und ihrer Herrschaft. Bekannte Namen der Gartenkunst und der Architektur von Schinkel bis zu Lenné tauchen auf und zeigen uns die Baukunst und die Denkmalpflege in ihrer damaligen Pracht. Die Nähe zur Natur und die Verwirrung um die Protagonisten vermitteln uns den Eindruck einer entrückten Welt. Th. Hettche findet jedoch immer wieder auf den Boden der realen Geschichte zurück. Die wahre Geschichte der Pfaueninsel mit ihrer Entstehung und Verwendung bis zu ihrem Untergang wird uns in ästhetischen Bildern nahe gebracht. Poetische Ausflüge in die Naturgegebenheiten sind es, die uns mitreißen!

Diesen wunderschönen Roman kann man uneingeschränkt empfehlen!

Thomas Hettche
Pfauensinsel
352 Seiten, gebunden
Kiepenheuer & Witsch, August 2014
ISBN-10: 3462045997
ISBN-13: 978-3462045994
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Olga Grjasnowa: Die juristische Unschärfe einer Ehe

Olga Grjasnowa: Die juristische Unschärfe einer Ehe

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Liebe auf Abwegen…

Drei verlorene Gestalten bieten den Plot zu der vorliegenden Geschichte, in der die Liebe einmal auf ungewöhnliche Weise abgehandelt wird.

Altay, Leyla und Jonoun treffen Mitte der neunziger Jahre in Berlin zusammen. Hierher hat sie ihr Schicksal geführt. Sie sind Mitte zwanzig und kommen aus unterschiedlichen Sphären: Leyla und Altay stammen aus Baku/Aserbaidschan und Jonoun kommt aus Amerika und zuletzt Israel. Ihr Großvater und ihr Urgroßvater waren Rabbiner. Die exzentrischen Eltern boten ihr keine Sicherheit. Der Vater war Israeli, die Mutter führte ein Nomadenleben. Die ersten Jahre verbrachte die kleine Jonoun in einem Kibbuz im Norden Israels. Später wuchs sie bei ihren Großeltern auf. Sie hat zur Zeit der Begegnung mit Leyla und Altay ein Kunststudium und eine Ehe hinter sich. Leyla war Tänzerin am Bolschoi Ballett und hatte hoch fliegende Pläne. Ein Unfall beendete ihre Träume. Altay ist Psychiater. Alle drei jagen der Liebe nach, die sich ihnen nur schwer erschließt. Leyla und Altay leben mit der stillschweigenden Übereinkunft, den Verwandten eine intakte Ehe vorzuführen. In Wirklichkeit geht jeder eigene Wege.

Altay liebt Männer, und Leyla kann sich nur für Frauen erwärmen. Jonoun ist die Neue, die erste Erfahrungen auf dem Gebiet der gleichgeschlechtlichen Liebe sucht.

Wie soll diese Ménage à trois funktionieren?

Olga Grjasnowa spielt mit dem Thema „Liebe“, in dem sie die unterschiedlichsten Menschen zusammenführt. In Berlin trifft man sich in Kneipen und Restaurants. In Baku erlebt man die dortige Gesellschaft mit den Nachfahren der ehemals Regierenden, die sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in neuer Formation und großem Reichtum zusammengefunden haben. Altay, Leyla und Jonoun befassen sich mit ihren jeweiligen Liebespartnern und lassen sich durch Zeit und Länder treiben. Mental sind sich Leyla und Altay treu ergeben und helfen sich, wenn sie in Not sind. Im übrigen lassen sie sich jede Freiheit.

Die „juristische Unschärfe einer Ehe“ besteht in diesem einerseits und andererseits. Freiheit und Geborgenheit: hier scheint der Widerspruch aufgehoben. Das Paar weiß, dass man sich auf einander verlassen kann, ist sich herzlich zugetan und respektiert sich in Fragen der Liebe. Jonoun bemerkt die Doppelbödigkeit ihrer Beziehung zu Leyla.

Baku, der Kaukasus, Berlin und das Künstlermilieu in diesen Städten und Ländern mit einer morbiden akademisch gebildeten Schicht von Unangepassten bestimmen das Klima in der Geschichte.

Der Roman bietet tiefe Einblicke in das Homosexuellenmilieu in Deutschland und Russland. Wie man einander erkennt, wie man zu einander findet, wie sehr die Sexualität das Leben bestimmt: so haben wir es noch nicht beschrieben gesehen. Exotisch treten die kulturellen Unterschiede zwischen Russen und Deutschen zu Tage. In Baku ist die Sinnenfreude beim Essen, Trinken und Feiern auffällig; die Landschaft mit ihren Reizen, die bunten Einrichtungen und die Gastfreundschaft treten aus dem Schatten der ratlos suchenden Figuren und bieten einen atmosphärisch passenden Rahmen zur Handlung. Ehen und Beziehungen sind hier wie dort nie sehr sicher. In der Erzählung geht es vorwiegend um die jeweilige Befindlichkeit der handelnden Personen und um ihre Orientierungssuche. Der Leser bleibt etwas ratlos zurück, denn das Ende kommt überraschend und lässt viele Fragen offen.

Olga Grjasnowa ist 1984 in Baku/Aserbeidschan geboren und lebt seit 1996 in Deutschland.

Olga Grjasnowa
Die juristische Unschärfe einer Ehe
272 Seiten, gebunden
Carl Hanser Verlag, August 2014
ISBN-10: 3446245987
ISBN-13: 978-3446245983
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