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Kategorie: Belletristik

Gut gegen Nordwind – Daniel Glattauer

Gut gegen Nordwind – Daniel Glattauer

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Gut gegen Nordwind – Daniel Glattauer, ISBN: 3552060413

„Zauberhafte Liebesgeschichte unserer Zeit“

In diesem Roman wird eine wunderbare und hinreißende Liebesgeschichte erzählt.

Sie ist in jeder Hinsicht bemerkenswert, denn sie ist Ausdruck unserer Zeit, dem Zeitalter der Technik und der Computer, das man sich im Einklang mit Romantik und zarten Liebesbanden nur schwer vorzustellen vermag.

Emmi und Leo geraten zufällig in einen E-Mailaustausch.

Was als Versehen beginnt, steigert sich zu einer intensiven, leidenschaftlichen, imaginären Liebesbeziehung. Sie ist voller Zärtlichkeit und Erotik, voller Spannung und steigert sich zu einer unstillbaren Sehnsucht des Einen zum anderen.

Emmi outet sich als glücklich verheiratet mit zwei vom Ehemann mit in die Ehe gebrachten Kindern. Ist sie wirklich so glücklich? Man wird es erst noch sehen.
Leo hat eine längere Liebesbeziehung gerade abgeschlossen.

Der Ton der beiden bleibt in der Regel locker, leicht , fröhlich, amüsiert und verlockend. Und doch erfahren sie nach und nach mehr und auch ernstere Dinge von einander.

Verbunden mit allerlei Verwicklungen familiärer und freundschaftlicher Art bleibt der E-Mailaustausch das eigentliche Medium dieser Liebe.

Die auffällige Spannung entsteht aus den Phantasien, die bei einem derartigen Kontakt frei gesetzt werden und den Partner in einem ständig sich wechselnden und nicht fassbaren Bild erscheinen lassen: keine reale Gesetzmäßigkeit des Alltags stört die Beziehung, alles Physische bleibt der Verklärung und den Wunschträumen überlassen.

Die Erfahrung der Verklärung und der Wunschträume mag so manchen Internetkontakt bereichern: in dieser Form und in diesem Roman ist es auf eine wundersame Weise eine sehr menschliche, warmherzige und ungewöhnlich zauberhafte Erfahrung!

Glattauer benutzt eine vielschichtige und reiche Wortwahl, um Gefühle, die im wahren Leben durch Mimik, Gestik und Handeln vermittelt werden, auf dem Weg der Sprache und des Intellektes zu transportieren. Dass Leo auch noch Sprachpsychologe ist, der sich mit dieser Art Kommunikation in der Wissenschaft befasst, setzt der ganzen Geschichte die Krone auf!Das Ende ist echt und realistisch lässt keinen Gedanken an Kitsch aufkommen.

Es ist ein witziges und amüsant zu lesendes kleines Werk!

Gut gegen Nordwind – Daniel Glattauer
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Deuticke im Zsolnay Verlag; Auflage: 30 (November 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3552060413

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Katharina von der Leyen: Dogs in the City

Katharina von der Leyen: Dogs in the City

Die Journalistin Katharina von der Leyen gibt gerne zu, dass sie einen Hundetick hat. Mit einem Mann, einer Katze und den Mops Theo und den Königspudeln Luise und Ida lebt sie zusammen. Später kommt noch das Italienische Windspiel Harry dazu. Auch in ihrer Vergangenheit hatte sie immer wieder ganz unterschiedliche Hunde. Sie ist also eine erfahrene Hundehalterin.
Aus ihrem Leben erzählt sie mit einem Zwinkern im Auge. Es ist sehr unterhaltsam zu lesen, wie es sich mit den Hunden gestaltet. Es gibt so viele Erlebnisse, die weiterzuerzählen sich lohnt. Die Charaktere der Hunde und ihre Beweggründe zu tun, was sie eben tun, werden auch immer mit menschlichen Eigenschaften verglichen. Dabei vermenschlicht die Autorin in ihrer Haltung Hunde aber keineswegs. Vielmehr verfügt sie über großen Sachverstand. Sie beweist, dass sie auch mit schwierigen Hunden umzugehen versteht. Im Buch werden nicht nur die guten Erlebnisse mit Hunden beschrieben. Auch über Schwierigkeiten wird gesprochen. Deutlich wird auch, wie verschieden Hunde doch sind.
Das Buch hat damit nicht einfach nur einen Unterhaltungswert. Man kann auch von der Autorin einiges über den Umgang mit Hunden lernen.
Das Buch ist mit sehr viel Humor geschrieben. Viele Situationen werden überspitzt dargestellt. Damit hat die Autorin die Lacher auf ihrer Seite. Und dennoch werden auch traurige, zu Herzen gehende Situationen nicht ausgespart.
Das Cover passt überhaupt nicht zum Buch. Es vermittelt ein wenig Oberflächlichkeit und reduziert das Buch auf seinen Unterhaltungswert. Über den Text würde man das nie sagen.
Mit im Buch sind auch einige Fotos der Hunde. Die schaut man gerne an. Mit einem Bild der Tiere vor Augen liest sich das Buch noch besser.

Rezension von Heike Rau

Katharina von der Leyen
Dogs in the City
Franckh-Kosmos Verlag
192 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3440113363
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Donna Milner: River

Donna Milner: River

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„Er kam zu Fuss. Wie eine Fata Morgana erschien er zwischen den flirrenden Hitzewogen auf der Straße, die sich bis zu unserem Tor wand. Ich beobachtete ihn aus dem Schatten unserer geschlossenen Veranda heraus. An jenem heißen Julitag im Jahr 1966 war ich vierzehn, und bis zu meinem Geburtstag waren es nur noch ein paar Wochen. … Als der Border-Collie ihm die Hand leckte, lächelte er uns von der anderen Seite des Zauns zu. Mom lächelte zurück, strich sich die feuchte Schürze glatt und ging die Verandastufen hinunter. Ich zögerte nur einen Augenblick, dann stellte ich den Wäschekorb ab und folgte ihr. Wir trafen ihn am Tor.
Mom hatte ihn erwartet.
Was sie nicht erwartet hatte, war all das Leid, das wie ein kalter Wind folgen sollte.“
So beginnt der Debütroman der kanadischen Schriftstellerin Donna Milner. Ein romantischer Einstieg, der von einem Hippie erzählt, welcher als Vietnamskriegsgegner auf der Flucht vor den US-Behörden Zuflucht im benachbarten British Columbia sucht. Der Leser wird in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück versetzt und auf die ländliche und sommerliche Landschaft eingestimmt, bis dann dieser letzte Satz des ersten Kapitels dort steht. Mit nur einem Satz wird die zuvor aufgebaute Idylle zerstört.
Natalie Ward, die Protagonistin dieser Novelle, erhält über dreißig Jahre später einen Anruf von ihrem Bruder, dass es der Großmutter sehr schlecht gehe und sie unbedingt nach Hause kommen müsse. Ihre Mutter ist wahrlich nicht mehr die Jüngste und so macht sie sich umgehend auf den Weg in ihre alte Heimat, die sie über Jahre nicht mehr besucht hatte. Auf dem Weg dorthin muss sie ständig an die alten Zeiten denken und so erzählt sie dem Leser ihre Lebensgeschichte. Sie erzählt vom Leben auf dem Lande, in einer Kleinstadt. Sie erzählt von der harten Arbeit eines Milchbauern, von ihren drei Brüdern, dem Ältesten Boyer, in den sie sich so verliebt hatte, dass sie ihn heiraten wollte und den beiden unzertrennlichen Morgan und Carl, die sich in dasselbe Mädchen verlieben. Sie erzählt von ihren Schulfreundinnen und vom Kirchenverein, sie erzählt davon, dass ihre Mom keinen Besucher wieder gehen lässt, bevor er nicht eine Kleinigkeit bei ihnen gegessen hat. Doch es hat seinen Grund, dass Natalie viele Jahre nicht in dieser, ihrer Heimat gelebt hat. Es ist der gleiche Grund, der ihre Mutter im Krankenbett davon abhält, in Frieden mit sich selbst das Zeitliche zu segnen.
Donna Milner erzählt die Geschichte auf mehreren Ebenen und vollzieht in geschickter Weise einen ständigen Wechsel zwischen den Ereignissen der Vergangenheit und der Gegenwart. Dabei gelangt die Ich-Erzählerin zu der Erkenntnis, dass die Vergangenheit nicht geändert werden kann, sondern dass man mit ihr leben muss, egal, wieviel Leid und Schmerz sie einem zugefügt hat. Detailliert beschreibt die Autorin das Leben in dem kleinen verschlafenen Kaff an der amerikanisch-kanadischen Grenze zu einer Zeit, als John F. Kennedy umgebracht und der Vietnamkrieg von den Amerikanern ausgetragen wurde. Es wird eine gewisse Idylle beschrieben, die für die damalige Zeit gelten mag. Auch das Verhältnis der einzelnen Familienmitglieder untereinander scheint sehr geregelt zu sein, die Mutter, die sich um den Zusammenhalt und den Haushalt kümmert, der Vater und die Söhne, die das Geld anschaffen, der große Bruder, der sich rührend mit einem Wortspiel um seine kleine Schwester kümmert. Doch alles scheint zu zerbrechen von dem Moment an, als sich die Mutter um eine zusätzliche Hilfskraft für die Landwirtschaft bemüht und sich auf ihre Anzeige hin ein Hippie auf dem Hof meldet. Dabei sollte es unverständlich sein, dass gerade dieser River Jordan derjenige sein soll, wegen dem alles zerbricht. Denn seine Liebenswürdigkeit macht vor keinem Menschen halt und selbst die Damen aus dem Kirchenverein mögen ihn nach einer gewissen Zeit.
Die Autorin zeichnet ein Bild von einer Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit und klagt die Bigotterie an, die hinlänglich auch als kleinbürgerlich bezeichnet wird. Wenn es sich um eine Autobiografie handelt, denn die Protagonistin ist genauso wie die Autorin eine Journalistin für Lokalzeitungen, dann ist es Donna Milner erstklassig gelungen, die biografischen Details in eine spannende Geschichte einzubinden. Als reine Biografie kann sie alleine deshalb schon nicht angesehen werden. Sie als einen Liebesroman abzutun wäre zu einfach, aber das ist sie natürlich auch. Faszinierend sind immer wieder die Überraschungen, mit denen die Autorin den Leser verblüfft. Sie bringt es ganz geschickt zustande, immer mal wieder auf eine mögliche Wendung hinzuweisen. Der Leser hat deshalb keine Chance, das Buch aus der Hand zu legen. Und sie zieht die Wendungen bis kurz vor dem Ende durch. Wenn der Leser nach der Hälfte des Buches vielleicht denkt, jetzt ist alles gelaufen und er muss nur noch das erwartete Ende erreichen, dann liegt er völlig falsch.
Die Spannung in diesem Roman zeugt von sehr hohem handwerklichem Können und man mag sich kaum vorstellen, dass es ein Erstlingswerk ist. Man darf gespannt sein, auf weitere Geschichten dieser Schriftstellerin, die bestimmt noch von sich reden machen wird.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2009

Donna Milner
River
Roman, 416 Seiten, gebundene Ausgabe
Piper
ISBN: 978-3492051620

Mary Hooper: In königlichem Auftrag

Mary Hooper: In königlichem Auftrag

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Lucy wartet darauf, einen geheimen Auftrag der Königin zu erhalten. Bis es soweit ist, arbeitet sie weiter im Haushalt von Dr. Dee, dem Zauberer der Königin, um die Kinder zu betreuen.
Weil die Familie einen Ausflug macht, hat Lucy ihre Freundin Isabelle ins Haus eingeladen. Isabelle betritt es nur ungern, es ist ihr unheimlich. Dieses Gefühl sieht sie bestätigt, als sie bei der Besichtigung der Bibliothek einen leisen Seufzer hört, der sich nicht erklären lässt. Sie tritt die Flucht an. Am nächsten Tag hört Lucy wieder etwas. Sie wird aufmerksam. Als Hausangestellte kann sie sich frei im Haus bewegen und bekommt hier und da Gesprächsfetzen mit. Bald ist ihr klar, dass Dr. Dee und sein Assistent Mr. Kelly irgendetwas ausbrüten, um an Geld zu kommen. Als sie dem Zuckersieder William Mucklow einen Brief überbringen soll, bringt ihr das Gewissheit. Bei Mucklows herrscht ein großes Durcheinander. Miss Charity, die Tochter, soll mit einem Kerl durchgebrannt sein. Und Dr. Dee soll sie mit Hilfe der Kristallkugel ausfindig machen. Lucy zählt zwei und zwei zusammen und glaubt an eine Entführung des Mädchens. Und auch, wo die Gesuchte sich aufhält, ist ihr sofort klar. Solange die Königin ihrer noch nicht Bedarf, will sie Miss Charity helfen.

Die Geschichte ist super spannend. Lucy ist zwar nur eine einfache Hausangestellte, aber blitzgescheit. Sie weiß sich zu behaupten und mischt sich ein. Dabei geht sie äußerst geschickt vor. Sie stellt sich nicht ins Rampenlicht, agiert lieber aus dem Hintergrund heraus. Lucy löst diesmal gleich zwei „Fälle“. Sie hilft Miss Charity und bespitzelt im Auftrag der Königin eine Hofdame.
Das alles spielt vor perfekt inszenierter oder vielmehr perfekt nachempfundener historischer Kulisse. Hintergrundinformationen gibt es hier auch noch mal am Ende des Buches. Man erhält Informationen zum alltäglichen Leben einer bürgerlichen Familie aber auch zum Dasein bei Hofe.
Das Buch ist damit die perfekte Fortsetzung zu „Im Haus des Zauberers“. Es ist aber eine zum größten Teil in sich abgeschlossenen Geschichte. Das Buch lässt sich dank des ausgefeilten Schreibstils sehr angenehm lesen. Die Autorin zieht damit den Leser problemlos in den Bann der Geschichte. So ist man gespannt, auf eine Fortsetzung.

Rezension von Heike Rau

Mary Hooper
In königlichem Auftrag
256 Seiten, gebunden
ab 12 Jahren
Bloomsbury Kinder- und Jugendbücher
ISBN-10: 3827053412
ISBN-13: 978-3827053411
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A. M. Homes: Die Tochter der Geliebten

A. M. Homes: Die Tochter der Geliebten


„Ihr Päckchen ist angekommen, und es hat eine rosa Schleife „. Mit diesen Worten wird den Adoptiveltern von A. M. Homes die Geburt ihrer Adoptivtochter angekündigt.
A. M. Homes selber ist das Päckchen, von dem hier die Rede ist, und wie ein Päckchen fühlt sie sich, als sie im Alter von 31 Jahren ihrer Herkunft auf die Spur kommt.
Sie fährt zu Weihnachten 1992 nach Hause, und geheimnisvoll vertraut ihr die Mutter an, dass ihre leibliche Mutter sich gemeldet hat und sie treffen möchte! Für Homes beginnt eine unruhige Zeit. Sie lässt sich nur zögerlich auf den neuen Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter ein, denn bald danach meldet sich auch der leibliche Vater.
A. M. Homes ist im Buch wie im wirklichen Leben bereits eine erfolgreiche Schriftstellerin, als sie sich mit ihren biologischen Eltern konfrontiert sieht. Ihre Kontaktaufnahme wird zu einem für sie höchst kritischen emotionalen Erlebnis.
Nun erfährt sie, wer und wie ihre Eltern wirklich sind. Sie macht Erfahrungen, von denen sie sich nichts träumen ließ!
Im Hintergrund bleiben die stabilen Adoptiveltern, die ihr eine gute Kindheit beschert haben und sie herzlich lieben.
Ihre Erlebnisse mit den neuen Eltern sind eher sehr ernüchternd.
A.M. Homes schreibt mit einem klaren, emotional eher unterkühlten Ton über ihr Leben. Hinter der nüchternen Bestandaufnahme spürt man eine hoch sensible, tief berührte Frau, die nicht glauben kann, wie ihr Leben durch äußere Umstände in Bahnen gelenkt wurde, auf die sie keinen Einfluss hatte.
Umso mehr bemüht sie sich jetzt im Erwachsenenalter darum, ihr Geschick nicht von anderen bestimmen zu lassen. Das fällt schwer angesichts einer Mutter, die sich ihr drängend an den Hals hängt und eines Vaters, der in seiner robusten und unsensiblen Art jovial herablassend bei seinen Treffen mit ihr eine Schmuddelatmosphäre aufkommen lässt, in der sie sich wie ihre Mutter als junges Mädchen von ihm benutzt fühlt.

Die Suche nach ihren Wurzeln führt Homes tiefer und tiefer in die Vergangenheit. Es tun sich Abgründe auf, die sie auf ihrem Weg der Wahrheitssuche findet. Dabei offenbart sie tiefste Gefühle der Verlassenheit, gerät in Wut, Auflehnung und einen Nachforschungszwang, der an Besessenheit grenzt. Immer drängender werden für sie die Fragen, wer sie wirklich ist, von wem sie welche Eigenschaften hat und welche Krankheiten oder Abartigkeiten es in den Familien gab. Sie fühlt sich hin und her gerissen zwischen dem Wunsch nach noch mehr Wahrheit und der Sehnsucht nach Ruhe.
In einer fast fanatischen Überaktivität erforscht sie ganze Familienzweige über Generationen zurück und sieht sich selbst als Erzählerin, die aus ihren vielen Suchergebnissen ihre Romane zusammensetzt.
Selten liest man eine so spannende und aufrichtige Vergangenheitsaufklärung wie bei A.M. Homes. Atemlos schlägt einen die Lebensgeschichte in Bann und man kann nicht von ihr lassen. Einmal mehr zeigt sich, dass das Leben die spannendsten Romane schreibt!

A. M. Homes
Die Tochter der Geliebten
Kiepenheuer&Witsch
ISBN 3462040340
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Mary Hooper: Im Haus des Zauberers

Mary Hooper: Im Haus des Zauberers

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Um ein klein wenig Geld zu verdienen, verkauft Lucy auf dem Markt Lavendelstäbe. Das hat offensichtlich jemand ihrem Vater zugetragen, denn dieses Mal wird Lucy von ihm erwischt. Als der hartherzige und gewalttätige Vater ihr das Geld abnehmen will, flüchtet sie. Aus Angst vor der Strafe kann Lucy nun nicht länger zu Hause bleiben, der Meinung ist auch ihre Mutter. London liegt zwei oder drei Tagesmärsche entfernt. Lucy macht sich auf den Weg, um dort eine Anstellung zu finden.
Unterwegs eilt sie zwei Mädchen zu Hilfe, die im Schlamm des Flusses in Schwierigkeiten gekommen sind. Einer von ihnen rettet sie mit ihrem beherzten Einsatz sogar das Leben. Merryl und Beth sind die Kinder von Dr. John Dee, dem Magier der Königin. Lucy wird ihre Hilfe hoch angerechnet. Sie wird als Kindermädchen eingestellt. Doch bald wird sie in eine seltsame Zeremonie hineingezogen, bei der es um eine Totenbeschwörung geht. Dabei kommt sie einer Verschwörung auf die Spur. Das Leben Königin Elizabeth steht auf dem Spiel!

Das 17. Jahrhundert geht zu Ende, als Lucy eine Anstellung bei Dr. Dee findet. Sie ist eine Verehrerin der Königin und möchte nichts lieber, als ihr nah sein. In Dr. Dees Haus könnte sie ihr begegnen, denn die Königin kommt immer wieder, um sich von Dr. Dee beraten zu lassen. Lucy ist eine sehr neugierige Person. Sie verfolgt ihre Ziele mit viel Mut. Doch genau das ist es, was sie sehr schnell in Schwierigkeiten bringt. Ihre Aktivitäten zu beobachten, macht sehr viel Spaß. Die Autorin stellt Lucy nicht nur als sehr zielstrebig dar, sie hat auch Herz und Verstand.
Die Handlung ist sehr gut ausgedacht. Das Buch ist spannend, aber auch gruselig. Im Hause eines Magiers geschehen eben Dinge, denen man im Grunde besser fern bleiben sollte. Doch Lucy ist auch fasziniert.

Die Lektüre des Buches ist äußerst aufregend. Dazu kommt, dass das Buch sehr gut geschrieben ist. Der Stil der Autorin gefällt. Die Sätze fließen perfekt ineinander.
Es ist ein historischer Roman. Was belegt ist und was fiktiv, beschreibt die Autorin in einem Nachwort. Man bekommt einen guten Einblick in das 17. Jahrhundert, das mit dem Buch ein Stück weit wieder lebendig wird.

Rezension von Heike Rau

Mary Hooper
Im Haus des Zauberers
Aus dem Englischen von Marlies Ruß
256 Seiten, gebunden
ab 12 Jahren
Bloomsbury Kinderbücher und Jugendbücher
ISBN-10: 3827053188
ISBN-13: 978-3827053183
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Jorge Bucay: Liebe mit offenen Augen

Jorge Bucay: Liebe mit offenen Augen


Wie kann man sich aus den Fallstricken der Liebe befreien, die auch mit neuen Partnern immer wieder in der gleichen Sackgasse enden?
Vor dieses Problem sieht sich Robert, Marketingexperte in Argentinien, mit seiner neuen Freundin Cristina gestellt. Sie ist unzufrieden mit ihm, und er fühlt sich eingeengt von ihr.

Da beschert ihm ein seltsames Schicksal die Zustellung von E-Mails, die an einen anderen gerichtet sind.
Ist es eine Therapeutin, die einem Kollegen ihre Theorien über Paarbeziehungen per E-Mail mitteilt?

Laura, so heißt die Absenderin, beschreibt darin just die psychodynamischen Vorgänge, denen sich Roberto mit Cristina ausgesetzt sieht.

Nach anfänglichem Zögern und Zaudern über die Indiskretion, sich die E-Mails anzueignen, kann Roberto der Versuchung nicht widerstehen, an diesen Texten seine eigenen Erfahrungen zu messen. Und wie gerufen erscheinen die Hinweise, die ihm einen Weg aus der Sackgasse zeigen könnten!
In einem launigen Verwirrspiel schaltet sich Roberto in den Schriftverkehr zwischen Laura und Alfredo, zweier Paartherapeuten, ein.
Die Gewissensbisse über seine Indiskretionen sind ebenso verständlich wie seine Neugier, die ihn in immer tiefere Verwicklungen mit seinem Doppelspiel treibt.

Zunehmend wird seine Korrespondenz mit der unbekannten Laura von erotischen Unterströmungen, die sich bei ihm im Laufe der Korrespondenz einstellen, beflügelt.

Verpackt in die Romanform lässt uns der anerkannte Gestalttherapeut Jorge Bucay an seinen Erkenntnissen und Lehren aus der Therapiearbeit teilnehmen.

Abwechselnd mit der Geschichte von Roberto und Cristina werden mit den E-Mails von Laura die entsprechenden Theorien zu gestörten Paarbeziehungen erörtert.

Interessante Details über das Miteinander von Paaren werden abgehandelt. Geht es doch in den meisten Paarbeziehungen um ähnliche Abläufe: nach der Phase der Verliebtheit folgen Phasen von Realitätserkenntnissen, die gelegentlich die irrtümlichen Einschätzungen der ersten Kontaktaufnahme korrigieren. Da werden Projektionen von eigenen Wünschen und Erwartungen nicht erfüllt; und da gerät die Abgrenzung nach der liebevolle Anfangsphase der Verschmelzung in
Wahrnehmungsirritationen.

Für den erfahrenen Leser ist die Erzählung folgerichtig beschrieben. Trifft man doch bei Paarberatern auf alle möglichen Theorien psychologischer und analytischer Schulen, die zu einer Grundthese führen: Paarbeziehungen sind vielfachen Anfechtungen durch falsch verstandene Eindrücke und Interpretationen ausgesetzt. Diese Störungen sind mit den Folgen von Projektionen, Fehlinterpretationen und von frühkindlichen Fehlentwicklungen allen Beratern bekannt. Die Aufdeckung defizitärer Strukturen bei der Lösung aus kindlichen Bindungen und die immer wieder erforderliche Abgrenzung hin zum eigenen Selbst sind Bestandteile aller Paartherapien.

Bucay hat den Roman phantasievoll konstruiert. Im Rahmen der Handlung darf man erfahren, wie Beziehungen gelingen könnten. Mehr noch lernt man über die Gründe, warum sie so häufig misslingen. Unterhaltsam und spannend setzt er seinen Roman in Szene, bei der auf der Klaviatur der psychologischen Analyse, der Information und der Lerneffekte gekonnt gespielt wird.
Der Roman ist lehrreich und amüsant, realistisch und kenntnisreich geschrieben. Die Verlockungen und Verführungen von neu beginnenden Beziehungen finden Gestalt in den beschriebenen Figuren.
Sicher werden sich Paare in manchen der Beschreibungen wieder finden!
Der amüsante und konsequent konzipierte Roman, leicht verständlich und keinesfalls belehrend geschrieben, wird viele aufgeschlossene und interessierte Leser finden.

Jorge Bucay
Liebe mit offenen Augen
Ammann
ISBN: 325060117

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Justin Cartwright: Das Glücksversprechen

Justin Cartwright: Das Glücksversprechen

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Justin Cartwright
Glücksversprechen
Rowohlt tb
ISBN: 3499246341

Daphne und Charles haben sich aus London nach Cornwall zurückgezogen, nachdem er aus seiner Firma ausgebootet wurde.
Die drei Kinder sind aus dem Haus und leben erfolgreich ihr eigenes Leben.

Da geschieht ein unerwartetes Unglück: die Tochter Juliet, Kunsthistorikerin und erfolgreiche Kunsthändlerin, wird eines Betruges wegen angeklagt. Sie war bei Christies angestellt, als sich der Skandal ereignete. Nach zwei schlimmen Gefängnisjahren wird sie entlassen, und ihr Bruder Charlie holt sie ab. Der Vater Charles hat gerade diese Tochter besonders geliebt und verehrt und war ihr zutiefst verbunden. Mit diesem Schlag werden beide Eltern kaum fertig.

Daphne empfindet die totale Leere und sieht, wie wenig sie mit Charles gemein hat.
Rückblickend erscheint das Familienleben von unguten Erwartungen, falschen Beweggründen und tiefen inneren Spaltungen gezeichnet.
Die großartige, erfolgreiche Familie hat einen Knacks bekommen und alle Protagonisten sitzen in der Falle.
Daphne ist verzweifelt, dass sie ihr Heim in London aufgegeben hat. Charles trauert seinem aktiven Berufsleben nach, und Juliet traut sich nach dem Ende der Gefängnishaft kaum wieder zurück ins Leben. Sophie arbeitet in einer Werbeagentur in London und hat neben ihrer Drogensucht mehr oder weniger desolate Affären.
Charlie wird allmählich zum ruhenden Pol stilisiert, was seinem inneren Befinden gar nicht entspricht.

Im Zentrum von Juliets Verbrechen stehen Fenster des in Amerika bekannten Glaskunstmalers Louis Comfort Tiffany.

Die Kontraste der inneren und äußeren Welten, in denen jeder lebt, werden differenziert beschrieben.

Menschliche Katastrophen entwickeln eine Eigendynamik, die vom wahren Leben gar nicht so weit entfernt sind.

Der Autor schreibt einen geschliffenen Stil und steigert die Handlung zu einem spannenden Psychodrama. Jeder der Protagonisten sehnt sich nach dem vermeintlich Glück der heilen Familie, ohne dass sich eine Lösung dafür abzeichnet. Zwischen den Zeilen lesen wir von den katastrophalen Zuständen im amerikanischen Frauenknast.
Man ist fasziniert von den Fallstricken, die das Leben für jeden parat hält.
Die Kunstszene New Yorks, der tiefsinnige,–oder flüchtige–, Gedankenaustausch zwischen den einzelnen Familienmitgliedern und wichtige Daten aus dem Leben der Protagonisten werden aufgefächert. Für England und Amerika als Gegenpole unterschiedlicher sozialer Gesellschaftsformen finden sich beeindruckende Passagen. Die Geschichte entwickelt sich zu einem Panorama von falscher Moral, trickreichen Lebenslehren, persönlichem Versagen und weisen Lebenseinsichten.
Wir haben hier einen Roman vorliegen, der zum Genre der großartigen englischsprachigen Gesellschaftsromane gehört.

Justin Cartwright gilt als einer der besten Romanciers unsere Zeit. 1945 in Südafrika geboren lebt er heute mit seiner Frau und zwei Söhnen in London.

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Pascal Mercier: Lea

Pascal Mercier: Lea

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Der Zufall bringt die beiden Männer zusammen. Adrian Herzog und Martijn Van Vliet. Beide kommen aus Bern und wollen nun zusammen nach Hause reisen. Herzog übernimmt die Rolle des Zuhörers, dem Van Vliet die Geschichte seiner Tochter und damit auch seine eigene erzählt. Seine Erzählung beginnt vor 18 Jahren, als seine Frau Cécile an Leukämie starb und er nun alleinerziehender Vater von Lea wurde. Etwa ein Jahr später lassen sich Vater und Tochter am Berner Bahnhof von einer Geigerin bezaubern. Das Spiel bringt den Glanz in Leas Augen zurück. Das Kind hat nun ein Ziel vor Augen, möchte auch Geige spielen lassen und der Vater setzt alles daran, ihr dies zu ermöglichen.

Bald darauf sind die ersten kratzigen Geigentöne in der Wohnung zu hören. Aus Céciles Zimmer wird ein Musikzimmer. Die Zeit bleibt nicht länger stehen. Es gibt eine neue Zukunft. In Marie Pasteur findet Lea eine Lehrerin, die ihre Begabung erkennt und entsprechend fördert. Sie bringt Leas Talent zur Entfaltung. Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt hat ihr Vater mehr Lampenfieber als seine 11-jährige Tochter. Lea kennt bald nur noch die Musik. Ihr Ehrgeiz frisst sie förmlich auf. Van Vliet spürt, wie seine Tochter ihm entgleitet, wie sie sich immer mehr von ihm entfernt, wo ihn doch schon seine Frau verlassen hat. Als er seine Tochter auf der Bühne stehen sieht, spürt er Unheilvolles auf sich zu kommen.

„Lea“ ist die sehr feinfühlige Geschichte einer Vater-Tochter-Beziehung. Der Autor bedient sich einer sehr eindringlichen, tiefgehenden Sprache, dringt damit in die Tiefen der Psyche seines Protagonisten ein. Dabei beschreibt er sehr genau den Konflikt, den Leas Vater lebt. Er steht mit der ganzen Verantwortung für ein Kind da, das er nie wollte, lebt dann aber nur noch für seine Tochter und sie für die Musik. Auch die Beziehung Leas zu ihrer Musiklehrerin macht ihm zu schaffen. Der Autor schildert, wie eine Bindung entsteht, von der Van Vliet sich ausgeschlossen fühlt und die ihn eifersüchtig macht. Der Vater, der nie gelernt hat, Gefühlte auszudrücken, droht am Ablösungsprozess seiner Tochter zu zerbrechen. Diese Fremdheit, die zwischen Vater und Tochter entsteht, wird auch für den Leser spürbar.
Während man praktisch alle auch noch so geheimen Gedanke Van Vliets erfährt, bleibt die Figur Leas undurchschaubar. Das ist ein bemerkenswerter Gegensatz.
Die Geschichte ist überaus aufwühlend. Dennoch hat der Autor einen Sog entstehen lassen, dem man sich als Leser nicht entziehen kann. Auch auf Adrian Herzog, den der Autor die Geschichte Van Vliets erzählen lässt, wirkt die Geschichte dem entsprechend, hinterfragt er doch auch sein eigenes Leben.

Rezension von Heike Rau

Pascal Mercier
Lea
Novelle
256 Seiten, gebunden
Carl Hanser Verlag
ISBN: 978-3446209152

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Pawel Sanajew: Begrabt mich hinter der Fußleiste

Pawel Sanajew: Begrabt mich hinter der Fußleiste

Es vergeht keine Stunde, ohne dass die Großmutter auf das Gröbste flucht und schimpft. Der Großvater ist für sie ein stinkender alter Esel und ihr Enkelkind Sascha ein dreimal verfluchtes, verkommenes Miststück. Während der Großvater seinem Zuhause Tage oder auch für Stunden den Rücken kehren kann, ist Sascha daran gefesselt. In die Schule geht er nur selten. Er ist krank. Ein Staphylococcus frisst sein Gehirn auf. Die Großmutter hält den Jungen am Leben. Sie kennt sich besser aus als die Ärzte und weiß genau wie die chronischen Stirn- und Kieferhöhlen- und Mandelentzündungen, der Leberschaden, die Niereninsuffizienz und die Pankreatitis zu behandeln sind. Sie weiß auch, woher die Krankheiten kommen. Sascha muss für die Sünden seiner Eltern büßen.

Die Großmutter redet dem Jungen ein, so gut wie tot zu sein. Sie macht ihm glauben, er verfaule ganz langsam. Sascha macht sie damit eine ungeheure Angst. Es ist für ihn ein Schreckenszenario, sich vorzustellen auf einem Friedhof in der Erde unter einem Kreuz zu liegen. Viel lieber möchte er hinter der Fußleiste begraben werden, wo durch die Ritzen etwas Licht fällt.

Der Autor lässt Sascha die Geschichte selbst erzählen. Sie gewinnt dadurch an Dramatik und an Glaubwürdigkeit. Einen Menschen wie die Großmutter kann man sich dennoch nur schwer vorstellen. Das Buch ist vollgestopft mit ihren Flüchen und Beschimpfungen, die sehr betroffen machen. Der Autor offenbart erst spät im Verlauf der Geschichte, warum die Großmutter so geworden ist, dass sie eine Wand um sich herum zum Selbstschutz gebaut hat. Eine Entschuldigung für ihre Art ein Kind und auch ihren Ehemann zu quälen, ist das aber nicht. Der Autor lässt den Leser auch manchmal durchblicken durch diese dicke Wand, zeigt, dass die Großmutter sehr wohl Liebe empfinden kann. Wenn Sascha sehr schwer krank ist, umgibt sie ein Hauch von Wohlwollen.

Das Buch löst daher sehr widersprüchliche Gefühle aus. Es ist nicht einfach zu lesen, so eindringlich ist seine Dramatik. Die Charaktere werden in ihrer Zerrissenheit sehr tiefgehend beschrieben. Viele Szenen wirken auf makabere Weise geradezu komisch. Aber diese Komik löst kein Lachen aus, sondern Traurigkeit. Das Buch liegt dann auch bleischwer im Magen. Entgehen lassen, sollte man es sich trotzdem nicht. Die Art des Autors zu schreiben, ist außergewöhnlich.

Über den Autor:
Pawel Sanajew, der einer berühmten russischen Schauspielerfamilie entstammt, wurde 1969 in Moskau geboren. Er studierte an der Filmhochschule und arbeitete dann als Drehbuchautor und Synchronisator. Sein erster Film, der Thriller „Letztes Wochenende“ kam 2005 in die Kinos und wurde auf Filmfestivals ausgezeichnet. „Begrabt mich hinter der Fußleiste“, das für den russischen Bookerpreis nominiert wurde, ist sein erstes Buch.

Rezension von Heike Rau

Pawel Sanajew
Begrabt mich hinter der Fußleiste
Aus dem Russischen von Natascha Wodin
240 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann
ISBN: 978-3-88897-464-9
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