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Kategorie: Krimi und Thriller

Elizabeth Subercaseaux: Die Geliebten

Elizabeth Subercaseaux: Die Geliebten

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Krimi oder Liebesroman: Das ist hier die Frage!

Zahlreiche Liebschaften und verworrene Paarbeziehungen bilden den Plot zu diesem Roman! Die Verwicklungen sind vielschichtig und in ihren Zusammenhängen nicht leicht zu durchschauen.

Einer der Protagonisten ist der Anwalt Joshua in Amerika, der mit seiner Frau Alexa nach dem Tode der gemeinsamen Tochter Wendy nicht mehr glücklich ist. Er hat eine Geliebte, für die er sich jedoch langfristig nicht entscheiden kann. Diese Freundin Quinn ist schon ganz im Taumel neuen Glücks mit dem reichen Anwalt, als dieser beschließt, doch lieber zu seiner Frau zurückzukehren.

In Chile lebt der Agrarökonom Nahuel. Er findet in der Französin Juliette eine geliebte Partnerin und verlässt für sie seine bigotte zweite Ehefrau Elsa.

Im Wechsel der Jahreszahlen 1999 und 2008 werden aus unterschiedlichen Perspektiven und von verschiedenen Örtlichkeiten und Personen aus die Geschichten zahlreicher Liebender erzählt, die zuerst glücklich zusammengefunden haben und sich dann wieder verlieren. Um die Lebensgeschichten der Hauptakteure tummeln sich noch eine Vielzahl weiterer tragischer und böser Heldinnen und Helden.

Grundbesitzer unter Pinochet hatten noch eine Menge Rechte und herrschten schrankenlos über ihre Arbeiter. Sozialkritik unter dem Mäntelchen einer liebetollen Geschichte! Tief umeinander verschlungen sind die Lebenswege der Helden und Heldinnen, und verwirrend ist die Zusammenführung der Liebesabenteurer zum Ende hin.

Zwischen Tod und Trauer, zwischen Vertrauen und Liebe, Mord und Totschlag oszilliert eine Erzählung, die am Ende etwas gekünstelt zu einem gemeinsamen Schluss verbunden wird. Mehr als ein Krimi denn als Liebesroman liest sich dieser unterhaltsame Schmöker, den man in einem Zuge zu Ende liest. Er ist leider etwas überfrachtet mit den bedeutsamen und geheimnisvollen Verbindungen unter den Protagonisten. Weniger wäre mehr!

Elizabeth Subercaseaux ist eine der beliebtesten Autorinnen Chiles, die zu Zeiten Pinochets als Journalistin im Untergrund gearbeitet hat.

Elizabeth Subercaseaux
Die Geliebten
274 Seiten, gebunden
Pendo, September 2011
ISBN-10: 3866122713
ISBN-13: 978-3866122710
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Richard Stark: Verbrechen ist Vertrauenssache

Richard Stark: Verbrechen ist Vertrauenssache

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George Liss hat für Parker einen neuen Job. Parker ist misstrauisch, aber weil Ed Mackey mit dabei ist, mit dem er schon zusammengearbeitet hat, sagt er zu. Zwar ist Mackey nicht der Schlauste, aber das gleicht seine Freundin Brenda, die ebenfalls mitmacht, locker aus.

Es geht um Spendengelder, die ein Wanderprediger mit Veranstaltungen in Stadien einnimmt. Ein Insider, Tom Carmody, hat die nötigen Informationen.
Der Coup wird geschickt eingefädelt. Alles läuft glatt. Doch dann stellt sich heraus, dass George Liss das Geld für sich allein haben will, was Parker aber verhindert. Parker hat mit Problemen gerechnet und die drei Gewehre heimlich entladen. Liss entkommt ohne die Beute. Wie geplant kann das Geld aber nun nicht beiseite geschafft werden.

Ein weiteres Problem ist dieser Carmody. Er hat offenbar nicht dicht gehalten und seiner Schwester zu viel erzählt. Die wiederum hat ihren Bruder eingeweiht und der zwei seiner Freunde. Auch die drei haben es nun auf die Beute abgesehen und warten auf eine Gelegenheit.
Der Sicherheitschef des Predigers ist den Gaunern auch auf der Spur. Und Detektive Calavecci macht seine Arbeit auch nicht schlecht.

Es sind also ein Menge Dinge, um die Parker sich kümmern muss. Sehr detailliert beschreibt der Autor die Vorgehensweise des Gauners. Seine Gedanken und Überlegungen und die daraus resultierenden Handlungen werden minutiös dargestellt. Nicht immer liegt Parker richtig. Vielmehr ist es das Unvorhergesehene, das seine Pläne immer wieder durcheinanderbringt. Immer aber behält Parker die Nerven. Er ist eben ein knallharter und auch skrupelloser Typ. Wer ihm in die Quere kommt, hat nichts zu lachen.

Es ist sehr spannend zu verfolgen, wie die Handlung fortschreitet. Parker handelt überlegt und intuitiv zugleich. Das ist eine gute Mischung. Vorhersehbar ist bei diesem Krimi nichts. Immer wieder wendet sich das Blatt und das macht das Buch ausgesprochen spannend. Das steigert sich von Seite zu Seite. Die Lage wird immer kritischer. Der eine oder andere muss dran glauben, natürlich nie ohne triftigen Grund. Parker mordet nicht aus Spaß. Und er versteht keinen Spaß. Trotzdem, man kann es nicht erklären, wirkt er sympathisch.

Rezensionen von Heike Rau

Richard Stark
Verbrechen ist Vertrauenssache
Ein Parker Roman
Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren
256 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag
ISBN-10: 3552055509
ISBN-13: 978-3552055506
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Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini

Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini

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Spannung und Realität: eine Kriminalgeschichte der ungewöhnlichen Art.

Hervorragend, klar und eindeutig wie schon in seinen vorherigen Geschichten über „Verbrechen“ und „Schuld“ beginnt Ferdinand von Schirach seinen Bericht über den Fall Collini.

Ein überaus großer und gewaltiger Mensch hat im Hotel Adlon in Berlin den bekannten 85 jährigen Großunternehmer Hans Meyer erschossen. Der Täter stammt aus Italien, heißt Fabrizio Collini und hat 34 Jahre lang ein unauffälliges Leben als Werkmeister in Deutschland geführt. Er lässt sich nach der Tat widerstandslos festnehmen, gesteht die Tat und will keinen Anwalt zu seiner Vertretung. Er wirkt stoisch bis unnahbar.
Daraufhin wird ihm ein Pflichtanwalt zur Seite gestellt. Dieser heißt Caspar Leinen und ahnt nicht, was auf ihn mit der Übernahme des Mandates zukommt. Es ist sein erster Fall nach dem mit Prädikatsnote beendeten Studium. Er will die Vertretung des Täters zunächst nicht übernehmen, nachdem er herausgefunden hat, wer der Ermordete ist. Hans Meyer war der Großvater eines guten Freundes seiner Kindheit und ist fast wie eine Vaterfigur für ihn gewesen. Der erfahrene und viel ältere Anwalt der Nebenkläger ist dem jungen Kollegen wohl gesonnen und hält einige wichtige Argumente für die Übernahme des Mandats bereit.

Mit dieser Einleitung befindet man sich sofort mitten in einem Rechtsfall, der viele Rätsel aufgibt.

Auf der Suche nach der Wahrheit für den Tathergang bleibt dem jungen Anwalt bis hin zur Gerichtsmedizin nichts erspart.

Der aufgeschlossene und intelligente Caspar Leinen bemüht sich leidenschaftlich, mehr über die Hintergründe für die Tat herauszufinden. Fast kurz vor der Beendigung des Verfahrens kommt Caspar Leinen hinter ein Geheimnis, das näheren Aufschluss über das Tatmotiv bieten könnte. Hier kommen Partisanenkämpfe und die Naziherrschaft während des zweiten Weltkriegs in Italien ins Spiel. Pikanterweise ist bekannt, dass der Großvater von Ferdinand von Schirach, Baldur von Schirach, Reichsjugendführer der SS im dritten Reich war!

Sehr deutlich spürt man, dass der Autor mit dem Gerichtsalltag eng vertraut ist und über Detailwissen verfügt. Er baut seine Geschichten geschickt auf, kann schreiben und erzeugt eine Spannung, die den Leser fasziniert und bis zur letzten Zeile gefangen nimmt.
Von Schirach spart nicht mit kurzen Erlebnissen aus dem Privatleben des jungen Anwalts, die den Roman mit Leben füllen und sich folgerichtig in die Kriminalgeschichte einfügen. Man schaut interessiert hinter die Kulissen der Strafjustiz und erfährt Einzelheiten über die Verfahrensregeln in anhängigen Strafverfahren. Der höchst spannend zu lesende Kriminalfall aus dem inneren unseres Justizsystems ist sicher einer der Glanzpunkte diesjähriger Kriminalgeschichten im kommenden Bücherherbst 2011.

Ferdinand von Schirach
Der Fall Collini
208 Seiten, gebunden
Piper, SSeptember 2011
ISBN-10: 3492054757
ISBN-13: 978-3492054751
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Alafair Burke: Online wartet der Tod

Alafair Burke: Online wartet der Tod

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Ellie Hatcher hat sich bisher um Betrug und Raubüberfälle gekümmert. Nun soll sie zum ersten Mal in einem Mordfall ermitteln. Flann McIlroy hat die junge Polizistin zu seiner Unterstützung angefordert. Es geht um zwei junge Frauen, die im Abstand von genau einem Jahr ermordet worden sind. Amy Davis wurde erdrosselt, als sie vor einem Date nach Hause kam. Sie war Mitglied von „FirstDate“, einer Online-Partnerbörse. Die vor einem Jahr ermordete Caroline Hunter war auch bei „FirstDate“. Nur war ihre Motivation eine ganz andere. Sie hat für ein Buchprojekt recherchiert.

Es gelingt Ellie Hatcher sich in das Profil von Amy Davis einzuloggen und festzustellen, mit wem sie Kontakt hatte. Nur läuft bei „FirstDate“ alles sehr anonym ab. Von den Benutzernamen kann man nicht auf die Person schließen. Bei „FirstDate“ zeigt man sich wenig hilfsbereit. Und so gehen die Ermittlungsarbeiten nur sehr schleppend voran.

Ellie hat inzwischen selbst einen Account bei „FirstDate“ und drei Männer angeschrieben. Doch es wird keine Spur zum Mörder ersichtlich. Erst später, als eine dritte Frau ermordet wird, fällt ein Profil besonders auf.

Der Täter spielt eine ganz üble Rolle. Er manipuliert die Polizisten und legt falsche Fährten, ohne das es zunächst auffällt. Auch als Leser steht man vor einem Rätsel und verfolgt die Gedankengänge von Elli Hatcher und Flann McIlroy mit großer Spannung, obwohl die Handlung anfangs nicht gerade sehr aufregend erscheint. Es ist eine Puzzlearbeit, mit vielen überflüssigen Teilen im Spiel, die erst aussortiert werden müssen. Im letzen Drittel des Buches kommen die Ermittlungsarbeiten aber dann so richtig in Fahrt. Man wird wirklich sehr überrascht.

Insgesamt wirkt der Krimi sehr gut durchdacht. Er ist überaus raffiniert angelegt. Aber das merkt man erst am Ende, wenn alle Fäden zusammenlaufen.
Das Thema selbst ist spannend. Sehr deutlich wird auf die Gefahren des Internets aufmerksam gemacht. Es ist schon sehr bedenklich, welche Möglichkeiten für den Täter hier bestehen und wie ein Fremder sich tarnen kann, um Vertrauen zu wecken.

Noch ein Wort zu Ellie Hatcher. Sie wirkt echt und in ihrem Handeln glaubwürdig. Nicht zuletzt passt sie selbst in das Opferprofil des Täters. Außerdem ist das Interesse der Medien an ihr als Ermittlerin groß. Sie ist keine Unbekannte. Auch ihr Privatleben wird im Buch nicht ausgespart. Man kann sich gut mit ihr identifizieren. Dadurch gewinnt der Krimi natürlich zusätzlich.

Fazit: Ein wirklich lesenswerter, „Krimi des Monats“

Rezension von Heike Rau

Alafair Burke
Online wartet der Tod
Deutsch von Susanne Wallbaum
Dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423213140
ISBN-13: 978-3423213141
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Leonie Swann: Glennkill – Ein Schafskrimi

Leonie Swann: Glennkill – Ein Schafskrimi

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Es ist vorbei mit der Ruhe auf der Weide. Der Hirte George Glenn ist tot. In ihm steckt eine Schaufel. Es muss also Mord gewesen sein, glauben die Schafe. Miss Maple, das klügste Schaf der Herde, weiß, dass nun Menschen kommen werden. Tom O’Malley findet den Toten schließlich. Kaum hat er im Pub die Leute informiert, kommt ein kleines Grüppchen herauf. Darunter der Metzger, den die Schafe gar nicht leiden können. Die Tiere versuchen sich so natürlich wie möglich zu verhalten und dabei so viel wie möglich mitzubekommen. Dann kommen Polizisten und ein Journalisten. Die Schafe finden kaum Beachtung. Immerhin wird die Leiche mitgenommen. Und bald sieht es auf der Weide aus, als wäre nichts geschehen.

Am nächsten Morgen fallen die Schafe über Georges Gemüsegarten her. Das war bisher verboten gewesen, aber nun gibt es ja niemanden mehr, der es ihnen verbieten könnte. Selbst die Schäferhündin scheint verschwunden.
Wieder kommen Menschen. Eine Frau und ein Schwarzgekleideter mit langer Nase, der die Schafe am liebsten beim Metzger sehen würde, wäre da nicht ein Testament, in dem stehen müsste, wem die Schafe nun gehören.
Die Schafe nehmen alles auf, was sie hören. Versuchen hinter die Bedeutung des Gesagten zu kommen und sich zusammenzureimen, wer der Mörder ist.
Doch die Geschichte ist kompliziert, vor allem auch, weil man sich fragen muss, ob am Ende vielleicht sogar ein Schaf etwas mit dem Mord zu tun hat. Miss Maple hat den Hufabdruck auf Georges Leiche genau gesehen.

Die Herde besteht aus Schafen von ganz unterschiedlichem Charakter. Angeführt werden sie von Leitwidder Sir Ritchfield, der allerdings nicht mehr der Jüngste ist. Miss Maple hat das Sagen. Als klügstes Schaf der Herde, kommt ihr das Denken zu. Alles merken kann sie sich aber nicht. Dafür gibt es Mopple the Whale, das Gedächtnisschaf. Aber auch die Meinung der anderen Schafe zählt.

Im Grunde ist das Buch nicht besonders spannend. Der Fall ist alles andere als spektakulär. Aber die Geschichte ist unglaublich originell. Die Autorin versetzt sich in die Lage der Schafe und bedient jedes Klischee, das man Schafen zumutet. Das ist ungeheuer lustig. Die Schafe sind langsam, begriffsstutzig, denkfaul und mehr mit Grasrupfen beschäftigt, als mit allem anderen. So entwickelt sich auch der Krimi nur langsam. Die Schafe gehen mit Bedacht vor. Im Grunde verstehen sie die Menschen nicht. Aber weil ihr Hirte George Glenn ihnen immer vorgelesen hat, wissen sie eine ganze Menge mehr, als andere Schafe. So wissen sie eben auch, dass der Mörder immer an den Tatort zurückkehrt. Dennoch ist es schwer für sie Gedanken aneinander zu reihen und Schlüsse daraus zu ziehen. Manchmal liegen sie dann eben auch grundverkehrt.

Aber unter den Menschen ist auch keiner, der den Mord aufklären will. Die scheinen eher etwas vertuschen zu wollen. Die Schafe haben Zeit. Das Rätsel wird schon gelöst werden. Und auch als Leser sollte man sich Zeit für dieses Buch nehmen. Es unterhält auf charmante Art wirklich gut.

Rezension von Heike Rau

Leonie Swann
Glennkill – Ein Schafskrimi
384 Seiten, broschiert
cbj, München
ISBN-10: 3570400840
ISBN-13: 978-3570400845
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Franziska Franke: Sherlock Holmes und der Club des Höllenfeuers

Franziska Franke: Sherlock Holmes und der Club des Höllenfeuers

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Liebhaber des Detektivromans kommen mit der Reinkarnation einer aus Literatur und Film bestens bekannten Romanfigur in den spannenden Genuss, die Welt um sich herum zu vergessen und in das mediterrane Flair von Florenz einzutauchen. Franziska Franke hat sich der lange totgeglaubten Romanfigur des britischen Meisterdetektivs Sherlock Holmes angenommen. Nach ihrem Debütroman „Sherlock Holmes und die Büste der Primavera“ handelt es sich bei dem vorliegenden Buch um den zweiten Krimi dieses Stils, eines Stils, der dem des Altmeisters Arthur Conan Doyles nicht unähnlich ist.

In nüchterner, berichtender Weise beschreibt Mister Tristram, der enge Vertraute des großen Detektivs in der englischen Gemeinde von Florenz, Holmes Vorgehensweise bei den Ermittlungen. Während Holmes in England kaum auf seinen Dr. Watson verzichtete, weil der ihm unendlich viele Chancen bot, mit seinem Spürsinn zu glänzen, so verhält sich Mr. Tristram kaum anders. Bemüht, den Freund Holmes bei den Ermittlungen zu unterstützen, hat dieser nichts anderes zu tun, ihn bloßzustellen und mit seinem eigenen Wissen zu glänzen und zu belehren. Aus seiner Verblüffung über so manchen verwinkelten Gedankengang seines Freundes, der inkognito ermittelt, macht Tristram kein Geheimnis.

Die Ermittlungen drehen sich zunächst um das Auffinden eines Gemäldes, welches bei einem Mitglied des Höllenfeuer-Clubs, einem elitären Kreis der englischen Gemeinde, verschwunden ist. Sherlock Holmes wird beauftragt, das Gemälde zu finden. Erstaunlicherweise hat der Täter nicht die überaus wertvollen Gemälde aus der Renaissancezeit entwendet, sondern eines, auf welchem die fünf Mitglieder dieses esoterischen Clubs von einem Restaurator der Stadt porträtiert worden waren. Der Routinefall wandelt sich schnell zu etwas Ungewöhnlichem, als der Florentiner Maler und Restaurator tödlich verunglückt. Ein Umstand, den Sherlock Holmes stark bezweifelt. Nicht nur Holmes sondern auch sein Gehilfe Tristram geht von Mord aus und kommt so manchem Geheimnis der fünf Porträtierten auf die Spur.

Mit faszinierender Detailtreue beschreibt die Autorin die akribische Ermittlungsarbeit. Da der Eindruck eines nüchternen Berichts erweckt werden soll, dessen Manuskript auf dem Dachboden eines Buchhändlers gefunden wurde, bedient sich die Autorin auch gerne Fußnoten, die das eine oder andere Detail näher erläutern. Eine Methode, die dem Roman Authentizität verleiht.

Mit Humor beseelt werden immer wieder die zwar für Tristram und den Leser überraschenden Wendungen, die für den Meister jedoch offenbar immer wieder vorhersehbar waren. Als Leser kann man sich das etwas langsamer funktionierende Gehirn Mr. Tristrams allerdings gut nachvollziehen, sieht man sich doch selbst oft genug von Holmes an der Nase herumgeführt.

Für Leser, die Sherlock Holmes, Hercule Poirot oder Miss Marple lieben, ist dieses Buch ein unabdingbares Muss. Er wird verzaubert mit einer spannenden Mischung aus Arthus C. Doyle und Donna Leon.

Franziska Franke
Sherlock Holmes und der Club des Höllenfeuers
365 Seiten, broschiert
KBV Verlag, Hillesheim
ISBN-10: 3940077933
ISBN-13: 978-3940077-93-6

© Detlef Knut, Düsseldorf 2011
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Ulrike Blatter: Der Mann, der niemals töten wollte

Ulrike Blatter: Der Mann, der niemals töten wollte

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Ein sechsjähriges Kind wird vermisst gemeldet. Doch dies ist zunächst kein Fall für die Polizei. Der Entführer ist ein Bosnier, der sich von dem kleinen Mädchen mit „Vater“ anreden lässt.

An dieser Stelle kommt ein gesellschaftliches Thema ins Spiel, welches von der Autorin geschickt in eine spannende Handlung gekleidet wird. Krieg und Flucht aus Ex-Jugoslawien, Aufnahme in unserer westlichen Gesellschaft, Umgang mit ausländischen Mitbürgern. Haarklein werden die Verhältnisse eine Flüchtlingsfamilie in der deutsch-schweizer Gegend um Konstanz und den Bodensee herum geschildert.

Dass sich die Konstanter Kripo nicht um den Entführungsfall kümmert, hat seinen Grund: Sie hat wegen eines Toten, der erstochen in einer Badewanne gefunden wurde, genug zu tun. Das ohnehin schon große Team wird immer wieder durch weitere Experten vergrößert. Noch während die Ermittlungen auf Hochtouren laufen, gibt es einen zweiten Toten, der Ähnlichkeiten zu dem Tötungsdelikt des ersten Toten aufweist. Dieses Mal wurde der Leiter des Jugendamtes bestialisch erstochen und in einem Park abgelegt.

Geschickt sind die Ermittlungen um die Ermordeten mit der Entführung des Mädchens in einer parallelen Handlung verflochten. Die bluttriefenden Details bei der Leichenschau hätten auch ohne diese Konkretheit ihre Wirkung gezeigt, wie auch viele weitere kriminaltechnische Details passend in den Text eingeflossen sind und den Eindruck von Expertenwissen erwecken.

Als angenehm habe ich das Sprechen der handelnden Figuren empfunden, die teilweise im Dialekt oder mit osteuropäischem Akzent ihre Sätze hervorbrachten. Schade, dass dieser Stil nicht konsequent an jeder Stelle umgesetzt wurde.

Während die Ermittlungen der Kripo durchweg interessant und spannend sind, ist die Handlung um die Entführung ein wenig zähfließend. Es steht zwar immer die Frage nach dem „Warum“ im Raum, aber leider ändert sich dies über alle betroffenen Kapitel nicht. Im Ablauf der Entführung gibt es kaum eine überraschende Wendung, kein kleinerer Spannungsbogen, der den Leser bis zum nächsten (Entführungs-) Kapitel gefangen hält. Außerdem wirkt die Sichtweise des Kindes konstruiert, aus dessen Perspektive die Entführung geschildert wird. Es ist offensichtlich die eines Erwachsenen, der glaubt, dass ein Kind so denkt. Das hat nichts mit der realen Denkweise eines Kindes zu tun.

Auf das Thema des Buches ist bereits hingewiesen worden, aber die besondere Herangehensweise an die Problematik des Balkankrieges, an die Schicksale der Flüchtlinge, an die Schilderung der Kriegsleiden bosnischer Soldaten ist ein ausdrückliches Lob wert. Dadurch wird der Krimi einer, der auch zum Nachdenken anregt.

Blatter, Ulrike
Der Mann, der niemals töten wollte
332 Seiten, broschiert
KBV Verlag, Hillesheim
ISBN-10: 3940077968
ISBN-13: 978-3940077967

© Detlef Knut, Düsseldorf 2011
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Jan Costin Wagner: Das Licht in einem dunklen Haus

Jan Costin Wagner: Das Licht in einem dunklen Haus

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Verwirrspiele zwischen Leben und Tod!

In diesem Krimi erleben wir eine tote Frau, eine tote Ehefrau und einen toten Mann, der von einem Balkon gestürzt wurde. Ein weiterer Mann stirbt durch die Explosion einer Schnapsflasche,–verwirrender kann ein echter Krimi nicht sein!

In Helsinki und Turku tummeln sich Polizisten bei Recherchen zu den ungeklärten Mordfällen. Viele Zusammenhänge bleiben angedeutet und vage, so dass man eifrig versucht, die düsteren Vorgänge zu ergründen. Auf diese Weise wird der Leser in Lebensbezüge hineingezogen, die einerseits miteinander in Verbindung zu stehen scheinen und andererseits immer neue Blickwinkel eröffnen.

Eine Klavierlehrerin und ihre Schüler bilden den Plot, mit dem man nach Jahren den Spuren eines einstmals geschehenen Verbrechens folgt.

Kimmo Joentaa ist der uns schon aus Vorgängerromanen bekannte Kommissar, der sich mit der Aufklärung der Mordfälle befasst. Seine Frau ist tot, und seine laszive Freundin Larissa bleibt ihm gegenüber still und verschlossen. Eines Tages ist sie verschwunden. Man ahnt wohl bald, dass sie ein sehr geheimes Leben neben ihrem Freund Kimmo führte. Schließlich bemüht sich Kimmo, neben der Arbeit in der Mordkommission dem verborgenen Leben dieser Freundin auf die Spur zu kommen.

Wie immer legt J.C. Wagner seine Fährten raffiniert, so dass man seinen psychologisch ausgefeilten Beobachtungen mit Interesse nachsinnt.

Dem Auftreten immer neuer Figuren kann man gelegentlich allerdings nur mühsam folgen, und so gerät man in den Trubel von Ereignissen, die in ihren Zusammenhängen schwer zu ergründen sind.

J.C. Wagner setzt subtile Mittel ein, um den Leser in die Irre zu führen. Es gelingt ihm vortrefflich, seine Erzählung aus einzelnen Puzzlesteinen zusammenzusetzen, so dass die Lösung erst ganz zuletzt sichtbar wird. Ein ambitioniert angelegter Krimi ist das Ergebnis dieses neuen Romans von Jan Costin Wagner. Für Krimifreunde mit anspruchsvollem Literaturgeschmack ist er genau das Richtige!

Jan Costin Wagner
Das Licht in einem dunklen Haus
352 Seiten, gebunden
Kiepenheuer & Witsch, Juli 2011
ISBN-10: 3869710160
ISBN-13: 978-3869710167
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Ilkka Remes: Ein Schlag ins Herz

Ilkka Remes: Ein Schlag ins Herz


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Beate ist tot. Patrik Vasamas Hass auf die belgische Ärztin Dr. Sandrine Denaux, die entschieden hat, zuerst einem anderen Patienten zu helfen, ist ungebrochen. Dennoch darf Beates Arbeit nicht unvollendet bleiben.

Die MS Sigyn transportiert derzeit radioaktiven Atommüll von Ringhals nach Oskarshamn zum Endlager. Der Frachter soll für kurze Zeit von „Live Baltic“ unter Führung von Dominik Gladbach unter Kontrolle gebracht werden. Der Plan ist verrückt. Aber es ist eben auch sehr medienwirksam, wenn auf diesem Schiff etwas passiert, das weiß Patrik, der Geologe und Spezialist für die Endlagerung von Atommüll ist und auf die mit der Nutzung der Kernenergie verbundenen Risiken aufmerksam machen will. Das Schiff zu besetzen, darüber soll auch Beate nachgedacht haben, auch wenn sie Patrik davon nichts erzählt hat.

Der Plan wird auf sehr spektakuläre Art und Weise in die Tat umgesetzt. Patrik ist schockiert, als sich die Umweltaktivisten vor seinen Augen in Terroristen verwandeln. Mit Waffengewalt versuchen sie sich durchzusetzen, wo es doch nur darum ging, ein Transparent anzubringen.
Patrik Vasama erkennt, dass er eigentlich nicht weiß, mit wem er es zu tun, und welche Rolle Beate gespielt hat. Doch jetzt kann er nicht mehr zurück.

Die Lage nimmt an Brisanz noch zu, als eine Gruppe von Geiseln an Bord gebracht wird. Alles Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz. Unter den Entführern ist Dr. Sandrine Denaux. Offenbar arbeitet sie mit Herman McQuinn zusammen. Doch auch Sandrine hatte nur an eine spektakuläre Demonstration gedacht, um auf die Not in den Entwicklungsländern aufmerksam zu machen. Von einer Entführung war nie die Rede gewesen.

„Ein Schlag ins Herz“ ist einer von diesen Romanen, die einen von der ersten Seite an gefangen nehmen und nicht wieder loslassen. Das Thema ist äußerst brisant und hochaktuell. Der Triller ist recht kompliziert aufgebaut, dennoch aber gut zu lesen. Spektakuläre Wendungen sorgen für Aufmerksamkeit beim Leser. Spannungsmäßig ist das kaum zu übertreffen.

Man wird mit einer Vielzahl von Figuren bekannt gemacht. Aber da man sich an Patrik Vasama und Dr. Sandrine Denaux halten kann, verliert man auch hier nicht den Überblick.

Die Handlung ist knallhart und fast schon berauschend. Immer muss man fürchten, dass alles schief geht. Die Terroristen sind nicht zu stoppen, russische und amerikanische Geheimdienste verfolgen jeweils eigene Ziele und die Behörden sind teilweise machtlos. Vasama und Denaux geraten ordentlich zwischen alle Fronten und haben eigentlich keine Chance. Hinter die Wahrheit zu kommen, ist nicht einfach. Alles läuft auf ein extrem spannungsgeladenes Ende hinaus und das wird vom Autor auch geliefert. Ein wirklich gelungener Politthriller!

Rezension von Heike Rau

Ilkka Remes
Ein Schlag ins Herz
Aus dem Finnischen von Stefan Moster
Thriller
464 Seiten, Klappenbroschur
Dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 342324853X
ISBN-13: 978-3423248532
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Jussi Adler-Olsen: Erlösung

Jussi Adler-Olsen: Erlösung

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Carl Mørck bekommt von seinem Chef Marcus Jacob eine Flaschenpost in Scherben und deren Inhalt überreicht. Die damals noch intakte Flasche wurde bereits 2002 vor der Küste Schottlands gefunden, war dann aber durch bestimmte Umstände in Vergessenheit geraten. Der Zettel darin ist zum größten Teil unleserlich. Aber es scheint ein Hilferuf zu sein. Carl ist davon allerdings nicht überzeugt. Möglicherweise handelt es sich hier um einen Streich. Obwohl andere Fälle warten, beginnt er mit seinen Assistenten Assad und Rose den Brief zu entziffern.

Kollege Tomas Laursen, ehemaliger Polizeitechniker, gibt entscheidende Hinweise. Er findet einen Holzsplitter und eine Fischschuppe. Er kann außerdem einschätzen unter welchen Bedingungen der Brief geschrieben wurde. Er glaubt nicht, dass sich damit jemand einen Spaß erlaubt hat. Auch findet er nach seiner Analyse noch weitere Buchstaben. Demnach stammt die Flaschenpost aus dem Jahr 1996.

Carl muss die Sache also ernst nehmen. Es geht nur langsam voran. Andere Arbeiten müssen erledigt werden. Die Arbeitsbedingungen unten im Keller des Bürogebäudes sind alles andere als ideal zumal man hier eine Asbestbelastung festgestellt hat. Dann kommt Rose nicht mehr zur Arbeit und schickt stattdessen ihre Schwester. Außerdem hat Carl an einem alten Fall zu knabbern. Mit seinen Nerven steht es nicht zum Besten. Von seinem Privatleben ganz zu schweigen.
Und doch kommt das Team Schritt für Schritt weiter. Bis ein Hinweis die ganze Sachlage ändert.

Man weiß als Leser von Anfang an, was Sache ist, auch wenn man die Lage in der Gesamtheit sicher nicht einschätzen kann. Während Carl noch in aller Gemütlichkeit vor sich hinarbeitet, weiß man aber, dass Eile geboten ist. Es geht um einen Serienkiller, der Kinder entführt, um Lösegeld zu erpressen, der skrupellos tötet, um die Familien zum Schweigen zu bringen. Die ganzen Jahre über, die keiner sich der Flaschenpost angenommen hat.

Es ist ein sehr tragischer Fall, den Carl Mørck hier mit seinem Assistenten Assad nachgehen muss. Das kratzt ordentlich an den Nerven. Aber nicht so extrem schockierend wie in „Erlösung“, dem 2. Fall für Carl Mørck.
Etwas ruhigere Szenen, manchmal sind diese sogar witzig, sorgen dafür, dass man auch zwischendurch einmal aufatmen kann.

Die Handlung ist eingebettet in die übliche Polizeiarbeit. Man hört also auch noch von anderen, ebenfalls sehr spannenden Fällen.
Die Charaktere im Buch bleiben weiter rätselhaft. Assad offenbart interessante Fähigkeiten, die ihn noch undurchschaubarer machen. Rose, die durch ihre Schwester ersetzt wird, spielt eine äußerst merkwürdige Rolle und kommt damit auch noch durch. Und Carl scheint irgendwie auch noch ein paar Leichen im Keller zu haben.

Trotz aller scheinbaren Unvollkommenheit, oder gerade deshalb, kommt dieses Team von Sonderdezernat Q einem kaltblütigen und raffinierten Täter auf die Spur. Aber es wird ein Spiel auf Leben oder Tod.

Rezension von Heike Rau

Jussi Adler-Olsen
Erlösung
Der dritte Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q
Thriller
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess
592 Seiten, Klappenbroschur
Dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423248521
ISBN-13: 978-3423248525
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