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Kategorie: Krimi und Thriller

Uwe Schimunek: Katzmann und die Dämonen des Krieges

Uwe Schimunek: Katzmann und die Dämonen des Krieges

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Ich habe mich auf den Kriminalroman „Katzmann und die Dämonen des Krieges“ gefreut, denn ich hatte Uwe Schimuneks Schreibstil aus den Kurzgeschichten in „13 kleine Thriller“ als sehr unterhaltsam in Erinnerung. Er hat diesen Stil auch bei dem Roman beibehalten. Leider.

Von vorn: „Katzmann und die Dämonen des Krieges“ ist der zweite Fall um den Dresdner Journalisten Konrad Katzmann. Die Roman-Reihe lässt in fiktiven Kriminalfällen das Sachsen der frühen 1900er Jahre lebendig werden. Sagt zumindest der Klappentext auf dem hinteren Cover. Das Buch von Uwe Schimunek (Journalist) führt Katzmann bei einem Diensteinsatz in das Leipzig des Jahres 1920. Schimunek (Jahrgang 1969) hat dafür gründlich recherchiert und kann das Leipzig jener Tage anscheinend auf die Hausnummer genau nachzeichnen. Und er tut es auch.

Ist das das Problem? Wie schon in den „13 kleinen Thrillern“ benutzt Schimunek Straßen- und ähnliche Namen mit einer Selbstverständlichkeit, als zeigten sie, wie es „dort“ aussieht. Aber das tun sie natürlich nicht. Das heißt, man bekommt Fakten genannt, die leer bleiben. Bei den Kurzgeschichten war das schon nicht so glücklich, hier aber stört es mich massiv. Nicht nur, dass so das offenkundig geplante Lokalkolorit nicht entsteht, der Leser wird mit jedem Namen, der ihm fremd ist, auch noch daran erinnert, dass er keine Ahnung vom Handlungsort hat. Dummerweise fühlte ich mich dennoch verpflichtet, den Namen Bedeutung beizumessen. Sicher – so das penetrante Gefühl – hat in dieser Straße und jenem Haus etwas historisch Interessantes stattgefunden, wenn die Lokalität schon so plakativ erwähnt wird. Ich weiß es nur nicht, ich Dummchen. Nachgegrübelt habe ich beim Lesen trotzdem immer. Ablenkend war das auf jeden Fall.

Ablenkend ist auch der zugegeben besondere Stil Schimuneks. Es ist eine eher harte, detailreiche Sprache, die nicht recht ins Fließen kommt. Das betrifft zum einen den reinen Klang, zum anderen die ständigen sehr farbigen Details, die permanente Konzentration fordern. Sowas wie „Stimmung“ gibt es nicht, selbst das Denken der Figuren ist kurz, faktenreich und abgehakt. Richtig schwer wird das Erfassen all dieser Details dadurch, dass sie nahezu nie aufeinander aufbauende Bilder ergeben, und – und das ist das größte Manko – so ungewöhnlich „codiert“ und bildhaft gemacht sind, dass man immer neu überlegen muss, was Schimunek meint. Nicht immer gelang mir das. Der Drang, originelle Vergleiche anzustellen, treibt zuweilen sogar groteske Blüten. Da sind Geheimratsecken dergestalt, dass man „ein Hühnerei darin platzieren könnte“ oder das eigentlich harte, trockene, laute Klappern von etlichen Schreibmaschinen wird mit „Mäusen“ verglichen, die „versuchen, Stahlträger mit kleinen Hämmerchen zu verformen“. Dass einer der Protagonisten, als er zusammengekrümmt daliegt, seine „Hände in der Bauchhöhle“ versteckt, ist schließlich regelrechter Unsinn. In den ganz kurzen Texten Schimuneks mag dieser Wunsch nach Originalität zu einem locker-witzigen Ton führen – nach 15 Seiten wird es jedoch kraft- und konzentrationsraubend und Katzmanns zweiter Fall hat da noch nicht mal richtig angefangen.

Apropos anfangen: Ich weiß nicht, wann Katzmann anfängt, den Fall zu lösen. Das Buch beginnt damit, dass Helmut Cramer bei einem Einbruch bei einem Großhändler diesen ermordet vorfindet und liegen lässt. Die Sekretärin – die blutjunge Liesbeth Weymann – ist die nächste, die den Toten findet, und sie holt die Polizei. Inzwischen wartet Heinz Eggebrecht, seines Zeichens Lehrling bei der Leipziger Volkszeitung, auf Konrad Katzman, der eine Zeit lang in Leipzig arbeiten soll und sich schon kurz nach der Ankunft in den Mordfall verbeißt. Erzählt wird – nahezu im ganzen Roman – aus der Sicht dieser drei Figuren. Bis zur Hälfte des Buches werden nun diese und weitere Personen zueinander in Relation und Stellung gebracht, gestohlenes Geld wird als Krimi-Element eingeführt und Katzmann führt ein paar launige, wenig informative Gespräche. Dann geht es Schlag auf Schlag: Plötzlich werden wirklich wichtige Dinge in den „Interviews“ offenbart, wirklich wichtige Figuren und Konstellationen gezeigt und die Action geht los. Im Hintergrund zumindest, denn irgendwie reiten die Hauptfiguren nur auf den Wellen der Ereignisse, statt sie selbst zu erzeugen. Im Höchstfall rühren sie gelegentlich mal ein bisschen oberflächlich darin herum. Am Ende braust alles ohne ersichtlichen Anlass plötzlich hoch auf, überschlägt sich und ist – irgendwie wie von selbst – gelöst.

Ja, mag sein, dass der Fall an sich logisch korrekt gebaut ist, dass die Straßennamen und historischen Ereignisse korrekt zitiert werden und der Spannungsbogen formal einigermaßen stimmt. Aber es gibt keinen Zugang zu den Figuren. Sie sind – trotz der mitgeteilten „Blicke aus dem Innern“ – alles in allem kaum mehr kleinteilige Oberflächen. Vielleicht hätte Schimunek wenigstens die Ermittler-Position (also Katzmann) handelnd darstellen sollen, statt Eggebrecht nur beobachten zu lassen, was Katzmann tut. Aber auch dann müsste er in die Figur eintauchen, sie spielen, statt sie wie Marionetten zu führen und die Emotionen in Bilder zu packen, die wie Hinweisschilder in die Kulisse gestellt werden. Selbst in den Momenten, wenn im Fluss des Erzählens eine Empfindung recht „pur“ heraus quillt, glaubt Schimunek, sie noch durch einen Vergleich anschaulicher machen zu müssen – und futsch ist die Stimmung.

Noch manches könnte kritisch erwähnt werden. Dass die „Dämonen des Krieges“ aus dem Titel sich als relativ simple Schweinerei entpuppen zum Beispiel, oder dass die politische Situation nackte Kulisse bleibt statt wirklich lebendig zu werden. Auch hier fühlen sich die erwähnten Fakten wie aufgestellte Schilder an, die man genausogut aus der Kulisse entfernen könnte, ohne dass die Handlung Schaden nimmt. Das zeitweilige Verbot der Leipziger Volkszeitung zum Beispiel lässt Katzmann nicht anders agieren als in der Zeit, als die LVZ wieder erscheinen darf. Das einzig Spürbare dieser Kategorie ist eine gewisses „Genossentum“ und die Animositäten zwischen den Parteien und Gruppen. Das schimmert in Dialogen immer wieder durch, was (z. B.) weder von der „ausgeschilderten“ Arroganz der „Reichen“ noch mit Blick auf den Kapp-Putsch sagen kann. Vielleicht hätte das versprochene „lebendige Bild“ dieser Zeit gezeichnet werden können, wenn Schimunek ein, zwei politisch halbwegs engagierte Figuren zum Erzählerstandort gemacht hätte und/oder seine Figuren nicht nur durch den Fall sondern tatsächlich durch ihren Alltag begleitet hätte. Und zwar nicht als originell formulierender, beobachtender Journalist, sondern als sich einfühlender Teilnehmer.

Nein, es ist kein Meisterwerk, was Uwe Schimunek da abgeliefert hat. Man kann den Stil, der in Krimi-Mini-Stories hervorragend funktioniert, eben nicht einfach auf 203 Seiten ausdehnen. Schade. Um die sicher mühsame Recherche, den Aufwand beim Originell-Sein und beim Fall-Bauen und um die Figuren, die so blass und klischeehaft bleiben.

Gibt es noch was Gutes zu sagen? Wer Leipzig liebt und gut kennt, freut sich vielleicht, vertraute Namen zu lesen. Wer mag, kann die oben erwähnte „Schweinerei“ durchaus auch als Friedensmahnung verstehen (obwohl das leicht angreifbar wäre) und die erkennbaren Absichten im Buch honorieren. Und darüber hinaus? Vielleicht: Schlecht ist das Buch nicht wirklich. Ich war nur sehr enttäuscht.

Uwe Schimunek
Katzmann und die Dämonen des Krieges
Katzmanns zweiter Fall
203 Seiten, broschiert
Jaron-Verlag
ISBN-10: 3897739011
ISBN-13: 978-3-89773-9017
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Carlos Salem: Wir töten nicht jeden

Carlos Salem: Wir töten nicht jeden

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Die Sommerferien werden nicht nach Plan verlaufen. Damit muss sich der Pharmavertreter Juan Pérez Pérez abfinden. Ohne dass seine Familie davon weiß, hat er nämlich noch einen Job als Auftragskiller und so wird das Reiseziel von seinem Auftraggeber geändert. Die Kinder Leti und Antonio stört das wenig. Es geht trotzdem an einen Strand, allerdings auf einen FKK-Campingplatz. Dass seine Ex-Frau Leticia mit ihrem Neuen direkt den Platz neben an hat, ist kaum zu glauben. Dass es sich um Richter Gaspar Beltrán handelt, ist eine echte Überraschung.

Das Ziel von Juans Auftragsarbeiten wird immer über die Autonummer mitgeteilt. Juan kennt das Auto, es ist das seiner Ex-Frau, der Mutter seiner Kinder. Nur hat sie es verkauft, wie sie sagt. An eine andere Frau. Die, es ist kaum zu glauben, ebenfalls auf dem Campingplatz ist. Mit Juans bestem Freund Tony, der leider nach zwei „Unfällen“ nur ein Bein und nur ein Auge hat, was im Grunde Juan zu verantworten hat. Das weiß Tony allerdings nicht.

Juan fragt sich, wer hier nun eigentlich umgebracht werden soll. Wobei ihm ja mitgeteilt wurde, dass es eigentlich diesmal nur um eine Beobachtung gehen soll. Das glaubt Juan aber nicht, schon gar nicht als ein weiterer Killer auftaucht. Auf wen hat man es wirklich abgesehen? Auf seine Ex-Frau, den Richter, Tony oder gar ihn selbst? Es sind zu viele Zufälle im Spiel.

Es ist ein außergewöhnlicher Kriminalroman, das merkt man sofort. Alles dreht sich um Juan Pérez Pérez, der eine Doppelrolle als Familienvater und als Auftragsmörder spielt. Und das auf einem FKK-Campingplatz, wo auch er seine Hüllen fallen muss und keine Chance hat, sich zu bewaffnen. So nackt sieht Juan sich gezwungen seine Gefühlen freien Lauf zu lassen und sich zu verlieben, was er als eiskalter Killer ja eigentlich nicht sollte. Seine Professionalität leidet unter der Hitze. Einen klaren Gedanken fassen, kann er so kaum.

Der Krimi wirkt konstruiert. Es kann kein Zufall sein, dass bestimmte Personen gleichzeitig auf diesem Campingplatz Urlaub machen. Doch kann man nicht sagen, was wirklich dahinter steckt und tappt genauso im Dunkeln wie die Hauptfigur. Wobei es sehr unterhaltsam ist, der Handlung zu folgen, die ordentlich abgedreht wirkt. Nicht immer konzentriert sich der Autor auf das Wesentliche. Da wird aus dem Krimi dann schnell eine Krimikomödie.
Und so macht es großen Spaß herauszufinden, wer nun tatsächlich umgebracht werden soll und vor allem weshalb!

Rezension von Heike Rau

Carlos Salem
Wir töten nicht jeden
Kriminalroman
Aus dem Spanischen von Ilse Layer
288 Seiten, broschiert
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423213027
ISBN-13: 978-3423213028
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Rita Falk: Dampfnudelblues

Rita Falk: Dampfnudelblues

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So eine Schmiererei an der Hauswand ist natürlich ärgerlich. Wenn man dann auch noch lesen muss „Stirb, du Sau!“ ist das ein Grund, die Polizei zu rufen. Und wenn so etwas auf der Hauswand des Rektors der Realschule steht, muss die Polizei, also Franz Eberhofer, sich das natürlich persönlich ansehen, auch wenn er nichts machen kann.
Als Rektor Höpfl dann eine Woche später von der Schule vermisst wird, wird Eberhofer aber doch munter.
Mit Hilfe des Schlüsseldienstes verschafft er sich Zutritt zum Haus, findet aber nichts Verdächtiges. Also befragt er Höpfls Schwester. Die will allerdings keine Vermisstenanzeige aufgeben, weil sie ihren Bruder nun mal nicht vermisst.
Dann ist der Höpfl plötzlich wieder da. Ein erwachsener Mensch kann ja schließlich mal ein paar Tage wegbleiben.
Als der Eberhofer dann eine Bahnleiche begutachten muss, trifft er überraschend wieder auf den Höpfl. Viel ist nicht mehr von ihm übrig. Es sieht alles nach einem Selbstmord aus. Doch Eberhofers Gefühl sagt etwas anderes.
Bald hat der Eberhofer 37 Verdächtige allein in der Realschule. Denn wie sich herausstellt war der Rektor nicht gerade beliebt.
Dass der Höpfl auch ein kleines Geheimnis hat, erfährt der Eberhofer vom Flotzinger, dem Heizungspfuscher. Der hat beim Höpfl nämlich einen Wellnessbereich im Keller eingebaut.
Als dann eine zweite Leiche auftaucht, ein junger Mann mit DNA-Spuren vom Höpfl auf dem Körper, wird der Fall brisant.

Nach „Winterkartoffelknödel“ folgt nun der nächste Provinzkrimi aus dem bayerischen Niederkaltenkirchen mit Dorfpolizist Franz Eberhofer in der Hauptrolle. Diesmal geht es um den tragischen Tod des Realschulrektors Höpfl. Eberhofer vertraut hier wieder auf sein Bauchgefühl. Er wittert als einziger einen Mord, wo man doch den Fall als Selbstmord zu den Akten legen könnte.
So richtig vorwärts geht es dann auch nicht. Wie das so ist, hat ein Dorfpolizist auch noch andere Dinge zu regeln. Davon mal abgesehen hat er auch noch ein Privatleben. Allerdings versaut ihm seine Familie immer mal wieder die Laune. Auch weil ihm die Freundin, weggelaufen ist, wo man sie doch so gerne als weiteres Familienmitglied gesehen hätte. Besonders sauer ist die Oma, die dann schon mal dem Franz das Frühstück verweigert.

Es sind also die kleinen Alltäglichkeiten und die komischen Situationen, die das Buch so unterhaltsam machen. Alle Klischees, die typisch Mann sein sollen, sind in die Rolle des Franz Eberhofer eingeflossen. Das ist ungemein witzig, für jeden, der diese Art Humor mag. Dazu kommt der Schreibstil der Autorin, die hier in Umgangssprache schreibt und teilweise bayerischem Dialekt. Der Eberhofer nimmt dann auch kein Blatt vor den Mund. Er ist eben ein ehrlicher Typ, wenn auch ein wenig derb. Notfalls geht es mit dem Kopf durch die Wand.
Beim Lesen des Krimis muss man also immer Schmunzeln, nicht selten sogar herzhaft lachen. „Dampfnudelblues“ ist genauso gut wie „Winterkartoffelknödel“.

Rezension von Heike Rau

Rita Falk
Dampfnudelblues
Ein Provinzkrimi
256 Seiten, Klappenbroschur
Dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423248505
ISBN-13: 978-3423248501
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Andreas Laudan: Das weiße Mädchen

Andreas Laudan: Das weiße Mädchen

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Immer auf der Suche nach einer Story fällt Lea Petersen, der Redakteurin eines Lokalblattes, eine ganz bestimmte E-Mail auf. Die anonymen Hinweise machen sie neugierig. Es geht um einen lange zurückliegenden Mord, der immer noch Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wobei man von Mord eigentlich nicht sprechen kann, geht es doch um ein 16-jähriges Mädchen, das vor über 20 Jahren aus Verchow verschwunden ist.

Autofahrer berichten aber immer wieder von beängstigenden Geisterscheinungen in eben dieser Gegend abends am Straßenrand. Weil ihr Chefredakteur sich nicht für diesen Fall interessiert, nutzt Lea ihren Urlaub, um nachzuforschen. Ihr Sohn ist ohnehin auf einer Klassenfahrt. Einem längeren Aufenthalt in Verchow steht also nichts im Wege.

Lea sucht sich ein Zimmer und lernt neben ihrem Vermieter, Rudolf Zirner, der die alte Geschichte kennt, auch dessen Neffen Kai Zirner kennen, in den sie sich verliebt. Lea geht den Hinweisen nach und befragt die Dorfbewohner, die sich abweisend geben. Lea glaubt selbst bald nicht mehr an eine Story, bis sie den Geist des Mädchens sieht. Sie fühlt sich in den Wald gelockt. Aber alles, was sie hier findet, ist ein altes verfallenes Haus. Und dennoch, auch wenn es nicht offensichtlich ist, geschah hier ein schreckliches Verbrechen.

Für Lea ist der Fall um das vermisste Mädchen von großem Interesse, hatte sie doch selbst eine Freundin, die vor langer Zeit spurlos verschwand.
So ist zu erklären, dass Lea auch dann nicht aufgibt, als die Sache gefährlich für sie wird. Sie legt sich praktisch mit einem ganzen Dorf an. Misstrauen schlägt ihr entgegen, weil sie aufdecken könnte, was ein Geheimnis bleiben soll.

Als Leser kann man beobachten, wie Lea Puzzleteil für Puzzleteil sammelt. Nur zieht sie nicht selten in ihrem Enthusiasmus beim Zusammensetzen die falschen Schlüsse. Und auch als Leser wird man immer wieder auf die falsche Fährte geführt. Man wird gefesselt vom Verlauf der Geschichte, rätselt mit und fiebert mit. Teilweise wird es richtig gruselig und unheimlich. Da spielt auch die Kulisse, ein abgelegenes und von Wald umgebenes Dorf, eine nicht unwesentliche Rolle.

Lea ist die meiste Zeit auf sich alleine gestellt, teilt aber ihr erlangtes Wissen mit ihrem Kollegen Jörg Hausmann, der eher als Lea sieht, wie gefährlich ihre Ermittlungsarbeiten werden und mit ihrem Sohn David, der auf ungewöhnliche Weise den Fall vorantreibt.

Der Krimi ist gut gemacht. Am Schreibstil des Autors und wie es ihm gelingt, in die Handlung hineinzuführen, merkt man sofort, dass man ein gut geschriebenes Buch in den Händen hält. Bis zum perfekt aufgelösten Ende hin bleibt dieser erste Eindruck dann auch bestehen.

Rezension von Heike Rau

Andreas Laudan
Das weiße Mädchen
Kriminalroman
336 Seiten, broschiert
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423212802
ISBN-13: 978-3423212809
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Ursula Meyer: … brenne auf mein Licht

Ursula Meyer: … brenne auf mein Licht

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Der sechste Fall für Kommissarin Züricher in Münster ist ein spannender und unterhaltender Roman von Ursula Meyer. Die Kriminalschriftstellerin überzeugt mit detailreicher Milieukenntnis, sowohl was Münster und dessen Umgebung als auch die kirchlichen, regionalen Zusammenhänge angeht. An manch einer Stelle hätte eine Beschreibung nicht so umfangreich sein müssen, weil die Nerven des Lesers ohnehin wegen der kriminellen Spannung strapaziert wurden.

In einem Kindergarten wurde die anonyme Ankündigung eines Entführung entgegengenommen. Dieser Brief erweckt Besorgnis, denn bereits vor sechs Jahren waren Kinder aus demselben Kindergarten entführt und später tot aufgefunden worden. Es hat den Anschein, als würde es sich erneut um einen solchen Vorfall handeln und die Polizei hätte es jetzt definitiv mit einer Serientat zu tun. Das Verbrechen soll wie zuvor am Martinstag geschehen. Zwei Wochen bleiben der Ermittlerin und ihrem Team vom KK12 (vermisste Personen), dem Täter auf die Spur zu kommen, bevor das Verbrechen geschehen kann. Fieberhaft wird ermittelt, werden Fragen zu den vorangegangenen Entführungen gestellt, Akten gewälzt. Den Spuren, die ins Bistum führen, muss ebenso nachgegangen werden wie denen, die nach Italien führen. Züricher möchte verzweifeln. Diesen Luxus kann sie sich jedoch nicht leisten, denn im Hafen wird eine Leiche gefunden.

Die Autorin bringt eine große Anzahl Personen in die Handlung. Personen, die zwar nicht unwichtig für den Fortgang der Handlung sind, die aber andererseits nicht so detailliert ausgearbeitet sind, dass sich der Leser mit ihnen identifizieren kann. Eher nüchtern werden die Kommissare, das Personal des Kindergartens und die anderen Personen vorgestellt. Ihre Handlungen und Denkweisen sind nachvollziehbar und plausibel, aber in die Haut von Sieglinde Züricher und ihren Kollegen Max Lückmann kann man nicht schlüpfen.

Alles in allem ein sehr unterhaltsamer und gerne zu empfehlender Krimi aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Kollegen Wilsberg, Börne und Thiel, der nicht lange auf dem Nachttisch liegenbleiben wird, wenn man einmal auf der ersten Seite zu lesen begonnen hat.

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Meyer, Ursula
… brenne auf mein Licht
Sieglinde Zürichers sechster Fall
304 Seiten, broschiert
Waxmann Verlag
ISBN-10: 3830914148
ISBN-13: 978-3830914143
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© Detlef Knut, Düsseldorf 2011
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Viveca Sten: Tod im Schärengarten

Viveca Sten: Tod im Schärengarten

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Mord und Beziehungsstress.

Dieser Krimi enthält zunächst alles, was zu einem guten Krimi gehört: gleich zu Anfang passiert ein Mord. Ausgerechnet der bekannte Wirtschaftsanwalt Oscar Juliander wird bei einer Segelregatta, an der er teilnimmt, ermordet. Das führt unweigerlich in die Welt der Reichen und Schönen. Da tummeln sich so allerhand Gerüchte um Liebschaften, eheliche Zerwürfnisse und nur notdürftig gekittete Beziehungen. Natürlich ist man auf diesem gesellschaftlichen Niveau schon arriviert, und Geld spielt eine wichtige Rolle.

Kommissar Thomas Andreasson hatte sich auf ein entspannendes Wochenende bei der Regatta gefreut, als er mit dem komplizierten Mordfall betraut wird. Er und seine Kollegin Margit Grankvist haben alle Hände voll zu tun, um Licht in das Dunkel um den Mord zu bringen.
Nora, die Kinderfreundin von Thomas, ist in Not, als sie ein Haus von einer geheimnisvollen alten Frau erbt, die in mehrere Morde verwickelt war. Ihre nicht sehr glückliche Ehe mit Hendrik erschwert eine Lösung, wie mit dem Haus zu verfahren sei.

Viveca Sten ist eine äußerst lebendige Schriftstellerin. Sie kennt sich aus in der schwedischen Landschaft, die zu ihren Ausführungen das Ambiente bietet. Man meint den Meergeruch zu schnuppern, wenn sie über die Segelschiffe im Schärengarten berichtet.

Familienbeziehungen spielen eine herausragende Rolle in diesem Roman, der atmosphärisch das schwedische Gesellschaftsleben in den Fokus rückt, insbesondere das der Reichen und Arrivierten. Die vielen Zeugenbefragungen bieten Gelegenheit, in die unterschiedlichen Milieus der Befragten Einblicke zu nehmen. Dabei rundet sich ein Gesellschaftsbild, das von Reichtum glänzt, im Inneren aber zerrüttete Familienverhältnisse offenbart.

Es dauert ein wenig, die vielen verwirrenden Namen zuzuordnen. Doch wer sich in den Roman vertieft, wird erbauliche Unterhaltung finden. Gerade der Reichtum im Kontrast zur inneren Zerrüttung der Familienverhältnisse  erzeugt einen differenzierten Einblick in eine Gesellschaft, die sich nach außen solide gibt und im Inneren morbide, kaputt und überdrüssig ist. Außer dem kriminalistischen Spot ist der Roman doch auch ein Gesellschaftsroman, der mit seinen Abhandlungen absolut gleichwertig neben der Kriminalhandlung steht. Leider zieht sich die Handlung durch die vielen Nebengeschichten in die Länge, so dass die Spannung, die der Roman zu Beginn verspricht, sich bald verflüchtigt. Der Roman ist unterhaltsamer für alle jene, die weitschweifige Unterhaltung lieben.

Viveca Sten
Tod im Schärengarten
363 Seiten, broschiert
Kiepenheuer & Witsch, April 2011
ISBN-10: 3462043021
ISBN-13: 978-3462043020
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Tom Hillenbrand: Teufelsfrucht

Tom Hillenbrand: Teufelsfrucht

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Mit kulinarischen und kriminalistischen Feinheiten auf der Suche nach üblen Tätern.

Dieser Krimi beginnt mit einem rasanten Auftakt und setzt sich auch so fort.

Keitel, mit der seltenen Berufsbezeichnung „Karpologe“, erforscht in Papua-Neuguinea außergewöhnliche Früchte und Pflanzensamen. Die Gegend ist voll schwer zu beherrschender stechender Insekten und abenteuerlicher Abstecher zu den Eingeborenen. Auf seiner Exkursion sucht und findet Keitel eine Frucht mit Namen „Chatwa“. So weit der Auftakt der Geschichte, denn nun geht es in Luxemburg in einem abseits gelegenen Edelrestaurant, einem Geheimtipp, weiter.

Besitzer des „Deux Eglises“ ist Xavier Kieffer, der etwas von der richtigen Zubereitung feinster Menüs versteht.
Es funkelt nur so von Gewürzmischungen, edlen Gerichten und besonderen Weinsorten.
Als eines Tages ein unbekannter Gast einkehrt, vermutet man bald in ihm einen Tester des besten Gourmetführers in Frankreich. Unerwartet bricht er nach der Vorspeise tot zusammen. Eine aufreibende Suche nach den Ursachen der Tat und den Tätern beginnt. In ihr ist reichlich Gelegenheit, exotische Gerichte und außergewöhnliche Kochkünste zu bewundern.
Kieffer bleibt der Hauptprotagonist, der die ausgezeichneten Restaurants verschiedener Regionen kennt und mit Menschen zu tun hat, die ihm bei der Suche nach einem Tatverdächtigen helfen sollen. Er gerät in knifflige Lebenslagen, die ihm das Leben schwer machen. Xavier Kieffers Restaurant bleibt geschlossen, und man kann sich vorstellen, dass ihm an einer zeitnahen Aufklärung der ganzen Geschichte gelegen ist.
Es gibt Indizien für eine Betrugskette großer Lebensmittelkonzerne und diverser Spitzenköche. Findet man hier die Verursacher der Todesfälle?
In diesem spannenden Thriller ist die hohe Kochkunst der Star der Handlung; doch Einzelheiten bei der Suche und Verfolgung einer ganzen Betrugsbande lässt keine Wünsche offen. Ein wenig denkt man bei diesem Sujet allerdings an Suters Roman „Der Koch“ und Irvings „Letzte Nacht in Twistet River“.

Nicht zuletzt spielen feine Edelrestaurants und Konkurrenz unter Spitzenköchen ihren Part in diesem außergewöhnlichen Roman der Extraklasse!

Die Lektüre des Debütromans von Tom Hillenbrand ist für Hobbyköche und solche, die es werden wollen, ein Muss!

Tom Hillenbrand
Teufelsfrucht
304 Seiten, broschiert
Kiepenheuer & Witsch, April 2011
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462042874
ISBN-13: 978-3462042870
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Sarah Pinborough: Die Bürde des Blutes

Sarah Pinborough: Die Bürde des Blutes

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Detective Inspector Cass Jones hat gleich zwei Fälle zu lösen. Zwei Kinder, beide zwölf, sind auf dem Heimweg von der Schule aus einem Auto heraus erschossen worden. Es muss ein Versehen gewesen sein. Das Ziel war ein anderer, wie man einem der Polizei zugespielten Video entnehmen kann.

Außerdem geht ein Serienmörder um, der Frauen mit einer tödlichen Injektion umbringt, die man eigentlich zum Einschläfern von Tieren verwendet. Carla Rea ist das vierte Opfer. Auch sie wurde nackt aufgefunden, mit einer Botschaft aus Blut auf dem Körper und Fliegeneiern.

Jones ist vollauf beschäftigt. Es ist also kein Wunder, dass er seinem Bruder Christian nicht zuhören will, auch als dieser versichert, etwas äußerst Wichtiges besprechen zu wollen. Es trifft Jones völlig überraschend, als ihm dann später mitgeteilt wird, dass sein Bruder sich umgebracht und vorher seine Ehefrau und den Sohn ermordet hat. Es ist nicht zu glauben. Und tatsächlich weisen die Spuren darauf hin, dass ein Verbrechen geschehen ist. Mordverdächtig ist bald Jones selbst, denn es kann bewiesen werden, dass er zur fraglichen Zeit am Tatort war. Er wird beurlaubt.

Bald wird klar, dass alle drei Fälle etwas miteinander zu tun haben müssen. Jemand spielt ganz gezielt mit der Polizei. Und irgendwie ist „Die Bank“ darin verwickelt, eine Institution mit der man sich besser nicht anlegt.

Es ist ein sehr spannend geschriebenes Buch! Allerdings wirkt die Handlung oft undurchsichtig und verwirrend, aber eben auch sehr neugierig machend. Es ist der Auftakt zu einer Trilogie und es bleibt vieles geheimnisvoll. Auch wenn die Fälle halbwegs gelöst werden, ist das nicht das Ende.

Was augenscheinlich ist, muss dem nicht entsprechen. Cass Jones beweist das auch selbst. Er sieht, was andere nicht sehen. Geister, wie den seines Bruders. Das mag an seinem Drogenkonsum liegen, möglicherweise aber auch nicht.

Cass Jones ist kein Held. Er ist nicht mal sympathisch. Im Grunde hat er nichts im Griff. Die Polizeiarbeit wird behindert durch die Unehrlichkeit mancher Kollegen. Da blickt keiner durch. Auf nichts und niemanden ist wirklich Verlass. Selbst in seinem Team gibt es Unstimmigkeiten.

Das macht die Ermittlungsarbeiten äußerst faszinierend und es sorgt für Wendungen, die man nicht voraussehen kann. Ungeahnte Abgründe tun sich auf. Seitenweise regiert der Horror.

Das Buch ist sehr facettenreich. Fast ist es zu viel. Man gerät sozusagen in einen Zwiespalt. Einerseits ist die Handlung zu aufgebauscht und man vermisst eine gerade Linie im Chaos. Andererseits wird man gefesselt, dass es kaum zu glauben ist. Der beste Beweis ist das Ende. Das macht nämlich unglaublich neugierig auf den nächsten Band. Darauf nun warten zu müssen, ist unerträglich.

Rezension von Heike Rau

Sarah Pinborough
Die Bürde des Blutes
Aus dem Englischen von Catrin Fischer
479 Seiten, Klappenbroschur
Otherworld im Verlag Carl Ueberreuter
ISBN-10: 3800095351
ISBN-13: 978-3800095353
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Didier Decoin: Der Tod der Kitty Genovese

Didier Decoin: Der Tod der Kitty Genovese

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Gewalttat und Untätigkeit: Psychogramm eines Verbrechens!

Als Kitty Genovese 1964 an den Messerstichen und Vergewaltigungen durch Winston Mosely starb, sahen mehr als 38 Zeugen ihre Not oder hörten ihre Hilferufe. Keiner alarmierte die Polizei oder einen Rettungswagen!

In meisterhafter Erzählkunst berichtet Didier Decoin von einem Verbrechen, das einer wahren Begebenheit nachempfunden ist.

Hier geht es nicht um die Suche nach einem Mörder oder in erster Linie um die Grausamkeit seiner Verbrechen, denn Kitty war nicht sein einziges Opfer. Es geht um die psychologischen Finessen, mit denen Decoin die Zeugen in den Focus der Tat rückt.

Wie verlaufen Verbrechen, wenn eine schweigende Mehrheit sich tatenlos innerlich abwendet und auf diese Weise erst einen Überfall ermöglicht, der an Grausamkeit kaum zu überbieten ist? In dem Krimi von Didier Decoin wird die Perspektive  aus einer ungewohnten Richtung beleuchtet.

Das Opfer steht fest. Der Täter steht fest. Seine Verbrechen werden zwar genauestens mit allen Details aufgeführt. Doch was ist mit den Zeugen?

Ein Dichter und seine Frau werden als erstes befragt. Sie waren zur Tatzeit nicht im Haus und treten hier als Berichterstatter auf.

Die Zeugenbefragung durch die Polizei zeigt mit makaberer Deutlichkeit, wozu Menschen fähig sind.

Je mehr Zeugen es gibt, desto unwahrscheinlicher wird die Anzeige, da jeder innerlich dem anderen die Aktivität zur Hilfe überlässt. Mit diesem Roman beweist Decoin einmal mehr, dass wir nicht Herr unseres Handelns sind, wenn wir uns in den Fängen eines gruppendynamischen Prozesses befinden. Dabei schiebt einer dem anderen innerlich die Verantwortung zu, auch um sich selber vor den Schrecknissen des Verbrechens zu schützen.

In einem Nachtrag wird auf das anerkannte Milgram-Experiment verwiesen. Der berühmte Sozialpsychologe Stanley Milgram forderte Studenten zur grausamen Bestrafung fiktiver Übeltäter auf. Die meisten von ihnen kamen dem Befehl nach, wenn sie von einer von ihnen geachteten Autorität dazu aufgefordert wurden. Es zeigt einmal mehr, dass Verbrechen ohne Menschlichkeit im weitesten Sinne keine Seltenheit sind.

Mit fesselnden Worten und einem gut konstruierten Plot gelingt dem Autor ein faszinierendes Szenario. Man schaut in die Fratze vom Verlust menschlicher Werte und ist erschrocken über den Ausfall von Teilnahme und Hilfsbereitschaft.

Literarisch wunderbar aufbereitet erzählt Didier Decoin eine wahrhaft außergewöhnliche Kriminalgeschichte. Die Gliederung in Zeugenvernehmung, Gerichtsverhandlung und Tatgeschehen gibt der Handlung einen fast protokollarischen Charakter.

Der vielfach ausgezeichnete Autor lebt in Frankreich, und seine Übersetzerin Bettina Bach hat die Geschichte hervorragend ins Deutsche übertragen.

Didier Decoin
Der Tod der Kitty Genovese
240 Seiten, gebunden
Arche Verlag, Februar 2011
ISBN-10: 3716026603
ISBN-13: 978-3716026601
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Richard Stark: Sein letzter Trumpf

Richard Stark: Sein letzter Trumpf

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Ein Casinoschiff auszurauben, ist doch mal etwas ganz anderes. Parker hat sofort Interesse, auch wenn sein Auftraggeber ein merkwürdiger Mann ist. Es ist nicht ganz klar, was Cathman motiviert. Drei Wochen sind es noch, bis das Casinoschiff den Betrieb aufnimmt. Genug Zeit für Parker die Hintergründe zu beleuchten und zu entscheiden, ob der Job zustande kommt.

Zunächst holt er Wycza und Carlow mit ins Boot. Bei einem guten Whiskey entwickeln die drei Männer ihre Ideen. Es ist von Vorteil, dass Wycza das Schiff kennt, auch wenn es da noch in einem anderen Bundesstaat unterwegs war.
Bald steht ein Plan, allerdings ein sehr gewagter. Wie nach einem Drehbuch soll der Raub ablaufen, möglichst unauffällig.
Dazu wird der Besuch eines Abgeordneten im Stadtparlament arrangiert, der gegen das Glücksspiel ist, aber nun bereit, nach Besichtigung des Casinoschifft seine Meinung zu revidieren. Sternberg wird die Rolle übernehmen. Zwei bewaffnete Leibwächter, Parker und Wycza, werden ihm nicht von der Seite weichen.

Auch eine Frau wird mit dabei sein. Noelle Braselle wird, im Rollstuhl sitzend, eine sehr kranke junge Frau spielen. Carlow wird ihr Betreuer sein. In diesem Rollstuhl versteckt, soll die Kohle das Schiff verlassen.
Alles läuft nach Plan. Besser könnte es nicht sein. Dass doch längst einer auf der Lauer liegt, und eifrig hinter der Diebesbande hinterher spioniert, entgeht Parker völlig. Und auch der Reporter, der ohne seine Beruf zu offenbaren an Bord des Kasinoschiffes herumschnüffelt und heimlich Fotos macht, könnte zum Problem werden.

Es ist spannend zu verfolgen, wie Parker mit Hilfe seiner „Kollegen“ den scheinbar perfekten Plan ausklügelt. Jedes Detail wird sorgsam bedacht, bis alles soweit funktioniert. Parker zeigt sich diesmal sehr überlegt und gar nicht so skrupellos, wie in den anderen Büchern. Er beweist sogar ab und an Herz. Aber der Punkt kommt, an dem es ihm zu bunt wird, weil er gereizt wird. Und dann ist er wieder da, der alte Parker.

Man muss direkt schmunzeln über das schauspielerische Talent, das die Beteiligten entwickeln. Jeder im Team hat genügend Erfahrungen und weiß, worauf es ankommt. Aber am besten sind die Szenen, wo improvisiert werden muss. Immer dann, wenn der Plan sich als doch nicht so perfekt erweist, weil es einfach äußere Einflüsse gibt, die nicht berechenbar sind.

Den Verlauf des Raubüberfalls zu verfolgen, ist ungeheuer interessant. Das ist perfekte Unterhaltung. Auch weil der Spannungsbogen gut abgestimmt ist. Besonders am Ende wird hier noch einmal kräftig zugelegt. Atemberaubend!

Rezension von Heike Rau

Richard Stark
Sein letzter Trumpf
Aus dem Amerikanischen von Rudolf Hermstein
288 Seiten, Klappenbroschur
Paul Zsolnay Verlag
ISBN-10: 3552055363
ISBN-13: 978-3552055360
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