Das Buch der Engel

Das Buch der Engel

Bücher über Engel gibt es viele. Mit diesem hier versuchen die Autoren aber ein vollständiges Bild dieser himmlischen Wesen zu zeichnen und haben dafür aufwändig recherchiert. Sie haben untersucht woher der Glaube an die Engel kommt und welche Vorstellungen Menschen von Engeln haben, ob sie an die Helfer Gottes glauben oder eher nicht. Dabei gehen sie auf die Bedeutung der Engel in verschiedenen Religionen ein. Dargestellt werden die möglichen Erscheinungsformen der Engel und wie genau man sich diese Wesen vorstellen muss. Erzählt wird von den Fähigkeiten, die sie haben, ob sie nun als Schutzengel oder Todesengel unterwegs sind. Die Autoren nehmen Bezug zu Bibelstellen, Märchen, Geschichten, auf Gedichte und Verfilmungen. Sie beleuchten unterschiedliche Thesen und stellen Meinungen über die Engel gegenüber, die oft erstaunlich weit auseinandergehen. Dabei kommen auch Menschen zu Wort, die überzeugend behaupten, Engeln begegnet zu sein. Bei den Recherchearbeiten kam auch wenig Engelhaftes und regelrecht Kurioses zum Vorschein. Der Leser darf also gespannt sein.

Dennoch sind die Autoren mit Ernsthaftigkeit und ohne voreingenommen zu wirken an ein Thema herangegangen, über das doch sehr unterschiedliche Meinung herrschen. Ein solches Buch zu schreiben, muss wie eine Gratwanderung gewesen sein. Und doch bewahren sich Ditte und Giovanni Bandini auch hier, wie in den anderen Büchern „Das Buch der Elfen und Feen“ und „Das Zwergenbuch“ ihren unvergleichlichen Humor. So manch Widersprüchliches lässt sich nun mal nicht von der Hand weisen. Das Buch liest sich so gut wie ein unterhaltsamer Roman, ist ein Quell an vielfältigen Informationen und eignet sich auch gut zum Nachschlagen, da ein Register vorhanden ist. Auch die Aufmachung mit den vielen Zeichnungen und Bildtafeln gefällt ausgesprochen gut. Wer selbst zum Thema Engel forschen will, findet eine Liste mit ausgewählten Internetseiten oder orientiert sich an der Bibliographie mit vielen interessanten Titeln.

Über die Autoren:
Ditte Bandini, Jahrgang 1956, studierte Völkerkunde, Religionsgeschichte und Indologie. Sie arbeitet an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und als freie Schriftstellerin und Übersetzerin.
Giovanni Bandini, Jahrgang 1951, studierte Indologie, Vergleichende Religionswissenschaft und Indische Kunstgeschichte. Er arbeitet als freier Übersetzer.

Rezension von Heike Rau

Ditte und Giovanni Bandini
Das Buch der Engel
258 Seiten, Klappenbroschur
Deutscher Taschenbuchverlag, München
ISBN: 3-423-24519-0
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Spalierobst

Spalierobst

Die Spalierobstbäume sieht man an Hauswänden und Mauern, in vielen Gärten und Parkanlagen. So kann man auch Äpfel- und Birnenbäume in Gärten ziehen, in denen für frei stehende Bäume nicht genug Platz ist. Aber es ist natürlich auch ein besonderer Blickfang. Um so Bäume ziehen zu können, sind bestimmte Kenntnisse notwendig. Diese werden mit dem vorliegenden Buch von Autoren mit vielfältigen Erfahrungen und Wissen auf diesem Gebiet vermittelt.

In einem allgemeinen Teil kann der Leser sich zunächst einen Überblick über den Spalierobstbau verschaffen und die verschiedenen möglichen Formen für Spaliere kennen lernen, wie freistehendes Spalier, Wandspalier oder Pergola. Erklärt wird, wie man sich die Erziehungsformen vorstellen muss, beispielsweise Schnurbaum, U-Form oder Palmette. Wichtig sind auch die eine Rolle spielenden Standortfaktoren. Auch wie genau gepflanzt wird, wird erklärt und natürlich wie man das Spalierobst erzieht und schneidet. Thematisiert wird aber auch, was bei der Bodenpflege, Bewässerung und der Düngung zu beachten ist. Und auch um Ernte und Verwertung des Obstes geht es.

Im folgenden Kapitel geht es ins Detail. Kernobst, Steinobst oder Beerenobst sind nicht gleich zu behandeln. Die Autoren zeigen auf, welche Sorten sich besonders gut als Spalierobst eigenen, welche Ansprüche sie stellen und wie sie behandelt und gepflegt werden sollten.
Dargestellt werden anschließend die wichtigsten Spalierformen im Überblick mit Gestaltungsmöglichkeiten, genauen Anweisungen und vielen Zeichnungen.

Inhaltlich überzeugt das Sachbuch sofort. Die Texte sind durch die sehr präzisen Formulierungen gut verständlich. Es entsteht der Eindruck, dass jeder Satz genau durchdacht wurde. An den Zeichnungen kann man sich wunderbar orientieren. Oftmals gibt es auch Schritt-für-Schritt-Erklärungen, die man leicht nachvollziehen kann. Eine Augenweide sind die vielen Fotos, die verdeutlichen, was für ein schöner Blickfang Spalierobst doch sein kann. Da ranken die Äste schön ordentlich an einem Geländer entlang, dienen als Sichtschutz oder begrünen Fassaden. Nur noch aus dem Fenster lehnen braucht man sich, um zu ernten. Das macht Lust, sich im Spalierobstbau selbst auszuprobieren. Die Autoren geben jede Menge Tipps und Tricks, damit man dann auch tatsächlich eine gute Ernte hat.

Über die Autoren:
Gerd Großmann ist Leiter der Sächsischen Gartenakademie an der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft und Dr. Wolf-Dietmar Wackwitz ist in Personalunion Leiter des Fachbereichs Gartenbau an der Fach- und Technikerschule Dresden-Pillnitz.

Rezension von Heike Rau

Gerd Großmann / Wolf-Dietmar Wackwitz
Spalierobst
2. aktualisierte und erweiterte Auflage
142 Seiten, 72 Farbfotos, 75 Zeichnungen, 5 Tabellen
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4822-6
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Das Perlenmedaillon

Das Perlenmedaillon

Nach langer Reise kommt Anna mit Ihrem Vater und dem Bruder in Katzwang beim Müller Endres Preißler im Mai 1490 an. Er braucht dringend Hilfe auf seinem Hof. Und die kleine Familie hofft, dass sich nun alles zum Guten wendet. Doch Preißler stellt Anna nach. Und als es brenzlig wird, kommt Anna der Wolf zu Hilfe. Das Tier gehorcht ihr bedingungslos, hat sie ihn doch einst als Junges im Wald gefunden und aufgezogen. Der Müller überlebt den Angriff des Wolfs nicht. Anna hat keine Wahl. Sie muss fortgehen. Dahin, wo sie niemand kennt. Sie entscheidet sich für Nürnberg. Hier verdient sie ihren Lebensunterhalt als Hübschlerin. Um auf eigenen Beinen stehen zu können, versetzt sie das Perlenmedaillon im Pfandhaus. Ihre Liebe gilt einem Mönch, doch das gesteht sie sich erst sehr spät ein. Hoffnung auf Erfüllung ihrer Liebe zu Philipp, dem Bruder Helenas, hat sie zunächst nicht.

Helena hat ihren ersten gesellschaftlichen Auftritt. Die junge Frau soll bei dieser Gelegenheit an den Mann gebracht werden. Was ihre Eltern aber nicht wissen ist, dass Helena sich längst verliebt hat. In ihren Cousin und Ziehbruder Niklas. Doch bald wird das Ausmaß der heimlichen Verbindung deutlich. Helena ist schwanger. Mit den Eltern kommt es zu einem handfesten Streit. Im Handgemenge verliert Helena ihr, von der Großmutter geerbtes, Perlenmedaillon. Die Hübschlerin Anna, die sich zu dieser Zeit im Haus auf und natürlich versteckt hält, nimmt es an sich. Helena wird ins Kloster Sankt Klara geschickt, um ihr Kind heimlich zur Welt bringen zu können. Hier begegnet sie an der Pforte ebendieser Hübschlerin und ihre Blicke treffen sich.
Helena darf ihr Kind nach der Geburt nicht behalten. Sie soll in eine vom Vater arrangierte Ehe gehen. Schweren Herzens fügt sie sich und heiratet Konrad Heller. Doch der hat es nur auf ihr Geld abgesehen und bringt ihr nichts als Hass entgegen. Seit sie das Medaillon nicht mehr hat, scheint sich das Glück von Helena abgewendet zu haben.

Niklas geht mit einem Kaufmannszug nach Venedig. Hier hat er es nicht leicht, ein Auskommen zu finden. Doch wie durch Zufall findet sich doch noch eine Möglichkeit und er kann weiter als Goldschmied arbeiten. Doch bald wird er in gefährliche Geschäfte verwickelt. Als ihm das bewusst wird, steckt er schon viel zu tief drin. Seine große Liebe Helena kann er nicht vergessen. Lange Zeit schreiben sich die beiden über den Maler Albrecht Dürer Briefe, bis Konrad dahinter kommt. Und doch keimt wieder etwas Hoffnung in Niklas auf, als das Perlenmedaillon ausgerechnet in seine Hände gerät. Es gehörte einem Pfandleiher auf Pilgerfahrt, der einem Raubmord zum Opfer gefallen ist.

Drei ganz verschiedene Schicksale sind es, die im Buch miteinander verflochten werden. Dabei ist jede Geschichte für sich schon spannend genug. Doch die Autorin verbindet diese Erzählstränge ganz geschickt miteinander, wobei das Perlenmedaillon eine entscheidende Rolle spielt. Die Autorin versteht es zu fesseln, füllt die Geschichten mit Dramatik, die berührt und zu Tränen rührt. Das Buch ist mit einer Leidenschaft geschrieben, die man spüren kann. Ganz mühelos liest man sich durch die fast 600 Seiten. Die Idee zu diesem historischen Roman entstand, so erfährt man im Nachwort, während einer Forschungsarbeit über Frauenleben im Mittelalter, als der Autorin eine Biographie der Nürnberger Patrizierin Dorothea Landauer in die Hände fiel. Helenas Leben ist dem Leben dieser Frau in vieler Hinsicht nachempfunden. Und so sind die Hintergründe wieder perfekt recherchiert. Die Szenerie wirkt dadurch sehr wirklich. Dabei sind es die Details, die besonders aufwändig herausgearbeitet wurden. Kleine Dinge, die die Geschichte mit Leben füllen, sie so glaubwürdig machen und dem Leser ein Gefühl dafür vermitteln, wie es war, in dieser längst vergangenen Zeit zu leben, in der Frauen keinen leichten Stand hatten. Unbedingt Lesen!

Über die Autorin:
Die aus Franken stammende Historikerin arbeitet als Ausstellungsplanerin im Museum von Schwabach. Bereits erschienen von ihr ist der historische Roman „Die Markgräfin“.

Rezension von Heike Rau

Sabine Weigand
Das Perlenmedaillon
590 Seiten, gebunden
Krüger im S. Fischerverlag, Frankfurt am Main
ISBN: 3-8105-2660-6
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Abenteuer Mongolei

Abenteuer Mongolei

Für Veronika Mesarosch soll ein lang gehegter Traum in Erfüllung gehen. Sie ist beeindruckt von der Mongolei, wollte schon immer mit dem Pferd durch dieses Land reiten, einmal selbst wie ein Nomade leben. In Andreas Hutter hat sie einen Partner gefunden, der ihre Leidenschaft teilt. Durch bereits erlebte Abenteuer wissen die beiden, dass sie ein gutes Team sind.

Die Vorbereitungen für dieses Unternehmen sind aufwändig. Und dennoch ist es eines Tages geschafft. Veronika Mesarosch und Andreas Hutter sind startklar. Los geht es im Westen des Landes, im Altai-Gebirge. Die Pläne sehen vor, dass die beiden durch die Wüste Gobi reiten, um zum Hangaj-Gebirge zu kommen. Danach soll die Reise durch typisches mongolisches Hügelland und weiter zur bewaldeten Nordmongolei hin zum Ziel, dem Hövsgöl-See, gehen.

Sieben Monate dauert die Reise und ist damit jahreszeitenübergreifend. Vom Sommer bis in den Dezember hinein. Beide Autoren erzählen von ihren Erlebnissen. Andreas Hutter übernimmt den ersten, Veronika Mesarosch den zweiten Teil. Sie erzählen vom Kauf der Pferde, ihren Schwierigkeiten mit den Behörden. Sie wandern mit ihren Pferden durch Sümpfe, üppig bewachsene Berghänge hinauf, bezwingen die Wüste, reiten durch karge Landschaften und dichte Lärchenwälder und durch kleine Dörfer. Sie lernen Menschen und Traditionen kennen und genießen die Gastfreundschaft der Nomaden. Sie lernen die Sprache (Während Andreas Hutter in den sieben Monaten nur ein paar Worte lernt, versteht Veronika Mesarosch die Sprache schon nach ein paar Wochen recht gut.), und die Traditionen kennen, werden mit unberechenbaren Wetter fertig, erleben Hochstimmung, aber auch Rückschläge und beweisen trotz mancher Streitpunkte Durchhaltevermögen.

Beide schreiben voller Sensibilität für das fremde Land. Sie beschreiben perfekt, was sie gesehen haben, lassen dabei ihren Gefühlen viel Raum. Ihre Beschreibungen von Land und Leuten sind voller Tiefgang. Und auch die Fotos begeistern, sind sie doch die perfekte Ergänzung zum Geschriebenen. Dargestellt werden oftmals die Menschen, die dem Paar begegneten, aber auch die kargen Landschaften, die dennoch voller Schönheit und unglaublicher Weite sind. Über das perfekt eingefangen Spiel des Lichts in so manchen Fotos, welches die Farben zum Leuchten bringt und für eine einzigartige Stimmung sorgt, kann man nur staunen. Den Leser wird dies mit Sehnsucht erfüllen und für Fernweh sorgen.

Über die Autoren:
Andreas Hutter wurde 1964 geboren. Er ist Fotograf, Autor und Reiseleiter. Nach kleinen Abenteuern folgten ausgedehnte Kletter-, Kanu-, Pferde-, und Hundeschlittentouren nach Nordeuropa, Nord- und Südamerika, Asien und Afrika.
Veronika Mesarosch wurde 1965 geboren. Sie ist als Tänzerin und Kindergärtnerin ausgebildet, machte aber dann ihr Hobby, das Reiten, zum Beruf. Die Reitpädagogin unternahm mit Andreas Hutter viele Abenteuerreisen. Das Paar leb in Luzern.

Rezension von Heike Rau

Andreas Hutter / Veronika Mesarosch
Abenteuer Mongolei
Zu Pferd durch das Land Dschingis Khans
128 Seiten, gebunden, mit zahlreichen Fotos
Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen
ISBN: 3-7888-1032-7
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Nymphensittiche

Nymphensittiche

Kurt Kolar beschreibt den Nymphensittich als idealen Stubenvogel. Er ist gesellig und findet schnell Anschluss an den Menschen. Dabei ist er robust und in der Haltung wenig anspruchsvoll. Da ein Nymphensittich aber einen Partner braucht, sollte man schon die Anschaffung von zwei Vögeln planen.

Kennt man sich mit Nymphensittichen noch nicht aus, ist die Lektüre des Buches sehr zu empfehlen. Der Autor erzählt, woher die Vögel stammen, wie ihr natürlicher Lebensraum aussieht, welche faszinierenden Fähigkeiten sie besitzen und wie sie sich verhalten. Er berichtet, wo man die Vögel kaufen kann und zeigt auf, woran man gesunde Vögel erkennt.

Zuvor müssen aber einige Dinge durchdacht werden. Herumfliegende Körnerhülsen und Kothäufchen muss man tolerieren können. Auch Zeit für die Pflege des Käfigs oder zur Beaufsichtigung bei Freiflug muss man haben. Der Autor stellt eine Liste zur Verfügung, so dass man schnell erkennen kann, auf was genau man sich einlässt. Natürlich erklärt er auch, wie der Käfig oder die Voliere aussehen müssen und welcher Standort geeignet ist. Auch das Zubehör ist ein Thema, denn die neugierigen Vögel brauchen Beschäftigung.

Der Autor erzählt, was man tun muss, damit die Vögel sich schnell eingewöhnen, heimisch fühlen und bald handzahm werden. Er erklärt die Körper- und die Lautsprache der Vögel und wie sie sich gegenüber ihren Artgenossen verhalten. Auch welches Körnerfutter die Tiere brauchen und was sonst noch für eine gesunde Ernährung nötig ist, wird aufgezeigt. Der Leser erfährt genau, was er tun muss, damit die Vögel gesund bleiben. Dennoch kann auch bei guter Pflege ein Vogel mal krank werden. Deshalb gibt es auch ein Kapitel indem man sich über Vogelkrankheiten informieren kann und darüber was zu tun ist, bzw. wann ein Tierarztbesuch unumgänglich ist. Für alle die Nymphensittiche züchten möchten, gibt es ebenfalls erste Informationen.

Für Anfänger in der Vogelhaltung ist das Buch ideal, egal ob man nun schon Nymphensittiche besitzt oder sie demnächst anschaffen will. Die Texte sind sehr informativ und gut zu lesen. Man kann sehr genau herauslesen, welche Ansprüche die Tiere haben und wie sie zu erfüllen sind. Die zahlreichen Tipps und Tricks sind sehr nützlich und leicht umzusetzen. Was besonders wichtig ist, wird immer noch einmal in Kästchen zusammengefasst. Die Fotos stimmen auf die geselligen Vögel mit dem lustigen Federhäubchen ein. Interessant ist auch die Kinderseite. So wird es Kindern bestimmt Freude machen für ihre gefiederten Freunde Zweige von Weide oder Haselnuss zu sammeln, in den Käfig zu stecken und dann darüber zu staunen, wie die Vögel sich mit viel Vergnügen daran machen, diese anzuknabbern.

Über den Autor:
Kurt Kolar ist Zoologe, Verhaltensforscher und war Direktor des Wiener Tierparks Schönbrunn.

Rezension von Heike Rau

Kurt Kolar
Nymphensittiche
Zärtlich – clever – fit
64 Seiten, broschiert, 60 Farbfotos
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4485-9
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Feuerpfad

Feuerpfad

Das Medaillon sollte ein Glücksbringer sein. Lucretia van der Mylen hatte es nach ihren ganz besonderen Wünschen extra anfertigen lassen. Hoffte, die Batavia würde sie sicher zu ihrem Mann bringen. Zwar schlägt eine Meuterei fehl, doch das Schiff kommt vom Kurs ab und erleidet am 4. Juni 1629, sieben Monate nach dem Auslaufen, vor den Inseln Houtman Abrolhos Schiffbruch.

Jahrhunderte später bekommt Henriette Galloway das Medaillon von Paul Trewinnard als Symbol der Liebe geschenkt. Sie kam vor Jahren mit ihrem Mann Terence nach Australien auf die Farm. Doch sie leidet an der Unbrechbarkeit und Lieblosigkeit ihres Mannes. Von dem besitzergreifenden Terence wird sie sich dennoch niemals trennen können. Die Liebe zu Paul, aus der ein Kind hervorgegangen ist, muss um jeden Preis geheim bleiben. Das Medaillon ist aber auch ein Abschiedsgeschenk, denn Pauls Leben wird von einer schweren Krankheit bedroht. Außerdem bewahrt es, mit den Fotos von Paul und Henrietta im Inneren, das Geheimnis um Kits wirklichen Vater.

Das Medaillon nimmt einen interessanten Weg durch die Zeit und wechselt den Besitzer bis sich letztendlich der Kreis wieder schließt. So gibt es verschiedene Erzählstränge in diesem Buch, die aber stets durch das Medaillon in Verbindung stehen. Inhaltlich ist dieser Roman also sehr vielschichtig. Es ist ein Genuss, das Buch zu lesen, sich in die Schicksale der Medaillon-Besitzer zu vertiefen. Immer geht es um Liebe und Hass, um Leidenschaftliches und Schicksalhaftes, um Glück und Unglück und um Hoffnung. Von den Geschehnissen wird man in den Bann gezogen und fiebert mit den Helden des Buches mit. Und es ist einfach gut geschrieben, mit viel Feingefühl und einem sicheren Gespür für Stimmungen. Unbedingt Lesen!

Über die Autorin:
Judy Nunn ist als Schauspielerin in Australien sehr bekannt. Sie spielte die Hauptrollen in zahlreichen TV-Serien. Aber auch als Bühnenschauspielerin machte sie sich in Australien und England einen Namen. Als Romanautorin ist sie international erfolgreich, dabei ist „Feuerpfad“ ihr erster Roman der in Deutschland erschien.

Rezension von Heike Rau

Judy Nunn
Feuerpfad
Aus dem australischen Englisch von Marion Balkenhol
554 Seiten, gebunden
Krüger Verlag
ISBN: 3-8105-1315-6
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Georg Gaßner: Hamster

Georg Gaßner: Hamster

Ein Hamster eignet sich gut als Haustier. Auch für Menschen, die tagsüber arbeiten. Das kleine Nagetier ist dämmerungs- und nachtaktiv und verschläft den Tag. Abends dann kann man ihn beobachten, wie er Vorräte hamstert, buddelt, nagt oder seine Reviergrenzen abläuft. Dazu kommt, dass der Hamster wenig Kosten verursacht, hat man erst einmal einen Käfig. Er ist zudem recht pflegeleicht und auch für Anfänger geeignet. Dennoch sollte man sich umfassend über die kleinen Nager informieren. In diesem Sinne ist das vorliegende Buch sehr empfehlenswert.

Zunächst informiert der Autor über die Herkunft des Hamsters, wie er zum Haustier wurde und über die verschiedenen Arten, die es gibt. Er zeigt auf, welche faszinierenden Fähigkeiten der Hamster hat und wie er sich typischerweise verhält. Aber auch was der zukünftige Besitzer eines Hamsters vor dem Kauf bedenken sollte, wird erörtert. Außerdem erhält der Leser Hilfestellung bei der Auswahl seines Hamsters.

Im nächsten Kapitel wird erklärt, wie der Hamster untergebracht werden sollte und welches Käfigzubehör sinnvoll ist. Der Leser erfährt, wie er mit seinem kleinen unternehmungslustigen Tier am besten Freundschaft schließt und es
ausreichend beschäftigen kann. Geeignetes Futter und Zusatzfutter werden empfohlen. Alles was den Hamster gesund hält, kommt zur Sprache, so zum Beispiel auch, welche Äste man ihm zum Nagen anbieten kann. Abgesprochen werden die nötigen Pflegearbeiten, aber auch, wie man im Falle eines Falles erste Hilfe leisten kann und wann ein Tierarztbesuch unumgänglich ist. Natürlich geht es in einem Kapitel auch um den Nachwuchs. Es gibt eine Infoecke mit interessanten Adressen und auch Links im Internet und ein Register. Den Schluss macht eine Kinderseite mit spannenden Informationen.

Der Autor ist Spezialist für Kleinsäuger. Er weiß, was die kleinen Hamster brauchen. So ist das Buch besonders für Anfänger in der Hamsterhaltung geeignet. Aber auch alle, die bereits ein Tier besitzen finden hilfreiche Ratschläge und Tipps. Die Texte sind sehr gut verständlich. Dazu kommt, dass das Buch sehr gut durchstrukturiert ist. Infokästen, Spezialzeiten und interessante Zusatzinformationen lockern den Textfluss auf. Dazu kommen die vielen Fotos. Man staunt, wie gut das typische Wesen der kleinen Nager vom Fotograf eingefangen wurde.

Rezension von Heike Rau

Georg Gaßner
Hamster
liebenswert – putzig – aktiv
64 Seiten, broschiert, mit 60 Farbfotos
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4484-0
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Das große Lexikon der Homöopathie

Das große Lexikon der Homöopathie

Homöopathie ist eine immer beliebter werdende ganzheitliche, sanfte Heilmethode, abgestimmt auf das Krankheitsbild jedes einzelnen Patienten. Dr. Andrew Lockie führt mit seinem Buch in die Grundlagen und die Wirkungsweise der Homöopathie ein.

Zunächst geht es um die Geschichte, die Ursprünge und die Entwicklung der Homöopathie. Hier fällt natürlich auch der Name Dr. Samuel Christian Hahnemann. Der 1755 in Meißen geborene Arzt entwickelte das Heilverfahren, das er Homöopathie nannte. Seit er seine Theorien entwickelte, wurden mehr als 4000 Substanzen aus dem Pflanzen-, Tier- und Mineralienbereich geprüft und in einer Arzneimittellehre zusammengestellt, die mehr als 2000 Homöopathika enthält.

Erklärt wird im Buch genau, wie homöopathische Mittel hergestellt werden. Das aber nur zur Information. Es wird aus verständlichen Gründen davon abgeraten, solche Arzneimittel selbst herzustellen.
Wichtige pflanzliche, mineralische Mittel und tierische Substanzen als Ausgangsmaterial für homöopathische Mittel werden nun in aller Ausführlichkeit und mit Bild vorgestellt. Auch seltener gebrauchte Mittel finden anschließend Beachtung.
Aufgezeigt wird, wie man sich einen Besuch beim Homöopathen vorstellen muss. Hier wird auch von verschiedensten schweren Fällen (alle mit erstaunlichen Heilerfolgen) berichtet. Hieran kann man gut ablesen, wie in einer homöopathischen Praxis gearbeitet wird.

Die homöopathische Selbstbehandlung spielt in diesem Buch eine große Rolle. Doch hier braucht man schon Erfahrung und Urteilsfähigkeit, um Krankheitsbilder richtig einschätzen und das entsprechende Heilmittel finden zu können. Das Kapitel ist aber hierbei in seiner Ausführlichkeit eine große Hilfe. Bei kleineren Beschwerden und Verletzungen können Homöopathika unbedenklich verwendet werden. Zudem gibt im Buch zahlreiche Hinweise darauf, wann besser ein Arzt aufgesucht werden sollte oder muss.
Gegliedert ist das Buch nach den verschiedenen möglichen Beschwerdebildern, die dann noch einmal differenziert werden. Dargestellt werden zudem körperliche und psychische Symptome und unter welchen Umständen sich das Beschwerdebild bessert oder verschlechtert. Anschließend kann man der Tabelle das geeignete Mittel und die entsprechende Dosierung entnehmen.
Es folgen Hinweise zur Ersten Hilfe bei akuten Problemen und eine Zusammenstellung eines Erste-Hilfe-Sets.

„Das große Lexikon der Homöopathie“ ist ein Buch, mit dem man sich die Grundlagen der Homöopathie mit den Wirkstoffen und Anwendungsgebieten gut aneignen kann. Es ist sehr übersichtlich gestaltet, so dass eine Orientierung leicht fällt. Die Texte sind verständlich geschrieben. Es gibt zahlreiche Fotos, viele übersichtliche Tabellen und Checklisten. Zusammengenommen erleichtern diese Informationen die Behandlung kleinerer Beschwerden in Familien, die mehr Eigenverantwortung für die Gesundheit jedes einzelnen Mitgliedes übernehmen möchten. Aber auch begleitende Behandlungsmöglichkeiten der Homöopathen bei chronischen oder schweren Krankheiten werden dargestellt. Zusätzlich gibt es viele grundsätzliche Tipps für Gesundheit und Wohlbefinden.

Über den Autor:
Dr. Andrew Lockie absolvierte nach dem Studium der Medizin eine Ausbildung zum Homöopathen und eröffnete 1978 in London seine erste homöopathische Praxis. Heute hat er eine Praxis in Guildford und lebt mit seiner Familie in der Grafschaft Surrey. Er verfasste mehrere erfolgreiche Bücher, zahlreiche Beiträge für Zeitungen, Zeitschriften und medizinische Fachpublikationen und ist in Großbritannien durch seine Fernsehsendungen zu Gesundheitsthemen bekannt.

Rezension von Heike Rau

Dr. Andrew Lockie
Das große Lexikon der Homöopathie
Wirkstoffe & Heilmethoden
228 Seiten, gebunden, mit über 650 Abbildungen
Dorling Kindersley Verlag, Stuttgart / München
ISBN: 3-8310-0005-0
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Storys aus dem Baguette

Storys aus dem Baguette

Liebesgeschichten und andere Ungereimtheiten

„Johann Willibald Sentega schreibt Geschichten, die so merkwürdig sind, dass die Leute den Kopf schütteln. Meine Damen und Herren möchte ich rufen“ – das mag stimmen, aber nicht nur er. Ich kenne da noch einen – „was sind schon die Sonette eines Shakespeare, die Arien eines Puccini, die Farben eines Chagall“ gegen seine Storys aus einem Baguette, die von Liebesgeschichten und anderen Ungereimtheiten berichten?

Wobei die Ungereimtheiten überwiegen. Oder haben Sie schon mal einen Zettel aus einem Baguette gezogen, darauf eine Geschichte stand? Sehen Sie, ich auch nicht. Merkwürdig und ärgerlich dazu. Vielleicht nur deshalb merkwürdig, weil es mir bisher nicht widerfuhr. Was meinen Sie?

Ich denke mir meinen Teil und lese weiter. Von Rinaldo, der auf einem Platz so laut und mit melodischer Betonung Attenzione ruft, dass ein Mädchen auf dem Fahrrad seinen Kopf dreht. „Ihr Blick folgt den Bällen, die von seinen Händen zum Himmel steigen und vom Himmel in seine Hände fallen. Ting-ting, ting-ting. Wie an der Schnur eines Jojos geht der Blick der Radfahrerin hoch und runter. An der nächsten Kurve fährt sie geradeaus und landet kopfüber im Gras.“ Schön und gut, das kann jedem passieren. Ich muss sogar gestehen, dass ich schadenfroh gelacht habe bei der Landung im Gras, denn schließlich lag ich auch schon im Dreck, nicht nur im Gras. Neugierig will ich wissen, wie es weitergeht. Und was muss ich da erfahren? Dass dieser Rinaldo selbst mit Sternen jongliert und auch der Mond nicht sicher ist vor seinen Händen. Und das soll ich glauben? Nichts als Tagträume und Nachtgespinste!

Da wende ich mich doch lieber dem Fräulein Fabienne zu, die einer vernünftigen Arbeit nachgeht. In einem Call Center sitzt sie an der Hotline für unzufriedene Kunden. Alle Achtung, wie sie das meistert. Gekonnt pendelt ihre Aufmerksamkeit zwischen der Stimme von „Kasimir Kern, der offenbar allen Grund hat, sich zu beschweren“ und der Mappe mit Tipps hin und her. Fabienne macht alles so wie im richtigen Leben. Erst ist sie unbeteiligt freundlich, dann etwas lauter und schließlich sagt sie dem Herrn die Meinung. So kenne ich es auch, wenn ich mich beschwere über die Verspätung oder falsche Lieferung meiner Bestellungen. In das Fräulein vom Dienst hab ich mich aber noch nie verliebt, wie Kasimir Kern es tut. Dabei kennt er doch nur ihre Stimme. Hm, vielleicht ist er Stimmenfetischist. Möglich ist alles, und dennoch merkwürdig, nicht wahr?

Stundenlang könnte ich Ihnen von Ungereimtheiten berichten, die mir in dem Buch begegnet sind. Von Onkel Timo zum Beispiel, der im Lotto gewonnen hatte. Ein glückliches Leben war der Hauptgewinn. Neidisch? Fehlanzeige, denn Onkel Timo hat den Gewinn nicht gewürdigt. Er hat weder Luftsprünge vollführt, noch Wahnsinn gerufen, wie in solchen Augenblicken üblich: „Die Aussicht auf ein glückliches Leben ist allerdings nicht jedermanns Sache. Ein Cabrio oder ein Rasenmäher hätten dagegen einen praktischen Nutzen“ für diesen komischen Timo.

Eines möchte ich Ihnen unbedingt verraten: das Buch ist trotz der „Ungereimtheiten“ bezaubernd im wahrsten Sinne. Ach, Sie meinen, es bezaubert wegen und nicht trotz der Merkwürdigkeiten. Da ist was dran. Peter Pan für Erwachsene, würde ich sagen. Kleine Skizzen, mit leichter Hand gezeichnet. Das Bemerkenswerte daran ist, dass es Detailskizzen sind. Erst zusammen entfalten sie ihre Wirkung. Im Konzert hört man die feinen Töne der einzelnen Geschichten heraus. Das Sammelsurium an Menschlichem und Skurrilem wird durch die Wiederholung sichtbar. Die Brechung des Plausiblen und seine Umkehr ins Irrationale, Wundersame erzeugt Spannung und Staunen. Bei manchen Geschichten geht dem Autor die Lust am Schreiben durch wie wild gewordene Gäule. „und spürte, wie das Licht und die Farben des Tals ihn in einen Rausch versetzten, der eine Schwindel erregende Leichtigkeit erzeugte und ihn für Augenblicke eins mit der flirrenden Sphäre der Landschaft werden ließ.“ Genau das ist es, was ich beim Lesen empfinde: Leichtigkeit, Virtuosität, ein sprühender Wortreigen, der fasziniert.

Ich kann Ihnen das Buch zwar empfehlen, für Risiken und Nebenwirkungen aber wenden Sie sich an des Autors Schalk und Ironie.

Rezension von Dorothea Gilde

Andreas Heidtmann
Storys aus dem Baguette
127 Seiten gebunden
Athena Verlag 2005
ISBN 3-89896-239-3Bestellen

Männersache

Männersache

Im Jahre 1485. Der spitzfindige Hallenser Kaufmann Philipp Gervinus reist nach Magdeburg, während seine Waren auf der „Santa Anna“ ihre Reise antreten. Gervinus will mit Hilfe seines Geschäftsfreundes, dem Schöffen Marcus Alemann, sicherstellen, dass seine Waren auch ankommen und er das Versprechen, dass er dem eigenwilligen Bischof Ernst von Wettin gegeben hat, einlösen kann. Schnellstmöglich muss die Ware also von Hamburg nach Magdeburg gebracht werden, wo der Bischof im Moment weilt. Da kommt es sehr gelegen, dass Alemanns Sohn und dessen hochschwangere Frau auf dem Weg nach Hamburg sind. So scheint alles gut zu laufen, bis der Kapitän der „Santa Anna“ tot im Hafenbecken schwimmend aufgefunden wird. Da die Leiche schlimme rote Pusteln im Gesicht hat, wird das Schiff kurzerhand unter Quarantäne gestellt und auch die Ladung bleibt, wo sie ist.
Um Gervinus’ Geschäfte steht es damit schlecht. Und in welchen seltsamen Geschäften Marcus Alemann gerade unterwegs ist, mag seine Frau, die aus der Ferne eines seltsame Treffen ihres Mannes beobachtet, nicht sagen. Jedoch steht er bald unter Verdacht einen Mord am Bischof geplant zu haben, bei dessen versuchter Ausführung er jedoch festgesetzt wird. Ihre einzige Hoffnung liegt auf Gervinus, der ja aufgrund seiner Geschäfte Kontakt zum Bischof hat. Er soll sich für seinen alten Geschäftsfreund einsetzen. Doch der ist mit seinen eigenen Machenschaften zur Genüge ausgelastet und hat zudem etwas ganz anderes im Sinn.

„Männersache“ ist ein spannender Hansekrimi. Es geht um dubiose Geschäfte, Machtspielchen und Intrigen. Dabei kommt die Handlung ordentlich in Fahrt. Besonders interessant ist die Figur des hintertriebenen Hallenser Kaufmanns Philipp Gervinus, den man aber gar nicht so leicht zu durchschauen vermag. Aber auch die Figur der Ehefrau des Schöffen Alemann in dieser „Männersache“ ist für einige Überraschungen gut. Der Krimi ist kurzweilig und mit viel Humor und Ironie geschrieben. So mache Situation wird unglaublich ausdrucksstark und mit viel Augenzwinkern beschrieben, so dass man um das schöne Gefühl der Schadenfreude nicht herumkommt. Dabei ist es die gekonnte Wortwahl, die zum Staunen bringt. Auch die vielen Wendungen und unerwarteten Ereignisse tragen zu einer guten Unterhaltung bei. Dazu kommt der gut recherchierte Hintergrund. Unbedingt lesen!

Über die Autorinnen:
Waltraut Lewin und ihre Tochter Miriam Margraf haben bisher mehr als 12 Bücher veröffentlicht. Beide leben in Berlin.

Rezension von Heike Rau

Waltraut Lewin / Miriam Margraf
Männersache
Ein Hansekrimi
204 Seiten, broschiert
Die Hanse / EVA Europäische Verlagsanstalt, Hamburg
ISBN: 3-434-52816-4
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