Wasserzeit

Wasserzeit

1927. Westport Point an der amerikanischen Ostküste.
Bridge sieht Henry Vonniker zum ersten Mal bei Asa Sissons Beerdigung. Er musste sterben, weil er zu viel riskiert hat, sich zu tief in den Sumpf hineinziehen lassen hat. Schmuggel ist ein gefährliches Geschäft.
Schon wenig später sieht Bridge Henry wieder. Diese Begegnung bringt ihr Herz zum Flattern. Er hat es gesehen, hat sie beim Stehlen erwischt.

Ihrem Großvater Noel wird ein Auftrag angeboten. Von Honey Lyons. Er soll ein Boot umbauen, damit es zum Schmuggeln zu gebrauchen ist. Er beschließt den Auftrag anzunehmen – nur diesen einen. Trotz des nagenden Unruhegefühls in seinem Bauch. Doch damit ist es nicht getan. Honey Lyons braucht auch jemanden, der das Boot fährt. Es ist klar, dass Noel nicht in Frage kommt. Er ist zu alt. Doch sein Enkel Luce, Bridges Bruder, wäre genau der Richtige dafür.

Luce gibt seine Arbeit auf und übernimmt den Job. Nicht nur den einen. Den ganzen Winter fährt er mit dem Boot, zusammen mit Jonny Clyde. Als er Hilfe braucht, ist Bridge bereit dazu, aber nur ausnahmsweise. Zu mehr will sie sich nicht überreden lassen. Später erfährt sie, dass Henry sich große Sorgen um sie gemacht hat. Luce macht sich heimlich selbstständig. Die Geschäfte sind zu verlockend und Honey Lyons braucht nichts davon zu erfahren. Luce fädelt alles sehr vorsichtig, schlau und geschickt ein.

Wieder hilft Bridge ihrem Bruder aus. Doch diesmal geht nicht alles reibungslos über die Bühne. Ein schrecklicher Unfall geschieht, den Luce zu verantworten hat. Ausgerechnet Bridge ist das Opfer. Henry, der zwar kein praktizierender Arzt mehr ist, hilft in der Not. Doch weiteres Unheil kann er, auch mit seiner bedingungslosen Liebe zu Bridge, nicht aufhalten.

Über der Geschichte liegt ein Hauch von Melancholie und man glaubt bald zu wissen, dass sie sehr tragisch enden wird. Und doch kommt alles ein wenig anders. Die Autorin besticht durch ihre ganz besondere Art, Gefühle auszudrücken. Gern nimmt man sich Zeit für dieses einzigartige Buch, geniest die Bilder, die durch die lebhaft gezeichneten Details vor dem Auge entstehen.
Es ist, als wäre man mittendrin in der Geschichte. Man liest nicht nur, man hört und sieht auch, fühlt mit und unterbricht, um seinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Es ist eine Familientragödie, die fast vorbestimmt scheint. Jeder ahnt es und doch lässt es sich nicht aufhalten. Die Autorin beschreibt die entstandene Eigendynamik sehr einfühlsam und stimmig. Die Liebe spielt dabei eine große Rolle. Bridge ist dabei, sich von ihrer Familie zu lösen und damit auch von ihrem Bruder. Die zarte, vorsichtige Liebe zu Henry, die so tiefgründig und mit Fingerspitzengefühl beschrieben wird, entwickelt sich. Doch Luces mit seiner Eifersucht, welche die Autorin den Leser immer nur unterschwellig spüren lässt, will Bridge nicht freigeben.

Über die Autorin:
Dawn Clifton Tripp wurde 1969 geboren. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Westport Point, einem kleinen Fischerdorf. Hier spielen auch ihre Romane.

Rezension von Heike Rau

Dawn Clifton Tripp
Wasserzeit
Deutsch von Andrea Fischer
334 Seiten, gebunden
marebuchverlag, Hamburg
ISBN: 3-936384-37-1
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Völkerball

Völkerball

Eva, Jeff, Tom, Skippy und Hujerová kennen sich aus der gemeinsamen Schulzeit an einem Prager Gymnasium. Für sie ging es zunächst aufwärts, nur Hujerová blieb zurück. Eva und Jeff waren sogar verheiratet. Auch die Ehe Toms ist gescheitert. Vielleicht wäre er mit Eva glücklich geworden, wenn sie nicht Jeff geheiratet hätte. Die unattraktive Hujerová dagegen hatte die Jahre nach der Schule wenig Glück, doch ist sie jetzt am Aufholen, hat endlich einen Mann gefunden und scheint zufrieden.

Das Leben spielt sich ab zwischen Hochzeiten, Geburten, Beerdigungen und all den kleinen Dramen, die das Dasein so mit sich bringt. Bei Klassentreffen wird Bilanz gezogen und festgestellt, wer eigentlich noch im Spiel ist.
Nun sind alle um die 40. Hat man in diesem Alter seine Kindheit und Jugend tatsächlich hinter sich gelassen und das Leben im Griff?

Hujerová ist sicher die interessanteste Persönlichkeit in diesem Buch. Sie fühlt sich gezwungen, ihr eigenes Glück aus Lügen zusammenzubauen, um wenigstens scheinbar mit den anderen mithalten zu können. Sie mag nicht eingestehen, wie es ihr wirklich geht. Dennoch scheint sie die Gewinnerin in diesem Spiel zu sein.

Das Buch ist gut geschrieben. Es lässt nicht mehr los. Die Lebensgeschichten faszinieren. Im schnellen Wechsel werden die einzelnen Personen dargestellt. Der Autor pendelt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, lässt beides verschwimmen. Die harte Realität wird genauso vorgestellt, wie die Träume und die Rollen, die gespielt werden, um wahre Gefühle zu verbergen.
Glück, so wird jedenfalls klar, ist eine trügerische Sache, auch wenn man sein Schicksal schon ein Stück weit steuern kann, wenn man nur will.

Über den Autor:
Michal Viewegh wurde 1962 in Prag geboren. Nach einem abgebrochenen Wirtschaftsstudium arbeitete er als Nachtwächter und studierte anschließend Tschechisch und Pädagogik und lebt heute als freier Schriftsteller in Prag.

Rezension von Heike Rau

Michal Viewegh
Völkerball
238 Seiten, gebunden
Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, Wien
ISBN: 3-522-06021-9
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Das große Jugendlexikon

Das große Jugendlexikon

Das Jugendlexikon enthält mehr als 7500 Suchbegriffe und ist illustriert mit über 4500 Fotografien und Zeichnungen. Damit hält es für ein Lexikon ausgesprochen viel Bildmaterial bereit. Es ist auch etwas anders gegliedert, als üblich. Dabei sind nur die Haupteinträge von A-Z geordnet. Alle anderen Suchbegriffe findet man im Register. Jeder Haupteintrag beginnt mit einer Einleitung und vermittelt das Grundwissen. Die verschiedenen untergeordneten Einträge gehen dann ins Detail. Dazu kommen Zeichnungen und Fotos mit aussagekräftigen Bildunterschriften, eventuell Karten und Zeitleisten und das „Siehe auch“-Kästchen mit weiterführenden Begriffen.

Sehen wir uns doch mal an, was unter dem Haupteintrag „Buch“ zu finden ist.
Zunächst kommt der Einführungstext. Hier erfährt der Leser, dass das Buch eine große und vielseitige Erfindung der Menschheit ist. Das vorliegende Lexikon ist ein Sachbuch. Die ersten Bücher, in Form von Schriftrollen aus Papyrus, entstanden in Ägypten vor 5000 Jahren. Die Römer waren die Ersten, die in richtige Bücher mit Seiten aus speziell behandelten Tierhäuten, dem Pergament, schrieben. 1453 erfand Johannes Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern.
Erklärt wird, wie Bücher entstehen. Auch die ersten Taschenbücher kann man betrachten. Nachlesen kann man weiterhin, was Bibliotheken oder Verlage sind, in welchen verschiedenen Formaten Bücher gedruckt werden. Gezeigt wird, wie ein Buchumschlag aussieht und was er enthält. Nachlesen kann man aber auch, was ein Impressum ist und warum manche Bücher ein Inhaltsverzeichnis haben. Und auch ein paar Zeilen über Illustrationen werden zur Verfügung gestellt.
Das Kästchen „Siehe auch“ führt zu Bibliotheken und Museen, Drucktechnik, Informationstechnologie und Papier.

Das Jugendlexikon ist in seiner Vielfalt sehr beeindruckend. Die Texte sind kurz gehalten und dennoch sehr gut verständlich. Durch die interessante Gliederung nach Haupteinträgen, was sehr übersichtlich ist, kann man nicht nur Begriffe nachschlagen, sondern ganze Themengebiete erforschen. Damit eignet sich das Buch nicht nur zum Nachschlagen, sondern auch zum ausgiebigen Schmökern. Im Anhang gibt es zusätzliche Seiten mit Zahlen, Daten und Fakten.
Erschienen ist das Jugendlexikon 2003 zum Preis von 39,90 Euro. Nun liegt es als Jubiläumsausgabe zu 19,90 Euro vor. Ein wirklich günstiger Preis. In Kauf nehmen muss man allerdings, dass man, wenn auch sehr selten, auf einen Eintrag stößt, der nicht ganz aktuell ist.

Rezension von Heike Rau

Das große Jugendlexikon
Mit über 4000 farbigen Abbildungen
766 Seiten, gebunden
Dorling Kindersley
ISBN: 3-8310-0510-9
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Miss Harriets Reise mit dem Drachen

Miss Harriets Reise mit dem Drachen

Miss Harriet ist eine berühmte Forschungsreisende. Nun hat sie den ungewöhnlichen Wunsch, einen Drachen aufzuspüren und nach England zu bringen, obwohl diese als ausgestorben gelten. Sie erinnert sich an eine Geschichte, die ihr einst ein alter Mann bei einer Expedition durch Südpadagonien erzählt hat. Angeblich sollen im Inneren der Erde Drachen leben, die mit ihrem feurigen Atem die vorhandenen Lavamassen am glühen halten.

Miss Harriets nächste Reise führt also nach Padagonien. Sie fliegt mit ihrem Heißluftballon, begeleitet von Papagei Frederick, los. In den Bergen, in der Nähe des höchsten Gipfels, entdeckt Miss Harriet tatsächlich ein Nest mit einem Drachen und einem Ei. Mit Lasso und Netz fängt sie den Drachen und auch das Ei kommt mit auf die Reise zurück nach England. Dort bringt sie die Leute zum Staunen. Da Drachen sehr gefährlich sind, kommt das Tier in einen Spezialkäfig. Doch dann kommt ein seltsamer Vogel und stiehlt das Ei. Miss Harriet nimmt unerschrocken die Verfolgung auf. Der Vogel verschwindet direkt in einem dunklen Krater. Miss Harriet zögert nicht und fliegt ihm mit ihrem Ballon nach.

Die Autorin erzählt eine fantasievolle und sehr aufregende Geschichte. Miss Harriets Mut wird sicher jeden zum Staunen bringen. Allerdings ist die Geschichte doch etwas sehr kurz gefasst und auf das Wesentliche beschränkt. Gern hätte man viel mehr erfahren. Die Details sind eher den Bildern zu entnehmen als der Geschichte. Die Illustrationen sind sehr fein, aufwändig und mit einer breit angelegten Farbpalette gezeichnet. Hier gibt es Unglaublich viel zu entdecken. Damit man im Inneren der Erde nicht den Überblick über oben und unten verliert, kann man sich am Papagei orientieren und so erkennen, wie herum man das Buch drehen muss. Gezeichnet sind die Illustrationen nämlich aus ungewöhnlichen Perspektiven. Kinder werden sich freuen, selbst aktiv werden zu können. Mit im Buch ist ein Bastelbogen zum Anfertigen eines eigenen Ballons. Auch Papagei Frederick aus Pappe ist dabei. Mit ihm kann man eine Fantasiereise im Ballon unternehmen oder auch direkt durchs Buch reisen. Er passt durch die ausgestanzten Löcher auf den Seiten. Durch den eingeschränkten Blick kann man zunächst nur erraten, was es wohl auf der nächsten Seite zu sehen gibt. Erst wenn man mit dem Papagei durch das Loch geflogen ist, kann man sehen, was es auf der nächsten Seite wirklich gibt. Das ist nicht nur sehr spannend, es macht auch sehr viel Spaß.
Geeignet ist das Buch schon für Kindergartenkinder. Aber auch Bilderbuchliebhaber werden an diesem wundervollen Buch ihre Freude haben.

Über die Autorin:
Sue Scullard wurde 1958 in Medway Towns geboren. Heute lebt sie in Kent. Sie studierte an der Camberwell School of Art und am Royal College of Art und hat seit 1983 ihren Magister of Art. Sie arbeitet als Holzschnitzerin und freie Autorin.

Rezension von Heike Rau

Sue Scullard
Miss Harriets Reise mit dem Drachen
Übersetzung von Hildegart Krahé
40 farbige Seiten, gebunden
mit Bastelanleitung für den Ballon und ausgestanztem Papagei
ab 5 Jahren
Lappan Verlag, Oldenburg
ISBN: 3-8303-1097-8
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Zugeinander

Zugeinander

Cartman, sein richtiger Name ist Max, will seine Wuchtbrumme, im wahren Leben Valerie genannt, endlich kennen lernen. Gespräche im Internet und per Telefon reichen ihm längst nicht mehr. Also setzt er sich in München in den Zug, um nach Berlin zu Valerie zu fahren. Valerie weiß davon nichts. Schließlich soll es eine Überraschung werden. Doch Valerie hat die gleiche Idee. Auch sie will Max überraschen und nimmt am selben Tag den Zug von Berlin nach München.

Max, der keine Reservierung hat, muss sich zunächst einen Platz suchen. Das ist gar nicht so leicht, da der Zug voll besetzt ist. Die Reise wird alles andere als ruhig. Besonders als drei Männer mit einem riesigen Vorrat an Bier sich seiner annehmen, kann er die Lage nicht mehr „nüchtern“ beurteilen. Er fragt sich, ob Valerie wirklich so ist, wie er sie sich bisher vorgestellt hat. Er klappt seinen Laptop auf und liest noch mal die alten Emails, erinnert sich zurück, wie alles begann.

Valeries Reise ist ebenfalls stressig. Sie lernt die unterschiedlichsten Menschen kennen, darunter eine Mutter mit zwei nervigen Kindern und eine Schwarzfahrerin. Auch Valerie hängt ihren Gedanken nach und blickt zurück. Ob das Foto, das Max geschickt hat wirklich echt ist? Ob er gemeint hat, was er gesagt hat? Wird er sich freuen, sie zu sehen?

Die Züge rollen aufeinander zu. Max und Valerie werden immer aufgeregter. Sie kommen ins Grübeln, müssen ihre widersprüchlichen Gefühle sortieren, ihre Freude aufeinander und das Bauchkribbeln aushalten. Werden sie aneinander vorbeifahren, ohne etwas zu ahnen? Oder werden sie sich begegnen?

Das Buch ist spannend gemacht. Der Autor wechselt zwischen Valerie und Max hin und her, unterscheidet die zwei Erzählstränge sogar optisch durch unterschiedliche Schriftbilder. In Rückblicken beschreibt vor allem Max, wie sich die beiden im Internet kennen lernten und wie sie dann feststellten, dass sie sich mögen und dass es sogar Liebe sein könnte. Für den Leser wird sehr gut nachvollziehbar, wie sich die Beziehung immer weiter entwickelte, bis beide die räumliche Trennung schließlich nicht mehr aushielten und die Idee hatten, sich mit einem Besuch zu überraschen. Dargestellt werden aber auch die Zweifel, die beide hegen und die ja nicht von der Hand zu weisen sind. Die Angst enttäuscht zu werden oder sich geirrt zu haben, lässt sich nicht so einfach wegwischen. Bei beiden nicht. Hier zeigt der Autor sehr viel Einfühlungsvermögen, was Gefühlsdinge angeht.
Interessant sind auch die vielen Dialoge mit den Mitreisenden und dem, was Valerie und Max diesen Gesprächen für sich entnehmen, oder wie sie sich gar davon beeinflussen lassen. Dabei geht es keineswegs immer Ernst zu. Der Autor schreibt mit viel Ironie und gibt auch ein ums andere Mal dem Leser viel Stoff zum Nachdenken.

Über den Autor:
Jochen Till, geboren 1966 in Frankfurt am Main, wollte eigentlich Rockstar werden, schreibt aber nun Romane für Jugendliche und Erwachsene. Mit seinem Roman „Ohrensausen“ war er 2003 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Rezension von Heike Rau

Jochen Till
Zugeinander
256 Seiten, gebunden
für junge Erwachsene
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 3-473-35255-1
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Brummstein

Brummstein

Es ist Josef Siedler, der den Brummstein aus einem Felsbrocken im Hölloch bei Schwyz im Jahre 1907 herausbricht. Es liegt an der Faszination, die der Felsen verströmt und an seinem seltsamen Klang, der ihn für kurze Zeit taub werden lässt. Auch seine Frau spürt ein seltsames Kitzeln in den Fingerspitzen, als sie den Stein berührt. Zwölf Jahre später sterben beide unter seltsamen Umständen.
Der Neffe Franz Zweywälder erbt, den in einer kleinen Holzschachtel liegenden, Stein zusammen mit einem Zettel, den Siedler damals beigelegt hatte. Doch Franz verschenkt ihn weiter, an seine Freundin Judith, die er liebt und die doch unerreichbar für in bleibt. 1938, nach der Reichskristallnacht, vergisst Judith auf der Flucht ihren Koffer mit dem Stein im Zug zwischen Hamburg und Flensburg. Der Koffer kommt in das Fundbüro des Bahnhofs Altona. Das Büro ist mit dem pensionierten Fahrkartenverkäufer Georg Weide besetzt. Als das Haus, in dem er wohnt, durch einen Volltreffer zerstört wird, zieht er in die Baracke am Bahnhof um. Die Not zwingt ihn, in den verlorenen Sachen nach Essbarem, und was man sonst so brauchen kann, zu suchen. So findet er den Brummstein. Als er stirbt, erbt den Stein der Junge, den Georg in den schweren Zeiten aufgenommen hat. Auch er wird nicht der letzte Besitzer sein.

Fast einhundert Jahre deutsche Geschichte schildert der Autor anhand des Weges, den der Stein rein zufällig, wie es scheint, nimmt. Dabei sind es die Schicksale der Menschen, die bewegen. Ob es der Stein ist, der Glück oder Unglück bringt, sei dahingestellt. Aber das eine oder andere Schicksal wird er schon ein klein wenig beeinflusst haben, auch wenn die meisten erschreckend tragisch enden. Der eine misst ihm kaum Bedeutung bei, der andere erklärt den Stein für Kunst. Es geht nahe, die Vergänglichkeit des Lebens so nahe vor Augen geführt zu bekommen, während der Stein unvergänglich bleibt. Mit seiner Erzählung stimmt der Autor nachdenklich. Und er beeindruckt mit seinem Schreibstil und der Art, wie er die Schicksale dieser ganz verschiedenen Menschen beschreibt, ohne Details und dennoch mit unglaublichem Tiefgang. Um das alles zu erzählen, hätte manch anderer fünfhundert Seiten gebraucht, der Autor dagegen benötigt keine hundert.

Über den Autor:
Peter Adolphsen wurde 1972 in Århus geboren. Er besuchte die Autorenschule in Kopenhagen und studierte u.a. in Cordoba arabische Philologie.

Rezension von Heike Rau

Peter Adolphsen
Brummstein
Erzählung
Aus dem Dänischen von Hanns Grössel
91 Seiten, gebunden
Nagel & Kimche
ISBN: 3-312-00362-8
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Ein hungriger Bär tanzt nicht

Ein hungriger Bär tanzt nicht

Christoph weiß nicht, auf was er sich einlässt, als er sich bereit erklärt, den Kakadu Alfreds eine Weile zu betreuen, damit der in den Urlaub fahren kann. Der Vogel raubt ihm jede Ruhe. Er plappert wie ein Wasserfall und stößt Schreie aus, die durch Mark und Bein gehen. Auch als Christoph ein Tuch über den Käfig legt, macht der Kakadu munter weiter. Bis in den frühen Morgen. An Schlaf ist nicht zu denken. Wie erschlagen fährt Christoph zur Arbeit, lässt den Schreihals allein. Auf dem Nachhauseweg kauft er sich ein Buch über Papageien. Vielleicht kann er dem einige Tipps und Tricks entnehmen. Im Fahrstuhl trifft er einen Nachbarn, der bis dahin eigentlich immer ganz freundlich war. Doch diesmal droht er ihm, die Polizei zu rufen, falls Christopher seine Freundin noch mal schlecht behandeln sollte. Die folgende Erklärung mit dem erbärmlich schreienden Kakadu, scheint dem Nachbarn nicht glaubwürdig. Auch wenn die dann doch gerufene Polizei Klarheit in die Sache bringen kann, bleibt Christoph nichts anderes übrig, als den Kakadu anderweitig unterzubringen. Sein schlechter Ruf, den er allein seiner Gutmütigkeit zu verdanken hat, hält sich aber dennoch hartnäckig.

Vierzig ganz unterschiedliche Geschichten hat der Autor in diesem Buch versammelt. Sie sind so bunt wie das Leben. Es sind Kindheitserlebnisse, Anekdoten, interessante Begebenheiten aus dem Alltag oder auch Erinnerungen an Reisen in andere Länder. Dennoch haben sie viel gemeinsam, wirken aufmunternd und tröstlich, bringen zum Schmunzeln oder stimmen nachdenklich im positiven Sinne. Der Autor wirbt für mehr Toleranz und Offenheit, glättet die Wogen in so mancher zwischenmenschlichen Beziehung. Er gibt ein klein wenig Lebenshilfe und baut mit seinen Geschichten auf. Dabei ist er nie direkt oder erhebt gar den Zeigefinger. Die Botschaften, die in den Geschichten stecken, kann man so leicht annehmen. Immer positiv denken, ist die Devise des Autors. Und die überträgt sich auch auf den Leser.
Jede Geschichte ist illustriert. Man betrachtet die Bilder gern, während man über die Texte nachdenkt und über das, was man für sich persönlich entnehmen kann.

Über den Autor:
Hermann Bauer wurde 1951 geboren. Er lebt in München, ist mit einer Chinesin verheiratet und war viel in asiatischen Ländern unterwegs. Er veröffentlichte bisher Kurzgeschichten, Reisereportagen, Märchen und Lyrik in Kalendern, Anthologien, Schulbüchern, Zeitschriften und Zeitungen und schrieb für Sendungen im Rundfunk.

Über die Illustratorin:
Franziska Kuo würde 1974 geboren. Sie ist gelernte Goldschmiedin. Seit der Geburt ihres Sohnes arbeitet die in Berlin lebende Künstlerin als Kinderbuchillustratorin für Verlage in Deutschland und den USA.

Rezension von Heike Rau

Hermann Bauer
Ein hungriger Bär tanzt nicht
40 Kalendergeschichten
illustriert von Franziska Kuo
223 Seiten, broschiert
Geest-Verlag, Vechta-Langfördern
ISBN: 3-937844-78-3
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Gemüse – Frische Ideen für den Garten

Gemüse – Frische Ideen für den Garten

Gemüse im eigenen Garten anzubauen, macht sehr viel Spaß. Damit die Pflanzen gesund wachsen können und Aussicht auf eine gute Ernte besteht, muss man sich ein bestimmtes Wissen aneignen und viel Dinge beachten.
Dabei ist der Boden die Grundlage für die Pflanzen. Man sollte sich die Zeit nehmen, ihn genau unter die Lupe zu nehmen. Was dabei zu beachten ist, wird im Buch genau erklärt. So fällt die Bodenbestimmung leicht. Auch wie der Boden bearbeitet werden soll, muss man für sich entscheiden. So werden die Vor- und Nachteile des Umgrabens gegenüberstellt. Sehr wichtig ist auch eine Auswahl praktischer Gartengeräte von Spaten bis Pflanzholz. Die Grundlage für den Dünger im Biogarten ist der Kompost. Erklärt wird, wie man einen Kompostplatz anlegt und Kompost herstellt. Auch die organischen Handelsdünger werden mit ihren Nährstoffgehalten aufgelistet. Gegen Schädlinge kann man mit verschiedenen Pflanzenjauchen etwas tun. So hilft zum Beispiel Brennnesselbrühe gegen Blattläuse. Ein weiteres Thema ist das Heranziehen von Pflanzen auf der Fensterbank oder im Frühbeet.

Zunächst muss der Gemüsegarten natürlich geplant werden. Die Beete müssen eingeteilt und die Gemüsearten ausgewählt werden. Dabei muss die Fruchtfolge beachtet werden. Hierzu gibt es viele Tabellen und Übersichten, an denen man sich orientieren kann. Die Pflanzenporträts und die vielen ausführlichen Pflegetipps und Arbeitspläne sind sehr hilfreich. Auch Gemüsesorten die in Vergessenheit geraten sind, werden vorgestellt. Dazu gehört beispielsweise das Teltower Rübchen. Sehr gut gefallen hat die Spezialseite zum Salat. Mit guter Planung stehen verschiedene Schnitt- und Pflücksalate das ganze Jahr zur Verfügung, vom Kopfsalat bis zum Winterportulak. Auch das Spezial zu verschiedenen Kräutern ist sehr interessant. Abschließend wird ein Kulturkalendarium der einzelnen Gemüsearten zur Verfügung gestellt.
„Pflanzenschutz beetweise“ heißt das letzte Kapitel. Hier wird nach verschiedenen Beetsorten, wie Frühbeet, Wurzelbeet, Bohnenbeet usw. unterschieden. Es werden Hilfestellungen beim Erkennen der Schädlinge und Krankheiten gegeben und vorbeugende Maßnahmen bzw. „sanfte“ Gegenmittel dargestellt.

Das Buch ist inhaltlich sehr beeindrucken. Die Autorin geht ins Detail und spart nicht mit Tipps und Tricks. Ihre Anbaustrategien sind erprobt und erleichtern die Gartenarbeit ungemein. Eventuell auftretenden Problemen kann man so sofort begegnen, ob es nun um die Bodenbeschaffenheit geht, die Pflanzenauswahl, das Pflanzenwachstum oder auftretende Schädlinge oder Krankheiten. Ein sehr schnelles Nachlagen erlauben das übersichtliche Inhaltsverzeichnis oder das Register. Als Leser fühlt man sich sehr gut informiert. Die Texte sind alles andere als trocken, sondern spannend und informativ. Ergänzt werden die Texte von perfekten Fotos, vielen Tabellen und Übersichten. Die Pflanzenporträts erleichtern die Auswahl der Gemüsesorten. Sehr gut gefallen haben die Spezialseiten oder die Vorstellung der verschiedenen Gemüsebeete mit genauen Arbeitsanleitungen. Der Platz im Garten wird optimal ausgenutzt mit einer ausgewogener Fruchtfolge mit Mischkultur in auszuwählenden Kombinationen.

Über die Autorin:
Kristina Bauer ist Dipl.-Ing. der Agrarwissenschaften. Die Landwirtin mit Schwerpunkt Gemüseanbau und Kompostierung in Hausgärten baut zurzeit in Thüringen eine landwirtschaftliche Hofstelle zu einem ökologischen Ferienhof mit naturgemäßer Landwirtschaft und Gartenbauseminaren um.

Rezension von Heike Rau

Kristina Bauer
Gemüse – Frische Ideen für den Garten
144 Seiten, gebunden, 175 Farbfotos, 15 farbige Zeichnungen
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4474-3
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Hexenkater Cosmo… und das magische Niesen

Hexenkater Cosmo… und das magische Niesen

Cosmos Mutter, eine Katze mit kurzem schneeweißem Fell, ist indischer Abstammung. Sein Vater Mephisto ist ein schwarzer Hexenkater. Es könnte also gut sein, dass Cosmo ein ganz normaler Kater ist, genauso gut könnte er aber auch etwas von seinem Vater geerbt haben, und ein Hexenkater sein. Um das herauszufinden muss sich Cosmo einem Test unterziehen. Den macht die Hexe Sybill, für die Mephisto arbeitet und die einen weiteren Hexenkater gut gebrauchen könnte. Und tatsächlich stellt sich heraus, dass Cosmo zu achtzig Prozent ein Hexenkater ist.

Cosmo soll nun bei Sybill wohnen und das Tag und Nacht, damit er alles lernen kann, was ein Hexenkater wissen muss. So bekommt er auch Unterricht im Besenreiten. Bald darf er mit seinem Vater mitfliegen, um Zaubertränke auszuliefern. Allerdings macht ihm die Reisekrankheit sehr zu schaffen. Sybill beschäftigt in der Zwischenzeit ein Brief, den sie von ihrer Mutter bekommen hat. Sie macht ein riesiges Geheimnis daraus und scheint diesmal sogar ohne Hexenkater zaubern zu wollen. Das weckt Cosmos Misstrauen. Tatsächlich hat die Hexe Sybill etwas Ungeheuerliches vor.

Das ist eine sehr fantasievolle Geschichte. Besonders Katzenfreunde dürften ihren Spaß daran haben. Allerdings ist die Handlung etwas unübersichtlich. Zu viele Personen und Katzen betreten den Schauplatz und immer wieder schweift die Autorin hin zu Nebensächlichen ab. Dennoch gewinnt die Geschichte mit der Zeit an Spannung, je mehr Cosmo den Machenschaften Sybills auf die Schliche kommt. Der kleine Hexenkater beweist Mut und Durchhaltevermögen und meistert auch knifflige Situationen. Die Katzenfamilie um Cosmo ist sehr schön gezeichnet. Diese Charaktere sind besonders durch die Beschreibungen des katzentypischen Verhaltens sehr gut vorstellbar. Sehr gut gefallen haben auch die vielen lustigen Illustrationen, welche die Geschichte sehr gut ergänzen.

Über die Autorin:
Gwyneth Rees wuchs in Schottland auf. Sie studierte an der Universität von Glasgow, wurde 1990 als Ärztin zugelassen. Sie arbeitet als Kinder- und Jugendpsychologin beispielsweise in London, wo sie auch mit ihren beiden Katzen lebt.

Rezension von Heike Rau

Gwyneth Rees
Hexenkater Cosmo…
und das magische Niesen
Aus dem Englischen von Stefanie Mierswa
Mit Zeichnungen von Samuel Hearn
200 Seiten, gebunden
ab 8 Jahren
arsEdition, München
ISBN: 3-7607-4018-9
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Nachts um eins am Telefon

Nachts um eins am Telefon

Was tut man, wenn man einsam, allein und vor allem schlaflos ist? Man telefoniert mit Freunden oder Fremden.
Er telefoniert mit Jetti. Mit ihr verbindet ihn eine alte Freundschaft, aus der mehr hätte werden könne.
Und er spricht mit seinem Freund Richard, der unter seiner Fettleibigkeit leidet und damit auf wenig Verständnis stößt. Oder mit seiner Nachbarin. Eigentlich braucht er dafür den Telefonhörer gar nicht in die Hand zu nehmen. Er kann die Frau durch die Wand hören.
Meist geht es um alte Geschichten. Dinge, die ihn oder seine Freunde nicht schlafen lassen.
Es ist, als passen die Freunde gegenseitig auf sich auf. Dabei bleiben sie jedoch immer auf Distanz, scheinen ein Problem damit zu haben, Nähe zuzulassen.
Und manche Dinge werden sogar lieber völlig Fremden erzählt. Da wird einfach eine Nummer gewählt und gesehen, was sich ergibt.

Ein Telefongespräch reiht sich an das nächste. Den Kontakt zur Außenwelt scheint er fast verloren zu haben. Das wirkt befremdlich und beängstigen, durch den unterschwelligen Humor aber auch wieder komisch und verrückt.
Alte Erinnerungen mit alten Freunden aufzudröseln, macht scheinbar nicht glücklich. Egal, wie oft man das alles wieder aufwärmt.
Der Ich-Erzähler merkt schon, dass in seinem Leben etwas ganz und gar nicht stimmt. Er sagt auch selbst, er braucht neue Menschen zum Erzählen. Die sucht er sich aber nicht etwa draußen. Er greift lieber wieder zum Telefon. Die Städte sind voll mit anderen Schlaflosen. Und er benötigt nun mal Distanz, um sprechen zu können. Er ist ein Gefangener, der sich selbst gefangen hält. Nur einmal durchbricht er diesen Zustand und wird es wohl nicht so bald wieder tun. Fast geht dann auch diese Episode unter, als wäre nichts gewesen. Bedeutungslosigkeit macht sich breit. Dennoch bleibt man als Leser nicht ganz hoffnungslos zurück. Vielleicht springt der Ich-Erzähler doch noch irgendwann über seinen eigenen Schatten. Mit seinen Telefonaten hat er zumindest den Grundstein gelegt.

Über den Autor
Michael Köhlmeier wurde 1949 in Hard am Bodensee geboren. Er studierte Germanistik und Politikwissenschaften, Philosophie und Mathematik. Der Autor erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Er lebt in Hohenems, Vorarlberg, und in Wien.

Rezension von Heike Rau

Michael Köhlmeier
Nachts um eins am Telefon
110 Seiten, gebunden
Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, Wien
ISBN: 3-552-06020-0
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