Der Puppenkasper. Weibliche Macht-Männliche Ohnmacht

Der Puppenkasper. Weibliche Macht-Männliche Ohnmacht

Tim bekommt als Achtjähriger ein Aquarium geschenkt, mit hübschen Männchen und hässlichen Weibchen. Das Aquarium wird zum Symbol seines Lebens: Alleinerziehende Mutter und Emanzen-Lehrerin möchten ihn zum Frauenversteher erziehen. Denn Frauen sind seit Jahrhunderten schutzbedürftige Opfer, Männer dagegen Täter. Tim erlebt im Lauf der Jahre, wie er selbst gegenüber Frauen benachteiligt wird. Beim Wehrdienst, im Berufsleben, sogar vor Gericht. Das ist nicht mehr amüsant. Tims Leben verläuft anders, als Mutter und Lehrerin sich das dachten. Ganz anders…

Manche Autoren scheinen prophetische Kräfte zu haben. Knapp 2 Monate nach Erscheinen des ‚Puppenkaspers‘ von Wolfgang A. Gogolin lässt die Bundesregierung verlauten, dass sie Quotenfrauen in der Bundeswehr einführen möchte – wenn auch nicht gerade bei den Kampfschwimmern.

‚Der Puppenkasper. Weibliche Macht – Männliche Ohnmacht‘ ist kein frauenfeindliches Buch, es ist eher männerfreundlich und dabei ausgesprochen witzig. Der Leser begleitet Tim durch schwierige Zeiten und es ist unglaublich, wie viele tatsächliche und vermeintliche Männerbenachteiligungen den Weg kreuzen. Sprachliche Highlights wie ‚Susanne hatte wirklich Brei im Hirn. In solchen Momenten kleidete sie Brei in Sprache und schlug dem Schwachsinn eine Schneise‘ sind eher Regel als Ausnahme. Die spritzige Geschichte ist kurzweilig und ausgesprochen angenehm zu lesen – der Schluß allerdings könnte einem Psychothriller entnommen sein.

Wolfgang A. Gogolin
Der Puppenkasper. Weibliche Macht-Männliche Ohnmacht
Amüsanter Leid-Faden für die Herren
ISBN:3833409460
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Zauberhut und Drachenblut

Zauberhut und Drachenblut

Ein sechshundert Jahre alter und sehr erfahrener Zauberer vermittelt in diesem Handbuch sein Wissen. Er ist bereit, seine Geheimnisse an interessierte Kinder weiterzugeben.

Hexen und Zauberer brauchen eine ganz bestimmte Ausstattung. Dazu gehören beispielsweise ein Zauberhut, ein Gewand, ein Zauberstab, ein Beutel mit Zaubermünzen, ein Hochgeschwindigkeits-Besen und ein magischer Ring.
All diese Dinge werden selbst hergestellt. Das erfordert natürlich Geschick und manchmal auch die Hilfe der Eltern. In den Anleitungen wird aber alles ganz genau und nachvollziehbar Schritt für Schritt erklärt.
Das eigene Zimmer wird in eine Zauberburg verwandelt. Ein fliegender Teppich, eine schimmernde Kristallkugel, eine magische Laterne und fliegende Fledermäuse gehören zur Ausstattung.
Von großem Nutzen für Hexen und Zauberer ist ein Zaubergarten. Wer keinen Garten hat, lässt seine Kräuter im Blumentopf wachsen. Besonders interessant ist das Minigewächshaus mit den Fleisch fressenden Pflanzen.
Zu Hexen oder Magiern gehört natürlich auch ein alt aussehendes, geheimes Tagebuch. Die Aufzeichnungen werden mit Hilfe des Runenalphabets verschlüsselt.
Hexen und Magier beschäftigen sich auch mit Astrologie und Alchimie. Gebastelt wird ein Sternbild-Projektor. Die Sternzeichen werden kennen gelernt.
Ganz am Ende weiht der alte Zauberer seine Schützlinge in die Geheimnisse einer gelungenen Zauberparty ein. Neben Tipps für die Dekoration gibt es Rezepte für knusprige Fledermausflügel und dampfendes Drachenblut. Bei der Gelegenheit lässt sich der eine oder andere Gast sicher die Zukunft aus der Hand lesen. Wie das gemacht wird, steht auch im Buch.

Das Buch ist sehr beeindruckend. Nicht nur inhaltlich, sondern auch von der geheimnisvoll wirkenden Gestaltung. Das Buch ist ein richtiger kleiner Schatz. Es gibt nicht nur zahlreiche und wirklich tolle Bastelanleitungen mit passenden Illustrationen, sondern auch viele Informationen. Der sechshundert Jahre alte Zauberer erzählt von anderen Zauberern, von giftigen Kröten, Poltergeistern, heulenden Totenköpfen, schauerlichem Grünzeug und Vampirfledermäusen. Mit dem Buch können Kinder Phantasien ausleben und sich kreativ beschäftigen.
Die Idee, den alten Zauberer selbst erzählen zu lassen, macht den Zauber, den dieses Handbuch ausstrahlt, greifbar.

Rezension von Heike Rau

Lindy Burnett
Zauberhut und Drachenblut
Das phantastische Handbuch für kleine Hexen und Magier
128 Seiten, gebunden
arsEdition, München
ISBN: 3-7607-5859-2
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Lenas Flucht

Lenas Flucht

Als man der schwangeren Lena im Krankenhaus sagt, dass ihr Baby tot ist, ahnt sie, dass etwas nicht stimmt. Sie fühlt, dass es dem Baby gut geht. Ihren einzigen Ausweg sieht sie in einer Flucht. Die Miliz will ihrer Geschichte aber nicht so den rechten Glauben schenken. Es muss ein Irrtum vorliegen. Der behandelnde Arzt hat wahrscheinlich „nur“ eine Fehldiagnose gestellt. Doch so einfach ist es nicht. Lena wird weiter verfolgt und bangt um ihr Leben und um das ihres ungeborenen Kindes. Wohin sie sich auch rettet, immer wird sie aufgespürt.

Die Geschichte ist unheimlich spannend. Sehr schnell wird klar, dass nicht einfach ein Arzt sich geirrt hat, sondern im ganzen Krankenhaus seltsame Dinge vorgehen. Lena hatte großes Glück, von hier entkommen zu sein. Was die Ärzte, allen voran die Leiterin der gynäkologischen Abteilung Amalia Petrowna Sotowa, wirklich machen, ist einfach unglaublich. Von einer einzelnen Person wollen die sich das Handwerk nicht legen lassen. Lena muss umgehend aus dem Weg geräumt werden. Schließlich ist sie zudem noch Journalistin. Nicht auszudenken, wenn sie plaudert.
Das Buch ist wirklich gut geschrieben. Die Autorin schafft es, mit einer unkomplizierten Handlung und einfachen Sätzen Dramatik zu erzeugen. Lena, eine Frau, die sich auf ihr Kind freut, wird zur Verfolgten. Immer wieder muss der Leser um ihr Leben bangen. Oft ist es reines Glück, dass sie bestimmte Situationen überlebt. Der Leser wird pausenlos in Atem gehalten, fiebert mit der sympathischen Lena mit und hofft auf ein gutes Ende.

Über die Autorin:
Polina Daschkowa wurde 1960 in Moskau geboren. Hier lebt sie auch mit ihrem Mann und zwei Töchtern. Zur Zeit ist sie mit einer Gesamtauflage von 18 Millionen Büchern die erfolgreichste Krimiautorin Russlands. Polina Daschkowa hat das renommierte Gorki-Literaturinstitut absolviert und sich zunächst der Lyrik zugewandt. Daneben hat sie als Journalistin für Rundfunk und Presse sowie als Parlamentsberichterstatterin gearbeitet. Bevor ihr erster Roman erschien, übersetzte sie auch Bücher aus dem Englischen.

Rezension von Heike Rau

Polina Daschkowa
Lenas Flucht
233 Seiten, broschiert
Aufbau Taschenbuch
ISBN: 3-7466-2050-3
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Seelenjagd

Seelenjagd

New York City, Central Park. Detektive James Gurson entdeckt in einem eingeschneiten Oltimer-Mercedes den im Sterben liegenden Psychiater Dr. Gretz. Jede Hilfe kommt zu spät. Es sieht nach Selbstmord aus. Dieser Fall erinnert Gurson an den Selbstmord seines Vaters.
Wenig später muss seine Partnerin Didi Kane sich am Nordende des Parks mit den Überresten einer verbrannten Leiche befassen. Es stellt sich heraus, dass die Tote für Kane keine Unbekannte ist.
So kommt es, dass die Ermittler selbst nicht frei von Verdächtigungen sind. Zu allem Übel behindert Staatsanwalt Tucker Norville die Ermittlungen auf nervenaufreibende Weise. Den Mörder zu finden, wird so fast unmöglich.

Anfangs wirkt der Krimi undurchschaubar und verwirrend. Es ist scheint unmöglich, Licht ins Dunkel zu bringen. Doch ganz langsam und nach und nach kommen immer mehr spannende Details ans Tageslicht, die den Fall voran treiben, aber auch Details, die den Fall wieder verwirrender machen. Nur durch akribische Ermittlungsarbeit werden Zusammenhänge deutlich. Wahre Abgründe tun sich auf. Was wirklich passiert ist, kann man nicht voraussehen.
Die Charaktere sind vielschichtig. Besonders gelungen ist die Figur des Staatsanwaltes Tucker Norville. Bei Tageslicht ein erhabener Staatsanwalt ist und bei Nacht gesehen ein sadistisches Schwein. Aber viele Figuren in diesem Krimi spielen eine Doppelrolle, versuchen Dinge zu verbergen, und machen den Ermittlern das Leben schwer. Sex und Drogen spielen dabei eine überdimensional große Rolle.
Dennoch lohnt es, nicht gleich nach den ersten Seiten, wo der Zugang zum Buch noch schwer fällt, aufzugeben. Der Krimi gewinnt immer mehr an Fahrt und wird schließlich sehr spannend. Ein Buch für alle, die komplizierte Fälle mögen.

Katrin Yapalater, geboren in Biscayne Bay, Florida, wuchs in New York City auf. Sie studierte Philosophie und Literatur in London. Sie bereiste Europa und Asien, arbeitete an Film- und Buchprojekten in der Sowjetunion. „Seelenjagd“ ist ihr erster Roman.

Rezension von Heike Rau

Karin Yapalater
Seelenjagd
Aus dem Amerikanischen von Ingeborg Ebel
378 Seiten, Klappenbroschur
Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN: 3-453-87790-X
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Ulmer Naturführer: Pilze Sammeln und Bestimmen

Ulmer Naturführer: Pilze Sammeln und Bestimmen

Es ist schon ein ganz besonderes Vergnügen, durch Wälder und Wiesen zu streifen und dabei Pilze zu suchen. Doch so mancher Pilz lässt sich nicht auf Anhieb bestimmen. Und auch die Ähnlichkeit mancher Giftpilze mit Speisepilzen ist nicht zu unterschätzen. Ein Buch über Pilze kann hier Hilfestellung leisten. Im Ulmer Naturführer werden über 200 verschiedene Pilzarten beschrieben.

Im ersten Kapitel „Sammeln“ geht es um die Grundlagen. Jeder Pilzsucher braucht eine Ausrüstung. Wichtige Regeln sollten bekannt sein. So gilt: Bei der kleinsten Unsicherheit einen Pilzberater aufsuchen oder auf den Verzehr des fragwürdigen Pilzes verzichten.

Die Abbildungen im Hauptteil zeigen die Pilze in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien oder auch so, wie sie am Fundort zu sehen sind. Alle typischen Merkmale werden genau beschrieben. Dazu gehören Merkmale von Hut, Lamellen bzw. Röhren, Stiel, Fleisch, Geruch und Geschmack. Zu erfahren ist auch, wo und wann im Jahr man den Pilz gewöhnlich antrifft. Dazu werden Aussagen zum Wert und zur Verwendung des Pilzes gemacht. Auf mögliche Verwechslungsgefahren mit ungenießbaren oder giftigen Pilzen wird ebenfalls hingewiesen. Besonders typische Merkmale im Text sind grau hinterlegt.

Im Kapitel „Pilzverwertung“ gibt es Tipps zum Pilze putzen und zur anschließenden Verwendung. Aber nicht immer schließt ein leckeres Pilzgericht den Sammeltag ab. Pilze können beispielsweise auch eingefroren, eingelegt oder getrocknet werden.
Hin und wieder hört man natürlich auch von Pilzvergiftungen. Sollten unerwartet Beschwerden auftreten, ist es natürlich wichtig zu wissen, was zu tun ist. Die Telefonnummern der Giftinformationszentralen sind im Buch mit aufgelistet.

Fazit:
Ein handlicher und sehr übersichtlicher Ratgeber im Taschenbuchformat. Besonders hilfreich sind die Fotos, die die Pilze in ihren unterschiedlichen Entwicklungsstadien zeigen. Die dazugehörigen Steckbriefe sind gut überschaubar, so dass schnell alle wichtigen Details nachgeschlagen oder verglichen werden können.

Die Autorin:
Renate Volk befasst sich seit ihrer Kindheit mit Pilzen. Im Hauptberuf ist sie Ergotherapeutin und Gesundheits- und Ernährungsberaterin. Sie unterrichtet am Bildungsinstitut in Stuttgart.

Der Fotograf:
Fridhelm Volk ist selbstständiger Fotograf. In diesem Fach unterrichtet er an der Freien Kunstfachschule Stuttgart. Dem Fotografieren von Pilzen widmet er sich mit besonderer Hingabe.

Rezension von Heike Rau

Renate und Fridhelm Volk
Ulmer Naturführer: Pilze Sammeln und Bestimmen
253 Seiten, über 980 Pilzabbildungen
Klappenbroschur
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4468-9
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Megan Chance: Das Haus der kalten Seelen

Megan Chance: Das Haus der kalten Seelen

New York, 1885. Der reichen Lucy Carleton gelingt es nicht, ihre Rolle als angesehene Ehefrau glaubwürdig zu spielen. Immer wieder plagen sie Angstzustände und Kopfschmerzattacken. Bei gesellschaftlichen Anlässen fällt sie auf. Ihr Ehemann, der Börsenmakler William, scheint überaus besorgt. Er stellt seine Frau den angesehensten Ärzten vor. Lucys Zustand bessert sich jedoch nicht. Dr. Victor Seth, dem ein Ruf als Scharlatan vorauseilt, wird zur letzen Hoffnung für Lucy und William. Dr. Seth behandelt Lucy mit Elektrotherapie und Hypnose.
Die Therapie schlägt an. Doch Lucy und Dr. Seth, der eine geradezu unglaubliche Ausstrahlung hat, kommen sich immer näher und gehen schließlich eine leidenschaftliche Affäre miteinander ein, die Lucy aufleben lässt. Doch William kommt dahinter. Er lässt Lucy in eine Anstalt einweisen. Und dort glaubt Lucy niemand, dass sie keiner Behandlung mehr bedarf, sonder von Dr. Seth längst geheilt wurde.

Erzählt wird die Geschichte aus Lucys Sicht, die kein eigenes, sondern das vorgeschriebene Leben einer reichen Ehefrau spielen muss. Eigene Bedürfnisse treten vollkommen in den Hintergrund. Erst Dr. Seth glaubt zu wissen, was Lucy wirklich fehlt, und dass die gesellschaftlichen Zwänge und die mangelnde Liebe Williams Lucy krank machen. Doch Dr. Seth ist nicht nur Arzt, sondern vor allem Wissenschaftler. Von Hypnose, und wie uneingeschränkt Lucy darauf anspringt, ist er begeistert. Seine Aufzeichnungen verraten seine wahren Gedanken. Es ist schnell abzusehen, dass diese Behandlung außer Kontrolle geraten wird. Lucy wird schnell abhängig von Dr. Seth, der nicht davor zurückschreckt, seine Patientin nach seinen Vorstellungen zu formen und zu manipulieren.

Geschrieben ist das Buch in einer klassisch anmutenden Sprache. Die Geschichte ist spannend und unglaublich. Die Autorin spart nicht mit sehr pikanten und intimen Details der Behandlung, die Dr. Seth seiner Patientin angedeihen lässt und die dem Leser als persönliche und nicht für die Öffentlichkeit gedachten Aufzeichnungen zu lesen bekommt. So löst die Geschichte unterschiedliche Reaktionen aus, angefangen von Unglauben bis hin zu Empörung. Das sich aus dieser Geschichte ein wahrer Krimi entwickelt, ist eine Überraschung. Der Leser wird lange im Unklaren gelassen, wer für das, was passiert, verantwortlich ist, und wie Lucys Gesundheitszustand zu bewerten ist. Die Frage ist: Handelt Lucy aus eigenem Antrieb oder ist die Marionette von Dr. Seth, bereit sogar einen Mord zu begehen?

Über die Autorin:
Megan Chance ist in den USA bekannt für ihre großen historischen Frauenromane. Nach ihrem Studium war sie zunächst beim Fernsehen tätig, bevor sie mit dem Schreiben begann

Rezension von Heike Rau

Megan Chance
Das Haus der kalten Seelen
Aus dem Amerikanischen von Anja Schünemann
446 Seiten, broschiert
Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN: 3-453-87769-1
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Die Markgräfin

Die Markgräfin

1525. Barbara ist gerade mal zehn, als sie zum erstenmal verheiratet wird. Doch sie kommt unerwartet gut mit ihrem so viel älteren Ehemann aus, gewinnt ihn sogar lieb. Doch schon zwei Jahre später wird die Markgräfin Barbara von Ansbach Witwe. Ihre Brüder Albrecht und Georg schrecken jedoch nicht zurück, die nun mit einer reichen Erbschaft ausgestattete Barbara, an den nächsten Ehemann zu verschachern. König Wladislaus von Böhmen kann aufgrund politischer Schwierigkeiten allerdings nicht an der eigenen Hochzeit teilnehmen. Er wird durch einen Gesandten vertreten. Die Zeit vergeht. Barbara glaubt längst nicht mehr daran, von ihrem Ehemann heimgeführt zu werden. Sie will sich nicht länger, dem Willen der machthungrigen Brüder unterwerfen. Sie lehnt sich schließlich auf und beginnt, um ein selbstbestimmtes Leben zu kämpfen. Das ist in diesen Zeiten undenkbar. So wird Barbara auf der Plassenburg eingesperrt. Ihre Zukunft sieht mehr als trübe aus, doch Barbara ist bereit zu kämpfen

2001. Der Kastellan auf der Plassenburg im fränkischen Kulmbach Gregor Haubold entdeckt bei Reparaturarbeiten einen kleinen Hohlraum. Hier findet er, sehr zu seinem Entsetzen, das Skelett eines Säuglings, welches später auf vier- bis fünfhundert Jahre alt geschätzt wird. Wer ist dieses Kind? Und wer sind die Eltern des Kindes? Es gilt ein Jahrhunderte altes Verbrechen aufzuklären. Gregor Haubold macht sich zusammen mit anderen Forschen an die Arbeit.

Die Geschichte der Barbara von Ansbach und die Suche nach der Identität des gefundenen Säuglings in der heutigen Zeit laufen parallel. Und beide Geschichten sind äußerst spannend.
Barbara von Brandenburg-Ansbach, Herzogin von Groß-Glogau und Crossen und Königin von Böhmen gab es wirklich. Die Autorin hat ihr Leben rekonstruiert. Doch es ist nicht bis zu ihrem Tod nachvollziehbar. So benutzt die Autorin ihre Fantasie, um die Geschichte zu einem Ende zu bringen. Um auch den Markgräflerkrieg und die Zerstörung der Plassenburg thematisieren zu können, hat sie zudem noch etwas am Rad der Zeit gedreht. In ihrem Roman verbindet die Autorin Fakten und Fiktion sehr glaubwürdig und zeichnet damit ein realistisches Bild des 16. Jahrhunderts. Dabei kommt der Stellung der Frauen in dieser Zeit besondere Bedeutung zu. Sehr interessant sind dabei die persönlichen Briefe, die immer wieder in die Handlung eingewoben werden.
Jahrhunderte später setzt das Forscherteam um Gregor Haubold in akribischer Kleinarbeit Puzzleteil für Puzzleteil zusammen und stellt Verbindungen her. Es ist sehr spannend, zu verfolgen, wie die Plassenburg Stück für Stück ihre Geheimnisse offenbart. Auch hier sind wieder Phantasie, Einfühlungsvermögen, Forscherdrang und Leidenschaft gefragt.
So schließt sich der Kreis. Durch das verbinden der Fakten mit der Fantasie, dem Nachempfinden von Gefühlen, Gedanken und Eindrücken wird die Geschichte lebendig und die Schicksale werden greifbar.

Über die Autorin:
Die aus Franken stammende Historikerin arbeitet als Ausstellungsplanerin im Museum von Schwabach. Bei Forschungen zur Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach kam sie auf die Spur der Markgräfin. „Die Markgräfin“ ihr erster Roman.

Rezension von Heike Rau

Sabine Weigand
Die Markgräfin
480 Seiten, gebunden
Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt am Main
ISBN: 3-8105-2365-8
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Chicken Christl

Chicken Christl

Mika Koegl hat zwölf Finger, an jeder Hand sechs. Genau wie sein Großvater Major Koegl. Aber was hat das schon zu sagen, der Großvater hat es schließlich weit gebracht – vom Hühnerzüchter zum Präsidenten.
Aber Mika ist zudem noch mit einer Herzkrankheit geschlagen, die kein Arzt anerkennen will.
Seine Freundin scheint die vielen Finger auch nicht zu mögen. Sie trennt sich von ihm. Trotzdem scheint ihr die Amputation der beiden überzähligen Finger wichtig zu sein und sie vereinbart einen OP-Termin.
Für andere sind die überzähligen Finger allerdings so wichtig, dass sie Mika entführen und ihn zu ihrem Gott machen wollen.
Aber so kann er wenigsten sein zukünftiges Leben bestimmen und wählen zwischen Versager und Gott.

Thema des Buches ist Genmanipulation. Doch der Autor geht ganz anders an das Thema heran, als man erwartet. Überhaupt erwartet man bei diesem Titel ein ganz anderes Buch. „Chicken Christl“, die Großmutter, spielt eher eine untergeordnete Rolle. Sie ist eines nicht ganz natürlichen Todes gestorben. Aber Mika spricht mit ihr und schreibt ihr Briefe. Das hat er schließlich versprochen. Doch ist Mika wirklich eine Kopie seines Großvaters. Die Ähnlichkeit scheint sich nur auf die Finger zu beschränken. Ansonsten ist Mika ein Außenseiter. Also liest man hauptsächlich die Geschichte eines Außenseiters. Unfassbar, auf welche kranke Art und Weise Mika sich durchs Leben und seine Träume schlägt. Da hat der Autor aus den vollen geschöpft. Die Geschichte ist abwegig und aberwitzig. Und trotzdem kann man sich ihr nicht entziehen. Es wird eine seltsame Spannung aufgebaut, die fesselt. Die Frage ist: Wird Mika sein Leben ändern oder bleiben die überschüssigen Finger dran?

Über den Autor:
Martin Amanshauser ist Jahrgang 1968. Er lebt in Wien als Autor und Übersetzer aus dem Portugiesischen. 1992 erhielt er den „Georg Trakl -Förderungspreis für Lyrik“ und 1996/97 das „Staatsstipendium für Literatur“.

Rezension von Heike Rau

Martin Amanshauser
Chicken Christl
180 Seiten, Klappenbroschur
Deuticke Verlag, Wien – Frankfurt/Main
ISBN: 3-216-30679-8
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Die schönsten Märchen der Brüder Grimm

Die schönsten Märchen der Brüder Grimm

Märchen sind bei Jung und Alt beliebt. Zehn der schönsten und wohl auch bekanntesten sind in diesem liebevoll illustrierten Kinderbuch zusammengestellt.

Rumpelstilzchen
Der Hase und der Igel
Der Wolf und die sieben Geißlein
Der gestiefelte Kater
Der süße Brei
Die Bremer Stadtmusikanten
Dornröschen
Frau Holle
Rotkäppchen
Rapunzel

Alle zehn Märchen sind auf der beigelegten CD zu hören. Vorgelesen werden sie mit einer sehr sympathischen und ausdrucksstarken Stimme. Auch die Rollen der bekannten Märchenfiguren werden mit passenden Stimmen vorgetragen. Besonders die Stimme des Rumpelstilzchens, aber auch die des Igels aus „Der Hase und der Igel“ und des Wolfs aus „Die sieben Geißlein“ begeistern. Untermalt werden die Geschichten von leiser, stimmungsvoller Hintergrundmusik, die sehr schön mit den Märchen mitgeht. Es ist ein Vergnügen zuzuhören.

Die Kombination aus Buch und CD kommt gut an. Nicht immer haben Eltern Zeit zum Vorlesen. Viele Kinder wollen ihr Lieblingsmärchen aber immer wieder hören. Dabei können sie sich die farbenfrohen Bilder im Buch ansehen. Auch für Kinder, die schon selbst lesen können, ist das Buch geeignet, dank der einfach gehaltenen Sprache und der leicht lesbaren, großen Schrift.
Ein sehr schön aufgemachtes Buch und damit ein gelungener Beitrag, überlieferte Märchen zu bewahren.

Rezension von Heike Rau

Die schönsten Märchen der Brüder Grimm
Ausgewählt von Manfred Ulrich
Erzählt von Petra Schier
Illustrationen von Katrin Herjean
76 Seiten, gebunden
mit Audio CD
70 Minuten Spielzeit
Pabel-Moewig Verlag & Musikverlag Eifelkrone
ISBN: 3-8118-3865-2
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Kalte Herberge – Bruchstück

Kalte Herberge – Bruchstück

Ein abgewohntes Haus in Wien regt die Fantasie des Autors an. Hier ist der Ort, wo Geschichten entstanden sind und entstehen werden. Hier zwischen den feuchten Mauern am Rande der Existenz.
Dann hat es sich ausgeschrieben. Ein einziger Anruf hat genügt. Schon liegt der Autor im Spital, in Gedanken jedenfalls, der Körper wird nachgeliefert.
Die Krankheit wird ihm die Luft nehmen und den Tod bringen. Was bleibt nun noch? Gedanken, die sich schwer ordnen lassen.

Es ist ein Buch über das unbeeinflussbare Übel, dass jedem im Leben widerfahren kann. Eine erbarmungslose Krankheit schlägt plötzlich zu. Der Körper funktioniert nicht mehr, aber das Gehirn nimmt alles wahr. Die einstürmenden Gedanken sind wie ein Angriff. Da wird nicht nur wegen der Krankheit die Luft knapp. Es gibt Dinge, die noch gesagt werden müssen, doch die Zeit läuft aus. So werden viele Sätze zu aneinandergereihten Bruchstücken, mal sehr selbstbewusst, dann wieder selbstironisch, dann wieder bitterböse oder sagenhaft wütend und abrechnend. Der Leser fühlt sich hilflos. Das ist sicher kein Buch für ein breites Publikum und soll es wohl auch nicht sein.

Über den Autor:
Werner Kofler ist Jahrgang 1947. Seit 1968 lebt er als freier Schriftsteller in Wien. Seine Arbeiten wurden mit zahlreichen Preisen und Anerkennungen ausgezeichnet. Er erhielt beispielsweise 1987 das Elias-Canetti- Stipendium und 1996/97 den Arno-Schmidt-Preis.

Rezension von Heike Rau

Werner Kofler
Kalte Herberge
Bruchstück
88 Seiten, gebunden
Deuticke Verlag, Wien-Frankfurt/Main
ISBN: 3-216-30725-5
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