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Schlagwort: Helene Luise Köppel

Die Affäre Calas

Die Affäre Calas

Die verstorbene Charlotte hat Sandrine zu ihrer Alleinerbin bestimmt. Sandrine wusste, dass ihre Tante sehr vermögend war. Sie muss nun ihren Beruf als Anwältin nicht mehr unbedingt ausüben. So bleibt sie nach der Beerdingung erst einmal in Südfrankreich, um alle Angelegenheiten in Ruhe zu regeln. Henri, einem Freund aus Kindertagen, dem es im Moment nicht allzu gut geht, erlaubt sie, ins Dachgeschoss des Hauses der Tante einzuziehen.
Zum Erbe gehört auch ein Brief Charlottes. Die alte Dame vertraut Sandrine hier nachträglich ein Familiengeheimnis an. Sie weist den Weg zu einer eisernen Kassette, die eingemauert in einer Kellerwand des Landhauses versteckt liegt. So erfährt Sandrine von der Affäre Calas und dass sie selbst ein Abkömmling dieser Familie ist – ihre Urgroßmutter stammte aus der berühmten Toulouser Familie. Die Tante wünscht, dass die Dokumente, die Sandrine vorfinden wird von ihr als Anwälin begutachtet und veröffentlicht werden.

Henri hilft den Schatz zu heben und Sandrine erfährt, was hinter der Affäre Calas steckt. Sie liest vom mysteriösen Tod des ältesten Sohnes der Familie, der 1761 geschah. Der Vater wurde ohne Beweise zum Mörder erklärt und hingerichtet. Die Briefe, Abschriften Voltaires, also keine Originale der Zeugen, erzählen von dem undurchsichtigen Fall, der immer noch Rätsel aufgibt.
Sandrine will ihn zusammen mit ihrem Jugendfreund Henri, in den sie sich verliebt, aufklären. Sie will wissen, ob der Vater den Sohn tatsächlich ermordet hat, ob es eventuell Selbstmord war, wie Voltaire vermutet, oder ob die Weißen Büßer, eine ominöse Bruderschaft, etwas mit dem Tod des jungen Mannes zu tun haben, vor denen die Tante bis zu ihrem Tod Angst hatte. Dass der Versuch der Aufklärung des Falles einige Menschen und auch Sandrine selbst geradewegs ins Verderben führen wird, ahnt die junge Anwältin nicht.

Die Autorin hat sich in ihrem Buch einem historischen Kriminalfall angenommen und lässt ihn noch einmal aufleben. Ihre Version der Geschichte (was Fiktion ist und was geschichtlichen Tatsachen entspricht, kann man dem Nachwort entnehmen) ist äußert spannend. Man liest das Buch mit wachsender Begeisterung.

Sandrine, eine junge Anwältin nimmt den Auftrag ihrer Tante an und beginnt, zusammen mit ihrem Jugendfreund Henri, nachzuforschen. Was sie zunächst als interessanten Zeitvertreib sieht, wird bald zu einem gefährlichen Spiel mit unbekannten Drahtziehern, die vor nichts zurückschrecken, um die Wahrheit zu vertuschen. Sandrine tatstet sich trotzdem immer weiter vor, versucht die Geschehnisse um den Mord zu rekonstruieren. Als Henri spurlos verschwindet, arbeitet sie mit einer Freundin weiter und später noch mit einem Vertrauten Henris.

Man braucht ein gutes Vorstellungsvermögen, um ihren Theorien folgen zu können. Wie nahe die drei der Wahrheit kommen, erfährt man aber erst zum Schluss. Bis dahin kann man kaum erahnen, in welche Richtung die Geschichte laufen wird.
Die Autorin kündigt das nahende Unheil immer wieder an, hält den Leser dadurch neugierig und hilft damit auch durch schwierige Stellen des Buches.

Sandrine ist eine interessante Persönlichkeit. Sie bleibt dran an dem Fall, auch als sie gesundheitliche Probleme bekommt und ihre Nerven nicht mehr mitspielen wollen. Sie wird dennoch nicht zur Heldin stilisiert und bleibt dadurch stets glaubwürdig.
Nicht zuletzt lebt das Buch von der Stimmung, die die Autorin geschaffen hat. Die Geschichte ist mysteriös und bleibt es bis zum Schluss.

Rezension von Heike Rau

Helene Luise Köppel
Die Affäre Calas
Aufbau Taschenbuch Verlag
400 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3746623702
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Das Gold von Carcassonne

Das Gold von Carcassonne

1299 in Südfrankreich. Rixendes Bruder gehört zu den Katharern. Bislang hat ihn die Inquisition in Ruhe gelassen, doch nun scheint Gefahr zu bestehen. Um Rixende aus der Schusslinie zu bringen, soll die junge Frau ihre Heimat verlassen und heiraten.
Im Hause des ehrenwerten Castel Fabri in Carcassonne wird sie herzlich aufgenommen. Der Sohn Castel Fabris, Aimeric, verliebt sich auf der Stelle in seine Braut. Er erweist sich als freundlich und aufmerksam. Auf Rixende wirkt er sehr fremd, doch nach und nach erwärmt sie sich für ihn. Auch wenn für sie daraus niemals Liebe werden kann, heiratet sie Aimeric.
Die Sicherheit in Carcasrsonne erweist sich als trügerisch. Der zweite Inquisitor Fulco von Saint-Georges lässt auf Geheiß namhafte Leute und gute Katholiken aus Albi wegen Ketzerei einkerkern. Rixende begegnet dem Inquisitor einige Male. Er übt eine unheimliche Faszination auf sie aus, die sie erschaudern lässt und mit Schrecken erfüllt. Sie möchte ihn aus ihren Gedanken verbannen. Und doch lassen sie diese Gefühle nicht mehr los. Fulco von Saint-Georges provoziert die junge Frau und wagt es sogar, zu ihrer Hochzeit zu erscheinen. Als sie von ihm mit einem Wandbehang mit einem Einhorn darauf beschenk wird, erfüllt sich die Prophezeiung einer Wahrsagerin, was Rixende über alle Maßen erschreckt.
Kurz nach der Hochzeit kommen Gerüchte auf, dass Rixende zu den Katharern gehört, weil sie beim Hochzeitsmahl kein Fleisch gegessen hat. Das ist eine gefährlich Anschuldigung. Und das, wo ohnehin der Inquisitor schon ein Auge auf Rixende geworfen hat.

Man wird von diesem Roman sofort gefangen genommen. Das liegt am wunderbaren Schreibstil der Autorin. Ihre Art zu schreiben, so flüssig und rund, ist einzigartig.
Die Geschichte, die sie erzählt, ist spannend gemacht. Es geht um die verbotenen Liebe zwischen Rixende und dem Inquisitor Fulco von Saint Georges. Diese von Zweifeln und Widerständen geprägte Liebe wird so tiefsinnig, einfühlsam und Gänsehaut verursachend geschildert, dass man ganz davon gefangen genommen wird. Man kann sich gut hineinversetzen, fühlt mit.
Im einem ausführlichen Ahnhang erfährt der Leser, was an diesem Roman Realität und was Fiktion ist. Die historischen Hintergründe sind perfekt im Roman verarbeitet.
Die Geschichte spielt vor wechselnden Schauplätzen und nicht nur in Carcassonne, was wiederum für viel Abwechslung sorgt.
„Das Gold von Carcassonne“ ist ein historischer Roman, der von der Liebe lebt und von weittragenden zukunftsweisenden Geheimnissen, die es zu entschlüsseln gilt.

Rezension von Heike Rau

Helene Luise Köppel
Das Gold von Carcassonne
520 Seiten, broschiert
Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3746623290
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