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    Nexen

    Von jon | 19.Juli 2002

    Eine gänzlich neue Idee zum Thema, wieso die Saurier ausstarben, wozu wir Menschen da sind und wieso die Inquisition so Unrecht nicht hatte, präsentiert Bodo Kroll in seinem Buch „Nexen“. Um die Geschichte in Gang zu bringen, schickt er mal eben ein Kristallpilz-Bewusstsein in einen Menschenkörper. Dessen Seele soll während der Mission eigentlich nur „zwischengelagert“ werden, aber etwas geht schief.
    Es geht überhaupt eine Menge schief in diesem Buch: Die Nexen – eine sich aggressiv vermehrende Spezies – vergessen, wo sie ihre Larven abgelegt haben, der Galaktische Jäger – der das Universum von den Nexen befreien will – stürzt ab, das Kristallpilz-Bewusstsein stirbt, der Menschenkörper stirbt, das Jäger-Bewusstsein stirbt, jede Menge namenlos bleibender Menschen sterben. Pläne gelingen nur augenscheinlich und dann wendet sich doch alles irgendwie zum Guten und gleich darauf wieder zum Unguten. Retter müssen grettet werden und versagen beim Retten der zu Rettenden…

    Was hier so aufregend und hektisch klingt, wird dann jedoch in einem seltsam unspannenden Stil dargeboten. Nahezu die gesamte erste Hälfte des Buches braucht Kroll beispielsweise dazu, die Figuren zu platzieren.
    Ab dann aber überstürzen sich die Ereignisse. Doch sie tun es auf eine sehr unsinnliche Weise: Kroll sagt, zählt auf, wiederholt hunderte Male längst Geklärtes. Vor allem aber stellt er Behauptungen auf, die der Leser mangels textlichem Beweis oder Gegenbeweis hinnehmen muss.

    Zum Beispiel: Beim Abschluss einer Art Übereinkunft zwischen dem Ich-erzählenden Menschen, der inzwischen im Jäger-Körper steckt, und den Nexen, sagt sich der Mensch/Jäger, er habe schon oft erlebt, dass man den Nexen nicht trauen kann. Zum ersten: Wer den bisher als extrem egoistisch bezeichneten Nexen traut, muss blöd sein – ihnen nicht zu trauen ist also kein Zeichen von Cleverness sondern von durchschnittlicher geistiger Gesundheit. Zum zweiten: An keiner Stelle im Buch – vor dieser Feststellung – ist je die Rede davon, dass die Nexen den Jäger (bei einem Vertrag) übers Ohr gehauen hätten. Vom Menschen ganz zu schweigen – der kannte die Viecher vorher noch nicht mal!

    Von solchen offensichtlichen Erzähl-Fehler einmal abgesehen: Die Figuren bleiben seltsam blass. Ihnen werden zwar Gefühle nachgesagt, doch die werden nicht sichtbar. Action ist der Daseinszweck der Figuren und darauf sind sie letztlich auch reduziert. Das Entsetzen, den Tod des eigenen Körpers oder den von Freund gewordenen Wesen zu sehen, beispielsweise wird in zwei, drei Zeilen abgetan. Selbst der Untergang der Menschheit wird zwar Katastrophe genannt, doch als solche einfach nicht fühlbar.

    Das gesamte Buch ist durchzogen vom Eindruck der Nicht-Kontrolle. Pläne und Gegenpläne und Zufälle mischen sich zu einem Strudel von Ereignissen, in dem die Figruen hin und her geworfen werden. Selbst dem Autor entgleitet die Kontrolle offenbar etwas: Der Gute (Mensch/Jäger) gewinnt bei jedem Schachzug, den wir als Leser beobachten können. Da es aber am Ende schlimm ausgehen muss, kriegt der Leser schnell gesagt, dass im Hintergrund – also unsichtbar – die Bösen sich nicht an die Spielregeln hielten und Peng! war der Gute nicht mehr der Spielmacher sondern plötzlich nur eine Spielfigur im Plan der Bösen. Und weil das Ende dann offenbar doch nicht endgültig sein sollte, greift Kroll zum Kunstkniff „Parallel-Realitäten“ und siehe da: Es ist wieder alles offen! Da hat sich nun der Leser durch die ganze bizarre Handlung gekämpft und dann wird durch diesen Streich die Handlung – und damit auch unsere Mühe, ihr zu folgen – für (nahezu) nichtig erklärt: All dies ist/war gar nicht relevant für uns – in unserer Realität kann alles ganz ganz anders kommen…

    Der gesamte Text wirkt wie der – wenn auch schon recht fortgeschrittene – Entwurf eines Romanes, wie der Hintergrund für etwas, was interessant sein könnte. Dass es in diesem Buch zudem an Rechtschreibmängeln, unfertig korrigierten Sätzen, absurden Absätzen und dergleichen verlegerisch und satztechnisch inakzeptablen Fehlern nur so wimmelt, komplettiert das Bild von Unfertigkeit.

    Wer Action und SF-Ideen mag und über Form- und Erzählfehler hinwegsehen kann, für den ist „Nexen“ brauchbares Ideenfutter – immerhin war „Nexen“ für den diesjährigen Kurt-Laßwitz-Preis nominiert. Wer Vergnügen am Lesen sucht, sollte aber doch zu den Gewinnern des Preises greifen…

    Bodo Kroll
    Nexen
    Faszinierende Idee zur Herkunft der Menschen. Interessanter Plot. Flacher Text.
    ISBN:3897742047
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