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    Zwei Leben und ein Tag

    Von Claudine Borries | 15.März 2007

    Anna Mitgutsch Zwei Leben und ein Tag

    Luchterhand Verlag ISBN 3630872565
    Psychogramm einer Ehe

    Die Prallelen zweier Lebensgeschichten: H. Melville gibt den Stoff zu der einen, das Leben von Edith und Leonard beinhaltet die zweite.

    Letztere sind sich in jungen Jahren begegnet. Leonard schrieb an einer Dissertation über Melville und hatte damit Ediths Interesse geweckt. Sie willigte nur zögerlich in eine Beziehung zu ihm ein, die in eine Ehe mündete.

    Nach vielen Jahren ist sie geschieden von Leonard und erinnert sich in der Form des Briefromans noch einmal an die Stationen ihrer Ehe.

    Eingebettet in Beschreibungen der Natur um den Hudson River, wo alles begann, wird zugleich Hermann Melvilles Leben, seine Ehe und seine Dichtung in die Erzählung einbezogen.
    Es gibt Parallelen zwischen beider Ehen: das anfängliche Glück z.B., das schon bald von einem unsteten Nomadenleben und mangelnder Behaustheit bei beiden Paaren gekennzeichnet ist.
    Edith und Leonard sind beruflich viel in Ländern Südostasiens und Osteuropas unterwegs gewesen, weil Leonhard in Amerika keine Stelle finden konnte.
    Aus der Ehe von Edith und Leonard ging ein Sohn hervor, der psychisch krank ist. Schreckliche Panikzustände und auffällige Verhaltensweisen haben die Eltern auf eine harte Probe gestellt und ließen sie verzweifeln an seiner Fortentwicklung. Er bleibt ein Außenseiter, der sich in keine Gesellschaft einfügen kann. Durch seine Entwicklung bekommt die Geschichte eine nachhaltige Dramatik.

    Auch in H. Melvilles Leben gab es Unvereinbarkeiten zwischen Eltern und Söhnen und das Außenseitertum.

    Ediths Betrachtungen zwischen kontemplativer Rückschau, empathischer Einfühlung in die Familiengeschichte Melvilles und realistischer, traurig-melancholischer Einsicht in die nicht gelungene eigene Ehe, ist anrührend.
    Anna Mitgutsch kann mit ihrem Sprachtalent psychische Empfindungen zwischen Menschen beschreiben, die außerordentlich nahe an der Realität sind.
    Sprachlosigkeit, Angst, Beklemmung, Nähe – und Distanz finden präzisen Ausdruck.
    Sie beschreibt wechselnde Gefühlswelten, die für die Beziehung zwischen zwei Menschen beängstigend und befremdlich sind.
    Mitgutsch beweist mit dieser Geschichte eine klare Denkungsart. Sie spiegelt uns ein Bild zwischenmenschlicher Beziehungen, das im täglichen Leben vorkommt, das aber selten in dieser reflektierten Weise vorgetragen wird.

    Zugleich entsteht ein Panorama der Welt Melvilles, das fast einer Biographie dieser unsteten, düsteren, von Zweifeln, Wut, Hass und Getriebensein bedrückten Persönlichkeit gleichkommt.

    Die Spannung der Erzählung wird durch die zügig vorangetriebene Geschichte bewirkt. Der Roman ist anspruchsvoll, psychologisch -analytisch klug aufgebaut und sehr genau konstruiert und schlüssig durchgearbeitet.
    Man liest ihn mit anhaltender Spannung.

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