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Autor: Claudine Borries

Justin Cartwright: Das Glücksversprechen

Justin Cartwright: Das Glücksversprechen

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Justin Cartwright
Glücksversprechen
Rowohlt tb
ISBN: 3499246341

Daphne und Charles haben sich aus London nach Cornwall zurückgezogen, nachdem er aus seiner Firma ausgebootet wurde.
Die drei Kinder sind aus dem Haus und leben erfolgreich ihr eigenes Leben.

Da geschieht ein unerwartetes Unglück: die Tochter Juliet, Kunsthistorikerin und erfolgreiche Kunsthändlerin, wird eines Betruges wegen angeklagt. Sie war bei Christies angestellt, als sich der Skandal ereignete. Nach zwei schlimmen Gefängnisjahren wird sie entlassen, und ihr Bruder Charlie holt sie ab. Der Vater Charles hat gerade diese Tochter besonders geliebt und verehrt und war ihr zutiefst verbunden. Mit diesem Schlag werden beide Eltern kaum fertig.

Daphne empfindet die totale Leere und sieht, wie wenig sie mit Charles gemein hat.
Rückblickend erscheint das Familienleben von unguten Erwartungen, falschen Beweggründen und tiefen inneren Spaltungen gezeichnet.
Die großartige, erfolgreiche Familie hat einen Knacks bekommen und alle Protagonisten sitzen in der Falle.
Daphne ist verzweifelt, dass sie ihr Heim in London aufgegeben hat. Charles trauert seinem aktiven Berufsleben nach, und Juliet traut sich nach dem Ende der Gefängnishaft kaum wieder zurück ins Leben. Sophie arbeitet in einer Werbeagentur in London und hat neben ihrer Drogensucht mehr oder weniger desolate Affären.
Charlie wird allmählich zum ruhenden Pol stilisiert, was seinem inneren Befinden gar nicht entspricht.

Im Zentrum von Juliets Verbrechen stehen Fenster des in Amerika bekannten Glaskunstmalers Louis Comfort Tiffany.

Die Kontraste der inneren und äußeren Welten, in denen jeder lebt, werden differenziert beschrieben.

Menschliche Katastrophen entwickeln eine Eigendynamik, die vom wahren Leben gar nicht so weit entfernt sind.

Der Autor schreibt einen geschliffenen Stil und steigert die Handlung zu einem spannenden Psychodrama. Jeder der Protagonisten sehnt sich nach dem vermeintlich Glück der heilen Familie, ohne dass sich eine Lösung dafür abzeichnet. Zwischen den Zeilen lesen wir von den katastrophalen Zuständen im amerikanischen Frauenknast.
Man ist fasziniert von den Fallstricken, die das Leben für jeden parat hält.
Die Kunstszene New Yorks, der tiefsinnige,–oder flüchtige–, Gedankenaustausch zwischen den einzelnen Familienmitgliedern und wichtige Daten aus dem Leben der Protagonisten werden aufgefächert. Für England und Amerika als Gegenpole unterschiedlicher sozialer Gesellschaftsformen finden sich beeindruckende Passagen. Die Geschichte entwickelt sich zu einem Panorama von falscher Moral, trickreichen Lebenslehren, persönlichem Versagen und weisen Lebenseinsichten.
Wir haben hier einen Roman vorliegen, der zum Genre der großartigen englischsprachigen Gesellschaftsromane gehört.

Justin Cartwright gilt als einer der besten Romanciers unsere Zeit. 1945 in Südafrika geboren lebt er heute mit seiner Frau und zwei Söhnen in London.

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Die glücklichen Tage

Die glücklichen Tage

Laurent Graff Die glücklichen Tage BLT Lübbe
ISBN 3404922689

Dieser kleine Roman handelt von einem jungen Mann, den schon früh der Lebensüberdruss plagt.
Er malt sich sein Leben aus, wie es nach den immer gleichen Abläufen funktionieren wird: essen, schlafen, arbeiten, heiraten, Kinder kriegen, ein unendlicher Reigen, der zuletzt doch einen jeden von uns ins Grab führt. Folglich beschließt er mit 18 Jahren, sich gleich ein Grab zu kaufen. Man kann sich vorstellen, wie der Bestatter darauf reagiert!

Nicht genug damit, beschließt Antione mit 35 Jahren, in ein Altersheim mit dem schönen Namen Glück im Winkel zu ziehen. Eine Erbschaft verschafft ihm die nötigen Mittel dazu.
Er verlässt seine Frau und seine zwei Kinder, nachdem die Lust und die Freude am Familienleben längst vergangen ist, und zieht zu den Alten.

Seine Erlebnisse im Altenheim vermitteln ihm urkomische, abenteuerliche und absonderliche Erfahrungen.
Er beschreibt seine Mitbewohner mit ihren Alterseigenschaften, so dass man zwischen Mitleid und Komik schwankt. Insgesamt zeigt er sie mit liebevollem Blick: die Alzheimers, die Parkinsons die Schrulligen und die Seltsamen. Diese Beobachtungen von Antione zeigen sein Erstaunen und regen seine Nachdenklichkeit an.
Er bezieht sich mit ein, lässt den guten langen Tag verstreichen, ohne sich besondere Mühe mit anderen oder mit sich zu geben.
Natürlich verstehen ihn die Angestellten des Heimes nicht!
Seine Philosophie aber ist: gelebt ist gelebt und je schneller man es hinter sich bringt, das Leben, desto besser.

Doch eines Tages kommt Mireille! Sie ist alt und krank und in Antione löst sie eine unergründliche Zuneigung aus, mit der er sie bis in den Tod begleitet.

Man fragt sich, wie ein junger Autor dazu kommt, seinen Helden das Leben überspringen zu lassen und sich alleine dem Ende und dem Tod entgegen zu bewegen.
Leicht makaber, skurril und mit außergewöhnlicher Komik läßt uns der Autor an dem Leben von Antione teilnehmen.
Die Sichtweise, das Leben aus der letzten Perspektive zu betrachten, scheint den Reiz und die Anziehung der Lektüre ausmacht. Tod ist nicht nur traurig, und Alter nicht nur grässlich. Wer zu schauen versteht, der wird erkennen, dass auch die letzte Phase des Lebens von Heiterkeit, Humor,
Ernst und Abschied getragen ist,–und werden nicht alle diese Vorgänge schon im Laufe des Lebens erfahren?

Laurent Graff hat ein schönes, amüsantes, weises und kluges Buch geschrieben. Es liest sich schnell und leicht in kaum zwei Stunden.
Z.Zt. wird das Buch mit Johnny Depp verfilmt. Man kann sich gut vorstellen, wie die einzelnen Protagonisten im Film agieren. Es wird ein wunderbarer und anrührender Film werden!

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Das entschwundene Land

Das entschwundene Land

Astrid Lindgren Das entschwundene Land
Oetinger ISBN 3789141682

Es gibt wohl kaum einen Bürger unserer Zeit, dem der Name Astrid Lindgren nichts sagt!

Sie hat ihre Kindheitserinnerungen aufgeschrieben, und zu ihrem 100. Geburtstag sind sie neu herausgegeben worden.

Wenn man diese liest, wird einem schnell klar, woher sie ihre Phantasie und ihre Heiterkeit genommen hat, mit der sie die schönsten Kinderbücher ihrer Zeit geschrieben hat.
Pipi Langstrumpf ist ja bis heute in fast jedem Kinderzimmer zu finden.

Astrid Lindgrens eigene Kindheit stand unter dem guten Stern glücklicher Eltern, die ihren Kindern das wichtigste Gut gegeben haben, das man seinen Kindern mitgeben kann: Geborgenheit und Freiheit!
Sie wuchs mit ihren Geschwistern in der wärmenden Gewissheit auf, dass die Eltern innig verbunden waren, und die Liebe alle ihre Kinder mit einschloss.
Im Kreise der Familie auf dem bäuerlichen Hof der Eltern ließ es sich gut und fröhlich leben.

Die Mutter erzog die Kinder, der Vater mischte sich nicht ein.
Sie war großzügig, ließ ihnen freien Raum, zankte nicht und Schelte gab es auch nicht. Gehorchen aber lernten die Kinder früh.
Die Kinder wurden zum Helfen angehalten und mussten ihre Aufgaben erfüllen, da gab es kein pardon. Insofern war die Mutter eine ideale Erzieherin: sie gab Freiheit so viel wie möglich und war konsequent, da wo es nötig war.

Und dann ist Astrid Lindgren plötzlich zehn Jahre alt, geht in die Oberschule und ihr Lesehunger kennt keine Grenzen!
An die genannten Titel wird sich jeder Erwachsene erinnern, der im letzten Jahrhundert in seiner Jugend zu den Leseratten gehörte. Viele bekannte Titel der Weltliteratur werden da genannt.

Sie singt ihrer kleinen Schwester zum Einschlafen Bücher vor, um bei ihrer Lektüre bleiben zu können. Aber selber Bücher schreiben,–nein, das wollte sie nie!

Als sie sich im Aller von 37 Jahren einen Fuß verstauchte und liegen mußte, da erst fing sie an, Bücher zu schreiben.
Und hörte nimmer auf, möchte man zuletzt hier sagen!

Sie wurde eine gefeierte Kinderbuchautoren, deren Bücher auch nach ihrem Tod hoffentlich noch lange von bleibendem Bestand sein werden.

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Verteidigung des Privaten

Verteidigung des Privaten

Wolfgang Sofsky Verteidigung des Privaten

C.H.Beck ISBN 3406562981

Privatheit ist der Kern persönlicher Freiheit!

Dieses Motto könnte dem Buch von Wolfgang Sofsky vorangestellt werden.
Mit einem fulminanten Eingangskapitel eröffnet er seinen als Streitschrift bezeichneten Essay über die Verteidigung des Privaten.

Man stelle sich vor, ein Vater fährt seinen Sohn in den Kindergarten. Anschließend fährt er ins Büro, erledigt seine Arbeit am Computer, holt die Ehefrau am Abend vom Bahnhof ab und kehrt nach dem Einkauf nach Hause zurück.
Alle diese ganzen Vorgänge sind durch Kameras, Funküberwachung, Internetbenutzung und Chipkarten dokumentiert.

In öffentlichen Bussen und Einrichtungen ist man beständig Zeuge privater Kommunikation. Sofsky moniert mit seinen Beispielen den Verlust des Privaten: < Die vulgäre Sucht nach kurzfristiger Prominenz beschleunigt die Zerstörung des Privaten>, und die meisten Menschen merken es nicht einmal………

In den folgenden Kapiteln gibt Sofsky einen umfassenden und klaren Überblick über das, was man unter Privatheit zu verstehen hat.

Privatheit wurde in der Geschichte der Menschheit schon zu Urzeiten praktiziert. Es gab Grenzen der Scham, die nicht zu überschreiten waren. Mit dem Wandel der Gesellschaft änderten sich auch die Regeln des Privaten.

Über Rückblicke in die Gesellschaft der Renaissance bis zur französischen Revolution reichen die Betrachtungen, in denen Sofsky die jeweilig geltenden Regeln der Privatheit abhandelt.

Der Pervertierung der Macht in Diktaturen und Polizeistaaten in jüngster Zeit, die zu extremem Verfall der Privatheit geführt hat, gelten seine weiteren Ausführungen. Der innere Widerstand der Menschen wurde gebrochen; der allgegenwärtigen Überwachung, Verfolgung und Denunziation konnte kaum einer entgehen.
Heute werden in Demokratien mit den Schrecken des Terrors Normen und Gebote ständig verschärft, so dass durch Reglementierungen das Private mit Beschränkungen belegt wird. Mit einleuchtenden Beispielen kann Sofsky seine Thesen untermauern.

Sofsky zeigt auf, er diskutiert nicht. Das Dilemma von Terror und Einschränkungen des Privaten ist nicht Thema seiner Streitsschrift.

Ein ganzes Kapitel ist Freiheit und Privatheit gewidmet.
Fürsorgliche Eltern, misstrauische Verwandte, neugierige Nachbarn und selbsternannte Moralprediger gelten neben vielen anderen als Heer der Eindringlinge in die Privatsphäre.
Anonymität ist nur gewährleistet, wo das soziale Netz nicht zu engmaschig ist.

Über private Freiheiten, wo sie beginnen und wo sie enden, ist in diesem Büchlein vieles zu erfahren.
Im zweiten Teil werden ausführlich allgemeine kulturanthroposophischen Themen abgehandelt.

Sofsky ist Soziologe. Er deckt gesellschaftliche Zusammenhänge auf und analysiert sie. Schlüsse muß der Leser selber ziehen.

Das Buch ist in seiner Substanz so gewichtet, dass es unmöglich ist, alle Aspekte hier zu bedenken.

Neben dem Buch von Richard Sennet: Verfall und Ende des öffentlichen und privaten Lebens scheint mir dieses kleine Buch in der Komprimierung alle wesentlichen Themenkreise des Privaten zu berühren.
Es liest sich leicht und flüssig und ist für den aufgeschlossenen Leser von hohem Interesse.
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Die Welt ist schön

Die Welt ist schön

Patrick McDonnell Die Welt ist schön
Hoffmann und Campe ISBN 3455380204

Was für ein wunderschönes Buch!

Kater Mooch liegt unter seinem Lieblingsbaum, und die Welt ringsum versinkt im Nebel.
Beim Erwachen findet er sich zuerst nicht zurecht.
Er überlegt, ob er vielleicht im Himmel ist……….?

Dann geht er auf Erkundungstour, schnuppert süße Düfte und hört herrliche Klänge. So langsam nähert er sich seinem Ort, sieht Kinder auf dem Spielplatz und beobachtet seine Lieben. Ein großer Hund macht ihm ein wenig Angst, aber: was tut man wohl im Himmel? Man breitet einfach die Arme aus!

Die Zeichnungen sind fein und leicht hingetupft. So muß es wohl im Himmel aussehen!
Die Klänge, die aus des Vogels Schnabel in die Welt zwitschern, sind als Noten dargestellt. Die in die Luft geworfenen Arme von Kater Mooch und seinem Freund Earl inmitten einer lustigen Blumenwiese atmen Wohlgefallen und Lebensfreude aus. Als der Nebel sich schließlich lichtet, sieht man die Bäume, Blumen, Häuser und die Sonne. Die zarten Zeichnungen entsprechen ganz dem heiteren Geschehen. Ist vielleicht alles nur ein Traum?

Am Ende erwacht Mooch und neben ihm liegt sein Freund Earl. Die Sonne scheint,—und alles ist wie im Himmel!

Dieses heitere, fröhliche Buch ist nicht nur für Kinder gedacht: auch Erwachsene, die an der Welt verzweifeln, können sich der zuversichtlichen Lebensfreude in diesem Buch nicht entziehen!
Wunder geschehen täglich, man muß sie nur sehen!

Unbedingt lesenswert!

Patrick McDonnell hat mit seinem ersten Buch < Das schönste Geschenk > in Amerika schon die New-York- Times – Bestsellerliste erobert. Auch international wurde er zu einem großen Erfolg.
Dieses zweite Buch um den Kater Mooch wird sicher wieder die Herzen der Leser erobern!

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Die Weihnachtshäsin

Die Weihnachtshäsin

Adriana Dorsett & Henning Löhlein Die Weihnachtshäsin
Hoffmann und Campe ISBN 345538028X

Der Weihnachtsmann ächzt und stöhnt: die Füße tun im weh, er KANN einfach dieses Jahr keine Geschenke austragen! Was tun?
Weihnachten ohne Geschenke,—das geht doch nicht!

Also überlegt der Weihnachtsmann mit seinen Freunden und Helfern, einen Wettbewerb auszuschreiben: 331 Fabelwesen und Märchenfiguren bekommen kleine Briefchen, die von Himmel schneien.
Von den vielen, an die man sich wendet, bleiben leider nur wenige übrig, die sich um den Job bewerben.

Es findet ein Wettrennen statt, denn wer Weihnachtsgeschenke austragen will, der muß schon findig sein, sonst eignet er sich nicht für diese Aufgabe.
Wer also wird die Hütte des Weihnachtsmannes finden und sie als erster erreichen?

Nach langem Wettbewerb mit einigen Hindernissen wird es die Osterhäsin sein, die sich der Welt und ihrer Kinder annimmt, um dieses Jahr die Geschenke zu bringen!

Die Texte von Adriana Dorsett sind originell ausgedacht. Sie lässt sich Zeit, um am Ende eine Vertretung für den Weihnachtsmann zu finden.
Viele lustige Einfälle machen die Suche nach der rechten Weihnachtsmannvertretung spannend.

Die Zeichnungen sind großflächig, ein wenig überzogen karikierend, witzig und erinnern gelegentlich an einen Comic. Die Häsin saust eifrig auf Schlittschuhen ihrem Ziel entgegen, und die Zunge des bösen Wolfs lugt lüstern hervor. Der Froschkönig schaut sehnsüchtig in den Spiegel in der Hoffnung, als Belohnung für die große Aufgabe seine Prinzessin zu bekommen. Der Weihnachtswald mit Schnee und klarer Luft lässt die Vorahnungen auf das kommende Weihnachtsfest wachsen.

Nun ja, wir wissen schon, es ist die Häsin, die zuerst ihre Kinder versorgt, die Reisetasche packt und sich dann an die Arbeit macht!

Natürlich bekommt sie zuletzt auch einen Preis!

Eine schöne und leicht verrückte Geschichte haben uns die beiden Künstler beschert!
Man sollte sich das Buch nicht entgehen lassen für alle kleinen Kinder, die sich schon auf Weihnachten freuen!
Es eignet sich für Kinder ab 5 Jahren.

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Das gute Leben

Das gute Leben

Jay McInerney Das gute Leben Kiepenheuer &Witsch

ISBN 3462039180

New York, Upper East Side: hier lebt der Börsenmillionär Luke McGavock mit seiner Frau Sasha und der Tochter Ashley. Letztere beginnt flügge zu werden, und der Vater, der gerade eine Auszeit aus seinem Beruf nimmt, betrachtet ihren Umgang mit Argwohn.

In einem schicken Loft in der nicht ganz so feinen Gegend TriBeCa wohnt Corinne, ehemalige Anwältin, mit ihren Zwillingen und ihrem Mann Russel, Lektor in einem großen Verlag.

Anläßlich des 9/11, Anschlag auf das WTC, sollen sich die Wege von Luke und Corinne kreuzen!

In den Kreisen der McGavocks trifft man sich zu Partys, erörtert den neuesten Klatsch der High Society, legt Wert auf Kleidung, Komfort und das gewisse Etwas, das die Reichen von den Armen unterscheidet.
Man kennt natürlich Paul Auster; auch Salman Ruhshdie gehört zur Clique der Auserwählten, mit denen man Umgang pflegt. Investmentbanker, Schriftsteller, Künstler, die ganze Palette derjenigen, die in der Gesellschaft eine Rolle spielen oder zu spielen glauben, ist in diesen Kreisen anzutreffen.

Es ist eine blasierte Gesellschaft, deren Inneres verborgen bleibt oder von unübersehbarer Leere ausgehöhlt erscheint.

Öde und gelangweilt geben sich Frauen der eigenen Körperpflege hin, betätigen sich bei Benefizveranstaltungen oder leben unzufrieden in den Tag hinein wie Corinne, deren Bedauern über ihr Hausfrauendasein und den Verlust eines erfolgreichen Jobs ihr sichtlich zu schaffen macht.

Luke ist nachdenklich und beobachtet das gesellschaftliche Treiben mit einer gewissen Distanz. Der Rückzug aus dem Beruf macht eine Neuorientierung erforderlich. Ihm stellt sich unumwunden die Sinnfrage.

Sasha mit ihrer Schönheit und lasziven Anziehung wirkt ebenso präsent wie die Figuren von Luke, Corinne und Russel.
Die middleage Generation, ihr Überdruss und die Frage, ob das Leben nicht vielleicht noch mehr zu bieten hat, ist das Thema!

Verführung und Untreue ist in den gängigen Kreisen die Regel.

Und dann folgt 9/11, das Datum der Apokalypse!
Plötzlich gerät das ganze gute Leben aus den Fugen. Freunde werden vermisst, und auf den Straßen begegnen sich Arm und Reich in gemeinsamen Hilfsaktionen. Gespräche von erstaunlicher Offenheit und Intimität verbindet Menschen, die sich einander unter anderen Umständen nie offenbart hätten.
Luke und Corinne lernen sich bei einer Hilfsaktion um den Ground Zero kennen, und eine sehr offene und ehrliche Freundschaft und Liebe beginnt.

Es ist die aufwühlende, reiche, künstlerische und offene Stadt, in der die Grundfesten aller Bindungen durch das Ereignis des 9/11 infrage gestellt werden. Die Atmosphäre der verwüsteten Stadt, die vielen Toten, das allgemeine Chaos und die Erschütterung, die durch alle Gesellschaftskreise zieht, lässt einen erschauern.

Die alten Fragen nach dem Sinn eines Lebens, das die Erwartungen der Jugend hinter sich gelassen hat und mit dem Erlangten nicht immer glücklich geworden ist, wird mit dem Sehnen nach immer neuen Überraschungen und erregenden Kicks klar erkennbar. Ground Zero und der 11. September bieten die Folie, auf der sich Familientragödien abspielen.

Zugleich nimmt der Autor die Melancholie des Abschieds und der Trauer vorweg, die mit der Erkenntnis verbunden ist, dass man verlorene Illusionen nicht aufleben lassen kann. Vorbei ist vorbei und die Frage nach dem guten Leben erübrigt sich.

In dem aufregenden und spannenden Gesellschaftsroman werden Liebe, Tod, Vergänglichkeit und die Fragen nach dem Sinn und der Erfüllung des Lebens abgehandelt. Die New Yorker Gesellschaftssphäre wird dabei kritisch unter die Lupe genommen.

Jay McInerney gehörte zu Beginn der Achzigerjahre mit einer Reihe anderer Autoren zum , einer Gruppe junger, wilder und glamouröser Erfolgsautoren.

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Die drei Räuber

Die drei Räuber

Tomi Ungerer Die drei Räuber Diogenes

ISBN 3257005024

Wer wüsste nicht, wer Tomi Ungerer ist?

Dieser Illustrator, berühmt und gelegentlich auch berüchtigt, sieht mit weisem Blick auf die Sehnsüchte, Phantasien und Träume der Kinder, und er kann Erwachsene schockieren, das einem Hören und Sehen vergeht!

Hier sind es drei böse Räuber, dräuend in ihren schwarzen Gewändern und Hüten, unter denen die weißen Augen hervorlugen, die unsere Menschheit in Angst und Schrecken versetzten! Sie rauben und streuen Pferden Pfeffer in die Nüstern, um die Kutschen der Reisenden zum Halten zu zwingen! Auf einem Versteck hoch in den Bergen sammeln sie ihre Reichtümer an.

Und dann begegnet ihnen Tiffany, ein kleines Mädchen, das sich nicht gerade auf das Leben bei einer wunderlichen alten Tante freut! Na und? Sie nehmen sie mit, und wie im Märchen sorgt sie dafür, dass sich alles zum Guten wendet und viele kleine Waisenkinder in die Fürsorge und Güte der drei Räuber gelangen!

Die holzschnittartig gemalten Räuber auf tief blauem Nachthimmel mit dem großen weißen Mond sind recht gruselig anzuschauen! Ein wenig lichter wird das Bild schon mit dem Eintreffen von Tiffany. Sie liegt im Schlaf da so entspannt und ruhig, dass man sich schon bald nicht mehr vorstellen kann, dass die Räuber gar so böse sind. Und dann wird es immer bunter: die vielen Waisenkinder bekommen rote Gewänder und Hüte. Die Stadt, die sie sich bauen, als sie erwachsen sind und eigene Familien gründen, ist ganz bunt und lustig. In die Stadtmauer bauen sie drei Türme, die den Räubern verdächtig ähnlich sehen und ihnen und ihren guten Taten zur Erinnerung gereichen.

Tomi Ungerer hat der ernsten Erwachsenenwelt einen Denkzettel erteilt: dass das Böse nicht immer nur böse sein muß, und dass man Kindern sogar Gutes tun kann, wenn man gelegentlich gegen alle Anstandsregeln der Gesellschaft vertößt!

Tomi Ungerer sagte einmal: Kinder brauchen keine Kinderbücher, sondern gute Geschichten! Hier ist eine davon!

1963 zum ersten Mal aufgelegt, gehört dieses Buch inzwischen zu den Kinderbuchklassikern!

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Stella

Stella

Patrick McGrath Stella BvT ISBN 3833304871

In einer geschlossenen psychiatrischen Klinik mit den Ärzten, der Familie und mit dem Betreuungspersonal zu leben, das gehört sicher nicht zu den schönsten Lebensformen, die sich eine junge Frau mit Mann und Sohn wünscht!

Stella lebt mit ihrer Familie im ländlichen Süden Londons in einer solchen Einrichtung. Sie hat sich mit ihrem Sohn Charlie, einem etwas dicklicher Junge, und mit ihrem Mann Max, stellvertretender Direktor der Klinik, in einem alten Haus eingerichtet, das auf dem Gelände der Anstalt steht.

Stella ist nicht sehr froh. Max ist ein stiller, in sich gekehrter Mann, der ganz seiner Arbeit lebt.
Als Stella eine Tages Edgar Stark sieht, einen Patienten, der als Vergünstigter im Außenbereich arbeiten darf, fühlt sie sich ungemein von ihm angezogen. Er soll den verwilderten Garten der Familie herrichten. Sie kann sich die Anziehung nicht erklären.
Was sie nicht weiß: Edgar ist Bildhauer und hat eines Tages seine Frau mit einem Hammer erschlagen. Die Diagnose lautete: Schizophrenie. Er ist deshalb für fünf Jahre hier eingeliefert worden.
Er hatte den Kopf seiner Frau modelliert. Der Idealisierung der geliebten Frau folgte eine Desillusionierung, bei der sich die von ihm vermutete Untreue seiner Frau in seiner Phantasie zu einer unabänderlichen Realität steigerte, die ihn zum Totschlag veranlasste.

Edgar und Stella kommen sich schnell näher und es kommt zu einer unmöglichen sexuellen Begegnung. Stella verfällt ganz dem Charme und der Anziehung von Edgar. Eine sexuelle Besessenheit ergreift beide.
Stella beginnt ein Doppelspiel, das ungeahnte Folgen zeitigt.

Neben den anderen Ärzten gibt es noch den Psychiater Peter, der in seiner Art wie ein guter Geist über den anderen schwebt und weitsichtig Dinge durchschaut, die andere nicht sehen. Er spricht in diesem Buch über die Geschichte, die sich ereignet hat und die, wie er sagt, zu den traurigsten gehört, die er je erlebt hat.

Die Bedeutung des Romans liegt in der sachkundigen Beschreibung der zwischenmenschlichen Emotionen und der krankhaften Wahnideen, die nach außen unter einem fast normalem Verhalten kaschiert bleiben.
Die psychiatrischen Analysen, die Gespräche zwischen den Ärzten und ihre eigenen Persönlichkeiten werden in allen Einzelheiten beobachtet und protokolliert. Jeder, auch der gut ausgebildete Psychiater, hat seine Schwachstellen. Wie er sie in sein Leben einbaut und zum Nutzen der Patienten anwendet, das wird einleuchtend erzählt.
Die Beobachtungen beruhen auf genauer Kenntnis der versteckten und verborgenen psychischen Merkmale, die im einzelnen Menschen schlummern.

So ist ein Psychothriller entstanden, der immer nahe an der Realität, auch an der von psychotischen und schizophrenen Patienten, entlang streift.
Man sieht gebannt, wie Wahnideen entstehen, und andere in den Sog solcher Pathologien hineingezogen werden. Die frustrierte Stella, hübsch, anziehend und erotisch ausgehungert, passt genau als Opfer zu dem kranken Täter Edgar.

Fesselnd, überzeugend und faszinierend erleben wir die Welt der geistig gestörten Persönlichkeiten und die Fähigkeiten von Peter, mit weisem Blick vorauszusehen, wie eine Leidenschaft sich zum Kriminalfall entwickelt. Auch der Psychiater Peter fällt zuletzt herein, weil er nach den Regeln der Psychoanalyse die Übertragung missachtet. Allen Warnungen zum Trotz läuft Stella in ihr Unglück!

Das Buch ist spannend, phantasievoll, intelligent und ernsthaft in seinem Sujet.

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Tausend strahlende Sonnen

Tausend strahlende Sonnen

Khaled Hosseini Tausend strahlende Sonnen

Bloomsbury ISBN 3827006716

Mariam wird mit 15 Jahren nach Kabul an einen 30 Jahre älteren Mann verheiratet.
Was für eine traumatische Erfahrung!

Sie ist ein starkes Mädchen. Nach der unehelichen Geburt musste sie mit ihrer Mutter auswärts in einer kleinen Hütte leben.
Den Vater, der sie häufig besuchte, liebte sie abgöttisch und glaubte an ihn.
Leider ist er ein schwacher Mann, der schon mit drei Frauen verheiratet und mit vielen Kindern gesegnet ist.
Als sich Mariams Mutter aus Einsamkeit und Verlassenheit das Leben nimmt, verheiratet er seine verwaiste uneheliche Tochter umgehend mit einem Schuhmacher aus Kabul.
Die Ehe bleibt ungewollt kinderlos.

Zur gleichen Zeit lebt in Kabul Laila, 9 Jahre alt und jüngstes Kind ihrer Eltern, die schon zwei ältere Söhne haben. Sie spielt und tollt auf geschwisterliche Weise mit dem Nachbarjungen Tarik, der ihr liebster Freund ist.
Sie wird von der Familie geliebt, verwöhnt, darf lernen und hängt in besonderer Weise an ihrem Vater, einem Lehrer.

1973 wird die Monarchie in Afghanistan gestürzt.

Kriegerische, verbrecherische und wechselnde Kriegsherren stürzen das Land in Chaos und die Menschen in Verzweiflung.

Die Wege der beiden Frauen Mariam und Laila kreuzen sich, nachdem der Krieg Laila aus der Bahn und aus allen Bezügen wirft. Ihre einzige Rettung ist eine Ehe mit Raschid, der sie heiß begehrt, inzwischen aber über 60 Jahre alt ist!
Sie wird seine Zweitfrau neben Mariam.

Die beiden Frauen sind sich zunächst spinnefeind. Erst als Mariam merkt, dass Laila aus Not gehandelt hat, gehen die beiden Frauen eine Alliance ein. Sie erleben die gräßlichsten Mißhandlungen durch einen Mann, der enthemmt seinem Zorn und seiner Grausamkeit frönt, wenn er nur den geringsten Anlass dafür sieht.

Nach einer Tochter bekommt Laila noch einen Sohn. Mit der Tochter Aziza hat es eine besondere Bewandtnis.

Wie in seinem Roman beschwört Khaled Hosseini die grausamen Zeiten der Kriege und die Untaten der Taliban herauf.
Indem er sie am Leben und Ergehen von personifiziert Handelnden darstellt, gewinnt die Schilderung an Aktualität und Authentizität.

Er beschreibt die Verfolgungen, die Ausgangssperre und das Verbot aller Vergnügungen im Lande, wie es von den Taliban verfügt wurde. Der Leser bekommt eine bizarre Vorstellung von einer ganz und gar anderen Welt als der aufgeklärten, in der wir uns befinden. Eine Starre aus Mord und Terror liegt über Afghanistan.
Die Zerstörungswut kennt keine Grenzen.

Für den Leser wird die ferne Realität des Talibanregimes im Roman zu einer anschaulichen Reise in die Vergangenheit eines geplagten und verwüsteten Landes, das bis heute zu keiner Normalität gefunden hat.
Die erstaunlichen Wendungen zum Guten und die unwahrscheinlichen Wiedersehenszenen gleichen einem modernen Märchen. Dass unter diesen Umständen sogar noch ein Happy Ende zustande kommt, ist der Fabulierkunst des Autors zu verdanken.

Dramatisch, spannend und faszinierend ist der Roman von Khaled Hosseini, der sein Land längst verlassen hat und in Kalifornien lebt.

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