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Autor: hera

Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder

Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder

Charlies Leben verläuft ganz normal. Eines Tages fällt ihm ein fremdes Foto in die Hände. Es zeigt einen Mann mit einem Baby auf dem Schoß. Charlie ist ganz gebannt, kann seinen Blick nicht losreißen. In seinem Ohr entstehen seltsame Geräusche. Plötzlich werden Stimmen deutlich und das Bild spricht. Nur Charlie kann es hören. Das ist der Beweis! Charlie hat die Gabe. Er hat Darkwood-Blut in den Adern.

Nachdem die finsteren Darkwood-Tanten Lucretia, Eustacia und Venetia sich von Charlies außergewöhnlichen Fähigkeiten überzeugt haben, beschließen sie, ihn gegen seinen Willen auf die Bloor-Akademie zu schicken. Hier werden hochbegabte Kinder unterrichtet. Doch Charlie will zu Hause bleiben und seinen Freund Benjamin nicht verlieren. Gegen den Willen der Tanten kommt er jedoch nicht an.
Bevor es los geht, bringt er das vertauschte Foto seiner Besitzerin zurück. Er will wissen, ob richtig ist, was er erfahren hat. Und wirklich, das Baby vom Foto, dass mittlerweile so alt sein müsste wie er selbst, ist auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Spuren führen zur Bloor-Akademie. Nun ist Charlie doch gespannt auf das Internat. Und tatsächlich gehen hinter den ehrenwerten Mauern seltsame Dinge vor. Charlie wird hineingezogen in ein sagenhaftes Abenteuer, das seinen ganzen Mut herausfordert.

Die Geschichte ist spannend. Die Handlung reißt sofort mit. Die vielen Abenteuer, die Charlie erlebt, sind in einer sehr bildhaften Sprache geschrieben. Dazu kommen die interessant gezeichneten Charaktere, wie beispielsweise die ausgesprochen skurrilen Tanten, die den Leser in Angst und Schrecken versetzen oder der herrlich schräge Onkel Paton, der für einige Überraschungen sorgt. Und natürlich spielt Magie eine große Rolle im Buch. Die Kinder der Bloor-Akademie sind mit den ungewöhnlichsten Fähigkeiten ausgestattet.
Schade, dass das Buch so viele Fragen unbeantwortet lässt. Einige Erzählstränge enden im Leeren. So bleibt nur das Warten auf eine Fortsetzung. „Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder“ ist der erste Band einer Trilogie.

Über die Autorin:
Das erste Kinderbuch von Jenny Nimmo erschien 1975. Ihre Bücher wurden mehrfach mit dem britischen „Smartie-Award“ für Kinderliteratur ausgezeichnet und teilweise fürs Fernsehen verfilmt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in einer alten Wassermühle in Wales.

Altersempfehlung: ab 10 Jahren

Rezension von Heike Rau

Jenny Nimmo
Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder
Aus dem Englischen von Cornelia Holfelder – von der Tann
360 Seiten, gebunden
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 3-473-34427-3

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Die Kunst der Bestimmung

Die Kunst der Bestimmung

London 1678. Simon Chrysander, Professor in Upsalla, hätte eigentlich Pfarrer werden sollen, genau wie sein Vater. Doch er geht nicht mehr zur Kirche, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt zu sortieren. Stets ist er, mit der Lupe in der Hand, auf der Suche nach dem Ursprung der Natur, nach ihren Gesetzen und ihrem Sinn. Er sammelt Dinge, bestimmt und benennt sie.

In einem Hurenhaus macht Chrysander die Bekanntschaft der hochgewachsenen, bildschönen Lucy, die ihn über alle Maßen fasziniert. Die hübsche Rothaarige entpuppt sich als Lucius Lawes, Earl of Fearnall, der in der Gunst des Königs steht. Dieser üble Streich hat Folgen. Bei beiden Männern geraten die Gefühle durcheinander.

So soll es bei dieser einen Begegnung nicht bleiben. Der ehrenwerte Earl of Fearnell platzt in eine Sitzung der Royal Society im Gresham College, zurecht gemacht wie für eine weitere Theaterinszenierung, als stände er auf einer Bühne. Es gelingt mit Mühe und Not, den Anstand zu wahren, trotz des erstaunlichen Angebotes, welches der Earl macht. Er benennt Simon Chrysander zum Kurator der naturkundlichen Sammlung der Royal Society, stellt ihm unbegrenzte Geldmittel zur Verfügung, damit er nach Herzenslust ordnen kann. Und er stellt klar, dass er sich um den Fortgang des Projektes kümmern wird. Geschickt hat der Earl es eingefädelt, dass der Professor sich ihm zukünftig nicht entziehen kann.

Simon Chrysander und Lucius Lawes ziehen sich an wie ein Magnet und stoßen sich doch ab. Die Autorin packt Liebe, Leidenschaft, Sehnsucht, Hass, Verbitterung, Abscheu, Unverständnis und Selbstzerstörung in ein Buch, lässt den Leser am Wechselbad der Gefühle von Simon und Lucius teilhaben. Und es ist bitterer Ernst, kein Spiel. Chrysander versteht die Welt nicht mehr, versteht nicht, dass Gefühle sich nicht klassifizieren lassen, sich nicht in eine Norm pressen lassen, unklar und undurchschaubar sind. Er gesteht sich seine Liebe auch nicht ein, versteht es einfach nicht, bis Lucius zu wirklich drastischen Mitteln greift. Auch wenn das Blatt sich wendet, kann Lucius sich Chrysanders Liebe nicht sicher sein. Es ist klar, das beide sich ins Verderben stürzen und diese Geschichte niemals gut ausgehen kann.
Die Autorin schreibt mit viel Gefühl, aber trotzdem unparteiisch, ohne Ironie und doch zweideutig, vermittelt durch Schreiben Sprachlosigkeit. So kann man das Buch auch nicht einfach zuklappen und weglegen. Die Geschichte lässt nicht los, muss überdacht, analysiert und geordnet werden, soweit es eben geht.

Über die Autorin:
Christine Wunnicke lebt in München. Sie studierte in Berlin und Glasgow Linguistik, Altgermanistik und Psychologie. 2002 erhielt sie den Bayerischen Staatsförderungspreis für Literatur.

Rezension von Heike Rau

Christine Wunnicke
Die Kunst der Bestimmung
302 Seiten, gebunden
Kindler Verlag Berlin
ISBN: 3-463-40450-8

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Rausch

Rausch

1857. Ein größeres Schiff als die „Great Eastern“ ist nie von Menschenhand gebaut worden. Viel Hoffnung wird auf das Schiff gesetzt. Doch bei der Schiffstaufe geschieht ein fataler Irrtum, das Schiff wird „Leviathan“ getauft. So ist ein Unglück fast schon vorherzusehen. Und das stellt sich dann beim Stapellauf auch ein. Das grandiose Vorhaben, ein Telegraphenkabel durch die Ozeane zu verlegen, Amerika mit Europa zu verbinden, ist vorerst gescheitert.

Das abenteuerliche Unternehmen wird jedoch nicht aufgegeben. Chester Ludlow, Kabelingenieur, will mit aller Macht seine Idee verwirklichen. Das ist auch eine Frage des Geldes. Mit einer Theatergruppe geht er auf Reisen, spielt ein beeindruckendes Stück, das die Verlegung des Atlantikkabels zum Inhalt hat. Der Plan geht auf, es kommt Geld herein und auch Investoren werden aufs neue überzeugt. Bald geht es wieder auf See, ein neuer Versuch wird gestartet, das Kabel zu entrollen. Doch es reißt immer wieder, liegt bald tot auf dem Grund.
Chester Ludlows Frau Franny ist zu Hause geblieben und trauert weiter um die verstorbene Tochter Betty. Sie ist ebenfalls bemüht, neue Kontakte zu knüpfen. Jedoch Kontakte ganz anderer Art. Sie versucht mit Ludlows Bruder Otis Bettys Geist im Jenseits aufzuspüren.
So reisen praktisch beide, Chester Ludlow und seine Frau Franny, in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

John Griesemer kann Geschichten erzählen, keine Frage. Der Autor sagte in einem Interview der ZDF-Sendung Aspekte: „Ich arbeite so, dass ich mir eine Szene beim Schreiben immer so vorstelle, als würde ich sie spielen müssen.“ Das macht sich bezahlt. Der Leser wird in die Geschichte hineingezogen und ist schon nach wenigen Seiten gefesselt. Besonders gelungen sind die Szenen auf dem Schiff inmitten eines wahnsinnigen Sturms. Der Leser beginnt fast zu schwanken, bekommt das Gefühl, sich beim Lesen festhalten zu müssen.
John Griesemer schafft es, das 19. Jahrhundert erlebbar zu machen. Er beschreibt mit allen fünf Sinnen. Hoffnung wechselt sich ab mit Resignation. Die Gefühle wogen wie die Wellen und das ist es wohl, was den Leser in einen Rausch versetzt. Technischer Fortschritt, historische Hintergrundinformationen, Kommunikation und Spiritismus, Liebe und Leidenschaft, Macht und Krieg, all das bekommt seinen Platz in diesem Buch. Kein Wunder, dass es so dick ist!

Über den Autor:
John Griesemer ist Jahrgang 1947. Er lebt mit seiner Familie in New Hampshire.
Als Schauspieler war John Giesemer in „Malcolm X“ und „Tage des Donners“ zu sehen.

Rezension von Heike Rau

John Griesemer
Rausch
Aus dem Amerikanischen von Ingo Herzke
690 Seiten, gebunden
marebuchverlag Hamburg
ISBN: 3-936384-86-X

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Das schwarze Kloster

Das schwarze Kloster

Elias ist Restaurator. Das Geschäft läuft nicht so gut. Da kommt ein Auftrag aus Kloster Siebenblut gerade recht. Elias soll ein mittelalterliches Bild aufarbeiten. Doch das Gemälde gibt Rätsel auf. Es scheint sich zu verändern und es nimmt ihm Energie. Hinzu kommt noch Abt Rochus, der einzige Ansprechpartner im Kloster. Er scheint bestens über Elias’ Vergangenheit Bescheid zu wissen und sucht ständig das Gespräch. Weitere unheimliche Vorkommnisse wecken Elias’ Neugier und er beginnt nachzuforschen.

Über das Schwarze Kloster werden geheimnisvolle Legenden erzählt. Sechs Mönche hatten sich an einem Mädchen aus dem mittelalterlichen Dorf vergangen und es getötet haben. Abt Rochus hat daraufhin die Mönche verflucht. Doch eines Tages soll er wieder auftauchen, um die Mönche von ihrer Schuld zu erlösen.

Der Autor erzählt eine leicht gruselige und unheimliche Geschichte. Die Lektüre des Buches ist aber gleichzeitig ein Ausflug in die Welt der Bibel. Elias und Abt Rochus setzen sich sehr offen und verständlich mit Glaubensfragen auseinander. Der junge Elias ist sympathisch, doch nimmt er oft merkwürdige Gegebenheiten hin, ohne sie zu hinterfragen. Er ist kein Draufgänger. Trotzdem versucht er auf eigene Faust hinter das Geheimnis des Klosters zu kommen und er gibt nicht auf.

Über den Autor: Jo Pestum ist Jahrgang 1936. Er unternahm lange Reisen und jobbte beispielsweise als Bauarbeiter und Barkeeper. Später arbeitete er als Karikaturist, Chefredakteur und Verlagslektor. Jo Pestum ist seit 1970 freier Schrifsteller und Filmautor. Er lebt im Münsterland.

Altersempfehlung: ab 13 Jahren

Rezension von Heike Rau
Jo Pestum
Das schwarze Kloster
288 Seiten, gebunden
Thienemann Verlag, Stuttgart / Wien
ISBN: 3-522-17598-0

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Findet Nemo

Findet Nemo

Der kleine Clownfisch Nemo kann nicht so gut schwimmen. Eine Flosse ist kleiner als bei anderen Fischen. Daher hat sein Vater Marlin auch immer Angst, dass Nemo etwas zustoßen könnte.
Und tatsächlich geschieht am ersten Schultag Nemos ein Unglück. Der kleine Fisch wird von einem Taucher gefangen und findet sich in einem Aquarium mit unsichtbaren Wänden und Plastikpflanzen wieder. Zusammen mit den anderen Bewohnern des Aquariums schmiedet er einen riskanten Fluchtplan. Die Sache ist schwieriger als gedacht. Doch auch Vater Marlin ist nicht untätig. Er hat sich auf die Suche nach Nemo gemacht, um ihm zur Hilfe zu kommen.

„Findet Nemo“ ist ein farbenfrohes und fantasievolles Kinderbuch. Es lädt ein, mit dem kleinen Clownfisch Nemo spannende Abenteuer in einer faszinierenden Unterwasserwelt zu erleben. Die Bilder sind sehr ansprechend und großformatig gezeichnet. Ein wahrer Hingucker. Die Geschichte dazu ist kindgerecht und sehr spannend. Der kleine Nemo gewinnt sicher schnell die Herzen der Kinder.

Rezension von Heike Rau

Disney PIXAR
Findet Nemo
96 Seiten, gebunden
Egmont vgs verlagsgesellschaft
ISBN: 3-8025-3312-7

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Der kleine Freund

Der kleine Freund

Harriet war noch ein Baby als ihr Bruder Robin auf mysteriöse Weise ermordet wurde. 12 Jahre später ist der Täter noch nicht gefasst. Es entsteht sogar der Eindruck, dass nie richtig nach ihm gesucht wurde. Die Familie schweigt und verdrängt. Harriets Mutter Charlotte hat sich nach Robins Tod sehr verändert. Die geschäftige, gescheite Frau ist melancholisch geworden, überlässt die Erziehung Harriets und ihrer Schwester Allison der Haushälterin Ida. Einen Freund findet Harriet in Hely, einem Nachbarsjungen, dem sie sich anvertrauen kann. Mit ihm gemeinsam will sie nach dem Mörder suchen und sich rächen. Doch ihre Phantasie nimmt überhand und bringt sie und ihren Freund in Gefahr.

Das vorliegende Buch ist aber kein herkömmlicher Krimi. Die Suche nach dem Mörder spielt wohl eher eine untergeordnete Rolle. Vielmehr wird über das Leben einer Großfamilie in den 70er Jahren erzählt, einer Familie, die in Alexandria, einer kleinen Stadt in den Südstaaten lebt und unter einem Schicksalsschlag zu leiden hat, über den sie nicht hinwegkommt.
Beschrieben wird auch die asoziale Familie des vermeintlichen Mörders: drogenabhängige Brüder, die von einer schwerkranken Großmutter mehr oder weniger versorgt werden.

768 Seiten dick ist das Buch und damit eine Herausforderung für den Leser. Doch schon auf den ersten Seiten wird klar, dass man einen guten Griff getan hat. Die Autorin erzählt sehr bildhaft und ausführlich mit Sinn für Details. Die Szenen sind so gut geschrieben, dass man den Eindruck gewinnt, das Geschehen mit eigenen Augen zu verfolgen. Es ist unglaublich, wie die Autorin Angstsituationen, aber auch ganz banale Dinge beschreibt. Teilweise gipfelt die Spannung in einen unerträglichen Bereich. Zudem wurde jeder einzelne Charakter mit Sorgfalt entwickelt. Harriets Familie ebenso wie die Familie des vermeintlichen Mörders.

Rezension von Heike Rau

Donna Tartt
Der kleine Freund
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
768 Seiten, gebunden
Wilhelm Goldmann Verlag, München
ISBN: 3-442-30668-X

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Graham Swift: Das helle Licht des Tages

Graham Swift: Das helle Licht des Tages

Sarah Nash hat sich zurechtgemacht. Auf dem Herd kocht das Abendessen, verströmt einen angenehmen Duft. Sie zündet eine Kerze an, wartet auf ihn, hört ihn schließlich kommen.
Ihr Ehemann und vielleicht auch sie selbst ahnen nichts von dem, was gleich passieren wird. Doch wenig später liegt das Küchenmesser rot von Bob Nashs Blut und grün von Petersiliespuren da, wo es hingehört auf dem Küchenbrett.

Hätte Privatdetektiv George Webb es wissen müssen? Hätte er es verhindern können? Er wusste wie es um das Ehepaar stand. Er kennt sich aus mit solchen Geschichten, es ist sein Job. Er wusste, das Bob Nash eine Affäre mit einer kroatischen Studentin hatte. Er wusste auch, dass vorbei war. Wie konnte alles nach Plan gehen und dann so aus dem Ruder laufen. Wie konnte sie zur Mörderin werden?

Aber da wo Sarah Nash jetzt ist, nämlich im Gefängnis, ist sie wenigsten sicher, außer vor George Webb, der sich in seine ehemalige Klientin verliebt hat. Er wird warten, sie muss warten.

„Das helle Licht des Tages“ ist eine Überraschung. Ganz langsam, fast langweilig und zu ausführlich zieht der Autor in die Geschichte, nervt mit den Gedankengängen des melancholischen Privatdetektivs George Webb, mit seinen Befindlichkeiten und Sorgen im Leben und im Job. Das Blatt wendet sich jedoch sehr schnell, plötzlich kann es gar nicht mehr ausführlich genug sein. Denn es ist faszinierend zu beobachten, wie minimale Entscheidungen ein Leben aus der Bahn werfen können, wann das Gute und wann das Schlechte im Menschen die Übermacht gewinnt, wie das Schicksal mitspielt. Der Mord selbst gerät dabei sogar in den Hintergrund. Das Drumherum interessiert. Dass es passiert ist. Eine Sekunde, in der Sarah Webb die Beherrschung verloren hat, in der sie ausgerastet ist, falsch entschieden hat und nun mit den Konsequenzen leben muss. Und George Webb hat es nicht aufgehalten, hat es nicht aufhalten können. Obwohl ihn doch so bestimmte Ahnungen gekommen sind. Aber hätte er es tatsächlich aufgehalten, wo stände er jetzt? Wäre er glücklich ohne Sarah Nash? Hätte sie seine Liebe erwidert, wenn ihr Mann nicht tot und sie nicht im Gefängnis wäre?
Fragen über Fragen lässt das Buch offen. Viel Stoff zum Nachdenken. Diese Buch stellt man nicht einfach zurück ins Bücherregal und fängt das nächste an.

Rezension von Heike Rau

Graham Swift
Das helle Licht des Tages
Aus dem Englischen von Barbara Rojahn-Deyk
328 Seiten gebunden
Carl Hanser Verlag München Wien
ISBN: 3-446-20358-3

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Die Romantiker

Die Romantiker

Louise Kirk ist neun Jahre alt, als ihre Mutter sich aus ihrem Leben stiehlt. Ohne ein Wort geht sie, hinterlässt nur einen Zettel am Kühlschrank. Wenig später lernt Louise Abel kennen. Abel ist ein Außenseiter, wenn auch auf ganz andere Weise als Louise. Zunächst verbindet beide nur eine Kinderfreundschaft. Doch bald wird Liebe daraus. Auch das Abel aus der Stadt wegzieht, ändert für Louise nichts daran. Sie sehen sich wieder nach einigen Jahren und es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben. Sie können sich nicht widerstehen. Wieder geht Abel, ohne zu wissen, dass Louise schwanger ist. Als sie zu Abel fährt, um es ihm zu erzählen, erwischt sie ihn mit einer anderen Frau. Auch ihrem Vater kann sie sich nicht anvertrauen. In ihrer schwierigen Lage erwägt sie eine Abtreibung. Spätestens hier wäre es für Lousie angeraten, einen Schlussstrich unter diese Beziehung zu setzen. Doch von Abel kommt sie nicht los. Ihr ganzes Leben ist erfüllt von Gedanken an ihn, er ist immer präsent. Sie kostet in ihrer Erinnerung die wenigen glücklichen Momente aus und zehrt von ihnen. Immer wieder wird sie Abel begegnen, doch für diese Liebe kann es keine Erfüllung geben.

„Die Romantiker“ ist die Geschichte einer hoffnungslosen Liebe, die tragisch endet. Erzählt wird aus unterschiedlichen Zeiträumen, aus der Kindheit von Abel und Louise bis hin zu den Ereignissen als beide erwachsen sind.
Die Geschichte ist wunderschön zu lesen, klingt romantisch, wehmütig und leise dramatisch. Die eine oder andere Träne wird wohl beim Lesen fließen. Man hofft und leidet mit Louise, versteht sie oft nicht, und wüscht sich doch ein schönes Ende. Dieser Wunsch bleibt unerfüllt, das erfährt man schon auf der ersten Seite. Aber gerade das wird den Leser neugierig machen zu erfahren, wie es zu dazu kommen konnte, warum es nicht aufzuhalten war.

Über die Autorin: Barbara Gowdy ist Jahrgang 1950. Sie lebt in Toronto. Sie studierte Theaterwissenschaft und Musik, arbeite als Lektorin für einen Literaturverlag und für verschiedene Zeitungen und das Fernsehen.

Rezension von Heike Rau

Barbara Gowdy
Die Romantiker
Aus dem kanadischen Englisch von Ulrike Becker
350 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann, München
ISBN: 3-88897-335-X

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Reginald Hill: Die dunkle Lady meint es ernst

Reginald Hill: Die dunkle Lady meint es ernst

Ausgerechnet Detective Superintendent Dalziel beobachtet aus seinem Küchenfenster im Haus gegenüber einen Mord. Und als er wenig später in besagtes Haus stürmt, bietet sich ihm folgender Anblick: Zwei Männer befinden sich im Zimmer, einer davon bewaffnet, und eine nackte Frau liegt schräg auf dem Bett, eindeutig tot. Einen Mörder gibt es jedoch nicht, angeblich ging der Revolver von alleine los. Doch das glaubt Dalziel nie und nimmer.

Am Anfang des Buches befindet sich eine Übersicht aller handelnden Personen. Und die ist auch sehr gerechtfertigt, denn es fällt zunächst äußert schwer, die Mitspieler einzuordnen und auseinander zu halten. Man benötigt viel Konzentration, um sich einzulesen. Das mag zudem an der Vielschichtigkeit des Krimis liegen, aber auch an den teilweise sehr langen Sätzen. Fürs Durchhalten wird man aber mit vielen spannenden Passagen belohnt.
Besonders gelungen ist die Figur von Superintendent Dalziel, der ein echter Kotzbrocken ist. Er tritt in jedes Fettnäpfchen, schafft es, Verdächtigen den Boden unter den Füßen wegzureißen. Er reitet auf jedem Satz herum, stellt alles in Frage, dabei verstrickt er sich selbst nicht selten. Das führt immer wieder zu komischen Situationen, die auch sein Assistent Chief Inspector Pascoe kaum zu retten vermag.
Die Handlung selbst biete jede Menge Überraschungen und verblüffende Wendungen. Bei einer Leiche bleibt es nicht. Seltsame Verstrickungen unter den Akteuren stehen auf der Tagesorderung. Ein wirklich kniffliger Fall.

Fazit: Zu empfehlen ist dieses Buch Lesern, die einen ausgefeilten, aufwändig konstruierten Krimi lesen möchten und bereit sind ein hohes Maß an Aufmerksamkeit aufzubringen.

Über den Autor:
Reginald Hill lebte viele Jahre in der englischen Grafschaft Yorkshire. Hier in der fiktiven Stadt Mid-Yorkshire spielen seine Kriminalromane um Detective Superintendent Dalziel und seinen Assistenten Chief Inspector Pascoe.

Rezension von Heike Rau

Reginald Hill
Die dunkle Lady meint es ernst
Aus dem Englischen von Xenia Osthelder
416 Seiten, gebunden
ISBN: 3-203-78012-7

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Robert Sonnleitner: Tagebuch eines werdenden Vaters

Robert Sonnleitner: Tagebuch eines werdenden Vaters

Wenn eine Frau ein Tagebuch über ihre Schwangerschaft schreibt, ist das völlig normal. Wenn es ein Mann tut, ist es doch eher ungewöhnlich und wenn dieses Tagebuch dann auch noch veröffentlicht wird, weckt es natürlich Neugier. Eine Schwangerschaft aus der Sicht des Mannes zu erleben, ist in diesem Fall äußert lustig und für „Betroffene“ sehr erbaulich.

Und so geht es, nachdem der erste freudige Schock überwunden ist, auch schon munter los. Auf der Tagesordnung stehen: befremdliche Frauenarztbesuche, unglaubliche Schwangerschaftsgelüste, kreative Namenssuche, seltsamer Aberglaube, kurzweilige Geburtsvorbereitungskurse, erbauliche Männergespräche, sagenhafte Katzenkloprobleme und viel mehr. Zwischenmenschliches wird mit einem Augenzwinkern gnadenlos ausgeleuchtet.

Für Pärchen, die am Anfang einer Schwangerschaft stehen, ist das Buch sehr zu empfehlen. Der Autor hat den einen oder anderen hilfreichen Tipp in Form von leicht ironisch klingenden, aber extrem wichtigen Merksätzen parat, dazu kommen regelmäßige Informationen zum Baby. Aber auch wenn die eigenen Kinder längst größer sind, macht es Spaß, mit diesem Buch mal wieder in Erinnerungen zu schwelgen oder zu vergleichen.

Rezension von Heike Rau

Robert Sonnleitner
Tagebuch eines werdenden Vaters
345 Seiten, broschiert
Wiesenburg Verlag Schweinfurt
ISBN: 3-932497-93-7

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