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Autor: hera

Wie erschieße ich meinen Mann?

Wie erschieße ich meinen Mann?

Plötzlich ist da dieser Fremde in ihrem Bett. Pixie nimmt die Pistole aus ihrem Nachtschrank, die schon jahrelang dort liegt, tritt ein paar Schritte zurück, schließt die Augen und schießt. Die Kinder kommen ins Zimmer gerannt und
plötzlich ist Pixie wieder im normalen Leben. Pixie erkennt, dass der Fremde kein Fremder ist, sondern ihr Ehemann. Alles passiert wirklich, es ist nicht irgendein Film. Trotzdem ist Pixie erleichtert, denn endlich ist in ihrer Welt alles so verkehrt, wie es sich immer angefühlt hat.

Nach dieser erschreckenden und vor allem überraschenden Tat muss Pixie in ein psychiatrisches Krankenhaus und Ezra zu seinem schwulen Vater. Während Pixie endlich ihre Vergangenheit aufarbeitet, ihr Leben rekonstruiert und Licht in das Dunkel der Irrungen, Verwirrungen und Irrtümer bringt, hat Ezra genug mit der Gegenwart zu tun. Ezra macht Angst, was mit seinem Leben geschieht. Ihm wird bewusst, dass er auf den Schuss gewartet hat. Er bekommt Wut auf seine Mutter. Mit ihrer Tat muss er sich auseinandersetzen und mit der Tatsache, dass ihm niemand gesagt hat, dass sein richtiger Vater schwul ist. Zumindest erklärt es einiges.

„Wie erschieße ich meinen Mann?“ ist kein Krimi, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern eine Familientragödie. Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Pixie und ihrem 16jährigen Sohn Ezra. Dem Leser wird ein langer Blick hinter die Fassade einer chaotischen Familie gewährt, mit all ihren Geheimnissen, verdrängten Erlebnissen und Peinlichkeiten. Die Geschichte ist ergreifend, aufwühlend und psychologisch ausgefeilt. Die Charaktere sind stimmig gezeichnet. Die Autorin beweist ein gutes Gespür für Stimmungen und vor allem Situationen, die aus der Ferne betrachtet oft komisch wirken, in dem Moment, als sie passieren aber alles andere als komisch sind.

Über die Autorin:
Julianne Baggott ist Jahrgang 1969. Sie studierte Literatur in North Carolina. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Newark, Delaware.

Julianna Baggott
Wie erschieße ich meinen Mann?
Aus dem amerikanischen Englisch von Miriam Mandelkow
300 Seiten, gebunden
Nagel & Kimche
ISBN: 3-312-00323-7

Rezension von Heike Rau
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Hexenkräuter – Der Almanach

Hexenkräuter – Der Almanach

Maria May vermittelt in ihrem Buch unentbehrliches Wissen über Kräuter, die man im alltäglichen Leben gegen vielerlei Beschwerden anwenden kann. Sie stellt bekannte Heilpflanzen wie Kamille, Johanniskraut, Gänseblümchen, aber auch weniger bekannte wie Habichtskraut, Wegrauke oder Barbarakraut vor. Die Autorin informiert sehr genau über die Kräuter, ihre Eigenschaften, die Anwendung und natürlich auch über mögliche Gefahren.

Die moderne Hexe macht sich heute wohl eher selten auf den Weg in die Natur, was z.B. auch in der Großstadt gar nicht möglich ist. Maria May erzählt, wo Pflanzen zu kaufen sind und wie man sie im Garten oder im Blumentopf heranzieht. Daneben gibt es Tipps, wie Pflanzen getrocknet und aufbewahrt werden.

Die einzelnen Heilkräuter anzuwenden, ist übrigens gar nicht so schwer. Maria May versetzt den Leser in die Lage, Mittel zur ersten Hilfe oder zur Vorbeugung leicht herzustellen. Kräuter sind gegen vielerlei Beschwerden gewachsen. Hilfreich ist beispielsweise ein Arnika-Umschlag bei Verstauchungen, eine Baldriantee zur Beruhigung oder Holundersaft bei Erkältungen.

Beeindruckend ist auch das Vorwort mit dem Hintergrundwissen über das Mittelalter und die Hexen als frühe Heilpraktikerinnen oder die ersten Kräuterbücher. Zudem schreibt die Autorin in einem sehr herzlichen und leicht verständlichem Stil. Und selbstverständlich gibt es zu jeder Pflanze auch eine kleine Zeichnung.

Rezension von Heike Rau

Maria May
Hexenkräuter – Der Almanach
140 Seiten, broschiert
Egmont vgs Verlagsgesellschaft, Köln
ISBN: 3-8025-3278-3

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Tod im Tempel

Tod im Tempel

Judith kann nicht verstehen, dass ihre eigentlich sehr selbstbewusste Freundin Sarah dem charismatischen Guru Vishnudasa in den Tempel der „Glückseligen“ gefolgt ist. Zumal dort erst kürzlich eine Frau unter sehr mysteriösen Umständen Selbstmord begangen haben soll. Judith hält die Ungewissheit nicht aus. Sie sucht Hilfe und wendet sich an eine Beratungsstelle. Dabei lernt sie Roman kennen, der sich in den Tempel einschleusen lässt, um Licht in diese dunkle Angelegenheit zu bringen. Doch der Guru hat viel zu viel Macht und lässt sich nicht so leicht in die Karten sehen. Roman ist bald selbst im Tempel gefangen.

Hugo Stamm hat bereits sechs Sachbücher zum Thema Sekten veröffentlicht. Mit dem Buch „Tod im Tempel“ will er Menschen erreichen, für die anspruchsvolle Sachbücher zu anstrengend sind. So verpackt er seine Aufklärungsarbeit in einen Krimi, packt die Beweggründe der Sektenmitglieder mit ihrer Sehnsucht nach dem Spirituellen, die scheinbar zum Zusehen verdammten Angehörigen und den schwierigen Kampf der Beratungsstellen in ein Buch. Er enttarnt die wirklichen Beweggründe der Sektengurus und ihr Machtgefüge, vermittelt dem Leser seine Erfahrungen und Warnungen.
Stilistisch hat das Buch sicher einige Mängel. Aber Hugo Stamm hat, so der Verlag, nicht den Anspruch, ein schriftstellerisches Meisterstück zu liefern. Dennoch ist das Buch beeindruckend, lässt es den Leser doch einmal hinter die Fassade von radikalen Sekten schauen und beantwortet viele Fragen. Beleuchtet wird die Weltanschauung, die in diesen Sekten vermittelt wird, was Menschen dorthin treibt und warum Angehörige so wenig tun können. Und natürlich wird auch der wichtigen Arbeit der Beratungsstelen große Beachtung geschenkt.
Trotzdem macht sich schon nach einigen Seiten das Gefühl breit, und so lehrt es uns wohl auch die Erfahrung, dass diese Geschichte kaum gut ausgehen kann. Und so gibt es am Ende des Buches eine unfassbare Überraschung.

Über den Autor:
Hugo Stamm ist Jahrgang 1949. Er studierte Philosophie an der Universität Zürich. 1975 begann er als Redakteur beim Tagesanzeiger.

Rezension von Heike Rau

Hugo Stamm
Tod im Tempel
352 Seiten, gebunden
Pendo Verlag Zürich
ISBN: 3-85842-566-4

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Eulenmond

Eulenmond

Josie ist allein im Tal. Ihr Vater und ihre Brüder sind auf die Jagd gegangen. Sie bereitet das Abendessen vor und wartet. Vergeblich. Auch am nächsten Morgen ist sie noch allein. Eine Suche bleibt ohne Erfolg. Josie weiß, was ihr bevorsteht. Sie wird den Winter zusammen mit ihrem Hund allein im Tal verbringen müssen. Die Lage ist fast hoffnungslos. Doch Josie beschließt nicht aufzugeben. Sie hat Vorräte, Waffen und Werkzeuge. Außerdem ist sie in der Lage sich einen Unterschlupf zu bauen.

Bald ist Josie in ihrer selbsterrichteten Hütte eingeschneit. Die Zeit vergeht nur langsam. Zum Glück hat sie den Hund. Ihm kann sie ihre Erinnerungen erzählen und von dem beschwerlichen Weg mit dem Planwagen durchs Indianerland.
Und so allein wie vermutet ist sie auch nicht. Indianaer haben in der Nähe ihr Winterlager. Auch sie kämpfen ums Überleben.

Hilde Kähler-Timm verdankt die Idee zu dieser Geschichte einer Episode aus William Fowlers Buch „Woman on the American Frontier“, erschienen 1879. Es geht um ein Mädchen, das ganz allein in der Wildnis der Rocky Mountains überwintern musste. Viel ist allerdings nicht zu erfahren, schon gar keine Einzelheiten. Die Autorin hat die Lücken gefüllt und so ist ein ausgesprochen spannendes und ergreifendes Buch entstanden. Selbst, als es fast keine Handlung gibt, als Josie praktisch Winterschlaf hält, hängt die Geschichte keine Sekunde durch. Josies Mut, ihr Durchhaltevermögen, ihr Glaube, ihre Führsorge für den kleinen Hund ist bewundernswert. Sie schafft es, ihre Angst auszuhalten, sich am Leben zu erhalten unter wirklich kaum auszuhaltenden Umständen.
Zudem wird dem Leser ein Stück Geschichte näher gebracht. Tausende Siedlerfamilien reisten im Laufe des 19. Jahrhunderts mit ihren Planwagen auf dem berühmten Oregon-Trail westwärts durch das Indianerland, um unerschlossenes Land zu besiedeln. Die Autorin beschreibt in einem Nachwort die Hintergründe.

Über die Autorin:
Hilde Kähler-Timm ist Jahrgang 1947. Nach einer Ausbildung zur Diplom-Bibliothekarin studierte sie Germanistik und Kunstgeschichte. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Bad Schwartau bei Lübeck.

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Rezension von Heike Rau

Hilde Kähler-Timm
Eulenmond
288 Seiten, gebunden
Thienemann Verlag, Stuttgart / Wien
ISBN: 3-522-17615-4

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Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder

Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder

Charlies Leben verläuft ganz normal. Eines Tages fällt ihm ein fremdes Foto in die Hände. Es zeigt einen Mann mit einem Baby auf dem Schoß. Charlie ist ganz gebannt, kann seinen Blick nicht losreißen. In seinem Ohr entstehen seltsame Geräusche. Plötzlich werden Stimmen deutlich und das Bild spricht. Nur Charlie kann es hören. Das ist der Beweis! Charlie hat die Gabe. Er hat Darkwood-Blut in den Adern.

Nachdem die finsteren Darkwood-Tanten Lucretia, Eustacia und Venetia sich von Charlies außergewöhnlichen Fähigkeiten überzeugt haben, beschließen sie, ihn gegen seinen Willen auf die Bloor-Akademie zu schicken. Hier werden hochbegabte Kinder unterrichtet. Doch Charlie will zu Hause bleiben und seinen Freund Benjamin nicht verlieren. Gegen den Willen der Tanten kommt er jedoch nicht an.
Bevor es los geht, bringt er das vertauschte Foto seiner Besitzerin zurück. Er will wissen, ob richtig ist, was er erfahren hat. Und wirklich, das Baby vom Foto, dass mittlerweile so alt sein müsste wie er selbst, ist auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Spuren führen zur Bloor-Akademie. Nun ist Charlie doch gespannt auf das Internat. Und tatsächlich gehen hinter den ehrenwerten Mauern seltsame Dinge vor. Charlie wird hineingezogen in ein sagenhaftes Abenteuer, das seinen ganzen Mut herausfordert.

Die Geschichte ist spannend. Die Handlung reißt sofort mit. Die vielen Abenteuer, die Charlie erlebt, sind in einer sehr bildhaften Sprache geschrieben. Dazu kommen die interessant gezeichneten Charaktere, wie beispielsweise die ausgesprochen skurrilen Tanten, die den Leser in Angst und Schrecken versetzen oder der herrlich schräge Onkel Paton, der für einige Überraschungen sorgt. Und natürlich spielt Magie eine große Rolle im Buch. Die Kinder der Bloor-Akademie sind mit den ungewöhnlichsten Fähigkeiten ausgestattet.
Schade, dass das Buch so viele Fragen unbeantwortet lässt. Einige Erzählstränge enden im Leeren. So bleibt nur das Warten auf eine Fortsetzung. „Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder“ ist der erste Band einer Trilogie.

Über die Autorin:
Das erste Kinderbuch von Jenny Nimmo erschien 1975. Ihre Bücher wurden mehrfach mit dem britischen „Smartie-Award“ für Kinderliteratur ausgezeichnet und teilweise fürs Fernsehen verfilmt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in einer alten Wassermühle in Wales.

Altersempfehlung: ab 10 Jahren

Rezension von Heike Rau

Jenny Nimmo
Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder
Aus dem Englischen von Cornelia Holfelder – von der Tann
360 Seiten, gebunden
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 3-473-34427-3

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Die Kunst der Bestimmung

Die Kunst der Bestimmung

London 1678. Simon Chrysander, Professor in Upsalla, hätte eigentlich Pfarrer werden sollen, genau wie sein Vater. Doch er geht nicht mehr zur Kirche, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt zu sortieren. Stets ist er, mit der Lupe in der Hand, auf der Suche nach dem Ursprung der Natur, nach ihren Gesetzen und ihrem Sinn. Er sammelt Dinge, bestimmt und benennt sie.

In einem Hurenhaus macht Chrysander die Bekanntschaft der hochgewachsenen, bildschönen Lucy, die ihn über alle Maßen fasziniert. Die hübsche Rothaarige entpuppt sich als Lucius Lawes, Earl of Fearnall, der in der Gunst des Königs steht. Dieser üble Streich hat Folgen. Bei beiden Männern geraten die Gefühle durcheinander.

So soll es bei dieser einen Begegnung nicht bleiben. Der ehrenwerte Earl of Fearnell platzt in eine Sitzung der Royal Society im Gresham College, zurecht gemacht wie für eine weitere Theaterinszenierung, als stände er auf einer Bühne. Es gelingt mit Mühe und Not, den Anstand zu wahren, trotz des erstaunlichen Angebotes, welches der Earl macht. Er benennt Simon Chrysander zum Kurator der naturkundlichen Sammlung der Royal Society, stellt ihm unbegrenzte Geldmittel zur Verfügung, damit er nach Herzenslust ordnen kann. Und er stellt klar, dass er sich um den Fortgang des Projektes kümmern wird. Geschickt hat der Earl es eingefädelt, dass der Professor sich ihm zukünftig nicht entziehen kann.

Simon Chrysander und Lucius Lawes ziehen sich an wie ein Magnet und stoßen sich doch ab. Die Autorin packt Liebe, Leidenschaft, Sehnsucht, Hass, Verbitterung, Abscheu, Unverständnis und Selbstzerstörung in ein Buch, lässt den Leser am Wechselbad der Gefühle von Simon und Lucius teilhaben. Und es ist bitterer Ernst, kein Spiel. Chrysander versteht die Welt nicht mehr, versteht nicht, dass Gefühle sich nicht klassifizieren lassen, sich nicht in eine Norm pressen lassen, unklar und undurchschaubar sind. Er gesteht sich seine Liebe auch nicht ein, versteht es einfach nicht, bis Lucius zu wirklich drastischen Mitteln greift. Auch wenn das Blatt sich wendet, kann Lucius sich Chrysanders Liebe nicht sicher sein. Es ist klar, das beide sich ins Verderben stürzen und diese Geschichte niemals gut ausgehen kann.
Die Autorin schreibt mit viel Gefühl, aber trotzdem unparteiisch, ohne Ironie und doch zweideutig, vermittelt durch Schreiben Sprachlosigkeit. So kann man das Buch auch nicht einfach zuklappen und weglegen. Die Geschichte lässt nicht los, muss überdacht, analysiert und geordnet werden, soweit es eben geht.

Über die Autorin:
Christine Wunnicke lebt in München. Sie studierte in Berlin und Glasgow Linguistik, Altgermanistik und Psychologie. 2002 erhielt sie den Bayerischen Staatsförderungspreis für Literatur.

Rezension von Heike Rau

Christine Wunnicke
Die Kunst der Bestimmung
302 Seiten, gebunden
Kindler Verlag Berlin
ISBN: 3-463-40450-8

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Rausch

Rausch

1857. Ein größeres Schiff als die „Great Eastern“ ist nie von Menschenhand gebaut worden. Viel Hoffnung wird auf das Schiff gesetzt. Doch bei der Schiffstaufe geschieht ein fataler Irrtum, das Schiff wird „Leviathan“ getauft. So ist ein Unglück fast schon vorherzusehen. Und das stellt sich dann beim Stapellauf auch ein. Das grandiose Vorhaben, ein Telegraphenkabel durch die Ozeane zu verlegen, Amerika mit Europa zu verbinden, ist vorerst gescheitert.

Das abenteuerliche Unternehmen wird jedoch nicht aufgegeben. Chester Ludlow, Kabelingenieur, will mit aller Macht seine Idee verwirklichen. Das ist auch eine Frage des Geldes. Mit einer Theatergruppe geht er auf Reisen, spielt ein beeindruckendes Stück, das die Verlegung des Atlantikkabels zum Inhalt hat. Der Plan geht auf, es kommt Geld herein und auch Investoren werden aufs neue überzeugt. Bald geht es wieder auf See, ein neuer Versuch wird gestartet, das Kabel zu entrollen. Doch es reißt immer wieder, liegt bald tot auf dem Grund.
Chester Ludlows Frau Franny ist zu Hause geblieben und trauert weiter um die verstorbene Tochter Betty. Sie ist ebenfalls bemüht, neue Kontakte zu knüpfen. Jedoch Kontakte ganz anderer Art. Sie versucht mit Ludlows Bruder Otis Bettys Geist im Jenseits aufzuspüren.
So reisen praktisch beide, Chester Ludlow und seine Frau Franny, in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

John Griesemer kann Geschichten erzählen, keine Frage. Der Autor sagte in einem Interview der ZDF-Sendung Aspekte: „Ich arbeite so, dass ich mir eine Szene beim Schreiben immer so vorstelle, als würde ich sie spielen müssen.“ Das macht sich bezahlt. Der Leser wird in die Geschichte hineingezogen und ist schon nach wenigen Seiten gefesselt. Besonders gelungen sind die Szenen auf dem Schiff inmitten eines wahnsinnigen Sturms. Der Leser beginnt fast zu schwanken, bekommt das Gefühl, sich beim Lesen festhalten zu müssen.
John Griesemer schafft es, das 19. Jahrhundert erlebbar zu machen. Er beschreibt mit allen fünf Sinnen. Hoffnung wechselt sich ab mit Resignation. Die Gefühle wogen wie die Wellen und das ist es wohl, was den Leser in einen Rausch versetzt. Technischer Fortschritt, historische Hintergrundinformationen, Kommunikation und Spiritismus, Liebe und Leidenschaft, Macht und Krieg, all das bekommt seinen Platz in diesem Buch. Kein Wunder, dass es so dick ist!

Über den Autor:
John Griesemer ist Jahrgang 1947. Er lebt mit seiner Familie in New Hampshire.
Als Schauspieler war John Giesemer in „Malcolm X“ und „Tage des Donners“ zu sehen.

Rezension von Heike Rau

John Griesemer
Rausch
Aus dem Amerikanischen von Ingo Herzke
690 Seiten, gebunden
marebuchverlag Hamburg
ISBN: 3-936384-86-X

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Das schwarze Kloster

Das schwarze Kloster

Elias ist Restaurator. Das Geschäft läuft nicht so gut. Da kommt ein Auftrag aus Kloster Siebenblut gerade recht. Elias soll ein mittelalterliches Bild aufarbeiten. Doch das Gemälde gibt Rätsel auf. Es scheint sich zu verändern und es nimmt ihm Energie. Hinzu kommt noch Abt Rochus, der einzige Ansprechpartner im Kloster. Er scheint bestens über Elias’ Vergangenheit Bescheid zu wissen und sucht ständig das Gespräch. Weitere unheimliche Vorkommnisse wecken Elias’ Neugier und er beginnt nachzuforschen.

Über das Schwarze Kloster werden geheimnisvolle Legenden erzählt. Sechs Mönche hatten sich an einem Mädchen aus dem mittelalterlichen Dorf vergangen und es getötet haben. Abt Rochus hat daraufhin die Mönche verflucht. Doch eines Tages soll er wieder auftauchen, um die Mönche von ihrer Schuld zu erlösen.

Der Autor erzählt eine leicht gruselige und unheimliche Geschichte. Die Lektüre des Buches ist aber gleichzeitig ein Ausflug in die Welt der Bibel. Elias und Abt Rochus setzen sich sehr offen und verständlich mit Glaubensfragen auseinander. Der junge Elias ist sympathisch, doch nimmt er oft merkwürdige Gegebenheiten hin, ohne sie zu hinterfragen. Er ist kein Draufgänger. Trotzdem versucht er auf eigene Faust hinter das Geheimnis des Klosters zu kommen und er gibt nicht auf.

Über den Autor: Jo Pestum ist Jahrgang 1936. Er unternahm lange Reisen und jobbte beispielsweise als Bauarbeiter und Barkeeper. Später arbeitete er als Karikaturist, Chefredakteur und Verlagslektor. Jo Pestum ist seit 1970 freier Schrifsteller und Filmautor. Er lebt im Münsterland.

Altersempfehlung: ab 13 Jahren

Rezension von Heike Rau
Jo Pestum
Das schwarze Kloster
288 Seiten, gebunden
Thienemann Verlag, Stuttgart / Wien
ISBN: 3-522-17598-0

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Findet Nemo

Findet Nemo

Der kleine Clownfisch Nemo kann nicht so gut schwimmen. Eine Flosse ist kleiner als bei anderen Fischen. Daher hat sein Vater Marlin auch immer Angst, dass Nemo etwas zustoßen könnte.
Und tatsächlich geschieht am ersten Schultag Nemos ein Unglück. Der kleine Fisch wird von einem Taucher gefangen und findet sich in einem Aquarium mit unsichtbaren Wänden und Plastikpflanzen wieder. Zusammen mit den anderen Bewohnern des Aquariums schmiedet er einen riskanten Fluchtplan. Die Sache ist schwieriger als gedacht. Doch auch Vater Marlin ist nicht untätig. Er hat sich auf die Suche nach Nemo gemacht, um ihm zur Hilfe zu kommen.

„Findet Nemo“ ist ein farbenfrohes und fantasievolles Kinderbuch. Es lädt ein, mit dem kleinen Clownfisch Nemo spannende Abenteuer in einer faszinierenden Unterwasserwelt zu erleben. Die Bilder sind sehr ansprechend und großformatig gezeichnet. Ein wahrer Hingucker. Die Geschichte dazu ist kindgerecht und sehr spannend. Der kleine Nemo gewinnt sicher schnell die Herzen der Kinder.

Rezension von Heike Rau

Disney PIXAR
Findet Nemo
96 Seiten, gebunden
Egmont vgs verlagsgesellschaft
ISBN: 3-8025-3312-7

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Der kleine Freund

Der kleine Freund

Harriet war noch ein Baby als ihr Bruder Robin auf mysteriöse Weise ermordet wurde. 12 Jahre später ist der Täter noch nicht gefasst. Es entsteht sogar der Eindruck, dass nie richtig nach ihm gesucht wurde. Die Familie schweigt und verdrängt. Harriets Mutter Charlotte hat sich nach Robins Tod sehr verändert. Die geschäftige, gescheite Frau ist melancholisch geworden, überlässt die Erziehung Harriets und ihrer Schwester Allison der Haushälterin Ida. Einen Freund findet Harriet in Hely, einem Nachbarsjungen, dem sie sich anvertrauen kann. Mit ihm gemeinsam will sie nach dem Mörder suchen und sich rächen. Doch ihre Phantasie nimmt überhand und bringt sie und ihren Freund in Gefahr.

Das vorliegende Buch ist aber kein herkömmlicher Krimi. Die Suche nach dem Mörder spielt wohl eher eine untergeordnete Rolle. Vielmehr wird über das Leben einer Großfamilie in den 70er Jahren erzählt, einer Familie, die in Alexandria, einer kleinen Stadt in den Südstaaten lebt und unter einem Schicksalsschlag zu leiden hat, über den sie nicht hinwegkommt.
Beschrieben wird auch die asoziale Familie des vermeintlichen Mörders: drogenabhängige Brüder, die von einer schwerkranken Großmutter mehr oder weniger versorgt werden.

768 Seiten dick ist das Buch und damit eine Herausforderung für den Leser. Doch schon auf den ersten Seiten wird klar, dass man einen guten Griff getan hat. Die Autorin erzählt sehr bildhaft und ausführlich mit Sinn für Details. Die Szenen sind so gut geschrieben, dass man den Eindruck gewinnt, das Geschehen mit eigenen Augen zu verfolgen. Es ist unglaublich, wie die Autorin Angstsituationen, aber auch ganz banale Dinge beschreibt. Teilweise gipfelt die Spannung in einen unerträglichen Bereich. Zudem wurde jeder einzelne Charakter mit Sorgfalt entwickelt. Harriets Familie ebenso wie die Familie des vermeintlichen Mörders.

Rezension von Heike Rau

Donna Tartt
Der kleine Freund
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
768 Seiten, gebunden
Wilhelm Goldmann Verlag, München
ISBN: 3-442-30668-X

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