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Kategorie: Biografie

Mario Frank: Gauck – Eine Biographie

Mario Frank: Gauck – Eine Biographie

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Ein Staatsoberhaupt auf allen seinen Wegen…

Wer ist dieser gefeierte und charismatische Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland?

Zuerst einmal ist da ein kleiner Junge, der, 1940 geboren, die brutalen Folgen des barbarischen Zweiten Weltkriegs aushalten und mittragen musste.
Wustrow an der Ostsee ist der heimatlich geliebte Ort seiner Kindheit. Wer diese Gegend kennt oder gar einige Kindheitsjahre selber dort verbracht hat, wird sich lebhaft vorstellen können, wie glücklich man im Fischland aufwachsen konnte. Hierhin gehen seine Sehnsüchte und Reisen immer wieder zurück.

Doch das Glück hatte Grenzen: Der Vater wurde 1946 nach dem Ende des Krieges von den russischen Besatzungstruppen nach Sibirien verschleppt und kehrte erst 1955 aus dem russischen Arbeitslager zurück.
Die Abneigung gegen das DDR System, von der Mutter vorgelebt, bestimmte fortan das Handeln in der Familie. Zur Theologie kam Gauck gegen innere Widerstände. Anders war mit seiner Geisteshaltung gegenüber dem Regime ein Studium nicht möglich.

Schon früh Vater geworden und nach wiederholten Anläufen zum Examen bis zum endlichen Gelingen hat er sich schließlich intensiv der Betreuung seiner Gemeindemitglieder, Aufgaben für anstehende Kirchentage und vor allem der Jugendlichen angenommen.

Der ausführliche Bericht von Mario Frank erlaubt den Blick auf einen Menschen, der nicht ohne Fehl und Tadel war. Seinen Kindern und der Familie war er ein eher abwesender Vater und Ehemann, so dass auch seine Frau zahlreichen Zumutungen ausgesetzt war. Der Arbeitsalltag, gekoppelt an eine stete Unruhe und unbezähmbarem Tatendrang, halfen ihm, die Jahre in der DDR zu überstehen. Dass die Grenzen einst fallen könnten, war lange Zeit undenkbar. Unter Schmerzen und im Konflikt beantragten seine ältesten Söhne die Ausreise aus der DDR. Deren Wünschen nach einem besseren Leben hatte sich der Vater verschlossen. Da zeigt unser Staatsoberhaupt eine Härte, die nur schwer verständlich bleibt, die aber auch die Ehrlichkeit zeigt, mit der hier berichtet wird.

Breiten Raum nimmt in der Biographie die politische Entwicklung mit den Stasibedrohungen und deren Gefahren ein.

Gauck war und ist ein begnadeter Redner, der das Volk bei der friedlichen Revolution von 1989 zu mobilisieren verstand. Er blieb nach Aussagen des Biographen der unabhängige Geist, der sich keiner Ideologie unterordnen wollte. Er war es, der frühzeitig die Wiedervereinigung im Blick behielt und nicht etwa einer neuen Volksrepublik nach sozialistischem Muster das Wort redete. Auf allen seinen Wegen bestand er den Balanceakt, nicht als Abtrünniger des Regimes verhaftet und ausgeschaltet zu werden.

Für den Leser sind diese Passagen ein Lehrstück in deutscher Geschichte. Hier werden noch einmal die ereignisreichen und spannenden Zusammenhänge des Zusammenbruchs der ehemaligen DDR beileuchtet.

In Gesprächen mit zahlreichen Zeitzeugen gelingt Mario Frank ein lebendiges und lebensnahes Bild dieses Präsidenten. Begeisterungsfähig und mitreißend versteht er seine Zuhörer und Besucher in Bann zu schlagen und die vielfachen Fallstricke, die einem politischen Redner unterlaufen könnten, kann er geschickt umgehen.

Zuletzt wird Gauck Präsident der Bundesrepublik Deutschland. Eine ehrenvolle und anstrengende Aufgabe.

Mario Frank
Gauck – Eine Biographie
414 Seiten, gebunden
Suhrkamp Verlag, Oktober 2013
ISBN-10: 3518424114
ISBN-13: 978-3518424117
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Torsten Körner: Die Familie Brandt

Torsten Körner: Die Familie Brandt

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Psychogramm einer eindrucksvollen Familie.

Mit ungewöhnlichem Feingefühl hat sich der Autor Torsten Körner in seiner Biographie über die Familie Brandt den einzelnen Persönlichkeiten angenähert. Viele wissen noch, welche Rolle Willy Brandt(1913-1992) als Oberbürgermeister von Berlin (1957-66) und als vierter Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland (1969-1974) spielte. Sein Rücktritt der Guillaumeaffäre wegen ist Legende.

Torsten Körner hat unendlich viele Quellen benutzt, hat ebenso viele Interviews mit Weggefährten, Freunden, Genossen und insbesondere mit den Söhnen Willy Brandts geführt und hat sich damit aus verschiedenen Sichtweisen ein Bild gemacht vom Charisma des begabten und eindrucksvollen Politikers Willy Brandt. Vom Exil in Norwegen bis zu seiner politischen Karriere in der Bundesrepublik Deutschland reicht der Bogen der Historie. Wir erleben einen Mann, der Suchender, Zweifler und Visionär in Einem war. Brandts erste und seine zweite Frau waren ebenso außergewöhnliche Persönlichkeiten wie er selbst. Sie werden als charakterstark, liebevoll und großzügig beschrieben. Rut ist die uns bekannteste seiner Frauen, mit der er drei Söhne hat.

Rut Brandt ist wohl den längsten Weg mit ihm gegangen. Sie wird uns gezeigt als fröhliche, ausgleichende und fürsorgliche Frau und Mutter, ohne den Gedanken der Emanzipation zu vernachlässigen. Sie gewann auf internationalem Parkett Anerkennung, denn sie konnte das Bild der deutschen „Mutti“ mit ihren Auftritten revidieren.

Herkömmlich galt Willy Brandt als fremdelnden und abgehobenen Politiker. Aus Briefen, Zeugenaussagen und dem Werdegang seiner Söhne lässt sich dagegen schließen, dass er bei aller Gefühlsenthaltsamkeit ein fürsorglicher, liebevoller und vor allem toleranter Vater gewesen ist. Torsten Körner hat ein Psychogramm dieser Familie entwickelt, das an keiner Stelle Fragen offen lässt. Behutsam und sensibel nähert er sich einer jeden Person, die etwas über die Familie sagen kann. Auch Schattenseiten werden nicht ausgespart. Brandt war ein zuweilen an Selbstzweifeln und Depressionen leidender Mann. Der Autor hebt hervor, wie authentisch Willy Brandt wirkte, weil er sich seinen Zweifeln und den Niederlagen stellte. Ein zutiefst menschliches Bild ist unter der Feder von Torsten Körner über die Familie Brandt entstanden. Die einzelnen Mitglieder der Familie waren autonom und unabhängig; sie waren jedoch nicht unangefochten, wie sie durch die Sturmfluten des politischen Geschehens steuerten. Sehr beeindruckend bleibt für mich, dass bei aller Individualität und Stärke der einzelnen Personen ein fester Familienzusammenhalt über die Jahre bestehen blieb.

Nebenbei bietet die Recherche noch einmal Einblicke in die politische Landschaft der Nachkriegszeit mit den unsagbaren Krisen um die Stadt West-Berlin, die durch den Ost- West-Konflikt im Fokus politischer Auseinandersetzungen stand.

Alles in allem ist die Biographie höchst lesenswert!

Torsten Körner
Die Familie Brandt
512 Seiten, gebunden
FISCHER, August 2013
ISBN-10: 3100404076
ISBN-13: 978-3100404077
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Paul Auster: Winterjournal

Paul Auster: Winterjournal

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Selbstbiographie mit Tiefgang.

In diesem Herbst gilt es erneut einen wunderbaren amerikanischen Schriftsteller zu entdecken.

War ich bisher an seinen Werken gescheitert, so eröffnet dieses Buch der Erinnerungen eine Weite und einen Blick auf sich selbst und die Welt, wie man sie selten findet!

Blendend und einfühlsam hält der Dichter in seiner Autobiographie mit seinem imaginierten Selbst als Gegenüber Zwiesprache. Die Kindheit, das körperliche Wachsen, Gefühle und Ängste, Krankheiten, Unfälle und die große Liebe nach einigen voran gegangenen – sie alle machen den Reiz dieses Werkes aus. Die Perspektiven wechseln. Einmal erzählt der kleine Junge von seinen Kindheitserlebnissen, dann wieder ist der erwachsene und sogar alternde Mann das Gegenüber. Panik und Todesangst, Elternliebe und Verluste: Paul Auster hat eine Biographie verfasst, die seine sehr persönlichen Erfahrungswerte spiegeln.

Und immer siegt im Hintergrund stellvertretend für sein Alter von 66 Jahren der Winter mit einen Reizen und Irritationen! Sommerbilder sind eher die Ausnahme.

Selbstkritisch und schuldbewusst zählt er auf, wo er versagt hat. Die Liebe und körperliche Erfahrungen als Kind, Jugendlicher und erwachsener Mann prägen den Bericht ebenso, wie die liebevolle und zaghaft angedeutete Bewunderung für seine schöne Frau Siri Hustvedt. Mit den Innenansichten eines wachsenden Jungen und Mannes bestreitet der Autor den Inhalt seiner Biographie. Die seltene Offenheit, mit der uns Paul Auster an seinem Werden und Gedeihen während der letzten fünfzig Jahre seines Lebens teilnehmen lässt, ist bewundernswert. Seine Aufzeichnungen sind ehrlich aber nie indiskret, sie  sind poetisch und philosophisch und zeugen von einem sensiblen und einsichtigen Charakter, der aus seinen Fehlern Konsequenzen zog. So ist er nach einem schweren Autounfall nie wieder Auto gefahren.

Aus seinem Bericht kann man auch erfahren, dass er ein liebender und liebevoller Mann und Vater ist. Anrührend, zuweilen elegisch und von sicherer Distanz zu sich selbst berichtet Paul Auster über sein vergangenes Leben in Erwartung auf das Alter, das ihn nicht unberührt lässt.

Wer den Film über Siri Hustvedt gesehen hat, der vor einiger Jahren bei Arte gezeigt wurde, der weiß, dass dieses schöne Paar mit dem gemeinsamen Schriftstellerberuf bei einander Erfüllung gefunden hat!

Paul Auster
Winterjournal
256 Seiten, gebunden
Rowohlt, September 2013
ISBN-10: 349800087X
ISBN-13: 978-3498000875
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Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums

Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums

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Erinnerungen an gute und schlechte Zeiten!

Über die ersten dreißig Jahre seines Lebens schrieb Urs Widmer ein Erinnerungsbuch.

Mit dem Satz  „Kein Schriftsteller, der bei Trost ist, schreibt eine Autobiographie“ führt er sein Vorhaben selbst ad absurdum. Dennoch macht er sich beherzt ans Werk.

1938 geboren gibt es drei Dekaden, über die er schreibt: frühe Kindheit, Jugendjahre und das Erwachsenwerden mit dem Schlusspunkt seiner Heirat. Er lebt in der Nähe von Basel in der Schweiz, und wie für alle Kinder sind die frühen Jahre prägend. Eindrücke, Charakteristiken der Natur und der Landschaft, erste Freundschaften, aber natürlich auch die Eltern in ihren verliebten und danach von Krankheiten und gegenseitigen Kränkungen bedrohten späteren Jahren machen die ersten Jahre aus. Weihnachten ist einer besonderen Schilderung wert! Die Sehnsucht nach dem friedlichen Fest im Kontrast zu dem, was die Eltern wirklich bieten! Der aus diesem Anlass weinende Papa wird sehr wohl wahrgenommen und bietet einen Blick in die Zukunft, kann aber das Glück des kleinen Jungen nicht wirklich trüben.

Die letzten Jahre des Krieges und die ersten des Nachkriegs erlebt er noch bewusst mit. Hatte man bisher von der Schweiz den Eindruck eines Landes in Frieden abseits der großen Kriegsunruhen, so wird man hier eine Besseren belehrt. Es gab Rationierungen, Kriegsangst und Verdunklung wie in vielen anderen Ländern, die rund um die Schweiz gelagert sind. Es gab den Schock des Holocausts und den Hunger und die Kälte der Nachkriegsjahre. Es gab die neu erwachende Konsumwelt und die Amerikanisierung wie bei uns. Dass die Schweiz nicht in die Kriegshandlungen des Zweiten Weltkriegs einbezogen wurde, ist als Wunder zu betrachten. Alles in Allem verlebt Urs Widmer eine glückliche Kindheit, die erst mit dem Umzug in eine andere Wohnung und in ein anderes Haus ihr Ende fand.

Stimmungsbilder vielfältiger Art über Gasthäuser und die Jahrszeiten mit schönsten Landschaftsbeschreibungen geben der Erzählung einen emotionalen Unterton von feinfühliger Wahrnehmung. Urs Widmer beschönigt nichts sondern berichtet mit liebevollem Blick, was ihn als Kind und Heranwachsenden bewegte.

Frühe Liebesnot, abwechslungsreiche Begegnungen und die Neugier auf das Abenteuer „Zukunft“ beleben die Jugendjahre. Der Aufbruch ins Leben ist von Erwartung und dem üblichen Freiheitsdrang gekennzeichnet. Manch’ einem Leser werden Erinnerungen an eigene Kinderjahre mit diesen Aufzeichnungen kommen. Urs Widmer bietet mit seinen poetischen aber auch nüchternen Darstellungen und dem genauen Hinschauen den Mikrokosmos „Kindheit“ und lässt uns an seinen Erfahrungen teilnehmen. Es gab jedoch auch die dunklen Seiten und Ängste, die seine Jahre als junger Erwachsener prägten.

Die Studienjahre sind von Aufbruch gekennzeichnet und beeindrucken durch die Frische und Neugierde, mit der sich ein noch unsicherer junger Mann der Welt zuwandte. Paris und Spanien erweitern seinen Horizont, und er begibt sich auf den Weg der Neuerung.

Die Autobiographie liest sich leicht und eingängig. Sie gleicht einem fantasiereichen Bilderbogen und bietet darüber hinaus Einblicke in die gesellschaftspolitische Entwicklung der Nachkriegszeit in Europa.

Ein aufschlussreiches und liebenswertes Erinnerungsbuch über die ersten dreißig Jahre seines Lebens ist Urs Widmer gelungen.

Urs Widmer
Reise an den Rand des Universums
346 Seiten, gebunden
Diogenes, August 2013
ISBN-10: 3257068689
ISBN-13: 978-3257068689
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Emma Forrest: Deine Stimme in meinem Kopf

Emma Forrest: Deine Stimme in meinem Kopf

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Leben auf einem Grad zwischen Leben und Tod.

Emma Forrest ist eine junge, hübsche und begabte junge Frau, die jedoch mit den Anfechtungen ihres Lebens nur schwer zurecht kommt.

Früher Liebeskummer und schwere Depressionen führen sie in die Hände eines einfühlsamen und optimistischen Psychiaters, dem sie laut ihren Aussagen ihr Leben verdankt.

Sie fügte sich in einer Form der Selbstzerstörung Wunden zu, litt an Bulimie und hat bereits in jungen Jahren einen ersten Selbstmordversuch hinter sich. Dr. R., ihr Retter, strahlt eine solche Zuversicht aus, dass sie immer wieder Mut zum Weiterleben schöpft. Doch eines Tages ist ihr Retter tot! Völlig unerwartet überlebt er eine schwere Krebserkrankung nicht.

Emma ist nun wieder auf sich selbst gestellt bei der Suche nach dem richtigen Weg und der ersehnten Liebe. Dabei hilft ihr die imaginierte Stimme von Dr. R., dem sie tief vertraute und mit dem sie lange befreundet war.

In einem zarten und vorsichtigen Ton nähert sich Emma ihren eigenen Schwierigkeiten, der Lebensangst und den Fragen um die Liebe, die sie bewegen. Zahlreiche intensive Liebesbeziehungen scheitern für sie selber aus unerklärlichen Gründen. Als auch ihr „Gypsy Husband“, ein berühmter Schauspieler, sie nach euphorischen Monaten der Liebe und der Zukunftsplanung verlässt, ist ihre Not und Verzweiflung groß. Ein schwerer seelischer Absturz ist die Folge. Doch liebevolle Eltern und der vertraute Dr. R. als Stimme in ihren Kopf retten sie und weisen ihr neue Perspektiven.

Mit eindringlichen und tragenden Worten beschreibt Emma ihren Weg immer hart am Abgrund vorbei. Zwei Katzen und gute Freunde, von ihr liebevoll gezeichnet, tragen ihren Teil zu ihrer Rettung bei. Sie löst mit ihren Worten emphatische Gefühle aus.Es ist eine anrührend geschriebene Geschichte, voller Ironie, komischer Einsprengsel und dem alles übertünchenden Lebenswillen der Autorin. Ist es die Biographie von Emma Forrest? Jedenfalls könnte sich alles so zugetragen haben! Die Geschichte ist nicht bedrückend, weil die Leichtigkeit und die Komik, mit der sie erzählt wird, das nicht zu lassen.

Die Verfilmung der Lebensgeschichte von Emma Forrest ist für 2014 vorgesehen!

Emma Forrest
Deine Stimme in meinem Kopf
224 Seiten, gebunden
Deuticke Verlag, Juli 2013
ISBN-10: 3552062246
ISBN-13: 978-3552062245
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Maria Klein: Weiblich, 40, plötzlich Single – Meine Suche nach dem neuen Mann fürs Leben

Maria Klein: Weiblich, 40, plötzlich Single – Meine Suche nach dem neuen Mann fürs Leben

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Maria Klein ist von Beruf Partnervermittlerin. Sie selbst lebt in einer Beziehung, bis ihr Mann sie unerwartet verlässt. Eine Welt bricht zusammen. Es ist schwer für sie, das zu akzeptieren. Aber schon nach kurzer Zeit beschließt sie, sich einen neuen Partner zu suchen. Die Kinder sind erwachsen und sie selbst schon knapp 50 Jahre alt. Diese Freiheit will sie ausnutzen. In der Kartei ihre Partnervermittlung möchte sie sich allerdings nicht bedienen.

Bei der Partnersuche geht sie sehr offensiv vor und lässt sozusagen nichts aus. Sie geht in die Disco, zum Speed-Dating, ins Fitnessstudio und sucht sich Bekanntschaften im Internet. Auch wenn sich der Mann fürs Leben nicht so schnell finden lässt, springt doch die eine oder andere Affäre heraus.

Maria Klein hat hier ihre eigene Geschichte und die damit verbundenen Erfahrungen aufgeschrieben. Es ist ein autobiographischer Roman, vielleicht aber auch ein Ratgeber, denn sie hält mit Ratschlägen nicht hinter dem Berg. Manche sind gut, andere doch recht befremdlich. Sicher mag nicht jeder so angriffslustig und unvorsichtig vorgehen wie sie. Aber gut, Menschen sind verschieden, was dem einen recht ist, kommt für den anderen nicht infrage.

Die Autorin nimmt Stellung zu ihrem Frausein und ihrem Umgang mit Familie, Freundinnen und Männern. Sie analysiert Zwischenmenschliches und zeigt auf, wie es zu Trennungen kommen kann und was einer Beziehung gut tut. In „Was ich dir sagen möchte“ wird Maria Klein sehr persönlich. Sie gesteht eigene Fehler ein, stellt gängige Klischees dar und rückt diese ins rechte Licht. Sie gibt Tipps für die Zukunft und zeigt, wie man sein Leben nach einer Trennung neu ausrichten kann. Es geht also nicht nur um die Partnersuche, sondern auch um den persönlichen Neuanfang nach einer Trennung.

Es ist ein unterhaltsames Buch. Eines, das zum Nachdenken anregt.

Rezension von Heike Rau

Maria Klein
Weiblich, 40, plötzlich Single – Meine Suche nach dem neuen Mann fürs Leben
320 Seiten, broschiert
Knaur Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3426785854
ISBN-13: 978-3426785850
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Christopher Hitchens: Endlich – Mein Sterben

Christopher Hitchens: Endlich – Mein Sterben

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Text zum Sterben und Tod.

Unbestechlich und realistisch sieht Christopher Hitchens seinem Sterben entgegen. Er hat Speiseröhrenkrebs wie schon sein Vater, und er wird daran sterben.

Dieser witzige, kluge, klare und scharfe Denker macht keinen Hehl daraus, dass er die Dinge nehmen wird, wie sie kommen. Das erspart ihm nicht Enttäuschungen, die er erleidet, als verschiedentlich von neuen Behandlungsverfahren zu hören ist. Nur: er gehört nicht zu den Haderern, die das Leben um jeden Preis verlängern möchten.

In einer langen Abhandlung erfährt man wie schon in seiner Biographie „The Hitch“, dass er als Atheist an keine transzendente Macht oder an einen Trost mit der Hoffnung auf ein Jenseits glaubt. In Briefen und Aussagen von Freunden und Kollegen erlebt man ihn noch einmal als aufgeschlossenen Gastgeber, Freund und Kollegen. Er scheute keine kontroversen Diskussionen und legte sich als Journalist und Beobachter des politischen Geschehens in aller Welt mit Freund und Feind gelegentlich an. Als kritischer Berichtersatter  blieb er sich zeitlebens treu. Sein deutscher Schriftstellerfreund- und Kollege Peter Schneider beschreibt ihn in seinem Prolog als Menschen, der einem großen Freundeskreis angehörte. Mit seinen spritzigen und absolut präsenten Lebensformen hat er seine Umwelt begeistert und gefesselt. Niemand konnte sich dem Charisma dieses Mannes entziehen.

Hitchens hielt an einmal gewonnenen Überzeugungen eisern fest auch um den Preis einer Freundschaft. Mit der Beurteilung des Irakkriegs, für den er eintrat, lag er nach Meinung Peter Schneiders falsch. Er ließ jedoch nicht ab von seiner  einmal gewonnenen Meinung.

Insgesamt  geht es in diesem letzten Buch von Christopher Hitchens um den Tod und das Sterben, dem er sich unerschrocken stellte.

Mit Neugierde und Interesse liest man die zahlreichen Berichte über Tod und Sterben, die seit Jahren auf dem Büchermarkt zu finden sind. Angefangen von Christoph Schlingensief über seine letzte Lebenszeit, den schmerzvollen Abschied von Connie Palmen, die über den Tod ihres zweiten Mannes schreibt, weiter über die großartige amerikanische Schriftstellerin Joan Didion in „Das Jahr magischen Denkens“  oder Jojo Moyes mit ihrem Buch „Ein ganzes halbes Jahr“: es gibt eine Vielzahl von Berichten und Erlebnissen, die das Sterben und den Tod in seinen mannigfaltigen Erscheinungsformen abhandeln. Eine jede Geschichte ist von Bedeutung, weil sie von dem existenziell ausweglosen letzten Weg mit all’ den unterschiedlich erlebten Begleiterscheinungen individuell berichten.

Ob mit Gottesglauben oder ohne: der Tod bleibt für uns alle ein Mysterium, das man sich nicht vorstellen kann.

Insofern bieten die Erfahrungen von Christopher Hitchens weitere Mosaiksteine auf dem Weg des eigenen Erlebens hin zum Tod.

Christopher Hitchen war Engländer von Geburt und Herkommen, lebte aber viele Jahre in Amerika, wo er am 15.12.2011 im Alter von 62 Jahren gestorben ist.

Christopher Hitchens
Endlich – Mein Sterben
128 Seiten, gebunden
Pantheon Verlag, Juni 2013
ISBN-10: 3570552187
ISBN-13: 978-3570552186
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Mely Kiyak: Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an

Mely Kiyak: Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an

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Lebensende oder neues Glück?

„Man stirbt.
Man steht morgens auf, macht seine Arbeit und stirbt.
Man träumt und stirbt.
Man gießt Blumen, geht einkaufen, schüttelt Decken aus und stirbt.“

Mit diesem immer wiederkehrenden Refrain beginnt Mely Kiyak ihren Roman über die tödliche Krankheit ihres Vaters.

Man spürt, wie tief berührt sie ist, als der Vater unerwartet an Lungenkrebs erkrankt. Jeden Tag ist sie bei ihm im Krankenhaus und erlebt die Atmosphäre aus Krankheit und Unausweichlichkeit. Ihr Vater weint, und sie kann es nicht aushalten. Kann man denn nichts tun?

Sie kann ihren Vater motivieren, in die Vergangenheit einzutauchen und Geschichten über die Familie zu erzählen. Da gibt es Tanten, Onkels, Großväter und eine Vielzahl von Anverwandten. Das Landleben und lange geübte Gewohnheiten bestimmen das Leben der weitläufigen Verwandtschaft und Freunde. Die großen Sippen mit ihren zahlreichen Mitgliedern leben in Frieden oder im Krieg mit einander. Man wird mit gerissen in einen Strom von Trauer, Abschiedsgedanken und Erinnerungen. Die Türkei mit ihren großen Familienclans und die Gegenwart in einem sauberen, seelenlosen und nach westlichem Standard ausgerüsteten Krankenhaus bieten die Bühne, auf dem sich das Leben von Tochter und Vater zuletzt abspielt.

Mely Kiyak ist eine erfolgreiche Journalistin, die vorübergehend ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen kann. Ihre Sorge um den kranken Vater scheint alles zu überwuchern. Er schwebt lange Zeit zwischen Leben und Tod. Nur die Geschichten, die er erzählt, lenken aus dem grauen Krankenhausalltag ab.

In diesen Geschichten spielt seine Herkunft aus Anatolien die bestimmende Rolle. Hier herrschen tradierte Lebensmuster, ein einfaches Leben ohne Komfort und ländliche Schlichtheit. Zum Westen der Türkei hin herrscht eine eher säkulare Welt, in der es gut besuchte Schulen und Universitäten gibt. Allerdings entwickeln Kinder aus benachteiligten analphabetisch geprägten Elternhäusern, die als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, häufig ebenfalls ein aufgeklärtes und bildungsnahes Bürgertum.

Mely Kiyak ist eine liebevolle Tochter, die zwischen West und Ost zu vermitteln versucht. Sie hängt mit vollem Herzen an dem Mann, der hier als hilfloses Opfer der Medizin seinem Ende entgegen sieht. Er versteht vieles nicht und versucht sich dem abstrakten und wenig menschenfreundlichen Medizinbetrieb entgegen zu stemmen liebevoll betreut von Verwandten und Freunden.

Mely Kiyak schreibt emphatisch und mit Herzenswärme, wie sie die Zustände des Vaters miterlebt. Er wollte doch so gerne sein Rentnerdasein mit einer neuen Liebe genießen! Ob es ihm gelingen wird?

Das Buch geht zu Herzen. Es zeigt die innige Verbindung zwischen einem Vater und seiner Tochter. Die Autorin setzt ihm, den sie hoch achtet und liebt, ein lebendiges und lebhaftes Andenken. Sie bedenkt dabei sehr wohl, wie schwer es ist, sich aus alten Traditionen zu lösen und neue Formen zu finden. Stellvertretend für zahlreiche Mitbürger mit gleicher Vorgeschichte spricht sie von der Hoffnung und von dem Trost, mit dem die Heimkehrer ihr Lebensende zu Hause verbringen möchten. Nicht zuletzt erfährt man in einer der Erzählungen, wie auch der Vater die Tochter als kleines Kind dem Tod entreißt. Der Kreis hat sich geschlossen!

Mely Kiyak beweist sich als ausgezeichnete  Schriftstellerin, die reflektiert und sehr bewusst über sich und ihre Landsleute zu berichten weiß.

Mely Kiyak
Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an
256 Seiten, gebunden
S. FISCHER, Mai 2013)
ISBN-10: 3100382129
ISBN-13: 978-3100382122
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Peter Schneider: Die Lieben meiner Mutter

Peter Schneider: Die Lieben meiner Mutter

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Krieg und Liebessehnsucht. Eine Familienstudie.

Peter Schneider geht weit zurück in seinen hier vor liegenden Erinnerungen. Er  beschreibt das Leben seiner Eltern und seine eigenen ersten Jahre während und nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er 1940 geboren wurde. Viel weiß er nicht über seine Eltern. Doch anhand von Briefen seiner Mutter kann er aufschlüsseln, dass sie neben ihrem Mann Heinrich einen zweiten innig liebte und mit diesem auch zusammen war. Beide Männer waren an der Oper tätig, die aus Gründen der Propaganda seitens des Reichspropagandaministers Goebbels noch bis weit in das Kriegsjahr 1943 mit ihren Spielplänen erhalten geblieben war, bevor auch das letzte Aufgebot an Männern an die Front geschickt wurde. Andreas war Regisseur, Peter Schneiders Vater Heinrich war Dirigent.

Die Mutter hatte den Vater jung geheiratet und bekam insgesamt nach einander vier Kinder. Dass sie dafür eigentlich zu schade war, bescheinigt ihr der Liebhaber Andreas. Es bleibt klar, dass die Mutter zwei Männer liebte. Diese waren Freunde und duldeten einander. Peter Schneider erfährt von den Liebschaften seiner Mutter wohl erst durch ihre spät gelesenen Briefe.

Aus seinen Impressionen und Recherchen schält sich ein Künstlerleben heraus, in dem häufig finanzielle Not herrschte. Die Kriegsjahre überstand die Familie einigermaßen unbeschadet nur mit Hilfe der Näharbeiten seiner Mutter.

Die aufgefundenen Briefe sind aufschlussreich im Hinblick auf die Toleranz aller Beteiligten in den Dreiecksbeziehungen. Andreas liebte seine Freiheit, Heinrich liebte seine Frau über alles, und Schneiders Mutter liebte beide gleichzeitig. Für die Sitten und Moral in jenen fernen Zeiten ist das eine seltene Konstellation.

Die Form der Biographie, in der hier berichtet wird, ist ungewöhnlich. Aus dem facettenreichen Leben der Mutter kann der Sohn sich zusammenreimen, wie sie ihr Eigenleben neben der Arbeit und der Fürsorge für ihre Kinder gestaltet hat. Da gab es Hingabe, Entsagung und die Gabe, sich fröhlich zu vergnügen. Es gab aber auch die Schwermut, die zuletzt das Leben dieser liebessehnsüchtigen Frau zu zerstören schien. Zwei Themen werden hier abgehandelt: die Kindheit als Flüchtlingskind in einem Dorf in Bayern und die Sehnsüchte einer liebebedürftigen Mutter.

Die Endzeitstimmung des Zweiten Weltkriegs wird authentisch wiederbelebt. Untergang und Flucht aus der zerstörten Stadt Dresden unter unglaublichen Kriegsbedingungen werden so hautnah beschrieben, dass man glaubt, man wäre dabei gewesen. Eine Frau mit vier kleinen Kindern brauchte Energie, Kraft und Lebensmut, um diesem Zumutungen standzuhalten. Daneben konnte sich die Mutter wohl nur durch ihre Liebesbriefe und eine unersättliche Leidenschaft zu verschiedenen Männern am Leben halten. Dass ihr eigener Mann durch alle Widrigkeiten und Nebenliebschaften zu ihr gehalten hat, war Trost und  Hilfe für die geplagte Mutter.

Peter Schneider gehörte einst zu der so genannten 68 sechziger Generation, die scharf mit der Elterngeneration abgerechnet hat. Erst spät erfährt er, dass sein Vater zwar kein Nazi war aber doch stillgehalten hat, um seine Position an der Oper nicht zu gefährden.

Vermutlich ist es nicht leicht, einer Mutter mit diesem bewegten Innen- und Außenleben die angemessene Würdigung entgegen zu bringen. Peter Schneider ist das gelungen.

Peter Schneider
Die Lieben meiner Mutter
304 Seiten, gebunden
Kiepenheuer & Witsch, Mai 2013
ISBN-10: 3462045148
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Jeanette Winterson: Warum glücklich statt einfach nur normal?

Jeanette Winterson: Warum glücklich statt einfach nur normal?

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Spurensuche und Identitätskrisen.

Als Kind einer zu jungen und armen Mutter auf die Welt zu kommen, ist häufig ein Unglück. Dieses Schicksal erleidet die Autorin Jeanette Winterson, die 1960 im Alter von fünf Monaten von Mr. und Mrs. Winterson adoptiert wurde. Die Familie lebt in Accrington nicht weit von Manchester entfernt. Aus den Erfahrungen ihres Lebens hat Jeanette Winterson einen höchst reflektierten, anregenden und klugen Bericht verfasst.

Mrs. Winterson ist eine frömmelnde, neurotische und in ihren Gefühlen schwer gestörte Frau. Überall wittert sie Boshaftigkeit, Ungehorsam und Sünde. In ihrem Umfeld argwöhnt sie darüber hinaus Unreinheit, Lüge und Betrug. Den Vater hält sie sich vom Leibe. Ohne Sex aber gibt es kein Kind! So muss ein angenommenes Kind ihren Fantasien und Bösartigkeiten standhalten.

Jeanette Winterson zeichnet das Bild einer kargen und entbehrungsreichen Kindheit und Jugend. Harte Strafen und    ausgesperrt werden gehören zu ihrem kindlichen Alltag. Aus ihren Worten spürt man die Rebellion und aufsässige  Verfassung, mit der sie sich durchs ihr Leben schlägt. Mit 16 Jahren verlässt sie dieses ungeheuerliche Elternhaus und führt fortan das Leben einer vagabundierenden, eigensinnigen und selbstbestimmten Frau.

Ohne psychische Verbiegungen bleibt eine solche Kindheit nicht!

Intelligent und zielstrebig schafft J.W. dennoch den Sprung an die Universität Oxford und wird später zu einer angesehenen Schriftstellerin.

Den Beweis dafür liefert ihr Titel „Warum glücklich statt einfach nur normal“? Das sind die Worte der Mutter, die voller Hass auf die Tatsache reagiert hat, dass ihre Adoptivtochter Frauen liebt.

Jeanette Winterson zieht die Bilanz ihres Lebens, die von Zweifeln, Selbstfindungs- und Identitätssuche gekennzeichnet ist.

Differenziert und selbstkritisch beschreibt sie ihre Suche nach dem rechten Weg ins Leben. Ihre Adoptivmutter zeigt sich als grausame und selbstgerechte moralische Instanz. Mit Tiefenschärfe und klugen Blick reflektiert die Autorin ihr Geschick, das nur mit unerschütterlicher Stärke zu meistern ist.

Die klaren Worte und der stechend scharfe Blick der Autorin bringen einem ihr Schicksal ganz nahe. In einem furiösen Finale begibt sie sich auf Spurensuche nach ihrer wahren Herkunft. Es trägt sie in Gefühlswelten, die schwer zu verkraften sind.

Die Geschichte ist ein Leerstück aus der schwarzen Pädagogik, an der schon ganz andere Menschen zerbrochen sind. Nicht ganz von ungefähr denkt man an Charles Dickens bei der Lektüre.

Der herausragende Lebensrückblick bietet mannigfache Gelegenheit, sich der eigenen Zielsetzungen oder Versagungen zu erinnern.

Sehr lesenswert!

Jeanette Winterson
Warum glücklich statt einfach nur normal?
256 Seiten, gebunden
Hanser Berlin, 2. Auflage, Januar 2013
ISBN-10: 3446241493
ISBN-13: 978-3446241497
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