Tief im Hirn

Tief im Hirn

Helmut Dubiel ist 46, als Parkinson bei ihm diagnostiziert wird. Die Ursache dafür ist unbekannt, eine Heilung ist nicht möglich. Mit Medikamenten wird versucht, die Krankheit zu behandeln.
Der Autor beschreibt, wie alles begann. Von den ersten Symptomen an, die körperlicher, aber auch psychischer Natur sind. Er erzählt, wie ihm sein eigener Körper immer fremder wird. Seiner Arbeit kann er nicht mehr wie gewohnt nachgehen.

Helmut Dubiel schildert auch die Reaktionen seines Umfeldes auf die Krankheit. Sein Blick auf die Welt verändert sich. Wut, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Angst und Frustration machen ihm zu schaffen.
Dennoch wagt er eine Operation, die Tiefenhirnstimulation. Dieser Eingriff kann die Krankheit nicht heilen, aber beeinflussen. Leider nicht so, wie Dubiel es sich erhofft hat. Seinen Lebensmut hat er dennoch nicht verloren. Seine Träume hat er sich bewahrt.

Helmut Dubiels Geschichte beeindruckt stark, macht aber auch betroffen und traurig. Bei Parkinson kann es noch kein gutes Ende geben. Doch die Hoffnung auf den medizinischen Fortschritt bleibt. Der Autor schreibt ohne Selbstmitleid und dennoch sehr gefühlvoll und sehr persönlich werdend. Er beschreibt seinen Lebensweg seit dem Ausbruch der Parkinson-Krankheit. Es ist ein Leidensweg, der von Arzt zu Arzt führt. Trotzt Medikamenten ist das Leben nur noch sehr schwer in den Griff zu bekommen. Die Krankheitssymptome überlagern die Persönlichkeit.
Dennoch ist es auch ein Buch, das Hoffnung macht. Der Autor beweist, dass man sich unter noch so schwierigen Umständen seinen Lebensmut bewahren kann. Dass man aus einem seelischen Tief auch wieder herausfinden kann. Man empfindet Hochachtung vor Helmut Dubiel, der diesen schweren Kampf ausfechtet.

Über den Autor:
Helmut Dubiel wurde 1946 in Essen geboren. Er hat Philosophie und Germanistik in Bielefeld und Bochum studiert und lehrt als Professor für Soziologie in Gießen, arbeitete als Gastprofessor an der University of Berkeley, in Florenz und an der New York University. Helmut Dubiel lebt in Frankfurt.

Rezension von Heike Rau

Helmut Dubiel
Tief im Hirn
142 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann, München
ISBN-10: 3-88897-451-8
ISBN-13: 978-3-88897-451-9
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Ein Hund für eine Woche

Ein Hund für eine Woche

Leon und Pia hätten am liebsten einen Hund. Er könnte das Haus bewachen und mit den Kindern spielen. Aber die Eltern lassen sich nicht erweichen. Schließlich macht ein Hund viel Arbeit. Dann geht Leons und Pias Wusch auf einmal doch in Erfüllung. Die Kinder sollen auf den Hund einer Nachbarin, die ins Krankenhaus muss, aufpassen. Das können die Eltern nicht ablehnen.

Der junge Hund heißt Bollo. Er ist noch ganz verspielt. Zur Begrüßung verpasst er Pia gleich mal einen Hundekuss. Turbulent geht es weiter. Bollo springt durch das ganze Haus. Er spielt mit Papas Hausschuh, kippt den Papierkorb um, zerlegt die Zeitung und treibt noch eine Menge Unfug. Papa wird ganz brummig. In der Nacht bleibt Bollo nicht im Flur in seinem Körbchen. Er will bei den Kindern schlafen.

Leon und Pia müssen ununterbrochen auf den Hund aufpassen, damit er keine Dummheiten macht. Doch können sie nicht verhindern, dass Bollo wegläuft, direkt einem wilden Kaninchen hinterher. Zum Glück findet der Hund allein nach Hause. Als er frisch gebadet alles nass macht, ist Papa wenig begeistert. Es ist offensichtlich, dass er Bollo nicht besonders mag. Dafür liebt Bollo den Papa umso mehr. Leon und Pia haben Bollo in ihr Herz geschlossen. Sie wünschen sich jetzt noch viel sehnlicher einen eigenen Hund. Doch scheint es jetzt noch schwieriger, die Eltern zu überzeugen.

Jedes Kind wünscht sich ein Haustier. Aber gerade kleine Jungen und Mädchen können noch nicht einschätzen, was das auf sie zukommt. Im Buch wird das deutlich gemacht. Damit ist die Geschichte besonders gut geeignet für Kinder, die bald ein Haustier bekommen sollen. Es wird gezeigt, wie viel Arbeit ein Tier macht, aber auch wie viel Freude. Da sollte man gut vorbereitet sein, am besten auf eine spielerische Art und Weise. Das Bilderbuch kann dazu der erste Ansatz sein.
Die Illustrationen gefallen gut. Auf jedem Bild können Pia und Leon mit dem Hund beobachtet werden. Das ist sehr spannend und macht viel Spaß. Die Zeichnungen sind großformatig und schön bunt.

Rezension von Heike Rau

Rosemarie Künzler-Behnke
Mathias Weber (Illustrationen)
Ein Hund für eine Woche
25 Seiten, durchgehend illustriert
Annette Betz Verlag
ISBN-10: 3-219-11263-3
ISBN-13: 978-3-219-11263-4
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Papageien der Welt

Papageien der Welt

Papageien findet wohl jeder faszinierend. Viele Arten fallen besonders durch ihre Farbenpracht auf. Interessant ist auch ihre Intelligenz und die Fähigkeit, die Sprache der Menschen nachzuahmen. Deswegen werden einige Arten auch oft als Haustiere gehalten. Karl-Heinz Lambert hat Papageien für das vorliegende Buch in ihrem natürlichen Umfeld fotografiert. Matthias Reinschmidt hat die Texte verfasst. So werden insgesamt mehr als 60 Arten porträtiert. Die Informationen sind spannend. Dazu kommen noch einige Sonderthemen. Hier wird beispielsweise über den Spix-Ara berichtet, der im Jahre 2000 ausgestorben ist.

Die Fotos sind gelungene Naturaufnahmen, die jeden Betrachter faszinieren werden. Vorgestellt werden die Papageien Südamerikas, Afrikas, Neuseelands, Australiens und Asiens. An vielen kann man sich kaum satt sehen. Da sind die Kubasittiche, die, bevor sie ihren Brutbaum anfliegen, zunächst zwischenlanden, um die Umgebung zu kontrollieren. Perfekt fotografiert sind auch die Blaustirnsittiche, die um eine Mango streiten oder die Amazonas-Grünbürzel-Sperlingspapageien, die mit ihrem grünen Federkleid beim Fressen auf einer Wiese perfekt getarnt sind. Auch eine Flugaufnahme einer Blaustirnamazone ist gelungen. Ein weiteres spannendes Foto zeigt Graupapageien, die sich vom Boden erheben und davonfliegen. Wirklich anrührend ist ein Taranta-Bergpapagei beim Füttern des Nachwuchses. Die zwei Keas beim konzentrierten Spiel gefallen ausnehmend gut. Im Kontrast dazu sind die Rosenkakadus beim Streit um den besten Sitzplatz anzusehen. Auch Wellensittiche gibt es im Buch. Auf dem Foto trinken sie eilig einen Schluck an der Wasserstelle und verschwinden schnell wieder. Auch sehr schön anzusehen, sind die Buntloris beim Kuscheln.

Man kann sich gut vorstellen, wie viel Geduld und welches Können es erfordert, ein Buch mit so spektakulären Nahaufnahmen zu machen. Für so manches Bild musste der Fotograf sich im Tarnzelt auf die Lauer legen. Text und Bilder sind perfekt aufeinander abgestimmt. Der Leser erfährt viel Interessantes und auch viel Neues über die faszinierenden Vögel, von denen leider viele Arten vom Aussterben bedroht sind. Auch darauf lenken Autor und Fotograf das Augenmerk und sensibilisieren den Leser dafür.

Matthias Reinschmidt, Biologe, arbeitet seit 2001 als Kurator im Loro Parque auf Teneriffa, der größten Papageiensammlung der Welt. Er setzt sich für die Rettung bedrohter Papageienarten ein.
Karl-Heinz Lambert fotografiert seit Jahrzehnten Vögel, besonders in ihrem natürlichen Lebensraum. Er züchtet Papageien. Unter anderem hat er mit seiner Frau Karin sieben Naturfilme gedreht.

Rezension von Heike Rau

Matthias Reinschmidt / Karl-Heinz Lambert:
Papageien der Welt
160 Seiten, 200 Farbfotos
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN 3-8001-4991-5
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Der Zauberer von Oz

Der Zauberer von Oz

„Der Zauberer von OZ“, geschrieben von Lyman Frank Baum, wurde 1900 zum ersten Mal veröffentlicht. Das vorliegende Buch von David Chauvel und Enrique Fernàndez zeigt die Geschichte um das Mädchen Dorothy auf eine moderne Weise in einer Comic-Adaption.

Dorothy und ihren kleinen, geliebten Hund Toto verschlägt es nach einem Wirbelsturm in das Zauberland von Oz. Gleich bei ihrer Ankunft schaltet sie die böse Hexe des Osten aus und zwar unabsichtlich. Die gute Hexe des Nordens ist dennoch beeindruckt und erzählt Dorothy, dass der Zauberer von Oz die Macht besitzt, sie wieder nach Hause nach Kansas zu Tante Em und Onkel Henri zu bringen. Der Weg ins Zauberland ist allerdings weit und voller Abenteuer. Dorothy wird begleitet von einer Vogelscheuche, die statt Verstand nur Stroh im Kopf hat, von einem Löwen, der ausgesprochen ängstlich ist und nur brüllt, um seine Angst zu verbergen und von einem Blechmann ohne Herz. Die drei Begleiter haben auch ihre Wünsche. Die Vogelscheuche möchte Verstand, der Löwe Mut und der Blechmann ein Herz. Zusammen schaffen sie es bis in die Smaragdstadt. Doch eine Audienz beim Zauberer von Oz in seinem Palast zu bekommen, ist nicht einfach. Ohnehin fordert er, als es endlich geschafft ist, von den vier Freunden eine Gegenleistung. Sie sollen die böse Hexe des Westens aus der Welt schaffen. Das ist keine leichte Aufgabe.

Schon auf den ersten Blick fällt auf, wie eigenwillig die Zeichnungen sind. So wirkt zum Beispiel Dorothy kaum kindlich, nicht mal vom Gesichtausdruck her, was doch sehr verwundert. Sie sieht erwachsen aus und nicht besonders hübsch. Das Zauberreich Oz ist sehr farbenfroh und detailreich dargestellt, die Smaragdstadt in interessanten leuchtenden Grüntönen. Alles in allem sind viele Zeichnungen leider recht klein geraten und auch das Schriftbild ist manchmal nicht leicht zu entziffern. Dennoch bietet die Comic-Adaption viele Überraschungen und verwirklichte Ideen in der Umsetzung der einzelnen Szenenabfolgen, auch wenn eine märchenhaft, verträumte und vor allem kindgerechte Stimmung nicht so recht aufkommen will. Geeignet ist das Buch damit vielleicht nicht so sehr für Kinder. Erwachsene dürften aber ihre Freude daran haben.

Rezension von Heike Rau

L. Frank Baum
Der Zauberer von Oz
Adaption: David Chauvel
Zeichnungen und Farbe: Enrique Fernàndez
96 Seiten, gebunden
Ehapa Comic Collection im Egmont vgs Verlag
ISBN-10: 3-7704-2915-X
ISBN-13: 978-3-7704-2915-8
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Olaf taucht ab

Olaf taucht ab

Zusammen mit dem Weihnachtsmann geht Olaf der Elch in der Bären-Bucht Eishockey spielen. Olaf benutzt dabei seine eine abgebrochene Schaufel als Schläger. Als der Weihnachtsmann den Puck zu weit auf die freie Eisfläche hinaus schlägt, was an seinem einem Glasauge liegen mag, muss Olaf hinterher. Immer weiter bewegt er sich vom Ufer weg. Auf einmal bricht er im Eis ein. Olaf kann zwar schwimmen, aber das Wasser ist gefährlich kalt. Zum Glück schafft es der Weihnachtsmann, ihn rauszuziehen.

Olaf hat unter Wasser etwas gesehen: ein Licht, das von unten kam. Der Weihnachtsmann glaubt, Olaf spricht im Fieber. Aber die Temperatur des Elchs ist normal. So wird eine Taucherausrüstung besorgt und auf wärmeres Wetter gewartet. Olaf und der Weihnachtsmann entdecken unter Wasser eine Tür, aus der Licht dringt.

Die beiden staunen nicht schlecht, als sie eine goldene Grotte erblicken. Seit zweihundert Jahren sind die Piraten um Kapitän John McFogerty dazu verflucht hier unten bei Würfelpoker zwischen ihren Schätzen auszuharren. Das Leben ist wenig abwechslungsreich und zu essen gibt es immer nur Fisch. Klar, dass die Seeräuber auch Wünsche haben. Und die sind beim Weihnachtsmann gut aufgehoben. Für die Erfüllung der Piratenwünsche wird Olaf und dem Weihnachtsmann eine Schatzkiste voller Goldstücke versprochen. Die beiden wollen sich etwas einfallen lassen.

Die Geschichte gefällt gut. Sie ist für die ganze Familie geeignet, ist spannend und humorvoll geschrieben. Vorgelesen wird sie von Dirk Bach. Der, so scheint es, alles gibt. Er liest auf seine unverwechselbare Art und Weise mit Ausdruck, Begeisterung und Leidenschaft und imitiert die verschiedenen Stimmen mit Hingabe. Einfach perfekt. Das Hören der CD ist das reinste Vergnügen. Untermalt ist die Geschichte mit ausgesprochen munterer Musik von Rainer Oleak, die natürlich sehr gut zur Geschichte passt und noch mal zusätzlich für Auflockerung sorgt. So ist das Zuhören kein Problem, man kann sich mühelos konzentrieren. Wer möchte, kann die Geschichte auch noch mal nachlesen. In der CD-Hülle befindet sich ein illustriertes Heftchen. So entgehen dem Zuhörer auch nicht die lustigen Illustrationen von Volker Kriegel.

Über den Autor:
Volker Kriegel, Jahrgang 1943, wurde vor allem als Jazzmusiker bekannt. In den letzten Jahren machte er sich auch einen Namen als Autor, Illustrator und Dokumentarfilmer hervor. Volker Kriegel starb im Sommer 2003.

Rezension von Heike Rau

Volker Kriegel
Olaf taucht ab
Lesung mit Musik
Sprecher: Dirk Bach, Musik: Rainer Oleak
1CD, ca. 55 Minuten
Digipak mit Textfassung im Booklet mit Illustrationen von Volker Kriegel
Eichborn Lido
ISBN-10: 3-8218-5372-7
ISBN-13: 978-3-8218-5372-7
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Naturkalender 2007

Naturkalender 2007

Dieser Kalender ist besonders für Familien gedacht. Es gilt die Natur im Jahresverlauf zu entdecken oder viel bewusster wahrzunehmen. Dazu gibt es viele Anregungen für besondere Beobachtungen oder Aktivitäten in der Natur.
An jedem Tag kann man das Wetter beobachten und eintragen, ob die Sonne scheint oder Regen fällt. Auch für weitere Notizen ist genügend Platz. Auf jeder Seite oben am Rand sind zudem Querverweise aufgelistet, die zu den Informationsseiten hinten im Buch führen.

Sehen wir und den Monat Mai mit einer kurzen Zusammenfassung der angebotenen Artikel einmal genauer an:
Es ist die Zeit der Tierkinder. Auch der Mauersegler kehrt zurück. Er ist ursprünglich ein Felsbrüter. Heute dienen ihm Hauswände als Ersatzfelsen. So sollte man bei Haussanierungen auch an ihn denken. Wer den Mauersegler im Monat Mai entdeckt kann übrigens unter www.Naturdedektive.de seine Beobachtungen eintragen. Die Natur wird nun endgültig munter. Die Weißdornhecken blühen und locken Bienen an. Die Maiglöckchen blühen. Und damit ist auch die Zeit der Nachtigall gekommen, die in dunklen Mainächten ihr melancholisches Lied singt.
In feuchten, schattigen Laubwäldern braucht man nur der Nase nach zu gehen, um den Bärlauch zu finden. Da lässt sich ein leckerer Brotaufstrich herstellen. Das Rezept wird gleich im Kalender mitgeliefert. Es macht aber auch Spaß, sich die Bäume mal näher anzusehen und zu beobachten wie die Rosskastanie nach und nach ihre Knospen öffnet. Woher der Baum weiß, dass er gerade jetzt wachsen muss, steht im Kalender. Für Kinder gibt es einen besonderen Natur-Tipp. So können sie auf spielerische Art und Weise lernen, Bäume zu unterscheiden. Viel Spaß dürfte es auch machen, ein Tränke für die Vögel zu bauen. Die Anleitung kann man dem Kalender entnehmen.
Insgesamt zehn Seiten gibt es mit Artikeln über die Natur im Monat Mai.

Der Naturkalender ist also sehr vielseitig. Über das ganze Jahr verteilt gibt es spannende Infos, Aktionsvorschläge zum Mitmachen, Hinweise zum aktiven Naturschutz, Rezepte, Bastelanleitungen und vieles mehr. Er ist also der ideale Begleiter für Naturfreunde und Familien mit Kindern. Davon abgesehen kann man natürlich auch ganz normal Termine oder wichtige Notizen eintragen.
Entstanden ist der Kalender in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Fernsehsender Terra Nova. Er ist verknüpft mit dem Multimedia-Online-Projekt des BfN, www.Naturdetektive.de.

Über die Autoren:
Frank und Katrin Hecker sind Diplom-Biologen. Sie arbeiten als Naturfotografen sowie als Autoren von Naturbüchern und -führern und Kinderbüchern. Regelmäßig veröffentlichen beide Naturreportagen und Artikel.

Rezension von Heike Rau

Frank und Katrin Hecker
Naturkalender 2007
193 Seiten, Spiralbindung, 192 Seiten, 164 Farbfotos
Verlag Eugen Ulmer Stuttgart
ISBN-10: 3-8001-4962-1
ISBN-13: 978-3-8001-4962-9
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Unentschlossen

Unentschlossen

Benjamin Kunkel gilt als neuer Shootingstar der New Yorker Literaturszene. Erst 28 Jahre alt, hat er im vergangenen Jahr seinen ersten Roman vorgelegt, der ihm sogleich die Begeisterung und Zustimmung seiner LeserInnen einbrachte.
In einer unglaublich witzigen, teils komischen, immer aber sprühend vor Ideen und Geistesblitzen erleuchteten Darstellung, erzählt er uns die Geschichte von Dwight Wilmerding.

Dwight ist gleichaltrig mit dem Autor. Er wohnt in New York in einer WG, arbeitet bei einem Pharmaunternehmen und steht kurz vor der Entlassung. Ursprünglich hatte er Philosophie studiert. Er ist ein Looser – oder Hangertyp, einer, der vor sich hintrödelnd seinen philosophischen Gedanken über das Leben, insbesondere das eigene, nachhängt. In Anlehnung an den Philosophen Heidegger hat er einen Gedankenspender, Otto Knittel, bei dem er über den
Gebrauch der Freiheit zu seinen Nachdenklichkeiten gelangt. Daneben entdeckt er den Begriff für die Krankheit Indecision, einen mit dem Ausdruck Unentschlossen nicht ausreichend gekennzeichneten Begriff für Entscheidungsunfähigkeit. Ein Freund bringt ihn auf die Idee, sich als Proband für das Mittel Abulinix zur Verfügung zu stellen, ein Mittel gegen eben jene Unentschlossenheit.
Er entschließt sich, vor einem geplanten Klassentreffen nach Ecuador zu fliegen, um seine Klassenkameradin Natascha zu treffen, die er sehr mochte.
Schließlich landet er mit einer Freundin von Natascha im Dschungel von Ecuador und beginnt eine abenteuerliche Selbstfindungsreise.
Es sind eine Menge Verwicklungen, denen er sich ausgesetzt sieht. Z.T. macht er seine Erfahrungen unter Drogen. Eine inzestuöse und schwierige Liebe zu seiner Schwester, eine eher kumpelhafte zum Vater und zu der ausgeflippten Mutter runden das Durcheinander seines Lebens und das Bild seiner Herkunft ab.
In einem unentwegten Gedankenstrom beobachtet er sich und die Mitwelt. Seine Beobachtungen sind höchst amüsant und geistreich.

Der philosophische Höhepunkt der Einsichten gipfelt schließlich in der Erkenntnis, sich der eigenen Mittelmäßigkeit zu stellen.
Es gibt nach allerhand Abenteuern sogar ein fröhliches Happyend.

Zwar ist dieser Dwight ein Neurotiker. Die Erzählung aber ist leicht und unbeschwert. Beruf, Reisen, Wohnungs -und Geldprobleme: für alles gibt es Dank der Jugend von Dwight eine Lösung.
Diese Leichtigkeit und dieses In- den- Tag -hinein- Agieren neben den tiefsinnigen Gedanken über das Leben, die Eltern, die Schwester und viele andere machen das Buch äußerst liebens – und lesenswert. Mich hat die Gedankenfülle und der Sprachreichtum begeistert.

Ich kann das Buch nur jedem jungen und jung gebliebenen Leser empfehlen!

Bejmanin Kunkal
Unentschlossen
Ein wunderbarer und anspruchsvoller Entwicklungsroman unserer Zeit
ISBN:3827006805
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Idylle der Hyänen

Idylle der Hyänen

Die Tote wird in einem verstaubten Schrank in der Tiefgarage gefunden. Allerdings sieht es nicht danach aus, dass die Frau auch hier unten gestorben ist. Sie wurde offensichtlich stranguliert und dann hier versteckt. Kinder haben sie durch Zufall gefunden. Polonius Fischer von der Mordkommission und seine Kollegin Liz Sinkel beginnen mit der Befragung der Anwohner. Niemand scheint die Frau zu kennen. Das lässt viel Raum für Spekulationen. Auf ein veröffentlichtes Foto meldet sich dann aber doch jemand. Die Wirtin vom „Blue Dragon“ glaubt die Frau wiederzuerkennen. Es gibt aber noch einen weiteren Anrufer und so kommt endlich Bewegung in die Sache. Die Tote heißt Nele Schubart. Sie hat eine siebenjährige Tochter. Katinka wird jedoch nicht in der Wohnung aufgefunden. Damit gewinnt der Fall an Brisanz. „Die Zwölf Apostel“, so werden die Mitarbeiter rund um Polonius Fischer genannt, legen sich ins Zeug, sortieren was von Belang ist und was nicht, setzen die Puzzlesteine zusammen. Bekannte und Verwandte werden befragt. Ein Zeuge lügt, das weiß Fischer sofort. Offenbar gibt es sogar noch eine weitere Frau, eine ehemalige Nonne, die verschwunden und möglicherweise tot ist.

Der Krimi kommt ohne spektakuläre, actionreiche Szenen aus. Aber deswegen ist es lange noch kein ruhiger Krimi. Das Buch lebt vor allem durch die interessante Figur des Hauptkommissars Polonius Fischer. Er war einst Mönch. Das ist viele Jahre her und doch hat es ihn geprägt. So kann es schon mal vorkommen, dass er vor einer Befragung einen Psalm rezitiert. Fischer wirkt manchmal dennoch etwas herzlos. Dabei begrenzt er sein Sichtfeld nur auf das Wesentliche. Er begnügt sich nicht mit der Aufklärung eines Falles, er will hinter die Fassade sehen und begreifen, was geschehen ist. Auch andere Figuren in diesem Buch sind beeindruckend gezeichnet. Liz Sinkel zum Beispiel, die sehr naiv dargestellt wird, aber gerade dadurch Dinge hinterfragt, die anderen keine Überlegung wert wären.
Der Fall selbst ist spannend. Besonders die Zeugenbefragungen haben es in sich. Dennoch gibt es ein paar Längen. Dafür hat der Krimi Tiefgang, was besonders an den philosophischen Überlegungen liegt, die Fischer anstellt. Man kann sich seiner Meinung anschließen oder auch nicht. Interessant ist sie allemal.

Über den Autor:
Friedrich Ani, geboren 1959 in Kochel am See, ist Absolvent der Drehbuchwerkstatt an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Er arbeitete als Reporter und Hörfunkautor. Friedrich Ani lebt in München. Er erhielt viele Preise, darunter zweimal den Deutschen Krimipreis für seine Romane um den Ermittler Tabor Süden.

Rezension von Heike Rau

Friedrich Ani
Idylle der Hyänen
350 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag, Wien
ISBN-10: 3-552-05391-3
ISBN-13: 978-3-552-05391-5
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Mein Vater, die Göttin und ich

Mein Vater, die Göttin und ich

Ignacio Martínez de Pisón Mein Vater, die Göttin und ich

Hoffmann und Campe ISBN: 3455047122

Dieses ist ein humorvoller, witziger und einfühlsam geschriebener Roman, der von einem Vater und seinem Sohn handelt.
Felipe , etwa 13 -14 Jahre alt, berichtet dem Leser über sein Leben mit seinem Vater, indem er den Leser direkt anspricht. Das schafft eine sehr persönliche Atmosphäre der Darstellung.

Felipe reist mit seinem Vater in einem Citroen DS 19 im Spanien der siebziger Jahre herum. Sie wohnen zumeist in Wohnungen, die außerhalb der Tourismussaison billig zu haben sind. Der Vater hat wechselnde Freundinnen, die Felipe nicht immer gefallen und ebenfalls dubiose, wechselnde Jobs. Einerseits sind die beiden Kumpels, andererseits ist Felipe nicht immer einverstanden mit dem, was sein Vater so treibt.
Die lakonisch-witzige Darstellung dieses gemeinsamen Alltags schlägt einen in Bann.
Eines Tages wird der Vater verhaftet. Er ist bei einem Bestechungsversuch gegenüber einem Polizisten hereingelegt worden. So nach und nach erzählt Felipe, dass sein Vater ursprünglich Gerichtmediziner war, und wie es zu dem Vagabundenleben gekommen ist. Das ist eine hintergründig -traurige und verwickelte Geschichte, in der der frühe Tod von Felipes Mutter eine Rolle spielte.
Zuletzt gelangen die beiden in die Heimat von Felipes Vater und zu seinen Verwandten. Der Kontrast zwischen der gutbürgerlichen Familie und dem Vagabundenleben wird von Felipe gut reflektiert wiedergegeben.
Das Verhältnis von Vater und Sohn wechselt zwischen eng, zärtlich und kumpelhaft- locker.
Das Ende der Geschichte ist rührend und tragisch zugleich.
Der Roman ist von einem besonderen Genre und hebt sich durch die besondere Art der Darstellung ab von anderen Familienromanen der heutigen Zeit. Ich mochte die Geschichte sehr.
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Die Seifensiederin

Die Seifensiederin

Frankreich im 17. Jahrhundert. Familie Lebrun will in Paris ein neues Leben beginnen. Die Reise ist beschwerlich. Bereits in Marly werden ihnen Aberglaube und Habgier ihrer Mitmenschen zum Verhängnis. Tochter Ambra muss sich von ihren Eltern trennen. So gelingt ihr die Flucht, während die Eltern, bei einem gelegten Hausbrand ihr Leben verlieren.
Mathieu, der Ambra bei ihrer Flucht vor einer Vergewaltigung bewahrt, ist nun auch nicht mehr sicher und muss sich ebenfalls versteckt halten. Da das nicht lange gut gehen kann, beschließen die beiden, an dem ursprünglichen Plan von Ambras Eltern festzuhalten. Sie machen sich auf den Weg nach Paris. In Clermont finden beide Arbeit. Ambra bei einer Seifensiederin, Mathieu bei einem Fassbinder. Doch die Seifensiederin Marthe steht unter Verdacht, eine Hexe zu sein. Sie hilft Damen von hohem Rang, mit besonders gut duftenden Seifen, die Männerwelt auf sie aufmerksam zu machen. Diesen Dienst kann Marthe nicht verweigern. So wird die alte Frau wegen Zauberei ins Verlies gesperrt und Ambra und Mathieu müssen wieder fliehen.

Die Konstruktion des Plots gefällt ausgesprochen gut. Es ist spannend, zu verfolgen, was das Schicksal für Ambra und Mathieu bereit hält. Ihre Liebe wird auf eine harte Probe gestellt. Die beiden werden im Verlauf der Handlung getrennt. So verläuft die Geschichte dann auch zeitweise in zwei Erzählsträngen.
In diesem Roman erfährt man viel über die Kunst des Seifensiedens. Die historischen Hintergründe und Details sind perfekt eingearbeitet. Grundlegende Informationen von der Autorin gibt es auch noch mal am Ende des Buches.
Aber vor allem ist „Die Seifensiederin“ eine wunderbare Liebesgeschichte. Sehr romantisch und traurig und dennoch voller Hoffnung, die man als Leser auch nie verliert, so aussichtslos diese Liebe auch sein mag.
Auch vom Schreibstil her, ist das Buch perfekt. Man wird hineingezogen in die Geschichte und möchte nur noch lesen, lesen, lesen…

Über die Autorin:
Angeline Bauer lebt in der Nähe von Ingolstadt. Bevor sie freie Autorin wurde, war sie ausgebildete Tänzerin.

Rezension von Heike Rau

Angeline Bauer
Die Seifensiederin
361 Seiten, broschiert
Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3-7466-2277-8
ISBN-13: 978-37466-2277-4
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