Im Bann des Schattenpferdes

Im Bann des Schattenpferdes

Eine alte Burg wird nun Jannikas neue Heimat sein. Ihre Eltern, die Geschichtsforscher sind, haben hier Arbeit gefunden. Jannikas Vater plant und richtet das neue Museum ein und ihre Mutter bringt das Archiv des Grafen von Falkenfels in Ordnung.
Die Burg ist sehr abgelegen. Trotzdem findet Annika hier schnell eine Freundin in Mona von Falkenfels. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut und verbringen bei Ausritten ihre Zeit miteinander.
Nur eine Sache macht Jannika Sorgen. Sie hat seit dem Umzug Albträume. Davon wird sie aber abgelenkt als bei Restaurierungsarbeiten ein Wandgemälde auf der Kapellenwand entdeckt wird. Es zeigt einen Ritter auf seinem Pferd. Jannika kann es nicht glauben. Das Gemälde passt perfekt zu ihrem letzten Albtraum. Auch von dem Hengst auf dem Bild träumt das Mädchen. Und dann wird der Traum Wirklichkeit. Annika sieht von ihrem Fenster aus ein Pferd am Strand. Niemand vermag zu sagen, woher das Tier in der Nacht gekommen ist und wem es gehört.
Jannika und Mona wollen das unruhige Tier nicht allein über Nacht im Stall lassen. Als Jannika es beruhigen will, flieht es jedoch an ihr vorbei nach draußen. Es läuft zu einer schattenhaften Gestalt, die allerdings ganz schnell wieder ins Nichts verschwindet. Jannika fragt sich, ob der Nebel ihr einen Streich gespielt hat. Das glaubt jedenfalls Mona. Doch der Spuk will kein Ende nehmen. Jannikas Schicksal ist besiegelt. Sie ist ausersehen, ein spannendes Geheimnis der Vergangenheit zu lösen.

Mit dieser Geschichte wird eine alte Legende zu neuem Leben erweckt. Das ist äußerst spannend. Ausgerechnet ein junges Mädchen muss das Rätsel um den Ritter mit seinem Pferd, den das Wandgemälde zeigt, lösen. Auch wenn Annika die unheimlichen Vorkommnisse natürlich Angst machen, ist sie doch mutig genug, sich dem zu stellen. Die Autorin beschreibt Annika so, dass man sich gut in das Mädchen hineinversetzten kann. Es ist, als erlebt man dieses Abenteuer hautnah mit.
Die Geschichte ist spannend gemacht. Es entsteht ein perfektes Gänsehautgefühl. Das ist sehr fesselnd und man kann das Buch kaum aus der Hand legen. Immer wieder geschehen neue unheimliche Dinge und doch kommt man der Lösung des Rätsels um den Ritter immer weiter auf die Spur.
Aus der Luft gegriffen sind die geschichtlichen Hintergründe zum Buch nicht. In einem Nachwort erklärt die Autorin, wo die Wirklichkeit endet und die Fantasie beginnt. So erfährt man viele interessante Details über die Slawen und den Slawen-Kreuzzug.
Die Autorin schreibt in einem einfachen, sehr gut lesbaren Stil. Das abenteuerliche Buch ist damit unbedingt allen, die unheimliche und geheimnisvolle Geschichten mögen, sehr zu empfehlen.

Über die Autorin:
Angela Waidmann wurde 1965 geboren. Sie liebt Pferde und hatte 20 Jahre lang zwei Haflingerstuten. Sie studierte Geschichte, Vor- und Frühgeschichte und Volkskunde und machte sich als Journalistin im Fachbereich „Pferde“, aber auch als Autorin von Sachbüchern und Jugendromanen selbständig. Angela Waidmann lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Unterfranken.

Rezension von Heike Rau

Angela Waidmann
Im Bann des Schattenpferdes
184 Seiten, gebunden
Ensslin im Arena Verlag
ISBN: 3-401-45234-7
ISBN: 978-3-401-45234-0
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Italienische Gärten

Italienische Gärten

Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine Reise durch verschiedene Regionen Italiens, wie Latium, Kampanien, Toskana, Venetien, Ligurien, Lombardei und Piemont. Überall in diesen Gebieten gibt es bezaubernde Gärten, die es lohnt, kennen zu lernen. Besucht wird der Garten von Ninfa (Sermoneta) mit seinen Ruinen, die Villa d’Este (Tivoli)mit einem Wassergarten in den Bergen, die Villa Borghese (Rom) mit den geheimen Gärten oder der Garten des Palazzo Patrizi (Giuliano) mit einem Meer von Rosen, Palazzo Reale (Caserta) ein italienisches Versailles, Villa Castello (Florenz), der klassische toskanische Garten oder auch der Garten der Villa Gamberaia (Settignano), ein wahrer Architektentraum. Insgesamt werden die 60 schönsten und wichtigsten Gärten beschrieben.

Liebhaber der Gartenkunst werden ihre Freude an diesem Buch haben. Nach einem ausführlichen Vorwort ist es, als würde man die Autorin auf ihrer Reise begleiten. Sie zeichnet die Atmosphäre eines jeden Gartens nach, beschreibt die Wirkung auf den Betrachter. Die Fotos sprechen dabei für sich. Die Autorin skizziert ganz genau Stimmungen und lässt bestimmte Szenen aufleben. Dabei sieht sie auch immer wieder zurück in die Vergangenheit. Bei ihrem Spaziergängen durch die Gärten streicht sie Besonderheiten heraus, lenkt die Blicke auf Ungewöhnliches und Sehenswertes. Sie beschreibt wie die Gärten genutzt wurden und heute genutzt werden, erzählt Geschichten dazu und Anekdoten. Es macht viel Freude, die Texte zu lesen, sich verzaubern zu lassen von den Ausführungen der Autorin. Auch für den eigenen Garten können die vorgestellten Gärten Inspiration sein.

„Italienische“ Gärten ist ein bezauberndes, sehr aufwändig gestaltetes Buch. Der Schreibstil der Autorin gefällt. Ihre Ausführungen begeistern. Und auch die Fotos betrachtet man gerne länger. Am liebsten würde man sie gerahmt an der Wand sehen. Oftmals gibt es auch Zeichnungen von den Gärten. So kann man sich gut ein Bild von der Architektur und den Ausmaßen machen. Auch die Lage der Gärten kann man dank des vorhandenen Kartenmaterials ersehen. Zu öffentlich zugänglichen Gärten gibt es Informationen mit Adressen, Internetseiten, Emailadressen, Öffnungszeiten und Telefonnummern. Wer mehr lesen möchte, findet zudem eine Liste mit ausgewählter Literatur.

Über die Autorin:
Ann Larås ist Journalistin, Fotografin und Garten-Historikerin. Sie arbeitet für das staatliche Fernsehen Schwedens.

Rezension von Heike Rau

Ann Larås
Italienische Gärten
Aus dem Englischen von Susanne Stopfel und Ulrike Stopfel
Fotos von Ann Larås und Åke E:son Lindman
208 Seiten, gebunden
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4818-8
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Die Frau mit den Seidenaugen

Die Frau mit den Seidenaugen

Marie Thérèse, auch Madame Royale genannt, ist die erstgeborene Tochter König Ludwigs und Marie Antoinettes. Wohlbehütet wächst das empfindsame Mädchen auf. Doch in Versailles gibt es Veränderungen als Ernestine de Lambriquet in die Familie aufgenommen wird. Die beiden Mädchen sollen von nun an zusammen lernen und ihre Freizeit verbringen. Die Begeisterung von Marie Thérèse hält sich in Grenzen. Doch zum ersten Mal erfährt sie etwas aus erster Hand von der Welt draußen und die Zustände in Frankreich. Ernestine ist auch für Klatsch und Tratsch zu haben. Sie hat ihre Augen und Ohren überall. Sie scheut sich auch nicht, gegenüber Marie Thérèse beleidigend zu werden. Die Prinzessin ist erstaunt, als sie erfährt, dass Ernestine nicht davor zurückschreckt, zu spionieren. Doch diese unbezähmbare Neugier steckt an und schon wird Marie Thérèse hineingezogen in die Intrigen und Skandale des Hofes. Doch bald treten wichtigere Dinge als Hofintrigen in den Vordergrund. Die Stimmung im Lande verschlechtert sich rapide. 1789 bricht die Revolution aus. Das Volk erhebt sich. Marie Thérèse verliert ihr Zuhause, muss um ihr Leben fürchten. Doch was für ein hartes Schicksal ihr bevor steht, hätte sie sich niemals träumen lassen.

„Die Frau mit den Seidenaugen“ ist ein opulenter historischer Roman, geschrieben mit einer unglaublichen Detailgenauigkeit, was die historischen Hintergründe betrifft, die offensichtlich aufwändig recherchiert sind. Auch die Figuren sind sehr gut ausgearbeitet. Große Gefühle werden zum Leben erweckt. Das Leben von Marie Thérèse ist sehr bewegend und tiefgreifend geschildert. Es könnte so gewesen sein. (Zusätzliche Informationen kann man dem Nachwort des Autors entnehmen.) Auch vom Schreibstil her, lässt sich das Buch sehr gut lesen, ohne dafür an Anspruch zu verlieren. Der Autor beschreibt das Schicksal Marie Thérèses sehr einfühlsam. Er nimmt sich Zeit zu erzählen, was sehr gut gefällt. Die Handlung ist nun mal sehr komplex, aber eben perfekt ausgearbeitet. Auch der Erzählrhythmus stimmt. Unbedingt lesen!

Über den Autor:
Guido Dieckmann wurde 1969 in Heidelberg geboren. Er studierte Geschichtswissenschaft und Anglistik. Der Autor lebt in Hassloch in der Pfalz.

Rezension von Heike Rau

Guido Dieckmann
Die Frau mit den Seidenaugen
491 Seiten, gebunden
Rütten & Loening
ISBN: 3-352-00732-2
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Das Paradies am Rande der Stadt

Das Paradies am Rande der Stadt

Volker Strübing: Das Paradies am Rande der Stadt

Die vierziger Jahre des 21. Jahrhunderts. Der Weltkonzern Eden bietet seinen Kunden das vollkommene Glück. Und das sogar kostenlos. In Zeiten, die alles andere als einfach sind, nehmen Millionen das Angebot an und treten unter den Regenbogen, das Wahrzeichen von Eden. Die Menschen leben in einer simulierten Welt, dem Paradies auf Erden.
Doch nicht alle teilen das Glück. Kritiker werfen Eden vor, die menschliche Rasse zu entmündigen, gar zu vernichten. Seelenfänger wie die „Preußische Union Patriotischer Sozialisten“ unterminieren die Grundsätze Edens:
1. Mache die Menschheit glücklich
2. Respektiere ihre Entscheidungsfreiheit
3. Wende niemals Gewalt an
Das ruft „Die Freunde Der Menschheit auf den Plan. Dante und seine Schar Mitstreiter planen, Eden zu stürzen. Theo, ein Junge, dessen Gene optimiert wurden – er ist hässlich, aber dafür außerordentlich intelligent – versucht die Festung Eden zu knacken, aber seine Versuche bleiben erfolglos. Plötzlich wird Kloß, einer ihrer Mitstreiter, von einer Nazigruppe entführt und zum Berliner Regenbogen gebracht. In allerletzter Sekunde retten „Die Freunde Der Menschheit“ ihren Kumpanen und erleben ihre Überraschung. Sie treffen am Regenbogen auf eine Frau: Eva, die aus dem Paradies floh, um ihren Adam zu suchen.
Und mit diesem Moment wird alles anders. „Die Freunde Der Menschheit“ haben durch Zufall den Schlüssel für Eden in den Händen und fortan sind sie Gejagte. Denn sie sind nicht die einzigen, die Interesse an dem Schlüssel zur Macht über Eden halten.

Der Roman ist eine Mischung aus Satire, Jugendbuch, Klamauk und Science Fiction. Stellenweise kann sich der Roman nicht entscheiden, ob er mehr zum „5 Freunde-Prinzip“ tendiert oder zur spitzen Verballhornung der heutigen Gesellschaft. Die ist manchmal störend, manchmal macht es einen großen Reiz des Buches aus.
Die Geschichte selbst wird immer wieder von fiktiven Lexikoneinträgen und Anzeigen unterbrochen, die sehr schön die Welt der zukünftigen vierziger Jahre aufzeigen. Ob Holonet, Daemon oder Beschwörer alles wird anschaulich erklärt, ohne dass es langweilig oder trocken wird. Allerdings hätte ich mir bei den Anzeigen ein wenig mehr Fingerspitzengefühl gewünscht:
Zitat:
Anzeige: Die Tochter missbraucht? Kann sein, dass sie dir nie verzeiht, Jesus tut es. Ab 1,99. Ablass Service der Preußischen Katholischen Kirche.
Das war meiner Meinung nach die Überschreitung des guten Geschmacks. Wenn man darüber hinwegsieht und den gerade zu Beginn des Romans zu häufig vorkommende Klamauk ignoriert, findet man eine heitere, witzige und abwechslungsreiche Geschichte, die uns in ein schillerndes Berlin der Zukunft führt. Viele heute angedeuteten Fehlentwicklungen werden parodiert und ins Groteske gezeichnet.
Die Figuren wie Kevin Pascal, Theos Onkel, Spider und Marta sind allesamt liebenswert und entführen den Leser zu einer spannende Reise in die Zukunft.

Fazit: Sehr lesenswerter Roman mit kleinen Schwächen. Hoffen wir, dass dies nicht der letzte Roman von Volker Strübing war. Man darf gespannt sein.

Volker Strübing
Das Paradies am Rande der Stadt
SF Satire mit fünf Freunde-Prinzip. Nominiert für DSFP, KLP und DPP
ISBN:3935269307
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Angst vor dem Sturz?

Angst vor dem Sturz?

Brian Keene: Angst vor dem Sturz?

„Dieses Buch handelt von unsanften Landungen. Es ist ein Buch über Traumflüge, während sich am Horizont eine Sturmfront zusammenbraut. Es ist ein Buch über die Macht der Schwerkraft.“ So der Autor im Vorwort.
Angst vor dem Sturz ist eine Sammlung von zehn Geschichten des Amerikaner Brian Keene, der damit zum ersten Mal in Deutschland veröffentlicht wird.

Die Geschichten sind recht unterschiedlich, spielen aber allesamt in der realen Welt. Die ersten beiden beginnen direkt mit aktueller Zeitgeschichte. In „Staub“ werden die Geschehnisse des 11. September aufgearbeitet in Persona einer Frau, deren Freund in den Türmen umkam. Eine Geschichte zum Mitfühlen, die einerseits bitter, andererseits eine Ode an die Liebe ist. In „Babylons Sturz“ begleitet der Leser die US Armee in den Irak, wo einer Handvoll Soldaten der wahre Horror begegnet. Allein diese Geschichte ist den Kauf des Buches wert, so intensiv erlebt der Leser den Schrecken der irakischen Wüste.
Mit „Frust in Bethlehem“ folgt eine kurze, böse Geschichte über die Geburt eines Messias. In „Rotes Holz“ findet der Kampf zwischen Natur und Mensch eine neue Auflage. Frank Lehmann, unheilbar an Krebs erkrankt, kehrt ein letztes Mal mit seinen Söhnen und Freunden zur Jagdhütte zurück, doch erleben sie einen unsäglichen Schrecken. Die Geschichte fand ich ein wenig voraussehbar, erinnerte leicht an „Tanz der Teufel“ und gehört zu den schwächeren der Sammlung.
„Der König in…Gelb“ ist wieder eine böse Story, beginnend in einer wirklich alltäglichen Situation und endet wahrlich furios. Ein Pärchen besucht das etwas andere Musical.
„Ein Ausweg“ ist wieder eine kurze böse Geschichte die zeigt, dass Könner wie Keene nicht immer viele Seiten brauchen, um den Leser zu überraschen: Die Geschichte erinnert mich an Vergleichbares von Robert Bloch, dessen Geschichten auch immer recht harmlos begannen und man sich plötzlich schaudernd vom Buch abwendet.
„Lila Zeug“ ist in Tradition der Zombieromane geschrieben. „Gestrandet“ folgt den Big Brother Shows der Gegenwart, während „Zysten“ von Schuld und seinen Auswirkungen berichtet.
Zum Schluss erzählt „Der Garten meiner Tränen“ die Geschichte einer apokalyptischen Welt, in der die Sintflut real ist, oder ist es eher der Triebhauseffekt? Kevin lebt mit einer Gruppe Gleichgesinnter im obersten Stock eines Hochhauses in Baltimore. Alles andere ist überflutet. Und ihre Nachbarn sind Satanisten, welche Behemoth anbeten und dem Wassergott Opfer bringen.

Brian Keene ist ein fantastischer Erzähler, der an sich gewöhnlichen Storyplots immer wieder neue Aspekte abgewinnt. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht die letzte Veröffentlichung auf dem deutschen Markt ist. Fans der Horrorliteratur sollten unbedingt zugreifen.

Brian Keene
Angst vor dem Sturz?
Eine Sammlung böser Horrorgeschichten eines amerikanischen Autors, der zum ersten Mal in Deutschland erscheint. Sehr lesenswert
ISBN:3938411074
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Christian Pott: Pflanzen und Tiere der Küste

Christian Pott: Pflanzen und Tiere der Küste

Bei einem Küstenspaziergang an Nord- oder Ostsee gibt es viel zu entdecken. Da wäre es doch schön, wenn man die Tiere und Pflanzen auch benennen könnte. Mit diesem handlichen Naturführer gelingt das garantiert. Er enthält 260 Pflanzen- und Tierarten.

Wie man das Buch benutzt, wird natürlich ganz genau beschrieben. Und auch eine Einführung informiert zunächst über Wissenswertes der Tier- und Pflanzenwelt im Allgemeinen. Dann folgen die Porträts. Berichtet wird über Merkmale und Vorkommen. Dazu kommt die Rubrik Wissenswertes. Die Porträts sind sehr gut verständlich geschrieben – nicht in Stichpunkten, sondern in ganzen Sätzen. Natürlich findet man Informationen zu deutschen und wissenschaftlichen Namen. Es gibt Symbole, so dass man bestimmte Eigenschaften der Pflanzen und Tiere auf einen Blick ablesen kann.

Der Naturführer ist auch sehr übersichtlich gestaltet. Im Bestimmungsteil Pflanzen nach Standorten, also Strand und Weißdünen, Graudünen, Braundünen, obere Salzwiesen und untere Salzwiesen sowie Verlandungszonen. Der Bestimmungsteil Tiere ist geordnet nach Gruppen, also Schnecken und Muscheln, Algen und Tiere in Angespül und Watt, sowie Meeresvögel. So kann man sich sehr gut orientieren.

Im Buch gibt es aber noch mehr zu entdecken. So findet man im Anhang einen Blühzeitenkalender und ein kleines Küstenlexikon, so dass man auch mal nachlesen kann, was eine Flutmarke oder eine Gezeitenzone ist.

Fazit: „Pflanzen und Tiere der Küste“ ist ein interessanter Naturführer mit spannenden uns sehr unterhaltsamen Tier- und Pflanzenporträts und sehr aussagekräftigen Bildern. Er ist handlich und zeigt im Pflanzenteil alle wichtigen Wildblumen, Gräser, Gehölze und im Tierteil Muscheln, Krebse, Seeigel, Würmer, Säugetiere und Seevögel. Damit ist der Naturführer sehr empfehlenswert für alle naturinteressierten Küstenspaziergänger.

Über den Autor:
Christian Pott, geboren 1977, ist Biologe. Sein Interesse an der Flora und Fauna der Küster begann während seiner Zeit als Vogelwart auf der Insel Spiekeroog. Er erforscht zur Zeit an der Universität Münster das Leben 230 Millionen Jahre alter fossiler Pflanzen.

Rezension von Heike Rau

Christian Pott
Pflanzen und Tiere der Küste
Ulmer Naturführer
256 Seiten, Klappenbroschur, 280 Farbfotos
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN 3-8001-4890-0
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Die Tour de France – Der Comic

Die Tour de France – Der Comic

Fans des Radsports sind begeistert von der Tour de France. Lauren Jalabert offenbart dem Leser mit diesem Comic eine Blick hinter die Kulissen dieses spannenden Mannschaftssports. Zum Team gehören ganz unterschiedliche Radsportler. Sie wollen alle gewinnen und doch haben sie verschiedene Ziele. Angelo möchte eine Etappe gewinnen und die Schönheitskönigin küssen. Fred möchte am liebsten durchfahren bis zum Atlantik, dem Surferparadies. Der Masseur Guilhem träumt von einer Kartoffelschälmaschine und Claude, der Sportdirektor, hofft, dass seine Mannschaft auch mal außerhalb seiner Träume gewinnt. Natürlich geben die Radsportler ihr Bestes und essen auch jede Menge Kartoffelbrei, aber so ein Wettstreit hat auch sein Tücken. Da geht es im Eifer des Geschäfts schon mal drunter und drüber. Es ist nichts vorhersehbar. Vor Überraschungen ist man nie sicher, auch was die Konkurrenz betrifft.

Laurent Jalabert erzählt Gags, witzige Erlebnisse und Anekdoten, die das anstrengende Tour-Leben ausmachen. Dabei gönnt er dem Leser keine Pause. Von einem Spaß geht es zum nächsten. Das ist sehr amüsant und unterhaltsam. Und das alles ist auch noch perfekt bebildert und in Szene gesetzt und das mit viel Freude zum Detail. Es gibt viel Interessantes zu entdecken. Die Bilder begeistern. Besonders gut wurden die Mimik und Gestik der Sportler zum Ausdruck gebracht gesetzt. Das ist ein wahrer Augenschmaus. Der Comic ist damit das ideale Begleitbuch zur Tour de France.

Rezension von Heike Rau

Laurent Jalabert
Die Tour de France – Der Comic
47 Seiten, Softcover
Ehapa Comic Collection
Egmont vgs verlagsgesellschaft
ISBN : 3-7704-2920-6
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Die Verführung

Die Verführung

Arthur Japin erzählt in diesem biographischen Roman die Geschichte der Lucia von Pasiano.
Sie beginnt in der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Lucia war eine einfache Frau, die als Kind von zwei Bediensteten der Gräfin Montereale in adeligem Hause auswuchs. Das Landgut der gräflichen Familie befand sich in Pasiano, nicht weit entfernt von der großen Stadt Venedig. Die Gräfin hatte Lucia als zu ihrem Liebling erkoren und sie quasi als Ersatztochter angenommen.
Bis Lucia begriff, dass nicht sie zu den Besitzern der Ländereien in der Umgebung gehörte, verging einige Zeit. Sie genießt ihr Kinderleben in Freiheit und tiefer Naturverbundenheit.

Mit vierzehn Jahren lernte sie Casanova kennen, von dem damals noch niemand wusste, dass er der Casanova, eine Berühmtheit seiner Zeit, werden würde. Beide fühlen sich tief verbunden in einer leidenschaftlichen Liebe, die mit einer Hochzeit gekrönt werden soll.
Wie die Geschicke es aber damals so wollten: Lucia erkrankt an den Blattern, die sie so entstellen, dass sie beschließt, ihrer Jugendliebe zu entsagen und aus dem gräflichen Hause zu fliehen.
Nun beginnt für Lucia ein trauriges und abenteuerliches Leben, das sie in tiefste Tiefen, in Armut und zuletzt zu bescheidenem Wohlstand führen soll,–als Edelprostituierte.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt beschließt sie, fortan verschleiert zu leben, was ihre Anziehung auf die Männer ihrer Zeit nur erhöht. Nach Stationen in Venedig und Bologna lässt sie sich zuletzt in Amsterdam nieder.
Bei einer erneuten Begegnung mit Casanova, der sie nicht erkennt, lernt sie einiges über die Liebe und zieht ihre Schlüsse daraus.

Das Buch ist in der Ichform geschrieben, und man ist sofort fasziniert von dieser nachdenklichen und reflektiert denkenden
Person, die auf ihrem Lebensweg viel erlebt hat und gute und schlechte Erfahrungen in gleichem Maße gemacht hat.

Die Vorstellung, es handelte sich hier um einen Liebesroman im gängigen Sinn, ist ganz und gar irrig. Viel mehr geht es um eine Erkenntnisgeschichte auf hohem Niveau. Abgesehen von dem Zeitkolorit dieser Erzählung, sind die Einsichten in das menschliche Handeln und die Erfahrung darüber, was die wahre Liebe ausmacht, von philosophischer Dimension. Sie machen das Buch zu einem reinen Lesevergnügen. Ich kann es nur jedem empfehlen.

Arthur Japin
Die Verführung
Casanova und seine Zeit
ISBN:38956414114
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Der Teppichhändler

Der Teppichhändler

Diese wundersame Geschichte von dem Teppichhändler aus Tabris im Iran, den es nach New York verschlagen hat, ist von einem besonderen Zauber geprägt.
Uschman, der Held der Geschichte, ist umweht von dem geheimnisvollen Gebaren, das wir uns unter der Mentalität des Orients vorstellen mögen. Leicht naiv, sehr zurückhaltend,
zuweilen eher schüchtern, etwas ratlos über das westlich – freizügige Leben, gelegentlich jedoch durchaus schon mit diesem Leben auch vertraut, nimmt er in unseren Augen nach und nach Gestalt an.

Seine Frau Tarak hat ihn nach New York geschickt, um dort mit dem Verkauf der feinen Teppiche, die sie für ihn aussucht und nach New York schickt, zu Geld zu kommen. Ob sie ihn nur deshalb weggeschickt hat? Oder wollte sie ihn einfach loswerden?
So nach und nach erfährt der Leser seine ganze Geschichte.
Uschman sehnt sich nach seiner Frau und hofft, dass Tarak bald zu ihm kommen wird.
Leider lässt sie ihn eines Tages wissen, dass sie inzwischen einen anderen liebt, von ihm ein Kind erwartet und nach Istanbul ziehen wird.
Sie hat die Scheidung von ihm erreicht.
So bleibt er traurig und verloren alleine. Dass er diese Scheidung widerstandslos geschehen lässt, weist ihn als einen feinen und liberalen Charakter aus.
Eine reiche aber schon recht alte Käuferin versucht, sich ihm zu nähern. Sie ist von den Teppichen des Orients ganz entzückt und sieht ihn, Uschman, fälschlich als Teil ihres Erwerbs an.

Zur gleichen Zeit erfährt er eine unerwartete und ihn zutiefst anrührende Begegnung mit einer jungen, schönen amerikanischen Studentin, aus der eine feine, zarte und sensibel beschriebene Liebesgeschichte wird.
Stella, die junge Frau, die seine Geliebte wird, muss wohl auch dem Reiz des Fremden und Einzigartigen im Charakter von Uschman erlegen sein,–so wie er der feinen, selbstbewussten und unverdorbenen Offenheit in ihr.

In welcher Weise Meg Mullins sich dem Thema nähert, ja, wie sie es fertig bringt, die zwei gegensätzlichen Charaktere des Westens und des Ostens zu beschreiben, das hat mich erstaunt. Setzt es doch eine genaue Kenntnis vom Leben im Iran und den dortigen Geflogenheiten voraus. Es ist ihr wunderbar gelungen, die Gegensätze und die Vereinbarkeiten aufzuzeigen.
Eine vergleichbar zarte und sensibel geschriebene Liebesgeschichte, frei von Klischees oder dem Einschlag von Kitsch, habe ich lange nicht gelesen.
Es war ein großes Vergnügen für mich, das Buch zu lesen.

Meg Mullins
Der Teppichhändler
Eine Liebesgeschichte zwischen zwei Welten
ISBN:382700621
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Mein Hund ist rot!

Mein Hund ist rot!

Da kann man sich nur wundern. Der Hund des kleinen Jungen ist wirklich auffällig. Er unterscheidet sich von anderen Hunden durch seine rote Fellfarbe. Es ist ein sehr auffälliges Rot. Man kann es nicht übersehen. Dabei gibt es eigentlich gar keine roten Hunde. Der Hund muss sich als blöder Hund beschimpfen lassen. Da kommen auch dem Jungen Bedenken. Vielleicht gibt es eigentlich gar keine roten Hunde.
Aber als das Fell des Hundes weiß eingefärbt wird, gibt es auch wieder welche, die sich wundern. Es hilft sowieso nichts. Bei Regen kommt alles raus. Er spült die weiße Farbe weg. Nur nachts ist der Hund grau und damit halbwegs normal. Doch nachts sieht ihn keiner.

„Mein Hund ist rot“ ist ein Buch vom Anderssein. Es regt an, einmal darüber nachzudenken, denn es lässt sich auf viele alltägliche Begebenheiten beziehen. Der Text, eigentlich ein Dialog, ist knapp bemessen. Die Illustratorin hat sich auf das Wesentliche beschränkt. Die Botschaft wird so deutlich gemacht. Auf Details wurde verzichtet. Auch die Farbauswahl ist begrenzt. Einige wenige Farbtöne beherrschen das Bild. Ob Kindern das gefällt, wird sich zeigen. Das Buch ist aber ohnehin eher eine Einladung zum Diskutieren über das Anderssein. Wie wichtig sind Äußerlichkeiten und wie bewertet man sie. Bei Kindern wird das viele Fragen aufwerfen. Am besten ist es, wenn Kind und Eltern das Buch gemeinsam ansehen, um die auftretenden Fragen gleich beantworten zu können.

Rezension von Heike Rau

Maria Vohn
Mein Hund ist rot!
16 Seiten, Pappband
Peter Hammer Verlag, Wuppertal
ISBN: 3-7795-0049-3
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