Die Ameisen von Tanumatiu-Beach / Unterwegs in der Südsee

Die Ameisen von Tanumatiu-Beach / Unterwegs in der Südsee

Die Südsee bereisen auf eigene Faust – das hat der Autor dieses Buches ein Jahr lang getan. Australien, Neuseeland, Fidschi, Tonga, Samoa, die Cook-Inseln, Tahiti, die Marquesas. Mit dem Flugzeug, mit dem Schiff, mit dem Bus, zu Fuß. Dabei ist kein klassischer Reisebericht herausgekommen, sondern detailverliebte Geschichten über das Reisen. Über fremde Menschen die unterwegs sind, über ganz normale Menschen, die in dieser geheimnisvollen Inselwelt schon immer leben, von der wir Europäer nur träumen. Aber trotz aller Geschichten, die sich um die Südsee und ihre Bewohner ranken: Alltag gibt es auch dort. Und der ist bestimmt von der Gratwanderung zwischen Tradition und westlicher Zivilisation.
Hervorzuheben ist vor allem, dass sich der Autor mit diesem Buch im positiven Sinn zwischen zwei Stühle gesetzt hat: Den Reisebericht und die Belletristik. Denn die Geschichten sind oft nichts anderes als literarische Momentaufnahmen, Skizzen, die nicht mit einem Reisetagebuch, sondern eher etwas mit einem geistigen Bild zutun haben. Oft geradezu lyrisch, aber einfühlsam, genau und ungeheuer lebendig.

Rainer Würth
Die Ameisen von Tanumatiu-Beach / Unterwegs in der Südsee
Keine romantisch-verklärende Reisebeschreibung, sondern lakonisch und aktuell
ISBN:3895022098
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Einsames Ziel – Yukon

Einsames Ziel – Yukon

Im Februar 1990 starten Andreas Hutter, Franz Six und Anton Stadler nach einer Vorbereitungsphase mit ihren Hundeschlitten im Süden des Yukon- Territoriums, von Ross River quer durch die Mackenzie Mountains nach Fort McPherson. Unglaubliche 1500 Kilometer in drei bis vier Monaten. Keine Menschenseele würde ihnen in dieser Zeit begegnen. Es ist eine gewagte Unternehmung, eine unglaubliche Herausforderung, die die drei Männer mit ihren sechzehn Huskies in Angriff nehmen wollen.

Entstanden ist ein Buch, das begeistert und einen tiefen Eindruck hinterlässt. Die drei Männer kämpfen sich durch den Schnee. Nicht selten wird ihnen alles abverlangt, gelangen sie an die Grenzen ihrer Kräfte. Dennoch sind sie nicht schnell genug. Der Frühling kommt und mit ihm die Schneeschmelze. Doch aufgeben wollen die Männer nicht. Sie bauen ein Floß, um doch noch ihr Ziel erreichen zu können.

In diesem Buch werden nicht nur die spannenden Momente der abenteuerlichen Reise dargestellt. Es geht auch um die vielen Kleinigkeiten, die die Männer fast zur Verzweiflung brachten. Dennoch bewahrten sie sich ihren Humor. Egal ob es um die Sinnlosigkeit des Gebrauchs von normalen Besteck geht. (Eine Säge eignet sich zum Zerteilen der tiefgefrorenen Nahrungsmittel viel besser.) Oder warum man bei einer arktischen Hausmaus kein Erbarmen zeigen darf. (Das Tier vermehrt sich rasend schnell und kann so zur ernstzunehmenden Gefahr für die Vorräte werden.) Auch die zwischenmenschlichen Problem, die eine Isolation mit sich bringt, werden nicht verschwiegen. Doch diese Männer können auch mal ihre Fehler zugeben und über sich selbst lachen. Mit ihrem Sinn für Ironie meistern sie so mache brenzlige Situation. Ihr ausgeprägter Humor zeigt sich auch immer wieder in den Fotos. Da ist Tonis Todessprung mit dem Kinderbob zu nennen oder die Bilder, die ihn in Reihe bei -20, -30, -40 und schließlich restlos vermummt bei -50 Grad Celsius zeigen.
Atemberaubend sind die Naturaufnahmen. Dazu gehören die Nordlichter mit ihrem einzigartigen Farbenspiel oder die Stimmung nachts am Feuer. Aber auch die Veränderung der Natur im Verlauf der vielen Wochen wird greifbar. Sehr interessant sind auch die vielen Fotos von den Huskies, die eine sehr wichtige Rolle gespielt haben. Das wird auch immer wieder im Text deutlich gemacht. Die Bilder von einer Begegnung mit Wölfen oder dem toten Bären, der beinahe zur tödlichen Gefahr geworden wäre und doch auch Nahrung bedeutet, werden dem einen oder anderen Leser sicher Schauer über den Rücken jagen.
Auch mit Sachinformationen sparen die Autoren nicht. So gibt es Informationen über Tiere, Karten, Beschreibungen von Schneeschuhen, Schlitten und Schuhen, aber auch Ausrüstungslisten und mehr. Die ganze Unternehmung wird so viel besser vorstellbar. Dazu tragen die Autoren auch mit ihrem Schreibstil bei. Hier zum Abschluss ein Zitat von Andreas Hutter von Seite 60: „Das monotone Gehen, die absolute Ruhe mit einem Licht, das die ganze Gegend in einen gleichförmig weißen Schleier hüllte, der nirgends durch störende Objekte beeinträchtigt wurde, floß in mich hinein wie Musik, von der wir nur träumen, die wir aber niemals hören können. Eingenommen von der Schönheit der Natur merkte ich kaum, wie die Zeit vergangen war.“

Rezension von Heike Rau

Andreas Hutter / Franz Six
Einsames Ziel – Yukon
Mit dem Hundeschlitten durch die kanadische Wildnis
2. Auflage
122 Seiten, gebunden, mit zahlreichen Fotos
Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen
ISBN: 3-7888-0772-5
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Das gute Leben

Das gute Leben

Heinrich Brodersen macht sich auf in den Schwarzwald, um seinen Patenonkel Dietrich zu besuchen. Um der unliebsamen Reise wenigstens noch etwas Gutes abgewinnen zu können, bucht sich Brodersen am Treffpunkt im Hotel Schwarzwaldhof gleich ein paar Tage Wellness-Programm mit. So kann er doch wenigstens auf etwas Erholung hoffen.
Er ist sogar noch vor dem Onkel da. Der wird sich verspäten, muss einige Untersuchungen im Krankenhaus über sich ergehen lassen. Also geht Brodersen hinunter ins Hotelrestaurant. Kurzerhand wird er vom Oberkellner am Herrentisch platziert und so ergeben sich die ersten Gespräche mit den anderen Hotelbewohnern. Auch die Abendveranstaltung zum Thema „Was ist für Sie Glück?“ gibt Anlass zu Diskussionen. Brodersen wird etwas derb in seinen Formulierungen und irritiert die Gruppe, und das mit Freude.
Der Aufenthalt im Hotel mit den vielen Gesprächen mit dem ihm eigentlich fremden Personen, und auch die seltsamen Behandlungen des Haustherapeuten lassen seine Kindheit wieder lebendig werden. Längst Vergangenes, aber keineswegs Abgehaktes kommt ihm wieder hoch und beeinflusst sein Denken. Besonders der in seiner Kindheit eine große Rolle spielende Großvater, mit seinen verhassten Erziehungsmethoden, macht ihm gedanklich zu schaffen. Aber es geht auch um andere Dinge, welche die vergangene Zeit nicht ungeschehen gemacht hat. Außerdem muss er damit fertig werden, dass sein Onkel wieder an Krebs erkrankt ist und kaum noch eine Chance hat. Brodersen versucht Ordnung in die Gedanken und das Leben zu bringen, sucht alte Bekannte wieder auf, darunter auch eine Freundin, die er nie vergessen konnte. Sie hat eine besondere Überraschung für ihn, die sein ganzes Leben umkrempeln wird.

Was anfangs so dahinplätschert, entpuppt sich bald als spannende Geschichte. Dabei geht es eigentlich nur um das bisher gelebte Leben. Viel scheint es für Brodersen nicht gebracht zu haben, auch wenn er beruflich erfolgreich ist und eine nette Freundin hat. Und dann holt ihn, er ist jetzt um die fünfzig, auch noch die Vergangenheit ein. Alte Vorfälle aus seinem früheren Leben, an die er sich gar nicht erinnern will, drängen sich auf wie Albträume. Der Kopf gibt keine Ruhe. Man fragt sich, wo das hinführen soll und wird dann sehr überrascht. Das Ganze hat einen tieferen Sinn. Im Nachhinein scheint es fast, als hätte Brodersen das unbewusst geahnt. Als wäre da was, was er übersehen hat, etwas das seinem langweiligen Leben doch noch die entscheidende Wende geben kann und einen Sinn.

Das Buch ist gut geschrieben, die Dialoge perfekt ausgearbeitet. So kann man sich die Menschen, mit denen Brodersen zusammenkommt, leicht vorstellen. Auch wenn man sich wundert, mit welcher Offenheit die Gespräche zwischen Fremden geführt werden. Aber hier hat jeder Probleme mit dem Leben, an denen er fast erstickt und das muss raus, ganz schonungslos. Und so steht die Frage im Mittelpunkt, was eigentlich ein gutes Leben ausmacht. So viele Chancen wurden verpasst. Falsch abgebogen an den Kreuzungen des Lebensweges. Aber auch mit 50 Jahren hat man es noch in der Hand, sich für einen neuen Weg zu entscheiden. Das ist wohl die Botschaft, dieses Buches.

Über den Autor:
Franz-Maria Sonner wurde 1953 geboren. Der Autor lebt heute in München.

Rezension von Heike Rau

Franz-Maria Sonner
Das gute Leben
221 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann, München
ISBN: 3-88897-408-9
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Das Ulmer Gartenbuch

Das Ulmer Gartenbuch

„Das Ulmer Gartenbuch“ beeindruckt zunächst durch sein Gewicht und seine Größe. Doch endlich hat man alles an Informationen und Wissenswerten an einem Platz und braucht nicht mehr viele Bücher zu wälzen, um Antwort auf bestimmte Fragen zu finden. Unterteilt ist das Werk in sieben Kapitel:

Vom Grundstück zum Gartenparadies
Hier wird das erworbene Land genau begutachtet. Die Bodenarten werden unterschieden. Außerdem wird dargelegt, wie der Boden am besten vorbereitet wird und worauf es bei der Gartenplanung ankommt. Dazu werden viele Vorschläge gemacht. Wichtig ist auch die Planung des Zaunes und der Wege. Erklärt wird wie Rasenflächen angelegt werden und vieles mehr.

Grundlagen des Gärtnerns
Den Anfang macht eine kleine Bodenkunde. Jeder Gärtner sollte seinen Boden genau kennen, damit die Pflanzen später auch gesund heranwachsen können. Dazu wird auch erklärt, wie man für fruchtbaren Boden sorgt und ihn bearbeitet. Das nötigen Werkzeuge werden vorgestellt. Weiterhin geht es um das Düngen und das Anlegen eines Komposthaufens. Dann wird aufgezeigt, wie gesunde Pflanzen gezogen werden, was man bei Schädlingsbefall tun kann und wie man Nützlinge im Garten fördert.

Gehölze bilden das Grundgerüst des Gartens
Hier wird Hilfestellung bei der Auswahl und Anpflanzung der verschiedenen Gehölze, die auch in Bild und Steckbriefen dargestellt sind, gegeben. Da muss doch eine Reihe von Dingen beachtet werden, nicht nur hinsichtlich der Standortbedingungen und der zu erwartenden Größe.

Der Blumengarten
Sommerblumen, Stauden, Ziergräser, Zwiebel- und Knollenblumen. Das Angebot ist groß. Mit Hilfe des Buches kann man sich einen Überblick verschaffen und eine Auswahl treffen. Dazu gibt es Pflegetipps und mehr.

Der Obstgarten
Ob Kernobst oder Beerenobst, von Apfelbaum bis Johannisbeere, auch hier kann man leicht eine Auswahl für den eigenen Garten zusammenstellen. Dazu gibt es viele Tipps, beispielsweise zum Schnitt oder zur Ernte.

Der Gemüse- und Kräutergarten
Hier gibt es Tipps zur Standortauswahl, der angemessenen Größe und der Einteilung der Beete. Die Erfahrungen mit Mischpflanzungen werden an den Leser weitergegeben. Thematisiert wird auch das Anbauen von Gemüse unter Folie, Vlies oder Netzen. Jede Menge Know-how rund ums Säen und Pflanzen wird vermittelt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auch hier auf der Erkennung und Bekämpfung von Schädlingen. Dann werden die Gemüse und Kräuter im einzelnen vorgestellt.

Mobiles Grün in Kübeln und Töpfen
Auch wer nur einen kleinen Garten hat oder auch nur Terrasse oder Balkon, kann sich an vielen schönen Pflanzen erfreuen. Was man beachten muss, wird genau erklärt. Bei der Auswahl helfen dann wieder die Pflanzenporträts.

Inhaltlich ist dieser Gartenratgeber wirklich beachtlich. Es gibt rund 900 ausführliche Pflanzenporträts und viele gut nachvollziehbare Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Für Einsteiger ist das Buch besonders gut geeignet. Es hilft bei der Planung eines Gartens, liefert Informationen, gibt Hilfestellung und beantwortet viele Fragen, die auftreten könnten. So ist das Buch auch ein hervorragendes Nachschlagewerk. Aber auch erprobte Gärtner werden noch Wissenswertes und zahlreiche Tipps finden. Interessant in diesem Zusammenhang sind auch die vielen Infokästen. Das Buch ist übersichtlich und sehr gut durchstrukturiert. So sind die einzelnen Kapitel farbig abgesetzt und auch ein Register zum Auffinden ganz bestimmter Artikel oder Pflanzen ist vorhanden. Im Anhang finden sich zudem Bezugsquellen und nützliche Adressen. Text und Bilder stehen in gutem Verhältnis. Die Erklärungen sind ausführlich und leicht verständlich und die eindrucksvollen Fotos verdeutlichen diese. „Das Ulmer Gartenbuch“ ist damit sehr empfehlenswert, vor allem für Gärtner, die wert darauf legen, alle notwendigen Informationen rund um den Garten in nur einem Buch zu finden!

Über den Autor:
Wolfgang Kawollek ist Gärtnermeister und Autor zahlreicher Fachbücher und Artikel zum Thema Garten und Pflanzen, aber auch zur beruflichen Bildung.

Rezension von Heike Rau

Wolfgang Kawollek
Das Ulmer Gartenbuch
umfassend-übersichtlich-informativ
720 Seiten, gebunden, über 1000 Farbabbildungen
Zweite Auflage
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4874-9
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Karlchen

Karlchen

Der kleine Oliver geht mit seinem Kuschelkater in den Spielzeugladen. Oliver ist sicher, dass es Karlchen hier genauso gut gefallen wird, wie ihm selbst. Sogar eine riesige Modelleisenbahn gibt es hier. Bald stellt Oliver den Kater auf dem Fußboden ab, weil er so beschäftigt ist. Doch auf dem Boden gefällt es Karlchen nicht. Damit er nicht verloren geht, behält er Olivers Turnschuhe im Auge. Doch auf einmal läuft Oliver weg. Immer weniger Schuhe sieht Karlchen und bald sind gar keine Leute mehr da. Das Licht geht aus. Frau Talbot, die Ladenbesitzerin ist am Gehen, als sie Oliver erspäht. Sie glaubt, es ist ein neues Spielzeug und stellt Karlchen ins Regal. Er hört, wie sie sich entfernt und die Tür abschließt.

Draußen geht eine Straßenlaterne an und endlich sieht Karlchen wieder etwas. Er sitzt in einem Regal mit lauter anderen Kuscheltieren. Und die wundern sich über Karlchen. Er ist nämlich schon ganz abgewetzt. So wird ihn doch nie jemand kaufen! Aber Karlchen will ja auch gar nicht gekauft werden. Er gehört doch zu Oliver. Und dass er so schäbig aussieht hat doch einen Grund. Das kommt vom vielen Kuscheln mit Oliver. Der wird seinen Freund sicher schon vermissen. Zum Glück trägt Karlchen ein Halsband mit seinem Namen und Olivers Telefonnummer. Der Bär will sich das Halsband genau ansehen. Doch es reißt ab und fällt hinunter, direkt in das Metallgitter, das im Fußboden eingelassen ist. Karlchen ist entrüstet. Wie soll ihn Oliver denn jetzt wiederfinden?

Sicher kann sich jedes Kind vorstellen, wie es ist, wenn ein geliebtes Kuscheltier verloren geht und so die Geschichte sehr gut nachvollziehen. Dazu kommt, dass Kinder sich problemlos ausmalen können, dass Kuscheltiere nachts lebendig werden. Die Nacht im Spielzeugladen wird dann auch sehr spannend. Zunächst wundern sich die anderen Tiere noch, über Karlchens Zustand. Doch sie wünschen sich auch von einem Kind geliebt und geknuddelt zu werden. Mit ihm zu spielen und mit im Bett schlafen zu können. Da wird es nebensächlich, wenn an einigen Stellen, dass Fell ein wenig dünner ist. Es gibt Dinge, die wichtiger sind. Die fantasievolle Geschichte eignet sich sehr gut zum Vorlesen, auch wenn sie etwas länger ist. Sicher gibt sie auch Anlass zu Gesprächen zwischen Kind und Vorleser. Es ist kein Buch, das man liest, zuklappt und vergisst. Sondern eins, dass auch bei Kindern einen tiefen Eindruck hinterlassen dürfte.
Sehr gut gefallen haben die Illustrationen. Der Zeichner hat beispielsweise die nächtliche Stimmung im Spielzeugladen, unter Laternenlicht von draußen, perfekt eingefangen. Aber auch die Auswahl der verschiedenen Perspektiven ist sehr interessant. So darf der Betrachter, mit den anderen Tieren zusammen, von oben am Regal hinuntersehen.

Über die Autorin:
Sandi Douglas Parker ist professionelle Kunstmalerin. Sie lebt mit ihrem Mann und den zwei Kindern in Arlington, Virginia.

Über den Illustrator:
Gerhard Glück wurde 1944 in Bad Vilbel geboren. Er studierte Grafikdesign und Kunsterziehung, war von 1976-2003 in Kassel im Schuldienst und arbeitete parallel als Zeichner und Buchillustrator.

Rezension von Heike Rau

Sandi D. Parker / Gerhard Glück
Karlchen
Deutsch von Klaus Modick
32 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert
Lappan Verlag, Oldenburg
ISBN: 3-8303-1095-1
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Der kleine Zauberer mit den großen Füßen

Der kleine Zauberer mit den großen Füßen

Die Wasserhexe Mira hat den kleinen Zauberer Minimax zum Sommerfest am See eingeladen. Wie gerne würde er mit ihr tanzen. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn wer beim Enteneierlaufen gewinnt und sein Ei nicht fallen lässt, darf genau das die ganze Nacht hindurch tun.
Aber Mira würde nicht mit ihm tanzen wollen, da ist Minimax sich sicher. Denn er hat Füße, die sind groß und platt wie Pfannkuchen. Zum Heulen ist das. Bisher hat er die Füße ja immer unter seinem Mantel verstecken können. Aber wie soll das gehen beim Tanzen? Da muss man die Beine herumwerfen.
Aber Minimax ist doch ein Zauberer! Seine Fledermaus schlägt vor, er solle die Füße doch einfach klein zaubern. Eigentlich kann Minimax sehr gut zaubern, doch bei seinen Füßen geht alles schief. Es gelingt ihm einfach nicht, kleine schöne Füße zu zaubern. Ob die Hexe Firlefanz das besser kann? Trotz ihrer schlechten Laune, die sie immer beim Putzen an den Tag legt? Sie hext tatsächlich für ihn. Doch das Ergebnis darf er nicht sehen. Die Hexe streift ihm dicke Socken über.
Die kleine Wasserhexe Mira staunt nicht schlecht über die neuen Füße von Minimax und zeigt ihre Enttäuschung offen. Sie fand nämlich, sehr zur Überraschung von Minimax, dass der kleine Zauberer die schönsten Füße weit und breit hatte.

Die Geschichte ist besonders Kindern zu empfehlen, die mit ihrem Aussehen nicht so ganz zufrieden sind. Sie gewinnen durch die Erlebnisse des kleinen Zauberers Minimax neues Selbstvertrauen und lernen, das kleine Makel auch anziehende Besonderheiten sein können. In der sehr spannenden und liebevoll gemachten Geschichte wird das spielerisch vermittelt. Dabei kommt der Spaß nicht zu kurz. Besonders lustig ist es, zu erleben, wie der Zauberer beim klein zaubern seiner Füße immer wieder Fehler macht.
Die Zeichnungen machen einen großzügigen Eindruck und auch die Farbauswahl ist sehr gut gelungen. Die Bilder wirken dadurch sehr stimmungsvoll. Für kleine Kinder wird die Geschichte so besser greifbar. Und auch der Vorlesende wird seine Freude daran haben.

Über die Autorin:
Friederun Reichenstetter studierte Sprachen in München, Strasbourg und London, arbeitete danach für verschiedene Organisationen im In- und Ausland. Seit einigen Jahren schreibt sie hauptberuflich Kinder- und Jugendbücher. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in München.

Über die Illustratorin:
Charlotte Panowsky, in Niederbayern geboren, studierte an der Fachhochschule für Gestaltung in München. Seit 1980 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin in München und hat bereits zahlreiche Bücher und Buchumschläge illustriert.

Rezension von Heike Rau

Friederun Reichenstetter / Charlotte Panowsky
Der kleine Zauberer mit den großen Füßen
28 Seiten, gebunden, durchgehend illustriert
ab 4 Jahren
Annette Betz Verlag
ISBN: 3-219-11222-6
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Der letzte Kampf des Tigers

Der letzte Kampf des Tigers

Als Yuri erfährt, dass sein Vater von einem Tiger getötet worden ist, bricht für ihn eine Welt zusammen. Er schwört, den Tiger zu jagen. Aber er weiß, dass er diesem gefährlichen Raubtier, das dazu noch verletzt ist, nicht gewachsen ist. So bittet er Wladimir, ein Jäger mit gutem Ruf und viel Erfahrung, ihn zu begleiten. Der alte Mann willigt schließlich ein. Aber er warnt Yuri auch eindringlich. Es ist schwierig, draußen in der Wildnis zu überleben. Es ist noch Winter und eisig kalt.

Immer tiefer dringen die beiden vor in die Taigawälder des Sichote-Alin-Gebirges. Dann sehen sie die ersten Spuren. Wladimir rekonstruiert anhand der Spuren, was geschehen ist. An der alten Jagdhütte in einer Talsenke, wo Wladimir und Yuri die Nacht verbringen wollen, sehen sie den Tiger zum ersten Mal. Gespannt beobachten sie im Mondlicht, wie er einem Reh auflauert. Yuri meint, ihn jetzt töten zu können. Doch der alte Mann hält ihn davon ab. Die beiden beobachten weiter, bis der Tiger schließlich in Aktion tritt und das Reh mit einem gewaltigen Sprung erbeutet. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel, das Yuri tief berührt. Und mit einem Mal ist der Hass auf den Tiger, den er eben noch deutlich gespürt hat, nicht mehr da.

Der sibirische Tiger ist vom Aussterben bedroht. Sein Verbreitungsgebiet wird immer mehr eingegrenzt. Sein größter Feind ist der Mensch. Das vorliegende Buch ist ein eindringliches Plädoyer für die größte Raubkatze der Welt, verpackt in eine aufregende, abenteuerliche Geschichte. Der alte Mann versteht es gut, seine Erklärungen und Argumente dem jungen Yuri verständlich zu machen und somit auch dem Leser. Er bringt Yuri schließlich zum Umdenken und den Leser zum Nachdenken. Besonders die Dialoge sind sehr einfühlend geschrieben. Dazu gelingt es dem Autor dem Leser besondere Stimmungen sehr gut nahe zu bringen. Auch die Beschreibungen der Natur sind sehr intensiv.
Das Buch ist so spannend und mitreißend geschrieben, dass man es kaum aus der Hand legen kann. Zusätzlich zur Geschichte gibt es interessante Sachinformationen im Anhang.

Über den Autor:
Werner J. Egli, geboren 1943 in Luzern in der Schweiz, lebt heute in Freudenstadt. Seine Jugendbücher wurden in viele Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. So wurde er 2002 für die Hans-Christian-Andersen-Medaille nominiert, die international höchste Auszeichnung für Jugendliteratur.

Rezension von Heike Rau

Werner J. Egli
Der letzte Kampf des Tigers
200 Seiten, gebunden
Verlag Carl Ueberreuter, Wien
ISBN: 3-8000-5154-0
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Deon Meyer: Das Herz des Jägers

Deon Meyer: Das Herz des Jägers

Der seltsame Anruf wirft Johnny Kleintjes Tochter Monica aus der Bahn. Der Anrufer hat ihren Vater in der Gewalt und verlangt von ihr, ein Festplatten-Laufwerk aus dem Safe zu holen. Er gibt ihr genau 72 Stunden Zeit, es zu ihm zu bringen von Kapstadt ins Republican Hotel in Lusaka in Sambia.
Monica ist behindert, bei einem Verkehrsunfall verlor sie beide Beine. So erinnert sie sich an einen Freund des Vaters, an den sie sich im Falle eines Falles wenden könne: Thobela Mpayipheli. Der ist nicht begeistert von dem Auftrag. Er hat sich zur Ruhe gesetzt und lebt mit Miriam und deren Sohn zusammen. Doch Johnny Kleintjes ist ein alter Freund und Thobela schuldet ihm noch etwas.

Schon am Flughafen wollen ihn zwei Agenten aus dem Verkehr ziehen. Doch Thobela weiß sich zu wehren und er setzt die beiden Männer außer Gefecht. Im Laden, wo er arbeitet, borgt er sich ein Motorrad aus und macht sich wieder auf den Weg. Doch das Team an Agenten, rund um Janina Mentz, setzt alles daran, ihn zu fassen und die Festplatte mit den brisanten Daten in ihren Besitz zu bekommen. Schnell wird klar, dass die Agenten Thobela unterschätzt haben. Er ist, so wie es aussieht ein ehemaliger Freiheitskämpfer, der zudem eine Spezialausbildung genossen hat. Es wird immer schwieriger die aufwändige Operation geheim zu halten, zumal die Presse sehr schnell Wind von der Sache bekommen hat. Thobelas Ziel ist es, den Auftrag so schnell wie möglich hinter sich zu bringen, doch die Vergangenheit holt ihn ein. Gnadenlos wird er gejagt und ob er will oder nicht, er muss sich zur Wehr setzen und tut es auch.

„Das Herz des Jägers“ ist ein spannender Thriller, dem man sich nicht entziehen kann. Besonders beeindruckend ist die Figur Thobela Mpayipheli, der mit seinem Motorrad dahinrast, die Verfolger dicht auf der Spur. Er hat mit seiner Vergangenheit abgeschlossen, lebt zufrieden und glücklich zusammen mit einer Frau, die er liebt, und deren Sohn. Zunächst macht er sich noch vor, dass nach drei Tagen, alles wieder so sein wird, wie vorher. Doch bald steckt er in einer krassen Verfolgungsjagd und der Leser fiebert mit. Der Thriller spielt in Südafrika nach der Apartheid. Teilweise sind die Hintergründe aber doch etwas schwer verständlich. Die vielen Abkürzungen der verschiedenen Organisationen verwirren. Aber man kann vorn zu einem Lagebericht blättern, der Aufschluss gibt. Eingestreut in den Text sind auch immer wieder Verhörprotokolle und die Pressemitteilungen. Als sehr spannend empfunden wird der Wettlauf mit der Zeit, den sich Presse und Geheimdienste liefern, was Informationsbeschaffung, den aktuellen Stand der Geheimoperation und die Einschätzung der Lage betrifft.

Über den Autor:
Deon Meyer wurde 1958 geboren. Er begann als Journalist und veröffentlichte 1994 seinen ersten Roman. „Das Herz des Jägers“ wurde mit dem begehrten afrikanischen ATKV Prose Prize ausgezeichnet. Zudem wurde das Buch in den USA zu den zehn besten Thrillern des Jahres gezählt. Der Autor lebt mit seiner Frau und vier Kindern in Melkbosstrand.

Rezension von Heike Rau

Deon Meyer
Das Herz des Jägers
Thriller
409 Seiten, gebunden
Rütten & Loening, Berlin
ISBN: 3-352-00727-6
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Das zufällige Leben des Homer Idlewilde

Das zufällige Leben des Homer Idlewilde

Homer wächst ohne Eltern auf. In keinem der Heime von Farrago und Umgegend fühlt er sich heimisch. Mit Sechzehn beginnt er herumzuwandern und kehrt erst als junger Mann zurück. Der Sheriff hält ihm zwar einen Vortrag, aber es versucht niemand mehr, ihn wieder in ein Heim zu stecken.

Homer lebt vor sich hin. Schmiedet Pläne, erstellt Ideen und verwirft sie wieder. So will sein Freund Elijah beispielsweise eine Schmiede aufmachen und Homer einstellen. Doch Homer weiß gar nicht, ob er Elijahs Gehilfe werden will. Homer lebt lieber in den Tag hinein und hört Geschichten. So auch die von Fausto, der einen kleinen Lebensmittelladen hat. Sein Leben beeindruckt Homer. Fausto hat ein Schicksal und auch Homer würde gerne aus seinem Leben ein Schicksal machen.

Der Wunsch beginnt bald, in Erfüllung zu gehen, denn Homers Leben fängt an, an Spannung zu gewinnen. In nur einer Nacht erfährt er, dass die Prostituierte Ophelia schwanger von ihm ist und beginnt Heiratspläne zu schmieden. Die Familie ernähren könnte er, wenn er den Job als Förster annimmt. Und plötzlich scheint für Homer nichts mehr unmöglich.

Homer ist ein Landstreicher und Träumer mit einem recht langweiligen Leben, der gerne Geschichten und Träume anderer hört. Diese hat der Autor immer wieder in die eigentliche Geschichte eingebunden und gibt dem Leser so die Möglichkeit auch über den Tellerrand von Homers eigener Geschichte hinauszusehen. Und gerade das Leben der anderen ist es, was Homer beflügelt und seine Fantasie anregt. Und dann bricht auch er mit seinem Leben aus den gewohnten Bahnen aus. Immer wieder passieren seltsame oder auch amüsante oder zufällige Dinge, die Homer dazu bringen umzudenken, sein Leben zu verändern oder die ihn zwingen zu handeln. Dabei wählt Homer nicht den einfachsten Weg zur Lösung auftretender Probleme, doch er ist stets erfinderisch.

Der Autor erzählt eine tragische, mitunter aber auch sehr komische Geschichte. Es ist sehr interessant zu lesen, wie Homer sich aus der einen oder anderen seltsamen Situation und auch aus unvorhergesehenen Ereignissen, die ihren eigenen Gesetzen folgen, herauswindet. Und doch hat das Buch auch einige Längen, wo es schwer fällt dranzubleiben, wo der Autor zu sehr abschweift. So wirkt das Buch inhaltlich etwas in die Länge gezogen. Die Entwicklung Homers verfolgt man dennoch mit Spannung. Es ist ein langer Weg, bis er lernt, für sein Leben die Verantwortung zu übernehmen.

Über den Autor:
Yann Apperry wurde 1972 geboren. Für seinen Roman „Diabolus in musica“ erhielt er den renommierten Prix Médicis. Um dem Medienrummel zu entgehen, vagabundierte er zwei Jahre durch Amerika, Kalifornien und Hawaii
Nach Frankreich zurückgekehrt, schrieb er das vorliegende Buch und wurde mit dem Prix Goncourt des Lycéens ausgezeichnet

Rezension von Heike Rau

Yann Apperry
Das zufällige Leben des Homer Idlewilde
Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer-Semlinger
390 Seiten, gebunden
Aufbau-Verlag, Berlin
ISBN: 3-351-03050-9
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Nicht so tragisch

Nicht so tragisch

Adrien verlässt Louise nach allem, was war. Er zieht ihr den Boden unter den Füßen weg, entzieht ihr die Liebe und sie fällt in ein tiefes Loch. Es ist alles so unvorstellbar, so unwirklich.
Wie konnte es soweit kommen. Louise hat doch alles getan, um mit dem Leben klar zu kommen und mit der Liebe, hat Tabletten geschluckt, um zu funktionieren, um durchzuhalten, um ihre Angst aushalten zu können, um normal zu erscheinen. Nur mit Hilfe der Tabletten konnte sie so sein, wie sie glaubt, dass Adrien sie haben will.
Sie wird abhängig von den Medikamenten, von Adrien und seiner Liebe. Doch irgendwann geht es nicht mehr. So ist es kein Leben. Louise lässt sich von Adrien in die Klinik bringen. Sie macht einen Entzug und entfernt sich mit jeder Tablette weniger auch ein Stück weit von Adrien. Und auch Adrien geht auf Abstand, bis es zur mittlerweile unausweichlichen Trennung kommt. Für Louise bricht eine Welt zusammen und doch liegt in dieser Trennung auch eine Chance.

Louise erzählt aus ihrer Sicht, offenbart nach und nach die Dramen ihres Lebens. Gedanke um Gedanke, Satz an Satz reiht sie zu langen Ketten aneinander. Ein Schreibstil an den man sich erst gewöhnen muss. Die Autorin lässt keinen Platz zum Atemholen oder Innehalten. Der Text gewinnt dabei an Intensität und Tiefe und verfehlt damit seine Wirkung nicht. Und doch entbehrt „Nicht so tragisch“ auch einer gewissen Ironie nicht. Nach dem Tablettenentzug wird auch Louises Blick wieder klarer für die wichtigen Dinge im Leben. Louise beginnt, über ihr Leben wieder selbst zu bestimmen. Doch mit der Vergangenheit abzuschließen, ist nicht leicht. „Nicht so tragisch“ ist ein weitgehend autobiographischer Roman, der schonungslos offen daherkommt und der Anregung gibt, über den Sinn des Lebens und die verpassten Chancen nachzudenken.

Über die Autorin:
Justine Lévy lebt in Paris. Sie arbeitet als Verlagslektorin. 1995 erschien ihr erster Roman „Rendez-vous mit Alice“.

Rezension von Heike Rau

Justine Lévy
Nicht so tragisch
Aus dem Französischen von Claudia Steinitz
208 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann, München
ISBN: 3-88897-400-3
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