Das Andersen Märchenbuch

Das Andersen Märchenbuch

Jeder kennt Märchen von Hans Christian Andersen. „Die Prinzessin auf der Erbse“, „Das hässliche Entlein“, „Däumelinchen“ oder „Des Kaisers neue Kleider“. Aber auch weniger bekannte oder mit der Zeit in Vergessenheit geratene Märchen erzählt Friederun Reichenstetter in diesem zauberhaften Märchenbuch nach. Dazu gehören beispielsweise „Der Reisekamerad“ oder „Der Tölpel-Hans“. Eine gute Auswahl an verschiedenen Märchen zeichnet also dieses Buch aus. Märchenfreunde können sich mit auf die Suche nach dem Glück machen und Moral und Sinn hinter den Geschichten aufspüren, in Erinnerungen schwelgen oder Neues entdecken.
Geeignet sind die Märchen für die ganze Familie, zum Vorlesen, aber natürlich auch zum Selberlesen.

Illustriert hat die Märchen Silke Leffler sehr stimmungsvoll. Zarte Farben dominieren. Die Zeichnungen wirken sehr zierlich und anmutig. Ganz allerliebst sind beispielsweise die Elfen im Märchen „Der Reisekamerad“. Zum Schmunzeln dagegen bringen die Hühner auf ihren Stangen im Märchen „Es ist wirklich wahr“. Ganzseitige Bilder wechseln sich mit kleineren Motiven ab. Geschichten und Illustrationen ergänzen sich ganz wunderbar.

Über den Autor:
Hans Christian Andersen, geboren 1805 in Odense/Dänemark, war der Sohn eines Schuhmachers. Dänenkönig Friedrich VI. ermöglichte ihm nicht nur den Besuch einer Lateinschule, auch ein Universitätsstudium finanzierte er teilweise.
Andersen unternahm Reisen durch ganz Europa, nach Nordafrika und in die Türkei. Seine Erlebnisse bezog er in seine Werke mit ein. Andersen versuchte sich auch als Schauspieler, Dramatiker und Zeichner. Er war Meister des Scherenschnitts. Er schrieb rund 170 Märchen. Andersen starb 1875 in Kopenhagen.

Über die Erzählerin:
Friederun Reichenstätter studierte Sprachen in München, Strasbourg und London, arbeitete für internationale Organisationen im In- und Ausland. Seit einigen Jahren schreibt sie hauptberuflich Kinderbücher.

Über die Illustratorin:
Silke Leffler, Jahrgang 1970, machte nach dem Abitur eine Schneiderlehre, studierte Textildesign und arbeitete für ein Designstudio in England. Seit 1996 ist sie frei schaffende Textildesignerin, seit 1998 arbeitet sie auch als Illustratorin. 2004 wurde im Rahmen des „Kinder- und Jugendbuchpreises der Stadt Wien“ ausgezeichnet.

Rezensionen von Heike Rau

Friederun Reichenstetter/Silke Leffler
Das Andersen Märchenbuch
96 Seiten, lam. Pappband, durchgehend vierfarbig illustriert
ab 4 Jahre
Annette Betz Verlag, Wien
ISBN: 3-219-11177-7
Bestellen

Die Tochter der Hexe

Die Tochter der Hexe

Marthe-Marie wurde von ihrer Mutter als Baby weggegeben, weil sie kein eheliches Kind war. Doch davon erfährt Marthe Marie erst als junge Frau. Ihre leibliche Mutter hatte den Ruf einer Hexe. Sie wurde 1599 hingerichtet
Doch des Henkers Sohn weiß von seinem Vater von Marthe-Maries wahrer Identität. Er ist hinter ihrer Erbschaft her und will auch sie auf dem Scheiterhaufen brennen sehen.
Marthe-Marie flieht mit ihrer kleinen Tochter, die aus der Ehe mit ihrem verstorbenen Mann Veit stammt, aus der Stadt. Unterstützt wird sie von einer Truppe Gauklern. Ihr Ziel ist Offenburg. Hier vermutet sie ihren leiblichen Vater, der aber längst weitergezogen ist.
In ihrer Not, schließt sie sich den Gauklern an, zieht mit ihnen durch die Lande.
Des Henkers Sohn ist ihr immer dicht auf den Fersen. Doch auch ein anderer Mann folgt ihr. Sehr zu ihrem Glück.

Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die als Hexe verfolgt wird. Immer auf der Flucht führt sie das entbehrungsreiche Leben der Gaukler, die nie lange an einem Ort bleiben, die oft in Not leben und gerade in den Wintermonaten ums reine Überleben kämpfen müssen. Die Charaktere sind gut gezeichnet. Marthe-Marie, die nie ihre Hoffnung aufgibt, die sich zwischen zwei Männern hin- und hergerissen fühlt und sich immer um ihre Tochter sorgt. Der wahnsinnig erscheinende Henkerssohn, der sich in seinem Hexenwahn verrannt hat und der vor nichts zurückschreckt. Ihre Freunde die Gaukler, ganz unterschiedliche Menschen, die in jeder noch so schwierigen Situation immer zusammenhalten. Marthe-Marie zieht lange Zeit mit ihnen umher, immer auf der Suche nach Arbeit. Leider wird die Geschichte nicht immer so vorangetrieben, wie man es sich wünschen würde, so hat das Buch doch einige Längen.
Es geht um Liebe, Glück, Verzweiflung und Herzschmerz. Oft rutscht die Geschichte sehr ins Sentimentale ab und drückt ordentlich auf die Tränendrüse. Aber gerade das sorgt dafür, dass man sich der Geschichte nicht entziehen kann.

Über die Autorin:
Astrid Fritz wurde 1959 geboren. Sie wuchs im nordbadischen Pforzheim auf. Sie studierte in München, Avignon und Freiburg Germanistik und Romanistik.
Nach dem Studium arbeitete sie als Fachredakteurin in Darmstadt und Freiburg, verbrachte drei Jahre in Santiago de Chile. Astrid Fritz lebt mit ihrer Familie in Stuttgart.

Rezension von Heike Rau

Astrid Fritz
Die Tochter der Hexe
447 Seiten, broschiert
Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN: 3-499-23652-4
Bestellen

Nachtzug nach Lissabon

Nachtzug nach Lissabon

Pascal Mercier Nachtzug nach Lissabon Carl Hanser Verlag
ISBN 3446205551

In dieses sehr philosophische Buch haben die großen Fragen des menschlichen Daseins Eingang gefunden.
Es geht um das richtige Leben und um die verpassten Gelegenheiten, ein anderes Leben zu wählen; es geht um den Zufall bei der Lebensentwicklung und um die Prägung durch elterliche Wünsche und Erwartungen. Es geht aber auch um Liebe und Freundschaft, um Unverbrüchlichkeit und Irrtum, um Nähe, Distanz und die Unausweichlichkeit, mit der allzu nahe Freundschaften enden können.
Eingekleidet sind diese Einsichten, Wahrheiten und Erkenntnisse in die Geschichte eines Lehrers, eines Altphilologen mit Namen Gregorius, der durch einen unvorhergesehenen Zufall auf die Aufzeichnungen eines Portugiesen stößt, die ihn zu interessieren beginnen, und dessen Lebensweg er spontan nachverfolgt.
Dazu verläßt er plötzlich seinen Schulalltag, in dem er hohes Ansehen bei Schülern und Kollegen genießt.
Er folgt den Spuren des schon vor Jahren gestorbenen Amadeu de Prado, der über sein Leben und seine Einsichten vieles niedergeschrieben und damit für die Nachwelt hinterlassen hat.
Gregorius fährt nach Lissabon und besucht Personen, die Amadeu kannten. Sie berichten von ihren Erinnerungen an ihn , besitzen aber auch z.T. nicht veröffentlichte Aufzeichnungen von ihm,die sie Gregorius anvertrauen.

Besonders die Passagen über die Freundschaft zwischen Amadeu und Jorge O‘Kelly haben mich tief beeindruckt. Es war eine Freundschaft, von der beide sich nie vorstellen konnten, daß sie je endet. Aber sie endet!

Das ganze Buch stimmt nachdenklich, regt Erinnerungen an das eigene Leben an, und belegt Eindrücke und Lebenserfahrungen, wie man sie so eindrucksvoll selber nicht formulieren könnte.

Die Begegnung mit den Freunden, Verwandten und Lebensgefährten von Amadeu sind in ihren Eigenheiten so beschrieben, daß man hinter jedem Charakter eigene besondere Persönlichkeiten entdeckt.

Es ist ein wunderbares, erkenntnisreiches und brilliant geschriebenes Buch.
Cl.B.Bestellen

Retungskreuzer Ikarus

Retungskreuzer Ikarus

Die Serie Rettungskreuzer Ikarus beschreibt die spannenden Abenteuer von Crew und Raumschiff in einer Galaxis voller Gefahren und Geheimnisse.
So steht es auf der Internetseite von Raumschiff Ikarus. So, ich habe jetzt die ersten sechs Bände gelesen. Die Serie ist halt die typische „Raumschiff erlebt Abenteuer Serie“, statt eines kriegerischen Hintergrundes ist es aber diesmal ein Rettungskreuzer.
Die Crew selbst setzt sich aus den Verlierern der Gesellschaft zusammen. Ein Pleite gegangener Robotingenieur, ein Kapitän, den sie aus der Flotte geworfen haben, einen außerirdischen Praktikant, etc.
Das Schiff ist auch nicht das übliche Hightechgerät, das allen überlegen ist, und die Konflikte sind zumindest anfangs auf einem normalen Level, also keine immer größer werdende Bedrohung von Außerirdischen. Allerdings wird in den ersten Bänden schon eine mystische Figur namens Lear eingeführt und ein großer Rahmen gespannt. Die Romane im Einzelnen:

Band 1: „Die Feuertaufe“ (Dirk van den Boom)
In diesem Roman wird die Mannschaft zusammengestellt und die Hintergründe, warum sie den Auftrag annehmen, der Crew beizutreten, ist das eigentliche Abenteuer.

Band 2: „Das weiße Raumschiff“ (Dirk van den Boom)
Hier erlebt die Crew ihr erstes Abenteuer, ähnlich wie im ersten Band liest sich das ganze ein wenig holprig, aber ein gewisses Flair kann man der Serie nicht absprechen.

Band 3: „Der Gott der Danari“ (Sylke Brandt)
Der dritte Band spielt eigentlich nur auf einem Planeten. Der Planet selbst ist rückständig, so geht der Roman in Richtung Fantasy, die besonderen Fähigkeiten der Eingeboren bestätigen dies.
(Bände 1-3 auch als Sammelband)

Band 4: „Die Spielhölle“ (Irene Salzmann)
Der bis dahin beste Roman der spielt auf einer Raumstation, die ein riesiges Las Vegas darstellt. Spannend geschrieben, die neu eingeführten Personen sind interessant und machen Lust auf mehr.
Band 5: „Requiem“ (Dirk van den Boom)

Hier wird der große Handlungsrahmen fortgeführt, das geheimnisvolle Wesen Lear taucht öfters auf und die Crew der Ikarus findet eine Hinterlassenschaft einer älteren Rasse. Ein Fraktal spielt eine große Rolle und die Ikarus wird zerstört. Ein ebenfalls sehr lesenswerter Roman.

Band 6: „Konvoi“ (Martin Kay)
Die Technik in der Ikarus Welt ist wie folgt: Wenige Raumschiffe haben einen überlichtschnellen Antrieb, die meisten nutzen die Sprungtore. Um diese Sprungtore zu errichten, benötigt man die Hilfsmittel, die den Konvoi bilden.
Der Roman fängt sehr spannend an, lässt aber genauso stark nach.

Insgesamt ist „Rettungskreuzer Ikarus“ lockere Unterhaltung, die ihre Schwächen, aber andererseits ihren ganz eigenen Charakter hat.

Dirk van den Boom
Retungskreuzer Ikarus
Die ersten drei Bände der „Rettungskreuzer Ikarus“ – Serie in einem Band
ISBN:3936742014
Bestellen

Der verpasste Mann

Der verpasste Mann

Marie findet in einer Schuhschachtel alte Fotos von Paul, ihrer Jugendliebe. Sie fragt sich, was eigentlich gewesen wäre, wenn sie sich damals für Paul und nicht für Hans entschieden hätte. Wäre ihre Ehe jetzt auch am Ende. Würde sie sich ebenso ausgenutzt und verbittert fühlen? Wäre das Leben ebenso mühsam geworden? Oder wäre Paul die große Liebe gewesen? Es macht Marie zu schaffen, dass sie nicht weiß, wie ihr Leben mit Paul verlaufen wäre.
Da kommt Onkel Gregor. Er ist so etwas wie ein Engel. Und er bietet Marie an, in eine Parallelwelt zu reisen, um festzustellen, ob das Leben mit Paul anders als mit Hans gewesen wäre. Marie lässt sich diese Möglichkeit nicht entgehen. Doch eine schwere Entscheidung steht nun an. Will sie bei Hans bleiben oder von nun an mit Paul zusammen leben?

Die Autorin hat sich mit einem interessanten Thema beschäftigt. Wohl jeder stand in seinem Leben schon mal an einem Scheideweg und musste sich entscheiden. In eine Parallelwelt eintauchen zu können, um zu sehen, was passiert wäre, wenn man sich anders entschieden hätte, ist sehr reizvoll. Marie wird diese Chance gegeben. Und dazu noch die Möglichkeit, ihre damalige Entscheidung zu ändern. Gleichzeitig analysiert sie ihre Ehe mit Paul. Dabei ist sie sehr ehrlich mit sich, spart nicht mit Seitenhieben und Ironie. Der Leser wird die eine oder andere eingefahrene Familiensituation selbst schon erlebt haben. Maries Leben steht praktisch still, ist unglaublich langweilig geworden. Ihr Mann bringt sich nicht mehr in die Beziehung ein. Viel zu lange hat Marie still gehalten. Es geht so nicht weiter, das wird dem Leser mit Eindringlichkeit deutlich gemacht. Das ganze Buch wirkt sehr gut durchdacht. Es ist nicht nur unterhaltsam, es regt auch sehr zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung mit bestimmten eingefahrenen Situationen in einer Ehe an. Männer kommen dabei allerdings nicht besonders gut weg. So entscheidet sich Marie dann doch ganz anders, als man erwartet hätte.

Über die Autorin:
Elfriede Hammerl studierte Germanistik und Theaterwissenschaft an der Uni Wien. Sie ist Kolumnistin beispielsweise bei „Vogue“, „stern“ und „Kurier“. Sie schrieb aber auch Kurzgeschichten und Essays für diverse Magazine. Sie erhielt 1999 den Publizistikpreis der Stadt Wien, den Frauenpreis 2002 und 2004 den Concordia Preis. Elfriede Hammerl lebt in der Nähe von Wien.

Rezension von Heike Rau

Elfriede Hammerl
Der verpasste Mann
264 Seiten, gebunden
Franz Deuticke Verlag
ISBN: 3-216-30719-0
Bestellen

Der Cartoonist

Der Cartoonist

Autor:
Sean Costello ist Autor der Romane Eden’s Eyes (1989), The Cartoonist (1990) und Captain Quad (1991). Der vorliegende Band ist meines Erachtens Costellos Debüt in Deutschland. Nach einer längeren Pause veröffentlichte er zuletzt die Romane „Finders Keeper“ und „The Sandman“, letzteres ist ein Medizinthriller und sein neuestes Werk. Sean Costello lebt in Sudbury.
Inhalt:
Scott Bowman und zwei seiner Freunde werden in einen schrecklichen Unfall verwickelt. Ein Mädchen stirbt, doch da es keine Zeugen gibt, begraben sie die Tote und schwören, niemals wieder ein Wort über das Unglück zu verlieren.
Sechzehn Jahre später ist aus Scott inzwischen ein erfolgreicher Psychologe geworden. Doch plötzlich holt ihn die Vergangenheit ein. In der Klinik, in der er arbeitet, wird ein Zeichner eingewiesen. Dieser Alte zeigt alle Zeichen einer Alterdemenz. Er reagiert nicht auf äußere Einflüsse. Einzige Aktivität ist das Zeichnen von düsteren Comicstrips.
Doch diese haben es in sich. Alle Unglücke der vergangenen Tage wurden von ihm gezeichnet. Scott und sein Kollege Bateman vermuten, er habe die Meldungen im Radio aufgeschnappt. Auch wenn das im Widerspruch zu seinem sonstigen Verhalten steht, wo er scheinbar seine Umwelt gar nicht wahrnimmt.
Aber es kommt noch schlimmer. Der Cartoonist malt eine Szene, die Scott bekannt vorkommt. Am Wochenende findet er durch Zufall heraus, dass es sich um den Anlegesteg vor ihrem Haus handeln könnte. Scott taucht, um sicher zu gehen, und will die gemalte Szene mit einer wasserdichten Kamera fotografieren. Scott klemmt sich beim Tauchen das Bein ein und ertrinkt fast, kann aber durch Nachbarn gerettet werden.
Scott hat einen ungeheuren Verdacht. Kann der Cartoonist in die Zukunft sehen? Als das neueste Bild einen Verkehrunfall zeigt, bekommt Scott es mit der Angst zu tun. Das Bild zeigt einen Volvo, genau das Auto, mit dem seine Frau und seine Tochter unterwegs zu Verwandten sind…
Der vorliegende Roman trägt das Etikett Horror. Dies trifft aber nur bedingt den Inhalt des Romans. Der Cartoonist ist ein Psychothriller, der von der Spannung lebt, von der Nähe zur Realität. Die Personen sind liebevoll und lebendig gezeichnet, daher sind die Ereignisse besonders aufregend für den Leser. Es sind die kleinen Schicksale, die den Leser unwillkürlich zusammen zucken lassen, wenn ein seltsames Geräusch erklingt.
Viel passiert in dem Roman allerdings nicht. Dazu kommt, dass die Geschichte sehr vorhersehbar ist. Trotzdem ist sie unglaublich spannend, wenn auch vereinzelt ein paar Längen sind. Doch für den Fan von deftiger Horrorliteratur ist der Cartoonist weniger geeignet, da sich das Grauen doch eher im Kopf bzw. im Alltäglichen wieder findet.
Fazit:
Ein spannender Psychothriller mit vorhersehbarer Storyline, der gute Unterhaltung bietet. Fans deftigen Horrors sollten jedoch von der Lektüre Abstand nehmen.

Sean Costello
Der Cartoonist
Der Cartoonist ist ein Psychothriller, der von der Spannung lebt, von der Nähe zur Realität.
ISBN:3935822774
Bestellen

Rabenbraten

Rabenbraten

In ihrem Leben scheint es keine Grenzen zu geben. Ständig spricht sie in Rätseln. Ihre Worte wirken verworren. Wirklichkeit und Traumwelt verschwimmen miteinander. Ihr Bewusstsein ist verzerrt. Ist sie wirklich krank oder nutzt sie ihre Begabung als Journalistin, die Wahrheit hinter Geschichten zu verstecken. Verbirgt sich etwas hinter ihren Wahnvorstellungen? Spielt sie ein Spiel? Steht sie auf der Bühne und rechtfertigt einen Mord? Hat sie ihm Schlafmittel gegeben und den Gashahn aufgedreht oder nicht. Versucht sie den Kopf aus der Schlinge zu ziehen oder existiert am Ende auch der Mord nur in ihrer Fantasie?

Die Geschichte ist unglaublich. Bilder entstehen, auf die man sich nicht einlassen will, die Angst machen und befremdlich wirken. Dennoch kann man dem Buch eine gewisse, fast schon unheimliche Faszination nicht absprechen. Die alles entscheidende Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Hat sie gemordet oder nicht?
Wenig an der Geschichte ist nachvollziehbar, vieles bleibt undurchsichtig. Fest steht nur, dass die Frau auf der Suche ist. Nach sich selbst möglicherweise und einem für sie annehmbaren Leben. Es ist, als liest man sich durch eine verworrene Traumwelt. Es wird und wird nicht besser. Und auch von dem vermeintlichen Psychologen braucht man keine Hilfe zu erwarten. Am Ende ist der vielleicht auch nur ihrer Fantasie entsprungen, immer bereit ihr zuzuhören und zu analysieren, in welcher Gestalt auch immer.
„Rabenbraten“ ist ein Buch, das sich nicht so leicht begreifen lässt, weil es zu verrückt ist. Nach dem Lesen fühlt man sich, als hätte man einen Albtraum gehabt, der noch lange beschäftigt.

Über die Autorin:
Monika Wogrolly wurde 1967 in Graz geboren. Sie studierte Philosophie und Germanistik und hat die erste Grazer Philosophische Praxis eröffnet. Monika Wogrolly erhielt neben Projektstipendien das Staatsstipendium für Literatur und den Förderungspreis der Stadt Wien.

Rezension von Heike Rau

Monika Wogrolly
Rabenbraten
364 Seiten, gebunden
Franz Deuticke Verlag, Wien-München
ISBN: 3-216-30733-6
Bestellen

Bauen mit Holz im Garten

Bauen mit Holz im Garten

Holz ist ein vielseitiger und vor allem natürlicher Baustoff, der gerne in der Gartengestaltung eingesetzt wird. Holz ist relativ einfach zu bearbeiten. Besonders kreative und handwerklich begabte Menschen finden hier ein breites Betätigungsfeld.

Gegliedert ist das Buch in drei Kapitel:

„Holz – ein Baustoff zwischen Tradition und Experiment“
Holz hat die Entwicklungsgeschichte des Menschen begleitet. Holz dient als Ausgangsmaterial für Häuser, Geräte und Kunstgegenstände. Es wird schon seit jeher im Außenbereich für Zäune und Bänke verwendet. Doch neue Baustoffe wie Ziegel, Beton, Stahl und Kunststoffe verdrängten den Baustoff Holz immer mehr. Doch das Holz wurde wiederentdeckt. Um es einsetzten zu können, sind natürlich vielfältige Kenntnisse nötig. Hier setzt das Buch an.

„Holzarbeiten – Schritt für Schritt“
In diesem Kapitel werden die Vielfältigkeit und die Besonderheiten des Baustoffs Holz genau erklärt. So werden beispielsweise die wichtigsten Wachstumszonen im Text, in Bildern und in einer Tabelle dargestellt. Auch was man hinsichtlich der Holzfeuchte, Fehlern im Holz, den verschiedenen Güteklassen oder zu Schnittholzarten wissen muss, wird thematisiert. Vorgestellt werden verschieden Holzverbindungen. Erklärt wird aber auch, welche Einflüsse holzzerstörend wirken können und welche Schutzmaßnahmen dagegen ergriffen werden sollten. Zu beachten sind hierbei auch die verschiedenen Dauerhaftigkeitsklassen von Holz. So wird schnell klar, welches Holz sich für die geplanten Arbeiten am besten eignet. Auch zum Streitthema Tropenholz wird Stellung genommen. Natürlich fehlen auch Tipps zur fachgerechten Verarbeitung von Lasuren oder Lacken nicht.
Im Anschluss werden verschiedene Einzelprojekte wie Terrasse, verschiedene Sicht- und Lärmschutzwände, Pergolen, Palisadenwand, Rankgitter, Lattenzaun und Treppen vorgestellt. Zunächst werden die Einsatzmöglichkeiten aufgezeigt und die benötigten Materialien aufgelistet. Dann wird der Bauablauf genau beschrieben. Die Zeichnungen sind beschriftet und mit Maßen versehen. Dazu kommen eine Reihe von Fotos, die verschiedene Arbeitsschritte zeigen.

„Holzarbeiten – Angebot und Ausschreibung“
Sicher wird nicht jeder Bauherr alle Holzarbeiten selbst durchführen können, wenn es zu kompliziert wird. Aber um Streitigkeiten mit der Ausführungsfirma zu vermeiden, sollten die geplanten Leistungen genau beschrieben werden. Was zu beachten ist bei Angebot und Ausschreibung wird ausführlich erläutert. Zur Verfügung gestellt werden Checklisten und Ausschreibungsbeispiele. Es folgen Adressen zu Fachverbänden und Bezugsquellen von Holzartikeln.

„Bauen mit Holz im Garten“ ist ein interessanter, vielseitiger und umfangreicher Ratgeber. Die Themenvielfalt ist beeindruckend. Die verschiedenen Holzarbeiten werden ganz genau und bis ins Detail erläutert. Aufgezeigt werden auch immer hilfreiche Listen mit Hinweisen, die man vorab überdenken sollte. Die Beiträge zeichnen sich durch gute Übersichtlichkeit aus. Auf dem breiten Rand ist genug Platz für Notizen. Die Fotos zu den Schritt-für-Schritt-Anleitungen sind nicht gestellt, sondern während der Arbeit entstanden.
Das Buch ist geeignet für handwerklich begabte Laien, egal ob sie die Arbeiten ganz oder nur teilweise ausführen wollen, aber auch für Handwerker, die beruflich mit Holzarbeiten zu tun haben wie etwa im Garten- und Landschaftsbau.

Rezension von Heike Rau

Peter Mair
Bauen mit Holz im Garten
167 Seiten, gebunden, 99 Farbfotos, 39 Zeichnungen, 20 Tabellen
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4489-1
Bestellen

Keine Paraden mehr

Keine Paraden mehr

Captain Tietjens befindet sich kurz hinter der Front. Hier tut er einen recht ungefährlichen Job. Zwar kämpft er mit einer Reihe von Problemen, doch die meisten Gedanken macht er sich um seine schöne Frau. Ihr gegenüber gibt sich Tietjens äußerst reserviert. Sie hält seine Unnahbarkeit, seine Komplexe und seine Steifheit nicht aus, reagiert darauf mit Männergeschichten und fein gesponnenen Intrigen. Tietjens versucht das Spiel seiner Frau zu durchschauen und er lenkt sich ab mit leidenschaftlichen Gedanken an Valentine Wannop. Obwohl es bei einer Schwärmerei bleibt, glaubt er, an seiner gescheiterten Ehe die alleinige Schuld zu tragen.
Seine Frau Sylvia treibt ihre Intrigen, auch aus unbegründeter Eifersucht, auf die Spitze. Sie stellt ihren Mann bloß. Doch ein Skandal muss um jeden Preis verhindert werden. Aber genau das könnte Tietjens nun das Leben kosten.

Zugegeben, das Buch ist nicht ganz einfach zu lesen. Aber die Geschichte ist interessant. Heute erscheinen die Moralvorstellungen Tietjens sehr befremdlich. Er ist so geradlinig und ehrlich, dass es fast nicht zu glauben ist. Trotzdem schlittert er geradewegs in eine Katastrophe, lösen seine biederen Wertvorstellungen den folgenschweren Konflikt aus. Seine Frau Sylvia sträubt sich mit Händen und Füßen. Sie, die im Buch in ein sehr schlechtes Licht gerückt wird, sieht es als ihr gutes Recht an, sich zu wehren. Sie quält Tietjens, macht ihn fertig. Er lässt es sich bieten. Er schützt Sylvia sogar, rechtfertigt ihr Verhalten und wird dennoch nicht Herr der Lage. So werden die damaligen gesellschaftlichen Zwänge regelrecht vorgeführt. Eine dramatische Geschichte, die es zu lesen lohnt.

Über den Autor: Ford Madox Ford, 1873-1939, wurde unter dem Namen Ford Hermann Hueffer als Sohn eines Deutschen und einer Engländerin geboren, einer Familie von Malern, Schriftstellern und Intellektuellen. Im Alter von 18 Jahren veröffentlichte er sein erstes Buch. Zusammen mit Joseph Conrad schrieb er zwei Bücher und mit seinen Literaturzeitschriften „The English Review“ und „Transatlantic Review“ wurde er zum Entdecker, Förderer und Freund von Joseph Conrad, Henry James, James Joyce und Ernest Hemingway, um nur einige zu nennen. Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er auf englischer Seite teilnahm, legte er seinen deutschen Namen ab, lebte in Frankreich und Amerika.

Das englische Original erschien 1925 unter dem Titel „No More Parades“ bei Duckworth & Co., London.

Rezension von Heike Rau

Ford Madox Ford
Keine Paraden mehr
Aus dem Englischen von Joachim Utz
328 Seiten, gebunden
Eichborn Berlin
ISBN: 3-8218-0711-3
Bestellen

Toter Strand

Toter Strand

Was steckt wirklich hinter dem Tankerunglück? War es überhaupt ein Unfall? Oder ging es um die Versicherungssumme oder wirtschaftlicher Interessen? Oder war es gar ein terroristischer Anschlag? Der Auslandskorrespondent und Publizist Pierre Morgan hat sich eine eigene Meinung gebildet und er scheint damit voll ins Schwarze getroffen zu haben. Mit seiner These macht er sich nämlich keine Freunde. Bald muss er feststellen, dass er mit seinen Recherchen irgendjemandem zu Nahe getreten ist. Sein Leben ist nicht mehr sicher. Doch wer will ihn umbringen? Wem kann Pierre Morgan jetzt noch trauen, wem nicht?

Es geht um ein brisantes Thema. Dennoch bevorzugt der Autor eher die leisen Töne und verzichtet auf energiegeladene, atemlose Action. Er legt Wert auf genaue Beschreibungen der einzelnen Szenen und der Details, die aber, das ist oft erst später zu erkennen, überraschend wichtig für die Story sind. Die Hauptfigur, Pierre Morgan, ist eine sehr interessante Persönlichkeit. Er sieht sich auf seinem Weg der Wahrheitsfindung bald rücksichtslosen, undurchschaubaren Gegnern und angeblichen Freunden ausgesetzt. An ein normales Leben ist nicht mehr zu denken, als die ersten Morde geschehen und auch sein Leben bedroht wird. Pierre Morgan wird jedoch als ein sehr besonnener und überlegt handelnder Mensch beschrieben. Er sucht weiter nach einem Zeugen, der seine Version zu den Ursachen des Tankerunfalls bestätigen kann. Dabei versucht er, sich auch in komplizierten Situationen nicht beirren zu lassen. Die Stärke des Romans liegt also in den sehr bildhaften Beschreibungen der Ereignisse und Orte. Den Mangel an Spannung und Tempo vermag das jedoch nicht auszugleichen.

Über den Autor:
Peter Zeindler wurde 1934 in Zürich geboren. Er studierte Germanistik und Kunstgeschichte, Promotion bei Emil Staiger. Der Dozent an Goethe-Instituten, Redakteur beim Schweizer Fernsehen und bei Radio DRS ist seit 1974 freier Schriftsteller und Journalist in Zürich. Er verfasste zahlreicher Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher. Seine Agenten- und Kriminalromane wurden mehrfach mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet.

Rezension von Heike Rau

Peter Zeindler
Toter Strand
320 Seiten, gebunden
Arche Verlag, Zürich-Hamburg
ISBN: 3-7160-2334-5
Bestellen