Füße vom Tisch

Füße vom Tisch

Wer glaubt, dass gutes Benehmen out ist, braucht sich nicht wundern, wenn er /sie unbeliebt ist, seine/ihre Sprüche nicht ankommen, und er/sie von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt, er/sie bei Familienfeiern schräg angesehen wird oder trotz seiner/ihrer Meinung nach cool gelaufenem Bewerbungsgespräch nicht eingestellt wird.

Ein paar Regeln müssen einfach eingehalten werden. Da kommt niemand drum herum. Doch wie verkauft man solche Regeln an Jugendliche? Wie überzeugt man, dass gutes Benehmen von Vorteil ist?
Die Autoren erheben nicht rechthaberisch den Zeigefinger oder legen starre Benimmregeln fest. Sie erzählen mit Humor und überzeugen mit Beispielen und Begründungen. Sie machen Vorschläge, die man wirklich annehmen kann, damit das tägliche Miteinander einfacher wird und peinliche Situationen vermieden werden können.
Es geht um Image, Outfit und Charakter, um Freude und Bekannte, um Beziehung und Partnerschaft, um Eltern und andere Katastrophen, um das Überleben in Schule und Beruf, um den Umgang mit Lehrern und anderen Chefs, um Kommunikation und Kontaktpflege und anderes.

Damit sind viele Lebenslagen abgedeckt. Schnell wird klar, dass das Leben, hat man ein Einsehen und hält sich an die gemachten Vorschläge und Tipps, leichter wird und man auf so mache Situationen besser vorbereitet ist, weiß man, wie angemessen zu handeln ist. Die Autoren erklären den Sinn und Zweck von Zauberwörtern wie bitte und danke und Entschuldigung, wie man beim Essen im Nobelrestaurant eine gute Figur macht und sich unterhält, wie man besser mit den Eltern klarkommt, wie man bei einem Bewerbungsgespräch am besten auftritt, wer eigentlich bezahlen muss, wenn man mit dem Freund oder der Freundin etwas Essen geht, was man bei Mobbing tun kann, was bei einem Krankenhausbesuch zu beachten ist, wie man Mitgefühl ausdrücken kann, und vieles mehr. Vermittelt wird, wie wichtig Respekt, Freundlichkeit und Sensibilität im Umgang mit anderen Menschen sind und wie das eigene Verhalten bei anderen ankommt. Nicht unerwähnt bleiben soll das gut gemachte und vielsagende Cover, das zwei junge Leute darstellt, die auf ihre ganz eigene Art und Weise zeigen, dass sie verstanden haben, worum es für sie persönlich geht. Schon das macht Lust auf das Buch.

Fazit: Ein gelungener Ratgeber, der Jugendliche direkt anspricht und sehr überzeugend wirkt.

Über die Autoren:
Gerit Kopietz und Jörg Sommer, beide Jahrgang 1963, sind miteinander verheiratet und haben vier Kinder. Gerit Kopietz ist gelernte Erzieherin und ehemalige Kindergartenleiterin und Jörg Sommer ist Sozialwissenschaftler und Geschäftsführer einer PR-Agentur.

Rezension von Heike Rau

Gerit Kopietz / Jörg Sommer
Füße vom Tisch
Stil in allen Lebenslagen
144 Seiten, laminierter Pappband
ab 12 Jahren
Verlag Carl Ueberreuter, Wien
ISBN: 3-8000-1593-5
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Mit Musik …

Mit Musik …

Für angehende Klavierspieler hat Uli Stein ganz besondere Anfängerhandschuhe parat. Für alle, die dagegen Flöte lernen wollen, empfiehlt sich eine Anfängerblockflöte mit nur einem Loch. Wer sich nicht für ein Instrument entscheiden kann, sollte zunächst an einem Kombi-Instrument ausprobieren. Und wer überhaupt kein Interesse daran hat, das Spielen eines Musikinstrumentes zu erlernen, macht eben mit dem Buch Musik. Das klingt zwar etwas sonderbar, macht aber Spaß.

Uli Stein hat seine ganz eigene Meinung zu Musik. Musiker nimmt er ordentlich auf die Schippe, aber auch die Probleme mit einigen Musikinstrumenten sind ihm nicht fremd. Die Cartoons sind urkomisch. Steins Humor ist eben unverwechselbar. Und diesmal hält das Buch auch noch eine kleine Überraschung bereit. Es sieht aus wie eine CD und es spielt tatsächlich auch Musik, die ebenso schräg ist, wie die Cartoons, von denen man gerne doppelt so viele im Buch hätte.

Ulli Stein, geboren 1946, ist der bekannteste und erfolgreichste deutsche Cartoonist. Er studierte einige Semester Pädagogik, arbeitete als Fotograf und Journalist. Als Satireschreiber für den Rundfunk kam er schließlich zum Zeichnen von Cartoons.

Rezension von Heike Rau

Uli Stein
Mit Musik…
Hardcover, 48 farbige Seiten
Lappan Verlag
ISBN: 3-8303-4122-9

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Vögel im Garten

Vögel im Garten

Die verschiedenen Vögel, die rund ums Haus leben zu beobachten, macht Spaß. Man kann den Vögeln aber auch helfen, im eigenen Garten genügend Futter und Nisthilfen zu finden. Dazu muss man wissen welche Nisthilfe oder Bruthöhle für welche Vogelart in Frage kommt, und welches Futter sie bevorzugen.

Unterteilt ist das Buch in verschiedene Kapitel. Im ersten geht es um Nisthilfen. Für einen Garten mit 500 Quadratmetern Grundfläche reichen sechs unterschiedliche Nisthilfen, ausgestattet für verschiedene Vogelarten, aus. Welche in Frage kommen, wo sie angebracht werden können und was beachtet werden muss, wird genau beschrieben. Die Nistkästen kann man käuflich erwerben. Wer aber handwerkliche Fähigkeiten besitzt, wird selbst zu Holz und Säge greifen wollen. Zeichnungen und genaue Arbeitsanweisungen sind vorhanden.

Das nächste Kapitel ist der Fütterung heimischer Vögel gewidmet. Nachdem das Für und Wider der Bereitstellung zusätzlichen Futters im Winter besprochen wurde, folgen Grundregeln und praktische Tipps. Der Auswahl des Standortes kommt natürlich eine besondere Beachtung zu. Erklärt wird, welches Futter für welche Vogelart das richtige ist. Auch das Futter kann selbst hergestellt werden. Verschiedene Rezepte sind vorhanden. Erläutert wird zudem wie ein Futterhaus selbst gebaut werden kann.

Nun möchte man natürlich auch benennen können, welche Vogelarten im heimischen Garten zu sehen sind. Von Buntspecht über Stieglitz bis Mehlschwalbe werden sie in Wort und Bild in einem weitern Kapitel vorgestellt.
Besonders interessant sind hier die Ausführungen über die Jungenaufzucht.

Das Sachbuch ist sehr übersichtlich gegliedert und ansprechend illustriert. Die einzelnen Kapitel sind zur besseren Orientierung farbig abgesetzt. Egal ob man für Nisthilfen im Garten sorgen will oder die Vögel im Winter mit zusätzlichem Futter versorgen möchte, alles wird detailreich und verständlich beschrieben. Gut geeignet ist das Buch auch für Hobbyhandwerker, die versuchen wollen, selbst ein Vogelhäuschen oder eine Nisthilfe zu bauen. Die Arbeitsanleitungen sind gut nachvollziehbar und mit Skizzen versehen. Selbst wer nur ein Vogelhäuschen auf dem Fensterbrett bereitstellen möchte, findet Interessantes zu den verschiedenen Vogelarten und dem jeweils bevorzugten Futter. So kann man auch ganz bestimmte Vögel ans Futterhäuschen locken und beobachten. Mit im Buch ist zudem ein Jahresarbeitskalender. Hier kann man mit einem Blick feststellen, welche vorbereitenden Arbeiten und welche Pflegearbeiten im jeweiligen Monat anfallen.

Über den Autor:
Hans Egidius ist Fachjournalist, beispielsweise zu den Themen Vögel, Jagd- und Wildtierkunde und Kleintierzucht. Als langjährig praktizierender Vogelkundler, aber auch als ehrenamtlicher Landschaftswart im Landkreis Friesland gibt er im vorliegenden Buch sein Praxiswissen zum aktiven Vogelschutz weiter.

Rezension von Heike Rau

Hans Egidius
Vögel im Garten
Futterhäuschen, Nisthilfen und Vogelporträts
96 Seiten, gebunden, 68 Abbildungen, 32 Zeichnungen
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-3194-3
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Olaf, der Elch

Olaf, der Elch

Lesung mit Musik

Olaf ist ein Elch wie jeder andere auch, wäre da nicht dieses riesige Geweih. Schon als Kind stieß er immer und überall damit an. Kein Wunder, dass die anderen Elche sich immer wieder Späße mit ihm erlauben. Eines Tages passiert ein Unglück und eine der großen Schaufeln bricht ab. Nun ist Olaf entgültig ein Außenseiter. Was soll nur aus ihm werden? Elche verdienen ihr Geld eigentlich im Weihnachtsgeschäft, beim Ziehen von Schlitten beispielsweise. Aber dazu braucht man nun mal ein vollständiges Geweih. Und doch gibt es einen Weihnachtsmann, der mit Olaf zusammenarbeiten will und ihm eine Partnerschaft anbietet.

Gelesen wird „Olaf, der Elch“ von Dirk Bach. Seine unverwechselbare und ausdrucksstarke Stimme bringt Leben in die anrührende Geschichte um den Pechvogel Olaf, die für die ganze Familie geeignet ist. Begleitet wird der Text von stimmungsvoller Musik, komponiert von Rainer Oleak. Dass Stimme, Musik und Text so gut zusammenpassen, dafür hat der Regisseur Torsten Feuerstein gesorgt. Ein sehr harmonisch wirkendes und klingendes Werk ist so entstanden. Es macht Spaß, sich diesen außergewöhnlichen Hörgenuss in der Weihnachtszeit zu gönnen, die Bilder vor dem inneren Auge entstehen zu lassen. Zur CD gehört aber auch eine Textfassung, originell illustriert von Volker Kriegel.

Über den Autor:
Volker Kriegel, Jahrgang 1943, wurde vor allem als Jazzmusiker bekannt. In den letzten Jahren machte er sich auch einen Namen als Autor, Illustrator und Dokumentarfilmer hervor. Volker Kriegel starb im Sommer 2003.

Rezension von Heike Rau

Volker Kriegel
Olaf, der Elch
Lesung mit Musik
Sprecher: Dirk Back
Musik: Rainer Oleak
Hörbuchfassung und Regie: Torsten Feuerstein
1 CD, Spielzeit 36:34 Minuten
mit Textfassung im Booklet, illustriert von Volker Kriegel
Eichborn Lido
ISBN: 3-8218-5362-X
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Bernd das Brot – Mein Leben ist die Hölle

Bernd das Brot – Mein Leben ist die Hölle

Man hat es nicht leicht, wenn man so ein Miesepeter ist wie Bernd das Brot. Sein Leben ist die Hölle und wie das so ist, zeigt er im Buch. Hier sind die Sprüche gesammelt worden, die er immer von sich gibt. Vielleicht denkt der eine oder andere Leser ebenso und sonnt sich mit im Elend.

In diesem kleinen Buch ist immer einem Schlechte-Laune-Spruch von Bernd ein treffendes Foto gegenübergestellt. Bernd, das Kastenbrot mit den viel zu kurzen Armen, hat es wirklich nicht leicht, das merkt man, das sieht man. Er kann keiner Situation etwas Erfreuliches abgewinnen, ist ständig depressiv. Sogar dieses Buch hält er für überflüssig. Es ist zum Heulen. Aber so ist Bernd nun mal und so mögen ihn seine zahlreichen Fans.

Rezension von Heike Rau

Norman Köster/Tommy Krappweis
Bernd das Brot – Mein Leben ist die Hölle
48 Seiten, laminierter Pappband
Egmont vgs verlagsgesellschaft
ISBN: 3-8025-3422-0
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Eine Stadt im Laufe der Zeit

Eine Stadt im Laufe der Zeit

In diesem Sachbuch werden die Veränderungen einer Stadt im Laufe der Zeit in Wort und Bild anschaulich beschrieben.
Wie heute unsere Städte aussehen, weiß jedes Kind und doch regt das Buch an, einmal genauer hinzuschauen, den Straßenverkehr zu betrachten, die Hochhäuser und Läden, Flughäfen und Marktplätze.

Doch wie sah es hier aus, geht man viele Jahrhunderte zurück. Wie fing es an? Wie sahen die ersten Siedlungen aus, und wie entwickelte sich daraus eine große Stadt? Jedes Kind kann mit Hilfe des Buches auf eine überaus interessante Zeitreise gehen. Betrachtet werden können zum Beispiel eine griechische Siedlung (550 v. Chr.), eine Römische Stadt (120 n. Chr.), eine Stadt im Mittelalter (1250), eine Burganlage (1250), ein Rathaus (1650) oder eine industrielle Hafenstadt (1880), ein Bahnhof (1880)und vieles mehr.

Die Bilder sind sehr lebendig. Sie zeigen, welchen Menschen man in der jeweiligen Zeit begegnet wäre und was sie taten. Auch Einblicke in die Gebäude sind möglich. Die Zeichnungen sind zudem beschriftet. Die Einleitungstexte zu jedem Bild stimmen auf die jeweilige Zeit ein. Für das Betrachten der Bilder muss man sich Zeit nehmen, um die vielen kleinen Details aufnehmen zu können. Mit im Buch ist ein Glossar mit Erklärungen zu Fachbegriffen der Architektur, Technik, Arbeit, Freizeit und Kleidung. Ein Zeitreisequiz schließt sich an und ein Register bildet den Abschluss.

Rezension von Heike Rau

Steve Noon (Illustrator)
Philip Steele (Erzähler)
Eine Stadt im Laufe der Zeit
Von der Antike bis heute
Aus dem Englischen von Christiane Burkhardt
32 Seiten, gebunden, 14 großformatige, farbige Zeichnungen
ab 8 Jahren
Dorling Kindersley Verlag
ISBN: 3-8310-0628-8
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Schritt für Schritt zur Bonsaikunst

Schritt für Schritt zur Bonsaikunst

Zunächst stimmt der Autor in einem Vorwort auf das immer mehr Anhänger findende Hobby ein. Schnell wird klar, Bonsai-Bäumchen zu züchten, ist ein anspruchsvolles, aber auch sehr entspannend wirkendes Hobby, das erst einmal gelernt sein will. Doch zunächst müssen die Vorraussetzungen geschaffen werden. Wolfgang Kohlhepp erklärt genau, welche räumlichen Vorrausetzungen gegeben sein müssen und welche Werkzeuge, Materialien und Gefäße gebraucht werden.

Erklärt wird, wie ein Bonsai entsteht und welches Ausgangsmaterial für Bonsai-Pflanzen in Frage kommt. Ein Bonsai kann aus Samen, durch Stecklinge oder Veredelung gewonnen werden. Besondere Freude macht es sicher auch, einen Findling, also eine Ausgangspflanze, direkt in der Natur auszusuchen. Gezogen werden können die kleinen Bäumchen in allen möglichen Formen. Dabei ist die Natur der beste Lehrmeister. Vorgestellt werden die Grundstilarten in Wort und Bild.

Auf die richtige Pflege und Geduld im Umgang mit den Bonsai-Bäumchen kommt es an. Dabei wird unterschieden zwischen Bonsai für den Garten und Bonsai fürs Haus. Egal, ob es ums Umtopfen, Überwintern, Äste- bzw. Blätterschneiden oder um das Drahten geht, um den richtigen Standort, das Düngen oder Wässern, alles wir genau erklärt. Zudem wird erläutert, was bei Krankheiten und Schädlingsbefall zu tun ist.

Schritt für Schritt wird die Pflege verschiedener Baumarten wie Felsen-Ahorn, Rot-Buche, chinesischer Wachholder, Zier-Apfel, Berg-Kiefer, Winter-Linde für draußen oder Drillingsblume, Olive oder Granatapfel für drinnen erklärt. Ein ganz besonderer Spaß sind sicherlich die kleinen Bäumchen zum Naschen, wie Gartenheidelbeere, Johannisbeere oder Stachelbeere.

Auffallend ist die geschmackvolle Gestaltung des Buches. Es gibt viel Fotos mit wunderschönen und sehr alten Bonsai-Bäumen. Wahre Hingucker sind die Aquarelle, die vom Verfasser des Buches selbst stammen und die auf die jeweiligen Kapitel einstimmen. Die genauen, verständlichen und zum Nachmachen motivierenden Beschreibungen ergänzen sich perfekt mit den anschaulichen Zeichnungen. Anfängern wird das nötige Grundwissen vermittelt. Der Autor geht aber noch darüber hinaus und bietet allen Bonsai-Liebhabern viel Wissenswertes.

Fazit: Ein sehr anschauliches Buch, mit erprobten Pflegeanleitungen und vielen Tipps und Tricks eines erfahrenen Bonsai-Züchters.

Über den Autor:
Wolfgang Kohlhepp widmet sich bereits seit Jahrzehnten der Bonsai-Gestaltung Er besitz nicht nur einen im japanischen Stil selbst gestalteten Garten, sondern auch eine eindrucksvolle Bonsai-Sammlung. Die Fachbeiträge und Zeichnungen des geschätzten Kenners der Bonsai-Szene wurden im In- und Ausland veröffentlicht.

Rezension von Heike Rau

Wolfgang Kohlhepp
Schritt für Schritt zur Bonsaikunst
159 Seiten, über 220 Aquarelle und Fotos
Verlag Eugen Ulmer
ISBN: 3-8001-4622-3
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Das Haus der vergessenen Bilder

Das Haus der vergessenen Bilder

Als Gerard aus reiner Neugier im Zimmer seiner Mutter herumschnüffelt, findet er ein Foto einer unbekannten Frau und eine Geschichte, die möglicherweise von dieser geschrieben worden ist. Seine Mutter erwischt ihn und gerät aus der Fassung. Gerards Fragen zum Foto weicht sie jedoch aus.
Gerard wird älter. Durch Penfriends International in London wird ihm eine Brieffreundschaft zu Alice Jessel vermittelt, die von Anfang an sehr intensiv ist. Ihr schreibt er von seiner Vergangenheit und er erzählt ihr von Staplefield, dem einstigen Wohnsitz der Familie in England, der ihm durch die Geschichten seiner Mutter so vertraut ist und Sehnsüchte in ihm weckt, ist er doch soweit entfernt von Staplefield, hier in Australien.
Doch Alice meidet seine Nähe, da sie krank ist. Sie macht ihm aber Hoffnung, ihn in ein oder zwei Jahren sehen zu wollen. Nun haben beide, Mutter und Sohn, etwas zu verschweigen. Gerard erzählt nichts über Alice und seine Mutter Phyllis erzählt nichts mehr über ihre Vergangenheit. Die Jahre vergehen. Erst kurz bevor Gerard nach England reist, erzählt die Mutter noch einmal von Staplefield und der Frau auf dem Foto. Plötzlich soll Staplefield abgebrannt sein und gar nicht mehr existieren.
Gerard will die geheimnisvolle Familiengeschichte entwirren. Dabei helfen ihm die Geistergeschichten von Viola, die seine Großmutter gewesen ist. Doch herauszufinden wie viel Wahrheit in den Geschichten steckt, wird ein sehr gefährliches Unterfangen, das ihn immer tiefer die Welt der Toten zu treiben scheint.

Von Anfang an weht durch dieses Buch eine kaum fassbare unheimliche Atmosphäre, die besonders durch die eingeflochtenen Schauergeschichten von Gerards Großmutter Viola Hatherley verstärkt wird. Schnell wird klar, dass diese mit der Vergangenheit der Familie eng zusammenhängen und keineswegs reine Fiktion sind. Zwischen den Zeilen liegen alte Familiengeheimnisse verborgen. Gerard versucht, Licht ins Dunkel zu bringen und stößt auf die Lügen seiner Mutter. Er dringt ein, in die Welt der toten Verwandten, die, so scheint es, seine Nachforschungen verhindern wollen und dabei sogar seinen Tod in Kauf nehmen. Zum Ende hin, wird das Buch immer dramatischer, besonders dann, als sich zeigt, welche Rolle seine geliebte Brieffreundin Alice eigentlich spielt. Der Schluss ist wirklich spannend, aber leider auch ein wenig verwirrend, als sich das ganze Ausmaß der Familientragödie zeigt.

Über den Autor:
John Harwood stammt aus Australien. Er lehrte an der Universität von Southern Australia Englische Literatur. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Adelaide.

Rezension von Heike Rau

John Harwood
Das Haus der vergessenen Bilder
Aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg
348 Seiten, gebunden
Krüger Verlag
ISBN: 3-8105-0933-7
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Jamie Oliver: Kochen für Freunde

Jamie Oliver: Kochen für Freunde

Jamie Oliver ist verrückt nach Kräutern. Ohne frische Kräuter geht beim Kochen seiner Meinung nach nichts. So erzählt er am Anfang des Buches, welche Erfahrungen er mit der Anzucht von Kräutern gemacht hat und gibt zahlreiche Tipps. Weiter geht es mit leckeren Rezepten für ein herzhaftes Frühstück. Der Koch beschreibt die Zubereitung vom Schinken-Sandwich, Toast mit Fleischtomaten, Basilikum, gekochtem Schinken und Käse oder Megamüsli so bildhaft und geschmacklich vorstellbar, dass einem schon beim Lesen das Wasser im Munde zusammenläuft. Auch die kleinen Snacks und Knabbereien lassen den Magen vor Vorfreude grummeln. Es folgen einfache Salate und Dressings, interessante Suppenkreationen und Nudelgerichte. In einem weiteren Kapitel werden Gerichte mit Fisch oder Muscheln vorgestellt. Es gibt Wolfsbarsch mit Kräuterfüllung in Alufolie oder gebratene Forelle, dazu Kartoffeln mit Meerrettich-Walnuss-Sahne, um zwei Beispiele zu nennen. Fleisch und Geflügelgerichte wie gebratenes Kotelettstück mit Pfirsichen oder Rindfleisch-Carpaccio mit Kräuterkruste folgen. Ein weiteres Kapitel ist dem Gemüse gewidmet. Es gibt in Folie gebackene Rote Bete mit Knoblauch, Majoran und Balsamico-Essig oder Fenchel aus dem Ofen mit Knoblauch, Butter und Wermut. Es folgen leckere Brotrezepte und verschiedene Pizzas. Auch Rezepte von Desserts und Kuchen fehlen nicht. Danach werden eine Reihe von Drinks und Cocktails empfohlen, wobei die Frucht-Shakes besonders lecker aussehen. Den Schluss bilden Rezepte zu Brühen, Saucen und Salsas.

Die Rezeptauswahl ist sehr vielfältig. Jamie Oliver stellt nicht nur einfache Rezepte vor, sondern auch zunächst recht abenteuerlich klingende, mit denen man aber seine Freunde garantiert überraschen und vor allem beeindrucken kann. Die Zutatenlisten sind überschaubar und die Zubereitungsbeschreibungen sehr ausführlich und auch für Laien gut nachvollziehbar. Dabei muss man sich gar nicht immer so genau an die Anweisungen halten. Jamie Oliver regt die Fantasie des Lesers an und ermuntert dazu, auch die eigene Kreativität mit einzubringen. Die vorgestellten Gerichte sind meist für 4 bis 6 Personen ausgelegt. Verwendet werden vorwiegend frische Zutaten. Aber auch eine Liste der Dinge, die man immer im Haus haben sollte, fehlt nicht.
Eins steht fest, mit diesem Kochbuch ist Schluss mit dem ewigen Einerlei und langweiligen Gerichten in der Küche. Die locker-leichten Kommentare von Jamie Olivier machen Spaß und wirken anregend auf den Appetit. So macht es Spaß, für Freunde zu kochen. Die vielen ganzseitigen Fotos sind oftmals kleine Kunstwerke. So ist auch die Gestaltung des Kochbuchs als sehr gelungen zu bezeichnen.

Über den Autor:
Jamie Oliver ist in Clavering/Essex aufgewachsen. Bereits im Alter von acht Jahren lernte er im Pub seiner Eltern kochen. Er studierte am Westminster Catering College in London. Zusammengearbeitet hat er schon mit einigen der renommiertesten britischen Küchenchefs. Jamie Oliver war beratender Küchenchef des Restaurants „Monte´s“ in Knightsbridge. Mittlerweile hat er ein eigenes Restaurant „Fifteen“ eröffnet. Seine Kochsendungen werden von Millionen Fernsehzuschauern verfolgt. Jamie Oliver lebt mit seiner Frau Jools und seinen beiden Kindern in London.

Rezension von Heike Rau

Jamie Oliver
Kochen für Freunde
Neue geniale Rezepte
Aus dem Englischen von Susanne Vogel
288 Seiten, gebunden, über 300 Farbfotografien
Dorling Kindersley Verlag
ISBN: 3-8310-0654-7
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Der Sommer, als Lucy vier war

Der Sommer, als Lucy vier war

Als Anna erfährt, dass sie schwanger ist, will sie es nicht glauben. Sie kann sich nicht vorstellen, eine Mutter zu sein. Sie ist viel zu jung und nicht verheiratet. Außerdem beschäftigt sie sich mit wichtigen Dingen. Sie ist graduierte Studentin, Fotografin. Anna lässt abtreiben. Es bleibt ihr Geheimnis.

Auch Cerise ist schwanger. Obwohl ihre Mutter ihr zur Abtreibung rät, bringt sie ihr Baby zur Welt. Sie sucht sich Hilfe bei der LifeRight-Organisation, findet eine kleine Wohnung. Ihr Freund sucht sich eine andere Freundin.

10 Jahre später.
Cerise lebt immer noch in ärmlichen Verhältnissen in der kleinen Wohnung. Sie arbeitet in einem Altenheim, lernt Jake kennen und wird wieder schwanger. Travis wird geboren. Cerise ist weiterhin auf sich allein gestellt. Travis Vater ist arbeitslos, kann keinen Unterhalt zahlen. Weil auch Cerise wegen Travis nicht mehr arbeiten kann, zieht sie mit Sohn und Tochter um, um ein Weiterbildungsangebot anzunehmen, das sie als ihre letzte Chance sieht. Doch in der neuen Stadt geschieht ein Unglück, das Cerise vollends aus der Bahn wirft.

Anna führt ein privilegiertes Leben. Sie ist mit Elliot verheiratet, lebt in einem schönen Haus. Das Paar hat eine Tochter namens Lucy. Doch als Eliot arbeitslos wird, ist Anna wieder schwanger. Die kleine Familie muss ebenfalls umziehen. Die neugeborene Tochter Ellen ist krank. Da Anna vorläufig nicht wieder als Fotografin arbeiten kann, plagen sie neben den Ängsten um ihre Kinder auch Zukunftsängste.

Anna und Cerise sind zwei vom Charakter her völlig unterschiedlich Frauen. Sie stammen zudem aus, fast könnte man sagen, unterschiedlichen Welten.
Mit Spannung verfolgt man die Lebenswege der beiden Frauen. Jede versucht ihr Leben in den Griff zu bekommen, den Alltag zu meistern. Das verbindet die Frauen ebenso, wie ihre uneingeschränkte Liebe zu ihren Kindern.
Zunächst laufen die Geschichten von Cerise und Anna parallel. Doch als Leser wartet man darauf, dass sich begegnen und zueinander finden.
Die Autorin schreibt mit viel Feingefühl, ohne zu werten. Das Buch geht unter die Haut und ist sehr bewegend und aufwühlend.
Nach dem Lesen des Buches fühlt man sich nicht mehr sicher. Das Schicksal ist unberechenbar, man kann nicht sagen, was das Leben bereit hält, inwieweit man beeinflussen kann, was geschieht. Doch das Buch macht auch Hoffnung, sorgt dafür, dass man sich an Glücksmomente erinnert und sie in Gedanken festhält. Es vermittelt aber auch, dass ein Neuanfang im Leben immer möglich ist, wie schwer es auch sein mag.

Über die Autorin
Jean Hegland lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im Norden Kaliforniens.

Rezension von Heike Rau

Jean Hegland
Der Sommer, als Lucy vier war
Aus dem Amerikanischen von Veronika Cordes
432 Seiten, gebunden
Krüger Verlag
ISBN: 3-8105-0868-3
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