Oliven

Oliven

Oliven und Olivenöl finden wegen ihrer Gesundheitswirkung auch in unserer Küche immer häufiger Verwendung. Wer Näheres über die Steinfrüchte erfahren möchte, wird hier umfassend zu allen wissenswerten Themen informiert.

Im ersten Teil des Buches geht es um die Hintergründe. Nachlesen kann man Wissenswertes zur Geschichte des Olivenbaumes und Mythologisches über den Baum der Weisheit, des Friedens, der Hoffnung und des Lichts. Interessant ist es zu erfahren, woher der Name Olive kommt, wie Olivenbäume kultiviert werden, wie die Oliven geerntet und weiterverarbeitet werden und das wertvolle Öl gewonnen wird. Zudem werden die verschiedenen Olivensorten aufgelistet und genau erklärt.

Im zweiten Teil geht es um die Anzucht und Pflege von Olivenbäumchen im eigenen Heim. Die kann man nämlich selber ziehen und sich so ein bisschen Urlaubsgefühl und mediterranes Flair nach Hause holen. Die verschiedenen Möglichkeiten wie beispielsweise die Anzucht aus Samen oder die Vermehrung durch Stecklinge werden genau besprochen. Pflegehinweise sind ausführlich dargestellt.

Der dritte Teil des Buches „Fit und Gesund“ ist dem Lebenselixier Olivenöl gewidmet. Beschrieben wird beispielsweise eingehend, welche wertvollen Inhaltsstoffe das Olivenöl besitzt und, das dürfte besonders interessant sein, welche Gesundheitswirkung es hat. Aber Olivenöl wird nicht nur in der Küche verwendet, auch in der Körperpflege ist es von Bedeutung.

Im vierten Teil wird eine Reihe feiner Rezepte vorgestellt. Es gibt Einkaufstipps und Hinweise auf Dinge, die man unbedingt beachten sollte, wenn man mit Olivenöl braten, backen oder frittieren, Oliven selbst einlegen oder Kräuteröl herstellen möchte. Im Rezeptteil findet man Vorschläge wie griechischen Salat, Kartoffelsalat mit Oliven, Spagetti mit Olivenöl und Knoblauch, Hähnchentopf mit Oliven, Fisch im Tomatenbett mit Oliven oder Olivenbrot, welches sich auch im Backautomaten zubereiten lässt.

Mit diesem Buch ist jeder Leser gut beraten, der sich umfassend über Oliven und Olivenöl und seine Gesundheitswirkung informieren möchte. Es ist übersichtlich gestaltet und in verschiedene Kapitel unterteilt, so dass man sich schnell einen Überblick verschaffen kann. Die ausführlichen Textbeiträge sind gut verständlich und mit informativen Fotos versehen. Die Rezeptvorschläge sind durch die Schritt-für-Schritt-Anleitungen leicht nachvollziehbar. Ein Register ist vorhanden. Auch Literaturtipps zu weiterführenden Büchern fehlen nicht.

Über die Autorin:
Die Diplombiologin Dr. Gabriele Lehari ist seit vielen Jahren als Sachbuchautorin tätig. Sie hat über 20 Bücher in den Bereichen Natur, Umwelt, Garten und Tier veröffentlich. Sie ist eine erfahrene Hobbygärtnerin.

Rezension von Heike Rau

Gabriele Lehari
Oliven
78 Seiten, Klappenbroschur, 50 Farbfotos
Reihe: Garten-Fit
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4594-4
Bestellen

Bodytalk

Bodytalk

Jeder will schön sein, fit und schlank. Besonders Jugendliche betrachten sich kritisch, wollen sich mit ihrem Aussehen nicht abfinden. Kaum einer ist mehr zufrieden mit sich. Und tatsächlich kann heutzutage einiges getan werden, um das eigene Aussehen zu verbessern.

Doch was ist Schönheit überhaupt? Was empfinden wir als schön? Im Buch sind perfekt aussehende Menschen dargestellt. Doch sind sie am Computer entstanden. Auch in den Medien wird uns die perfekte Schönheit nur vorgegaukelt. Ein Fotoprogramm sorgt dafür, dass alle Pickel und Falten verschwinden. Vergleicht man sich selbst mit den Schönheiten der Hochglanzmagazine, könnte man verzweifeln. Natürlichkeit ist nicht mehr gefragt.

Der Schönheitswahn hat Folgen. Etwas an sich machen zu lassen, scheint normal zu werden. Oftmals schon bei jungen Mädchen. Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie nehmen zu. Die jungen Frauen machen ihr Leben am eigenen Gewicht fest. Die jungen Männer dagegen strampeln sich im Fitnessstudio ab, um männlicher zu erscheinen. Der Waschbrettbauch ist ein Muss. Bald reicht einfaches Training nicht mehr aus. Mit fraglichen Nahrungsergänzungsmitteln, Hormonen und Amphetaminen wird nachgelegt.

Andrea Hauner und Elke Reichart haben sich einem sehr ernsten Thema angenommen. Im Buch gibt es Beiträge von Ärzten, Psychologen, Wissenschaftlern und Künstlern, die sich mit dem Schlankheitswahn, der Pubertät, der Liebe, Schönheitsoperationen usw. auseinandersetzen. Aber auch die Jugendlichen selbst kommen zu Wort. Die einzelnen Beiträge sind leicht verständlich. Schwierige Begriffe werden gleich im Text erklärt. Das Buch konfrontiert den Leser mit dem Schönheitskult und seinen Folgen und rückt damit die oftmals verschobene Körperwahrnehmung wieder ins rechte Licht. Bleibt zu hoffen, dass einige nach dem Lesen des Buches ihren Körper mit seinen Schwächen wieder besser akzeptieren können, den Kampf gegen den eigenen Körper aufgeben und wieder lernen, andere Schwerpunkte in ihrem Leben zu setzen.

Über die Autorinnen:

Andrea Hauner, Jahrgang 1959, studierte Germanistik und Geschichte. Sie arbeitete als Autorin und Fernsehjournalistin für das ZDF, ARD und ARTE. Andrea Hauner lebt in der Schweiz.

Elke Reichert, Absolventin der Deutschen Journalistikschule in München, arbeitet unter anderem bei Tageszeitungen, beim ZDF und als freie Journalistin in Südafrika. Sie lebt bei München und schreibt als Autorin mit dem Schwerpunkt Medizin.

Rezension von Heike Rau

Andrea Hauner & Elke Reichart
Bodytalk
Der riskante Kult um Körper und Schönheit
206 Seiten, broschiert
Reihe Hanser
Deutscher Taschenbuch Verlag, München
ISBN: 3-423-62203-2
Bestellen

Miststück

Miststück

Privatdetektivin Casey Jones ist einigermaßen überraschst, als ihr Exehemann Jeff, den sie als menschliches Gegenstück zu Herpes bezeichnet, nach so vielen Jahren bei ihr im Büro auftaucht und sie ganz unverfroren um Mithilfe bei einem Kokaindeal bittet. Kaum hat sie ihn vergrault, taucht Tawny Bledsoe, übel zusammengeschlagen, bei ihr auf. Angeblich hat ihr Ehemann ihr das angetan. Und er hat auch noch die 4jährige Tochter entführt, obwohl Tawny das Sorgerecht zugesprochen wurde. So etwas ist dem Commissioner für das Wake County Robert Price eigentlich nicht zuzutrauen. Tawny Bledsoe nutzt ihr schauspielerisches Talent, um Casey zu überreden, den Fall zu übernehmen. Und da von irgendwas schließlich die Miete bezahlt werden muss, macht sie es.
Casey braucht nicht lange, um herauszufinden, wo Robert Price sich mit dem Kind aufhält. Bei der Übergabe des Kindes an seine Mutter geht es aber dann sehr brutal zu. Tawny hat einen Schlägertyp im Schlepptau, der Robert Price unnötigerweise übel zurichtet. Casey, die sich im Hintergrund hält, ahnt, dass hier etwas nicht stimmt. Ihre Ahnung bestätigt sich, als der Scheck platzt, mit dem sie bezahlt wurde. Einige Tage später wird Boomer Cockshutt, der besagte Schlägertyp, tot aufgefunden und Robert Price wird verdächtigt, der Mörder gewesen zu sein. Tawny taucht mit ihrer Tochter unter, angeblich aus Angst vor ihrem, wie sie behauptet, brutalen Mann. Casey Jones denkt nicht daran, die Vorkommnisse auf sich beruhen zu lassen. Sie ist neugierig geworden. Der ganze Fall stinkt zum Himmel. Außerdem lässt sie sich nicht gern verarschen, sie will ihr Geld.

Die Figur Casey Jones ist unglaublich. Sie ist direkt, sarkastisch und richtig bissig. Ihren Beobachtungen und Kommentaren zu folgen, macht einfach Spaß „Er saß mir gegenüber, stopfte sich Käsekräcker in die Luke rein und schlappte an seiner Cola.“ Ihre Gefühle stellen sich sehr nachvollziehbar dar. „Innerlich fühlte ich mich, als hätte ich eine Ladung mexikanische Springbohnen verschluckt.“ Obwohl sie sich so rotzfrech und respektlos darstellt, hat sie das Herz auf dem rechten Fleck. Sie lebt ihr Leben und setzt sich durch, obwohl sie Knasterfahrung hat, ihre Lizenz gefälscht ist und sie eigentlich keine Waffe bei sich tragen dürfte.
Der Fall zeigt sich zunächst recht unkompliziert. Hier wird der Leser genauso aufs Glatteis geführt wie die Ermittlerin. Doch die Spannung steigt stetig, der Fall wird immer undurchsichtiger und bald ist klar, dass viel mehr dahinter steckt. Als der Mord an Cockshut geschieht wird es ernst. Doch Casey Jones, das muss man ihr lassen, beißt sich regelrecht fest an dem Fall. Sie zieht alle Register und lässt ihre Kontakte spielen, um den Mörder und dem hinterhältigen Spiel Tawnys auf die Spur zu kommen.

Fazit: Flotter Krimi mit einer sehr unkonventionellen Ermittlerin. Sehr zu empfehlen!

Über die Autorin:
Kathy Munger, 1956 auf Hawaii geboren, wuchs in Raleigh, North Carolina, auf. Nach einigen Jahren in New York lebt sie heute wieder dort. Ihre Romane um Casey Jones wurden verfilmt. Die Autorin ist Mitglied der respektlosen neo-feministischen Schriftstellerinnen-Gruppe „Tart Noir“.

Rezension von Heike Rau

Katy Munger
Miststück
Ein Fall für Casey Jones
Aus dem Englischen von Tom Appleton
380 Seiten, broschiert
Reihe: metro
Unionsverlag, Zürich
ISBN: 3-293-20311-6
Bestellen

Flora Garten Kalender 2005

Flora Garten Kalender 2005

In erster Linie sind dem Kalender alle anstehenden Gartenarbeiten im Verlauf des Jahres zu entnehmen. Jeweils zu Beginn eines neuen Monats werden die Monatsarbeiten für Ziergarten, Gemüsegarten, Obstgarten oder Wassergarten zusammengefasst. Im Wetterkalender können eigene Beobachtungen Tag für Tag aufgezeichnet und die Mondphasen beobachtet werden. Platz für weitere eigene Notizen ist vorhanden, wenn auch sehr knapp bemessen.
Neue und alte Obstsorten, aber auch interessante, recht unbekannte Gemüsesorten werden vorgestellt. Es gibt interessante Tipps, mit denen man Kinder spielerisch in die Gartenarbeit einbinden kann, Buchtipps, Ratschläge für intelligente Faule, Rezepte, floristische Ideen zum Nachmachen, Pflanzenporträts und vieles mehr. Vorhanden sind wichtige Saat-, Pflanz- und Erntetabellen, ein Kulturkalender der wichtigsten Gemüsearten, eine Tabelle mit Kombinationsmöglichkeiten für Mischkultur und eine Tabelle mit giftigen Pflanzen. Wichtige Daten zu Messen, Ausstellungen und Blumenfesten sind ebenso aufgelistet und dem Kalender zu entnehmen, wie Adressen zu Pflanzenschutzfragen, Informationsmöglichkeiten und Fortbildung, Adressen zur Bodenuntersuchung oder Bezugsquellen von Saatgut, Nützlingen bzw. biologischem Pflanzenschutz, Gartenbauverbänden und mehr.

Beispiel: Monat Januar
Auch im Monat Januar gibt es schon einiges zu tun. Lauch- und Grünkohl können geerntet werden, die Vögel werden mit Samen und Getreide versorgt, Lagerräume hin und wieder gelüftet, eingelagertes Gemüse kontrolliert. Bei über 4 Grad und zunehmendem Mond werden Obstbäume auf Fruchtansatz geschnitten. Auf der Fensterbank lassen sich Radieschen, Kerbel oder Kresse ziehen. Im Pflanzenporträt wird der Seidelbast vorgestellt. In den Monatsarbeiten für den Ziergarten wird beispielsweise daran erinnert, die Saatgutvorräte zu kontrollieren und neues Saatgut zu bestellen. Überwinternde Blumenzwiebeln- und Knollen müssen begutachtet werden. An frostfreien Tagen besteht die Möglichkeit Ziergehölze und Hecken auszulichten. Im Tipp wird erklärt, wie Holzasche als Düngerergänzung verwendet werde kann. Als Rezept gibt es leckere Käse-Kartoffel-Laibchen. Vorgestellt werden zudem Teekräuter und verschiedene empfehlenswerte Mischungen.

Mit diesem informativen und sehr abwechslungsreichen Kalender kommt man gut durchs Gartenjahr. Er beinhaltet einen umfassenden Ratgeber für jeden Gartenfreund und bietet unzählige Tipps und Tricks von Gartenprofis. Die gute Übersichtlichkeit sorgt dafür, dass man nicht den Überblick verliert. Die Texte sind leicht verständlich und gut nachvollziehbar. Die vielen ansprechenden Fotos erfreuen das Auge und machen Lust auf die bevorstehende neue Gartensaison.

Fazit: Kalender und Ratgeber in einem. Für Hobbygärten eine Quelle zahlreicher Anleitungen, Tipps und Tricks.

Rezension von Heike Rau

Flora Garten
Kalender 2005
208 Seiten, Spiralbindung, 120 Fotos, 25 Zeichnungen
Verlag Eugen Ulmer
Österreichischer Agrarverlag
ISBN: 3-8001-4605-3
Bestellen

Das Zwergenbuch

Das Zwergenbuch

Wer kennt sie nicht, die Zwerge, Kobolde, Heinzelmännchen, die Wichtel, die Trolle und die Klabautermänner. Ditte und Giovanni Bandini haben sich auf ihre Spuren begeben. Sie haben ihre Charaktereigenschaften, ihr Aussehen, ihre Eigenheiten und ihre Vorlieben ergründet. Sie erforschten die Herkunft der Zwerge, fassen zusammen, was ihnen nachgesagt wird und geben Antwort auf die Frage, warum die Zwerge verschwunden sind, bzw. nur noch als Gartenzwerge in den Vorgärten zu sehen sind.

Doch wie sehen die Zwerge überhaupt aus. Stimmt das Bild vom kleinwüchsigen Mann mit roter Zipfelmütze und langem Bart? Nachgesagt wird ihnen oft auch, hässlich zu sein, kurzbeinig, dickleibig und alt. Von Region zu Region werden sie unterschiedlich beschrieben. Auch ihre Kleidung variiert. Besonders interessant ist es natürlich zu erfahren, inwieweit sich Zwerge, Kobolde und Heinzelmännchen überhaupt voneinander unterscheiden. Auch den Unterschieden zwischen Märchen- und Sagenzwerg nehmen die Autoren sich an. Ein eigenes Kapitel ist zwei Zwergenkönigen gewidmet, Alberich und Laurin. Auch die Darstellung der Zwerge im Kinderbuch wird behandelt. Und die Gartenzwerge haben ebenfalls ein eigenes Kapitel. Sehr spannend ist die Frage nach dem Verbleib der Zwerge. Die Autoren stellen hier die wenigen Theorien vor, die es gibt.

Ditte und Giovanni Bandini erzählen auf lockere und sehr unterhaltsame Weise und mit viel Witz und Charme über die Zwerge. Sie haben ausführlich recherchiert, so gibt sehr viel Interessantes zu erfahren. Bekanntes und wenig Bekanntes wird in Zusammenhang gebracht, Schlüsse daraus gezogen und Thesen aufgestellt. Erzählt werden zudem eine Reihe von bedeutenden Sagen. Das Buch ist ansprechend mit schwarz-weißen Zeichnungen illustriert. In der Mitte des Buches ist eine Reihe mit farbigen Abbildungen zu sehen. Mit im Buch ist ein kleines Zwergenglossar und zum schnellen Nachschlagen ein Register.

Fazit: Ein spannendes, sehr unterhaltsames Buch für alle, die sich für die Geschichte der kleinwüchsigen Wesen interessieren, mit jeder Menge Informationen und Hintergrundwissen, tollen Abbildungen und vielen Sagen.

Über die Autoren:
Ditte Bandini, Jahrgang 1956, studierte Völkerkunde, Religionsgeschichte und Indologie. Sie arbeitet an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und als freie Schriftstellerin und Übersetzerin.
Giovanni Bandini, Jahrgang 1951, studierte Indologie, Vergleichende Religionswissenschaft und Indische Kunstgeschichte. Er arbeitet als freier Übersetzer.

Rezension von Heike Rau

Ditte und Giovanni Bandini
Das Zwergenbuch
238 Seiten, Klappenbroschur
dtv premium
Deutscher Taschenbuchverlag, München
ISBN: 3-423-24441-0

Kleiner Hinweis: Auch in unserer Datenbank zu finden: Ditte und Giovanni Bandini mit „Das Buch der Elfen und Feen“.
Bestellen

Walfred Goreng

Walfred Goreng

Walfred Goreng
herausgegeben von Armin Rößler und Dieter Schmitt
190 Seiten
9,95 Euro
ISBN 3-938065-04-4
Wurdack Verlag
http://www.wurdackverlag.de/verlag/bgoreng.html

Klappentext:

Die Zukunft ist voller Fragen:
Wovor fürchtet sich der Programmierer Chris? Ist Njomwegs Krankheit, die nur Kinder befällt, wirklich unheilbar? Und was hat Ökonomie mit Raumfahrt zu tun?

Interkulturelle Probleme gibt es auch morgen:
Ein Computerfehler löst diplomatische Verwirrungen aus, ein Fluch hingegen schafft Frieden; und die Lärmempfindlichkeit wandelnder Kakteen führt zum Zusammenbruch des interplanetaren Handels.

… und mysteriöse Verbrechen ebenfalls:
Einem Starpianisten werden die Hände gestohlen, die Blautigerkatze Walfred ist unauffindbar, Polizisten aus Vergangenheit und Zukunft jagen einen Verbrecher und irgendjemand stiehlt Blut.

26 Autoren entführen den Leser in skurrile, sonderbare und beängstigende Zukunftswelten. Und wo ist der Ausgang? Natürlich am Ende des Buches.

Fazit:
Ein durchwachsenes Buch mit etwas zu wenig Höhepunkten und zuviel Durchschnittlichem. Trotzdem eine durchaus lohnenswerte Sammlung von SF-Geschichten. Wenn man bedenkt, dass die meisten der in der Anthologie vertretenen erst am Anfang ihrer Schaffensperiode stehen.
Trotzdem: Es ist der zweite SF-Band der Storyolympiade. Für den geplanten dritten Band würde man sich doch eine Steigerung wünschen.
Zum Anlesen empfehle ich Uwe Herrman (Geheimnis der unentschlossenen Treppe), Edgar Güttge (Dezibel) und Thorsten Küper (Njomwegs Krankheit)

Zu den Geschichten:

Markus Kastenholz – Walfred Goreng
Flüssig geschrieben aber insgesamt ziemlich platt.

Thorsten Küper – Njomwegs Krankheit
Handelt von einer Verschwörung aufgrund eines Virus. Gewohnt gute Geschichte, wie man es von Thorsten Küper gewohnt ist

Heidrun Jänchen – Omega
Geschichte über eine geheimnisvolle Mordserie, sehr stimmungsvoll, eine deutliche Steigerung zu der Geschichte aus Deus Ex Machina

Dieter Schmitt – Arbeitstag
Eine Geschichte, die mehr eine Kritik an der Gegenwart, als eine Zukunftsgeschichte ist, ebenso eine deutliche Steigerung zu der Geschichte aus Deus Ex Machina. Gefällt.

Helmuth W. Mommers, Ernst Vlcek & Uschi Zietsch – All inclusive
Solider Inhalt, der an sich nichts Neues bietet, aber flüssig und mit Freunde zu lesen ist.

Peter Hohmann – Tag des Glücks
Geschichte, die mit einem Nachkatastrophenszenario spielt. Ein wenig zu sehr auf den Plot ausgerichtet

V. Groß – Maschinelle Gelassenheit
Ein wenig verwirrend und unfertig aus meiner Sicht. Hätte man mehr draus machen können. Gerade atmosphärisch wäre eine Steigerung möglich gewesen, auch wirkten die Szenen generell verwirrend. Gute Ansätze, blieb auch im Gedächtnis haften.

Melanie Metzenthin – Vom Fluch des Fortschritts
Ich schwanke zwischen überflüssig und witzig. Sagen wir eine witzige aber ein wenig unorginelle Parteiwerbung.

Lutz Herrmann – Corona
Verschwörungstherorie, ganz nett.
Uwe Hermann – Das Geheimnis der unentschlossenen Treppe
Die unentschlossene Treppe bietet zwar vom Inhalt her auch eher etwas konventionelles (Zeitreisen), ist aber mitreißend geschrieben und für mich einer der Höhepunkte des Buches, wenn nicht gar DER Höhepunkt. Hut ab!

Thomas Kohlschmidt – Mein Schicksal in deinen Händen
Voraussehbar konstruierter Krimi mit vorhersehbarem Plot, der zudem noch auf zwingend moralisch macht. Es ist eigentlich alles da, das es eine gute Geschichte wird, aber die Personen bleiben blass und die Spannung in einem anderen Sternensystem.

Petra Vennekohl – Vascul
Eine Stimmungsvolle Geschichte über Kolonisten auf einem anderen Planeten. . Denke, der Autorin würden längere Geschichten besser zu Gesicht stehen, aber ist auch so gut.
Andreas Flögel – Der Besuch
Flüssig und nett, allerdings inhaltlich ein wenig mager.

Frank Hoese – Erstkontakt
Böse und ironisch, lebt von der Hauptperson. Gefiel bis dahin am besten, hätte aber ein wenig Kürzung vertragen.

Klaus Eylmann – Mamma
Da bin ich hin- und her gerissen. Zu Anfang bekommt die Fantasie Flügel, fällt aber gegen Ende ab, und die ganze Nudelgeschichte wirkt ein wenig aufgesetzt.

Barbara Schinko – Dies ist eine Warnung
Geschichte von Weltraumbesuchern, die zur Erde (Ursprungsplanet) zurückkehren. Fand ich ziemlich mäßig

Stefan Wogawa – Ein Alien kommt selten allein
Eine Geschichte über Diplomaten. Sehr humorvoll, typischer Pulp mit Übertreibung, mein aktueller Favorit

Dietmar Preuß – Der Kampf gegen die Baumfresser
Eine wirre Geschichte, deren Sinn sich mir verschließt.

Andrea Tillmanns – Träume
Stimmungsvoll, aber irgendwie habe ich den Sinn nicht ganz verstanden. Denke, die Idee hätte auch eine längere Geschichte verdient.

Uwe Hermann – Das Geheimnis der unentschlossenen Treppe
Die unentschlossene Treppe bietet zwar vom Inhalt her auch eher etwas konventionelles (Zeitreisen), ist aber mitreißend geschrieben und für mich einer der Höhepunkte des Buches, wenn nicht gar DER Höhepunkt. Hut ab!

Birgit Erwin – Himmelfahrtskommando
Hat mir gar nicht zugesagt.

Robert Kerber : Der Bibliothekar:
Tolle Idee, guter Spannungsaufbau, interessante Charaktere und sehr stimmungsvoll. Trotzdem wirkt die Geschichte fragmentarisch, es werden viele Fäden gesponnen, doch meines Erachtens nur bedingt zu einer fertigen Geschichte verwoben. Da steckt noch Potential drin.

Edgar Güttge – Dezibel
Klasse Parodie auf den Behördenwahnsinn. Gefiel mir außerordentlich gut.

Veronika Fischer – Nachmittagsprogramm
Unterhaltsame Geschichte, die schön zu lesen war, ohne etwas Neues zu bieten. Hätte man mehr draus machen können.

Roland Triankowski – Ausgang
Eine gute Geschichte über Sichtweisen und Ebenen, wobei das Ende ein wenig unspektakulär war. Gefiel mir richtiggehend gut.
Bestellen

„Der Atem Gottes“ und andere Visionen 2004

„Der Atem Gottes“ und andere Visionen 2004

»Der Atem Gottes« und andere Visionen 2004
Phantastische Ausblicke in die Welt der Zukunft von den besten deutschen Science Fiction Autoren der Gegenwart, herausgegeben von Helmuth W. Mommers

Deutsche Erstveröffentlichungen
Paperback • ca. 250 Seiten • Euro 14,90
Erscheint im November 2004 • ISBN 3-926126-42-6
Infos und Bestellung: www.visionen.shayol.net

Andreas Eschbach: Quantenmüll
Wie praktisch ein Müllschlucker wäre, der allen Abfall auf Nimmerwiedersehen verschwinden lässt…

Sehr unterhaltsame Geschichte mit einem nicht zu überhörenden ironischen Unterton, Eschbach in Bestform.

Thorsten Küper: Der Atem Gottes
Wie man, auch ohne himmlische Offenbarung, göttliche Erleuchtung erfahren kann, eine Fahrkarte in die Hölle inklusive…

Sehr gute Idee, allerdings ein wenig langatmig geschrieben. Insgesamt leicht verbesserungswürdig, aber gut und lesenswert. Ein wenig mehr Flair wie in „Hayun“ und die Geschichte wäre perfekt gewesen.

Ralph Doege
Womit ein Zeitreisender zu rechnen hat, wenn er versucht, seine eigene Vergangenheit zu ändern…

Fängt ein wenig wirr und umständlich an, wird dann aber immer brillanter und mitreißender. Bis auf den Anfang eine wirklich tolle Geschichte, die zu den Highlights der Sammlung gehört.

Myra Çakan
Wie abgefuckt unsere Welt aussehen mag, wenn wir uns elektronische Drogen reinziehen und auf virtuellen Flügeln abheben…

Inhaltlich wirkt es etwas belanglos und hat auch nur am Rande mit SF zu tun, ist aber andererseits ein tolles Stimmungsbild. Die Geschichte ist nicht sonderlich überragend, bleibt aber dafür im Gedächtnis haften.

Erik Simon
Wozu ein ›Erdling‹ taugt, der auf einem Souvenirmarkt erstanden und in die Dienste von außerirdischen Missionaren gestellt wird …

Ich fand die Geschichte farblos, fade und langweilig, das Relikt einer vergangenen Zeit, dass gar nicht so zu dem Thema VISIONEN passt, die bis hierhin die schwächste Story.

Andreas Gruber
Was für Folgen es haben kann, wenn Nanomediziner das Leben verlängern und Unsterblichkeit versprechen…

Eine solide Erzählung. Spannend erzählt, aber mit vorhersehbarer Storyline. Insgesamt etwas wenig. Nennt man gemein hin Lückenfüller.

Michael Marrak
Was für dunkle Abgründe sich dem nichts ahnenden Besucher im virtuellen Archiv des Vatikan auftun…

Wer Imagon mag, wird auch diese Geschichte mögen. Da ich Imagon sterbenslangweilig fand, enthalte ich mich einer weiteren Stellungsnahme.

Herbert W. Franke
Wie uns die Wissenschaft unserer liebsten Illusion beraubt hat und sie dennoch nicht keimfrei ersticken kann…

Ein anrührendes Statement über die Liebe.

Jan Gardemann
Was einem Computerfreak hässliches widerfahren kann, wenn er so zum Spaß an seinem PC herumbastelt…

Bis dato neben „Quantenmüll“ die beste Geschichte. Spannend, interessant aufgebaut mit einem bitterbösen Ende. Leserherz, was willst du mehr.

Rainer Erler
Was es mit der unbefleckten Empfängnis auf sich hat, wenn Gott oder Seinesgleichen im Spiel sind…

Lebendige Charaktere, toll erzählt, eine interessante Variante der unbefleckten Empfängnis. Klasse!

Uwe Hermann
Was für Konsequenzen es haben kann, wenn ein Potentat sein Kuriositätenkabinett um den ›Weihnachtsmann‹ bereichern will…

Scheint am Thema zu liegen, gefiel mir überhaupt nicht.

Jörg Isenberg
Was für ein Schicksal uns bevorsteht, wenn wir uns der Elektronik mit Haut und Haaren ausliefern…

Eine interessante Variante der Maschinenherrschaft. Gefiel mir.

Robert Kerber
Wie einer veränderten Umwelt zum Trotz die Menschen alten Leidenschaften erliegen…

Eine wunderschöne Zukunftsstudie. Nichts zu meckern.

Helmuth W. Mommers
Worin ein Soldat den Sinn des Lebens sieht, wenn er tausend Tode stirbt, um als Klon immer wieder aufzuerstehen…

Eine mitreißend geschriebene Geschichte, wobei die Entscheidungskriterien des Soldaten ein wenig kurz kamen. Eine der besseren Geschichten.

Malte S. Sembten
Welche Trophäe außerirdische Jäger von der Erde mitbringen wollen, wenn sie auf das ›Königstier‹ Jagd machen…

Fängt ganz witzig an, lässt dann aber nach. War in Ordnung, aber insgesamt doch eher durchschnittlich.

Karl Michael Armer
Wenn als Antwort auf islamischen Terror der Papst zum heiligen Kreuzzug gegen die Heiden aufruft …

Ein wirklich beeindruckendes Comeback. Spannend, anregend und im Thema aktuell

Marcus Hammerschmitt
Wie ein Überlebender sich in einer Welt zurechtfindet, die sich in einen surrealen Albtraum verwandelt hat…

Eine interessantes Stimmungsbild eines „Nach der Katastrophe-Szenario“ mit viel Witz.

Fazit: Insgesamt sehr unterschiedliche Geschichten, die mir nicht alle gefallen. Aber die meisten auf einem recht hohen Niveau. Auch ist die inhaltliche und stilistische Bandbreite beeindruckend, den ein oder anderen „Lückenfüller“ hätte man sich sparen können. Allerdings ist das „Jammern auf hohem Niveau“.
Bin beeindruckt, einziger Wermutstropfen, es dauert 12 Monate, bis der Nachfolger erscheint.

Bestellen

Die Wasser der Zukunft. Anthologie .

Die Wasser der Zukunft. Anthologie .

Das Wasser – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2004 und machen uns Gedanken.
Wie unendlich ist das Wasser? Was ist Wasser?

Die Edition Ponte Novu veröffentlich keine gewöhnlichen Anthologien. Bereits „GENpest“ beschäftigte sich mit ethischen und ökologischen Problemen. Der Erlös wurde und wird Gruppen und Organisationen zur Verfügung gestellt, die den Kampf gegen die »Genpest« aufgenommen haben.
Der Erlös von „Die Wasser der Zukunft“ fließt der Umweltschutzorganisation Robin Wood zu. Nach dem Lesen des Buches ist diese Verbindung auch klar. Geht es doch um die Substanz unseres Lebens, eines der gefährdetesten Bestandteile, das wir mit einer Selbstverständlichkeit nutzen, mit einer Sorglosigkeit, die nur wenigen bewusst wird. Unseren Blick auf das nasse Element zu schärfen, sind 19 Autoren aufgebrochen, über Wasser zu erzählen.

Irina Grothues versetzt sich in ihrem Vorwort des Wassers in die Rolle des Wassers als ein Ankläger. Das personifizierte Wasser erzählt seine Geschichte, vom Werden und Scheitern der Beziehung mit den Menschen. Eine mahnende Vision, die das Buch eindringlich eröffnet.

Dann folgt auch schon eine der besten Geschichten der Anthologie: Das Lilienballspiel von Udo Mörschbach. Der Fensterputzer Lilienball gerät in die Intrigen einer korrupten Gesellschaft, die an sich selbst krankt. Eine zynische Dystopie, die den Leser in einer Sprache fesselt, der er sich nicht entziehen kann. Lilienball ist nicht nur ein Spielball, er ist die eine Blume in der Öde. Durch die Konzentrierung auf diesen einsamen Farbtupfer, wird das Grauen hinter der Handlung plastisch. Ein herausragender Text.

Ebenfalls mit dem Grauen spielt Matthias Nawrat in seinem Die Männer vom Energiekonzern.
Wenn Wasser so kostbar wird, dass jeder fehlende Tropfen vermisst wird, wird ein kleines Mädchen, das ein Glas Wasser wie einen Schatz hütet zum Verbrecher. Dieser ungewöhnliche Plot bringt zwei grundsätzliche Fragen in Beziehung zu einander. Wie kostbar ist Wasser? und Darf Wasser jemandem gehören? Der Autor zwingt seine Leser durch das Bedrohliche der Handlung, nachzudenken und Furcht zu verspüren, Angst vor den Folgen der heutigen Entwicklung. Dabei führt der Autor keine Wertung durch. Der Leser ist Ziel und Ort einer Entscheidung.

In Die Hallen des Wassers von Corinna Jedamzik geht es um eine Zukunftswelt, in der Wasser durch die Dummheit des Menschen zur knappen Ressource geworden ist und der Wasserspeicher Mensch eine neue Bedeutung erlangt. Zwar weist die Autorin auf eine Welt mit negativen Zügen hin, dennoch bleibt die Geschichte farblos, hat man das Gefühl eine mit Soylent Green aufgepeppte Ökostory zu lesen.

Ein kleiner lyrischer Einschub stellt Der Ritt auf dem Wal von Mechthilde Vahsen dar. Es ist zwar kein Gedicht, aber der Ritt auf dem Wal ist eine kleine treibende Insel zwischen den schweren SF-Texten, eine ganz eigene Liebeserklärung an das Meer, die in Tausendblau von Veronika Aydin sogar noch weiter geführt wird. Eine einfache Tauchergeschichte über das Wunderbare am Leben im Wasser.

Meer der Meduse von Ernst-Edmund Keil ist ein Manifest gegen die Umweltverschmutzung, leider wenig mehr.

Mit Aquaviva aber gelingt Edgar Güttge das Highlight des Buches. Güttkes Stil nähert sich der Realität immer von einer darüberliegenden Dimension. Sein Blick auf das Geschehen flimmert, springt in einem fröhlichen Tanz hin und her. Ist man zunächst verwirrt, steckt man auch schon mittendrin. Die Figuren und ihre Motivationen sind nach wenigen Absätzen kilometertief ausgeleuchtet. Es ist ein Fest des Erzählens. Immer natürlich in seinem eigenen spezifischen Kontinuum. Aquaviva, das lebende Wasser, lenkt den Leser spielerisch zu den Verschmutzungsproblemen, bleibt die Lage zwar Ernst, aber haben die Hauptpersonen Möglichkeiten zu agieren. Aquaviva ist die bei weitem ausgebauteste Erzählung der Anthologie, sowohl qualitativ als auch quantitativ.

Weg von einer ökologischen Bedeutung führt uns Boris Schneider in seinen Feuchten Träumen. Nein, auch eine sexuelle Bedeutung ist trotz des Titels nicht gemeint. Der Text ist eine beklemmende Geschichte über die Realität von Träumen. Wenig überraschend allerdings.

Timo Baders Die Flut stellt den Leser auf eine harte Probe. Die letzte Insel der Welt wird durch das Bersten eines Staudammes bedroht. Wo aber steht aber dieser Staudamm? Nach diesem einleitenden Plotproblem wird es leider nicht besser. Der Konflikt Ober- gegen Unterwelt wird in einem oberflächlichen Geplänkel dargelegt, ohne Figuren oder Hintergründe näher zu beleuchten, oder eine interessante Idee zu präsentieren. Der Text lässt so viele Fragen übrig, die man aber gar nicht gelöst haben möchte. Für mich die schwächste Story der Anthologie.

Eine typische Geschichte über die Geister, die man rief und nicht wieder los wird ist Als Mr. Hyde aufhörte Durst zu haben von Rüdiger Bartsch. Der geniale Wissenschaftler, der Laborunfall und die unkontrollierbare Natur – alle sind sie vertreten. Nichts wirklich Neues, zum Teil behäbig erzählt aber durchaus spannend.

Gut für dich, gut für mich von Torsten Scheib stellt uns eine Welt vor, in der ähnlich wie im Lilienballspiel über das Wasser den Menschen Substanzen verabreicht werden, um sie dem Staatswesen genehm zu manipulieren. Zwar beschreibt Scheib ausführlich die Umstände seines doktrinären Staatswesens, aber es gelingt ihm nicht, daraus eine spannende Geschichte zu stricken, zu bekannt und vorhersehbar fügt sich die Handlung.

So ganz anders ist Winter im Park. Frauke Schuster widmet sich leise einer ungewöhnlichen Ambivalenz. Füttern verboten! weist ein alter Mann eine ebenfalls alte Frau zurecht. Das Entenfutter verschmutzt das Wasser, weiß er. Aber sie hat nur das Entenfüttern.
Nichts auf dieser Welt ist einfach. Man kann es wohl kaum besser ausdrücken, als in dieser kleinen, wunderbaren Parabel.

Nach Indien führt uns Wasser aus der Wand von Traudel Schmidt. Neben Güttges Aquaviva die rundeste Erzählung des Buches. Die Geschichte der kleinen Sweta, deren Leben von Wasser abhängig ist und für das Wasser in entscheidenden Momenten die Zukunft bestimmt, ist unbenommen eine anrührende und sorgfältig erzählte Episode aus einer Welt, die uns ferner scheinen mag, als etwa die Wasser des Mars.

In ein Märchen gewandet ist Als das Wasser fortging von Christina Priplata-Harand. Die Ähnlichkeiten zum Vorwort des Wassers sind verblüffend, denn auch hier wird aus der Perspektive des Wassers geschrieben und wie dort erfahren wir eine Zusammenfassung des bisherigen Lebens mit den Menschen. Es ist ein schönes Märchen, ohne belehrend zu sein, der Stil lässt auf südliche, vielleicht orientalische Einflüsse schließen, auf jeden Fall eine glitzernde Fassette am Kleid dieser Anthologie.

Um die Vielfalt zu unterstreichen, folgt eine Sage über Corsica. Beim Sinnieren über Einen Brunnen voller Gold zeigt Ina Schimpf, wie Gier und Macht das Inselparadies zerstörten. Es kommt jedoch beim Lesen keine rechte Begeisterung auf. Die Autorin vermag es nicht, Spannung oder Mitgefühl zu erzeugen, zu sehr ähnelt ihre Geschichte den bekannten Inselgeschichten.

Mit einem normalen Sintflutszenario beginnt Als der Regen kam von Sunil Mann. Allerdings bricht der Autor daraus aus, als er die Fastertrinkenden ihre Träume in das Wasser fallen lässt. Welche Allegorie! Mit unerwarteter Plötzlichkeit wendet sich der Text der Hoffnung zu. Ein heller Schein inmitten der vielen Untergänge.

Auch eine Fantasygeschichte findet ihren Platz in dieser Anthologie: Der Ruf des Wassers von Stefani Hübner-Raddatz erzählt vom geheimnisvollen Kampf des Wassers als graue Krieger und von Demut und ist letztendlich auch eher eine Parabel, eine Geschichte, die die alten Schamanen an Lagerfeuern des Nachts erzählen.

Den Abschluss bildet Asylum von Andreas Erdmann. Ein Text, der wie das Meer anbrandet, sich mal zurückzieht, mal stürmt. Eine Umkehr der Schöpfungsgeschichte. Sie endet im Wasser und mit dem Wort. Ein nachdenkliches Ende.

Die Anthologie hat Höhen und Tiefen und ist auf keinem Fall eine qualitativ plane Sammlung, aber sie ist voller Wasser. Ernst und mahnend, fröhlich und aberwitzig. Auf jeden Fall beste Unterhaltung.

Mir lag nur eine pdf-Datei für die Rezension vor, so muss eine Betrachtung des realen Buches entfallen, aber zum Cover lässt sich soviel sagen, dass Susanne Jaja, die 2004 mehreren Anthologien ein schönes Deckchen verpasste, auch hier eine gute Synthese aus optischer Prägnanz und individueller Vielfalt gelungen ist. Gerade die Details vom verknoteten Wasserhahn bis hin zur aufploppenden Erde, passen zu Titel und Buch und fügen darüber hinaus sogar noch etwas hinzu.
Dieses Buch sollte man kaufen, denn es dient dem Umweltschutz (ich hoffe, dass auch auf umweltfreundlichem Papier gedruckt wird) und es macht nur trunken von guten Geschichten.

Beate Schütz (Hrsg.).
Die Wasser der Zukunft. Anthologie .
19 Geschichten über Wasser, sein Leben und Schwinden in der Zukunft oder schon jetzt.
ISBN:3000143211
Bestellen

Heim

Heim

Sie wird von Heim zu Heim geschoben. Sie will sich nicht unterordnen, nicht erziehen lassen. Sie ist misstrauisch gegenüber jedem Erwachsenen, lässt sich nichts sagen, will keine Hilfe annehmen. Die aufgestellten Regeln sind für sie nicht nachvollziehbar und somit nicht einzuhalten. Nicht rauchen, zur Schule gehen, aufräumen, angemessenes Verhalten zeigen, das alles schafft sie nicht.
Es dauert nie lange, bis sie alle Erzieher gegen sich hat. Sie denkt nicht an die Konsequenzen ihres Handelns. Immer wieder verliert sie den Boden unter den Füßen. Sie stiehlt, sie prügelt sich, sie randaliert, sie bricht aus. Jede Chance auf Veränderung lässt sie ungenutzt. Halt findet sie nur bei ihren Freunden. Die denken genauso wie sie.

Mirijam Günter hat einen schonungslosen, aber ehrlichen Roman geschrieben. Einigermaßen fassungslos folgt man der Ich-Erzählerin, spürt Hilflosigkeit. Kein Weg scheint hinauszuführen aus der Situation. Zwischendurch auftretende Hoffnung wird sofort wieder im Keim erstickt. Dabei ist die Protagonistin keineswegs unsympathisch. Sie ist überraschend schlagfertig. Was sie tut, mag aus ihrer Sicht richtig, ja sogar normal sein. Sie kennt es nicht anders. Es geht um ein Leben, das nicht der Norm entspricht. Es geht ums Überleben in einer Welt ohne Familie. Manche bleiben auf der Strecke, schaffen es nicht. Einziger Halt ist die Clique, ein wackeliger Halt. Die Autorin schreibt sehr realistisch und glaubwürdig. Trotz allem, was das Mädchen erlebt hat, scheint kaum eine Möglichkeit für sie zu geben, die eingefahrene Bahn zu verlassen. So ist der Anfang des Buches auch das Ende. Wieder kommt das Mädchen in ein neues Heim. „Du wirst sehen, du wirst dich hier wohlfühlen.“

Über die Autorin:
Mirijam Günter ist in Köln aufgewachsen. Sie hat bis zu ihrem 16. Lebensjahr in sieben verschiedenen Heimen gelebt und mehrere Schulen besucht. Autobiographisch ist ihr Roman „Heim“, der mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2003 ausgezeichnet wurde, jedoch nicht. Die Autorin lebt heute in Köln-Ehrenfeld.

Rezension von Heike Rau

Mirijam Günter
Heim
302 Seiten, Klappenbroschur
dtv extra
Deutscher Taschenbuch Verlag, München
ISBN: 3-423-70884-0
Bestellen

Die unheimliche Villa

Die unheimliche Villa

Irgendetwas geht vor in der verlassenen Villa. Lara und Tim glauben, dass jemand in dem alten Haus mit einer Taschenlampe herumschleicht. Doch dann ist der Lichtschein wieder verschwunden. Unheimlich! Die beiden Hobbydetektive versuchen herauszufinden, was das vorgeht. Tatsächlich können sie am nächsten Abend beobachten, wie jemand vom Seiteneingang aus das Haus betritt. Ist das etwa der Bankräuber, der letzte Woche 100.000 Euro erbeutet hat? Versteckt er hier das Geld?

Zum Detektiv-Club „Top Secret“ gehören die 11jährige Lara, der 12jährige Tim und ein Minischwein namens Erdmann. Wenn es zu gefährlich wird, hilft Herr Immich, ein pensionierter Hauptkommissar. Alle Fälle spielen im Umfeld der Kinder, ihrem Wohngebiet oder der Schule.
Die Rätselkrimis sind in vier verschiedene Schwierigkeitsstufen unterteilt. Eine gute Auffassungsgabe und Kombinationsvermögen sind gefragt. Oft helfen Bilder bei der Aufklärung der Fälle.

Erzählt werden 18 spannende Geschichten. Sobald der Fall eigentlich klar sein müsste, wird die Geschichte unterbrochen und der Leser kann versuchen, die gestellten Fragen zu beantworten. Wo steckt der Dieb? Wer war der Unfallfahrer und woran hatten Lara und Tim es erkannt? Überprüfen lassen sich die Antworten, in dem man die Geschichten im Lösungsteil einfach weiterliest.

Alle Fälle machen Spaß. Besonders lustig ist es, die Ermittlungsarbeit von Minischwein Erdmann zu beobachten. Fallen dem Leser Ungereimtheiten in den Aussagen der Zeugen oder ähnliches auf, können diese gleich im Buch notiert werden. Genügend Platz für Notizen ist vorhanden. Oft ist es nur ein kleiner Hinweis, der zur Lösung des Falls führt. Lara und Tim sind blitzgescheit und sie erklären immer ganz genau, was sie beobachtet und welche Schlüsse sie daraus gezogen haben. Genaues Lesen wird spielerisch trainiert und so das Leseverständnis gefördert.

Über die Autoren:

Corinna Harder, alias Mrs. X, gründete, bevor sie mit dem Schreiben von Detektivbüchern begann, 1996 eine Vereinigung für Kinder: „UNDERGROUND – Der Junior-Detektive-Klub“, ausgezeichnet 2002 mit dem Deutschen Kinderkulturpreis des Deutschen Kinderhilfswerks.
Corinna Harder lebt in Frankfurt am Main und ist dort als Detektivin im Einsatz. Sie gilt als Expertin für alles, was mit geheimen Ermittlern zu tun hat.

Jens Schumacher studierte Literaturwissenschaft und arbeitete mehrere Jahre als Lektor und Übersetzer. Seit Ende der neunziger Jahre ist er als freier Autor, Übersetzer, Herausgeber und Leiter von Workshops für kreatives Schreiben tätig.

Rezension von Heike Rau

Corinna Harder & Jens Schumacher
Die unheimliche Villa
und 17 weitere Rätsel Krimis
127 Seiten, gebunden, mit zweifarbigen Illustrationen
ab 8 Jahren
moses. Verlag, Kempen

Corinna Harder & Jens Schumacher
Die unheimliche Villa
18 Krimis zum Rätseln, Tüfteln & Mitraten
ISBN:3897772132
Bestellen