Cola Cola Jazz

Cola Cola Jazz

Heloise ist die Tochter einer Französin und eines Afrikaners. Seit sie Architektur studiert, und deswegen im Studentenheim lebt, hat ihre Mutter schon den einen oder anderen Selbstmordversuch unternommen. Das Leben ist nicht leicht. Von ihrem Vater weiß Heloise so gut wie nichts. Seine Existenz erscheint ihr unwirklich. Die Mutter erzählt zu viele verschiedene Versionen ihres Zusammenseins mit ihm. Doch eines Tages meldet sich der Vater und Heloise macht sich auf die Reise nach TiBrava.
Heloise trifft auf die andere Familie des Vaters, so auch auf ihre Halbschwester Parisette, deren Lebensumstände ihr zunächst völlig fremd erscheinen.
Ihren Vater lernt Heloise kennen und auch wieder nicht. Sie wird ihre von Sehnsüchten geprägten Kindheitserinnerungen nicht los. Zu viele Fragen bleiben offen.

Im Buch kommen Heloise und Parisette in wechselnden Kapiteln zu Wort. Ganz unterschiedliche junge Frauen, die auf verschiedenen Kontinenten aufgewachsen sind, treffen hier aufeinander. Sie kommen einander näher. Dennoch erscheint es überraschend, vielleicht sogar befremdlich, dass Heloise und Parisette sich ineinander verlieben. Die an Dramatik ständig zunehmende Geschichte, die der „Erzähler ohne Eigenschaften“ Heloise und Parisette erzählen lässt, wirkt zweifelhaft und irgendwie verrückt. Und sie ist alles andere als leicht zu lesen. Dazu kommt die derbe Sprache, die oft respektlos oder verwirrend erscheint.

Über den Autor:
Kangni Alem wurde 1966 in Lomé/Togo geboren. Der Autor lebt im französischen Exil. Er arbeitet als Stückeschreiber, Theaterregisseur und Übersetzer. Zur Zeit ist er Dozent für Literaturwissenschaft an der Universität in Bordeaux. Kangni Alem wurde für seine dramaturgische Arbeit mit dem Tchicaya-U’Tamsi-Preis von Radio France International und für seinen ersten Roman „Cola Cola Jazz“ mit dem Grand Prix Littéraire de l’Afrique noire 2003 ausgezeichnet.

Rezension von Heike Rau

Kangni Alem
Cola Cola Jazz
Aus dem Französischen von Gudrun und Otto Honke
265 Seiten, gebunden
Peter Hammer Verlag, Wuppertal
ISBN: 3-7795-0001-9
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Mary Hooper: Die Schwester der Zuckermacherin

Mary Hooper: Die Schwester der Zuckermacherin

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Endlich ist der ersehnte Brief da. Hannah, die bisher in einem Dorf gelebt hat, wird von ihrer Schwester, der Zuckerbäckerin, nach London gerufen. Voller Vorfreude und gespannt auf die große Stadt, macht Hannah sich auf die Reise.
Doch in London ist die Pest ausgebrochen. Noch berührt die Seuche Hannah und ihre Schwester Sarah nicht. Zusammen stellen sie köstliches Zuckerwerk her: Miniaturfrüchte aus Marzipan, kandierte Veilchen und Zuckermandeln.
Hannah lernt den Apothekerlehrling Tom kennen und verliebt sich. Das Glück ist trügerisch. Immer mehr Menschen sterben. Noch scheint die Pest in einiger Entfernung zu wüten, doch täglich rückt sie näher. In der Nachbarschaft sterben die ersten Leute. Die Pest ist unaufhaltsam.

Der Leser wird in eine Zeit versetzt, in der in London die Pest wütete und der Tod allgegenwärtig wurde. Hannah ist eine Träumerin, doch sie kommt nicht umhin, die Gefahr zur Kenntnis zu nehmen. Auch sie wird von der Angst erfasst.
Dargestellt wird, wie die Menschen damals lebten, wie sie mit der Pest umgingen, was sie über die Krankheit zu wissen glaubten. Den größten Schrecken brachte eine wöchentliche Liste mit sich. Hier wurde die Zahl der Todesopfer genannt und das wahre Ausmaß deutlich.
Das Buch ist spannend geschrieben und fesselt. Hat man einmal angefangen zu lesen, kann man es nicht mehr aus der Hand legen.
Interessant ist auch das Glossar mit wichtigen Begriffserklärungen. Dazu kommt ein Anmerkungsteil. Hier werden historische Tatsachen der Pest, die im Jahr 1665 in London wütete, zusammengefasst. Es wird auch darüber informiert, was inzwischen über die Pest bekannt ist, beispielsweise wie sie übertragen wurde.
Ein empfehlenswertes Buch für Leser ab 12, die sich für historische Romane interessieren.

Über die Autorin:
Mary Hooper begann zu schreiben, als ihre Kinder noch klein waren. Seitdem sind zahlreiche Kurzgeschichten und über 30 Kinder- und Jugendbücher verfasst. Mary Hooper gibt auch Kurse in Kreativem Schreiben. 2001 wurde sie für das Jugendbuch „Megan 2“ mit dem North East Book Award ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Hampshire, England.

Rezension von Heike Rau

Mary Hooper
Die Schwester der Zuckermacherin
256 Seiten, gebunden
ab 12 Jahren
Berlin Verlag
Bloomsbury Kinder- und Jugendbücher
ISBN: 3-8270-5015-4

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Song Reader

Song Reader

Leeann lebt mit ihrer älteren Schwester Mary Beth und deren Adoptivsohn Tommy in einer kleinen Stadt im Süden der USA. Mary Beth hat eine ganz besondere Gabe. Sie ist Songdeuterin. Aus den Songs, die ihre Mitmenschen beschäftigen, liest sie verdeckte Probleme, Wünsche und Ängste heraus. Sie hilft mit viel Mitgefühl und guten Ratschlägen.
Leeann, die zwölf Jahre alt ist, als die Geschichte beginnt, bewundert ihre Schwester und hilft beim Führen der Kundenkartei. Seit dem Verschwinden des Vaters und dem Tod der Mutter ist Mary Beth diejenige, die sich um Leeann kümmert.
Mary Beth hilft vielen Kundinnen. Sie hat jedoch keine psychologische Ausbildung, verlässt sich ganz auf ihre Intuition. Doch eines Tages geht sie zu weit. Ihr fehlt der nötige Weitblick und sie bedenkt die Konsequenzen nicht. Es ist, als wäre sie in ein Wespennest getreten. So schlägt die Stimmung in der Stadt um und Hassgefühle schlagen der kleinen Familie entgegen, an denen sie zu zerbrechen droht.

Die Geschichte wird aus der Perspektive Leeanns erzählt. Sie wird mit dem Zusammenbruch ihrer Schwester nicht fertig. Verzweifelt versucht sie, ihre Familie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. So macht sie sich auch auf die Suche nach dem lang vermissten Vater und holt ihn zurück. Immer mehr muss sie erkennen, dass in der Vergangenheit, als sie noch klein war, sich nicht alles so abgespielt hat, wie Mary Beth es erzählt hat.

Die tragische Geschichte über die beiden Schwestern ist sehr fesseln. Die Charaktere sind so glaubwürdig beschrieben, dass man als Leser den Eindruck hat, in der Tür zu stehen oder mit im Auto zu sitzen, und die Handlung direkt beobachten kann. Anfangs glaubt man noch, dass Mary Beth eine wirklich sehr faszinierende Gabe besitzt, doch schon bald machen sich erste Zweifel breit. Aus Hilfestellungen und guten Ratschlägen werden Handlungsvorschriften. Am unglaublichsten ist Leeann. Ihre Entwicklung verfolgt man mit Spannung. Sie hat nicht die Erfahrung Erwachsener und trotzdem lässt sie sich nicht unterkriegen. Sie ist eine Kämpfernatur. Die Autorin erzählt sehr einfühlsam. Trotz der dramatischen Handlung, hat man das Gefühl, sie geht ganz behutsam mit ihren Akteuren um. Auch wenn man beim Lesen oft lächeln muss, so hat man doch immer eine Träne im Augenwinkel, weil man mitfühlt und hofft, dass alles gut ausgeht.

Über die Autorin:
Lisa Tucker ist in Missouri aufgewachsen. Sie war Sängerin einer Jazzband, hat als Kellnerin und Putzfrau gearbeitet und Mathematik unterrichtet. Die Autorin lebt heute in New Mexico.

Rezension von Heike Rau

Lisa Tucker
Song Reader
Aus dem amerikanischen Englisch von Susanne Aeckerle
330 Seiten, gebunden
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main
ISBN: 3-8218-5740-4
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Lisabeth und die knallharten Piraten

Lisabeth und die knallharten Piraten

Dem Kapitän und seinen knallharten Piraten steht der Sinn nach Gold und Juwelen. Doch bei ihren Angriffen darf kein Blut vergossen werden, der Kapitän kann es nicht sehen. Die Piraten haben eine andere Strategie entwickelt. Dabei sind sie sehr phantasievoll. Sie drohen, schreien und brüllen, dass jedem Angst und Bange wird. Für Piraten sind Schätze das Allerwichtigste. Doch so richtiges Glück hatten die Männer noch nicht. Dann entern sie ein einsam treibendes Geisterschiff. Scheinbar sind schon andere Piraten drüber hergefallen, denn nur die Ratten sind noch auf dem Schiff. In einer Kabine finden die Männer doch noch etwas. Kaum zu glauben, auf einem Bett sitzt ein Baby. Die kleine Lisabeth ist ein ganz besonderer Schatz und sie wird das Leben der Piraten verändern.

Die Geschichte um Lisabeth und die knallharten Piraten ist ausgesprochen vergnüglich. Dazu kommen die lustigen Zeichnungen. Die Piraten sind gar nicht so knallhart, sonder gutmütig. Und der stotternde Piratenkapitän warnt vor jedem Überfall, dass ja kein B… B… B… vergossen werden darf. Auch Saufgelage gibt es auf der „Schnittigen Sally“ nicht. Die Piraten trinken Tee. Um die kleine Lisabeth kümmern sie sich liebevoll. Schnell wird der Leser merken, dass er es hier nicht mit einer blutrünstigen, gruseligen Piratengeschichte zu tun hat. Es ist wohl eher eine Satire, die schon für ganz junge Leser gut geeignet ist. Der Lesespaß kommt auf keiner Seite zu kurz.

Rezension von Heike Rau

Richard Hamilton
Lisabeth und die knallharten Piraten
Aus dem Englischen von Monika Schmalz
Illustriert von Sam Hearn
140 Seiten, gebunden
ab 8 Jahren
Berlin Verlag / Bloomsbury Kinder & Jugendbücher
ISBN: 3-8270-5013-8
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Der Puppenkasper. Weibliche Macht-Männliche Ohnmacht

Der Puppenkasper. Weibliche Macht-Männliche Ohnmacht

Tim bekommt als Achtjähriger ein Aquarium geschenkt, mit hübschen Männchen und hässlichen Weibchen. Das Aquarium wird zum Symbol seines Lebens: Alleinerziehende Mutter und Emanzen-Lehrerin möchten ihn zum Frauenversteher erziehen. Denn Frauen sind seit Jahrhunderten schutzbedürftige Opfer, Männer dagegen Täter. Tim erlebt im Lauf der Jahre, wie er selbst gegenüber Frauen benachteiligt wird. Beim Wehrdienst, im Berufsleben, sogar vor Gericht. Das ist nicht mehr amüsant. Tims Leben verläuft anders, als Mutter und Lehrerin sich das dachten. Ganz anders…

Manche Autoren scheinen prophetische Kräfte zu haben. Knapp 2 Monate nach Erscheinen des ‚Puppenkaspers‘ von Wolfgang A. Gogolin lässt die Bundesregierung verlauten, dass sie Quotenfrauen in der Bundeswehr einführen möchte – wenn auch nicht gerade bei den Kampfschwimmern.

‚Der Puppenkasper. Weibliche Macht – Männliche Ohnmacht‘ ist kein frauenfeindliches Buch, es ist eher männerfreundlich und dabei ausgesprochen witzig. Der Leser begleitet Tim durch schwierige Zeiten und es ist unglaublich, wie viele tatsächliche und vermeintliche Männerbenachteiligungen den Weg kreuzen. Sprachliche Highlights wie ‚Susanne hatte wirklich Brei im Hirn. In solchen Momenten kleidete sie Brei in Sprache und schlug dem Schwachsinn eine Schneise‘ sind eher Regel als Ausnahme. Die spritzige Geschichte ist kurzweilig und ausgesprochen angenehm zu lesen – der Schluß allerdings könnte einem Psychothriller entnommen sein.

Wolfgang A. Gogolin
Der Puppenkasper. Weibliche Macht-Männliche Ohnmacht
Amüsanter Leid-Faden für die Herren
ISBN:3833409460
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Zauberhut und Drachenblut

Zauberhut und Drachenblut

Ein sechshundert Jahre alter und sehr erfahrener Zauberer vermittelt in diesem Handbuch sein Wissen. Er ist bereit, seine Geheimnisse an interessierte Kinder weiterzugeben.

Hexen und Zauberer brauchen eine ganz bestimmte Ausstattung. Dazu gehören beispielsweise ein Zauberhut, ein Gewand, ein Zauberstab, ein Beutel mit Zaubermünzen, ein Hochgeschwindigkeits-Besen und ein magischer Ring.
All diese Dinge werden selbst hergestellt. Das erfordert natürlich Geschick und manchmal auch die Hilfe der Eltern. In den Anleitungen wird aber alles ganz genau und nachvollziehbar Schritt für Schritt erklärt.
Das eigene Zimmer wird in eine Zauberburg verwandelt. Ein fliegender Teppich, eine schimmernde Kristallkugel, eine magische Laterne und fliegende Fledermäuse gehören zur Ausstattung.
Von großem Nutzen für Hexen und Zauberer ist ein Zaubergarten. Wer keinen Garten hat, lässt seine Kräuter im Blumentopf wachsen. Besonders interessant ist das Minigewächshaus mit den Fleisch fressenden Pflanzen.
Zu Hexen oder Magiern gehört natürlich auch ein alt aussehendes, geheimes Tagebuch. Die Aufzeichnungen werden mit Hilfe des Runenalphabets verschlüsselt.
Hexen und Magier beschäftigen sich auch mit Astrologie und Alchimie. Gebastelt wird ein Sternbild-Projektor. Die Sternzeichen werden kennen gelernt.
Ganz am Ende weiht der alte Zauberer seine Schützlinge in die Geheimnisse einer gelungenen Zauberparty ein. Neben Tipps für die Dekoration gibt es Rezepte für knusprige Fledermausflügel und dampfendes Drachenblut. Bei der Gelegenheit lässt sich der eine oder andere Gast sicher die Zukunft aus der Hand lesen. Wie das gemacht wird, steht auch im Buch.

Das Buch ist sehr beeindruckend. Nicht nur inhaltlich, sondern auch von der geheimnisvoll wirkenden Gestaltung. Das Buch ist ein richtiger kleiner Schatz. Es gibt nicht nur zahlreiche und wirklich tolle Bastelanleitungen mit passenden Illustrationen, sondern auch viele Informationen. Der sechshundert Jahre alte Zauberer erzählt von anderen Zauberern, von giftigen Kröten, Poltergeistern, heulenden Totenköpfen, schauerlichem Grünzeug und Vampirfledermäusen. Mit dem Buch können Kinder Phantasien ausleben und sich kreativ beschäftigen.
Die Idee, den alten Zauberer selbst erzählen zu lassen, macht den Zauber, den dieses Handbuch ausstrahlt, greifbar.

Rezension von Heike Rau

Lindy Burnett
Zauberhut und Drachenblut
Das phantastische Handbuch für kleine Hexen und Magier
128 Seiten, gebunden
arsEdition, München
ISBN: 3-7607-5859-2
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Lenas Flucht

Lenas Flucht

Als man der schwangeren Lena im Krankenhaus sagt, dass ihr Baby tot ist, ahnt sie, dass etwas nicht stimmt. Sie fühlt, dass es dem Baby gut geht. Ihren einzigen Ausweg sieht sie in einer Flucht. Die Miliz will ihrer Geschichte aber nicht so den rechten Glauben schenken. Es muss ein Irrtum vorliegen. Der behandelnde Arzt hat wahrscheinlich „nur“ eine Fehldiagnose gestellt. Doch so einfach ist es nicht. Lena wird weiter verfolgt und bangt um ihr Leben und um das ihres ungeborenen Kindes. Wohin sie sich auch rettet, immer wird sie aufgespürt.

Die Geschichte ist unheimlich spannend. Sehr schnell wird klar, dass nicht einfach ein Arzt sich geirrt hat, sondern im ganzen Krankenhaus seltsame Dinge vorgehen. Lena hatte großes Glück, von hier entkommen zu sein. Was die Ärzte, allen voran die Leiterin der gynäkologischen Abteilung Amalia Petrowna Sotowa, wirklich machen, ist einfach unglaublich. Von einer einzelnen Person wollen die sich das Handwerk nicht legen lassen. Lena muss umgehend aus dem Weg geräumt werden. Schließlich ist sie zudem noch Journalistin. Nicht auszudenken, wenn sie plaudert.
Das Buch ist wirklich gut geschrieben. Die Autorin schafft es, mit einer unkomplizierten Handlung und einfachen Sätzen Dramatik zu erzeugen. Lena, eine Frau, die sich auf ihr Kind freut, wird zur Verfolgten. Immer wieder muss der Leser um ihr Leben bangen. Oft ist es reines Glück, dass sie bestimmte Situationen überlebt. Der Leser wird pausenlos in Atem gehalten, fiebert mit der sympathischen Lena mit und hofft auf ein gutes Ende.

Über die Autorin:
Polina Daschkowa wurde 1960 in Moskau geboren. Hier lebt sie auch mit ihrem Mann und zwei Töchtern. Zur Zeit ist sie mit einer Gesamtauflage von 18 Millionen Büchern die erfolgreichste Krimiautorin Russlands. Polina Daschkowa hat das renommierte Gorki-Literaturinstitut absolviert und sich zunächst der Lyrik zugewandt. Daneben hat sie als Journalistin für Rundfunk und Presse sowie als Parlamentsberichterstatterin gearbeitet. Bevor ihr erster Roman erschien, übersetzte sie auch Bücher aus dem Englischen.

Rezension von Heike Rau

Polina Daschkowa
Lenas Flucht
233 Seiten, broschiert
Aufbau Taschenbuch
ISBN: 3-7466-2050-3
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Seelenjagd

Seelenjagd

New York City, Central Park. Detektive James Gurson entdeckt in einem eingeschneiten Oltimer-Mercedes den im Sterben liegenden Psychiater Dr. Gretz. Jede Hilfe kommt zu spät. Es sieht nach Selbstmord aus. Dieser Fall erinnert Gurson an den Selbstmord seines Vaters.
Wenig später muss seine Partnerin Didi Kane sich am Nordende des Parks mit den Überresten einer verbrannten Leiche befassen. Es stellt sich heraus, dass die Tote für Kane keine Unbekannte ist.
So kommt es, dass die Ermittler selbst nicht frei von Verdächtigungen sind. Zu allem Übel behindert Staatsanwalt Tucker Norville die Ermittlungen auf nervenaufreibende Weise. Den Mörder zu finden, wird so fast unmöglich.

Anfangs wirkt der Krimi undurchschaubar und verwirrend. Es ist scheint unmöglich, Licht ins Dunkel zu bringen. Doch ganz langsam und nach und nach kommen immer mehr spannende Details ans Tageslicht, die den Fall voran treiben, aber auch Details, die den Fall wieder verwirrender machen. Nur durch akribische Ermittlungsarbeit werden Zusammenhänge deutlich. Wahre Abgründe tun sich auf. Was wirklich passiert ist, kann man nicht voraussehen.
Die Charaktere sind vielschichtig. Besonders gelungen ist die Figur des Staatsanwaltes Tucker Norville. Bei Tageslicht ein erhabener Staatsanwalt ist und bei Nacht gesehen ein sadistisches Schwein. Aber viele Figuren in diesem Krimi spielen eine Doppelrolle, versuchen Dinge zu verbergen, und machen den Ermittlern das Leben schwer. Sex und Drogen spielen dabei eine überdimensional große Rolle.
Dennoch lohnt es, nicht gleich nach den ersten Seiten, wo der Zugang zum Buch noch schwer fällt, aufzugeben. Der Krimi gewinnt immer mehr an Fahrt und wird schließlich sehr spannend. Ein Buch für alle, die komplizierte Fälle mögen.

Katrin Yapalater, geboren in Biscayne Bay, Florida, wuchs in New York City auf. Sie studierte Philosophie und Literatur in London. Sie bereiste Europa und Asien, arbeitete an Film- und Buchprojekten in der Sowjetunion. „Seelenjagd“ ist ihr erster Roman.

Rezension von Heike Rau

Karin Yapalater
Seelenjagd
Aus dem Amerikanischen von Ingeborg Ebel
378 Seiten, Klappenbroschur
Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN: 3-453-87790-X
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Ulmer Naturführer: Pilze Sammeln und Bestimmen

Ulmer Naturführer: Pilze Sammeln und Bestimmen

Es ist schon ein ganz besonderes Vergnügen, durch Wälder und Wiesen zu streifen und dabei Pilze zu suchen. Doch so mancher Pilz lässt sich nicht auf Anhieb bestimmen. Und auch die Ähnlichkeit mancher Giftpilze mit Speisepilzen ist nicht zu unterschätzen. Ein Buch über Pilze kann hier Hilfestellung leisten. Im Ulmer Naturführer werden über 200 verschiedene Pilzarten beschrieben.

Im ersten Kapitel „Sammeln“ geht es um die Grundlagen. Jeder Pilzsucher braucht eine Ausrüstung. Wichtige Regeln sollten bekannt sein. So gilt: Bei der kleinsten Unsicherheit einen Pilzberater aufsuchen oder auf den Verzehr des fragwürdigen Pilzes verzichten.

Die Abbildungen im Hauptteil zeigen die Pilze in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien oder auch so, wie sie am Fundort zu sehen sind. Alle typischen Merkmale werden genau beschrieben. Dazu gehören Merkmale von Hut, Lamellen bzw. Röhren, Stiel, Fleisch, Geruch und Geschmack. Zu erfahren ist auch, wo und wann im Jahr man den Pilz gewöhnlich antrifft. Dazu werden Aussagen zum Wert und zur Verwendung des Pilzes gemacht. Auf mögliche Verwechslungsgefahren mit ungenießbaren oder giftigen Pilzen wird ebenfalls hingewiesen. Besonders typische Merkmale im Text sind grau hinterlegt.

Im Kapitel „Pilzverwertung“ gibt es Tipps zum Pilze putzen und zur anschließenden Verwendung. Aber nicht immer schließt ein leckeres Pilzgericht den Sammeltag ab. Pilze können beispielsweise auch eingefroren, eingelegt oder getrocknet werden.
Hin und wieder hört man natürlich auch von Pilzvergiftungen. Sollten unerwartet Beschwerden auftreten, ist es natürlich wichtig zu wissen, was zu tun ist. Die Telefonnummern der Giftinformationszentralen sind im Buch mit aufgelistet.

Fazit:
Ein handlicher und sehr übersichtlicher Ratgeber im Taschenbuchformat. Besonders hilfreich sind die Fotos, die die Pilze in ihren unterschiedlichen Entwicklungsstadien zeigen. Die dazugehörigen Steckbriefe sind gut überschaubar, so dass schnell alle wichtigen Details nachgeschlagen oder verglichen werden können.

Die Autorin:
Renate Volk befasst sich seit ihrer Kindheit mit Pilzen. Im Hauptberuf ist sie Ergotherapeutin und Gesundheits- und Ernährungsberaterin. Sie unterrichtet am Bildungsinstitut in Stuttgart.

Der Fotograf:
Fridhelm Volk ist selbstständiger Fotograf. In diesem Fach unterrichtet er an der Freien Kunstfachschule Stuttgart. Dem Fotografieren von Pilzen widmet er sich mit besonderer Hingabe.

Rezension von Heike Rau

Renate und Fridhelm Volk
Ulmer Naturführer: Pilze Sammeln und Bestimmen
253 Seiten, über 980 Pilzabbildungen
Klappenbroschur
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4468-9
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Megan Chance: Das Haus der kalten Seelen

Megan Chance: Das Haus der kalten Seelen

New York, 1885. Der reichen Lucy Carleton gelingt es nicht, ihre Rolle als angesehene Ehefrau glaubwürdig zu spielen. Immer wieder plagen sie Angstzustände und Kopfschmerzattacken. Bei gesellschaftlichen Anlässen fällt sie auf. Ihr Ehemann, der Börsenmakler William, scheint überaus besorgt. Er stellt seine Frau den angesehensten Ärzten vor. Lucys Zustand bessert sich jedoch nicht. Dr. Victor Seth, dem ein Ruf als Scharlatan vorauseilt, wird zur letzen Hoffnung für Lucy und William. Dr. Seth behandelt Lucy mit Elektrotherapie und Hypnose.
Die Therapie schlägt an. Doch Lucy und Dr. Seth, der eine geradezu unglaubliche Ausstrahlung hat, kommen sich immer näher und gehen schließlich eine leidenschaftliche Affäre miteinander ein, die Lucy aufleben lässt. Doch William kommt dahinter. Er lässt Lucy in eine Anstalt einweisen. Und dort glaubt Lucy niemand, dass sie keiner Behandlung mehr bedarf, sonder von Dr. Seth längst geheilt wurde.

Erzählt wird die Geschichte aus Lucys Sicht, die kein eigenes, sondern das vorgeschriebene Leben einer reichen Ehefrau spielen muss. Eigene Bedürfnisse treten vollkommen in den Hintergrund. Erst Dr. Seth glaubt zu wissen, was Lucy wirklich fehlt, und dass die gesellschaftlichen Zwänge und die mangelnde Liebe Williams Lucy krank machen. Doch Dr. Seth ist nicht nur Arzt, sondern vor allem Wissenschaftler. Von Hypnose, und wie uneingeschränkt Lucy darauf anspringt, ist er begeistert. Seine Aufzeichnungen verraten seine wahren Gedanken. Es ist schnell abzusehen, dass diese Behandlung außer Kontrolle geraten wird. Lucy wird schnell abhängig von Dr. Seth, der nicht davor zurückschreckt, seine Patientin nach seinen Vorstellungen zu formen und zu manipulieren.

Geschrieben ist das Buch in einer klassisch anmutenden Sprache. Die Geschichte ist spannend und unglaublich. Die Autorin spart nicht mit sehr pikanten und intimen Details der Behandlung, die Dr. Seth seiner Patientin angedeihen lässt und die dem Leser als persönliche und nicht für die Öffentlichkeit gedachten Aufzeichnungen zu lesen bekommt. So löst die Geschichte unterschiedliche Reaktionen aus, angefangen von Unglauben bis hin zu Empörung. Das sich aus dieser Geschichte ein wahrer Krimi entwickelt, ist eine Überraschung. Der Leser wird lange im Unklaren gelassen, wer für das, was passiert, verantwortlich ist, und wie Lucys Gesundheitszustand zu bewerten ist. Die Frage ist: Handelt Lucy aus eigenem Antrieb oder ist die Marionette von Dr. Seth, bereit sogar einen Mord zu begehen?

Über die Autorin:
Megan Chance ist in den USA bekannt für ihre großen historischen Frauenromane. Nach ihrem Studium war sie zunächst beim Fernsehen tätig, bevor sie mit dem Schreiben begann

Rezension von Heike Rau

Megan Chance
Das Haus der kalten Seelen
Aus dem Amerikanischen von Anja Schünemann
446 Seiten, broschiert
Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN: 3-453-87769-1
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