Die Markgräfin

Die Markgräfin

1525. Barbara ist gerade mal zehn, als sie zum erstenmal verheiratet wird. Doch sie kommt unerwartet gut mit ihrem so viel älteren Ehemann aus, gewinnt ihn sogar lieb. Doch schon zwei Jahre später wird die Markgräfin Barbara von Ansbach Witwe. Ihre Brüder Albrecht und Georg schrecken jedoch nicht zurück, die nun mit einer reichen Erbschaft ausgestattete Barbara, an den nächsten Ehemann zu verschachern. König Wladislaus von Böhmen kann aufgrund politischer Schwierigkeiten allerdings nicht an der eigenen Hochzeit teilnehmen. Er wird durch einen Gesandten vertreten. Die Zeit vergeht. Barbara glaubt längst nicht mehr daran, von ihrem Ehemann heimgeführt zu werden. Sie will sich nicht länger, dem Willen der machthungrigen Brüder unterwerfen. Sie lehnt sich schließlich auf und beginnt, um ein selbstbestimmtes Leben zu kämpfen. Das ist in diesen Zeiten undenkbar. So wird Barbara auf der Plassenburg eingesperrt. Ihre Zukunft sieht mehr als trübe aus, doch Barbara ist bereit zu kämpfen

2001. Der Kastellan auf der Plassenburg im fränkischen Kulmbach Gregor Haubold entdeckt bei Reparaturarbeiten einen kleinen Hohlraum. Hier findet er, sehr zu seinem Entsetzen, das Skelett eines Säuglings, welches später auf vier- bis fünfhundert Jahre alt geschätzt wird. Wer ist dieses Kind? Und wer sind die Eltern des Kindes? Es gilt ein Jahrhunderte altes Verbrechen aufzuklären. Gregor Haubold macht sich zusammen mit anderen Forschen an die Arbeit.

Die Geschichte der Barbara von Ansbach und die Suche nach der Identität des gefundenen Säuglings in der heutigen Zeit laufen parallel. Und beide Geschichten sind äußerst spannend.
Barbara von Brandenburg-Ansbach, Herzogin von Groß-Glogau und Crossen und Königin von Böhmen gab es wirklich. Die Autorin hat ihr Leben rekonstruiert. Doch es ist nicht bis zu ihrem Tod nachvollziehbar. So benutzt die Autorin ihre Fantasie, um die Geschichte zu einem Ende zu bringen. Um auch den Markgräflerkrieg und die Zerstörung der Plassenburg thematisieren zu können, hat sie zudem noch etwas am Rad der Zeit gedreht. In ihrem Roman verbindet die Autorin Fakten und Fiktion sehr glaubwürdig und zeichnet damit ein realistisches Bild des 16. Jahrhunderts. Dabei kommt der Stellung der Frauen in dieser Zeit besondere Bedeutung zu. Sehr interessant sind dabei die persönlichen Briefe, die immer wieder in die Handlung eingewoben werden.
Jahrhunderte später setzt das Forscherteam um Gregor Haubold in akribischer Kleinarbeit Puzzleteil für Puzzleteil zusammen und stellt Verbindungen her. Es ist sehr spannend, zu verfolgen, wie die Plassenburg Stück für Stück ihre Geheimnisse offenbart. Auch hier sind wieder Phantasie, Einfühlungsvermögen, Forscherdrang und Leidenschaft gefragt.
So schließt sich der Kreis. Durch das verbinden der Fakten mit der Fantasie, dem Nachempfinden von Gefühlen, Gedanken und Eindrücken wird die Geschichte lebendig und die Schicksale werden greifbar.

Über die Autorin:
Die aus Franken stammende Historikerin arbeitet als Ausstellungsplanerin im Museum von Schwabach. Bei Forschungen zur Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach kam sie auf die Spur der Markgräfin. „Die Markgräfin“ ihr erster Roman.

Rezension von Heike Rau

Sabine Weigand
Die Markgräfin
480 Seiten, gebunden
Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt am Main
ISBN: 3-8105-2365-8
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Chicken Christl

Chicken Christl

Mika Koegl hat zwölf Finger, an jeder Hand sechs. Genau wie sein Großvater Major Koegl. Aber was hat das schon zu sagen, der Großvater hat es schließlich weit gebracht – vom Hühnerzüchter zum Präsidenten.
Aber Mika ist zudem noch mit einer Herzkrankheit geschlagen, die kein Arzt anerkennen will.
Seine Freundin scheint die vielen Finger auch nicht zu mögen. Sie trennt sich von ihm. Trotzdem scheint ihr die Amputation der beiden überzähligen Finger wichtig zu sein und sie vereinbart einen OP-Termin.
Für andere sind die überzähligen Finger allerdings so wichtig, dass sie Mika entführen und ihn zu ihrem Gott machen wollen.
Aber so kann er wenigsten sein zukünftiges Leben bestimmen und wählen zwischen Versager und Gott.

Thema des Buches ist Genmanipulation. Doch der Autor geht ganz anders an das Thema heran, als man erwartet. Überhaupt erwartet man bei diesem Titel ein ganz anderes Buch. „Chicken Christl“, die Großmutter, spielt eher eine untergeordnete Rolle. Sie ist eines nicht ganz natürlichen Todes gestorben. Aber Mika spricht mit ihr und schreibt ihr Briefe. Das hat er schließlich versprochen. Doch ist Mika wirklich eine Kopie seines Großvaters. Die Ähnlichkeit scheint sich nur auf die Finger zu beschränken. Ansonsten ist Mika ein Außenseiter. Also liest man hauptsächlich die Geschichte eines Außenseiters. Unfassbar, auf welche kranke Art und Weise Mika sich durchs Leben und seine Träume schlägt. Da hat der Autor aus den vollen geschöpft. Die Geschichte ist abwegig und aberwitzig. Und trotzdem kann man sich ihr nicht entziehen. Es wird eine seltsame Spannung aufgebaut, die fesselt. Die Frage ist: Wird Mika sein Leben ändern oder bleiben die überschüssigen Finger dran?

Über den Autor:
Martin Amanshauser ist Jahrgang 1968. Er lebt in Wien als Autor und Übersetzer aus dem Portugiesischen. 1992 erhielt er den „Georg Trakl -Förderungspreis für Lyrik“ und 1996/97 das „Staatsstipendium für Literatur“.

Rezension von Heike Rau

Martin Amanshauser
Chicken Christl
180 Seiten, Klappenbroschur
Deuticke Verlag, Wien – Frankfurt/Main
ISBN: 3-216-30679-8
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Die schönsten Märchen der Brüder Grimm

Die schönsten Märchen der Brüder Grimm

Märchen sind bei Jung und Alt beliebt. Zehn der schönsten und wohl auch bekanntesten sind in diesem liebevoll illustrierten Kinderbuch zusammengestellt.

Rumpelstilzchen
Der Hase und der Igel
Der Wolf und die sieben Geißlein
Der gestiefelte Kater
Der süße Brei
Die Bremer Stadtmusikanten
Dornröschen
Frau Holle
Rotkäppchen
Rapunzel

Alle zehn Märchen sind auf der beigelegten CD zu hören. Vorgelesen werden sie mit einer sehr sympathischen und ausdrucksstarken Stimme. Auch die Rollen der bekannten Märchenfiguren werden mit passenden Stimmen vorgetragen. Besonders die Stimme des Rumpelstilzchens, aber auch die des Igels aus „Der Hase und der Igel“ und des Wolfs aus „Die sieben Geißlein“ begeistern. Untermalt werden die Geschichten von leiser, stimmungsvoller Hintergrundmusik, die sehr schön mit den Märchen mitgeht. Es ist ein Vergnügen zuzuhören.

Die Kombination aus Buch und CD kommt gut an. Nicht immer haben Eltern Zeit zum Vorlesen. Viele Kinder wollen ihr Lieblingsmärchen aber immer wieder hören. Dabei können sie sich die farbenfrohen Bilder im Buch ansehen. Auch für Kinder, die schon selbst lesen können, ist das Buch geeignet, dank der einfach gehaltenen Sprache und der leicht lesbaren, großen Schrift.
Ein sehr schön aufgemachtes Buch und damit ein gelungener Beitrag, überlieferte Märchen zu bewahren.

Rezension von Heike Rau

Die schönsten Märchen der Brüder Grimm
Ausgewählt von Manfred Ulrich
Erzählt von Petra Schier
Illustrationen von Katrin Herjean
76 Seiten, gebunden
mit Audio CD
70 Minuten Spielzeit
Pabel-Moewig Verlag & Musikverlag Eifelkrone
ISBN: 3-8118-3865-2
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Kalte Herberge – Bruchstück

Kalte Herberge – Bruchstück

Ein abgewohntes Haus in Wien regt die Fantasie des Autors an. Hier ist der Ort, wo Geschichten entstanden sind und entstehen werden. Hier zwischen den feuchten Mauern am Rande der Existenz.
Dann hat es sich ausgeschrieben. Ein einziger Anruf hat genügt. Schon liegt der Autor im Spital, in Gedanken jedenfalls, der Körper wird nachgeliefert.
Die Krankheit wird ihm die Luft nehmen und den Tod bringen. Was bleibt nun noch? Gedanken, die sich schwer ordnen lassen.

Es ist ein Buch über das unbeeinflussbare Übel, dass jedem im Leben widerfahren kann. Eine erbarmungslose Krankheit schlägt plötzlich zu. Der Körper funktioniert nicht mehr, aber das Gehirn nimmt alles wahr. Die einstürmenden Gedanken sind wie ein Angriff. Da wird nicht nur wegen der Krankheit die Luft knapp. Es gibt Dinge, die noch gesagt werden müssen, doch die Zeit läuft aus. So werden viele Sätze zu aneinandergereihten Bruchstücken, mal sehr selbstbewusst, dann wieder selbstironisch, dann wieder bitterböse oder sagenhaft wütend und abrechnend. Der Leser fühlt sich hilflos. Das ist sicher kein Buch für ein breites Publikum und soll es wohl auch nicht sein.

Über den Autor:
Werner Kofler ist Jahrgang 1947. Seit 1968 lebt er als freier Schriftsteller in Wien. Seine Arbeiten wurden mit zahlreichen Preisen und Anerkennungen ausgezeichnet. Er erhielt beispielsweise 1987 das Elias-Canetti- Stipendium und 1996/97 den Arno-Schmidt-Preis.

Rezension von Heike Rau

Werner Kofler
Kalte Herberge
Bruchstück
88 Seiten, gebunden
Deuticke Verlag, Wien-Frankfurt/Main
ISBN: 3-216-30725-5
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Avocado bis Zuckerrohr

Avocado bis Zuckerrohr

Es hat schon seinen Reiz, ganz besondere oder seltene Pflanzen aus den Tropen oder Subtropen, die nicht jeder hat, im Zimmer, Wintergarten oder Kleingewächshaus zu ziehen. Und etwas ganz Besonderes ist es, von diesen Pflanzen auch noch Früchte zu ernten.
Um da nicht Schiffbruch zu erleiden, muss man die Grundlagen der Pflanzenpflege kennen und noch einiges mehr.
Heinz Jenuwein weiß, wovon er in seinem Buch „Advocado bis Zuckerrohr“ spricht. Er hat die Pflanzen, die er vorstellt, alle auch selbst gepflegt und viele Erfahrungen gesammelt. Dabei legt er keinen Wert auf starre Regeln. Vieles in der Pflanzenpflege ist auch Gefühlssache, die nach und nach entwickelt werden muss.

Vorgestellt werden rund 70 Arten, die oft auch gar nicht einfach zu erwerben sind. So wird manchmal schon die Beschaffung von Pflanzen oder Samen zum Abenteuer. Jede Pflanze wird separat vorgestellt und folgende Punkte werden abgearbeitet: Heimat, Pflanze, Standort, Boden/Substrat, Gießen, Düngen, Reife/Ernte und Vermehrung/Anzucht. In kurzen, klaren Sätzen wird alles Wichtige erklärt und anhand der Fotos kann man sich ein Bild von den Pflanzen machen. Zur Auswahl stehen beispielsweise Baumtomate, Baumwolle, Dattelpalme, Guave, Granatapfelbaum, Ingwer, Pfeffer oder Zwergbanane. Zum schnellen Nachschlagen bietet sich ein Sachregister an.

Fazit:
Ein Nachschlagewerk, das es in sich hat. Im Taschenbuchformat wird Anfängern und Fortgeschrittenen alles Wissenswerte über rund 70 tropische bzw. subtropische Pflanzen, die sich für Zuhause eignen, vermittelt.

Rezension von Heike Rau

Heinz Jenuwein
Avocado bis Zuckerrohr
Tropische Nutzpflanzen selbst ziehen
4. Auflage
182 Seiten, 82 Farbfotos, broschiert
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4637-1
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Förderprogramm Vorschule – Heft 1 Ausdauer und Wahrnehmung üben

Förderprogramm Vorschule – Heft 1 Ausdauer und Wahrnehmung üben

Dass Kinder frühzeitig gefördert werden sollten, ist mittlerweile bekannt. Bestimmte Schlüsselqualifikationen sind wichtig, um einen guten Start in die Schulzeit zu ermöglichen. Diese Schlüsselqualifikationen können auf spielerischen Weise trainiert werden. Kinder die gelernt haben, sich zu konzentrieren, die Interesse an vielen Dingen haben, die nicht gleich aufgeben, wenn es schwierig wird, gehen gerne zur Schule und sind dabei erfolgreich.

Im Heft 1 „Ausdauer und Wahrnehmung üben“ geht es um allerlei Obst. Reihenfolgen müssen bestimmt werden, verschiedenes Obst verglichen und zugeordnet werden. Eine wilde Rose, die sich an einer alten Steinmauer entlang rankt, kann fertig gemalt werden. Das Teilen wird geübt, es wird gereimt, Mengen werden verglichen, der Geschmack von Obst festgestellt, die Teile einer Nuss zusammengesetzt, verrückte Früchte gezüchtet, ein Beeren-Mandala ausgemalt und vieles mehr.

Gefördert werden auf ganz spielerische Art beispielsweise Konzentration, das Erfassen von Aufgabenstellungen, Kreativität, soziale Kompetenz, die Motorik, die Sprachbildung, das Zeit- und Mengengefühl, die Sinnbildung, Geduld, Form- und Farbgefühl, Selbständigkeit und Ausdauer.

Zudem wird zum Thema Obst eine ganze Menge Wissen vermittelt. Und damit das Wissen auch gleich angewendet werden kann, gibt es verschiedene Vorschläge. So werden u.a. Obstsalat und Bananeneis hergestellt, eine Rosinenkette aufgefädelt oder eine Duftkugel aus einer Zitrusfrucht und Gewürznelken gebastelt.

Das Heft wirkt durch die bunten Illustrationen sehr einladend. Die meisten Kinder werden einfach ihre Stifte nehmen, anfangen und feststellen, dass die Übungen Spaß machen. Die Hilfe der Eltern ist bei unsicheren Kindern gefragt und natürlich beim Vorlesen der kurzen Aufgabenstellungen und der kindgerechten Informationen zum Thema.

Ganz zum Schluss gibt es noch einige wichtige Informationen für Eltern. Hier wird das Lernspielheft-Konzept erläutert und Hilfestellungen gegeben. Mit Hilfe des Heftes können Eltern sich ein Bild über die Stärken und Schwächen ihres Kindes machen und es auch gezielter fördern, da wo es notwendig ist.

Über die Autoren:
Gerit Kopietz und Jörg Sommer sind als Kinderbuchautoren bekannt. Über 80 Bücher haben die beiden bereits geschrieben. Seit über zwanzig Jahren arbeiten Gerit Kopietz und Jörg Sommer mit Kindern. Gerit Kopietz ist ehemalige Kindergartenleiterin und Jörg Sommer ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Jugend- und Sozialforschung. Die beiden haben vier Kinder.

Über die Illustratorin:
Kirsten Ehls studierte nach ihrer Ausbildung zur gestaltungstechnischen Assistentin Grafik-Design an der Fachhochschule Aachen und arbeitet nun als freiberufliche Illustratorin für verschiedene Verlage mit dem Schwerpunkt Kinder und Tiere.

Rezension von Heike Rau

Gerit Kopietz und Jörg Sommer
Förderprogramm Vorschule
Heft 1 Ausdauer und Wahrnehmung üben
Illustrationen von Kirsten Ehls
32 Seiten
Ensslin im Arena Verlag, Würzburg
ISBN: 3-401-41292-2
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Das Adoptivzimmer

Das Adoptivzimmer

Achim ist 11 Jahre alt. Bisher lebte er in einem Kinderheim. Doch nun haben sich Paul und Ines entschlossen, ihn zu sich zu nehmen, obwohl Achim Asthma hat. Ihr Sohn Arnim kam bei einem Autounfall ums Leben. Er wäre jetzt genauso alt gewesen wie Achim.
Das Haus am Meer, in dem Achim von nun an mit Ines und Paul lebt, ist geheimnisvoll. Es hat eine Tür, die außer ihm niemand zu sehen scheint. Sie führt in eine andere Welt. Hier wird der verstorbene Arnim vom Namenlosen gefangen gehalten, der seine Macht aus der Trauer und der Sehnsucht zieht.
Achim beschließt Arnim zu helfen, damit dessen Seele endlich frei wird und er sich in einen Vogel verwandeln kann, um in den Süden ziehen zu können wie die anderen.
Doch diese Fantasiewelt, in denen der Namenlose herrscht, ist anders als unsere Welt und sehr bedrohlich für einen Jungen wie Achim. Viele Rätsel muss Achim nun lösen. Dabei gerät er in große Gefahr und die Zeit wird knapp.

„Das Adoptivzimmer“ ist eine fantastische Geschichte die märchenhaft und traumhaft anmutet. Die Autorin bevorzugt eine sehr eindringliche, leise wirkende Sprache. Thema im Buch ist der Tod, die Trauer der Hinterbliebenen und die Trauer, so seltsam das klingt, der Verstorbenen. Es geht um Menschen, die nicht loslassen können, aber auch um den vorsichtigen Aufbau neuen Vertrauens. So ist es auch Achims größte Angst, dass Paul und Ines ihn doch nicht mögen und wieder ins Kinderheim zurück bringen könnten. Ines und Paul dagegen müssen lernen, dass ein Kind nicht durch ein anderes ersetzt werden kann. Es ist sicher Geschmackssache, ob das Buch gefällt oder nicht. Der junge Leser muss Offenheit beweisen, sich auf das Thema einlassen, sich bezaubern lassen, die Stimmung wirken lassen, um in diese eigenwillige fantastische Traumwelt eintauchen zu können. Belohnt wird er mir einer Geschichte die traurig, aber dennoch voller Abenteuer ist.

Über die Autorin:
Antonia Michealis wurde 1979 in Kiel geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Augsburg, wo sie anfing, Geschichten zu schreiben. Nach dem Abitur ging die Autorin für ein Jahr nach Südindien und arbeitete dort an einer Schule bei Madras als Lehrerin. Weitere Reisen führten sie u.a. in die Türkei, nach Italien, Griechenland, Syrien und England. Heute lebt Antonia Michaelis im Nordosten Deutschlands und studiert Medizin.

Rezension von Heike Rau

Antonia Michaelis
Das Adoptivzimmer
Illustriert von Birgit Brandt
Ab 8 Jahren
208 Seiten, gebunden
Loewe Verlag
ISBN: 3-7855-4977-6
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Katzenrabatz

Katzenrabatz

Wenn der dicke Kater Titus nicht gerade frisst, schläft er und träumt vom Fressen. Vom vielen Fressen und vom vielen Schlafen wird er immer fetter. Er bewegt sich kaum noch.
Vielleicht braucht er ja ein wenig Gesellschaft denken seine Besitzer, ein Mann und eine Frau, und bringen eines Tages die kleine Katze Lillibell mit. Ob jetzt alles anders wird? Ob Lillibell es schafft, dass Titus auch mal an was anderes denkt, außer an Fressen und Schlafen?

Dieses phantasievolle Bilderbuch wird Kindern gefallen. Lillibell bringt Schwung in das langweilige Leben von Kater Titus. Ein aufregender Tag nimmt seinen Lauf und die Kinder können auf großen, phantasievollen Zeichnungen betrachten, was alles passiert, während der Mann arbeiten geht und die Frau zum Einkaufen. Zunächst ist kaum vorstellbar, dass Titus und Lillibell sich vertragen werden, so verschieden wie sie sind. Lillibell verscheucht Titus von seinem Lieblingsplatz dem Bett, dabei schläft sie gar nicht. Auf dem Sessel Sessel gönnt Lillibell ihm auch keine Ruhe, nicht zu fassen. Lillibell will spielen. Sie bringt alles, was auf der Kommode steht, durcheinander. Sie fällt über den Kühlschrank her und stellt noch allerlei anderen Unsinn an. Und Titus macht große Augen. Und doch, so scheint es, schließt er Lillibell ins Herz.

Über die Autorin:
Sabine Ludwig wurde 1954 in Berlin geboren. Sie studierte Literaturwissenschaften und war danach als Rundfunkredakteurin tätig, bevor sie sich als Autorin und Übersetzerin selbständig machte. 1993 erhielt sie den Bettina-von-Arnim-Preis.

Über den Illustrator:
Karsten Teich ist Jahrgang 1967. Er studierte an der Hochschule der Künste in Kassel Malerei. Er lebt seit 1996 mit seiner Familie in Berlin und arbeitet für verschiedene Verlage, Magazine und Tageszeitungen.

Rezension von Heike Rau

Sabine Ludwig / Karsten Teich
Katzenrabatz
32 Seiten, gebunden
ab 3 Jahren
Fischer Schatzinsel
ISBN: 3-596-85115-6
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Justin Time – Zeitsprung

Justin Time – Zeitsprung

Das Jahr 2385. Der 13jährige Justin Time lebt abgeschottet von der Welt und neugierigen Journalisten im langweiligen Preston-Internat in Brighton, weil seine Eltern beim Versuch eine Zeitreise zu unternehmen ums Leben kamen.
Als Justin überraschend eine Nachricht von seinem Onkel Chester erhält, nutzt er die einmalige Gelegenheit, macht sich ohne Erlaubnis aus dem Staub und reist nach London. Onkel Chester hat ein Büro für Zeitreisen eröffnet. Und Justin ist einigermaßen erstaunt, dass so etwas nach der missglückten Zeitreise seiner Eltern möglich ist.
In die Vergangenheit zu reisen, ist eine gefährliche Sache. Um keinen Preis darf die Zeitlinie durcheinandergebracht werden. Doch genau das passiert, als der erste Zeittourist Herbert Hanfstäckl in die Vergangenheit reist und unerwartet im Jahre 1836 ausgerechnet auf der „Beagle“ ankommt, dem Schiff, auf dem Charles Darwin mit samt seinen wichtigen und zukunftsträchtigen Erkenntnissen reist. In seiner Not versucht Hanfstäckl das Schiff vom Kurs abzubringen, um seinem eigentlichen Ziel näher zu kommen. Er weiß nicht, dass genau das zu einer Katastrophe führen wird, welche ungeahnte Folgen für die Menschheit haben wird.
Justin übernimmt die Aufgabe, die Zeitlinie wieder in Ordnung zu bringen. Doch das ist viel schwieriger als gedacht. Und bei dieser einen Rettungsaktion bleibt es auch nicht. Schon ist Justin bald wieder unterwegs, diesmal ins Jahr 1862. Auf der Weltausstellung in London manipuliert ein unbekannter Zeitreisender die legendere Rechenmaschine des Mathematikers Charles
Babbage. Das muss um jeden Preis verhindert werden.
Justin erfährt nun selbst, wie gefährlich Zeitreisen sind und wie schnell man in der Zeit einfach verschwinden könnte. Hoffnung keimt in ihm auf, dass seine Eltern möglicherweise noch leben – irgendwo in der Vergangenheit.

Schon der Titel verspricht Spannung und Abenteuer. Und das zurecht. Das Buch ist interessant und fesselnd. Zugegeben, ab und zu könnte man schon ins Grübeln kommen, denkt man über die Logik bestimmter Dinge näher nach. Aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Durch die Zeitreisen in die Vergangenheit wird die Geschichte auch zum historischen Roman, kann der Leser doch beispielsweise Charles Darwin ein wenig auf der „Beagle“ begleiten. Und was ist spannender, als einmal durchzuspielen, was wirklich passiert wäre, wenn das Schiff tatsächlich vom Kurs abgekommen wäre. Wo ständen wir jetzt?
Justins Leben ändert sich drastisch. Eben noch im Internat, dann unterwegs als Zeitreisender. Da sind Mut und Einfallsreichtum des bisher eher schüchternen Jungen gefragt.
Viele Fragen lässt der Roman allerdings offen. Wer ist der mysteriöse Zeitreisende, der die Rechenmaschine manipulieren wollte? Was ist wirklich aus Justins Eltern geworden. So wartet man mit Ungeduld auf die Fortsetzung.

Peter Schwind ist Jahrgang 1964. Er studierte u.a. Germanistik und arbeitete beispielsweise als Software-Redakteur, Lektor für Comiczeitschriften und Drehbuch-Autor. Im Jahre 2000 verfasste er für den WDR die Hörspielserie Justin Time, die er drei Jahre später im Loewe Verlag zu einem mehrbändigen Romanprojekt ausbaute. Peter Schwindt ist zur Zeit im Erziehungsurlaub. Mit seiner Frau und der kleinen Tochter lebt er in Siegen.

Rezension von Heike Rau

Peter Schwindt
Justin Time – Zeitsprung
336 Seiten, gebunden
ab 12 Jahren
Loewe Verlag
ISBN: 3-7855-4984-9
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Warum immer ich?

Warum immer ich?

Warum immer ich? Warum stellt man sich diese Frage? Warum hadert man immer wieder mit seinem Schicksal? Ist es besser, sich seinem Schicksal zu ergeben, oder gibt es Möglichkeiten aktiv einzugreifen. Kann man Schicksalsschlägen vorbeugen, wenn man weiß, wie das mit dem Schicksal funktioniert? Sicherlich greifen viele zum vorliegenden Buch, um das herauszufinden.

Vieles im Leben ist nicht einfach nur Schicksal, sondern Zufall. Dennoch ist nicht abzustreiten, dass ein gewisses Risiko für Leib und Leben überall lauert. Was kann man also tun, um möglichst unbeschadet durchs Leben zu kommen, möglichst alt und dabei lange gesund zu bleiben? Risikoexperten haben interessante Vorschläge parat. Hier einige Beispiele:
„Rauche niemals im Bett.“
„Trinke wenig Alkohohl.“
„Wasche deine Hände.“
„Trinke nicht so viel Kaffee.“
„Achte auf eine nasse oder vereiste Fahrbahn.“
„Bleibe bei starker Sonne im Schatten, wenn du kannst, besonders zwischen 11 und 14 Uhr.“
„Ernähre dich ausgewogen, iss Früchte und Gemüse und nicht zu viel Fleisch.“ „Treibe regelmäßig Sport.“
Diese Ratschläge kennt jeder, nur nehmen viele sie nicht ernst. Aber wäre unser Leben tatsächlich risikoärmer, wenn wir jeden dieser Ratschläge befolgen würden? Es soll ja rauchende Kaffeetrinker, die nie Gemüse essen geben, die trotzdem fast 100 Jahre alt werden.

Immer wieder wird man hin- und hergerissen beim Lesen dieses ausgesprochen faszinierenden Buches. Dem Leser werden Schicksalsschläge und Zufälle vorgestellt, die verwundern und ablenken vom eigenen Elend. Forschungsergebnisse werden bekannt gemacht und Schlüsse daraus gezogen. Es wird über Sinn oder Unsinn von Horoskopen aufgeklärt und darüber, wie viel oder wenig Schicksal praktisch schon in unseren Genen liegt, was uns das Wissen über die Naturgesetzte wirklich bringt, wie viel Macht der Mond über uns hat, wie gefährlich Flugzeuge tatsächlich sind, was Mediziner und Mathematiker vom Zufall halten, warum sich der einzelne Mensch nicht an einer Statistik festmachen lässt und warum unser Leben einfach nicht planbar ist.

Keine Frage, das Buch liest sich wie ein Roman. Es ist spannend geschrieben und es regt zum Nachdenken und Diskutieren an. Und sicherlich wird der eine oder andere nicht mehr so mit seinem Schicksal hadern und das Leben von nun an nehmen wie es ist, nämlich unberechenbar, und froh darüber sein, dass ihn nicht sieben Mal der Blitz getroffen hat wie einen Menschen in den USA. Und wer nicht genug bekommen hat vom Thema Schicksal, für den gibt es eine Liste mit Literatur zum Weiterlesen.

Über den Autor:
Jochen Wegner hat Physik und Philosophie studiert und über die Chaostherapie des Gehirns geforscht. Er ist stellvertretender Leiter des Ressorts „Forschung und Technik“ beim Nachrichtenmagazin FOCUS. Jochen Wegner lebt in München.

Rezension von Heike Rau

Jochen Wegner
Warum immer ich?
Schicksal. Eine Betriebsanleitung
307 Seiten, gebunden
Argon Verlag, Berlin
ISBN: 3-87024-604-9
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