Das Adoptivzimmer

Das Adoptivzimmer

Achim ist 11 Jahre alt. Bisher lebte er in einem Kinderheim. Doch nun haben sich Paul und Ines entschlossen, ihn zu sich zu nehmen, obwohl Achim Asthma hat. Ihr Sohn Arnim kam bei einem Autounfall ums Leben. Er wäre jetzt genauso alt gewesen wie Achim.
Das Haus am Meer, in dem Achim von nun an mit Ines und Paul lebt, ist geheimnisvoll. Es hat eine Tür, die außer ihm niemand zu sehen scheint. Sie führt in eine andere Welt. Hier wird der verstorbene Arnim vom Namenlosen gefangen gehalten, der seine Macht aus der Trauer und der Sehnsucht zieht.
Achim beschließt Arnim zu helfen, damit dessen Seele endlich frei wird und er sich in einen Vogel verwandeln kann, um in den Süden ziehen zu können wie die anderen.
Doch diese Fantasiewelt, in denen der Namenlose herrscht, ist anders als unsere Welt und sehr bedrohlich für einen Jungen wie Achim. Viele Rätsel muss Achim nun lösen. Dabei gerät er in große Gefahr und die Zeit wird knapp.

„Das Adoptivzimmer“ ist eine fantastische Geschichte die märchenhaft und traumhaft anmutet. Die Autorin bevorzugt eine sehr eindringliche, leise wirkende Sprache. Thema im Buch ist der Tod, die Trauer der Hinterbliebenen und die Trauer, so seltsam das klingt, der Verstorbenen. Es geht um Menschen, die nicht loslassen können, aber auch um den vorsichtigen Aufbau neuen Vertrauens. So ist es auch Achims größte Angst, dass Paul und Ines ihn doch nicht mögen und wieder ins Kinderheim zurück bringen könnten. Ines und Paul dagegen müssen lernen, dass ein Kind nicht durch ein anderes ersetzt werden kann. Es ist sicher Geschmackssache, ob das Buch gefällt oder nicht. Der junge Leser muss Offenheit beweisen, sich auf das Thema einlassen, sich bezaubern lassen, die Stimmung wirken lassen, um in diese eigenwillige fantastische Traumwelt eintauchen zu können. Belohnt wird er mir einer Geschichte die traurig, aber dennoch voller Abenteuer ist.

Über die Autorin:
Antonia Michealis wurde 1979 in Kiel geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Augsburg, wo sie anfing, Geschichten zu schreiben. Nach dem Abitur ging die Autorin für ein Jahr nach Südindien und arbeitete dort an einer Schule bei Madras als Lehrerin. Weitere Reisen führten sie u.a. in die Türkei, nach Italien, Griechenland, Syrien und England. Heute lebt Antonia Michaelis im Nordosten Deutschlands und studiert Medizin.

Rezension von Heike Rau

Antonia Michaelis
Das Adoptivzimmer
Illustriert von Birgit Brandt
Ab 8 Jahren
208 Seiten, gebunden
Loewe Verlag
ISBN: 3-7855-4977-6
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Katzenrabatz

Katzenrabatz

Wenn der dicke Kater Titus nicht gerade frisst, schläft er und träumt vom Fressen. Vom vielen Fressen und vom vielen Schlafen wird er immer fetter. Er bewegt sich kaum noch.
Vielleicht braucht er ja ein wenig Gesellschaft denken seine Besitzer, ein Mann und eine Frau, und bringen eines Tages die kleine Katze Lillibell mit. Ob jetzt alles anders wird? Ob Lillibell es schafft, dass Titus auch mal an was anderes denkt, außer an Fressen und Schlafen?

Dieses phantasievolle Bilderbuch wird Kindern gefallen. Lillibell bringt Schwung in das langweilige Leben von Kater Titus. Ein aufregender Tag nimmt seinen Lauf und die Kinder können auf großen, phantasievollen Zeichnungen betrachten, was alles passiert, während der Mann arbeiten geht und die Frau zum Einkaufen. Zunächst ist kaum vorstellbar, dass Titus und Lillibell sich vertragen werden, so verschieden wie sie sind. Lillibell verscheucht Titus von seinem Lieblingsplatz dem Bett, dabei schläft sie gar nicht. Auf dem Sessel Sessel gönnt Lillibell ihm auch keine Ruhe, nicht zu fassen. Lillibell will spielen. Sie bringt alles, was auf der Kommode steht, durcheinander. Sie fällt über den Kühlschrank her und stellt noch allerlei anderen Unsinn an. Und Titus macht große Augen. Und doch, so scheint es, schließt er Lillibell ins Herz.

Über die Autorin:
Sabine Ludwig wurde 1954 in Berlin geboren. Sie studierte Literaturwissenschaften und war danach als Rundfunkredakteurin tätig, bevor sie sich als Autorin und Übersetzerin selbständig machte. 1993 erhielt sie den Bettina-von-Arnim-Preis.

Über den Illustrator:
Karsten Teich ist Jahrgang 1967. Er studierte an der Hochschule der Künste in Kassel Malerei. Er lebt seit 1996 mit seiner Familie in Berlin und arbeitet für verschiedene Verlage, Magazine und Tageszeitungen.

Rezension von Heike Rau

Sabine Ludwig / Karsten Teich
Katzenrabatz
32 Seiten, gebunden
ab 3 Jahren
Fischer Schatzinsel
ISBN: 3-596-85115-6
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Justin Time – Zeitsprung

Justin Time – Zeitsprung

Das Jahr 2385. Der 13jährige Justin Time lebt abgeschottet von der Welt und neugierigen Journalisten im langweiligen Preston-Internat in Brighton, weil seine Eltern beim Versuch eine Zeitreise zu unternehmen ums Leben kamen.
Als Justin überraschend eine Nachricht von seinem Onkel Chester erhält, nutzt er die einmalige Gelegenheit, macht sich ohne Erlaubnis aus dem Staub und reist nach London. Onkel Chester hat ein Büro für Zeitreisen eröffnet. Und Justin ist einigermaßen erstaunt, dass so etwas nach der missglückten Zeitreise seiner Eltern möglich ist.
In die Vergangenheit zu reisen, ist eine gefährliche Sache. Um keinen Preis darf die Zeitlinie durcheinandergebracht werden. Doch genau das passiert, als der erste Zeittourist Herbert Hanfstäckl in die Vergangenheit reist und unerwartet im Jahre 1836 ausgerechnet auf der „Beagle“ ankommt, dem Schiff, auf dem Charles Darwin mit samt seinen wichtigen und zukunftsträchtigen Erkenntnissen reist. In seiner Not versucht Hanfstäckl das Schiff vom Kurs abzubringen, um seinem eigentlichen Ziel näher zu kommen. Er weiß nicht, dass genau das zu einer Katastrophe führen wird, welche ungeahnte Folgen für die Menschheit haben wird.
Justin übernimmt die Aufgabe, die Zeitlinie wieder in Ordnung zu bringen. Doch das ist viel schwieriger als gedacht. Und bei dieser einen Rettungsaktion bleibt es auch nicht. Schon ist Justin bald wieder unterwegs, diesmal ins Jahr 1862. Auf der Weltausstellung in London manipuliert ein unbekannter Zeitreisender die legendere Rechenmaschine des Mathematikers Charles
Babbage. Das muss um jeden Preis verhindert werden.
Justin erfährt nun selbst, wie gefährlich Zeitreisen sind und wie schnell man in der Zeit einfach verschwinden könnte. Hoffnung keimt in ihm auf, dass seine Eltern möglicherweise noch leben – irgendwo in der Vergangenheit.

Schon der Titel verspricht Spannung und Abenteuer. Und das zurecht. Das Buch ist interessant und fesselnd. Zugegeben, ab und zu könnte man schon ins Grübeln kommen, denkt man über die Logik bestimmter Dinge näher nach. Aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Durch die Zeitreisen in die Vergangenheit wird die Geschichte auch zum historischen Roman, kann der Leser doch beispielsweise Charles Darwin ein wenig auf der „Beagle“ begleiten. Und was ist spannender, als einmal durchzuspielen, was wirklich passiert wäre, wenn das Schiff tatsächlich vom Kurs abgekommen wäre. Wo ständen wir jetzt?
Justins Leben ändert sich drastisch. Eben noch im Internat, dann unterwegs als Zeitreisender. Da sind Mut und Einfallsreichtum des bisher eher schüchternen Jungen gefragt.
Viele Fragen lässt der Roman allerdings offen. Wer ist der mysteriöse Zeitreisende, der die Rechenmaschine manipulieren wollte? Was ist wirklich aus Justins Eltern geworden. So wartet man mit Ungeduld auf die Fortsetzung.

Peter Schwind ist Jahrgang 1964. Er studierte u.a. Germanistik und arbeitete beispielsweise als Software-Redakteur, Lektor für Comiczeitschriften und Drehbuch-Autor. Im Jahre 2000 verfasste er für den WDR die Hörspielserie Justin Time, die er drei Jahre später im Loewe Verlag zu einem mehrbändigen Romanprojekt ausbaute. Peter Schwindt ist zur Zeit im Erziehungsurlaub. Mit seiner Frau und der kleinen Tochter lebt er in Siegen.

Rezension von Heike Rau

Peter Schwindt
Justin Time – Zeitsprung
336 Seiten, gebunden
ab 12 Jahren
Loewe Verlag
ISBN: 3-7855-4984-9
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Warum immer ich?

Warum immer ich?

Warum immer ich? Warum stellt man sich diese Frage? Warum hadert man immer wieder mit seinem Schicksal? Ist es besser, sich seinem Schicksal zu ergeben, oder gibt es Möglichkeiten aktiv einzugreifen. Kann man Schicksalsschlägen vorbeugen, wenn man weiß, wie das mit dem Schicksal funktioniert? Sicherlich greifen viele zum vorliegenden Buch, um das herauszufinden.

Vieles im Leben ist nicht einfach nur Schicksal, sondern Zufall. Dennoch ist nicht abzustreiten, dass ein gewisses Risiko für Leib und Leben überall lauert. Was kann man also tun, um möglichst unbeschadet durchs Leben zu kommen, möglichst alt und dabei lange gesund zu bleiben? Risikoexperten haben interessante Vorschläge parat. Hier einige Beispiele:
„Rauche niemals im Bett.“
„Trinke wenig Alkohohl.“
„Wasche deine Hände.“
„Trinke nicht so viel Kaffee.“
„Achte auf eine nasse oder vereiste Fahrbahn.“
„Bleibe bei starker Sonne im Schatten, wenn du kannst, besonders zwischen 11 und 14 Uhr.“
„Ernähre dich ausgewogen, iss Früchte und Gemüse und nicht zu viel Fleisch.“ „Treibe regelmäßig Sport.“
Diese Ratschläge kennt jeder, nur nehmen viele sie nicht ernst. Aber wäre unser Leben tatsächlich risikoärmer, wenn wir jeden dieser Ratschläge befolgen würden? Es soll ja rauchende Kaffeetrinker, die nie Gemüse essen geben, die trotzdem fast 100 Jahre alt werden.

Immer wieder wird man hin- und hergerissen beim Lesen dieses ausgesprochen faszinierenden Buches. Dem Leser werden Schicksalsschläge und Zufälle vorgestellt, die verwundern und ablenken vom eigenen Elend. Forschungsergebnisse werden bekannt gemacht und Schlüsse daraus gezogen. Es wird über Sinn oder Unsinn von Horoskopen aufgeklärt und darüber, wie viel oder wenig Schicksal praktisch schon in unseren Genen liegt, was uns das Wissen über die Naturgesetzte wirklich bringt, wie viel Macht der Mond über uns hat, wie gefährlich Flugzeuge tatsächlich sind, was Mediziner und Mathematiker vom Zufall halten, warum sich der einzelne Mensch nicht an einer Statistik festmachen lässt und warum unser Leben einfach nicht planbar ist.

Keine Frage, das Buch liest sich wie ein Roman. Es ist spannend geschrieben und es regt zum Nachdenken und Diskutieren an. Und sicherlich wird der eine oder andere nicht mehr so mit seinem Schicksal hadern und das Leben von nun an nehmen wie es ist, nämlich unberechenbar, und froh darüber sein, dass ihn nicht sieben Mal der Blitz getroffen hat wie einen Menschen in den USA. Und wer nicht genug bekommen hat vom Thema Schicksal, für den gibt es eine Liste mit Literatur zum Weiterlesen.

Über den Autor:
Jochen Wegner hat Physik und Philosophie studiert und über die Chaostherapie des Gehirns geforscht. Er ist stellvertretender Leiter des Ressorts „Forschung und Technik“ beim Nachrichtenmagazin FOCUS. Jochen Wegner lebt in München.

Rezension von Heike Rau

Jochen Wegner
Warum immer ich?
Schicksal. Eine Betriebsanleitung
307 Seiten, gebunden
Argon Verlag, Berlin
ISBN: 3-87024-604-9
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Störtebekers Kinder

Störtebekers Kinder

1399. Marieke ist 13 Jahre alt, als ihre Mutter am braunen Fieber stirbt. Auch ihre Schwestern sind bereits derselben Krankheit erlegen. Das Mädchen soll nun von Hamburg nach Bergen zu ihrem Vater gebracht werden. Doch die Kogge „Nordstern“, beladen mit Branntwein, Kupferkesseln, Glaswaren, Getreide, vielen Ballen Tuchs und anderen Handelswaren, wird von Störtebekers Piraten überfallen. Angesichts der Gefahr soll Marieke zu ihrem Entsetzen mit den vier jugendlichen Kaufmannslehrlingen Hannes, Malte, Hendrik und Jannick an die Piraten ausgeliefert werden. Die fünf jungen Leute schwören in ihrer Not einen Eid, wollen sich gegenseitig helfen und zusammenhalten, als wären sie Geschwister. Nach Verhandlungen kommen Marieke und die Lehrjungen auf das Piratenschiff des merkwürdigen und unheimlichen Magisters Wiegbold. Auch Lukas, der Schiffsjunge, befindet sich nicht ganz freiwillig auf dem Piratenschiff. Er wird später ebenfalls Teil dieser Geschwistergemeinschaft. Die vier Kaufmannslehrlinge werden vor eine Wahl gestellt. Sie können entscheiden, ob sie auf dem Sklavenmarkt verkauft werden wollen oder ob sie die Mannschaft verstärken wollen. Diese Entscheidung fällt nicht schwer. Auch Marieke will einem Schicksal als Sklavin entgehen. Sie bietet Magister Wigbold ihr Wissen in Heilkunde an, welches sie bei einer Hamburger Hebamme erworben hat. Sie will von nun an die verwundeten Piraten versorgen.
Es dauert nicht lange, bis die Piraten das nächste Handelsschiff überfallen und Mariekes Brüder ihren Mut und ihre Loyalität beweisen müssen. Auch Marieke hat alle Hände voll zu tun, die Verletzen zu behandeln. Ihr Wissen reicht bei weitem nicht aus. Doch Marieke ist schlau, improvisiert und lernt schnell dazu.
Zusammen mit ihren „Geschwistern“ hofft sie, eines Tages den Piraten wieder zu entkommen, um ein Leben in Freiheit führen zu können. Doch Magister Wigbold hat Pläne, die diesen Zeitpunkt noch niemand durchschaut.

Dieses Buch für junge Leser zeichnet sich durch eine spannende Handlung, interessante Charaktere und historische Hintergrundinformationen aus. Schon der Titel weckt ganz bestimmte Erwartungen. Klaus Störtebeker und Godeke Michels, als Führer einer Bande Liekedeeler, gab es wirklich. Eine Hanseflotte gebot ihnen 1401 Einhalt. Störtebeker und Michels wurden hingerichtet.
Nun sind die Kinder im Buch nicht Störtebekers eigene Kinder. Der Titel erfüllt die Erwartungen dennoch. Der Autor füllt zudem die so schon aufregende Geschichte mit interessantem Hintergrundwissen. Der Leser erfährt viel über die Zeit, in welcher der Roman spielt, über den Handel, der auf Nord- und Ostsee betrieben wurde, über den Hansebund, über den Alltag der Piraten, wie sie sich auf Kämpfe vorbereiteten und Nachwuchs ausbildeten. Aber auch das medizinische Wissen, dass Marieke sich aneignete, ist von Interesse. Magister Wigbold ist ebenfalls eine aufschlussreiche Persönlichkeit. In einer Zeit, in der sich längst noch nicht alle vorstellen konnten, dass die Erde eine Kugel ist, plant er neue Welten zu entdecken.
Marieke selbst erobert sicher im Eiltempo die Sympathie der Leser. Als Gefangene der Piraten kann sie nicht mehr selbst über ihr Leben bestimmen. Doch sie überzeugt mit ihrem Verhalten und ihrem Mut auch in lebensgefährlichen Situationen. Und natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz.

Über den Autor:
Thomas Einfeldt ist Jahrgang 1958. Der in Hamburg geborene Autor ist hauptberuflich Zahnarzt. Sein Interesse gilt der Geschichte Norddeutschlands und der nordischen Länder. „Störtebekers Kinder“ ist sein erster Roman für junge Leser.

Rezension von Heike Rau

Thomas Einfeldt
Störtebekers Kinder
444 Seiten, broschiert
ab 12 Jahren
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 3-473-58200-X
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GENpest. Anthologie

GENpest. Anthologie

GENpest. Anthologie herausgegeben von Beate Schütz.

In der Edition Ponte Novu erschien als Book on Demand eine wunderbare SF-Anthologie die sich mit den Auswirkungen der Gentechnologie beschäftigt. Das Niveau der Erzählungen ist erstaunlich hoch und die Auswahl kann man wegen ihrer Unterschiedlichkeit wirklich als gelungen bezeichnen.

Doc Wiley: Visionen der Hanfforschung von Markus Ridder liest sich als eine Reminiszenz an Ernest Hemingway. Der Erzählstil ist herrlich stimmungsvoll und macht aus der recht einfachen Industrieverschwörungsgeschichte ein lebhaftes Kammerspiel.

Cluster Eins von Thomas Kurth stellt die Realität auf den Kopf und das mit einem sehr packenden Sinn für das reale Leben. Die Zeichnung der beiden Figuren Paul und Bob sind sehr einprägsam und überzeugend.

Letzter Held von Oliver Stahmann ist eine klassische Distopie, die in der Form eines Interviews sehr plastisch dargeboten wird.

In Du Wesen Ich von Rose Eden wird ein Blick auf das Verhältnis zum eigenen Klon geworfen. Ist ein Ersatzteilspender ein Lebewesen mit den gleichen Rechten? Die Geschichte wird leidenschaftlich erzählt und hält dem Leser keine Antworten unter die Nase, die muss man selbst finden.

Uriel von Michael Schmidt erzählt ebenfalls von einem Klon. Die spannende Jagd um Identität und einem Platz im Leben endet positiv, also im Sinne eines Versagens der Gentechnik.

Miriam erwacht von Christian Savoy ist eine schaurige kleine Geschichte über den Missbrauch von Klonen für die Forschung. Eine sehr überzeugende Darstellung.

Auch in Das Opfer von Jens Behn geht es um Menschenexperimente. Der Verlust von Menschlichkeit trifft Täter und Opfer hier gleichermaßen. Die düstere Atmosphäre durchzieht den Text bis zu seinem tragischen Ende.

Tuning von Rüdiger Bartsch ist fast eine kleine Alltagssatire, mit einem bösen Blick in die Zukunft, aber dennoch ein humoristischer Lichtblick in der Mitte des Buches.

Oleade von Bettina Licht kommt weniger negativ daher, eigentlich ist es sogar eine Liebesgeschichte. Das nebenbei eine neue Weltenergieordnung konstruiert wird, macht die Geschichte zudem zu einem recht interessanten Aspekt der Anthologie.

Ein Feldversuch von Barbara Jung ist ein Höhepunkt des Buches. Diese kleine Erzählung skizziert mit wunderschönen Bildern und klaren Worten eine komplizierte Beziehung, ein Verbrechen und eine mystische Verbindung. Die Gentechnik weist bei der Autorin auch in eine mögliche Verbesserung der Welt, auch wenn letztendlich der Mensch das Problem in die Welt setzt. Der Schluss ist eine zu Herzen gehende Meisterleistung.

Nebenwirkung von Nicole Rensmann erzählt eine Missbrauchsgeschichte. Die skrupellose Pharmaindustrie gewinnt hier eine weitere Schlacht.

Emotionslos von Rainer Innreiter beginnt als Krimi und endet als Sieg der Technik über den Menschen. Während der Beginn der Geschichte noch mit Spannung und Gefühl für die Figuren aufwartet, kommt der Schluss recht übereilt und etwas zu unglaubwürdig.

Um eine Übernahme geht es auch in Verschwörung von Lieselotte Warmeling, allerdings ist hier der Plot eine echte Überraschung. Die ethische Diskussion in diesem Text ist sehr konzentriert und in Verbindung mit dem erstaunlichen Schluss findet der Leser hier eine sehr gute SF-Erzählung, die im Gedächtnis bleibt.

Ein weiteres Highlight ist NN 408 von Corinna Jedamzik. Sehr dicht und anschaulich beschreibt die Autorin in einem Tagebuch ein doppeltes Spiel mit der Genforschung. Die Entwicklung des Hauptdarstellers ist sehr überzeugend und auch das Ende passt hervorragend in die Handlung ein.

Ein Märchen ist Elfen von Sabine Böhringer. Genial in seiner Einfachheit, hebt es sich zwar wegen des Genres aus der Sammlung heraus, nichtsdestotrotz ist es eine sehr gut gelungene Parabel über Selbstheilungskräfte und die Sinnlosigkeit von genetischen Verschlimmbesserungen.

Modernistisch gibt sich Was ist los mit Aja? von Romina Lutzebäck. In dieser Short-Story wird eine Berichtsvision geliefert, die in die ferne Zukunft stößt und in seiner beklemmenden Fremdartigkeit das Gefühl höchster Wahrscheinlichkeit hinterläßt.

Die letzte Erzählung, Neonnächte von Thomas Waldschicht, stellt wieder die Innensicht eines Klons in den Mittelpunkt. Die gezüchtete Kämpferin, ähnlich Neon aus der Matrix aus ihrer Scheinexistenz befreit, beendet das Buch düster mit einem Krieg zwischen Klons und Normalgeborenen.
Damit wird eine sehr gelungene Sammlung mit einer deutlichen Warnung beendet. In einer durchgängig guten Qualität, mit etlichen Höhepunkten bietet sich eine beeindruckende Anzahl Visionen dar, die zu denken geben. GENpest ist ein passender Titel und wenn auch das Titelbild durch seine sehr schlechte Auflösung aneckt, so ist das Buch doch dringest allen zu empfehlen, die SF mögen.

Beate Schütz (Hrsg.)
GENpest. Anthologie
Eine SF-Anthologie, die es in sich hat. Visionen der Gentechnik in aussergewöhnlich guter Qualität! Und natürlich mit Lupen-Autoren!
ISBN:3833004363
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Zitrus – auswählen, pflanzen, pflegen

Zitrus – auswählen, pflanzen, pflegen

Bénédicte und Michel Bachès sind passionierte Gärtner und Baumschulbesitzer in Frankreich. Stets sind sie auf der Suche nach Pflanzenneuheiten, Ideen und Trends. Ihre Begeisterung für die kleinen Bäume mit den Sonnenfrüchten wollen sie dem Leser nahe bringen. Und wenn man die wunderschönen Fotos ansieht, könnte man tatsächlich dieser Leidenschaft verfallen.

Im ersten Kapitel „Zitruspflanzen kennen lernen“ wird dem Einsteiger Allgemeines über Herkunft und Vielfalt der Zitruspflanzen vermittelt. Beschrieben werden Wurzeln, Blätter, Zweige und natürlich die Früchte, die noch einmal extra auf einer Doppelseite mit Foto und Bezeichnung vorgestellt werden. So kann man sich schnell einen Überblick verschaffen.

Das zweite Kapitel heißt „Zitruspflanzen kultivieren“. Egal, für welchen Standort man sich entscheidet, ob im Freien angepflanzt werden soll oder in Kübeln und Töpfen auf Terrasse oder Balkon. Pflegehinweise gibt es für beide Varianten. Zahlreiche Tipps zur Standortauswahl, Bodenbeschaffenheit oder empfehlenswertem Substrat für Töpfe und Kübel, zu Pflanzmethoden oder Unkrautbekämpfung, zur Überwinterung, zur Düngen, Bewässerung oder zum Form- Aufbau- und Pflegeschnitt und mehr werden zur Verfügung gestellt. Auch die unterschiedlichen Vermehrungsmethoden durch Stecklinge, das Abmoosen oder die Veredelung werden erläutert.
Beschrieben wird auch was bei Krankheiten und Schädlingen zu tun ist.

Im dritten Kapitel „Zitruspflanzen in Haus und Garten“ stellen die Autoren aktuelle, aber auch weniger verbreitete Arten vor. Gegliedert sind die Beschreibungen in allgemeine Merkmale, Besonderheiten bei der Kultur, Eigenschaften und Verwendung, sowie Interessantes aus dem Sortiment.
Den Abschluss bildet ein Register, eine Auswahl Adressen mit Zitrus-Sammlungen zum Anschauen und eine Auswahl von Adressen mit Bezugsquellen.

Mit diesem Buch wird dem Anfänger der Einstieg in der Welt der Zitrusbäumchen leicht gemacht. Das Buch ist sehr übersichtlich gegliedert. Wichtiges wird immer noch einmal kurz zusammengefasst. Die Pflegeanleitungen sind leicht verständlich und gut nachvollziehbar, so dass die Bäumchen sicher bald mit reichlich Früchten erfreuen dürften. Vorurteile hinsichtlich angeblicher zu schwieriger Pflege werden ausgeräumt. Durch die ausführlichen Beschreibungen können geeignete Zitrusarten gezielt ausgewählt werden. Hat man ein Bäumchen, das noch keine Früchte trägt, kann man anhand der Blätter eine Bestimmung der Hauptarten vornehmen.
Auch wenn die vielen Fotos natürlich das Auge erfreuen. Bei diesem Ratgeber entsteht nicht der Eindruck, dass der Schwerpunkt auf den Bildern liegt. Sie veranschaulichen die Erklärungen da, wo es nötig ist.

Rezension von Heike Rau

Bénédicte und Michel Bachès
Zitrus – auswählen, pflanzen, pflegen
96 Seiten, 110 Farbfotos, 10 Zeichnungen
Verlag Eugen Ulmer
ISBN: 3-8001-4446-8
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Bauchlandung

Bauchlandung

Paul wird aus erziehungstechnischen Gründen zu Hause rausgeschmissen. Was liegt näher, als in eine WG zu ziehen? Ein Leben in einer Bude zusammen mit einem Hippie, „der seine Klamotten aus einem Mülleimer in Woodstock gefischt zu haben scheint“ und einer Frau, die an Hässlichkeit nicht zu überbieten ist, ist genau richtig. Da kann auch Bea, seine Freundin, nicht meckern. Außerdem gibt es gratis Käsegestank vom Laden nebenan. Doch die Versuchung lauert schon. Die hässliche Mitbewohnerin, sieht nämlich nur unausgeschlafen so furchtbar aus. Paul fallen fast die Augen heraus, als er sie so richtig aufgestylt zu sehen bekommt. Das ist vielleicht eine Verwandlung! Das wird Freundin Bea gar nicht gefallen. Es kriselt so schon in der Beziehung. Bea weiß sofort, was Paul nie und nimmer zugeben will. Hollys Reize sind unwiderstehlich.

Das Erwachsenwerden bringt schon so einige Probleme mit sich. Einmal aus dem elterlichen Nest geworfen, muss Paul nun sehen, wie er zurecht kommt, ohne das ihm jemand das Essen kocht, die Wäsche wäscht und sein Bett frisch bezieht. Mit den Mitbewohnern wird er schon auskommen, denkt er sich. Doch da hat er seine Triebe unterschätzt. Holly, die er in Gedanken bald nur noch Heißhochhundert nennt, beflügelt seine Phantasie. Nachts darf er an ihren Liebesspielen teilnehmen, wenn auch vorerst nur akustisch. Kein Wunder, dass sein Gehirn zu Brei wird. Seiner Beziehung zu Bea fehlt in letzter Zeit auch irgendwie der Schwung. Und immer nur träumen ist nicht sein Ding. So lässt er sich von Heißhochhundert verführen und gibt Bea den Laufpass.

Das Buch hat jede Menge Witz und Ironie. Es liest sich einfach super. Klasse, wie Paul den Leser an seinem geheimsten Gedanken teilnehmen lässt, äußerst lebensnah und sehr gut nachvollziehbar. Da treibt es einen schon hin und wieder vor Lachen die Tränen in die Augen. Die Charaktere sind gut beschrieben, angefangen von Hippie Klaus, der zickigen, von Eifersucht geplagten Bea und auch Holly, die so überaus sexy und unwiderstehlich daherkommt. Man hat keine Mühe sich die einzelnen Personen vorzustellen. Paul selbst ist wohl der Durchschnittstyp, mit ihm könnte sich jeder der auch so um die 19 Jahre alt ist identifizieren. Er hat keine Lust erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Doch es bleibt ihm keine Wahl. Er ganz allein muss die Konsequenzen ziehen und ausbaden, was er verbockt hat.

Rezension von Heike Rau

Jochen Till
Bauchlandung
264 Seiten, gebunden
für junge Erwachsene
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 3-473-35247-0
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Gärtnern in Töpfen & Kübeln

Gärtnern in Töpfen & Kübeln

Auch wenn man keinen Garten hat, kann man sich an schönen Pflanzen erfreuen. In Töpfen und Kübeln verschönern sie Balkone, Terrassen, Wintergärten, den Hauseingang oder die Treppe. Damit die Pflanzenarrangements viel Freude machen und ein echter Hingucker werden, gibt es Anregungen, Tipps, Tricks und Pflegehinweise in diesem Ratgeber.

Zunächst einmal gilt es, sich einen Überblick zu verschaffen, um zu sehen, was auf dem eigenen Balkon oder der Terrasse überhaupt möglich ist und eine Auswahl an Pflanzen zu treffen, egal ob man ein kleines Duft-Paradies schaffen will, sich wie im letzten Urlaub fühlen möchte, es kunterbunt oder romantisch mag oder praktisch mit Kräutern für den eigenen Bedarf oder ob man gar Obst und Gemüse in Töpfen und Kübeln ziehen will.

Damit alles harmonisch wirkt, ist natürlich auch die Auswahl der Pflanzgefäße wichtig. Was passt gut zu den ausgewählten Pflanzen? Kommen Kunststofftöpfe, Terrakotta-Gefäße, robuste Holzgefäße oder sogar die alte Badewanne in Frage? Und welche Erden oder Substrate sind zu empfehlen? Welche Nährstoffe muss der Dünger enthalten? Wichtig ist natürlich auch das Gießen. Bei vielen Pflanzen bieten sich Bewässerungssysteme an. Informiert wird, wenn auch nur kurz und knapp, über Pflanzenschädlinge.
Und weil jede Saison einmal zu Ende geht, gibt es auch Tipps zur Überwinterung der Pflanzen.

Große Freude macht es, die Pflanzen zu vermehren. Am besten durch Stecklinge. Wie das geht und was zu beachten ist, wird im Ratgeber anschaulich erklärt. Aber auch die Aussaat durch Samen findet Beachtung.

Damit die Auswahl geeigneter Pflanzen mit ihren verschiedenen Standortbedürfnissen nicht schwer fällt, folgen nun Vorschläge für verschiedene Zusammenstellungen. Vorgestellt werden beispielsweise Pflanzen mit exotischen Früchten, winterharte Kübelpflanzen, Pflanzen, die im Herbst mit ihrer Farbgebung beeindrucken, und Pflanzen mit Blühgarantie.

Fazit: Der Traum vom selbstgeschaffenen blühenden Paradies auf Balkon oder Terrasse lässt sich mit diesem Ratgeber sicherlich erfüllen. Geeignet ist das Buch für Einsteiger, aber auch für Hobbygärtner, die schon Erfahrungen gesammelt haben.

Über den Autor:
Jörn Pinske ist Gärtner, freier Fachjournalist und Fachbuchautor.

Rezension von Heike Rau

Jörn Pinske
Gärtnern in Töpfen & Kübeln
Ideen für Balkon & Terrasse
96 Seiten, gebunden, 180 Farbfotos
Verlag Eugen Ulmer
In Zusammenarbeit mit der Zeitschrift FLORA Garten
ISBN: 3-8001-4405-0
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Bianka Minte-König: Schule der dunklen Träume

Bianka Minte-König: Schule der dunklen Träume

Als Beas Vater auf eine Forschungsreise nach China muss, kommt Bea ins Internat. Ein mulmiges Gefühl im Bauch hat sie schon. Aber ihrem Vater sagt sie das nicht. Sie will den Abschied nicht noch schwieriger machen. Als Bea mit ihren Mitschülerinnen in den neuen Internatsanbau umzieht, beginnt sie schlecht zu schlafen und Unglaubliches zu träumen. Den anderen Mädchen geht es ebenso. Doch im Gegensatz zu Bea können sie sich nicht an ihre Träume erinnern. Merkwürdige Dinge geschehen. Bald entsteht der Eindruck, im Haus würde ein Poltergeist sein Unwesen treiben. Da aber keiner an Poltergeister glaubt, wird Bea die Schuld an den Ereignissen gegeben. Nur ihre Zimmergenossin Jenny hält noch zu Bea und Jason, in den Bea sich bei der ersten, etwas unromantischen Begegnung verliebt hat. Aber auch sie können Beas Träume nicht so recht einordnen.
Die Albträume werden immer schlimmer und Bea ist sich sicher, dass sie mit der Vergangenheit des Internats, das früher ein Waisenhaus gewesen ist, zusammenhängen. Immer wieder erlebt sie Szenen aus dem Alltag der Waisenkinder, die, so glaubt sie, wirklich einmal stattgefunden haben müssen. Bea versucht sich Informationen bei Lehrern und in der Bibliothek zu beschaffen. Und sie wird fündig. Sie begeht jedoch einen Fehler, unterschätzt drei ihrer Mitschülerinnen unter ihnen Zaphira, die in ihrer Eifersucht einen teuflischen Plan ausheckt und auch durchzusetzen versucht.

Erzählt wird eine wirklich spannende Geschichte, die zudem noch schön schaurig und gruselig ist und sicher so manchem Leser eine Gänsehaut bescheren wird. Bea ist ein sympathisches Mädchen. Sie muss sich an eine neue Umgebung gewöhnen und an neue Mitschüler. Zeit dafür hat sie kaum, denn die beginnenden Albträume lassen ihr keine Ruhe. Der Leser erfährt durch die Träume und die Nachforschungen Beas Wissenswertes über die Geschichte von Waisen- Zucht- und Arbeitshäusern und die schwierigen Lebensbedingungen der Kinder, die dort Aufnahme fanden.
Und natürlich gibt es auch eine kleine, romantische Liebesgeschichte. Denn Bea verliebt sich in Jason. Auf den zurückhaltenden Jungen hat es aber auch ein anderes Mädchen abgesehen. Ausgerechnet Zaphira, die Bea so schon das Leben schwer macht.
Vom Stil her ist das Buch leicht lesbar. Man wird schon auf den ersten Seiten gefesselt und kann es gar nicht mehr weglegen. Sehr zu empfehlen!

Über die Autorin:
Bianka Minte-König ist Professorin für Literatur- und Medienpädagogik an der Fachhochschule in Braunschweig und lebt auch mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in dieser Stadt. Seit 1996 veröffentlicht sie mit Erfolg Kinder- und Jugendbücher.

Rezension von Heike Rau

Bianka Minte-König
Schule der dunklen Träume
Reihe: Liebe und Geheimnis
224 Seiten, broschiert
ab 12 Jahren
Thienemann Verlag
ISBN: 3-522-17607-3
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