Die weinende Susannah

Die weinende Susannah

Susannah ist 33. Aber von Neurosen und Zukunftsangst geplagt, versteckt sie sich bei ihrer Mutter, weigert sich, ihr eigenes Leben zu leben. Sie ist vollkommen anspruchslos und lebt mühevoll von einem Tag zum anderen. Veränderungen sind ihr ein Gräuel.
Doch dann trifft Besuch aus New York ein. Naor, ihr Vetter. Er nimmt keine Rücksicht auf Susannahs seltsames Verhalten. Ganz langsam entwickelt sich eine Freundschaft. Doch Susannah will mehr, sie verliebt sich in Naor. Sie entdeckt, dass die Welt mit ihren Möglichkeiten auch für sie noch eine ganze Menge mehr zu bieten hat, dass es sich lohnt, für ein selbstbestimmtes Leben zu kämpfen. Aber der Weg ist hart. Naor ist nicht dazu bestimmt, ihr Geliebter zu sein.

Die Autorin schildert die alltäglichen Sorgen und Nöte ausführlich und mit einer gewissen Ironie. Ein stimmungsvolles, beeindruckendes Buch, das nachdenklich stimmt und sensibel macht, für die Probleme anderer.

Rezension von Heike Rau

Alona Kimhi
Die weinende Susannah
Von einer jungen Frau, die ihr Leben endlich selbst in die Hand nehmen will
ISBN:3446202145
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Kreutzersonate

Kreutzersonate

Der blinde Musikkritiker Marius van Vlooten lernt bei den Salzburger Festspielen die talentierte Geigerin Suzanne Flier kennen. Ein junger Musikwissenschaftler beschreibt sie ihr und vor den blinden Augen van Vlootens entsteht ein phantasievolles Frauenporträt, Öl auf Leinwand. Van Vlooten verliebt sich in Suzanna vor dem Hintergrund der Kreutzersonate. Er ist verzaubert von ihrer Musik.
Aber eines Tages beginnt das Bild zu verschwimmen. Van Vlootens geschultes Ohr vermag auch die leisen Töne zu hören. Er glaubt, Suzanna hat ein Verhältnis. Er fasst einen teuflischen Plan, den er verspielt. Aber das Schicksal hat bereits entschieden.

Magriet de Moor hat einen faszinierenden ruhigen Art zu erzählen. Ihre Geschichte beginnt leise, aber die Lautstärke schwillt unaufhörlich an.
Der Leser glaubt zu ahnen, welches Ende die Geschichte nimmt, aber es ist dennoch eine Überraschung.

Rezension von Heike Rau

Margriet de Moor
Kreutzersonate
Eine Liebesgeschichte voller Musik und Leidenschaft
ISBN:3446202218
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Nexen

Nexen

Eine gänzlich neue Idee zum Thema, wieso die Saurier ausstarben, wozu wir Menschen da sind und wieso die Inquisition so Unrecht nicht hatte, präsentiert Bodo Kroll in seinem Buch „Nexen“. Um die Geschichte in Gang zu bringen, schickt er mal eben ein Kristallpilz-Bewusstsein in einen Menschenkörper. Dessen Seele soll während der Mission eigentlich nur „zwischengelagert“ werden, aber etwas geht schief.
Es geht überhaupt eine Menge schief in diesem Buch: Die Nexen – eine sich aggressiv vermehrende Spezies – vergessen, wo sie ihre Larven abgelegt haben, der Galaktische Jäger – der das Universum von den Nexen befreien will – stürzt ab, das Kristallpilz-Bewusstsein stirbt, der Menschenkörper stirbt, das Jäger-Bewusstsein stirbt, jede Menge namenlos bleibender Menschen sterben. Pläne gelingen nur augenscheinlich und dann wendet sich doch alles irgendwie zum Guten und gleich darauf wieder zum Unguten. Retter müssen grettet werden und versagen beim Retten der zu Rettenden…

Was hier so aufregend und hektisch klingt, wird dann jedoch in einem seltsam unspannenden Stil dargeboten. Nahezu die gesamte erste Hälfte des Buches braucht Kroll beispielsweise dazu, die Figuren zu platzieren.
Ab dann aber überstürzen sich die Ereignisse. Doch sie tun es auf eine sehr unsinnliche Weise: Kroll sagt, zählt auf, wiederholt hunderte Male längst Geklärtes. Vor allem aber stellt er Behauptungen auf, die der Leser mangels textlichem Beweis oder Gegenbeweis hinnehmen muss.

Zum Beispiel: Beim Abschluss einer Art Übereinkunft zwischen dem Ich-erzählenden Menschen, der inzwischen im Jäger-Körper steckt, und den Nexen, sagt sich der Mensch/Jäger, er habe schon oft erlebt, dass man den Nexen nicht trauen kann. Zum ersten: Wer den bisher als extrem egoistisch bezeichneten Nexen traut, muss blöd sein – ihnen nicht zu trauen ist also kein Zeichen von Cleverness sondern von durchschnittlicher geistiger Gesundheit. Zum zweiten: An keiner Stelle im Buch – vor dieser Feststellung – ist je die Rede davon, dass die Nexen den Jäger (bei einem Vertrag) übers Ohr gehauen hätten. Vom Menschen ganz zu schweigen – der kannte die Viecher vorher noch nicht mal!

Von solchen offensichtlichen Erzähl-Fehler einmal abgesehen: Die Figuren bleiben seltsam blass. Ihnen werden zwar Gefühle nachgesagt, doch die werden nicht sichtbar. Action ist der Daseinszweck der Figuren und darauf sind sie letztlich auch reduziert. Das Entsetzen, den Tod des eigenen Körpers oder den von Freund gewordenen Wesen zu sehen, beispielsweise wird in zwei, drei Zeilen abgetan. Selbst der Untergang der Menschheit wird zwar Katastrophe genannt, doch als solche einfach nicht fühlbar.

Das gesamte Buch ist durchzogen vom Eindruck der Nicht-Kontrolle. Pläne und Gegenpläne und Zufälle mischen sich zu einem Strudel von Ereignissen, in dem die Figruen hin und her geworfen werden. Selbst dem Autor entgleitet die Kontrolle offenbar etwas: Der Gute (Mensch/Jäger) gewinnt bei jedem Schachzug, den wir als Leser beobachten können. Da es aber am Ende schlimm ausgehen muss, kriegt der Leser schnell gesagt, dass im Hintergrund – also unsichtbar – die Bösen sich nicht an die Spielregeln hielten und Peng! war der Gute nicht mehr der Spielmacher sondern plötzlich nur eine Spielfigur im Plan der Bösen. Und weil das Ende dann offenbar doch nicht endgültig sein sollte, greift Kroll zum Kunstkniff „Parallel-Realitäten“ und siehe da: Es ist wieder alles offen! Da hat sich nun der Leser durch die ganze bizarre Handlung gekämpft und dann wird durch diesen Streich die Handlung – und damit auch unsere Mühe, ihr zu folgen – für (nahezu) nichtig erklärt: All dies ist/war gar nicht relevant für uns – in unserer Realität kann alles ganz ganz anders kommen…

Der gesamte Text wirkt wie der – wenn auch schon recht fortgeschrittene – Entwurf eines Romanes, wie der Hintergrund für etwas, was interessant sein könnte. Dass es in diesem Buch zudem an Rechtschreibmängeln, unfertig korrigierten Sätzen, absurden Absätzen und dergleichen verlegerisch und satztechnisch inakzeptablen Fehlern nur so wimmelt, komplettiert das Bild von Unfertigkeit.

Wer Action und SF-Ideen mag und über Form- und Erzählfehler hinwegsehen kann, für den ist „Nexen“ brauchbares Ideenfutter – immerhin war „Nexen“ für den diesjährigen Kurt-Laßwitz-Preis nominiert. Wer Vergnügen am Lesen sucht, sollte aber doch zu den Gewinnern des Preises greifen…

Bodo Kroll
Nexen
Faszinierende Idee zur Herkunft der Menschen. Interessanter Plot. Flacher Text.
ISBN:3897742047
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Ein Jahr am Meer

Ein Jahr am Meer

Ein kleines Juwel von einem Buch. Für Frauen. Und für Männer, die mit den Frauen wachsen wollen. Denen es nicht gleichgültig ist, wie es in ihren und anderen Frauen aussieht. Welche Frauen kennen nicht die Selbstzweifel, die wiederkehrenden Verzweiflungsattacken? Den Selbsthass, wenn sie sich im Spiegel sehen? Alle Artikel und Bücher, die uns empfehlen, uns selbst zu lieben, helfen uns nicht. Haben wir sie nicht schon in die Ecke geworfen? Brauchen wir nicht immer wieder Zuspruch, müssen uns Mut machen? Den wenigsten ist es doch gegeben, auszubrechen aus dem Alltag, den Belastungen, den Pflichten. Joan schafft es.Sie zieht ein Jahr allein an die Küste. Teilt manche Tage mit den Seehunden auf einer Insel weit draußen im Meer. Dorthin bringt sie ein Fischer aus der Kleinstadt am Nantucket Sund. Sie, die Journalistin, arbeitet in einem Fischmarkt und nennt dies WASSERTHERAPIE: Das Gurgeln und Plätschern der großen Wasserbassins um sie herum tut ihr einfach gut. Und erlebt einen Hummer, der sich in einer Ecke versteckt und sich dort häutet, unbemerkt und diskret. Er wartet dort ab bis zur Vollendung der Häutung. Eine Metapher für Joan und uns. Wir brauchen öfter das Alleinsein zum Häuten, zum Neuwerden. Sie hat das Privileg, daß die Familie ein kleines Haus an der Küste besitzt. Aber auch für die, die sich nicht in so ein Haus flüchten können, ist dieses Buch voller Impulse und Anregungen. Ohne, daß die Autorin dies gezielt einsetzen will. Wir selber erkennen, wie es sein könnte, auszubrechen aus den Gedankenmustern, die uns immer wieder nach unten ziehen. Denen wir erlauben, uns zu quälen. Wir können uns auch erlauben, einen Tag ganz für uns auszusparen. Und uns treiben lassen. Vielleicht eine persönliche Bilanz ziehen, wenn wir dies wünschen. Und diesen Tag in regelmässigen Abständen wiederholen. Und uns daran erinnern, daß wir eine verlorene Vision wiederbeleben können. Vielleicht haben wir sie mal aus den Augen verloren. Wir tragen sie aber in uns und niemand kann sie uns wegnehmen.
Sollte es sich so anhören: dieses Buch ist kein Lehrbuch!

Joan Anderson
Ein Jahr am Meer
Ein Jahr für immer
ISBN:342324206X
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Die Gespensterkoppel

Die Gespensterkoppel

Eigentlich geht es im Stall von Pferdeprofessor Bim, dem Zwergmuli Herr Cerny und den drei Pferden Jarka, Miranda und Anton ganz normal zu.
Doch dann bezieht Amanda Böckshörndl, eine Bergziege, Winterquartier im Stall und nichts ist mehr so wie es war.
Die Bockshörndl ist nämlich etwas seltsam. Sie kennt sich mit Geisterbeschwörung, Orakeln und Zauberei aus und beginnt Gruselgeschichten zu erzählen. Schon zieht ein Heumonster, ein Pferd mit zwei Köpfen und der ruhelose Hufschmied durch den Stall. Kein Wunder, dass die Tiere vor Angst beginnen, sich merkwürdig zu verhalten.

Gruselspaß für Tierfreunde ab 8. Die Geschichte ist sehr spannend und unterhaltsam aus der Sicht der Tiere erzählt und wird durch lustige Illustrationen aufgelockert. Besonders neugierig machen die liebevollen Beschreibungen der einzelnen Tiere am Anfang des Buches.

Rezension von Heike Rau

Christiane Holler (Autorin), Brigitta Heiskel (Illustratorin)
Die Gespensterkoppel
Ziege Bockshörndl sorgt mit Gruselgeschichten für Zähneklappern im Pferdestall
ISBN:3851911725
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Die Höhle

Die Höhle

Die Psychologin Helen Myrer hat sich ausgerechnet ein einsames, abgelegenes Ferienhäuschen zum Urlaub machen ausgesucht. Keine Sekunde kann sie die Ruhe genießen, denn in der Vorratskammer lauert ein Mann mit einem Schlachtermesser in der Hand. Sie sieht ihn nur aus den Augenwinkeln. Da er sich nicht sofort auf sie stürzt, hofft sie, entkommen zu können. Doch dieser Mann ist ein hochintelligenter Psychopath, der jeden ihrer Schritte genau vorausgeplant hat. Helen besinnt sich immer wieder auf ihr psychologisches Wissen, immer wieder umsonst. Ihre Gedanken scheinen seine Gedanken zu sein. Systematisch zerstört der Killer ihren Willen, ihr Selbstbewusstsein und ihre Hoffnung, um sie auf das Ende vorzubereiten.

Die Spannung in diesem Thriller ist schwindelerregend. Fieberhaft folgt man Seite um Seite, kann die Brutalität, aber auch die ausgeklügelte Raffinesse, mit der der Täter vorgeht, nicht fassen.

Rezension von Heike Rau

Anne McLean Mathews
Die Höhle
Schweißtreibender Thriller um einen raffinierten Serienkiller
ISBN:3809024147
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Korrekturen

Korrekturen

Dieses Buch, über das schon so viel geschrieben und gesprochen worden ist, gehört zu den großartigsten, die in letzter Zeit zu entdecken waren.

Das Leben von Al und Enid bilden den Kern der Erzählung. Wir erleben sie im kleinbürgerlichen Milieu des Mittelwestens der Vereinigten Staaten.
Ihre Kinder Gary, Chip und Denise, 60 ziger Jahre Kids, Banker der eine , verkrachter Professor der andere und Edelrestaurantköchin die Tochter, geben die Umrahmung für eine Schilderung, in der die amerikanische Familie und damit die Gesellschaft mit der Lupe seziert wird.
Es geht nicht immer gut zu in dieser Gesellschaft, beileibe nicht!
Garys Ehe mit Caroline kriselt, Chip wird aus seiner Lehrtätigkeit gefeuert, weil er eine Affäre mit einer Studentin hatte, und Denise ist mal in eine hetero-und mal in eine homoerotische Beziehung mit den Partnern eines miteinander verheirateten Paars verwickelt.
Enid redet viel und gerne unnützes Zeug, Al leidet an beginnender Altersdemenz, was bei seiner lebenslänglichen mürrischen Starrsinnigkeit zunächst gar nicht so groß auffällt.
Enids größter Wunsch ist , noch einmal ein gemeinsames Weihnachtsfest mit ihren Kindern und Enkelkindern zu feiern. Dieses Ziel hält die Rahmenhandlung zusammen, in der es auch um Old und New Ökonomie geht und in der die Verwerfungen aller traditionellen Bindungen ihre Offenbarung erleben.
Man kann unsere heutige Gesellschaft, nicht nur die amerikanische, in allen Zügen wiedererkennen. Ob es die Paarbeziehungen, die Eltern-Kindbeziehung oder Geschwisterrivalitäten sind,–der Leser wird bei genauem Hinsehen immer auch Stücke des eigenen Lebens in diesem Roman wiederfinden.
Das Buch ist humorvoll und traurig zugleich, denn es entlarvt einen gesellschaftlichen Zustand, in dem jeder nur an sich selber denkt, in dem es keine wirklichen Verpflichtungen gibt, in der die Familie ohne die traditionellen Bindungen und Zwänge eine totale Vereinsamung des Einzelnen erkennen läßt.
Der langsam in Demenz versinkende Vater, die um ihr selbständiges Leben ringende Enid sind traurige Beispiele für den Preis, den wir für unseren Fortschritt zahlen und für den nicht aufhaltbaren Zerfall familiärer Strukturen. Chip und Denise sind um die Eltern bemüht. Sie sehen aber mit Grauen, was da alles geschieht.
Schonunglos und offen sehen wir unsere Wirklichkeit.
Tenor des Inhalts ist das Bemühen aller Figuren, „Korrekturen“ an den eigenen Lebensentwürfen vorzunehmen. Daß das nicht gelingen kann, sondern daß jeder “ nur ein Leben und einen
Tod “ hat, ist die schlußendliche Weisheit, die man aus diesem Buch mitnehmen kann. Ein zugleich tröstliches und auch resignierend anmutendes Ende.
Abgesehen von gelegentlichen Längen finde ich das Buch großartig, packend , erschütternd und zuweilen erheiternd zugleich.
Unbedingt empfehlenswert!
Claudine Borries

Jonathan Franzen
Korrekturen
Ein mit kritischen Blick geschriebener Gesellschaftsroman
ISBN:3498020862
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Das Spiel des Löwen

Das Spiel des Löwen

Der gefährliche Terrorist Assad Khalil, genannt „Der Löwe“, wird am New Yorker Flughafen JFK von einer Sondereinheit, zu der auch Expolizist John Corey und seine aufreizende Kollegin Kate Mayfield gehören, erwartet.
Doch schon einige Zeit vor der Landung der Maschine bricht der Funkkontakt ohne Grund ab.
Die Maschine landet scheinbar mit Autopilot, aber niemand steigt aus.
John Corey handelt, aber Khalil hat sich einen grausamen Plan zurechtgelegt und entkommt, trotz der sofort eingeleiteten Maßnahmen.
Correys Jagdinstinkt erwacht. Aber Khalil ist gut vorbereitet, gut ausgerüstet und geht über Leichen, um Rache zu üben. 1986, als die Amerikaner einen Angriff auf Libyen flogen, verlor er, gerade 16jährig, seine Familie.
John Correy, immer einen Macho-Spruch auf den Lippen, ahnt, was Khalil wirklich vor hat und tut alles, um das Blutbad zu stoppen.

Ein raffinierter Thriller, der unter die Haut geht. Mit atemloser Spannung erzählt der Autor seine Geschichte, gekonnt aufgelockert, durch die sarkastischen und witzigen Sprüche des Expolizisten Corey, der diesmal eine Frau als Vorgesetzte akzeptieren muss.

Rezension von Heike Rau

Nelson DeMille
Das Spiel des Löwen
Expolizist John Corey jagt einen brandgefährlichen Terroristen
ISBN:3550086024
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Kurt Wallanders erster Fall und andere Erzählungen

Kurt Wallanders erster Fall und andere Erzählungen

Was Sie schon immer über Kurt Wallander wissen wollten…

Wallanders erster Fall und andere Erzählungen

Kurt Wallanders scheinbar unscheinbarer Nachbar wird erschossen. Kurz vor seinem Tod hat er noch Edelsteine geschluckt. Ein Mann steigt in ein Taxi und verlässt es nicht mehr lebend. Der Tod eines Fotografen gibt Rätsel auf. Eine zunächst unidentifizierbare Sportmaschine stürzt ab, zwei harmlose Schwestern, die ein Handarbeitsgeschäft betreiben, werden hingerichtet und Kurt Wallander muss seinen Vater aus dem ägyptischen Gefängnis holen.

In vier Kurzgeschichten (die bereits früher und an anderer Stelle in Schweden veröffentlicht worden sind) und einem nahezu ausgewachsenen Roman präsentiert Mankell uns den ganz jungen Polizeianwärter Kurt Wallander: Wie er zur Mordkommission kommt, wie und warum er beinahe erstochen wird und wie er und Mona sich kennengelernt haben.

Mankell arbeitet hier auf vielfachen Leserwunsch Wallanders Biografie auf und füllt Lücken. Die letzte Geschichte, „Die Pyramide“, knüpft nahtlos an den ersten richtigen Wallander-Roman, „Mörder ohne Gesicht“, an.

In „Die Pyramide“ beweist Mankell gar humoristisches Talent, wenn er von Wallanders Vater erzählt, der die Cheopspyramiden besteigen wollte und deshalb im Gefängnis landet sowie von Wallanders Reise nach Ägypten, um seinen Vater gegen Kaution auszulösen.

Stärkste Geschichte ist aber vielleicht die Episode „Der Mann mit der Maske“. Die Erzählung weist in nuce all jene psychologischen Beobachtungen auf, die die Wallander-Krimis auszeichnen. Hier verdichtet Mankell die ganze Komplexität einer Lebens- und Mordgeschichte zu einer eindrucksvollen Momentaufnahme.

Dennoch sind die Erzählungen im Vergleich zu den Romanen um Kurt Wallander schwach. Mankell schafft es – mit Ausnahme der oben genannten Erzählung und „Die Pyramide“ – in der Kürze nicht, all das zu transportieren, was die Wallander-Krimis sonst auszeichnen: Atmosphärische Dichte, Spannung, Entfaltung der Psyche von Tätern, Opfern und Polizei sowie die Reflexion auf Zeit und Gesellschaft.

„Wallanders erster Fall“ ist eine leichte Lektüre für laue Sommerabende oder faule Tage am Strand. Sie strengt nicht an, ist nett zu lesen und mal mehr, mal weniger unterhaltsam – aber unverzichtbar für alle Wallander-Fans, die ihre Sammlung komplettieren wollen.

Henning Mankell
Kurt Wallanders erster Fall und andere Erzählungen
Für echte Wallander-Fans: Der Band schließt biografische Lücken, ist aber bei weitem nicht so stark wie die Romane
ISBN:3552051872
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Ein perfekter Freund

Ein perfekter Freund

Martin Suter hat mit dem vorliegenden Roman eine sehr eigenwillige und kapriziöse Geschichte erzählt.

Der Journalist Fabio Rossi wacht nach einer Kopfverletzung in einer Klinik auf und kann sich an die letzten fünfzig Tage seines Lebens nicht mehr erinnern.
Er bemüht sich verzweifelt, die Erinnerung an sein Leben vor dem Gedächtnisverlust wiederzufinden.
So entdeckt er , daß er zwei Frauen, Marlen und Nora, zu Gefährtinnen hat. Die eine, Nora, war es, Marlen ist es jetzt.
Nora , die er liebt und als seine richtige Freundin betrachtet, ist aber jetzt mit seinem engsten Freund Lucas Jäger liiert.
Fabio hat angeblich seinen Job bei einer Zeitung gekündigt, kann sich aber natürlich auch daran nicht erinnern.
Sein Freund Lucas spielt eine undurchsichtige Rolle bei der Suche nach seiner verloren gegangenen Erinnerung.
Langsam zieht sich ein Netz aus Mißtrauen, Spekulationen und Halbwahrheiten zusammen, mit dem Fabio diesen guten Freund Lucas der Untreue und der Intrige verdächtigt.
Schlußendlich gerät Fabio bei der Suche nach einer wahren Geschichte um einen Lebensmittelskandal, der von der Presse der Öffentlichkeit vorenthalten werden soll, an seine eigene Geschichte.
Es wäre kein guter Krimi, wenn sich die Fäden zu einfach entwirren ließen.

Suter berichtet über diesen Kriminalfall detailgetreu und mit großer Sachkenntnis. Er malt ein Bild um die verschlungenen Schicksalswege des Menschen und um die Scheuklappen, mit denen zuweilen einige ihre eigene Lebenssituation verkennen.
Fabio ist ein Mensch in zwei Personen und das macht dem Roman zu einem besonderen. Das Entwirren der zwei Identitäten ist eine spannende Suche nach dem wahren Selbst, den guten und den negativen Eigenschaften in der Person des Fabio Rossi.
Es ist die hohe Kunst des Schreibens, der wir in dieser Form begegnen und ein sehr lesenswertes Buch, das den Leser zum Mitdenken anregt.
Claudine Borries

Martin Suter
Ein perfekter Freund
Identitätssuche in einer verworrenen Welt
ISBN:3257063067
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