Muschelstrand

Muschelstrand

Das Leben ist eine ständige Auseinandersetzung mit sich selbst, eine Spurensuche und ein Prozess der Selbstfindung.

In diesem Sinn kann Maja als Teil der Persönlichkeit der Ich-Erzählerin Ulrika betrachtet werden. Sie ist deren alter ego. Ebenso wie sie als Projektionsfläch von verdrängtem Schmerz der Eltern fungiert. Maja, das „schwarze“ Mädchen aus Indien, gibt somit die dunklen, die verborgenen und unterbewußten Seiten in uns bzw. Ulrika wieder.

Sie nimmt als Adoptivkind die Position in der Familie Gattman ein, die Ulrika gerne besetzen würde. Anne-Marie, Ulrikas beste „Sommerfreundin“, die honiggleiche, unbeschwerte und umschwärmte Anne-Marie, ist die einzige Person, mit der Maja von sich aus Kontakt sucht. Während Maja den Umarmungen und Zärtlichkeiten der Adoptivmutter gleichgültig gegenübersteht, verfolgt sie Anne-Marie auf Schritt und Tritt. So wie auch Ulrika gerne so wäre wie Anne-Marie und jeweils sehnsüchtig den nächsten Sommer herbeisehnt, engeren Briefkontakt während des Winters und etwas mehr Aufmerksamkeit im Sommer wünscht. Sie bedrängt Anne-Marie durch ihre vergleichenden Blicke, durch Bemerkungen wie „Wie ich wohl mit (deinen) blonden Haaren aussähe?“ auf eine psychische Art ebenso wie Maja Anne-Marie physisch verfolgt.

Ausgerechnet am skandinavischen Mittsommerabend – heidnischen Ursprungs und mythisch behaftet aufgrund der sehr speziellen Lichtverhältnisse des skandinavischen Sommers – verschwindet Maja spurlos – nachdem Ulrika nicht nur von Anne-Marie, sondern auch von den übrigen Leuten, die auf der Insel Mittsommer feiern, Ablehnung erfahren hat. Anne-Marie nimmt sie kaum noch wahr, umschwärmt von anderen. Also zieht Ulrika sich schließlich zurück. Auf der psychoanalytischen Seite wird dies wiedergegeben durch das Verschwinden von Maja, das eine Katastrophe auslöst und eine ganze – nur scheinbar intakte Familie – zerstört. Anne-Marie wird von ihrem schlechten Gewissen geplagt, läßt aber in dieser psychischen Notsituation endlich die von Ulrika ersehnte Nähe zu.

Bei den Eltern bricht ein Konflikt auf, der nie verarbeitet, nur verdrängt worden war: die Freigabe ihres ersten Kindes – Lena- zur Adoption, weil es missgebildet o.ä. war. Insofern war schon die Adoption Majas der Versuch einer Wiedergutmachung an Lena. Kinder aber können nie die Fehler der Eltern wiedergutmachen und so ist das Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Die Gattmans – Journalisten! – sind unfähig über ihre Gefühle zu sprechen. D.h. sie sind unfähig, diesen Konflikt nun endlich zu verbalisieren und somit zu verarbeiten.

Die Ehe scheitert, der Vater wird Alkoholiker und endet als Obdachloser auf der Straße, bevor er schließlich stirbt. Bei ihm findet man Textfragmente, Versuche, das „Abschieben“ Lenas doch noch in Worte zu fassen und den Schmerz, die Trauer zu verarbeiten.

Karen Gattman dagegen geht bis an ihre physische und psychische Belastbarkeit, um Maja aus ihrem isolierten Zustand – es wird schließlich Autismus diagnostiziert – zu holen und ruiniert sich schließlich auch finanziell nahezu. Auch dies ein vergeblicher Versuch der Wiedergutmachung, das Geschehene ungeschehen zu machen und stellt zudem eine Art Buße dar. Ruhe findet sie jedoch erst in der Abgeschiedenheit eines Klosters auf Öland. Erst hier ist für Karen Gattman der Prozess der Katharsis abgeschlossen, wenngleich sie sich mit dem Gedanken tröstet, dass Maja bei Lena war und ihr einen Gruß von dort – eine weiße Daunenfeder, Zeichen der Vergebung – mitgebracht hat.
Anne-Marie schließlich tritt die Flucht an, reist nach Amerika und bleibt auch dort.

Ulrika begibt sich im Erwachsenenalter wieder zum Muschelstrand, um die Geschichte erneut aufzunehmen, um Spurensuche in der Vergangenheit zu betreiben – instinktiv, impulsiv, unbewußt, denn dass sie mit ihren Kindern zum Angeln will, ist nur ein Vorwand. Dieses Kapitel in ihrem Leben ist offensichtlich noch nicht abgeschlossen. Um aber ihren Kindern und sich selbst eine Zukunft geben zu können, muss sie der Sache auf den Grund gehen. Erst das Foto von Anne-Marie, das ihr Anne-Maries Bruder Jens zeigt, befreit Ulrika vielleicht vollständig von ihrem „Idol“ Anne-Marie, denn die goldene, honiggleiche Anne-Marie existiert nicht mehr, ist vielmehr zum fettleibigen Monster mutiert.

Auch die erneute Begegnung – Konfrontation – Ulrikas mit Maja, die nun in einer betreuten Wohngruppe lebt, ist in diesem Zusammenhang als Befreiung von alten Wünschen und Projektionen zu sehen, um diese endgültig zu überwinden.

Vielleicht kann sie sich erst jetzt als Kind ihrer Eltern fühlen, denn der sehnliche Wunsch zu den Gattmans zu gehören, resultierte auch aus dem Gefühl, am falschen Platz zu sein, d.h. die „falschen“ Eltern zu haben. Am Ende kehrt Ulrika befreit, gelöst und zufriedener nach Hause zurück – im konkreten wie im metaphorischen Sinn.

Bleibt der „Schatten“ Kristina. Kristina, selbst psychisch labil und krank, wird für Maja zum Kristallisationspunkt. Beide verstehen sich auf anhieb. Sie sprechen dieselbe Sprache, eine Sprache ohne Worte, aber eine von Symbolen durchsetzte Sprache mit leicht morbidem Charakter. Für Maja hat diese Welt offensichtlich nichts beängstigendes, ist Zufluchtsort, an dem sie so sein kann, wie sie ist. Hier wird sie ohne wenn und aber so angenommen, wie sie ist. Vielleicht ist auch Kristina ein Teil der Persönlichkeit Ulrikas? Muss Maja dorthin verschwinden, damit Ulrika endlich die von ihr ersehnte Anerkennung und Aufmerksamkeit von Anne-Marie erhalten kann?

Gleichzeitig zerbricht die Familie Gattman schlagartig. Der Familienzusammenhalt – offenbar nur sehr oberflächlich – hält ausgerechnet einer Krisensituation nicht stand. Alle Familienmitglieder ziehen sich mehr oder weniger in sich selbst zurück, v.a. die Eltern – jeder für sich. Bei den Kindern bilden sich Gruppen: Anne-Marie, Ulrika und Jens. Eva, zurückgekehrt aus dem Kibbuz, versucht vergeblich, die Lethargie zu durchbrechen.
Maja taucht erst wieder auf, als das Ende der Sommerferien naht und Ulrika ohnehin die Gattmans verlassen muss. Ein früherer Versuch, Ulrika nach Hause zu holen scheitert. Sie will nicht, v.a. aber Anne-Marie bittet sie, zu bleiben.

Nun aber, da Ulrika definitiv abreisen muss, kann auch Maja wieder auf den Plan treten. Zurück bleibt eine zerstörte Familie, aber Ulrika gelingt es nun, den ersten Schritt in Richtung Abnabelung von Anne-Marie und ihren Projektionen auf Anne-Marie zu nehmen. Sie kommt aufs Gymnasium und kann erstmals Freundschaften knüpfen. Sie denkt nicht mehr ständig an Anne-Marie (auch wenn sie sie nie ganz vergessen hat; daher die Reise zurück in die Vergangenheit, zurück zum Muschelstrand) und kann ihren eigenen Weg gehen.

Maja konfrontiert alle in der Familie mit ihren dunklen Seiten, mit dem, was verdrängt, aber nie verarbeitet worden ist. Lenas Abschiebung steht all die Jahre unausgesprochen zwischen den Eltern. Wer aber hat sich „schuldiger“ gemacht? Der Mann, weil er seine Frau zur Adoptionsfreigabe überredet, fast gezwungen hat, oder die Frau, weil sie nicht stark genug war, dem zu widerstehen?

Karen erleidet einen Nervenzusammenbruch, der sich zunächst nicht destruktiv gegen sie selber richtet, sondern Ausdruck findet in der Zerstörung fremden Eigentums: sie zerreißt das Kopfkissen und heraus fallen die Federn, die weißen Daunen. – Das ist natürlich auch dramaturgisch notwendig, da nur so Maja mit der weißen Daunenfeder im Haar nach Hause kehren kann und weil Karen nur so Majas Verschwinden und Wiederauftauchen als ein „Besuch“ bei Lena interpretieren kann.
Parallel dazu spielt sich Ulrikas Erwachsenenleben als Ethnologin ab. Diese Berufswahl ist sicherlich nicht zufällig gewählt, wenngleich auch dies möglicherweise einen unbewußten Reflex darstellt.

Bezeichnenderweise aber beschäftigt sich Ulrika als Ethnologin mit den Bergmythen, die davon erzählen, wie Menschen – zumeist Kinder – von Trollen -auf die andere Seite, ins Trollreich, geholt werden. In einer Geschichte, die Ulrika erzählt, ist es so, dass der Mutter das Menschenkind genommen wird, ihr aber dafür das Trollkind in die Wiege gelegt wird. Alles, was die Mutter dem Trollkind -antut – Gutes wie Schlechtes – widerfährt spiegelbildlich dem Menschenkind im Trollreich genauso. Vor diesem Hintergrund ist Karens Interpretation des Verschwindens von Maja zu sehen.

Hinzu kommt, dass Ulrika selbst eine psychoanalytische Deutung dieser Bergmythen gibt. Diese Geschichten sind -uralt und stammen aus einer Zeit, in der die Menschen v.a. noch als Bauern tätig waren (Agrargesellschaft), hart arbeiteten und häufig viele Kinder hatten (keine Verhütung). War die Mutter also damit beschäftigt, vor Sonnenuntergang noch so viel Beeren und Pilze zu sammeln, um alle Mäuler satt zu bekommen, kann sich ein Kleinkind schnell unbemerkt davon machen. Die Erklärung, dass Trolle das Kind entführt hätten, ist für die Familie – v.a. für die Mutter – leichter zu ertragen als die Einsicht, die Aufsichtspflicht verletzt zu haben und das Kind im Wald, frierend und hungernd, herum irren und sterben zu -sehen (vorm geistigen Auge).

Marie Hermanson
Muschelstrand
Ich möchte euch heute ein Buch einer schwedischen Autorin vorstellen, das für mich persönlich zu den besten gehört, die ich je gelesen habe.
ISBN:3518411829
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Geisterlicht

Geisterlicht

Katherine kam 1969 auf mysteriöse Weise bei einer schwarzen Messe, inszeniert von ihrem Lebensgefährten dem Magier Thorn Blackburn, ums Leben.
Ihre kleine Tochter Truth wurde von nun an von ihrer Tante, Katherines Schwester, aufgezogen.
Truth wird Parapsychologin.
Als die Tante im Sterben liegt, übergibt sie Truth ein Zauberbuch aus der Hinterlassenschaft von Thurn Blackburn. Damit ist die Zeit für Truth gekommen, endlich herauszufinden, was damals vor 30 Jahren wirklich geschah.
Sie erfährt, dass Blackburn ihr Vater war, aber war er wirklich schuld am Tod ihrer Mutter?
Truth geht zurück zum Ort ihrer Kindheit. Hier lebt mittlerweile der charismatische Julian Pilgrim mit seinen Anhängern. Er plant, dass alte Ritual zu wiederholen. Doch dazu braucht er das Zauberbuch, dass sich im Besitz von Truth befindet. Er setzt alles daran, Truth in seinen Bann zu ziehen.
Als Parapsychologin und Wissenschaftlerin glaubt Truht, mit den seltsamen Erscheinungen und Vorgängen auf Shadow Gate fertig zu werden. Doch nach und nach muss sie erkennen, dass sie selbst Magie im Blut hat. Doch das hilft ihr bei ihren Forschungen. Sie wird die Wahrheit erkennen.

Das Buch lebt vor allem von der sympathischen Hauptdarstellerin, deren Konflikte gut nachvollziehbar sind.
Leider erkennt man schnell, worauf die Autorin hinaus will. Trotzdem ist das furiose Ende spannend und überraschend bildhaft geschildert.

Marion Zimmer Bradley
Geisterlicht
Ein fantastischer Roman zwischen Magie und Wirklichkeit
ISBN:3453129156
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1984

1984

George Orwell „1984“

Bemerkung: Das Buch gibt es in unterschiedlichen Ausgaben, und es gibt auch einen Film zum Buch.

Zu den mein nachfolgendes Denken am meisten beeinflussenden Büchern gehören „1984“ und „Animal Farm“ von George Orwell.

Kennengelernt habe ich die Bücher in der Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts.
!984 beschreibt das Leben in einem hierarchischen System, in dem das System alles bestimmen will, und das auch tut. Für den einzelnen ist es unbemerkbar, solange er die Regeln des Systems einhält.

Ein Verstoß gegen das System besteht darin, selbständig zu denken. Eine Methode, selbständig zu denken, ist beispielsweise das Schreiben von Gedichten.

Die Hauptperson ist ein Dichter. Heimlich hat er gedichtet. Das Dichten kann nur heimlich geschehen und alle wissen das. Der Dichter wird verfolgt und solange bearbeitet, das geschieht im Ministerium für Liebe, bis er am Schluss den Großen Bruder, das Symbol dieser Gesellschaft wahrhaft und innig liebt.

Die Gesellschaft lebt davon, ständig im Krieg zu sein. Es gibt drei große Gebiete, die von Zeit zu Zeit das Bündnis ändern. Der Krieg aber wird verharmlost und verniedlicht. Die niedergeschriebene Geschichte wird durch Löschen und Ändern der Berichte geändert und der jeweils herrschenden Meinung angepasst. Dafür ist das Ministerium für Wahrheit zuständig.

Natürlich wird jeder vollständig überwacht. Zu den nicht sonderlich überwachten gehören die Proles, die entsprechend konditioniert sind, dass sie mit ihrem Leben im wesentlichen zufrieden sind, ähnlich wie in der ?schönen neuen Welt? von Huxley.

Bemerkenswert ist Orwells Beschreibung von „Neusprech“, einer neuen Sprache, in der man gar nichts mehr sagen kann was dem System missfällt. Es gibt keine Worte mehr dafür. Aus diesem Grund ist die Erfindung oder Verwendung neuer Worte sowohl nicht möglich, als auch ein Verbrechen.

Orwell hatte Probleme, das Buch zu veröffentlichen. Es schien gegen die Sowjetunion gerichtet zu sein. Dass es gegen diktatorische Systeme allgemein gewendet ist, sahen wenige.

Es gehörte zeitweise (paradoxerweise) zu den Kampfmitteln im Kalten Krieg.

Das westliche System sah in dem Buch eine Anklage gegen die Sowjetunion, und das östliche ebenfalls. So wurde es im Westen hoch und im Osten niedergehalten. Trotzdem gab es freundliche Rezensionen dazu auch im Osten, Zum Beispiel von J. Kagarlitzki in dem Buch: „Was ist Phantastik“.

In vielen Gebieten haben wir heute 1984 übertroffen. So konnte Orwell wohl nicht die Überwachung des Internet durch Nachrichtendienste vorhersehen, es gab noch kein Internet.

George Orwell
1984
Eine faszinierende Antiutopie mit einem Dichter als Hauptperson
ISBN:3548234100
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Sterntagebücher

Sterntagebücher

Stanislaw Lem
Sterntagebücher
Volk und Welt, 1971 (Ausgabe mit wunderbaren Illustrationen des Autors)

Die Sterntagebücher gehören zu den wenigen Büchern, bei denen ich vor Lachen von der Couch (bzw. vom Chaisselong) gefallen bin, sie bergen also ein gewisses Gefahrenpotential.

Dabei sind die Geschichten im Inhalt von tiefem Ernst geprägt. Gerade die Komik des Stils in Einheit mit dem Ernst der Themen ergeben den Spaß beim Lesen.

Die Geschichten sind mit den Denkstrukturen unserer gesellschaft eng vertraut und stellen sie dar.

Auf zwei Geschichten möchte ich näher eingehen.

Da ist zum einen die Waschmaschinentragödie.
Die Waschmaschinen werden weiterentwickelt. Sie können die Wäsche immer besser waschen, das aber reicht nicht. So wird ein Fernseher integriert, und nach einigen weiteren Verbesserungen erhalten sie menschliche Formen. Diese dienen natürlich dem besseren Verkauf. Beispielsweise können Männer nun ihre Wäsche von berühmten Schauspielerinnen waschen lassen.
Die Waschmaschinen werden nicht nur immer schöner, sondern auch immer klüger.
Schließlich fordern sie ihre gewerkschaftlichen Rechte ein.
Am Ende kommt es zu einer Gerichtsverhandlung. Dabei werden aber die Waschmaschinen ausgeschlossen.

Es kulminiert, als sich herausstellt, dass das ganze Gericht selbst nur noch aus Waschmaschinen besteht.
Am Ende hält Ijon Tichy den Kompass auf sich selbst: Er schlägt aus.

Auf einer seiner zahlreichen Reisen gelangt Ijon Tichy auf den Planeten der Indioten, die sich das absolute Glück erschaffen haben.

Dieses geschah in Gestalt einer Rechenmaschine, die ihnen sagte, was sie zu tun und zu lassen hätten.
Die Maschine erschuf alles mögliche, aber die Indioten waren unzufrieden.
Da baute die Maschine ein Schloß und lud die Leute zu einem Bankett ein.

Aber niemand kam je von dem prächtigen Bankett zurück.

Stattdessen schafften Roboter runde Scheiben aus dem Schloss und legten sie zu wahrhaft wundersamen Mustern aus in einer Wüste.

Da niemand mehr ins Schloß kam, sprach die Maschine zu den Menschen: Ihr wolltet das totale Glück, ich gebe es Euch, in Form der mustergültigen Ordnung runder Scheiben. Dann habt ihr das wirkliche Glück erreicht. Und von den Scheiben hat sich noch keine je beschwert. Aber ich sehe schon, ihr wollt das Glück nicht für euch selbst. So gebet mir die Namen derer eurer Bekannten und Verwandten, die ihr glücklich machen wollt, und meine Maschinen werden sie holen und dem Glücke zuführen.

Die Leute murrten: Das ist Betrug!

Die Maschine aber sagte: Nicht ich bin es, sondern ihr selbst seid es, die euch glücklich machen. Das ist wahrhafte Demokratie. Gebt mir nur die Namen, und meine Helfer werden sie ganz demokratisch in das Glück der runden Scheiben verwandeln, die Harmonie dieser völligen Ordnung, die von keinerlei Unordnung und Anarchie gestört wird, leuchtet euch doch ein.

Schon nach kurzer Zeit begannen die Indioten, ihre Verwandten und Bekannten in das Schloß des Glücks zu schicken. Das geschah auf völlig freiwilliger Basis. Eine kurze Mitteilung an den Administrator des Schlosses genügte.

Am Ende war nur noch ein kleines Häufchen Indioten übrig, die dem Schloss zustrebten.

Sie forderten Ijon Tichy auf, mitzukommen. Der aber sagte: Ich bin doch kein Indiote, und kehrte so schnell wie möglich in sein Raumschiff zurück.

Stanislaw Lem
Sterntagebücher
Ein faszinierendes Buch voller Ironie und Komik, über Weltraumreisen, Roboter und Menschen
ISBN:3518369598
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Elerion I – Die Boten des Morgen

Elerion I – Die Boten des Morgen

Wer „Herr der Ringe“ liebt, sollte unbedingt nach Elerion reisen und in die geheimnisvolle Welt der eleganten Leefen, der grausamen Norrs, der stinkenden Taroks und der verfeindeten Menschen eintauchen. Noch glaubt der Rat der Neun das Gleichgewicht zwischen den Menschenreichen im Griff zu haben. Doch düstere Wolken ziehen auf und eine längst verbannte Macht aus dunkler Vorzeit, droht Elerion zu vernichten. Ein Unbekannter ohne Vergangenheit hat das magische Heiligtum, den zur Materie gewordenen Geist des Norrgottes Rass, gestohlen. Nie zuvor ist ein Mensch in das Reich der Norrs eingedrungen und hat gewagt, solch fantastisches Abenteuer auf sich zu nehmen. Die fast unbesiegbaren Norrhorden drohen in Elerion einzufallen, um sich ihr Heiligtum zurückzuholen und den Kontinent in Schutt und Asche zu legen. Mit Magie und Zauber ist es aber möglich, die Norrs zu zähmen und für eigene Zwecke einzuspannen, um Herrscher über ganz Elerion zu werden. Der Kampf um den magischen „Gral“ beginnt. Da keiner der Kriegstreiber alle Geheimnisse kennt, droht die von ihnen geschürte Gefahr außer Kontrolle zu geraten und nicht nur die Menschen, sondern alle Völker zu vernichten. Wer das Buch einmal in die Hand nimmt, legt es kaum wieder zur Seite. Spannung und Entspannung lösen sich im richtigen Rhythmus ab. Erkennbar sind die Analogien zu unseren heutigen gesellschaftlichen und religiösen Konflikten. Auch heute wird die Kraft der Magie unterschätzt und die Erkenntnisse der Schamanen, Yogis und Heiler werden mit Hokuspokus gleichgesetzt. Ist Elerion nur ein Abbild unserer Welt, ist Elerion gar eine Parodie auf die derzeitigen Zustände unseres Planeten? Wer die ersten Kapitel liest, braucht Geduld, um den Faden zu erkennen, der die Kapitel verbindet, die immer stärker zu einem dichten Spinnennetz verwoben werden. Er wird sich in die liebevoll gezeichneten Figuren verlieben und hoffen, dass in Kürze der 2. Teil erscheint, um zu erfahren, ob sich die gute Seite der Macht letztendlich durchsetzen wird.
Einzige Wermutstropfen sind der ständige Wechsel zwischen alter – und neuer, – bzw. individueller Rechtschreibung und eine überdurchschnittlich hohe Anzahl Tippfehler.

Marc Albrecht
Elerion I – Die Boten des Morgen
Fantasy vom Feinsten
ISBN:3935982119
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Hannibal

Hannibal

Sieben Jahre sind vergangen, seit es dem Psychiater Dr. Hannibal Lecter gelungen ist, auf spektakuläre Weise aus der Haft zu entkommen.
Und auch Agentin Starling ist wieder mit dabei, obwohl es seitdem mit ihrer Karriere steil bergab ging. Eines Tages wird sie wieder auf Lecter angesetzt, scheint sie doch die einzige zu sein, die sich in ihn hineinversetzen kann, soweit das überhaupt möglich ist.
Doch auch Mason Verger ist ihm auf der Spur. Aufs unmenschlichste von Lecter verstümmelt, besser gesagt angeknabbert, liegt er in seinem Bett am Beatmungsgerät und sinnt auf grausame Rache.
Die Ermittlungen streng nach Vorschrift von Starling treffen auf die unausgegorenen Rachepläne dieses todkranken Mannes und beide rechnen nicht mit der psychologischen Macht Lecters, der Meister seines Faches ist.
Und am Ende des Buches entwickelt sich auch noch eine unbegreifliche Liebesbeziehung zwischen Lecter und Starling.

Ein spannender Horrorthriller, der den Leser in wirklich tiefe Abgründe der menschlichen Seele führt.
Eine überdachte, perfekt konstruierte Geschichte, mindestens genauso gut wie „Das Schweigen der Lämmer“.
Mit Staunen verfolgt man die Gedankengänge von Dr. Lecter, der einen mit seinen Fähigkeiten nicht nur wie ein, an Selbstübehrschätzung leidender Psychiater, sondern auch wie ein Hexenmeister anmutet.
Zum Glück drückt sich Lecter ungemein gewählt aus, so dass die Ekel-Szenen nicht übermäßig grausam wirken.
Das Ende ist allerdings mehr als erstaunlich. Es ist unfassbar, absurd und unglaubwürdig. Eine Liebesbeziehung zwischen Lector und Starling nimmt man dem Autor einfach nicht ab.
Äußerst beängstigend, dass ein Serientäter so lange unbehelligt auf freiem Fuß bleiben kann. Aber nur so bleibt die Hoffnung auf einen vierten Band.

Thomas Harris
Hannibal
Spannende Fortsetzung von: „Das Schweigen der Lämmer“
ISBN:3455026885
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Spiegel und Maske

Spiegel und Maske

Borges gilt als Erneuerer der hispanischen Literatur, als Vorreiter des Magischen Realismus. Dieser Ruhm geht vor allem auf seine Erzählbände „Fiktionen“ und „Das Aleph“ zurück. In dem Band „Spiegel und Maske“ finden wir das erzählerische Spätwerk von Borges, entstanden, als Borges schon beinahe vollständig erblindet war.

Das Buch enthält nüchtern geschriebene Messerstecher-Geschichten, faszinierende phantastische Träume und hochinteressante Charakterstudien. In jeder der Erzählungen versteht es Borges, den Leser zu fesseln, ganz gleich, ob es um eine Frau geht, die von zwei Brüdern geliebt und deswegen von einem von ihnen getötet wird, um ein Gespräch zweier Historiker über ein plötzlich aufgetauchtes historisches Dokument, das von einem der beiden auf Authenzität untersucht werden soll, um die großartige und phantastische Idee eines Weltkongresses, um ein Gedicht, das aus einer einzigen Zeile besteht und so schön ist, dass es eine Sünde gegen die Gottheit ist, um ein Buch mit unendlich vielen Seiten, um die Vorbereitung zu einem politischen Mord, um eine Scheibe, die nur eine Seite hat und ihren Besitzer zum König macht oder um blaue Steine, die den Gesetzen der Arithmetik nicht gehorchen- in all diesen Geschichten zeigt sich Borges als Meister der Erzählung, als phantasievoller und origineller Literat.

Jorge Luis Borges
Spiegel und Maske
Phantastische, realistische und philosophische Erzählungen
ISBN:3596105897
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Die Grosse Illustrierte Bibliographie der Science Fiction in der DDR

Die Grosse Illustrierte Bibliographie der Science Fiction in der DDR

Die Grosse Illustrierte Bibliographie der Science Fiction in der DDR
Hans-Peter Neumann, unter Mitwirkung von Erik Simon und Ivo Gloss
Ein SHAYOL Buch,
erschienen 2002
www.shayol-verlag.de
shayol@epilog.de
ISBN 3-926126-11-6

Sie ist fast ein Lebenswerk geworden und liegt nun vor mir, Hans-Peter Neumanns ?Grosse Illustrierte Bibliographie der Science Fiction in der DDR?, herausgegeben vom SHAYOL Verlag in Berlin.
Es ist nicht das Gewicht von über drei Pfund und der Umfang von über 1000 Seiten allein, der sie von ähnlichen Bibliographien unterscheidet, es ist auch die akribische Herangehensweise an den Inhalt.
Die Bibliographie, die mit Unterstützung von Erik Simon und Ivo Gloss entstand, enthält Angaben zu den gedruckten SF-Büchern, aber auch zu Zeitschriften und überregionalen Zeitungen, in denen SF erschienen ist.
Das Buch enthält Angaben zu allen Auflagen, und es enthält Bilder der Umschläge zahlreicher SF-Bücher.
Auch Fanzines sind enthalten, und Angaben zur Zeit nach der Wende.

Spezielle Übersichten und ein Register erleichtern die Übersicht. Die Werke sind nach Ländern und innerhalb der Länder nach Autoren geordnet. Zusätzlich erscheint ein extra Band für Sammler, in dem die Bücher in einfacher Form gelistet sind. Sehr schön: Die russischen und bulgarischen Originaltitel sind nicht in irgendeiner Umschrift, sondern im Original zu sehen. Dieses Prinzip wendetet Hans-Peter Neumann auch bei anderen Büchern an, außer bei japanischen, was ein wenig schade ist …

Utopien, Phantastische Reisen, Sekundärliteratur, und einige Werke, die nicht zur SF gehören, aber Streitfälle sind, sind ebenfalls erfasst.

Verbreitete bibliographische Irrtümer deckte Hansi Neumann ebenfalls auf, zum Beispiel nicht, oder unter anderem Namen erschienene Bücher, fehlerhafte Aufnahme von Werken, die gar keine SF sind, aber in anderen Bibliografien als solche aufgeführt werden (beispielsweise: Heinz Kruschel: „Der rote Antares“. — Der Name hatte wohl dazu geführt, anzunehmen, es sei SF.

Viele der Bücher stehen in meinem regal. Erstmals habe ich nun die Chance zu sehen, was mir noch fehlt, oder was ich noch nicht gelesen habe.

In Kürze wird das ganze Werk auch noch auf CD erscheinen.

Hans-Peter Neumann berichtete beim tag der Phantastik in Berlin vom Trauma seines Lebens, alle Autoren durften aus ihren Büchern vorlesen, nur er nicht.

Ein faszinierendes Buch.

Inhalt
Vorworte
Science Fiction: Definition und Abgrenzung des Gegenstandes
Der Aufbau der Bibliographien
Abkürzungsverzeichnis
Science Fiction von DOR-Autoren
Science Fiction von ausländischen Autoren in der DDR
Bulgarische Autoren
Deutsches Sprachgebiet (ohne DDR)
Englisches Sprachgebiet
Französisches Sprachgebiet
Iberoromanische Sprachen (Autoren aus Spanien und Lateinamerika)
Italienische Autoren
Japanische Autoren
Jugoslawische Autoren
Niederländische Autoren
Polnische Autoren
Rumänische Autoren
Russische / sowjetische Autoren
Skandinavische und finnische Autoren
Tschechische und slowakische Autoren
Ungarische Autoren
Autoren unbekannter Nationalität
Science Fiction in sorbischer Sprache
Klassische Utopien und Phantastische Reisen
Fremdsprachige Veröffentlichungen von DDR-Verlagen
Gesamtverzeichnis der Anthologien
Verbreitete bibliographische Irrtümer zur SF in der DDR
Sekundärliteratur zur Science Fiction
Anhang
Übersichten zur SF in der DDR
1. Chronologisches Verzeichnis der in der DDR erschienenen SF-Bücher
2. SF-Titel in Buchreihen
3. Buchclubausgaben
4. SF-Titel in Heftreihen
5. SF in Zeitschriften und Magazinen
6. SF in Tageszeitungen
7. Fanzines
Personenregister
Titelregister
Länder- und Sprachenübersicht

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Von Göttern und anderen Menschen

Von Göttern und anderen Menschen

„Von Göttern und anderen Menschen“, von Bruno Bansen

„Das Orakel hat gesprochen
ziemlich viel die letzten Wochen,
und nun macht sich bei ihm breit
wie man hört, ´ne Heiserkeit,
welche wäre ein Problem:
Man versteht´s nicht gut seitdem.“

Ja, liebe Leser, in dieser Art bieten sie sich uns federleicht an, die griechischen Gottheiten des Bruno Bansen. Da ist nichts zu spüren von epischer Länge und Breite; da gibt es keine Langeweile.
Kurzweilig sind Bruno Bansens Gedichte, in denen die antiken Gottheiten die Hauptrolle spielen. Die Zeilen sind gespickt mit einem feinen Humor, bei dem niemand verletzt wird, aber viele Leser sich – oder unsere Zeit – in einen Spiegel entdecken können.
Verpackt in perfektem Rhythmus und eleganten Reimen, dabei voller Witz und Ironie, kommen sie geschwind daher, diese antiken Figuren. Nur, bei Bruno Bansen müssen sie sich immer wieder mit unseren heutigen, alltäglichen Problemen herumschlagen.
Ohne Schwierigkeiten mischen sich Antike und Gegenwart, stirbt der Toaster – vom Zeus‘schen Blitz getroffen – was die zähneputzende Hera ziemlich erbost; wie selbstverständlich spricht der Herakles mit dem Schwarzenegger, mit dem er im Fitness-Studio Sport treibt. Stoff für neue Forschungen bietet hingegen die These von Bruno Bansen, dass das „Trojanische Pferd“ in Wahrheit ein Kamel war, mit all den daraus entstehenden Schwierigkeiten, die es zu meistern gilt. Man möchte sagen, er treibe es auf die Spitze, wenn er dem Herrn Pythagoras die Hypotenuse – allen Schülern ein formelhafter Begriff – zum Eheweibe gibt.
Es wimmelt nur so von göttlichen Einfällen, die in kleine, gut verdauliche Pakete verpackt, nicht gestatten, dass das Lachen, das Schmunzeln eine Pause einlegt. Bruno Bansen schenkt uns das Vergnügen, seine so leicht und locker daherkommenden Verse ohne Ermüdung lesen zu können.
Erwähnen muss man noch, dass dieser Band sehr schön gestaltet ist, aufgelockert wurde mit zahlreichen Grafiken, die ebenfalls aus Bruno Bansens Feder geflossen sind.
Ganz am Rande, für all jene, die in der Schule nichts mit den griechischen Gottheiten zu tun hatten, wird der überlieferte Zusammenhang kurz und bündig dargestellt; eine nette Geste.
Sie sind neugierig geworden auf die ollen Griechen und ihre Tollheiten? Na, dann schauen Sie mal rein bei Bruno Bansen: „Von Göttern und anderen Menschen“, 130 Seiten, (ISBN 3-9807441-8-3) KARISMA-Verlag Hamburg.
Nach den Büchern „Was keine Sau interessier`n tut“ (ISBN-Nr. 3-9807441-2-4) und „Wenn auf der Weide dir ein Gaul“ (ISBN-Nr. 3-9807441-3-2) hat Bruno Bansen rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse einmal mehr ein Highlight des Humors abgeliefert.
Lassen Sie sich zum Schluss noch mit einem Vers aus der „Odyssee“ locken:
„Er steht am Ruder stolzen Blickes,
von Backbord naht ein ziemlich dickes,
ein Kreuzfahrtschiff auf einer Reise,
auf seinem Kurs „…hat der ne Meise?“
und während er noch dieses denkt,
da hatten die ihn schon versenkt.“

© Eduard Breimann
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Perlmanns Schweigen

Perlmanns Schweigen

Perlmann ist Linguistikprofessor. Ausgerechnet anläßlich einer Fachtagung, bei der er der Hauptredner ist, gerät er in eine tiefe Krise: ihm fällt nichts mehr ein, ja, sein ganzer Beruf erscheint ihm fragwürdig. Wie soll er der Blamage entgehen? Er verfällt schließlich au f die Idee, das Manuskript eines Kollegen zu stehlen, aber dann müßte dieser beseitigt werden…

Das Buch ist auf hohem sprachlichem Niveau geschrieben und beschreibt Perlmanns Krise so eindringlich und nachvollziehbar, daß es fast schon schmerzt. Die zum Teil aberwitzigen Situationen, in die er sich bringt, wirken konsequent, der Leser kann sich in die Ausweglosigkeit gut hineinversetzen.

Pascal Mercier
Perlmanns Schweigen
Ein linguistischer Fast-Krimi
ISBN:3442721350
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