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Schlagwort: Mord

Linus Geschke: Tannenstein

Linus Geschke: Tannenstein

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Keiner kann sagen, warum der Wanderer in der Dorfkneipe von Tannenstein elf Menschen umgebracht hat. Nur der Wirt wurde verschont. Es ist kein Motiv ersichtlich. Doch als der Killer seine Kollegin und Freundin Lydia Wollstedt während der Ermittlungsarbeiten ermordet, wird der Ex-Polizist Alexander Born munter. Kaum aus dem Knast entlassen, er saß hier drei Jahre wegen Veruntreuung und Drogendelikten, macht er es sich zur Aufgabe, dem bisher nicht abgeschlossenen Fall noch einmal nachzugehen und den Wanderer aufzuspüren. Er will Rache. Als Ex-Polizist hat er weitaus bessere Möglichkeiten.

Born muss von vorne beginnen und herauszufinden, was Lydia entdeckt hat. Er nutzt dafür seine alten Kontakte und gibt sich provokant. Offiziell ist Polizeioberkommissarin Norah Bernsen an dem Fall dran. Sie agiert pflichtbewusst nach Vorschrift, muss aber einsehen, dass sie damit nicht weit kommt. Vielleicht kann man gemeinsam mehr erreichen.

Der Autor legt ein ordentliches Tempo vor. Die Spannung, die aufgebaut wird, ist extrem. Dazu kommt, dass die Perspektive immer wieder wechselt. Damit erhält der Leser Hintergrundwissen. Ihm ist die Gefahr also sehr viel deutlicher bewusst, als Alexander Born oder Norah Bernsen. Beide sind nicht unbedingt positiv besetzt. Insbesondere Born übt Selbstjustiz ohne genaue Kenntnis der Fakten und Bernsen hindert ihn nicht daran. Moralisch einwandfrei ist das nicht. Aber gut nachvollziehbar. Die Gegenseite ist schließlich kriminell, kennt keine Grenzen und geht über Leichen. Krasse, brutale Gewaltszenen verdeutlichen das. Zum Glück beschreibt der Autor diese auf eine kaltschnäuzige, emotionslose und direkte Art. Lässt man die eigene Fantasie nicht anspringen, kann man ganz gut über diese Szenen hinweg lesen. Ich finde das gut! Wer mag, kann natürlich das Kopfkino anlaufen lassen.

Alexander Born ist echt gut! Die Handlung ist stimmig und realistisch, auch wenn mich wundert, wie viel Glück Born manchmal hat! Besonders am Ende des Buches wird das deutlich.

Rezension von Heike Rau

Linus Geschke
Tannenstein
Thriller
384 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423262184
ISBN-13: 978-3423262187
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Paul Grote: Pinot Grigio stand nicht im Testament

Paul Grote: Pinot Grigio stand nicht im Testament

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Der Fotograf Frank Gatow ist in Südtirol unterwegs, um Weingüter für einen Fotoband zu fotografieren. Werner Kannegießer, ein Winzer, hat ihn dazu eingeladen. Doch vor Ort eingetroffen, muss Gatow feststellen, dass der Kannegießer tot ist. Er soll in der Karibik bei einem Tauchunfall ums Leben gekommen sein. Kannengießers Tochter Theresa glaubt aber, dass es Mord war. Beweise dafür fehlen ihr allerdings. Sie schafft es aber immerhin, Gatows Misstrauen zu wecken.

Bald wird der Fotograf von allen möglichen Leuten angesprochen, in deren Angelegenheit hineingezogen und manipuliert. Offenbar herrscht großer Unfrieden in der Familie. Das zu erwartete Erbe ist Anlass für die extremen Streitigkeiten. Es gibt also ein Motiv. So erhärtet sich der Mordverdacht. Gatow sollte sich besser nicht weiter einmischen. Doch er verpasst den Moment, sich zurückzuziehen, und so steckt er bald mit drin im Intrigenspiel. Die Polizei ist zunächst keine große Hilfe. Sie stützt den Mordverdacht nicht.

Durch den Anfang des Buches muss man erst mal durch. Viel zu langwierig wird in den Krimi hineingeführt. Es geht einfach nicht vorwärts. Doch das Blatt wendet sich. Die Spannung steigt etwas, auch wenn der Autor immer wieder zu Weinproben, Landschaftsbeschreibungen oder politischen Erklärungen abschweift. Natürlich gibt es auch Interessantes zum Thema Wein zu erfahren. Auch wecken die Beschreibungen der Weingüter, die es tatsächlich gibt, Neugier.

Der Fall selbst ist interessant, wenn auch sehr verwickelt. Es ist eine große Aufgabe für Frank Gatow, der ja kein Privatdetektiv ist, hier einen Durchblick zu bekommen. Es geht schließlich um 22 Millionen Euro! Gatow handelt bald auch aus eigenem Interesse, weil er den Nervenkitzel liebt. Den bekommt er auch, als er seine Nachforschungen gegenüber den falschen Leuten bekannt macht.

Rezension von Heike Rau

Paul Grote
Pinot Grigio stand nicht im Testament
448 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423217405
ISBN-13: 978-3423217408
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Emmanule Carrère: Der Widersacher

Emmanule Carrère: Der Widersacher

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Emmanuel Carrère hat sich eines Genres für seine Geschichte angenommen, die man nicht anders als eine romanhafte Dokumentation beschreiben kann.

Als er in der Zeitung von einem Hochstapler liest, der innerhalb kurzer Zeit seine nahe Familie umgebracht hat, kann er nicht anders, als sich dieses Falls literarisch anzunehmen.

Diese Erklärung setzt er seiner Erzählung voran.

Er hat Kontakt zu dem Ungeheuer und verfolgt dessen Prozess.

Nun aber einmal langsam: minutiös geht er dem Geschehen nach und erkennt, dass hier wirklich ein kranker Mensch gehandelt hat.

Am 19.Januar 1993 erschlug der vermeintliche Arzt und hoch angesehene Wissenschaftler Jean-Claude Romand zuerst seine Frau, kurz darauf seine beiden kleinen Kinder und danach auch noch seine beiden Eltern mit dem geliebten Familienhund. Er zündete sein Haus an und nahm Schlaftabletten. Unglücklicherweise für ihn rettete ihn die Feuerwehr und seine ganze erlogene Existenz flog auf.

Hier setzt Carrère mit seinem Bericht an. Er befragt die Freunde von Romand, seine Nachbarn und erkundet sein Umfeld. Erschrocken nimmt er zur Kenntnis, dass hier die Abgründe der menschlichen Psyche ihren Ausdruck gefunden hat. Unter der Maske bürgerlicher Wohlanständigkeit mit erfolgreichem Lebensweg verbirgt sich ein Mann, der nichts zuwege gebracht hat: weder sein Arztexamen ist echt noch seine Anstellung bei der WHO in Genf mit häufigen Dienstreisen und Vorträgen überall in der Welt.

Grundlage der finanziellen Existenz dieses Lebens waren großzügige Finanztransaktionen, mit denen Romand vorgeblich durch Anlagen in der Schweiz den arglosen Geldgebern riesige Gewinne versprach. Und hier lauerte denn auch der Fallstrick, der ihn buchstäblich zu Fall brachte.

Wie E. Carrere das alles langsam aufdeckt und den Leser an dieser Erkundungsreise teilnehmen lässt ist atemberaubend und lässt den Leser erschauern. Seine Sprache wird der Brutalität der Vorgänge gerecht; sie ist lebendig und lebensnah, doch lässt sie sowohl den Autor als auch den Leser erstaunen, mit welch einer Leichtigkeit sich Verbrechen begehen lassen.

Wie konnte nur niemand darauf kommen, dass dieses ganze Leben eine Fiktion war?

Man liest das Buch mit höchster Spannung, weil es auch eine Studie über die Psyche eines Mannes birgt, der sich und andere in ein vollständiges Missverhältnis zwischen Wahn und Wirklichkeit führt.

Obwohl ich kein wirklicher Krimifan bin, reizt dieses Buch bis zuletzt als gelungene Sozial- und Psychostudie.

Emmanuel Carrere
Der Widersacher
195 Seiten, gebunden
Matthes & Seitz Berlin, August 2018)
ISBN-10: 3957576121
ISBN-13: 978-3957576125
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Benjamin Cors: Leuchtfeuer – Ein Normandie-Krimi – Ein neuer Fall für Nicolas Guerlain

Benjamin Cors: Leuchtfeuer – Ein Normandie-Krimi – Ein neuer Fall für Nicolas Guerlain

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Ein alter Fluch versetzt die Einwohner von Vieux-Port in Angst und Schrecken! Nach dem ersten Mord bittet der Bürgermeister Nicolas Guerlain zu helfen. Doch der Personenschützer hat keine Zeit. Das Gerichtsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen seine Lebensgefährtin läuft in Paris und er hat es noch nicht geschafft, Beweise für Julies Unschuld und die wahren Hintergründe zu finden. So geschieht ein weiterer schrecklicher Mord in Vieux-Port. Nicolas bereut, sich nicht gekümmert zu haben. Es ist zu befürchten, dass der Teufel wieder zuschlagen wird. Die Gefahr ist greifbar.

Wir haben zwei Erzählstränge. Das Gerichtsverfahren gegen Julie, für die es nicht gut aussieht, und die grausamen Morde in Vieux-Port. Beides ist spannend, auch wenn Vieux-Port mehr Raum einnimmt. Dieser Fall ist äußerst verwickelt. Die Hintergründe, so scheint es, reichen Jahrzehnte zurück. Damals wurde der Fluch ausgesprochen. Zu ergründen sind die Geheimnisse, die dahinterstecken und so gerät ein möglicher Täter bald ins Visier der Ermittler, die Nicolas Guerlain auf seine Weise unterstützt. Doch dieser Mörder kennt sich aus in Vieux-Port. Damit hat er einen entscheidenden Vorteil.

Der Krimi fordert ein Mitdenken beim Leser ein. Es sind nur kleine Details im Handlungsverlauf, die erkannt werden wollen. Nicolas Guerlain hat ein Gespür dafür. Er ist ein guter Beobachter. Es wird äußerst dramatisch! Die Zeit läuft! Dabei muss der Personenschützer auch noch für Julie einige Dinge regeln. Auch hier offenbaren sich unglaubliche Hintergründe.

Sehr gut gefällt mir, wie der Autor durch die Handlung führt. Mit Spannung aufbauenden Sätzen hinter manchem Kapitel greift er dem Geschehen kurz vor und macht den Leser neugierig. Man kann das Buch dann nicht einfach aus der Hand legen!
Der durchweg interessante Krimi hat dann natürlich auch ein überraschendes Ende.

Rezension von Heike Rau

Benjamin Cors
Leuchtfeuer – Ein Normandie-Krimi – Ein neuer Fall für Nicolas Guerlain
432 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423262109
ISBN-13: 978-3423262101
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Jens Henrik Jensen: Oxen – Gefrorene Flammen – 3. Teil der Danehof-Trilogie

Jens Henrik Jensen: Oxen – Gefrorene Flammen – 3. Teil der Danehof-Trilogie

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Von Niels Oxen glaubt man, dass er tot ist. Der Danehof hat ihn abgeschrieben, auch wenn seine Leiche nie gefunden wurde. Niemand ahnt, dass der Ex-Elitesoldaten sich auf den schwedischen Schären von seinen Verletzungen erholt, bis der alte Kampfgeist wieder erwacht. Er will freigesprochen werden von den inszenierten Anschuldigungen, die gegen ihn vorliegen, um wieder ein freier Mann sein zu können. Vor allem für seinen Sohn! So nimmt er Kontakt zu Margrethe Franck auf. Doch die ehemalige Geheimdienstagentin lebt zurückgezogen und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. Sie arbeitet zurzeit in einer Wäscherei und als Kassiererin in einem Supermarkt. Als beide Kontakt zu Axel Mossman aufnehmen, müssen sie feststellen, dass der ehemalige Geheimdienstchef in Rente ist. Er läuft jeden Tag lange Runden mit seinem Hund und hat stark abgenommen. Der Danehof glaubt, dass alle drei keine Gefahr mehr sind, auch wenn sie auf Mosmann und Franck noch hin und wieder ein wachsames Auge haben. So können sie in Mossmans Keller unbemerkt Pläne schmieden. Mossman hat ganze Arbeit geleistet. Er ist schon eine ganze Zeit am Recherchieren der Machtstrukturen des Danehofs.

Das Buch lebt zunächst von Rückblicken auf die vorangegangen Bände. Wer diese nicht mehr so gut in Erinnerung hat oder einen Band nicht gelesen hat, kommt gut in das Buch hinein.
Axel Mossman ist diesmal die Hauptfigur, um die sich alles dreht. Er leitet die Aktion, die die kriminellen Machenschaften des Danehofs aufdecken und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen soll. Oxen und Franck übernehmen sozusagen die Drecksarbeit.
Es wird extrem spannend! Die Spurensuche gestaltet sich umständlich. Die Gegner sind nicht zu unterschätzen. Die wahre Schwierigkeit liegt darin, nicht entdeckt zu werden. Der Danehof darf nicht gewarnt werden. Ein ums andere Mal scheint die Aktion zum Scheitern verurteilt. Doch Mossman glänzt mit alten Kontakten, Spürsinn und Verhandlungsgeschick. So zeigen sich am ausgesprochen überraschenden Ende schließlich die tiefen Abgründe des Danehofs in ihrem ganzen Ausmaß.

Rezension von Heike Rau

Jens Henrik Jensen
Oxen – Gefrorene Flammen
Thriller (Danehof-Trilogie)
Aus dem Dänischen von Frederike Buchinger
592 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423261803
ISBN-13: 978-3423261807
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Stephanie Marland: Wir sehen dich

Stephanie Marland: Wir sehen dich

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Clementine Starke lebt, von ihrer Vergangenheit belastet, sehr zurückgezogen. Für ihre Doktorarbeit in Psychologie erforscht sie bestimmte Onlineforen. Deshalb ist sie ganz nah dran, als in London Morde an jungen Frauen geschehen. Besonderes Interesse weckt bei ihr die kleine Gruppe um Death Stalker, die den Mörder vor der Polizei finden will. Es gelingt ihr, sich Zugang zu verschaffen. Alle Mitglieder müssen bestimmte Aufgaben erfüllen, die helfen sollen, den Fall aufzuklären und den Mörder, der der Lover genannt wird zu finden. Dazu muss Clementine ihren Rückzugsort verlassen und wieder unter Menschen gehen.

DI Dominic Bell ist der leitende Ermittler bei der Polizei. Er kommt nicht voran und steht enorm unter Stress. Sein letzter Fall wird von der Dienstaufsicht begutachtet. Es scheint, dass es in seinem Team einen Kollegen gibt, der interne Informationen an die Presse gibt. Bell muss sich beweisen, aber immer wieder laufen die Ermittlungen ins Leere. So ist mit einem weiteren Mord zu rechnen.

Es gibt also zwei Handlungsstränge. Dargestellt werden abwechselnd die Arbeit der Polizei und die der erschreckend anonymen Hobbydetektive True Crime London. Der Krimi ist sehr spannend gemacht. Denn es wird schnell klar, dass eine Zusammenarbeit zielführender gewesen wäre. Als Leser hat man Einblick in beide Ermittlungsvorgänge und ahnt, dass unter den Protagonisten der Serienmörder sein muss. Da schaukelt sich ganz schön was hoch!

Clementine Starke packt der Ehrgeiz. Sie schießt über das Ziel hinaus. Es geht bald nicht mehr nur um ihre Forschung. Mit Schrecken muss man mit ansehen, wie sie zu viel wagt und in ein Netz aus Lügen gerät. Sie ignoriert die Alarmglocken und setzt sich gefährlichen Situationen aus. Man sieht das Unheil förmlich kommen. So wird das Buch zum Ende hin extrem spannend.

Rezension von Heike Rau

Stephanie Marland
Wir sehen dich
Deutsch von Christine Blum
Thriller
432 Seiten, broschiert
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423217499
ISBN-13: 978-3423217491
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Pierre Lemaitre: Opfer

Pierre Lemaitre: Opfer

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Kriminalfall mit vielen Tücken

Pierre Lemaitre ist als Krimibuchautor bekannt. In Deutschland ist dieser Krimi sein erster, nachdem er mit zwei Erstlingswerken rühmlich beim deutschen Lesepublikum in Erscheinung getreten war.

Hier passiert gleich zu Beginn der Lektüre ein versuchter Mordfall. Anne, Freundin von Camille, dem Leiter der Pariser Mordkommission, wird eines Morgens, als sie in aller Eile vor dem Dienst in einer Ladenpassage noch einen Kaffee trinken will, hinterrücks auf grausame Weise überfallen und übel zugerichtet.

Rückblickend, noch während sich Camille mit diesem Überfall beschäftigt, erfährt man, wie ihre Beziehung zustande kam.

Die eigentliche Kunst des Autors besteht darin, dass mitten im Leben schreckliche Dinge passieren. Erst rückwirkend erfährt man nach und nach, wie die Lebensschicksale der Beteiligten miteinander verknüpft waren. Mit ungeheurer Wucht nimmt das Schicksal seinen Lauf. Lemaitre versteht es, seine Geschichten so aufzubauen, dass man von einer Aufregung zur nächsten hastet. Und so ein Fall wird nicht schnell aufgerollt, sondern alles nimmt einen langsamen und sich steigernden Verlauf.

Camilles Leben war schon vor vier Jahren von einem bitteren Schicksal gezeichnet. Und nun das!

Das gewöhnliche und alltägliche Leben kommt bei der Fülle von schweren Verbrechen nicht zu kurz. Im Gegenteil: wird einem doch Camilles zwiespältige Liebesbeziehung zu Anne erst allmählich klar. Gegenwart und nahe Vergangenheit verschmelzen zu einem drängend nach Aufklärung rufenden Schluss! Aber der Leser muss sich gedulden! Denn die Dinge liegen nicht so einfach, wie uns der Autor zunächst glauben machen will. Eine Vielzahl von Ganoven und Kriminellen haben ihre Hände im Spiel. Es bedarf intensiver Forschung und Spurensuche, um dem gewaltigen Netz an Verbrechern auf die Schliche zu kommen. Raffinierte Verbindungen, Abmachungen und gegenseitiger Abrechnungen spielen hinein, um der abgekarteten Ganovenbande das Handwerk zu legen. Am Ende bleibt ob der Vielfalt an Verwicklungen ein fast überforderter Leser zurück.

Lemaitre ist ein wirklich perfekter Krimiautor. Die Finten, mit denen er den Leser auf falsche Fährten lotst, sind vielfältig und raffiniert. Atemlos sehnt man das Ende herbei, um endlich zu begreifen, was und wie die Dinge miteinander verknüpft sind.

Pierre Lemaitre
Opfer
336 Seiten, broschiert
Tropen, August 2018)
ISBN-10: 3608503706
ISBN-13: 978-3608503708
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Petra Ivanov Alte Feinde – Ein Fall für Flint & Cavalli

Petra Ivanov Alte Feinde – Ein Fall für Flint & Cavalli

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Albert Gradwohl wurde mit einer Waffe erschossen, die aus dem 19. Jahrhundert stammt und im amerikanischen Bürgerkrieg verwendet wurde. Das zumindest ergibt die Untersuchung der abgefeuerten Patrone. Die Staatsanwältin Regina Flint geht bald davon aus, dass Hinweise zu diesem Fall in den USA zu finden sind. Bruno Cavalli ist vor Ort in den Smoky Mountains. Er sucht in einem Cherokee-Reservat einen Mörder, dessen Tatwaffe ein vergifteter Pfeil war.

Doch Regina Flint kann von Zürich aus keinen Kontakt zu ihm herstellen. Dabei sind Flint und Cavalli ein Paar. Sie haben eine gemeinsame Tochter. Selbst wenn er nun verdeckt ermittelt, müsste ihr jemand Auskunft geben können. Doch Kriminalpolizei und FBI halten sich bedeckt. Flint ahnt nicht, in was für einer gefährlichen Situation Cavalli ist. Und schon gar nicht ahnt sie, dass das etwas mit ihr zu tun hat. Niemand kann oder will ihr Auskunft geben. Ihr Misstrauen ist geweckt und sie versucht unauffällig auf eigene Faust zu Erkenntnissen zu kommen.

Der Krimi ist kompliziert, aber gut strukturiert. Es laufen mehrere Fälle und Ereignisse zusammen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Ich bin überrascht über die Tragweite des Falls, die sich aus dem Mord an Albert Gradwohl ergibt. Die Ermittlungsarbeit lebt von Details, die erst zusammengenommen ein Bild ergeben. Es erfordert viel Denkarbeit aus diesen Zusammenhängen, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Nicht selten werden die Ermittler aufs Glatteis geführt.

Das Buch ist wirklich sehr spannend! Ich hatte am Ende aber den Eindruck, wichtige Details überlesen zu haben. Man wird als Leser sehr eingespannt, auch weil es verschiedene Erzählperspektiven gibt. Man muss sehr gut aufpassen oder das Buch abschnittsweise zweimal lesen, so wie ich es getan habe. Das ist nicht als Minuspunkt zu sehen! Ich habe mich gerne intensiv mit dem Buch auseinandergesetzt.

Rezension von Heike Rau

Petra Ivanov
Alte Feinde – Ein Fall für Flint & Cavalli
384 Seiten, gebunden
Unionsverlag
ISBN-10: 3293005373
ISBN-13: 978-3293005372
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Frank Uhlmann: Die Akte Jacobi

Frank Uhlmann: Die Akte Jacobi

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Auf einer Demo von Bürgerrechtlern kommt es zu Ausschreitungen. Die Polizei, so hat es den Anschein, geht grundlos aggressiv gegen die Demonstranten vor. Ein Aktivist wird getötet. Polizeireporter Norman Jacobi ist vor Ort. Er ist Zeuge der Ausschreitungen und bekommt, obwohl er sich unbeteiligt zeigt, einiges ab. Auch ein ihm zugespieltes Video zeugt vom aggressiven Vorgehen der Polizei. Doch Kommissar Bruno Demandt spielt das Offensichtliche herunter. Er hat eine andere Meinung zu den Vorfällen.

Von der Polizei wird eine seltsame Strategie gefahren, die auf Lügen basiert, wie Jacobi schnell herausfindet. So wendet er sich auch einem der Bürgerrechtler zu, der tatsächlich glaubwürdige Aussagen machen kann. Nun ist Jacobi aber keiner, der vorbehaltlos glaubt, was ihm aufgetischt wird, egal von welcher Seite es kommt.

Auch Jacobis Freundin, die Historikerin Katharina Beck, beginnt mit Nachforschungen. Sie geht anders an die Sache heran. Sie findet eine Verbindung zu anderen nicht komplett aufgeklärten Fällen, in die beide verstrickt waren. Doch auch sie bemerkt die Manipulationsversuche. Sie möchte nicht jedem ausgeworfenem Köder nachjagen und wieder die falschen Schlüsse ziehen.

Der Fall ist spannend, aber etwas schwerfällig konstruiert und nicht so leicht nachzuvollziehen. Norman Jacobi wird diesmal seltsam verletzlich und blind für die Wahrheit dargestellt. Er verrennt sich und begibt sich ohne Not in lebensbedrohliche Situationen, was sehr befremdlich wirkt.
Katharina Beck ist gut im Recherchieren. Sie schafft es, leicht übersehbare Details ausfindig zu machen. Aber auch sie ist diesmal nicht in Form. Sie zeigt sich widersprüchlich. Angst ist ihr ständiger Begleiter. Allerdings wagt sie sich dann doch überraschend weit vor.

Das Buch ist gut zu lesen, weil es viele spannende Szenen gibt. Aber das Verständnis für das Buch, die Handlung und die Personen baut sich nicht auf. Die Verbindung zu den vorangegangen Fällen und dieser ominösen Person im Hintergrund bleibt vage. Dabei hätte das der rote Faden sein können, den ich vermisse.

Rezension von Heike Rau

Frank Uhlmann
Die Akte Jacobi
3. Fall mit Norman Jacobi und Katharina Beck
400 Seiten, broschiert
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423217359
ISBN-13: 978-3423217354
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Frank Goldammer: Vergessene Seelen

Frank Goldammer: Vergessene Seelen

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Drei Jahre liegt das Ende des 2. Weltkrieges zurück. Es ist ein unerträglich heißer Sommer. Der Wiederaufbau in Dresden geht nur schleppend voran. Die Menschen haben es schwer.
Als auf einer Baustelle ein toter Junge gefunden wird, ist Kriminaloberkommissar Max Heller mit seinem Assistenten Werner Oldenbusch zur Stelle. Möglicherweise ist der Junge vom Kran gestürzt, aber entsprechende Verletzungen fehlen. Dafür entdeckt Heller blaue Flecken, die auf schwere Misshandlungen hindeuten. Es könnte sich also im vorliegenden Fall um Selbstmord, aber auch um Mord handeln.
Heller findet schnell heraus, wer der Junge ist. Die Beschreibung passt auf Albert Utmann. In der Schule war er nicht gewesen.
Die Familie scheint der Tod Alberts kaum zu berühren. Mitschüler und Lehrer wissen angeblich nichts.
Heller ermittelt, dass der Junge zu einer Bande gehörte, die irgendwelche geheimnisvollen Geschäfte tätigte. Doch wer der Drahtzieher ist, bleibt unklar.

Heller sieht sich mit einem sehr komplizierten Fall konfrontiert. Seine Befragungen laufen ins Leere, obwohl er sehr akribisch vorgeht. Der Oberkommissar macht den Eindruck, sich zu verrennen. Er geht hart mit sich selbst um und setzt sich unbedacht gefahrvollen Situationen aus. Heller wirkt verzweifelt. Die derzeitigen Ermittlungsarbeiten setzen ihm emotional zu und reißen alte Wunden auf. Was dahintersteckt wird erst am Ende nachvollziehbarer dargestellt. Auch mit privaten Problemen hat Heller sich herumzuschlagen. Sohn Klaus geht politische Wege, die er nicht gutheißen kann. Im Rahmen seiner Arbeit versucht er sogar, die Ermittlungen seines Vaters zu unterbinden, was dieser nicht verstehen und auch nicht hinnehmen will.
Der flüssig zu lesende Krimi wird nicht nur mit Privatem aus Hellers Leben aufgewertet. Die schweren Nachkriegsjahre bildet die Kulisse. Die Handlung ist sehr spannend.

Rezension von Heike Rau

Frank Goldammer
Vergessene Seelen
Kriminalroman
384 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 342326201X
ISBN-13: 978-3423262019
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