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Schlagwort: Mord

Riley Sager: Final Girls

Riley Sager: Final Girls

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Quincy Carpenter hat als Einzige überlebt. Alle anderen, die mit ihr in der Hütte in diesem finsteren Wald den Geburtstag einer Freundin gefeiert haben, hat der Mörder erwischt. Lisa Milner und Samantha Boyd haben ähnliches erlebt. Final Girls werden diese Überlebenden genannt. Quincy kann sich an nichts erinnern. Sie kann den Hergang der blutigen Taten nicht schildern. Vielleicht schafft sie es deshalb, trotz der schrecklichen Erlebnisse ein halbwegs normales Leben zu führen.

10 Jahre sind vergangen. Quincy lebt in New York. Sie bewohnt mit ihrem Freund Jeff eine großzügige Wohnung, bezahlt vom Schmerzensgeld. Ab und an hat sie noch Kontakt zu Coop. Er ist der Polizist, der nach dem Vorfall in Pine Cottage zuerst vor Ort war und Quincy gerettet hat. Er ist es auch, der sie darüber informiert, dass eine der Final Girls tot ist. Quincy kennt sie nicht näher, hat aber einmal mit ihr telefoniert.

Es ist vorbei mit der Ruhe, denn die Presse stürzt sich auch wieder auf Quincy. Alles hängt an ihr, denn sie trägt Erinnerungen in sich, die der Schlüssel zu den jetzigen Vorkommnissen sein könnten.

Das Buch ist über alle Maßen spannend! Der Autor geht so richtig in die Tiefe, was die psychologischen Abgründe der Hauptfiguren betrifft. Er gewährt einen Blick hinter die Fassade der scheinbaren Normalität. Und er arbeitet mit Rückblicken. Diese werden von außen betrachtet, während die Vorkommnisse in der Gegenwart aus der Perspektive Quincys erzählt werden. Die echte Realität und die angenommene Realität, die aus den Erinnerungslücken herrühren, vermischen sich also nach und nach, bis die Wahrheit für Quincy und auch für den Leser greifbar wird.

Der Autor hat eine sehr fesselnde Art zu schreiben. Er unterhält nicht nur, er beschäftigt den Leser. Es ist klar, dass jemand die Fäden zieht und manipuliert. Ich habe die falschen Schlüsse gezogen und war vom überaus dramatischen und nervenaufreibenden Ende dann sehr überrascht.

Rezension von Heike Rau

Riley Sager
Final Girls
Thriller
Deutsch von Christine Blum
416 Seiten, broschiert
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423217308
ISBN-13: 978-3423217309
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Steve Hockensmith: Weiße Magie – direkt ins Schwarze

Steve Hockensmith: Weiße Magie – direkt ins Schwarze

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Alanis McLachlan lässt es nun etwas ruhiger angehen. Ihr kleiner Tarotladen in Berdache wirft allerdings nicht viel ab und das Erbe ihrer Mutter ist fast aufgebraucht. Es ist nicht leicht, die ehemals von ihrer Mutter betrogene Kundschaft wieder in den Laden zu locken. Dabei muss Alanis nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Schwester, die im Teenageralter ist, sorgen.

Mit der scheinbaren Ruhe ist es vorbei, als ein Geist auftaucht. Alanis hat nicht erwartet, diesen Mann jemals wiederzusehen, da er tot ist oder tot sein sollte. Was er sagt, gibt Rätsel auf. Aber vielleicht verschwindet er auch wieder dahin, wo er herkommen ist. Besser wäre es!

Und als ob das nicht reicht, kommt es zu einem weiteren mysteriösen Vorkommnis. Ein Kunde wird nach einer Tarot-Lesung tot aufgefunden. Davon stand nichts in den Karten. Wobei zu sagen ist, das Alanis auch nicht besonders gut in dem ist, was sie da tut, auch wenn sie sich Mühe gibt. Da kann sowas schon passieren! Aber vielleicht hilft das Tarot-Handbuch weiter und führt sie zu dem Mörder. Auch ihr Freund GW ist zur Stelle. Er hilft bereitwillig, um in Alanis Nähe zu sein.

Das Buch liest sich gut, auch wenn die Handlung durcheinander wirkt. Das liegt daran, dass einfach eins zum anderen kommt und niemand einen Überblick hat. Alanis ist selbstkritisch und zeigt dabei Humor. Anders sind bestimmte Situationen gar nicht auszuhalten, vor allem, weil sie selbst immer wieder in die Schusslinie gerät.

Die Handlung kommt teilweise durch Alanis‘ chaotisches Verhalten und ihre fantasievolle Deutung der Tarotkarten voran. Alanis verschlimmert manche Situation, was aber einen Fortschritt bei der Suche nach dem Mörder bringt. Ihr im Buch zu folgen, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es geht nicht nur um die Aufklärung des Mordes, sondern um ein damit verbundenes Geheimnis eines Gemäldes, das als verschollen gilt.

Rezension von Heike Rau

Steve Hockensmith
mit Lisa Falco
Weiße Magie – direkt ins Schwarze
Deutsch von Britta Mümmler
384 Seiten, broschiert
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423217146
ISBN-13: 978-3423217149
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Susanne Goga: Nachts am Askanischen Platz

Susanne Goga: Nachts am Askanischen Platz

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In einem Berliner Hinterhof zwischen dem Askanischem Gymnasium und dem „Cabaret des Bösen“ wird ein Toter gefunden. Schon einige Tage hat er unbemerkt im Schuppen gelegen. Dass es Mord war, steht bald außer Frage. Leo Wechsler und sein Team beschäftigen sich mit dem Fall. Die Suche beginnt im Gymnasium. Irgendeiner von den Schülern muss etwas gesehen haben. Auch der Besitzer des schaurigen Theaters gerät ins Visier der Ermittler. Louis Lamasque ist durch den Krieg von Gesichtsverletzungen gezeichnet, versteckt sich aber nicht damit. Das Augenmerk richtig sich bald auf eine junge Russin, die vor dem Theater nach einem Fjodor gefragt hat. Vielleicht kann sie ja zumindest Auskunft über die Identität des Toten geben.

Der Krimi spielt im Jahr 1928. Leo Wechsler wird wie gewohnt nicht nur als Kommissar, sondern auch in der Familie mit seiner Frau Klara und seinen beiden Kindern dargestellt.

Der Fall selbst erscheint zunächst wenig spektakulär. Aber umso mehr die Befragungen voranschreiten, umso deutlicher wird, dass etwas Außergewöhnliches dahinter steckt. Leo Wechsler kann sich im Allgemeinen auf sein Bauchgefühl verlassen, auch wenn seine Kollegen lieber auf das setzen, was bewiesen werden kann. Diese unterschiedlichen Meinungen lassen den Fall sehr lebendig wirken.

Für zusätzlichen Stoff zum Nachdenken sorgt das geheimnisvolle „Cabaret des Bösen“. Hier werden Szenen für das Publikum nachgestellt, die mehr als nur ein bisschen schaurig und täuschend echt sind. Genauso undurchsichtig gibt sich Louis Lamasque.

Immer mehr wird Leo Wechsler in diesen Fall eingespannt. Dabei sollte er sich auch um private Dinge kümmern. Immer wieder verschiebt er ein dringend nötiges Gespräch mit seinem Sohn.

Der Krimi hat mir sehr gut gefallen. Der Fall ist spannend konstruiert und perfekt in die späten Zwanzigerjahre eingearbeitet. Ein Nachwort, auch mit historischen Hintergrundinformationen rundet das Bild ab.

Rezension von Heike Rau

Susanne Goga
Nachts am Askanischen Platz
Kriminalroman (Leo Wechsler)
320 Seiten, broschiert
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423217138
ISBN-13: 978-3423217132
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Rita Falk: Kaiserschmarrndrama – Ein Provinzkrimi

Rita Falk: Kaiserschmarrndrama – Ein Provinzkrimi

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Direkt im Wald von Niederkaltenkirchen wird eine Tote gefunden. Zunächst ist ihre Identität unklar. Aber bald stellt sich heraus, dass die junge Frau aus dem Dorf ist. Sie bewohnte seit kurzer Zeit eine kleine Wohnung über der Fleischerei Simmerl. Unter dem Namen Mona hatte sie eine Stripshow im Internet.

Franz Eberhofer beginnt nur halbherzig mit den Ermittlungen. Er hat schließlich auch ein Privatleben, das ihn fordert. Das Doppelhaus, das er mit Susi und Paul beziehen wird, weil er muss, ist bald fertig. Dass seinem Bruder Leopold die andere Haushälfte gehört, gefällt ihm nicht. Und Hund Ludwig geht es auch nicht gut. Die Runde durch den Wald wird immer beschwerlicher.

Als ein zweiter Mord geschieht, wird der Dorfpolizist aber munter. Auch der Birkenberger, der noch mit den Nachwirkungen des Autounfalls zu kämpfen hat, muss mit ran. Es kann nicht sein, dass in Niederkaltenkirchen ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Allerdings ist die Sache einigermaßen pikant. Denn einige von Monas Kunden kennt der Eberhofer aus dem näheren Bekannten- und Verwandtenkreis. Da muss er bei den Ermittlungen mit Fingerspitzengefühl vorgehen, tut er aber nicht!

Perfekt! Der 9. Krimi mit dem Dorfpolizisten Franz Eberhofer ist wieder sehr unterhaltsam und spannend!
Privat gerät der Eberhofer immer weiter unter Druck. Noch verweigert er das Familienleben. Aber seine Susi ist so schlau und lässt ihm seine Freiheiten. Sie macht seine Spielchen mit. Wie immer spielt sich ein großer Teil der Handlung im privaten Umfeld ab, was mir gut gefällt.

Aber auch der Fall ist spannend, zumal es Verdächtige in der Familie und in der Dorfgemeinschaft gibt. Die Details zusammen zu puzzeln, ist nicht leicht. Jeder Verdächtige versucht den Eberhofer zum Schweigen zu verpflichten.

Der Dorfpolizist sieht sich etwas an den Rand gedrängt, weil polizeilich Unterstützung erhält, die er nicht nötig hat, wie er meint. Er beißt kräftig um sich. Es kommt zu einigen urkomischen Situationen. Die Autorin spart nicht mit Wortwitz. Ihre Art, sich auszudrücken, ist wirklich gut. Der Fall wird zum Schluss natürlich auch schlüssig aufgelöst.

Rezension von Heike Rau

Rita Falk
Kaiserschmarrndrama – Ein Provinzkrimi
304 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423261927
ISBN-13: 978-3423261920
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Frank Goldammer: Tausend Teufel

Frank Goldammer: Tausend Teufel

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In seinem zweiten Fall ist Max Heller Oberkommissar in der neu gegründeten Volkspolizei. Dresden gehört 1947 zur sowjetischen Besatzungszone. Es ist ein eiskalter Winter. Die Menschen leiden und haben kaum das Nötigste zum Überleben. Es mangelt einfach an allem. Angst und Verzweiflung sind ständige Wegbegleiter.

Heller wird in die Dresdner Neustadt beordert. Doch der tote Rotarmist, den er sich anschauen sollte, wird schnell vom Militär mitgenommen. Heller versucht, sich trotzdem ein Bild zu machen und Spuren zu sichern . In einem herrenlosen Rucksack findet er schließlich einen abgetrennten Kopf. Er beginnt mit den Ermittlungsarbeiten. Sein Assistent Werner Oldenbusch steht ihm zur Seite.

Der Oberkommissar weiß bald nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Seine Ermittlungsarbeiten werden behindert. Er wird beeinflusst, manipuliert und belogen. Die politischen Umstände spielen dabei eine große Rolle. Doch Max Heller ist keiner, der sich verbiegen lässt.

Das Buch ist nicht nur als Krimi interessant. Der Autor sorgt auch für eine außergewöhnliche Stimmung. Der bitterkalte Winter und die Probleme der Menschen werden oft in den Vordergrund gestellt.

Der Fall selbst ist spektakulär! Was da abläuft, ist kaum nachvollziehbar. Ein Mord reiht sich an den nächsten, auch Anschläge sind zu verzeichnen. Aber der Autor wird nicht zu drastisch in seinen Beschreibungen der Taten, was ich sehr gut finde. Der Krimi ist auch so insgesamt dramatisch genug und atmosphärisch sehr dicht gewebt.

Max Heller hat nichts als Vermutungen. Doch hier habe ich mich getäuscht. Der Oberkommissar lässt sich nicht immer in die Karten schauen. Er ist ein guter Beobachter und äußerst aufmerksam bei Befragungen. Ich war am Ende echt überrascht von dem, was hinter den Morden steckt. Das war so tatsächlich nicht vorherzusehen. Der Krimi ist sehr fesselnd und gefällt mir besser als das erste Buch um Max Heller, das der „Der Angstmann“ heißt.

Rezension von Heike Rau

Frank Goldammer
Tausend Teufel
Kriminalroman
368 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423261706
ISBN-13: 978-3423261708
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Paul Grote: Am falschen Ufer der Rhône

Paul Grote: Am falschen Ufer der Rhône

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Simone Latroye wird von ihrem Patenonkel Martin Bongers, einem Winzer in Bordeaux, ein Praktikum auf einem anderen Weingut fast schon aufgezwungen. Sie soll mehr lernen und andere Meinungen hören.

Châteauneuf-du-Pape scheint ihm geeignet. Allerdings erfährt er bei einem ersten Anruf, dass Didier Lamarc seit zwei Jahren verschwunden ist. Die Polizei hat nicht herausfinden können, was ihm passiert ist. Ein anderer Winzer kam bei einem Autounfall mit Fahrerflucht ums Leben. Genau wie Didier Lamarc hatte auch Joseph de Bergerac einen renommierten Preis mit seinen Weinen gewonnen.

Simone tritt nun am linken Ufer der Rhône ihr Praktikum an. Sie lernt den Jungwinzer Thomas Achenbach kennen, der sich wegen privater Probleme am rechten Ufer auf ein Weingut zurückgezogen hat. Er braucht die Veränderung, um nachdenken zu können. Doch dazu bleibt keine Zeit. Als er einen Diebstahl auf dem Weingut verhindert, wirft das ganz andere Fragen auf. Die Polizei scheint den Fall verschleppen zu wollen, was sehr merkwürdig erscheint. Er beginnt zusammen mit Simone und ihrem Patenonkel Nachforschungen anzustellen, was sich als sehr gefährlich herausstellt.

Ich habe selten so ein langatmiges Buch gelesen. Es soll ja ein Krimi sein! Aber fast 200 Seiten passiert eigentlich nichts. Man liest von Regionen, Weingütern und Weinen und den Familien, die diese herstellen. Das mag interessant sein, aber nicht in dieser Ausführlichkeit.

Dann läuft die Krimihandlung ganz langsam an, immer wieder unterbrochen von weiteren Weinproben. Erst zum Ende hin passiert endlich etwas und es wird halbwegs spannend.

Mit den Figuren konnte ich mich auch nicht so recht anfreunden. Simone Latroye ist mir fremd geblieben, obwohl sie die Hauptperson ist. Bei Martin Bongers geht es mir genauso. Sehr begeistert hat mich dagegen Thomas Achenbach, der für einige Überraschungen sorgt. Im Grunde ist er es, der das Buch rettet. Für ihn habe ich mich von Anfang an interessiert und deshalb bis zum Ende durchgehalten.

Rezension von Heike Rau

Paul Grote
Am falschen Ufer der Rhône
432 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423216913
ISBN-13: 978-3423216913
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Jérémy Fel: Die Wölfe kommen

Jérémy Fel: Die Wölfe kommen

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Die Eltern kommen bei einem Hausbrand um, den der Sohn aus Hassgefühlen heraus, verursacht hat. So fängt es an. Gewalttätige Personen kommen in jedem Kapitel des Buches vor. Ihre Taten sind unbeschreiblich brutal. Ausersehene Opfer müssen mit allem rechnen. Die einzelnen Kapitel scheinen nicht zusammenzuhängen, sodass ich mich frage, wohin dieses Durcheinander an Mord, Folter und Vergewaltigung führen soll. Jede dieser kurzen Geschichten im Buch nimmt an Dramatik zu. Der Autor führt direkt in ein Labyrinth. Es gibt keinen roten Faden, der den Weg weisen könnte. Der eine oder andere Leser könnte sich schnell verloren fühlen.

Der Autor hat sich natürlich etwas dabei gedacht. Zu viel möchte ich im Rahmen dieser Rezension allerdings nicht verraten. Es geht um einen brutalen Verbrecher der seine Kreise dreht und dem die Polizei scheinbar nicht auf die Spur kommt. Nun ja, eigentlich spielt die Polizei überhaupt keine Rolle. Sie wird auf merkwürdige Weise ausgeklammert. Sonst würde das Buch nicht funktionieren. Der Täter kommt also über Jahre damit durch für Angst und Schrecken zu sorgen.

Der Thriller ist unglaublich spannend, aber diese Spannung wird vor allem durch die verschiedenen Formen der Gewalt hergestellt. Das ist nicht unbedingt meins. Und das wirklich gut angelegte Buch hätte das in dieser krassen Form auch wirklich nicht gebraucht. Es ist ein ungewöhnlicher Thriller. Ein derartig komplexer und durchdacht in Szene gesetzter Aufbau kommt sehr selten vor. Mir fällt kein vergleichbares Buch ein. Kurze Episoden werden zu einem großen Ganzen. Die extrem beklemmende Atmosphäre strapaziert die Nerven ungemein. Der Schreibstil ist gut. Wobei das aber auch wieder den Nachteil hat, dass Bilder herauf beschworen werden, die ich nicht sehen will. Schnell überblättern! Zum Ende hin tritt dann der abgründige Aha-Effekt ein. Unglaublich!

Rezension von Heike Rau

Jérémy Fel
Die Wölfe kommen
Thriller
Aus dem Französischen von Anja Nattefort
400 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423261439
ISBN-13: 978-3423261432
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Benjamin Cors: Gezeitenspiel – Ein Normandie-Krimi

Benjamin Cors: Gezeitenspiel – Ein Normandie-Krimi

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Nicolas Guerlain hat nie wahrhaben wollen, dass seine Julie einfach so verschwunden ist. Er hat immer nach ihr gesucht, immer versucht herauszufinden, was passiert sein können. Julie einfach aufzugeben, war für ihn keine Option. In diesem Buch betritt sie nun tatsächlich wieder die Bühne. Es besteht ein Zusammenhang mit geplanten Anschlägen auf die Atlantikküste der Normandie. Julie war all die Jahre ganz nah an der Zielperson dran, dem Abgeordneten Pierre Melville.

Nicolas Guerlain ist Personenschützer. Nach einem spektakulären Einsatz arbeitet er nun wieder für die französische Regierung. Aber er hat sich auch mit dem drohenden Anschlag zu beschäftigen. Was Genaues ist nicht zu sagen, nur dass dieser am 6. Juni, dem Tag der Alliierten-Landung, stattfinden soll. Julie ist, als Geliebte von Pierre Melville, eingeweiht. Nur fragt sich Nicolas Guerlain, ob Pierre Melville sie nicht durchschaut hat.

Das Buch ist extrem spannend geschrieben. Viele Extremsituationen spielen sich in Zeitlupe ab. Der Autor schildert praktisch jede Zehntelsekunde. Die Zeit wird zum Zerreißen gespannt. Andererseits läuft die Zeit davon. Denn selbst wenn Pierre Melville festgesetzt werden würde, heißt das noch lange nicht, dass er das Spiel verloren hat. Das ist sehr faszinierend!
Besonders interessant ist Julies Rolle, deren Verschwinden in den vorgehenden Büchern Nicolas Guerlain sehr beschäftigt hat. Er gerät durch sie praktisch wieder in einen Ausnahmezustand, obwohl das überwunden zu sein schien. Dabei ist es so wichtig, dass er die Nerven behält. Von ihm hängt viel ab. Das wird immer wieder deutlich gemacht. Zum Ende hin wird die Situation immer brenzliger! Schachzug um Schachzug bis zum Tag des geplanten Anschlags.
Wieder hat das Buch kein Ende, auch wenn der Fall natürlich abgeschlossen ist. Man darf also weiter gespannt sein.

Rezension von Heike Rau

Benjamin Cors
Gezeitenspiel – Ein Normandie-Krimi
Ein neuer Fall für Nicolas Guerlain
448 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423261412
ISBN-13: 978-3423261418
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Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben

Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben

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Pierre Lemaitre ist ein fein beobachtender Autor, der mit seinen Themen tief in das Leben seiner Protagonisten eindringt.

In dem kleinen Ort Beauval in Frankreich verschwindet kurz vor Weihnachten 1999 der sechsjähriger Rémi spurlos.

Niemand kann sich erklären, wo er geblieben ist.

Einer der Dorfbewohner ist 12 Jahre alt und heißt Antoine. Er hat sich im Wald ein Baumhaus gebaut. Dorthin begleitet ihn häufig der Hund vom Nachbarn Desmedt. Er ist der Vater von Rémi. Die anderen Kinder spielen mit dem Playmobil von Kevin. Antoines Mutter aber möchte, dass ihr Sohn weiter in der Natur und im Wald spielt. So fühlt er sich oft einsam. Sein Vater ist schon lange auf und davon, und die Mutter schlägt sich tapfer mit ihm durch.

Leider passiert ein Unglück, und Antoine zerstört sein Baumhaus in einem Anfall von Wut. Nachvollziehbar schildert uns P.Lemaitre, wie Antoine tags zuvor zusehen musste, als Desmedt seinen von einem Auto verletzten Hund erschießt. Das Ende des Hundes mit dem pikanten Namen Odysseus ist ein Schock für Antoine, denn er war sein stiller Begleiter und Tröster in der Not. Was aber weiß er vom Verschwinden Rémis? Er war derjenige, der ihn zuletzt gesehen hat.

Minutiös schildert uns PL, wie Antoine in ein Netz von Verstrickungen gerät. Er verhält sich auffällig, unruhig und verdächtig. Niemand käme auf die Idee, dass er etwas mit dem Verschwinden von Rémi zu tun haben könnte. PL zeigt uns seine tief verletzte Seele, die vom Tod des Hundes in eine Art Schockstarre gefallen ist. Der Junge wird von Einsamkeit und Schmerz überwältigt.

Das Dorf mit seinen aufgeschreckten Menschen, den untersuchenden Beamten und der Unruhe, die das Verschwinden des kleinen Rémi gebracht hat, ist höchst genau beobachtet. Es sind drei Tage, in denen die Suche nach Rémi das Geschehen bestimmt.

Ein apokalyptisches Unwetter verwischt schließlich alle Spuren, und die Suche wird aufgegeben.

Im Jahr 2015 ist Antoine Arzt. Er hat eine Freundin, und die Ängste und Schrecken der Vergangenheit scheinen überwunden. Er wird sich ein neues Leben aufbauen.

Doch Lemaitre wird die Geschichte neu ankurbeln und mit unglaublichen Ereignissen zu einem mehr oder weniger unerwarteten Ende führen.

Man kann nicht umhin, den Autor für das Maß an Genauigkeit und Recherche mit feinsten Details zu bewundern. Die Mischung aus Krimi und vorstellbarer Lebenstragödie gibt dem Roman den letzten Schliff. Darin ist Pierre Lemaitre ein Meister, wie er schon mit seinem Roman“ Wir sehen uns da oben“ bewiesen hat. Mit diffizilen und sparsamen Mitteln steigert er die Geschichte bis zu einem wirklich überraschenden Ende. Atemlos und gespannt kann man vom Lesen nicht mehr lassen. Einmal mehr beweist uns die Geschichte, dass das Leben unergründliche Wendungen nehmen kann, die Lebenspläne und Hoffnungen zunichtemachen können. Literatur kann die Schattenseiten des Lebens aufzeigen. Dieser Roman ist ein Beispiel dafür. Sehr empfehlenswert.

Pierre Lemaitre
Drei Tage und ein Leben
272 Seiten, gebunden
Klett-Cotta, September 2017
ISBN-10: 3608981063
ISBN-13: 978-3608981063
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Elly Griffiths: Engelskinder

Elly Griffiths: Engelskinder

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Ein typisch britischer Kriminalroman mit dem ganzen Flair von Ermittlern wie Lynley, Lewis oder Barnaby. Dabei wird ein historischer Kriminalfall ebenso aufgeklärt wie ein aktueller. Doch zunächst zum Geschehen.

Als die forensische Archäologen Dr. Ruth Galloway in einer Burg ein Skelett aus viktorianischer Zeit freilegt, glaubt sie, die Gebeine der berüchtigsten Mörderin Norfolks gefunden zu haben. »Mother Hook« soll zu Lebzeiten Kinder in Pflege genommen und getötet haben. Infolgedessen tritt ein Fernsehteam auf die Bühne, um die Folge einer Mystery-Doku-Serie mit der Archäologin zu drehen.
Parallel dazu knüpft sich DCI Nelson eine junge Mutter vor, der bereits das dritte Kind nur wenige Monate nach dessen Geburt gestorben war. Ein- und derselben Mutter. Nelson glaubt nicht mehr an Zufälle. Er fühlt der Mutter und auch ihrem Ex-Mann auf die Zähne. Doch abgelenkt werden er und sein Team von plötzlich verschwundenen Kindern. Sogar Kinder aus seinem engsten Bekanntenkreis.

Die Ablenkungsmanöver der Autorin sind schon etwas sehr Besonderes. Sie lenken nicht nur die Ermittler ab, sondern auch als Leser ist man beinahe geneigt, den Todesfall des sechs Monate alten Babys komplett zu vergessen, weil zunächst die verschwundenen Kinder im Mittelpunkt stehen.
Die Verflechtung der Toten und verschwundenen Kinder aus dem Hier und Jetzt mit denen aus der viktorianischen Zeit um »Mother Hook« bereitet ein ebenso interessantes Vergnügen. Aufklärung über forensische Arbeit inklusive.
Das durchaus wirre Beziehungskonzept der auftretenden Figuren hinterlässt zunächst etwas Chaos im Kopf des Lesers. Wer von wem der Ex ist und wer der Vater von welcher Figur ist, hätte ein bisschen weniger Verstrickung gut getan.

Dennoch alles in allem ein empfehlenswerter Roman, bei dem streckenweise keine Mordermittlung im Zentrum steht. Außerdem fasziniert er mit dem britischen Charme einer Val McDermid oder eines Simon Beckett. Daumen hoch!

Elly Griffiths
Engelskinder
Aus dem Englischen von Tanja Handels
Wunderlich Verlag, Hamburg
ISBN 9783805250962

© Detlef Knut, Düsseldorf 2017
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