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Monat: August 2003

Marlies

Marlies

Nach 10 Jahren ist Marlies wieder da. Hat einfach angerufen, ist in seine Idylle eingebrochen. Dabei will er, Schriftsteller Norman, nur glücklich sein mit seiner häuslichen Frau, den zwei Kindern, die nicht seine eigenen sind, und seiner Geliebten. Marlies beginnt mit ihrer Zermürbungstaktik, trifft seine Schwachstellen, stellt sein Leben in Frage, macht ihn heiß und er lässt sich drauf ein. Als hätte er darauf gewartet. Als wäre die Zeit stehen geblieben. Und bald passiert der erste Mord. Eva Adam, die Geliebte, ist tot. Und somit bricht nun auch der Inspektor in Normans Idylle ein.

Das vorliegende Buch könnte ein Krimi sein, doch am Ende bleibt eine Frage stehen: Wurde überhaupt jemand ermordet? Oder handelt es sich hier nur um die Vorstellung des Autors? Sind die Akteure aus Fleisch und Blut oder existieren sie nur auf dem Papier? Und wenn das so ist, braucht es dann vielleicht gar keine Lösung des Kriminalfalls? Muss ein Mord, der nur auf dem Papier steht, auch auf dem Papier bestraft werden? Die Akteure beginnen ein Eigenleben zu führen. Doch sind die Akteure, die in einer Geschichte zu Mördern gemacht werden wirklich Mörder? Sind die Ermordeten tot? Oder glaubt der Mörder, dass alles nur ein Spiel ist, verkennt den Ernst der Lage, nimmt das Spiel als Berechtigung? Richten sich die Akteure gar gegen den Autor? Nehmen sie dem Autor die Macht über sein Buch zu bestimmen?

Diese Geschichte lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Sie außergewöhnlich zu nennen, ist stark untertrieben. Kontinuierlich wird der Leser in die Seiten hineingezogen, wird zugedröhnt und eingesponnen. Verwundert, erschrocken, zustimmend, ungläubig oder fasziniert folgt man den verschraubten, tiefsinnigen oder abgründigen Gedankengängen des Autors, seinen eigenwilligen Formulierungen, staunt über soviel sprachliches Geschick. Weder Punkt noch Komma können den Redefluss stoppen.
Klar ist, hier wird ein Spiel mit dem Leser gespielt, wird gezeigt, was Literatur kann.

Kleiner Hinweis: „Marlies“ ist die Fortsetzung von „Der Tote im Park“. Aber auch wenn man das erste Buch nicht gelesen hat, ist „Marlies“ gut als eigenständiger Roman zu lesen.

Rezension von Heike Rau

Norbert Sternmut
Marlies
315 Seiten, gebunden
Wiesenburg Verlag Schweinfurt
ISBN: 3-932497-89-9

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Perfekte Verhältnisse

Perfekte Verhältnisse

Die Cook-Goldmans sind eigentlich eine ganz normale Familie. Mirella ist Anwältin, Howard ist Architekt. Den Traum vom eigenen Haus haben sie sich erfüllt. Und zwei zuckersüße Kinder sind auch da. Pearl ist fünf und Jacob fast drei Jahre alt. Das Einzige, was der Familie fehlt, ist Zeit. Es ist für Mirella einfach nicht machbar, Familie und Beruf ausgewogen unter einen Hut zu kriegen. Es ist nicht möglich Ordnung zu halten. Die vielen Verpflichtungen nehmen überhand. Aber zum Glück gibt es ja Kindermädchen. Und als Randi ins Haus kommt, können die Cook-Goldmanns erleichtert aufatmen. Randi nimmt ihre Verantwortung ernst, sie packt zu. Sie ist in der Lage Vater und Mutter zu ersetzen und den ganzen Haushalt zu schmeißen. Bald brauchen die Kinder ihre Eltern gar nicht mehr. In den Griff bekommen Mirella und Howard ihr Leben trotzdem nicht. Mirella wird wieder schwanger und Howard hat berufliche Probleme. Doch selbst ihnen geht irgendwann ein Licht auf. Etwas stimmt in ihrem Haushalt ganz und gar nicht oder besser gesagt, mit Randi stimmt etwas nicht.

Die Autorin setzt sich mit dem alltäglichen Familienleben auseinander und der Schwierigkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren. „Perfekte Verhältnisse“ zu schaffen bleibt ein Traum. Dabei wirkt das Buch keineswegs ironisch, wenn die Autorin auch den Finger auf so mache Wunde legt. Die Geschichte macht betroffen und beunruhigt sehr, sind doch die Gegebenheiten alle dem wahren Leben entnommen und gut nachvollziehbar, glaubwürdig und verständlich. Und die Lösung all dieser Probleme, ein Patentrezept gibt es nun mal nicht. Und doch weckt die Geschichte Hoffnung, dass nicht alles in einer Katastrophe enden muss.

Über die Autorin: Suzanne Berne ist Jahrgang 1961. Sie lebt mit Mann und zwei Kindern in der Nähe von Boston. Sie unterrichtet in Harvard und schreibt u.a. für die „New York Times“.

Rezension von Heike Rau

Suzanne Berne
Perfekte Verhältnisse
Aus dem Amerikanischen von Anette Grube
350 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag Wien
ISBN: 3-552-05263-1

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Nachtlicht

Nachtlicht

J. Pierpont Morgan, 22 Jahre alt, lässt seine Erinnerungen an einen Aufenthalt auf dem Luxusdampfer Titanic aufleben. Vier Tage an denen die Titanic unaufhaltsam einer Katastrophe entgegenfährt. Besonderes Augenmerk wird auf die Personen der 1.Klasse gelenkt, denen er begegnet ist. Da ist zum Beispiel Scurra, der Jurist, Mediziner oder auch Zeitungsverleger sein könnte. Ein rätselhafter Mann. Er hat eine beeindruckende Narbe an seiner Lippe, die zu wilden Spekulationen Anlass gibt. Aber egal, ob sie nur von einem Papageienbiss stammt, von der Teilnahme an einem Duell oder ob er sich an einem Gewehr verletzt hat, dieser Mann wagt es, Morgan ins Gesicht zu sagen, dass seine Freunde nicht in einer normalen Welt leben und gewissenlos sind. Das macht Eindruck auf Morgan. Doch schon bald wird ihm Scurra äußerst unsympathisch, verführt er doch die Frau, auf die Morgan selbst ein Auge geworfen hat, Wallis Ellery. Von da an beginnt er seine Oberflächlichkeit abzuwerfen und beginnt ernsthaft über seine Zukunft nachzudenken.

Die Autorin beschreibt in ihrem Buch die Lebensart der wohlhabenden Gesellschaft um 1912. Diese wirkt besonders oberflächlich und flüchtig, grade weil der Leser weiß, was passieren wird. Die Stunden rinnen dahin, sind gezählt. Und auf dem Luxusdampfer wird die Zeit mit Belanglosigkeiten totgeschlagen. Beim Lesen kommen Gefühle wie Unruhe, Beklemmung und Fassungslosigkeit auf, die Autorin spart nicht mit Spott und Ironie. Durch ihren zielgerichteten, unbeirrbaren Blick auf die Passagiere, den schonungslosen Blick hinter die Fassade, gerät die eigentliche Katastrophe, der Untergang der Titanic, absichtlich in den Hintergrund.

Rezension von Heike Rau

Beryl Bainbridge
Nachtlicht
Aus dem Englischen von Charlotte Breuer
239 Seiten, broschiert
Europa Verlag Hamburg
ISBN: 3-203-85091-5

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Berenike

Berenike

323 v. Chr. – das Weltreich Alexander des Großen beginnt zu bröckeln. Berenike ist 15 und soll verheiratet werden. Doch sie flieht vor dieser Ehe, strebt ein freies Leben als Dichterin an, und findet sich im Heerlager unter Männern wieder. Sie reist nach Babylon mit einer selbstverfassten Eloge auf Alexander den Großen. Doch sie kommt zu spät, Alexander ist tot. Ein politisches Chaos entsteht. In dieser schwierigen Zeit lernt Berenike Ptolemaios kennen, mit dem sie eine einzige wunderbare Nacht verbringt, dann muss der Geliebte schon wieder fort. Berenike kann diese Nacht nicht vergessen, sie will Ptolemaios wiedersehen. Aber erst einmal wird sie von ihrer Familie wieder eingefangen und doch noch gegen ihren Willen mit Philippos verheirat. Sie flieht wiederum. Kurz nach der Geburt ihrer Zwillinge erringt sie mit einem beeindruckenden Lied in Athen beim Sängerwettstreit einen Kranz, macht sich endlich einen Namen. Ein erster, aber nur kleiner Schritt auf ihrem Weg. Doch bis zum Ziel muss sie sich zwischen harten Machtkämpfen und blutrünstigen, gnadenlosen Schlachten behaupten und vor allem am Leben bleiben.

„Berenike“ ist ein Buch, dessen Seiten prall gefüllt sind mit Ereignissen, Abenteuern und Erlebnissen. Die Geschichte ist spannend und faszinierend. Die Autorin erzählt sehr lebendig, stimmungsvoll und leidenschaftlich. Dazu kommt die historische Kulisse, die sich in ihrer ganzen Pracht vor dem Auge des Lesers aufbaut. Gefallen wird auch die moderne Sprache in diesem historischen Roman, der reich an Fakten und Hintergrundwissen ist. 498 Seiten, die zu lesen, ein Genuss ist.

Über die Autorin: Tessa Korber ist Jahrgang 1966. Sie studierte Geschichte, Germanistik und Kommunikationswissenschaft, promovierte 1997. Die Autorin lebt in der Nähe von Erlangen.

Rezension von Heike Rau

Tessa Korber
Berenike
498 Seiten, gebunden
Pendo Verlag Zürich
ISBN: 3 85842 494 3

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R.U.D.I, der Held

R.U.D.I, der Held

Rafaels Vater hat einen neuen Job als Forschungsleiter. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch Rafael musste sich von seinen Freunden trennen und mit seinen Eltern umziehen. Zugang zu den neuen Klassenkameraden findet er nicht gleich.
Sein Kummer wird gemildert, als er von seinem Vater zum Geburtstag R.U.D.I geschenkt bekommt. Der kleine Roboter sieht zwar aus wie ein Hühnerei mit Taucherflossen, aber er kann sprechen, auf Anweisungen hören und er kann sogar denken. Mit R.U.D.I wird Rafael gleich zum Star an seiner Schule. Zu dumm, dass der Vater vergessen hat Rafael zu sagen, dass er R.U.D.I nur für ein paar Tage zum Testen behalten kann. Rafael will sich von R.U.D.I aber auf keinen Fall trennen. Scheinbar haben auch andere ein Auge auf R.U.D.I geworfen. In einem unbeobachteten Moment verschwindet er plötzlich. Entführt! Rafael muss R.U.D.I zusammen mit seinen neuen Freunden befreien. Eine riskante Aktion.

„R.U.D.I, der Held“ ist ein Kinderkrimi, der viel Stoff zum Nachdenken liefert. Könnte ein denkender Roboter einen Freund wirklich ersetzen? Rafael jedenfalls schließt das „Hühnerei mit Taucherflossen“ recht schnell in sein Herz. Und im Gegensatz zu echten Freunden, kann man R.U.D.I einfach abschalten, wenn er nervt. Außerdem ist er anspruchslos. Er braucht nur ein bisschen Strom, dafür kein Hundefutter und wohl auch nicht unbedingt Zuwendung. Die Autoren haben sich Gedanken dazu gemacht. Herausgekommen ist ein wunderbar zu lesendes Kinderbuch mit Tempo und Spannung bis zur letzten Seite, das Kinder und Eltern anregt, über ein Thema nachzudenken, welches in naher Zukunft durchaus aktuell werden könnte. Das Buch ist sehr ansprechend mit zahlreichen Zeichnungen illustriert. Hinzu kommt ein modernes, äußerst gelungenes Cover.

Über die Autoren: Gerit Kopietz und Jörg Sommer sind beide Jahrgang 1963. Sie haben vier Kinder. Über 100 Bücher hat das Autorenduo bereits veröffentlicht.

Über die Illustratoren: Karin Schliehe ist Jahrgang 1964, Bernhard Mark ist Jahrgang 1951. Seit 1989 arbeiten beide in Reutlingen zusammen.

Altersempfehlung: für Kinder ab 8 Jahren

Rezension von Heike Rau

Gerit Kopietz & Jörg Sommer
R.U.D.I, der Held
Illustrationen von Karin Schliehe & Bernhard Mark
155 Seiten, gebunden
Baumhaus Verlag, Frankfurt am Main
ISBN: 3-8315-0344-3

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PolyPlay

PolyPlay

3. April 2000: Oberleutnant Kramer wird zu einem Tatort gerufen – ein 16-Jähriger liegt mit zertrümmertem Schädel vor einem Computerspielautomaten in einem Jugendclub. Die Stasi lädt Kramer ein und in Gegenwart von Markus Wolf erzählt man ihm was von politischen Dimensionen… Tja, so hätte es kommen können, wenn Ende der 80er Jahre die BRD tief in einer Wirtschaftskrise versackt und an einem Miltärputsch zerbrochen wäre, während im Osten der Müller-Lohmann-Prozess für sagenhaft günstige Energie und damit rasanten Aufschwung gesorgt hätte…

Beginnen wir die Betrachtung des Textes mit dem Schlechten: Klammern gehören nicht in einen erzählenden Text (vor allem nicht so gehäuft); ich glaube nicht, dass in der DDR und in Berlin jemals Leichen rumgelegen sind (sondern rumgelegen haben); ich erinnere mich nicht, dass es in der DDR Schulbuben gab (nur Schuljungs); die Ineinandersteck-Puppen heißen Matrjoschkas und nicht Babuschkas; und warum Kramer sich als Kind die Trickserie mit dem Kleinen Maulwurf im Westfernsehen anschauen musste, obwohl es auch im Osten lief, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

Damit wäre dieser Punkt abgehakt und ich kann mit dem Lob weitermachen. Und zwar mit viel davon. Da wäre zum einen ein ganz und gar glaubwürdiger Parallelwelt-Entwurf. Bar jeder Sentimentalität – bei einem westdeutschen Autor nicht verwunderlich – und bar jeder „Osten = schlecht / Westen = gut“-Propaganda – bei einem Westdeutschen eher ungewohnt. Ich habe selten… Nein: Ich habe noch nie eine so realistische Kurzanalyse der Vorwendesituation in der DDR gelesen, wie in diesem Buch.

In derselben Qualität erschuf Hammerschmitt auch seine Figuren: Nicht stereotyp und dennoch deutlich durch ihre jeweilige Rolle und Position geprägt. Lebendig eben.

Die Handlung läuft von Episode zu Episode: Nichts passt zusammen und immer, wenn Kramer einem Beweis nahe ist, der seine vagen Ahnung eventueller Zusammenhänge stützen soll, wird ihm dieser Beweis entrissen. Dafür werden ihm andere Beweise vor die Füße gelegt, die neue Zusammenhänge andeuten, und wenn er sich denen auf der Spur wähnt – schwupp, ist auch dieser Beweis futsch.

Erzählt wird das Ganze in einer kraftvollen, farbigen aber schnörkellosen, orginellen Sprache. Es wirkt fast wie ein hochangereicherter Extrakt. Aufs Wesentliche konzentriert, nichts daran ist langatmig oder langweilig. Ich habe – selbst als ich am Ende doch etwas unbefriedigt die Lösung des Ganzen zur Kenntnis nahm – bis zur letzten Zeile unangestrengt aber aufmerksam gelesen.

Apropos Lösung: Die ist dergestalt, dass die oben erwähnten DDR-Irrtümer vielleicht gar keine des Autors sind… Wie das sein kann? Selber lesen!

Marcus Hammerschmitt
PolyPlay
erschien 2002 in der Reihe
Social Fantasies des
Argument Verlag • Hamburg • Berlin

Marcus Hammerschmitt
PolyPlay
Ein Kriminalfall in der vereinigten DDR im Jahr 2000… und eine unglaublich dichte Sprache.
ISBN:3886199746
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Treppauf, treppab

Treppauf, treppab

Treppen gehören natürlich zu unserem alltäglichen Leben dazu. Sie verbinden verschiedene Räume auf unterschiedlichen Ebenen. Im Buch werden Kinder mit der Fee Cora und ihrer Katze aber ganz ungewöhnlich Treppen und Labyrinthe kennen lernen. Es beginnt mit einem Treppenlabyrinth. Treppauf, treppab werden Buchstaben bis zum Ziel aneinandergereiht. Wer alles richtig macht, erhält den Treppenspruch fürs Buch. Zu bestaunen gibt es beispielsweise auch eine multi-unmögliche Säulenhalle, eine Obensowieuntentreppe, eine Treppenstadt, eine Zaubertreppe und ein Treppen-Brücken-Labyrinth.
Besonderen Spaß macht das Basteln einer eigenen Hexentreppe oder einer Pop-up-Treppe. Das Material dafür befindet sich hinten im Buch. Außerdem gibt es ein spannendes Treppenquiz.

„Treppauf, treppab“ ist ein ganz besonders faszinierendes Beschäftigungsbuch an dem Kinder und sicher auch die Eltern lange Freude haben werden. Die Augen werden beim Betrachten der Bilder immer wieder ausgetrickst. Es eröffnen sich interessante Perspektiven und Sichtweisen auf seltsame Treppenkonstruktionen. Die Obensowieuntentreppe ist so ein verblüffendes Beispiel. Man kann das Bild drehen und wird trotzdem immer einen Weg auf- oder abwärts finden. Wie es zu dieser optischen Täuschung kommt oder wie ein Schatten die Illusion eines Raumes entstehen lässt, wird ausführlich erklärt. Die Kinder werden Staunen über die Vielfalt der Bilder und so mache optische Überraschung erleben. Und wer noch nicht genug von Treppen hat, kann nach weiteren Begriffen zum Thema im Treppen-ABC suchen. Sehr zu empfehlen!

Altersempfehlung: Für Kinder ab 10 Jahren

Rezension von Heike Rau

Bertrun Jeitner-Hartmann / Margit Grassi
Treppauf, treppab
48 Seiten, gebunden
mit Leseband& Bastelmaterial
arsEdition, München
ISBN: 3-7607-4792-2

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Felicitas Mayall: Nacht der Stachelschweine

Felicitas Mayall: Nacht der Stachelschweine

Als in einem ehemaligen Kloster bei Montalcino ein Mitglied einer deutschen Selbsterfahrungsgruppe tot aufgefunden wird, ist Hilfe vom Münchner Morddezernat gefragt. Laura Gottberg, 44 und geschieden, spricht auch Italienisch. Nachdem die Versorgung ihrer Kinder und des alten eigensinnigen Vaters gesichert ist, lässt sie sich voll und ganz auf den Fall ein. Und der hat es in sich. Die erste Spur, die sie mit ihrem italienischen Kollegen Angelo Guerrini verfolgt, führt zu einem geistig behinderten Bauernjungen. Doch es wäre etwas zu einfach, Giuseppe den Mord unterzuschieben. Laura zieht im Kloster ein, um die Mitglieder der Selbsterfahrungsgruppe unter die Lupe zu nehmen. Als ein zweiter Mord geschieht, rückt Giuseppe allerdings wieder ins Zentrum der Ermittlungen. Laura und Angelo wollen das nicht zulassen, sie glauben keine Sekunde an die Unschuld des Jungen. Ob sie sich irren oder nicht stellt sich lange nicht heraus. Die Verhöre der eigenwilligen Gruppenmitglieder, die sich mehr auf Selbstdarstellung versteifen, gestalten sich schwierig. Dazu kommt, dass Laura in ihrer Arbeit etwas durch Angelo abgelenkt wird, mit dem sie die eine oder andere Stunde bei Wein, gutem Essen und mehr verbringt.

Ein spannender Krimi mit außergewöhnlichen und stimmig gezeichneten Akteuren. Laura Gottberg ist eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht, die sich nicht von ihrem Chef bevormunden und eingrenzen lassen will. Angelo Guerrini ist nicht nur ihr Partner in diesem Fall. An ihn richten sich auch bald ihre Wünsche nach Liebe und Partnerschaft. Beide ermitteln in einem wirklich seltsamen Fall. Der Leser bekommt Einblick in eine Selbsterfahrungsgruppe, deren Mitglieder nicht zusammenpassen und deren Therapeutin mit ihrem Beruf hadert. Dazu kommt die Geschichte des geistig Behinderten, in dessen Gefühlsleben und seine Denkweise dem Leser auf sensible Weise Einblick gewährt wird. Undurchsichtig bleibt der Fall bis zum überraschenden Ende. Geschrieben ist das Buch in einem leicht lesbaren, sehr verständlichen Stil. Das macht Lust auf den nächsten Fall von Laura Gottberg.

Über die Autorin: Felicitas Mayall lebt im südlichen Bayern. Sie studierte Zeitungs- und Politikwissenschaften in München, absolvierte die Deutsche Journalistenschule und arbeitete mehrere Jahre als Redakteurin der „Süddeutschen Zeitung“. Seit 1978 ist sie freie Journalistin und Autorin.

Rezension von Heike Rau

Felicitas Mayall
Nacht der Stachelschweine
Laura Gottbergs erster Fall
382 Seiten, gebunden
Kindler Verlag, Berlin
ISBN: 3 463 40416 8

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Der Geisterfotograf

Der Geisterfotograf

1927. Als Peter Duvett seine Assistenzstelle bei dem Fotografen Vienna Linn antritt, ahnt er nicht im geringsten, was auf ihn zukommen wird.
Hals über Kopf verliebt er sich am Tag der Hochzeit in Viennas frisch angetraute, sehr direkte Ehefrau Kala, die ihm ihre Faszination für das Phänomen der Geisterfotografie nahe bringt. Für Vienna Linn reicht die Beschäftigung mit diesem Thema nicht aus. Er arrangiert Unfälle, um sie zu fotografieren. Manipuliert die Fotos, um sie für viel Geld als Geisterfotografien zu verkaufen. Ein gefährliches Geschäft, das auch Duvett zum Verhängnis werden könnte.

Schon der Titel macht neugierig auf das Buch. Und tatsächlich ist die Geschichte überaus faszinieren und unheimlich. Schon allein die Vorstellung, dass längst Verstorbene vielleicht doch auf sogenannten Geisterfotografien als schemenhafte Wesen wieder auftauchen könnten, löst ein Schaudern aus. Mit welcher Unverfrorenheit Vienna Linn die Hoffnung der Menschen für sich ausnutzt, ist unfassbar. Dazu kommt die Schilderung dieser merkwürdigen Dreiecksbeziehung, die sich über alle gesellschaftliche Normen mit Unverfrorenheit hinwegsetzt. Das Buch ist gut geschrieben. Der Autor hält die Spannung scheinbar mühelos. Er versteht es, den Leser mit einer ständig Unheil versprechenden Atmosphäre zu fesseln.

Über den Autor: Howard Norman lebt mit seiner Familie abwechselnd in Washington, D. C. und Vermont. „Der Geisterfotograf“ ist sein vierter Roman.

Rezension von Heike Rau

Howard Norman
Der Geisterfotograf
Aus dem Amerikanischen von Anna Kamp
352 Seiten, gebunden
Kindler Verlag, Berlin
ISBN: 3-463-40425-7

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