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    Die kommende Welt

    Von Claudine Borries | 11.Januar 2008

    Im Jahr 2001 kam auf einer Singleparty zu Ehren von Marc Chagalls Bildern im Jüdischen Museum in New York ein kleines Bild < Über Witebsk > abhanden.

    Marc Chagall hatte 1919 in der jüdischen Kinderkolonie Malachowka gearbeitet. Die Kinder waren während der russischen Revolution bei Pogromen an Juden zu Waisen geworden. Viele seiner Bilder sind dort entstanden, so auch das entwendete Gemälde in New York. Chagall lebte in seinen späteren Jahren in New York und überlebte viele seiner Künstlerkollegen, mit denen er in Malachowka zusammen gearbeitet hatte.

    Angeregt durch den Diebstahl hat Dara Horn eine Familiensaga erfunden, die uns zurück nach Russland und in die Jetztzeit nach New York führt.

    Die Familie Ziskind bildet den Plot.
    Sie wird ähnlich wie die Bilder von Chagall, die Träumen gleichen, in verschiedenen Schattierungen und an unterschiedlichen Orten beschrieben.

    Boris Kulback war 1920 mit 11 Jahren in dem Kinderheim Malachowka für jüdische Waisenkinder gelandet und bekam von seinem Zeichenlehrer Chagall ein Bild geschenkt. Seine Tochter Raisa wird es behalten und in ihre Familie mitnehmen.
    Als Ben das Bild 2001 in New York in der Ausstellung wieder entdeckte, nahm er es ohne Skrupel an sich. Es gehörte seiner Familie. Was er nicht wusste: seine Mutter hatte es nach dem Tod des Vaters aus Geldnot verkauft.
    Unschwer lässt sich erraten, dass seine Mutter die Tochter von Boris Kulback ist.

    Die Kuratorin des Museums, Erica Frank, kommt bald dahinter, dass Ben hinter den Diebstahl steckt.

    Ben lebt in New York, ist geschieden, war ursprünglich ein Wunderkind und schlägt sich nun tapfer als Erfinder von Quizfragen durch. Seine Zwillingsschwester Sara wird ein Kind bekommen von Leonid, ihrem geschäftstüchtigen Ehemann. Die Mutter von Sara und Ben war Illustratorin und hat bekannte Geschichten jüdischer Autoren für ihre Kinderbücher nacherzählt. Sie ist kürzlich verstorben.
    Eines ihrer Bücher heißt < Die kommende Welt >. Ben versteht eines Tages, dass die Geschichten nicht auf das Jenseits gerichtet sind, sondern dass die kommende Welt die Zukunft ist, die man mit den eigenen Entscheidungen in diesem Leben schafft.

    Die Autorin wechselt die Zeitebenen, so dass ein wechselvolles Familiengemälde entsteht.
    Durch das jüdische Leben in Russland und das jüdische Leben in New York entstehen Parallelwelten. Verbunden bleiben sie durch die Familiengeschichte der Ziskinds.

    Atmosphärisch eindringlich und mit Humor werden die Eigenheiten der Einwanderer russisch-jüdischer Abstammung vorgestellt. Archaische Familiengebote bestimmen auch in der neuen Welt das Leben jüdischer Familien. Bens Vater musste im Vietnamkrieg kämpfen, um unabhängig vom Vater sein Studium zu beenden, denn die Ehe mit Raisa war dem Vater nicht genehm.

    Die phantasievolle Ausschmückung der Familiengeschichte ist bestrickend. Einmal befindet man sich im Russland der Verfolgungen, unter denen schon früh die Bürger jüdischer Herkunft zu leiden hatten. Dann wieder ist man in der apokalyptischen Gegenwart der Welt des Terrorismus in New York.
    In einer skurrilen, traumähnlichen Weise wird der zukünftige Erdenbürger Daniel, das Kind, das Sara erwartet, über die kommende Welt aufgeklärt. Die Sprache erinnert in ihrer Ausschmückung an die schwebenden, erdenfernen Bilder von Chagall. Man wird sehr lebhaft in diese Traumwelt hineinversetzt.

    Die Geschichten der einzelnen Protagonisten sind in vielfältiger Weise miteinander verwoben.

    Ein Gesamteindruck bildet sich erst nach und nach heraus. Lebensgeschichten und Familiengeschichten folgen eigenen Gesetzen, im Leben wie im Roman.
    Die Autorin kennt sich gut aus mit dem jüdischen Glauben. Für Juden ist die kommende Welt die Verheißung auf das gelobte Land.

    Das jüdische Viertel in New York gewinnt Leben durch die Tradition und die rituellen Feste. Das Yiddische wird vermischt mit dem Russisch der Herkunftsländer gesprochen.
    Der Plot wird immer verwickelter und spannender. Ein weit gespannter Bogen führt vom Gestern bis in die Gegenwart.

    Träumerisch, teilweise beängstigend, unwirklich und real: die Mischung lässt das Werk zu einem opulent ausgeschmückten und reich verzierten Bild werden, das den Gemälden von Chagall im Wort nacheifert.

    Die Vermischung des realistischen Ausgangspunkts der Geschichte hin zu einem spannenden und ausschweifenden Familienbild, witzig, komisch und von jüdischem Humor getragen, bietet ein ungewöhnliches Szenario.

    In einem Nachwort berichtet die Autorin von den jüdischen Schriftstellern, die ermordet wurden. Sie hatten sich in der Kolonie Malachowka mit Chagall zusammengefunden. In Anlehnung an ihre Erzählungen hat Dara Horn einige ihrer Geschichten im Roman ausgestaltet.
    Dara Horn hat in Harvard hebräische und jiddische Literatur studiert und lebt heute in New York.

    Dara Horn
    Die kommende Welt
    Jüdische Familiensaga zwischen Traum und Wirklichkeit
    ISBN:3833305290
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    Ein Kommentar to “Die kommende Welt”

    1. Claudine meint:
      5.Juni 2011 at 14:47

      Na, das freut mich aber!!!
      I’m pleasured!



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