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    Roman Graf: Herr Blanc

    Von Claudine Borries | 23.November 2009

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    Auf den Spuren eines Sonderlings!

    Versonnen geht Herr Blanc in einer hellen Mondnacht seiner Wege. Er kommt gerade aus der Wohnung seiner Mutter, wo er zu Abend gegessen hat wie immer an jedem Montag und Freitag, und wie immer gab es das gleiche Essen an jedem dieser Tage.

    Seine Arbeit hat er nach zwanzig schönen Berufsjahren wegen Umstrukturierungen in der Firma verloren. Zu Recht nimmt er nun die Arbeitslosenunterstützung in Anspruch!

    Ob er wohl ein anderes Leben geführt hätte, wenn er einstmals mit Heike in England geblieben wäre?

    Er und die junge Deutsche haben in ihren jungen Jahren in Cambridge zusammen studiert, ein Vorzug, den er seinem Vater verdankte. Dieser hatte mit einer früh angelegten Sparsumme für sein Studium gesorgt. Verheiratet waren seine Eltern nie, und die Mutter hat sich redlich geplagt, um für ihren Jungen sorgen zu können. Nun sollte wenigstens er es zu etwas bringen!

    Heike war seine erste große Liebe, die nur noch in der Erinnerung besteht, denn geheiratet hat er schließlich die Witwe Vreni, die ihn mit ihrem angepassten Wesen nervt.

    Die gleitenden Gedanken, die ihm sein vergangenes Leben vor Augen führen, zeigen ihn als einen eigenbrötlerischen Sonderling, und er überlegt, was wohl aus Heike geworden sein mag!

    In lakonischem Tonfall beginnt Roman Graf seinen Roman über Herrn Blanc, dessen Lebensweg ein einziges  langweiliges Desaster war. Immer zog es ihn wieder nach Hause in die Schweiz und zur Mutter, die bis an ihr Lebensende für ihren Sohn gesorgt hat. Als sie stirbt, ist Herr Blanc nun wirklich ganz alleine auf der Welt, und so fühlt er sich auch.

    Roman Graf liefert das  überraschende Porträt  eines Menschen, der pedantisch bis zu Zwanghaftigkeit agiert und lediglich seine Zeit mit Heike als unbeschwert und frei von seiner beharrlichen Ordnungsliebe erlebt hat.

    Die Charakterstudie dieses Mannes, der blass und fahrig durchs Leben geht, der fast immer Opfer ist und doch eine verhaltene Obsession nach Rebellion beweist, ist dem Autor hervorragend gelungen. Mit kleinen Details bekommen seine Figuren Stimme und Form, so dass man sie lebhaft in ihrem Element sieht: Vreni, die Witwe, die ihn zuvorkommend umhegt, Anton Blancs Mutter mit ihrer aufdringlichen Fürsorge,–und Herr Blanc selber! In dem man ihn immer nur mit dem Titel „ Herr Blanc“ beschrieben findet, ahnt man seine naive Einfalt, seine immerwährende Distanz zu Menschen  und Dingen und die Utopie einer Nähe, die er sich in der Erinnerung an Heike  vorgaukelt.

    Mit seiner zurückgenommener Ausdrucksweise und seinem stillen Humor beweist Roman Graf, dass in einem Leben als Sohn und Mann, in dem eher der versorgte Sonderling zu sehen ist, auch ein verborgener Herausforderer des Schicksals lauert, der am Ende siegen wird, -und wie!

    Das Debüt ist herausragend und lässt auf ein Talent schließen, auf dessen weitere Werke wir gespannt sein dürfen.

    Roman Graf   Herr Blanc
    Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
    Verlag: Limmat Verlag; Auflage: 1., Aufl. (August 2009)
    ISBN-10: 3857915854
    ISBN-13: 978-3857915857



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