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    Eberhard Rathgeb: Kein Paar wie wir

    Von Claudine Borries | 19.März 2013

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    Schwestern auf gemeinsamen Lebenspfaden.

    Die Schwestern Vika und Ruth sind aus Hitlerdeutschland mit den Eltern Mitte bis Ende der dreißiger Jahre nach Argentinien geflüchtet. Hier hat der Vater seine Lebensgrundlage als Brückenbauer gefunden und führt in der Familie ein eisernes Regiment, während die Mutter im Haushaltsalltag untergeht. Sie hat den Abschied aus ihrem Dorf irgendwo in Deutschland nie verwunden.

    Beide Mädchen haben eine triste und belastende Kindheit mit dem von der schwermütigen Mutter geprägten Kinderalltag hinter sich. Sie können sich mit etwa dreißig Jahren aus den Zwängen des herrschsüchtigen Vaters und der depressiven Mutter befreien. Zuerst wandert Ruth nach New York aus. Später folgt Vika der Schwester, und beide leben glücklich wie in ihrer Kindheit eng zusammen. Sie sprechen  fließend drei Sprachen und sind beruflich gut etabliert. Hier in New York geht es ihnen gut, und sie genießen das Leben ihrer Zweisamkeit. Sie sind wahrlich ein ungewöhnliches Paar!

    Jetzt sind sie alt und in ihren Gesprächen ziehen die Jahre noch einmal an ihnen vorbei. Teils melancholisch und teilweise trotzig bekräftigen sie ihre Entscheidung, keinen Mann und keine Kinder gewollt zu haben. Gewiss gab es da den einen oder anderen Verehrer. Doch sie sind sich sicher, dass ihrer beider Beziehung sie vor unnötigen Enttäuschungen oder Irrtümern bewahrt hat. Kein Mann und keine Kinder: das ist nach ihrer Meinung die wahre Freiheit, die sie sich erhalten haben. In ihrer beinahe symbiotischen Zweisamkeit scheinen sie das Glück ihres Lebens gefunden zu haben.

    In geradezu zärtlicher und rührender Weise veranschaulicht uns Eberhard Rathgeb die Wohnung, das Behagen und die täglichen Verrichtungen der beiden Schwestern. Ihre Reflexionen bewegen sich in ruhigen Bahnen. Da gibt es keine unnötigen Aufregungen oder gar Streitereien. Sie sind sich so zugetan wie nur möglich. Das Leben ihrer Kindheit erleben sie in der Rückschau allerdings als niederdrückende, sprachlose und freudlose Hölle. In ihrem Lebensrückblick erfährt man hautnah, wie traurig das Leben im Elternhaus war. Erst spät lernten sie mit dem Abschied aus dem Elternhaus ihr Leben selbständig zu gestalten. Die Trennung durch den Tod befreite sie  schließlich von den eher bedrückenden Eltern. Große Reisen boten ihnen den Blick auf die Welt außerhalb ihrer engen Grenzen. Als aber Ruth, die ältere der beiden Schwestern, nach dem Tod von Vika übrig bleibt, kommt einem das ganze Elend des Alters und Alleinseins zu Bewusstsein. „Ich werde die Welt nicht mehr sehen. Mir bleiben nur die kleinen Dinge. Ein Teller, eine Gabel, ein Tisch, ein Stuhl, ein Fenster…..“ Kann man besser nachempfinden, wie leer das Leben zum Ende hin sein kann?

    Abschied, Heimatlosigkeit und Einsamkeit sind die Begleiter der überlebenden Schwester Ruth.

    Eberhard Rathgeb hat ein großartiges in einer bilderreichen Sprache erdichtetes Lebensbild zweier ungewöhnlicher Schwestern gezeichnet, das lange im Gedächtnis haften bleibt.

    Eberhard Rathgeb
    Kein Paar wie wir
    192 Seiten, gebunden
    Carl Hanser Verlag, Februar 2013
    ISBN-10: 3446241310
    ISBN-13: 978-3446241312
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