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    Veronique Bizot: Menschenseele

    Von Claudine Borries | 2.Juni 2016

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    Veronique Bizot ist eine sehr begabte Erzählerin. Schon mit ihrem Roman „Die Krönung“ versetzte sie sich ganz in die Seele eines alten Kauzes.
    Nun sind es ihrer mehrere, denen sie die Aufmerksamkeit schenkt.

    In einem abgelegenen Landstrich in den französischen Bergen lebt der Theaterschriftsteller Adrien Fouks, der keine Post beantwortet, seine Bewunderer vergrault und immer nur seine Ruhe haben will. Zu ihm passen zwei namenlose Brüder, von denen der Ältere nach einem Familienunglück, das nur er und sein kleiner Bruder überlebt haben, auf den zurückgebliebenen jüngeren Bruder aufpasst. Ersterer übersetzt Texte ins Italienische. Sie leben ein paar Kilometer entfernt von Fouks auf ihrem Familienhof, der vor Jahren abgebrannt und nicht wieder restauriert worden ist. Zuletzt gibt es noch Montoya, der auf dem Hof eines Malers lebt, den dieser vor einiger Zeit an ihn verkauft hat.

    Hier nun also treffen die vier Kauze gelegentlich zusammen. Veronique Bizot versteht es trefflich, mit ungeschminkten Worten die Charaktere rund um die Einsiedelei zu beschreiben. Man fühlt sich unweigerlich als Zuschauer, der den vier Protagonisten über die Schulter schaut. Der jüngere der beiden Brüder fungiert als Icherzähler. Er scheint viel aufgeweckter zu sein, als sein Bruder glaubt. Unter der Anleitung des Theaterschriftstellers liest er in dessen Bibliothek anregende Bücher, die ihm die Augen für die Welt zu öffnen scheinen.

    Es gibt keine Rede oder Gegenrede; vielmehr spielen sich die Szenen in der indirekten Erzähl- oder Redeweise ab, was der Geschichte keinen Abbruch tut. Die kauzige Mentalität aller vier Figuren findet beredt Ausdruck in dem, was über sie erzählt wird.

    Insgesamt aber  bleibt die Geschichte ein wenig rätselhaft. Das eintönige Leben der vier Männer, eine Reise nach Turin und gelegentlich Begegnungen der vier Männer reichen am Ende nicht aus, das anhaltende Interesse des Lesers zu gewinnen. Poetisch gekonnt, inhaltlich durchaus anerkennenswert, ist man zuletzt etwas überfordert, zu erfassen, was die Autorin uns mit ihrer Geschichte sagen will. Kauzigkeit als Lebenzweck? Glücklosigkeit als Lebensziel? Nur der jüngere der beiden Brüder bleibt am Ende übrig, um das Erbe der Verstorbenen und des kranken Theaterschriftstellers zu verwalten.

    Die Charaktere wirken versponnen in ihr jeweiliges Geschick. Der jüngere der beiden Brüder bleibt als einziger neugierig auf die Welt und staunt über so manche Ereignisse und Erfahrungen in seinem fortschreitenden Leben.

    Im Gegensatz zu der Novelle „Die Krönung“ fehlt dieser Geschichte ein wenig der Humor und die Selbstironie.
    Dennoch ist die literarische Qualität in Wort und Schrift unbestreitbar. Es wird ein Buch für die Liebhaber kauzigen Lebensglücks sein!

    Veronique Bizot
    Menschenseele
    146 Seiten, gebunden
    Steidl, Mai 2016
    ISBN-10: 3958291368
    ISBN-13: 978-3958291362
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