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    Anna Enquist: Denn es will Abend werden

    Von Claudine Borries | 7.August 2019

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    In geheimnisvoller Weise führt uns Anna Enquist auf die Spuren eines Streichquartetts, dessen Mitglieder durch einen dramatischen Überfall und Unfall auseinandergerissen wurden. Holland ist der Ort des Geschehens.
    Carolien ist die Hauptprotagonistin, aus deren Blickwinkel die Geschichte aufgerollt wird.

    Sie hat durch den besagten Überfall einen kleinen Finger verloren und will keinesfalls mehr ihr Instrument, das Cello, anrühren. Auch ihrem Beruf als Ärztin glaubt sie nicht mehr nachgehen zu können. Ihr Mann Jochem, ein Instrumentenbauer, hat sich in ein Atelier verkrochen, in dem er sich mit vielerlei Sicherheitsvorkehrungen eingeigelt hat. Diese beiden scheint der Unfall ganz aus dem Gleise geworfen zu haben. Am wenigsten hört man von Heleen. Hugo, der Bootsbesitzer, dessen Boot bei dem Überfall in die Luft gesprengt wurde, hat sich als Konzertmanager nach China abgesetzt.
    Dorthin führt dann auch eine Reise von Carolien, die damit ihrer Trauer zu entfliehen hofft. Die Chinaeindrücke beherrschen denn auch lange die ganze Geschichte.

    Die Autorin umkreist ihr Sujet, und nur aus Andeutungen lässt sich die Geschichte nach und nach rekonstruieren. Alle sind sich fremd geworden und können keinen Gedankenaustausch finden. Gab es da nicht sogar Kinder von Carolien und Jochem? Darüber wissen wir gar nichts.

    Wir tappen lange im Dunkeln, bis wir allmählich verstehen, dass besonders Carolien und Jochem doppelte Traumata zu verarbeiten haben.

    Die Unfälle sind m.E. ein wenig zu zahlreich und drastisch aufgetragen. Wie die Fische im Wasser ziehen alle ihre eigenen Bahnen, um dem Unheil der Erinnerung zu entkommen. Man folgt gebannt den einzelnen Begegnungen, Handlungen und Gesprächen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Charaktere sind unterschiedlich, und genauso unterschiedlich sind ihre Verarbeitungsstrategien. Missverständnisse, Naivität, mangelndes Selbstwertgefühl nach dem vorübergehenden Verlust der Selbstbestimmung und tiefe Ohnmachstgefühle bei einigen zeigen, was Schicksalsschläge aus Menschen machen können.

    Die Atmosphäre, die in dem Roman beschrieben wird, ist melancholisch bis ängstlich-depressiv.
    Wie werden die Beteiligten nur aus diesem Drama herauskommen?
    Die Autorin zeigt uns mit ihrem Erzählstil, wie es um die Seelen ihrer Protagonisten bestellt ist.

    Die Sprache ist subtil und differenziert, so dass man lange gefesselt bleibt.
    Das Ende ist überraschend und sehr unerwartet aber gekonnt aus dem Wissen einer Therapeutin entwickelt.
    Ein solches Ende erwartete man nicht. Es könnte leicht kitschig wirken, entgeht diesem Klischee aber knapp.

    Anna Enquist ist neben ihrer Schriftstellerarbeit Psychoanalytikerin. Man merkt ihrem Roman an, dass sie sich aus langen Jahren der Erfahrungen mit den Ängsten, Sorgen und Nöten von traumatisierten Patienten gut auskennt.
    Sie lebt in Amsterdam.

    Anna Enquist
    Denn es will Abend werden
    288 Seiten, gebunden
    Verlag: Luchterhand Literaturverlag, Juni 2019
    ISBN-10: 3630876048
    ISBN-13: 978-3630876047
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