Michael Kumpfmüller: Ach, Virginia

Michael Kumpfmüller: Ach, Virginia

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In dem hier vorliegenden biographischen Roman geht es um das letzte Lebensjahr von Virginia Woolf.

Wir haben das Jahr 1941. Der Zweite Weltkrieg steckt in einer beängstigenden Phase, und Fantasien von einer Invasion mit schrecklichen Folgen bedrängen V. Woolf.

Michael Kumpfmüller hat die besondere Gabe, sich ganz in seine Hauptfigur hineinzuversetzen. Aus ihren Gefühlen und Empfindungen heraus berichtet er über innere seelische Befindlichkeiten wie keiner nach ihm.

Nach seinen Darstellungen erscheint uns Virginia Woolf als eine hypersensible, dramatische und krankhaft ichgestörte Person. Aus ihrer Lebensdaten geht hervor, dass sie an manisch- depressiven Zuständen litt.

Sie denkt nur über ihre eigene Unzulänglichkeit nach und beklagt ihre mangelnde Fähigkeit, einen achtbaren Roman zu schreiben. Insgeheim bewegt sie die ganze Zeit die Möglichkeit zu einem erfolgreichen Suizid.

Männer scheinen ihr ein Gräuel gewesen zu sein, einschließlich ihr eigener Mann Leonard.

Sie wird getrieben durch die Gedanken, in denen sie sich fast masochistisch klein macht, und die sie umkreisen und ihr den Schlaf rauben. Leonard ist dauernd um sie und sorgt für ihr leibliches Wohl. Sein eigenes Wohl geht in der Fürsorge für seine Frau ganz unter.

Ihre selbstverachtende Mentalität bietet ihr nirgends inneren Frieden. Schuldgefühle, ihrem Mann keine gute Ehefrau zu sein, treiben sie um. Visionen und Einbildungen täuschen eine Realität vor, die es so nicht gibt. Zuweilen wechseln Wachträume mit Ängsten aller Art. Und immer wieder treibt sie ihr Tun zu dazu, sich ihren Suizid im Fluss vorzustellen, was ihr zuletzt auch gelingt.
Fast kann man ihren Lebensüberdruss verstehen. Allerdings sind die Mitgefühle ambivalent, da sie so eine manisch vom eigenen Ich besessene Person gewesen zu sein scheint, die alle anderen Menschen nur im Bezug zu sich selbst betrachtet.

Michael Kumpfmüller schreibt assoziativ ganz aus der Innenschau seiner Figur. Diese wabernden Gefühle, Gedanken und Fantasien gewinnen an Intensität und Farbigkeit. Stimmungen werden nachvollziehbar und stecken fast an in ihrer düsteren Besessenheit.

Der Autor begibt sich so sehr in den inneren Seelenzustand seiner Protagonistin, dass man sich quälend selbst betroffen fühlt.

Es ist eine bedrückende Szenerie, die sich dem Leser da auftut; und doch ist Virginia Woolf in ihrer Erscheinung, ihrer intellektuellen Brillanz und in ihrem exotischen Auftreten ganz präsent. Sie hatte Wirkung auf die Frauenbewegung und Emanzipation und war eine allseits anerkannte Persönlichkeit. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie sie am Leben litt. Dieses Bild von ihr bringt der Autor mit seinem tiefen Einfühlungsvermögen hervorragend zu Geltung. Michael Kumpfmüller ist ein anerkannter Schriftsteller, dem schon zahlreiche hervorragende Lebensbilder gelungen sind. Einer seiner Bestseller gilt dem letzten Jahr von Franz Kafka mit dem Roman „Die Herrlichkeit des Lebens“.

Michael Kumpfmüller
Ach, Virginia
240 Seiten, gebunden
Kiepenheuer&Witsch, Februar 2020
ISBN-10: 3462049216
ISBN-13: 978-3462049213
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